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Central-Verein-Zeitung · 1935-05-30 · 22 (30.5.1935) · page 14

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
22 (30.5.1935)
Date
1935-05-30
Page
– (sequence 14)
Language
German
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3'ieffcittqfeit brr Au?druck?m?iglichkeiten, fine -Reife der Aussassung, Me eine bemerkenswerte ^cjdifoijenfyeit der künstlerischen Persönlichkeit der jungen Meisterin'erkennen lassen. ' Tie Liebe zu den biblischen Themen, kommt - bei ihr auS einem wirklich frommen Gemüt, und der in ihrem väterlichen Hanse noch heute geübten. Jahrhunderte alten, religiösen Tradition. Ein wahrhaft jüdischer Mensch, mit wahrhaft menschlichen jüdischen Begabungen. F. Gz. Clara Roth eine Tochter von Lina Morgenstern Clara Roth. die einzige noch lebende Tochter Lina Morgensterns, ist 80 Jahre alt geworden. In einem einfachen Zimmer häufen sich Geschenke und Blumen; dort empfangt die zierliche alte Frau mit den weißen Haaren ihre Besucherin und kommt gern der Bitte nach, au§ dem Schaß ihrer Erinnerungen 311 erzählen. Aus einem übervollen Leben, wie es nur wenig Menschen zuteil wurde, kann Clara Noth schöpfen ltnb immer wieder kehrt das Auf und Ab der Linien ihres eigenen Wirkens zu der überragenden Persönlichkeit ihrer Mutter zurück. Nicht nur die letzten Jahrzehnte, sondern das ganze Leben von frühester Jugend an ist mit leuchtender Farbigkeit in der Erinnerung dieser Frau lebendig. In der knappen Erzählung entsteht das plastische Bild eines Weges, der erfüllt war von vielfältigsten Geschicken. Kampf und Pflichterfüllung. Enttäuschung und Erfolg ztl einem klaren Ziel strebte, und das alles unter dem Licht eines feinen, verklärenden Humors, der noch jetzt in den Worten und dem Lächeln der Greisin liegt. Clara Noth erzählt: ..Ieh kann nicht sagen, daß ich von den fünf Kindern meiner Mutter gerade ihr Lieblingskind war; trotz besten gegenseitigen Berstehens gab es mancherlei Mon-‘ stille" — das Leben ztveier besonders starker Naturen mit° und nebeneinander! — „Als ich ein Jahr alt war. schrieb meine Mittler über nach in ihr Tagebuch: .Du bist nicht ganz so, wie du sein sollst, mein Kind: du bist zu faul. ÜOenn du im Wagen umfällst, bist bu sogar zu fallt, ztt schreien oder dich wieder aufzusetzen/ Aber ich glaube sagen zu dürfen, daß diese Prognose meiner Mutter sich nicht ganz bewahrheitet hat." Dann spricht sie davon, wie sie in das Haus ihrer Großmutter in Breslau kam, in das Haus dieser „echten Jüdin", aus dessen geisterfülltem Kreis viele der bedeutendsten Glaubensgenossen dieser Zeit hervorgingen. Bon dort aus ging das Mädchen als Kinderpflegerin zu einer russischen Fürstin, wo es zwar u. a. besonders gut kochen lernte, aber auch zum ersten Male erfuhr, daß die Zugehörigkeit zum Judentum eine Tatsache ist. die einem manchmal einen Gtrich durch die Rechnung des Berufslebens machen kann. Nach einer kurzen Arbeitszeit zu Haufe und der glänzenden Absolvierung von Lina Morgensterns „Akademie für wisfenschrftliche ,Tortbildung junger Mädchen" geht die Tochter für ein ganzes Jahr' nach London, richtet dort den ersten Kindergarten ein, besucht nebenbei das Ilniversith College und tut alles, was nur möglich ist. um sich weiterzubilden, und als sie von dort — nach einem längeren Aufenthalt auch noch in Schottland und einigen dazwischenliegenden Abstechern nach Wien — wieder nach Haufe kommt, ist sie erst 22 Jahre alt. Weiblicher, allzu weiblicher Museumsbesuch Amu er nu und hatte ganz zerstreute Airgen. „Walter, woher kommen Sie?" — „Bom Mnsemn komme ich. es war sehr schön." - „Gelogen, Walter, vom Museum. und solche Allgen. Und allein, nochmals gelogen." --- „Nein, die bittere Wahrheit, vom Museum komme ich. allein komme ich. cs lvar sehr schön. Schade, daß Sie nicht mitkommen wollten, ja, sie war auch sehr schön . . — „Aha. also doch nicht allein." — „Nein, im Museum war ich nicht allein, dort mußte ich ununterbrochen ein Bild ansehcn, ein Bild von einer . . ." — „... von einer Frau natürlich." — hm . . lind so kam cs. wie es kommen mußte. Ich hatte eine schlaflose Nacht, mich verfolgte das „Bild einer Frau", ich war regelrecht lmd rechtschaffen eifersüchtig mtf dieses Bild, und am andern Morgen fuhr ich sobald cS iflng in die Oranienburger Straße. In der Stadtbahn noch mußte ich an die zerstreuten Augen von Walter denken, der Tabakrauch im Abteil war unleidlich lind stieg in meine Augen. Ich stürmte die Treppen zum Museum hinauf, unterwegs fiel mir ein, daß IlicH. eine Ausstellung von Bildern. und Plastiken veranstaltet fei.' Atemlos machte ich ulich auf die Suche nach der gerahmten Konkurrenz. Hat vielleicht hier diese junge Frau in Pastell unter, dem lvcißcn Hutrand ihren Seitenblick/ auf' Walter geworfen? Daß Walter auf. fo etwas hereinsallt. Aber hübsch ist sie, das'muß ihr der Neid lassen, du-mein Gott, "Pastellkrciden sind halt kleidsam, wer weiß,' Wie -Josef Avrach ihr geschmeichelt hat,, ganz zärtlich hat er die fernen .Nasenwurzeln, mit -dem Stift' gestrichelt, aber ist Walter so cm Künstler, daß er "ebenso 'treffend gerade -da-s -Spitzbübische und -Reizvolle dieser Augen erblicken rmd erfassen kann? Dodos Kind. .. im Zoo Ein wahres Erlebnis unserer Zeichnenn <. -f s D 0 do: „Sieh mal, Anja, cm Pfaur Anja: „Ein C.U.? ..& i-77 Inzwischen arbeitet die Mutter unter ver- , mehrten Schwierigkeiten zu Hause, weiter; die Stöcker-Bewegung hatte ihr den wenig schmeichel- ' haften Beinamen „Jüdin für alles" verliehen; ..aber .der persönliche Schutz der Kaiserin, die wärmstes Interesse nahm an allem, ivas inr Hause vorging, gab ihr einen starken Halt; eine nach der andern der sozialen Einrichtungen, die das unvergängliche Lebenswerk Lina Morgensterns sind, wurde gegründet, und in ihrem Hanse sammelten sich immer mehr große Geister der Zeit. Tie Toehler Clara macht lvieder einen Abstccher; sie geht mit einer französischen. Familie für zwei Jahre nach Italien und erteilt dort den Kindern jeglichen Unterricht mit bestem Erfolg. Es kommt ihr sehr zustatten, daß sie bei ihren vielen Aufenthalten im Ausland die fremden Sprachen zu beherrschen lernt. Tann kommt der Krieg und sie kehrt wieder nach Hanse zurück. Sie heiratet, bekommt zwei Kinder, und von da an geht es ihr sehr schlecht. Ais sie einen Ruf erhält, in Vertretung ihrer Mutter nach Stockholm zu gehen und dort eine Volksküche eiuznrichten; aber nach einem halben Jahr ist sie bereits wieder in Berlin und ernährt sich und die Kinder mühsam durch Massage und Heilghmnastik, die sie iuzwischeu erlernt hat. Toch dann beginnt ein glücklicher Gedanke, den sie in Schlveden hatte, sich ans- ’ zuwirkcn: in einem Laden in Stockholm hatte sie schöne Holzschnitzereien gesehen und. davon angeregt, sich trotz manueller Schlvierigleiten um die Erlernung dieser Kunst erfolgreich bemüht. Nun begann sie in Teutschland die Kunst auSzuüben, Ministersvhne und Köchter nahmen bei ihr Unterricht, die Aufträge häuften sich, die Presse brachte überall Artikel über die Arbeit und ihr Leben nahm wieder einen großen Aufschwung, obwohl sie, wie sie betont, „nie ein Kaufmann war". Jetzt zeigt Clara Noth der Besucherin voll Stolz die herrlichen Arbeiten an Jntarsienbildern und geschnitzten Truhen und Sehränken im eigenen Heim und auch hie Gemälde, die ihr Vater noch im Alter von 70 Jahren schuf; auch ihm wird ihre dankbare Erinnerung gerecht: „Er lvar ein wunderbarer Mensch. ohne den meine Mutter auch nicht das hätte werden können, lvas sie war; denn es ist ihm doch hoch anzurechnen, daß er ihr für alle ihre Arbeiten freie Hand gab." So erzählt Elara Roth. eine greise Jüdin mit einem warmen, lebendigen Herzen, mit einem besahenden Lebenssinn und einer Freude am Werk, wie sie der jüdische Mensch von heute braucht. Hildo Marx. Im Klubhcim bcS Berliner Indischen Frauenbundes erfreute Frau Kammersängerin Ottilie M e tz g c r - L a t t e r m n n n ei nen dankbaren Hörerlreis mit ihrem herrlichen Gesang. Die dargebotenen Lieder — in Sprachen vieler Länder — bezeugten die hohe Geschmackskultnr und Musikalität der bekanuten Künstlerin, die öfter zn hören gewiß nicht nur der Wunsch der Klnb-- rnitglieder sein dürfte. In einem Vortrag über „Das südisehe Berlin" gab Tr. Eva Reichm a n n - I n n g in a n n ein anschauliches Bild jüdischen Lebens, jüdischen Geistes und jüdischer Aufgaben im Wandel der Zeiten bis zur Gegen- C.-^.-Leser trinken nur den Kaffee, Tee, Kakao der Camajo Bsffss GreSrSsfarei Bremen Vertreter worden noch eingestellt Ein staatspreisgekrönter Roman Ludwig Win der: „Steffi“ D i e tschechoslowakische Republik verteilt in jedem Jahr einen Literatur- Staatspreis für das deutschgeschriebene Werk eines Staatsangehörigen. Diesen Literatnrpreis erhielt 1004 Ludwig Minder für das jetzt (im Verlag Julius Kittls Nachfolger. Leipzig-Mährisch- Ostrau) erscheinende Buch „Steffi oder Familie Dörre überwindet die Krise." Ludwig Minder ist Jude. Er wurde 1889 in Schaffa (Mähren) geboren und lebt in Prag. Er schrieb in deutscher Sprache eine Anzahl Zeitromane, die auch im Deutschen Reich viel gelesen lvurden; nach der „Rasenden Rotationsmaschine" erschien „Kasai",-die Geschichte eines nach Europa verschlagenen abessinischen Negers, „Nachgeholte Fronden", mit der Hauptfigur eines Güterschlächters, „Die Peitsche", ein Vater-Sohn-Konflikt, „Dr. Muss", ein Wirtschasts- und Weltanschanungsroman ans unseren Tagen. Jüdische Themen klingen in seinen Büchern wenig ans. eigentlich nur in der „Jüdischen Orgel", Rückkehr eines verbununelten Künstlers zum Judentum behandelnd. „Steffi" ist die Geschichte eines Dienstmädchens. Steffi kann auf eine lange Reihe literarischer Vor^ ip'ingerinnen zurnckblicken. Nur zwei Jahrzehnte trennen des Schweizers Jeremias Gotthels mannhaft-ländliche „Elfi, die seltsame Magd", von dem ersten Werk des krassen Natualismus „Eerminie Lacerteux" der Brüder I. und E. Goncourt, erbärmuugslose Schilderung vom Doppelleben eines Pariser Dienstmädchens, daS viele Jahre laug treu und aufopfernd einem alten Fräulein und zugleich insgeheim allen Lastern bis zur Zerrüttung hingegeben ist. Bald darauf schildert Flaubert in der Meisternovelle „Ein schlichtes Herz" den Lebensweg eines redlichen, dumpfen Gemüts, das nur dienende Demut ist, aber immer ein Geschöpf lieben muß, das Kind der. Herrin, einen Neffen, schließlich im Alter einen Papagei; während Gottfried Kellers „Ncginc", kürzlich verfilmt, den Aufstieg der keruhastcn. herzhaften Magd zur großen Dame und ihren Untergang ans Mißverstandensein erzählt. Clara Vicbig gruppiert zu Anfang de? Jahrhunderts im „Täglichen Brot" Elendsbilber um die Gestalt eines Großstadt-Dienstmädchens: in unseren Tagen schuf O. E. Palitzsch in „Alarie" den Typ der Magd, die sich durchkämpst und durchsetzt. Winders Steffi ist mit Kellers Regine und Palitzschs Marie verwandt, — ein schlichtes Herz wie Flauberts Felicitas, aber kein dumpfes Gemüt, sondern ein helles, kräftiges, aufrechtes Wesen, das Helligkeit verbreitet, wo es wirkt. Vom Schloß, auf dem die Waise von der greisen, strengen Herrin zur bescheidenen Küchenmagd, erzogen wurde, kommt sie in die deutsch-böhmischc- Kleinstadt zu einer Bürgerfamilie. Und mm verknüpft Minder die Geschichte der Dienstmagd mit der Wirtschaftskrise, die über dieser Familie, über der Stadt, der Welt lastet. Die Geschehnisse, das Romanhafte, die Zeit, ftimmung bedeuten nicht das Wichtigste und nicht das Wertvollste in Winders Buch/ sondern ganz und gar: die Menschen, die mit einfachen, klaren Strichen gezeichnet sind, aber nicht als einfache, klare Thpeu, sondern als wirkliche Geschöpfe mit Hintergründen und Abgründen, in jener psychologisch richtigen Mischung von Gut und Böse, die so weit und so günstig entfernt ist von einstiger Schwarz-Weiß.Zeichnung. Die schöne Magd Stefü ist ein schlichtes Herz, jedoch durchaus kein Engel, sie ist eine Natur, die von Natur aus, aus gesundem Verstand und Körper, nichts Unrechtes tun kann. - Wertvollstes, Schönstes im Roman: wie' die dienende, aber stolze, selbstbewußte Steffi im Hause ihres Gegenspiels, der kleinlichen, herrisch-' geizigen Frau Dorre, allmählich zur Herrin wirb, weil sie in ihrer unbedenklichen Unbeschwertheit allen Beglückung bringt, während ihr tüftelnder, bedenklicher Widerpart Aerger und Unsreude alb. druckhast verbreitet. In das düstere Modell dieses muffigen Hauses bringt Steffi den hellen Our-Ton, aus den sich nach und nach alle stimmen, schließlich auch die finstere Frau Dörre. Steffi illuminiert sozusagen diese 7Figureu von innen her, so daß sie leuchten von Menschlichkeit. Ter Erzähler selbst nimmt diesen hellen Our-Ton seines eigenen Geschöpfes Steffi aus, der fast heiter durch das Ganze summt . und glänzt. Der Erzähler mischt sich niemals moralisierend in die Angelegenheiten seiner Personen. sondern läßt die Gestalten wncher». ei» blühender Busch im Garten der Menschheit, erfreulich als Meuschengcwächs, wie als Kunstwerk. K.?. Wir wollen weiter sehen. Bon W 0 l f s f e l d „Arabische Mutter". Gin herrliches Bild. Ans dem blendend weißen Hintergrund springen zwei dunkle Gesichter, die Gesichter von Mutter und Kind. Was gäbe das für ein faszinierendes Plakat, nnd wie gut könnte es beweisen, daß ein Plakat ein reines Kunstwerk vorstellen kann. — ja. aber ich will mich nicht aufhallen, ich muß Walters Bild finden; die arabische Mutter wird ihn sicher begeistert haben, nein, doch nicht so, daß ich deswegen unruhig zu werden brauche. Hier gegenüber das Bild von Julie Wolfthorn. das ist schon eher dazu geeignet. Die Frau ist betörend genug. Der rote Mund, der rote Schal, nur eine Frau kann solche Farbenverwandtschaft entdecken nnd deutlich ausdrücken — ob sie cs nun wirklich ist? — Frau Julie Molschorn, was haben Sic angerichtet. hören Sie. ich bin nicht gut aus Sie zu sprechen, Sic malen mir zu verführerisch. Hier nun, diese Frau, cs ist wieder eine andere, die hat den großen Sieg in den Augen und schwarze Locken im Nacken, sie hat schlanke und geweihte Hände — wenn doch Walter bemerkte, wie grausam diese Hände auch sein können. — sie trägt ein blaues Kleid und einen weißen Mantel; ich muß rasch weiter, das ist ja eine ganz gefährliche Person.. Ta hängt ein Frühlingsbild von Bato. Noch kahle Laumäste kreuzen sich wie Florcttklingcn in der Luft. Und überall schimmert die Lust rosa, und man verspürt förmlich ihren würzigen Dust. Ein verwirrender Frühling, ach, und noch immer weiß ich nicht, welches Bild Walters Bild ist. Mit welcher Ruhe nnd Ausgeglichenheit gehen die zwei über die Felder mit Rechen und Spaten von der Arbeit nach Hause? Das Bild ist auch vvu Bato. Sogar die Blätter und Stiele am Wcgrain haben etwas von der Ruhe, sie wirkt sich -bei ihnen stilisiert aus, ein stilles, von keinem Windhauch bewegtes Ornament.' Wer doch auch so ruhig wandern könnte. Ich muß statt dessen Walters Frau im Nahmen suchen. Gütiger Lieber mann. dein letztes Selbstporträt ist so menschlich und lebendig, ich schäme mich vor ihm. weil mir so scheint, als ob cs meine Gedanken errate, die gar nicht in eine Ausstellung und auch sonst zu keinem vernunftbegabten Wesen passen. Daneben lacht mich Arno Nadel offensichtlich ans. Mit grcllrotcn Strichen im dunklen breiten Gharaktergesicht. Lachen Sie ruhig, Arno Nadel, ich habe schon die Hellen Lichter des Wohlwollens zwischen den roten Falten entdeckt. Sie waren zu ehrlich bei Ihrem Selbstporträt, und Ihr mephistophelisches Gebaren kann die Güte mit noch so viel grauer Farbe nicht vertuschen. Wenn ich mich nur in. Walters Geschmack so gut zurecht fände wie in Ihrem Gesicht. Sollte er an der blonden Frau Gefallen gefunden haben, die Emma F r a n k e n b e r g malte? Eine gelbe' Schlange. Gut gewachsene gelbe Schlange, und wie gut weiß sie, daß sie gut gewachsen ist. Weiß sie noch viel mehr? Wer weiß! Für jeden Fall nicht soviel wie das Mädchen gleich um die Ecke. Herrgott, das ist ein jüdischer Edelthp. . Dunkle, ruhige, gelassene Augen unter den dichtesten Brauen. Kräftiger und schmaler Nasenrücken, ein unendlich sympathischer Mund, ein leiser Mund, er wird nie eine Dummheit sagen. DasMädchen.ist von Colin gemalt, es trägt einen anspruchslosen Sweater mit Rollkragen, von dem es nicht ahnt, wie fein es zu ihm paßt. Nun kann ich Walter verstehen. Das ist berechtigt. aber es ist trotzdem schrecklich traurig. Und ich gehe aus dem Saal durch den Quergang, jetzt sind mir alle Bilder der Ausstellung und alle Bilder der Welt schrecklich/ Im Vorbeigehen flimmert noch ein Strntzcnbild aus. Dort habe ich einmal gewohnt, es ist noch nicht lange her. wie oft bin ich durch diese Nachmittagsstraßenlandschuft gegangen, damals lernte ich gerade Walter kennen, ist gar nicht so lange her, gar nicht so lange .,. „Ilse, woher kommen Sic?" — „Vom Museum, Walter, ich weiß alles." — .Was wissen Sie -?" — ,,L-aß Sie.sich in das Mädchen mit den dunklen Angen und dem hellen Sweater verliebt haben." — „Welches Mädchen,... hellen Augen, dunklen Sweater? Ich verstehe Sie nicht. Ilse." — „Ach. Walter, umgekehrt, dunkle Augen, hellen Sweater, das Mädchen in der Aufstellung ineine ich. das gemalte Mädchen, das Bild, von dem Sic unlängst sprachen." Das Bild, von dem ich sprach? Hell, dunkel? Sweater? Augen? — Ilse, ich meinte doch das Bild der Steglitzer Straße! Das hatte mir soviel zu schassen gemacht, das Bild von Minna L e v i." — „Das Bild der Straße? Das verstehe ich nicht." — „Ja, ich mußte daran denken, daß Sie mir schon damals in der Steglitzer Straße so gut gefallen haben, und daß Sie cs jetzt noch viel mehr tun... Aber sagen Sie eigentlich Ilse, warum nnd wieso sind Sie trotz Ihrer Abneigung gegen Ausstellungen und Museen doch in die Oranienburger Straße gefahren? Das verstehe ich nicht!" G.H. Deine Hand Von Lotte Adam Ich sch* viele Wunden, Ich fühle die Schmerzen, Die'Tage und Stunden Sind sengende Kerzen. Mein Leib sehnt zu sinken Aus quälendem Brand Und Kühle zu trinken Im crdlicfcn Ccuiand. Aus den dunkelsten Faltem Deine Hände mich heben. Deine Hände, sic halten Mein fallendes Leben. Mein Acngsten zerfällt. Ich fasse das' Band. Liebe Hand, die mich hält, Liebe Hand! Liebe Hand! Preisgekrönt rot; der Jüdische* Künstlcrhilfc, Berlin

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