Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1935-05-30 · 22 (30.5.1935) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
22 (30.5.1935)
Date
1935-05-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2277379-2278097-2278119--09532-2290651
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

J, Beiblatt C-.V.-Zeitung Nr. 22 . 30. Mai 1935 t w 1LGTNU V©:a .Faiits Fsri^ällmd^r Ter lohte Kampf. den die Inden im Altertum um ihre politische Selbständigkeit führten, ist mit dem sagenumwobenen Neunen des L a r K 0 ch b a verknüpft. Die Dürftigfeit und Unzuverlässigkeit des Quellenmaterials, das uns über jenen Schlußakt in der Tragödie einer staatlichen Autonomie des spätautiken Judentums zur Verfügung steht, hat es verschuldet, daß mcljtnur die Führergestalt des Var jwchba. sondern auch die von ihm entfesselte und gelenkte revolutionäre Bewegung vom Dunkel der Sage und Legende ül-erschattet wird. Wenn man die tieferen Ursachen und nicht bloß die unmittelbare Veranlassung der letzten Erhebung der Juden gegen das Römcrtum verstehen will, kommt man nicht mit« Ihn. den Gcsamtcharakter der jüdischen .Geschichte und die Stellung, welche die Juden innerhalb der altorientalischen und antiken Wett cinnahinen. in den Kreis seiner Betrachtung einznbcziehen. Will man überhaupt (und sei es zunächst nur aus arbcitshypothetischen Gründen) von einem ..jüdischen Volke" sprechen, so verbaut man sich den Weg zum Verständnis jenes Volkes, wenn man in ihm ittd)t etwas Ungewöhnliches, Einzigartiges, aus dem Rahmen der übrigen ölten Welt Heraustrctendes erkennt, nämlich das Gottes« und Thora- V 0 l k. das ..Volk des Buches". daS allein dnrch den Bund zivischen Gott und Volk — den Brith am Linai — Sinngebung und Grundlage feiner irdischen Eristenz empfängt. Jüdische Geschichte ist daher Geschichte des Bundes zwischen dem einen Gott, dem Welten-Gott. und der auf ihn verpflichteten „Eidgenossenschaft", (wobei wir natürlich der Vereinfachung halber die israelitische Geschichte nicht erst von der jüdischen abgrenzen); jüdische Volksgeschichte ist daher nichts anderes als Glanbeusgeschichte. oder genauer, die Geschichte der Bekennerschaft einer singulären Gottcsvvrstelluug. Angesichts der israelitisch-jüdischen Gotteskonzcption rückt die Frage der rassenmäßigcn Abstammung und des Volkstums in die zweite Linie: womit ihre Bedeutung durchaus nicht herabgesetzt werden soll. Denn der m v u 0 t h e i st i s ch e Charakter der Religion und des Kultes bestimmt auch die Stellung des kleinen jüdischen Volkes inmitten der Weltmächte des Altertums. Immer und immer wieder sieht sich dieses kleine Volk genötigt, seine Glaubeusindividualität gegen den Ansturm übermächtiger politischer Systeme. Religionen und Kulturen zu verteidigen: gegen die Acgvpter. Assyrer. Babylonier. Perser, Griechen und Römer. So wird das Umwelt-Problem zum eigentlichen Z e n t r a l p r 0 b l e m der jüdischen Vollsgeschichte. Der Gedanke des Gott-Königtums — die theopolitische Idee, der zufolge der Ewige allein König der Welt ist, und Israel sein Knecht — macht es dem jüdischen Volke unmöglich, neben Gott einen irdischen Weltherrschcr als gleichwertige Autorität anzuerkennen: weder den Pharao, noch den König des Iweistromlandcs, noch den Großkönig lLasileus), noch den Caesar. Wegen dieser theopolitischen Einstellung gerät der Glaubensbund mit den Weltmächten in Politische Konflikte, die jedesmal seine volkhafte Existenz aufs schwerste bedrohen. Weder der Zusammenstoß mit den Weltmächten der großen Stromkulturen am Nil und Euphrat, noch gar die Einwirkung der Perserherrschast läßt sich an Bedeutungsschwere mit dem Konflikt vergleichen, der zwischen der antiken Kultur — der griechisch-römischen Antike — und dem jüdischen Volke ausbrach. Den Anfang der beiderseitigen Auseinandersetzung bezeichnet, sofern man die politische Seite des Geschehens ins Auge saßt, die Erhebung der Makkabäer (167—IAO v. Ehr.), das Ende bezeichnet die Erhebung des Bar Kvchba (132—105 n. Ehr.). Zivischen diesen beiden einschneidenden Ereignissen — der siegreichen und der gescheiterten Erhebung — besteht nicht nur ein cntwicklungsgeschichtlichcr Zusammenhang, sondern sie bilden recht verstanden eine geschichtliche Einheit. Denn so gewaltig und nachhaltig die beiden dazwischenliegenden Geschichtskatastrophen — der große Krieg gegen Nom (66 bis 73 ii. Ehr.) und der Ausstand der antiken Diaspora (113 bis 117 n. Chr.) — auch waren, sie stellen doch eigentlich nur die Vorstufen zu dem endgültigen Zusammenbruch einer eigenen jüdischen Staatlichkeit dar: nämlich der mißlungenen Rcvolutivn des Bar Kvchba. Wenn das jüdische Voll in den drei zuletzt erwähnten Kriegen die Waffen gegen das weltbeherrschende Nömervolk erhob, so verliefen diese Kriege um Sein oder Nichtsein im Banne der m a k k a b ä i s ch e n Tradition, denn sie waren ebenfalls Freiheitskämpfe um die Erhaltung des mosaischen Gottesglaubens. Es sind somit Religionskriege. Glaubenskriege in der Vorstellung der Juden, m a ch t P 0 l i t i s ch e Kriege in der Vorstellung der Römer; Waffengüugc zwischen einem hochpolitischen Staatsvvlk und einem im Kerne unpolitischen Gtaubensbund. Ein Weltanschauungsgcgensatz — die Unvereinbarkeit der hellenistischen (griechisch-römischen) Kulturidcc und der mosaischen Gottesvorstellung — ist die eigentliche Ursache der kriegerischen Verwicklungen. Daher ist es notwendig, zunächst auf die innere Entwicklung des Judentums, die sich als eine Reaktion auf die Entwicklung des Hellenismus vollzog. einen Blick zu werfen. In der Hervorhebung der Gegensätzlichkeit zwischen hellenischer Geistesart und jüdischer Religionsairschanung dürfte wohl Oswald Spengler am weitesten gegangen sein, der in seiner bekannten geistreichen Weise das Judentum in den Zusammenhang einer magischen (d. h. arabischen) Kultur cinordnet und hieraus den Kontrast zu der apollinischen (d. h. griechisch-römischen) Kultur erklärt. Jedoch auch ohne diese ansprechende Konstruktion ist es ohne weiteres ersichtlich. daß das zuerst von Alexander dem Großen machtvoll verbreitete System des W. e l t g r i c ch c n t u m s oder Helle n i s m u s für das jüdische Volk unannehmbar war. Denn die Zentralidee des Hellenismus war die Idee der O e k u - m e n e. d. h. einer allgemein menschlichen Einheitskultur auf griechischer Grundlage. Voraussetzung für die hellenistischvkuineuische Wcltaufsassung und Kulturpropaganda war die Vermischung der einzelnen Stammes- und Lokalgottheitcn zu einer rein ethisch-humanistischen Universalreligion: der sogenannte Synkretismus. Für jene Wcltaufsassung war der Gott der Juden nur eine der vielen vorderoricntalifchcn Stammes- und Lokalgottheiten; die Vorstellung der Juden, daß ihr Gott der alleinige Gebieter des Weltalls sei, mußte ihr als eine unbegreifliche Anmaßung erscheinen. Die Unlösbarkeit dieses Grundwiderspruchs hat zu der Erhebung gegen denjenigen hellenistischen Nachfolgestaat Alexanders des Großen geführt, der das jüdische Volk der ostmittclmeerisch-ökumenischen Einhcitskultur unterwerfen wollte: zu der Erhebung der Makkabäer gegen das Selcukidenreich. Wenn wir nun meinen, daß die Makkabäer für die Erhaltung der mosaischen Gottesvorstellung und Glaubenslehre die Waffen ergriffen, so nähern wir uns der älteren Ansichr von Jost und Graetz, die sic als Rcligionskämpser auffaßt, und entfernen uns von der modernen Ansicht Dubnows. die in ihnen nationale Freiheitskämpfer erblickt. Denn die Parteiungen im damaligen Judentum scheinen uns die ältere 'Ansicht zu bestätigen: cs sind religiöse Gegensätze, welche die Geister jener tief erregten Epoche scheiden. Ebenso wie von allen übrigen Völkern der alten Welt forderte der Hellenismus auch von dem jüdischen Volke seinen Tribut. Namentlich in den höheren Schichten, in den Kreisen der Intellektuellen, breitete sich ein g r i e ch c n f r e u n d l i ch c s Reformj u d e n t u m aus. das nicht zuletzt in der Diaspora — z. B. in der wohlhabenden Judenhcit Alexandriens — Fuß faßte; von dorther ist Philo ausgcgangem Tie Opposition gegen die Hellenisierung bl.eb nicht aus: sie brach aus den unteren Volksschichten hervor, aus den Kreisen der ..Frvinmen", der Chassidim, die jede Abweichung vom mosaischen Gesetz-brandmarkten. Tiefe laienreligivsc Volksbewegung hat' zu der großen religiösen Revolution des P h a r i s ä e r t u 11t s geführt. Der Pharisäismus war. wie Mar Webers reiigionssoziologische Untersuchung gezeigt hat. eine bürgerlich-plebcjisch-städtische Sektenreligiosität: sie war ein Ordensband von Gesetzeskundigen, von ..Schriftgelehrtcn", der zu der geburtsariftofratifchen Pricstcrschaft — der Partei der Sadduzäer — in schärfste Opposition trat. Tic Pharisäer als die Hüter der von Esra begründeten strenggläubigen Gesetzestuudc und -bcfolgung beschuldigten die sadduzäische Priester- Partei, die „Vornehmen", der Hinwendung zum Hellenismus. der „Verweltlichung" und Abkehr vom Gesetzesgehorsam. Wenn auch diePharisäer dieVerticsung des religiösen Lebens außerordentlich gefördert haben, so haben sie anderseits die apolitische Veranlagung des israelitisch-jüdischen Glaubensbundcs in verhängnisvoller Weise bestärkt, jene Veranlagung. die in den Dingen dieser Welt nur ein notwendiges Uebel erblickt, öffentliches Leben, Staat und Wirtschaft in der Wucht, ihrer Tatsächlichkeit unterschätzt; jene Veranlagung. die bei der radikal „weltablchnenden" kleinen Gruppe der E s f ä e r geradezu in A n t i p 0 l i t i k ausartet. Daher konnte die einzige Form der Staatlichkeit, die das theopolitische Iudcnvolk ertrug, nur die Theokratie sein; und der einzige Indenkönig. der machtpolitisch-realistischcn Instinkt besessen hat, ist ein Idumäcr. nämlich H e r 0 - des, gewesen. Während der Epoche der Rvmerhcrrschaf't kam den Juden der Gegensatz zwischen ihrer überweltlich-wirklichkeitsfernen Theopolitik und der iveltlichwirklichkeitsgesättigten Hcrrschaftsidce des römischen Staats- Das jüdische ABC Ter Verlag E r w in L v w c (Berlin) bringt als „Führer durch das jüdische Wissen" eine Art Handbuch heraus, als dessen Herausgeber E. in i l V e r n h a r d C 0 Ii 11 zeichnet. Das Buch ist nach alphabetischen Stichwvrten geordnet und will nach der Einleitung lein vollständiges Kompendimn ~~ was bei diesem Umfang und bei dem billigen Preis auch nicht zu verlangen wäre —, sondern mir eine .Zeichnung", ein „Profil" des Judentnms bieten. Es wendet sich ausdrücklich an die jüdische Jugend als Leser. An sich wäre eine kurze, präzise Darstellung des historischen und gegenwärtigen Judentums, ausführlicher als das Philo-Lerilou sie bieten lann und billiger als das große Jüdische Lexikon, eine erfreuliche Erscheinung, die aus danlbare Pcwltznng und domil auf inneren und äußeren Erfolg rechnen dürfte. Leider lauu man dem Buch dieses Zeugnis nicht ansstcllen. Gerade ein Werk, sur Verbreitung in der Jugend bestimmt ist. stinen Angaben völlig korrekt, in seiner stilntischcn Form bedeuleufrei sein. Da uns aber unter jüdischen Neuerscheinungen in langer Zeit nichts begegnet ist. was mit einer solchen, man mich schon sagen Schludrigkeit abgcsaßt gewesen wäre, können wir nn? nur wundern, daß ein Mann wie Emil Vernhard Cohn dafür verantwörtlich zeichnet. Ta die „Mitarbeiter und Helfer" im Vorwort ohne nähere Angaben und summarisch genannt sind, muß der Herausgeber die eigentliche Verantwortung dafür tragen. Ter Mangel einer energischen Redaktion macht sich schon in der ganz willlürlichen Länge der einzelnen Stichworte bemerkbar, in der zwischen Wichtigem und Nebensächlichem kein Unterschied gemacht wird. Auch scheint keine Abstimmung der einzelnen Beiträge auf einander stattgefunden zu haben: manche Einzelheiten .kehren entweder mehrfach wieder oder stehen an Stellen, wo sie nicht gesucht werden. Wichtiger ist, daß auch die Tendenz der Mitarbeiter nicht selten spürbar wird. Der schwächste Punkt der redaktionellen Arbeit aber sind die Litcraturangabcni die z. T geradezu daS Komische streifen, wenn z. B. als; einzige Stelle, wo die jüdische Jugend ,Mher.e^ zu dem Stichwort „Französische Revolution" erfahren kann, Nordans „Zionistische Schriften" angegeben werden! Und wenn da? Vorwort sich rühmt, alle Literatnrangabcn bezögen sich „auf ebenso leicht erreichbare wie lesbare Lektüre", so bätte man nicht so häufig ans historische Romane verweisen sollen, die zwar lesbar, aber eben nicht „leicht erreichbar" sind. 'Aus der großen Menge von Druckfehlern. Jrrtümcrn und Schiefheiten, die das Buch sowohl zum Nachschlagen wie zum Unterricht durchaus ungeeignet machen, können wir nur einige hcrausgrcifen. Der von Nebukadnezar besiegte Pharao (S. 13) heißt Necho. Jüdische Gymnasiasten werden sich mit Recht wundern, warum die alten Juden sich gegen die Einführung ciiies Gymnasiums in Jerusalem (S. 24) sträubten: ein Gymnasi o n ist etwas ganz anderes. S. 25 hat die Assimilation „durch Aushöhlung des alten Untcrglanbcns" (?) verhängnisvoll gewirkt. S. 27 sind die Juden 1492 aus England vertrieben worden (in der GcschichtStabelle am Schluß wird dieser Vorgang als „legale Vernichtung" bczcichnctl. Im Stichwort Berlin wird Moses Mendelssohn nicht erwähnt. Dafür läßt da? Buch (S. 75) das Geld der Rothschilds zu Anfang des 17. Jahrhunderts, fast 200 Jahre zu früh, schon eine Rolle spielen. Der chassidischc Rabbi Nachman wohnte in Brazlaw (§. 57). Die Entscheidungsschlacht zwischen Cäsar und Pompejus fand im Jahre 48 (nicht 80) unb in PharsaloS. nicht Farsalas statt (S. 164). Unter dem Stichivort Hagada ist von der Pessach-Hagada nicht die Rede; unter dem Stichwort Hohe Lied fehlen Hinweise auf Brods und Gebhardts Dentungsversuche. Schönberg wird (S. 199) zum Schöpfer eines 12-Ton-Systcm§ gemacht. Ein Druckfehler hat sogar den neuen Begriff „Eid uwre judaico" statt „more judaico" als Stichwort geschaffen, und ein ganz besonders Toller macht Philo zuni Kirchenvater: er wird als „Mittler zwischen platonischer, ja (!) griechischer Philosophie und dem damaligen Judentum" bezeichnet und'seine Bedeutung „für das Judentum und für die christliche Kirche (Kirchenvater)" - natürlich statt, einem Hinweis auf die Kirchenvater wird angeblich noch immer unterschätzt. .. . . Das ist, wie gesagt, nur eine ganz kurze Blütenlesc. Ebenso wenig genau und überlegt ist die Auswahl des Stoffes selbst. Bis auf einige wenige Namen von Nobelpreisträgern — imler denen mau. wenn schon keine Vollständigkeit erstrebt wurde, auch Heinrich Hertz und besonders Sven Hedin hätte weglassen müssen — fallen die Gebiete der Naturwissenschaften und der Mathematik vollkommen aus: das jüdische Recht ist ganz iinzureichend, die jüdische Philosophie nur linkenhast behandelt (das Stichivort Spinoza macht deu Philosophen des Amor Dei iutellcdualis zu einem konsequenten 'Atheisten. Mendelssohns Lehre wird in der Gcschichtstabclle so oberflächlich wie möglich mit den Worten „Eine populäre Anfllärungsphilosophie mit den Hauptbcgrifsen Vernunft, gesunder Menschenverstand (!) und Glückseligkeit" umschrieben). Für die Urteile, die sonst gefällt werden, wollen ivir nur einige Belege herausgreifen: „Im Zusammenhang mit dem Verfall des jüdischen Familienlebens steht das Aufkommen der Familicnforschung" (S. 82); „Ter älteste Zweig der modern-europäischcn (!) Literaturen ist die jüdische Literatur im weiteren Sinne" (S. 170); Reuchlin „war der erste, der die Idee aufbrachte, daß man die Juden als Staatsbürger an sehen und anerkennen solle. Er blieb aber damit die.Schwalbe, die noch keinen Sommer macht" (S. 236) — mit der Schwalbe ist in doppeltem Sinn kein Sommer zu machen, denn Reuchlin hat zwar für die hebräische Sprache gekämpft, aber an ein Staatsbürgerrccht der Juden dachte er natürlich nicht. Am schlimmsten ist aber Nascht dran, der „in genialer Selbstverleugnung (!!) Bibel und Talmud erklärte" (S. 173). Das 19. Jahrhundert, in der Eeschichtstabelle „das Jahrhundert der Zersetzung" genannt, wird stmr soweit behandelt, wie es unumgänglich nötig ist; der kurze Absatz „Dichtung" schließt mit dem Satz: „Namen zu nennen verbietet der Raum und erübrigt sich auch". Die aktuellen Teile des Buches sind, soweit es bei der Oberflächlichkeit der Formulierungen überhaupt bemerkbar wird, zionistisch gefärbt. Das ist das gute Recht des Autors. Trptzdem dürfte er eine Entgleisung picht durchgehen lassen, die er allerdings an einer versteckten Stelle, ohne Einpassung in den Zusammcnhang und ohne Hinweis daraus in dem später gedruckten Inhaltsverzeichnis selbst berichtigt. Aber z. B. auch von der deutsch-jüdischen Jugendbewegung der „Kameraden" heißt es (S. 1441. mit einer sachlichen Unlenntnis. die ein' Referent sich nicht leisten und ein Herausgeber nicht annehmen dürfte: „In eindeutiger Linie übernahm der Bund feine Form und seinen Bildungsinhalt der deutschen Jiigeiidbewegung. Außer einer antizionistischen Tendenz konnte man von einer Entwicklung des jüdischen Bundesinhalts in einheitlicher Linie nicht reden." Aber die Einseitigkeit nach dieser Richtung ist nicht die einzige; der Artikel „Gcsetzcntwicklnng" zitiert gleich zu Anfang das Faustwort: „Es erben sich Gesetz und Rechte wie eine ewige Krankheit fort". Wenn das jüdische Rcligionsgcsctz „eine ewige Krankheit" heißen darf, muß das Judentum noch froh sein, wenn ihm (S. 175) noch zuerkannt wird: „sein bestes Buch ist die Bibel, mit der es auch den Gang in die Zukunft antrcten wird." Ein Eesamturteil über dieses Buch zu fällen, „verbietet der Raum und erübrigt sich auch". 8305 Bach'. Bratio Walter bei den Florentiner Festspielen Ans „Mose", über den wir in Nummer 19 der „E.'D.-Zeitung" vom 9. Mai' berichteten, folgte eine Uraufführung. Pizzettis „Lrscolo". Tann folgten sc zwei repräsentative Werke von Verdi und Mozart. „Maskenball" und „Requiem" von Verdi, „Entführung" und „Requiem" von Mozart. Veredis „Requiem", meisterhaft interpretiert durch Tullio Serafin, und das „Requiem" Moart8 in seinen profunden Feinheiten ausgedeutet urch Bruno Walter, errangen einen durchschlagenden Erfolg. Zu Ehren Walters fand ein Empfang im Palazzo Vecchio statt, auf dem er unter ungeheuren Ovationen eines eleganten, internationalen Publikums die Haffner-Srnfonie und das Klavierkonzert v-moll von Mozart (dieses vom Flügel aus) dirigierte. Dr. Herbert Fleischer.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.