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Central-Verein-Zeitung · 1935-05-16 · 20 (16.5.1935) · page 10

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
20 (16.5.1935)
Date
1935-05-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Daher glaubt sich Philon als hellenisch gebildeter Mensch den buchstäbengläubigen Juden überlegen, die von dem wahren Werte ihrer Bibel nichts ahnen. — wie andererseits den gebürtigen Hellenen, die aus ihrem Heidentum nicht die religiös-ethischen Folgen ziehen können. Eine Religion der Sittlichkeit, wie die Zeit sie ersehnt, scheint ihm also nur da möglich, wo griechische Methode und jüdische Tradition Zusammenwirken. Nicht obwohl er Hellene ist. bleibt er Jude (und umgekehrt): weil er Hellene ist, schätzt er das Judentum doppelt: weil er Jude ist, verkündet er ohne Hemmung den Monotheismus der griechischen Philosophen. An der subjektiven Ehrlichkeit dieser Synthese Philons kann kein Zweifel sein. Ist seine Synthese'objektiv geglückt? Ist es ihm gelungen, die eigentümlichen Werte der hellenischen u>ie der jüdischen Kultur zu erhalten? Man hat daraus huigewiesen, daß Plstlon weder selbständiger wissenschaftlicher Leistungen noch der ungebrochenen Frömmigkeit der Psalmisten fähig gewesen ist. Aber solche Höhepunkte sind auch im reinen Hellenentum und im reinen Judentum nur selten erreicht worden. Bedenklicher ist. daß der hellenisierte Jude bisweilen auch zurückbleibt hinter einem Stande, den in Hellas wie in Palästina durchaus nicht nur die Höchstslchendcu erreicht haben. Das zeigt sich z. B. in der Einschätzung der Frau. Der Hellene schätzt weibliche Anmut, auch im hellenisierten Aegypten, wie die reizenden Jsisstatuen zeigen: dem Juden ist Ehanna das Muster eines betenden Menschen. In beiden Kulturen finden Nur den "Ausspruch, das; der Mann erst zum Menschen wird durch die Ehe. Philon dagegen weiß über die Patriarchen franen als Frauen nichts Gutes zu sagen. Auch in seiner Symbolik ist da? Weibliche stets das Hmabziehende. Und die Ehe ist ihm reine Zeugrmgsgemcinschast, weiter nichts. Ter Rationalismus, dem er sich trotz eines gewissen myftifchen Einschlags doch verschrieben, hat, wehrt ihnr das Verständnis für Werte, die'nicht rational zu deuten sind. . Die Verwicklungen, zu denen jede Synthese des Jüdlfchen und des Griechischen führt, aber auch die Gefahren des Natwnalismus haben sich im Lause der jüdischen Geistesgeschlchte häufig in gleicher Form bemerkbar gemacht. Was aber Philons Versuch zu seinem Nachteil von denjenigen ferner mittelalterlichen und neuzeitlichen Nachstllaer unterscheidet, ist der geringere Bestand an „jüdischer Substanz". Die Bibel kennt er säst nur, soweit'sie im Gottesdienst verlesen wird. Vom prophetischen und hagiographischen Schrifttum weiß er nicht viel. Die Lehre, daß es Gott nicht aus die Menge der Opfer anlouimt, sondern auf die Gesinnung, entnimmt er einem griechischen Denker, nicht den Propheten. Und daß die Bibel die Menschlichkeit lehrt, beweist er durch künstliche allegorische Deutung von Gesetzen, ohne die Mahnungen der Bibel zu Lauterkeit. Heiligkeit, "Menschenliebe auszuwerten. Solche Mahnungen finden sich ja nun freilich auch in der Thora, die Philon gewiß halb auswendig kennt, aber — in griechischer Ucbersetzung. Und ich habe an anderer Stelle gezeigt, daß in dieser Ucbersetzung biblische Normen wie die der Heiligkeit oder der Liebe zum Anderen (an der irreführenden Uebersetzung „Nächstenliebe"' ist großenteils diese griechische Uebersetzung schuld!) schlechterdings nicht wiederzucrkcnnen sind. Daher kann er seine Aufgabe, jüdische Ideale der uichtjüdischcn Welt zu verkünden, gar nicht lösen, weil er die Bibel in ihrer Urkraft gar nicht kennt; er erinnert uns nicht selten an einen Alchimisten, der aus die sonderbarste Weise auL fremden Substanzen Gold zu gewinnen sucht und nicht ahnt, daß er rtcßcn . einer Goldgrube steht. * Philons Aufgabe ist grundsätzlich die unsere.. Gerade das' Judentum, dessen eigene Leistung aus dem Gemete der Reh. ' gion liegt, kann aus die Ergänzung durch andere Kulturen nicht ungestraft verzichten; solche Ergänzung fuhrt aber zwangsläufig zur Auseinandersetzung mit den rcligw-, ethischon Werten, die ans fremdem Boden erwachsen sind. Die Spannungen, die bei dieser Auseinandersetzung unvermeidlich sind, müssen wir in den Kauf nehmen; ,die Geschichte zeigt uns, daß da. wo man der griechischen Wifsenschast den Eintritt wehrte, oft ein Judentum eiitstanden ist, das sich binrdj Ausnahme unwissenschaftlichen Aberglaubens entstellt, wenn nicht lächerlich gemacht hat. Daher billigen wir methodisch ' den Versuch einer Synthese, wie ihn ja auch Maimuui unternoinmen hat. dessen wir gerade in diesen Tagen gedenken. In ' den Geist griechischer .Wissenschaft, soweit das "Mittelalter von ihr wissen konnte, war er weit tiefer cingedrnngen als Philon. 'Aber er kannte freilich auch jeden Buchstaben der Bibel: wa» er über Gottcserkcnntnis und Gottesliebe, über Heiligkeit und Vornehmheit der Lebensführung zu sagen hat, weiß er zu den Urquellen jüdischen Geistes in Beziehung zu bringen. In der Durchführung der Synthese ist also nicht Phrlon, sondern Maimuui unser Vorbild: denn je offener wir uns der Weisheit anderer Völker erschließen, um so mehr not tut es uns, „im Eigenen Meister zu fein". * Zur tieferen Einführung in diese Fragen verweisen wir auf die Schrift des Verfassers: „Dre griechische Weltanschauung bei Juden und Römern", Berlin. Philoverlag. 1032, 48 S.. Tie Schristleitung. Kimstvorträge im Berliner Kulturbund Ans dem Vertrag von Professor Franz Landsberger im Berliner Kulturbund nahm man den Eindruck mit nach Hanse, daß nian nach ernsthaften Forschungen in aller Herren Länder .zu neuer Deutung jüdischer Kunst gelangen wird. Zwar kann man, wie der "Redner an Hand von Lichtbildern zu beweisen suchte. Hießt von einer ausgesprochen jüdischen .Kunst reden, so ivie man die Gotik als feststehenden Begriff, als für Deutschland und Frankreich topische Kunstrichtung. nimmt. Aber cs gibt typisch jüdische Motive in der Knust, wie den sieben, und acht,innigen Leuchter, der jene Ehannkkaleuchtcr ans silberner Fläche mit Rolokovrnamenten verziert, verbunden mit den sieben Lichtertüllerr, an denen Hans und Synagoge so reich sind. Das biblische Bilderverbot trisjt nur die darstellenden .Künste, nicht die Baukunst, und Synagogen, wie in- Galiläa oder Jrbid. Gotteshäuser mit mächtigen Portalen, einer Vorhalle und mit Emporen. geben Kunde davon. Um abstrakte Formung handelt es sich muß im Kunst- Handwerk, daher werden die Thorarollerr ohne Initialen gearbeitet, dasür konzentriert sich alle Fülle im Dekorativen ans die Thoramäntel, die Rimonirn und die Thvraschilde. Eindrucksvolles Beispiel dafür in der Synagoge in ,Friedberg in Hessen, wie überhaupt in diesem Vortrag eine Fülle bisher wenig gezeigter Dinge zum Vorschein kam. Er brachte dadurch Bereicherung, das; er neue P e r s p c l t i v e u e r ü s f n e t e, andere Gesichtspunkte für eine Bewertung und Einordnung der „jüdischen" Kunst. Wir haben uns dainit abgesilnden, daß Lvnghena die Barocksynagogc in Venedig gebaut hat. die architektonische Schwester von Maria della Salute, nur wissen, daß die "Malereien der Synagoge von Bechhofen von Elieser Srißmann stammen, das; die polnischen Holzsynagogen ans Grundrisse jüdischer Architekten znrüclgehen: daß es jüdische Zünfte mit Goldschmieden. Steinschneidern und Glasbläsern im Mittelalter gegeben. Professor Landsberger erweiterte unsere Kenntnis der Vergangenheit, indem er berichtete, daß ein jüdischer "Bildhauer den Heiligen FranziskuS von Assisi porträtierte und daß man in England von einem Madonnenbild weiß, das ein Jude geschaffen, beides ver» lvrengegangcne Werke. Und für Eäsare Bvrgia schmiedete Ercole de Fidcli, der als Jude geboren ist, mehrere Schwerter. Während Eooper. den seine englischen Zeitgenossen den „zweiten van Dyck" nennen, die Mirriatnrporträts fast aller Mitglieder des Hofes und der Aristokratie schuf. Auch Eromwell „saß" ihm. Professor Landsberger wies im Verlaus seiner Ausführungen ans die segensreichen Anregungen Fraubergers hin. der als erster in Deutschland, im Jahre 1897, die Notwendigkeit erkannte, jüdisches Kultur- und K'.ilistgnt zu sammeln. Was dieser Gekehrte, der Nichtjudc war. während seiner Tätigkeit am Düsseldorfer Museum eigenhändig begonnen, mag uns in dieser Zeit ein besonders deutlicher Hinweis sein, Aenßcrnngen jeglicher Art, soweit sie unser Bereich angehcn, zu sammeln, zu erhalten und zu pflegen. In einem tiefgründigen Vortrag über Michelangelo unternahm es Dr. "Rar Osborn ans die Vedcntnng dieses großen Renaissancemenschen für die südisehc Gemeinschaft hinzuweisen: während Reinbrandt sich in die Grunde indischen Wesens einbohrte, mehr den idyllischen Gehalt zu erschöpfen suchte, gibt "Michelangelo den heroischere Kern des Jüdischen, bildet er das Allgenwingültige, während der Holländer die freie Landschaft meistert, bleibt der Südländer im Jnnenranm. Immer ist er ein Bahnbrecher, ganz gleich, ob er jene Pieta in der Peterslircye, die Dr. Osborn in wirklich ninfassender Weise deutele, in der er die Souderwelt Michel, angelos eindeutig klar erstehen ließ, schasst oder den .David", der Bnonarvtti in der floreutinischeu Heimat als auch in der Fremde unvergänglichen Ruhm sichert. David vordem Kamps mit Goliath, erfüllt von görtlicher cer,dring. wer hätte das biblische Thema gigantischer gelöst? In die früheste Zeit der jüdischen Geschichte führte der Redner mit vielen Lichtbildern ans den Malereien der Sixtinischen Kapelle, und hier ging er in der Deutung und auch teilweise in der Zuschreibung über das hinaus, was A. Panofskh in seinem Buch versucht hat. Nicht nur daß die Ausmalung der päpstlichen Hanskapelle des Vatikans mit ihren unerhörten Visionen, der Erschaffung der Erde, der ihren Platz erringenden Gestirne, Sonne und Mond. des stürmenden Adam und der Eva, Michelangelos uberweltliche Erscheinung wachwcrden ließ, es geht auch um die drei Nvah-Vilder. die wenig bisher gezeigt wurden, ein Tryptichvn gleichsam, cs geht um die vier Bilder in den Ecken, Bilder aus der Geschichte der Juden. Und wie die Figuren^ in den llinrahrnnngerr immer l cu und anders erscheinen für den, der die Enstge Stadt besucht, so sind auch die Werke des Michelangelo, die er in des Papstes Hanskapelle hintcrließ, für uns Juden von allergrößter Bedeutung: die Judith-Szene, in der der Meister neue Wege geht, indem er das Haupt des Holofernes mit einein Xucf) bedeckt, anders als es üblich gewesen, denn wer kennt nicht die Darstellungen des uralten Themas, in denen vor keinem Realismus zurückgeschreckt wird!: jene Ausrichtung der ehernen Schlange, schließlich die Darstellung ans der Esther- Geschichte mit einer Einzelheit wie dem gekreuzigten Hamann. — Und meisterhaft wußte Tr. Osborn dann jene Propheten zu interpretieren. Michelangelos übermenschliche Gestalten, den schmcrzensreidicu Jeremias. Joel mit dem durchgeistigten Kopf, in dem man Anklänge an Goethe und Gerhart Hanptmann sehen will, den prometheischen Jonas, der gerade ans den Altar der Sixtina herabblickt, aus dem der Papst die Messe zelebriert, ZachariaS und die anderer; alle. Und darnr rveitechin erstand das Urbild der Kraft, jener "Moses, ein Ueberrest zwar nur, aber welch ein rvnndervoller Bestand für uns Juden, ein Teil aus der wahrhaft michelaugelesken Kornposition für das Grabural des Guiliano Medici! Neben dem Heros der Renoissancekuirst in San Pietro in Vincölr stehen, weniger kraftvoll im Wurf, mehr antilisch. die Gestalten der Rahel urrd der Lea, Kunde gebend wie die übrigen Gestalten des Michelangelo von der Urkraft des 'Kosmos, von der Leidenschaft des Genies, letzte Rätsel lösend und der Ausdruck einer llberwcltlichen Erscheinung. Tr. Osborn brachte seine Gedankengänge mit serrern Temperament zu Gehör, das irnmer im Bann hält: ein zahlreich erschienenes Publikrim dankte ihm dafür. Dr. 0. B. Aus Kunst und Wissenschaft In dem historischen Palazzo Doria in Rom wird demnächst eine Ausstellung von Handzeichnungen und Radierungen Max Lieber man ns eröffnet. Tie italienischen Kunstkreise sehen der Eröffnung der Ausstellung, die als Huldigung für den verstorbenen großen Meister gedacht ist. mit besonderem Interesse entgegen. Dieser Tage wurde in Anwesenheit der rtal'ierrü scheu Kronprinzessin in Rom eine Ausstellung von Werken des jüdischen Malers Eorrado Eagli eröffnet. Dem Künstler wurde von dem Komitee der Ausstellung „Ouadriennale" für seine Gemälde und Zeichnungen auf dieser Ausstellung der Preis von 10 000 Lire zngesprvchcn. Drcrch löuiglichcs Dekret lvnrde der bekannte jüdische Gelehrte Prvscssvr Gino Fa no zum Mitglied der Königlichen Wissenschaftlichen Akademie in Turin ernannt. Professor Fanv ist eine hervorragende Arrtvrität auf dem Gebiet der Physik und Mathematik. Er hat zahlreiche wissenschasiließe Lllbhandlungen versaßt, denen international hohe Bedeutung beigemessen wird. Im „Reichs' und Staatsanzciger* dom 29. April 1935 lesen wir folgende Notiz: „Voraussichtlich kommen im Oktober INä 2 Stipendien der Felir - Mendelssohn - BaAlwldpschen Stiftung für befähigte urrd strebsame Musiker in Höhe von je 1500 R'M ganz oder geteilt zur Verleihung. Das eine ist für Komponisten, das andere für ausübende Tonküustler bestimmt. Bewerbuugssähig sind nur Schüler der in Deutschland vom Staate unterstützten Ausbildungs-Jnslitute nach Zrirücklegung eines mmdestens halbjährigen Studiums bei . einer solchen Anstalt. Bewerbungen bis 1. Juli 100.1. Zu statistrschm Zwecken ist Angabe der Nationalität und AE stanunung erforderlich. Näheres durch Hochschule für Musik, Berlin-Eharlottenburg. Fasanenßr. 1/ uoldS Sarah Siddous gedacht Haber; mag), und die nun wahrhaft rneisterliche Charakteristik des jüdischen Schriftstellers Israel Zangwill, die tvvhl überhaupt den Höhepunkt seines ^chassens bezeichnet. Zangwill zählte zn Solomons engerem Freundesrrnd Bekanntenkreis, der alles umfaßte, was das Londoner Judentum an namhaften Personen arifzuweisen hatte. Das Verzeichnis der Werke bei Frau Phillips gibt Bericht, wie viele davon porträtiert wurden. Es ist sehr hübsch, in ihrem Buche nachznlcsen, wie der ".Maler in diesen Kreis hineinwnchs und sich darin bewegte. Wie er, 1860 geboren, in einem hochgebildeten, kinderreichen Hause im Südviertel Londons heranreiste, wo damals die angesehenen jüdischen Familien gern wohrrten. Die nahe Synagoge ist der Mittelpunkt ihres Lebens, man ist dein Gesetz und Brauch der Väter treu, die religiösen Feste werden innig gefeiert. Solomons Mutter stammte aus Prag, eine Verwandte des Komponisten Moseheles. Ztvischcm sechs Brüdern und fünf Schwestern genlcßt „Toddh", wie er gerufen wird, die sorgfältigste Erziehung. wobei der Sport ebensowenig vergesjen wird tvie die Kenntnis des Hebräischen. Alles riirgs ist Gesundheit, Geborgenheit, heitere Ntenschlichkeit. Drrrch sreundschastlichen Verkehr, später durcty die sich folgenden Heiraten der Geschtoister tverden Verbindungen mit jenen führenden Kreisen der englischen Judeuschast hergestellt. Girre Sctrwester des "J.K alers wird die Gattin von Herbert Benüvich: ihr Sohn ist Norman Bentwich, der nach dem Krieg Acttornev-General in Palästina wurde und eine Tochter des bekannten Hauses Franklin heiratete. Zu den Freunden gehört Dr. Ernest Hart — eines der votfstninlichsten Bilder Solomorrs, .."Zour Healih'F „Prosit'" genannt, stellt Hart irr den Niittelprrnkt einer gesellschamichen Szene, ronbei eine elegante Tischgesellschaji ihm. zu trinkt: neben Dr. Hart sitzt dort die anmutige Grsckfeinung der Miß Biolet Goetz, nrrd Btr. Atsred IRond, der spätere Lord Mclchctt, der das Bild sieht, verliebt sich in die ihm unbekannte gemalte junge Dame, die bald daraus seine Frau wird. Ju der sestgcschlosseneu Gemeinschaft dieser jüdischen Londoner Kreise, die sich aber darum keiueswegs ängstlich abgrenzt, vielmehr vorurteilslosen und herzlichen Verkehr mit den Spitzen der christlichen englischen Gesellschaft als selbstverständlich pflegt, entstarrd 1801 die bedeutsame Gründung der ,JIueeadt?au Sodely", au der Solomon I. Solomon entscheidenden Anteil hatte. Er wurde ihr erster Präsident und hat sein mzes Leben hindurch ari der weitansgreiuden Arbeit dieser Vercinigrrug, deren Ziel cs war, das Judentum Londons mit den Ge> danken jüdischer Zusanimengehorigkeit und sozialerWirksamkeit zu erfüllen, tatkräftig mitwirkt. Das war auch die Sphäre, in der olomou Theodor Hevzl bei seinen frühen Londoner Besuchen uahetrat. Aus ihr ging ebenso der kluge Aufsatz über „Kunst und Judentum" in einer Zeitschrift hervor, der bei Olga Phillips wieder abgedrrrckt wird. Es war nicht die einzige Gelegenheit, bei der sich der Maker als Schriftsteller ärrßerte. Er hat ein lehrreiches Buch über seine Kunst herausgegeben („Prndice ok Oil Painting") und einen überaus fesselnden Beitrag zur Kriegsliteratur durch sein Tagebrrch geliefert, das wir jetzt gleichfalls kcnnenlerueu. Dieser Solomorr des Krieges hat eine ganz besondere Stellung eingenomrnen. Er war es, der das Verteidigungönnttel der „Camouflage", das er aus deutscher Seite entdeckt hatte, in der englischen Armee ciusührte und die täuschende Bemalung von Lefestigungswerkcn, Flrigplätzcn, Arsenalen, Geschützen, Schützcngrabenüberdachnngen in großem Stil organisierte. Als Lieutcuaut-Colouel hat der Künstler dadurch aus den französischen und flandrischen Schlachtfeldern seinem Vaterland erhebliche Dienste geleistet. Bis zu seinem Tode 1927 mar Solomon I. Solomon bei seinen Landsleuten vor allem um dieser originellen patriotischen Malertat willen bekannt und gefeiert. Man nannte ihn allgemein den „Camouslagc- Solomon". man nennt ihn noch heute so. Er aber hatte darunr nicht aufgehört, das zu bleiben, was er immer war, und was er mit seinem Eugläudertum in so harmonischen Einklang gebracht Hai: ein aufrechter, überzeugter Jude. Unlöslich bis zum Ende blieb der Zusammenhang mit der Makkabäer-Gesellschaft; seine letzte Arbeit war der schöne und würdige Entwurf zu einer Menorah für die Vereinigung. Der Leuchter wurde nach Solomons Hingang in -Bronze und Gold ausgesührt. Seine Inschriften künden vom Heldentod der jungen Londoner Makkabäer im Weltkrieg und vom Ruhm des Künstlers, der die edle Gestalt dieses jüdischen Wahrzeichens erdacht. ✓ Max Ortborn. Atelierbesuch bei Eugen Spiro Diesmal sind im Atelier bei Eugen Spiro zrvei große Tische bedeckl mit Bleististslizzen, Porträts vieler berühmter Menschen. Vekarrrrte Gesichter und Gesten, die lebendigste Vermittlung nnzähliger Erinnerungen. Thomas Mann beim Vvrlescpnlt, der singende Leo Slezak, der dirigierende Nikisch und Kleiber, das spielende Rose- Quartett. Die kleinen Bleistiftskizzen sind von der Persönlichkeit des Modells durchdrungen, sie zeigen nicht rrur überraschende Aehnlichkcit im Ausdruck und in den. Zügen des Gesichts, das Schassen, die Atmosphäre, ein Stück Leben des berühmten Modells ist dabei. Das verträumte Lächeln einer Rosalindedarstellerln schimmert zwischen den grauen Bleistiftstrichen. flüchtig sind sie hingeworfen, wie nur ein Lächeln flüchtig sein kann, und so zärtlich verschlingen sie sich ineinander.' daß das gezeichnete Lächeln ins Herz trifft. An der Wand hängen dann die großen Eernäldc. und man kann seine alten Landschastsfrcunde begrüßen, die sonnigen Parkwcge mit den prachtvollen Baumkronen^ Ustrplätze und das schillernde Ateer in Spanien urrd in Südsraiilreich. Wir haben schon vor einigen Moncrtcu von den Ergebnijsen aus Tossa berichtet, wenn wir jetzt zum zrueitcn "Male die hellen, von Lust rmd Licht getränkten Bilder sehen, die Boote, dir so leise im Hasen von Tossa schaukeln, die Treppe, die zum Sonnendach hinaufführt, wo in Kübeln die rotblühern cn Geranien wachsen und die Kinder, die am Strande spielen, Kinder, die mit ihren rosa ß Grien über den Sand laufen, daß man mitlarcsen möchte zu dem gelben, warmen Strandkorb, dann ist man noch mehr entzückt als zuerst. Lange muß man dann auf einen Landungssteg blicken, der in den Bodensee hrneinragt, er schneidet mit der Schräge eines Daches einen Keil aus dem Seervasser. und die blauen Berge im Hintergrund rücken in die weite, weite Ferne. "Aus dem Landungssteg wandern die Menschen zum Schiff. langsam und gemächlich, wenn man rmher hinsieht, sind es nur blaue, zarte Schemen, nick Konturen. Aber welch ein Leben steckt in iyrreii. Bald werden sie das Schiff erreichen. Dorne ans der Bank sitzcrr zrvei in der Sonne, und daneben sichen zwei Bäume, zwei gelbe Baumkronenflccke. Sie fangen das ganze Licht, den garrzen Tust des stillen, leisen Spätnachmittags am Bodensee ans urrd strahlen ihn wieder aus. Die Bäume überhaupt, Spiroä Bäume: .jedem Baumstamm wächst ciu arideres Mark, m jeder Blattkrone zaust ein anderer Wind. Es ßllü hier junge und elastifchl: Stämme, sie biegen sich vor Freude über ihre Kraft, es gibt gesetzte, rulfigc Bäume, die rrur leise die Acste bervegen, zurückhaltend und vornehm, wie es sich in einem Park gehört, cs gibt müde und resignierte Bäume, die nranchmal ächzen und knarren, wenn der srisäst Seewind ihnen ins alte Mark fahren will, wo dir Gicht und der Rheumatismus sitzt. Ja, alle die Bäunre haben einen anderen Chardakter und andere Talente, alle sind anders schön, sind verschieden all und verschieden grün. Aber alle sind lebendig, alle sind bewegt, alle haben Wurzekrr. alle wachste aus dem Boden. Und das kann man sonst ni4s immer von gemalten Bäumen behaupten. Lpiras Bäunre saugen Kraft aus der Erde, auf der P' stehem aus dem Können ihres Meisters, der fie [amt Erde au] die Leinwand bannt. 6. st-

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