Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 19 (9.5.1935)
- Date
- 1935-05-09
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Weise vor Augen geführt, die den jüdischen Betrachter tief berühren mußte. Denn wir fanden hier als Kontrast zum nordischen Menschen nicht etwa den jüdischen Menschen schlechthin, sondern unter d<w Ueberschrift „Vom auserwählten Volk" sah man eine ganze Anzahl jüdischer Typen aus den verschiedensten Ländern, deren Auswahl hier so getroffen war, daß sie die Beschauer abstoßend berühren sollten. Tie waren dem Werke „Rasse und Seele" von L. F. Claus; entnommen, der allerdings selbst in seinen Werken deutlich darauf hinweist. daß diese Abbildungen nur besonder? seltene Typen der bucharischcn, jcminitischen usw. Juden darstellcn. jR. H. 8t. Zur Entdeckung des Tuberkelbazillus. Die Ausstcllung „Das Wunder des Lebens" widmete auch der Darstellung und Bekämpfung der Volkskrankheitcn einen großen Raum. In dieser Abteilung war das Original des Aufsatzes von Dr. Robert Koch über „Die Astrologie der Tuberkulose", veröffentlicht in der „Berliner klinischen Wochenschrift" vom 10. April 1832, ausgestellt. In den einleitenden Ausführungen bringt Koch, der Entdecker der Tuberkelbazillen — dessen Todestag sich übrigens am 25. Mai 1935 zum 25. Male jährt — zum Ausdruck, daß zuerst Cohn he im und Salomonfcn die Tuberkulose als Infektionskrankheit „sichcrgcstellt" hätten. Cvhuhcim ist der im Jahre 1884 verstorbene Pathologe und Anatom, der Ordinarius an den Universitäten Kiel, Breslau und Leipzig war. IL In der „Medizinischen Kl i n i k" (Nr. 9 vom 1. 3. 35) berichtet Dr. E. Müller über Untersuchungen zur E r b b i o l o g i e des Pinbolns mellitus, welche im Verlauf der letzten Jahre an der ersten inneren Abteilung des Krankenhauses Westend (Direktor Professor Dr. Umber) angestellt wurden. Cs ist bisher noch nicht gelungen, die Art der Vererbung einwandfrei klarznsiellen. Die Krankheitsfaktoren seien dann häufiger, ,als cs der theoretischen Berechnung nach sein müßte, wenn die Mischung derselben nicht dem Zufall überlassen bliebe, sondern durch Verlvandtencyen einer Auslese unterworfen sind. Als klassisches Beispiel für die Inzucht wird das jüdische Voll angegeben, „das als Fremdkörper in den Völkern, in die es zerstreut war. sich mehr oder weniger streng von demselben abschlvß und daher durch Jahrhunderte hindurch Chen unter sich schloß". Bon diesem Gcsicht?- pnnlt aus wurden die Krankengeschichten der jüdischen Patienten untersucht, und es ergab sich, daß von 132 jüdischen Patienten 44 eine erbliche Belastung in der Familie zeigten, was einer heredvfamiliärcn Prozentzahl von 33.3 entspricht. Der Verfasser legt jedoch dieser Zahl keinen allzu großen Wert bei, da cs sich einerseits um eine relativ kleine Zahl handele und andererseits nur solche Patienten als Juden geführt wurden, die sich als solche erklärt haben oder von den Acrzten als solche erkannt wurden, während alle anderen Patiemen jüdischen Blutes unberücksichtigt blieben. Jedenfalls glaubt er ans seinen wie auch aus früheren Beobachtungen anderer Antoren die W,chrscheinlichl'ett schließen zu dürfen, daß bei den Juden der diabetische Krankheitssaktor häufiger im Gcnvthpus zu finden sei als in der übrigen Bevölkerung Deutschlands. — Wir erinnern unsere Leser hierzu an den Aussatz von Professor Dr. Strauß: „Ueber Krankheiten bei Inden". * Die „S cy weizcr Medizinische Wochenschrift" (Nr. 12. 23. 3. 35) bringt eine größere Arbeit ans der Feder Professor? <5. Tännha u s c r s . des bisherigen Ordinarius für innere Medizin in Freiburg. der kürzlich einem Rufe nach Boston in Amerika gefolgt ist, ü'clche sich zusaimnensassend mit modernen „Ern ä h r u n g s f r a g e n" beschäftigt. Es würde zu weit führen, in dem begrenzten Rahmen dieser Zcitschriftenschan eingehend über diese Arbeit zu berichten, jedoch scheint von allgemeinem Intereise zu sein, was dieser bedeutende Mediziner, der bisher in Deutschland mit 311 den führenden Stofs- C»-¥.-L<3SGP trinken nur den Kaffee, Teo, Kakao dor Cassis vBaSf38_Bgs£ägstcrai| Breiasa wechselsvrschcrn gehörte, über die Frage der Roh- . kostdiätetik zu sagen har. Cr führt ans. daß die Propaganda für gekochte und ungekochte pflanzliche Kost an den Grundlagen der Ernährungslehre nichts geändert habe, daß aber Pflanzennahrung sinngemäß angewandt, eine ausgezeichnete Bereicherung unserer diätetischen Behandlung darstelle. Einen besonders willkommenen Zuwachs unseres küchentcchnischen Rüstzeuges seien die ausgezeichneten Vorschriften von Bircher- Bcnner. Rohkost zuznbcrciicrr, sowie die Kochbücher für vegetarisck^e Kost anderer Autoren. ES erscheint dem Autor aber anmaßend rrnd eine Verkennung der Tatsachen, wollte man die großen wissenschaftlichen tatsächlichen Errimgenschaften der Vitaminforschung als voranSgeahnte Erkenntnis und als ein Verdienst der Rohkostsanatiker und ihrer Prediger buchen. * Im Heft 4. 1935, der ..Deutschen Zahn-, Mund- und Kiescrheillnnde" gibt Fritz Spanier (Karlsruhe) einen Bericht über 5ü Fälle nach Vcau operierter Gaumenspalte n. Tie Methode de? französischen Chirurgen ist in Deutschland noch nicht allzu bekannt. Als einer der ersten setzte sich 1932 Wolfgang Rosenthal (Leipzig) für dieses Verfahren ein. Auch Spanier befürwortet auf Grund seiner langjähirgen Erfahrungen die Vcansche Operativnsmethode. die häufig bessere Rcsnlate als andere Operntionsversahrcn zeitigt. Wir weisen die Chirurgen aus die vor kurzem erschienene Arbeit von Spanier hin. * Die „Bedeutung der Rassen- und K 0 n st i t u t i 0 n s a n a t 0 m i c der Organe für Die praktische Medizin" bildet die Grundlage zu einem Artikel, den Professor W. Brandt, Inhaber des Lehrstuhls für Anthropologie an der Universität Köln, in der „Deutschen Medizi n i s ch e n Wo ch e n s ch r i f t" .(Nr. 12. 22. 3. 35) veröffentlicht hat. Er legt dar, daß Form, Masse und Struktur drei biologisch ganz verschiedene Eigenschaften jeden Organs seien, die erblich sind, das heißt nach Rasse und Konstitution verschieden. Die bisherige Anatomie habe dem Medizinstudenten eine Vorstellung vom allgemeinen Bau des Menschen, das heißt eines ideellen Durchschnittyp? einschließlich seiner Funktionen gegeben im Vergleich mit der Tierwelt. Ter phylogenetische Artbegrisf „Mensch" stand im Vordergrund. Die moderne Rassenanatvmie und KonstitutionSanatomie aber zeige, daß ans Rasse und Konstitution bestimmte Gruppen unter den Menschen selbst entstehen, die den ontogenctischcn Entwicklungsgesetzen der Vererbung folgen, und daß der ontogenctische Werdegang der Organe selber rassisch und konstitutionell geprägt ist. Das weltanschauliche Bild verschiebe sich somit von Darwin auf Mendel. half man den ansgesclialteten jüdischen Äersten? / Von Dr. Alfred Metz Vor einiger Zeit erschien in. der „C.-V.- Zeitung" ein Artikel, der die Wirkungen der Gesetzgebung auf den Acrztcstand statistisch umriß. Au? ihm ging hervor, daß etwa 2000 meist jüdische Aerzte in Deutschland aus der Kassen- Praxis ausgcschallct worden sind, daß ferner eine große Zahl von Acrzten, die als beamtete Aerzte tätig waren, ihre Existenz verloren haben. Es drängt sich unwillkürlich die Frage auf, was ist für all diese Menschen getan worden, und waS bleibt noch zu tun übrig? In der ersten Zeit nach der Neuordnung der staatlichen Verhältnisse spielte die Umschichtung eine große Rolle. Wir mußten jedoch bald erkennen, daß dieser Weg nur in den allerseltensten Fällen gangbar war. Der Bcrufsn'cchsel scheiterte nicht nur an der Frage des Alters und der Eignung, sondern vor allem daran, daß eS doch durchaus zweifelhaft bleibt, ob die Betreffenden nach der beruflichen Umstellung auch tatsächlich eine Existenz finden. Es haben infolgedessen nur wenige einen Berus ergriffen, der völlig losgelöst ist von der Medizin, während doch ein gewisser Prozentsatz in der Medizin verwandten Berufen untergekommen ist. Ein anderer Teil der Aeczteschast glaubte durch Auswanderung eine Existenz als Arzt erlangen zu können. Hier war eS zuerst die „O s e", die die Wichtigkeit dieses Problems erkannte und die durch ihre Beziehungen eine sehr großen Zahl von Aerzten geholfen hat. Auch der „H i l f s v e r e i n der deutschen Juden" hat sich der Frage der Auswanderung von Aerzten besonders angenommen und mit dieser Arbeit einen ärztlichen Sachbearbeiter betraut. Da dieser Verein die einzige staatlich zugelafsene Vereinigung für jüdische Auswanderung nach außerhalb Palästinas ist, ist auch die Auslandsberatung nur durch ihn möglich. Die Erfahrungen des letzten Jahres haben jedoch gezeigt, daß der Existenzkampf im Ausland sehr scharf ist. und daß ganz abgesehen von den Kenntnissen und menschlichen Qualitäten ein ungeheures Einfühlungsvermögen notwendig ist, da? nicht von jedem aufgebracht werden kann. An8 den genannten und noch vielen anderen Gründen, deren Aufzählung zu weit führen würde, ist die Auswanderung für den weitaus größten Teil der Aerzte problematisch. Für ihre Existenz hier muß zu allererst gesorgt werden. Diese Tatsache wurde von den Aerzten selbst sofort erkannt und ihrerseits sofort ein großzügiges Hilsswerk für Kollegen gegründet. Dieses soziale Hilfswerk wird gestützt durch den C.-V., der in rascher Erfassung der Zusammenhänge — im Aufträge der Reichsvertretung der deutschen Juden — die juristischen und gesetzlichen Belange der Aerzte wahrnimmt. Es ist sein großes und nicht zu verkennendes Ver> dienst, daß er unabhängig von jeder jüdischen Parteipolitik seine Erfahrungen und seine Arbeit jedem Arzt zur Verfügung stellt, diesen über die gesetzlichen und juristischen Bestimmungen ausklärt und berät. Er hat durch diese Arbeit vielen Kollegen geholfen und durch seine Zusammenarbeit mit dem ärztlichen Hilfswerk dessen soziale Arbeit wesentlich erleichtert. Das ärztliche Hilfswerk selbst hat rein wirtschaftliche Ziele, die man in zwei Teile trennen muß, in Unterstützungssälle und die Fälle, die man durch Beschäftigung in den produktiven-Arbeitsprozeß wieder einreihcn kann. Es muß unser Hauptbestreben sein, nicht Almosen zu geben, son. dern jüdische Existenzen, mögen sie auch noch st bescheiden sein. 311 erhalten, bzw. zu gründen. Bei den großen Aufgaben, die heute die jüdische Gemeinde mit ihren Institutionen zu erfüllen hat. sollte das gar nicht so schwer sein. Die erste Frage, die sich hier jedem aufdrängt, ist die Frage der ehrenamtlichen Berufsarbeit. Es ist sehr umstritten, ob in einer Zeit, in der so viel Aerzte ohne ihr Verschulden in äußerste Notlage geraten sind, regelmäßige Berufsarbeit uneutgsttlich verlangt werden soll. Wäre es nicht richtiger, an Stelle von Unterstützungen diesen Menschen sachliche Berufsarbeit zu geben, um sic psychisch auszurichten und Existenzen zu retten? Es ist doch sicherlich nicht so abwegig, den Gedanken zu ventilieren, ob nicht in den vielen Alters- und Cr. holungsheimen, die jüdischen Organisationen unterstehen, nur von den Kassen ausgeschalteie Aerzte beschäftigt werden sollen. Es ist dies nicht nur eine Frage, die die Aerzte angeht, sondern eine Frage der deutschen Iudenheit. Es liegt im Interesse der jüdischen Gemeinschaft, sich einen Aerztestand zu erhalten, der, psychisch ungebrochen, den großen neuen Ausgaben gewachsen ist, die ans dem Gebiete der Eugenik jetzt den Gemeinden zu. fallen. Als Beispiele seien hier nur die Tuberkulosefürsorge, die sportärztliche und wohlsahrst. ärztliche Betreuung genannt. Trotzdem dies Fragen sind, die von den Gemeinden gelöst werden müssen, weil sie ja diesen zugute kommen, können jedoch die neu entstehenden Laster; vor: den Gemeinderr nicht übernomnren werden. Infolgedessen müssen die Aerzte, die über eine nennenswerte Praris auch heute noch verfügen, durch monatliche Spenden dazu beitragen, daß die Kosten für solche Stellen auch gedeckt sind. Das Beispiel in der jüdischen Gemeinde zu Berlin zeigt, daß dieser Weg gangbar und durchführbar ist. Die Aerzte müssen cs als eine Ehrenpflicht betrachten, ihren notleidenden Kollegen zu helfen. Sic Helsen damit der gesamten deutschen Judenheit. Schaffung und Bcscstignng von erhaltenswerten Existenzen ist die wichtigste Aufgabe der Gegenwart und der Zukunft. düdi5ehoAerzte in deutschen Kurorten ■ Die Rcichsveriretung der deutschen Juden gibt ein Verzeichnis der jüdischen Aerzte heraus, die in deutschen Kur- und Badeorten praktizieren. Zugrundegclcgt ist der Stand vom April dieses Jahres. Tie Liste ist mit Unterstützung der beteilig, tcn jüdischen Gemeinden und Organisationen zusammengcstellt und umfaßt olle in Frage kommen, den Aerzte, soweit sie Mitglieder jüdischer Religionsgemeinden sind: znm Teil wurden die Angaben der Aerzte selbst benutzt. - Professor Tr. Ernst Mislowitzcr von der medizinischen Falultät der Uuiocrsrtät Berlin ist aus Grund von § 18 der Habilitationsordnung die Lehrbefugnis entzogen worden. Akademien der Vereinigten Staaten Amerikas und 1925 mehrerer spanischer Hvchschrrlcn. Alle diese Gebiete der Physiologie sind drrrch seine Arbeiten bereichert worden. Klassisch sind seine grundlegenden Arbeiten über die Ly mph. b i l d u n g rnrd die P c r m e a b i l i t ä t. Asher wie? die sekretorische Innervation der Schilddrüse. . der Nebenniere und des Bauehspeicheldürseninsclapparates nach, klärte die Rolle der Milz für die Verwertung des Eisens rmd für das blutbildende Knochenmark, stellte ans der Thvmris einen Wachstumsstoss her und gab weitgehenden Ausschluß über die gegenseitige Beeinflussung verschiedener Organe niit innerer Sekretion, des Zentralnervensystems und des Herzmuskels. Cr .zeigte den Unterschied ruhender und tätiger Trüscnzellen und lehrte die Regulierung der Nierentätigkeit drrrch sekretorische Nerven. A. dnrchjorschle das Crinnduirgsproblcm sowie den Ciuslnß der vegetativen Nerven rmd der Hormone ans die Mnslellätigkeit. Endlich bereicherte er die Lehre von der Siiinesphhsiotogre drrrch wertvolle Beiträge über die Sehschärfe, der; Rarmrrrnd Farbensinn, den Truck im Labyrinth. Daß ein Mann von diesem wissenschaftlichen Ansrnas; auch zusammenhängende Werke von Bedeutung geschaffen hat, ist selbstverständlich. Seine „praktischen Uebrmgen in der Physiologie" stellen die bcsteZAnleitnng zu selbständigem Arbeiten aus dem Gebiet der Lehre von der inneren Sekretion dar. Als Herausgeber der „Ergebnisse der Physiologie" und der „Eudocrinologie". die Zu den gelesenstcn medizinischen Zeitschriften gehören, hat sich A. große Verdienste erworben. Philosophische Tiefe und gleichzeitige Beherrschung der exakten Wissenschaften haben dem Denken Asher? den richtigen Weg zwischen mechanistischen Vorstellnirgen und unfruchtbaren Spekulationen hindurch gewiesen und spiegeln sich in der Gediegenheit seiner Lebensauffassung wider. Materielle Vorteile hat er immer verschmäht und seinen wissenschaftlichen Idealismus rein erhalten. Infolge Erreichens der Altersgrenze wird Asher in diesem Jahr sein Lehramt iriederlegen müssen. In seiner, ausgesprochenen Eigenart ist er unersetzbar. Auch wrr wünschen diesem großen Forscher, daß er noch lange in dem durch ihn berühmt gewordenen Berner Institut seiner wissenschaftlichen Arbeit noch viele Jahre, ungebrochener Gesundheit zum Segen der leidenden Menschheit nachgehen möge! Ein Ägyptologe von Weltruf Zum Tode von Walter Wrcszinski Am 9. April entriß ein allzu früher Tod Walter Wreszinski seiner Arbeit, mit der er^ wie wenige andere Forscher verwachsen war. Schon als Schüler war er aus innerster Berufung zur Aeghptologie entschlossen urrd betrat bereits die Universität mit Kenntnissen, die sonst erst ein langes Studium zu vermitteln pflegt. Dort wuchs er in der Schule Adolf Ermans rasch zum Forscher heran, dessen Name drrrch die Herausgabe der Wiener und später der Londoner medizinischen Papyri Weltruf gewinnt. Im Ans« trag der Tenlscherr Lrienlgesellschaft leitete er 1903 die Ausgrabungen von Sahnrö rrnd führte in der: Jahren 1909—10, 1912—13 und 1925—26 drei weitere Expeditionen durch, in denen er das Material für sein Lebenswerk, den monumentalen Atlas der ä g y p t i s ch e n Kultura e s ch i ch t e. sammelte, der für alle, Zeiten , in seiner Wissenschrft grundlegend bleiben wird. Daneben lies, besonders seit der Uebernahme der „Orientalistischen Literatnrzeitung".^ die er in -wenigen Jahren zrnn führenden Organ seiner Wissenschaft machte, eine ausgedehnte wissenschaftliche Korrespondenz, die ihn fast mit der gesäurten wissenschaftlichen Welt verband. Noch zwei Tage rrach seinem Tode traf die Einladung einer italienischen Universität zu Gastvorlesungen und ein Angebot der Carnegh-Foundation für zwei weitere 'Expeditionen nach Aegypten ein. Tnrch menschliche Wärme und seltene Beherrschung des'Wort? wie wenige andere zum Lehren bestimmt, litt Wreszinski zeitlebens unter den engen Grenzen, bic die Exklusivität seine? Fachs der Lehrtätigkeit des Aegyptokogen setzt. Oft sind es nur zwei, drei Schüler, die sein Arbeitszimmer, Hörsaal und Seminar zrrgleich, 11m ihn vereint. Aber lvas an Breite des Hörcrkreises fehlt, wird durch eine Tiefe und Intensität des Unterrichts ersetzt, der kernen nnvcrwandelt entläßt. Wer jemals da? Glück diese? einzigartigen Lehrcns und Hörens genießt, bringt aus unvergeßlichen Stunden das E Bild reinster, verantwortungsvollster Forschrrrrg heim, die die eigene Arbeit für immer bestimmt. - Ganz seiner wissensck^ftlichcn Arbeit ergeben, legte sich Wrcszinski jeder öffentlichen und auch jeder jüdischen Tätigkeit gegenüber eine selbstgewählte Beschränkung auf, die ihm von Fernstehenden bisweilen zum Vorwurf gemacht worden ist. Aber kein Vorwurf ist unberechtigter als dieser gegenüber einem Mann, der schon in jungen Jahren einen ehrenvollen Nus ausschlug, weil er es ablehnte, dem Glauben seiner Väter zu entsagen, und der noch kurz vor seinem Tode das erste Patronat der in Königsberg ncrr zu gründenden jüdischen Schule übernahm. Aber mehr als da?: auch wenn Wreszinski sein Indentum nicht ans der Zunge trug. win tiefes menschliche? Verstehen und seine unendliche Güte urrd Hilfsbereitschaft waren edelstes Erbe seirrer Gemeinschaft. Denn Wrcszinski war unglücklich, wenn er nicht helfen korrrrte. So schlecht er oft seinen eigenen Vorteil wahrzunehmen verstand, so unermüdlich war er im Ersinnen neuer Mittel und Wege, wenn es die Existenz anderer zu sichern rrnd fremde Not zu lindern galt, ohne daß oft der Betreffende wußte, woher ihm die unerwartete Hilfe kam. Denn dies war das Schönste an diesem ungewöhnlichen Mann: die Verschwiegenheit, mit der er half und mit der er seine Taten selbst oft vor seinen Nächsten zu vcrbergen-verstand. Ihm war c8 gerrug, ihre Früchte reifen und wachsen zu sehen. Und so lebt denn Wreszinskis Name nrcht nur in der Wissenschaft, sondern im Herzen der vielen fort, in deren Leben ein Strahl seiner nie. versiegenden Güte fiel. Brost Grumach * Am 29. April verschied nach langem, mit bewunderungswürdiger Geduld ertragenem Leiden Dr. med. Artur Glaser arrs Berlin-Spandau im 68. Lebensjahr. Er spielte im ärztlichen Standesleben vor 1933 eine führende Rolle: viele Jahre war er Mitglied der Berliner Aerztekammer und betätigte sich aktiv an den Arbeiten der wirtschaftlichen Abteilung der Berliner Kassenärzte. In seinem Wohnbezirk gehörte er zum Vorstand dc8 Spandauer Aerztcvcrcins. So erfreute er sich eine? außerordentlich großen Ansehens. Wir werden sein Andenken immerdar Hochhalten. ■ Am 10. Mar begeht der frühere langjährige Letter der inneren Abteilung des Krankenhauses Moabit, Professor Georg Klemperer, ein Sohn des ehemaligen Predigers der Berliner jüdischen Reformgemeinde, Dr. W. Klemperer. seinen 70. Geburtstag. Das künstliche Herz Ueber „Werden, Altern, E r k r a n k c u des in enschliche n Herzens" sprach Tr. Leo I a c 0 b s 0 h n. Im Mittelpunkt des Vortrages standen experimentelle Vorführungen der Apparaturen, welche den Zweck haben, die menschlichen Herztöne einem größeren Hörerkrcis gleichzeitig zu vermitteln. Tr. Iacöüsohn berichtete von der Entstehung seines Verfahren?, das sich zwar prinzipell des gewöhnlichen Verstärkers bedient, bei dessen praktischer Durchführung aber erst die Schwierigkeit überwunden werden mußte, die Herztöne klangrichtig wrcderzugeben, da diese durch ihre geringe Schrvingungszahl ausgezeichnet sind. Tie heute vorhandene Perslärlung^' apparatur hat diese Mängel übcrrvunden. Ten großen Wert der Hcrztvnübertragrmg für den medizinischen Unterrricht kann der am besten beurteilen, der einrnal (wie Schreibrr diese? in der Vorlesung de? Vtünchener Klmikcrj Friedrich v. Müller) Gelegenheit gcha« hat. Herztöne in einem großen Hörsaal hören zu können. Tr. Jacobsohn ging nun noch einen Schritt weiter. Vom Tonsilmprinzip ausgehend, welche) darauf beruht, daß Tonschwingungen aus dem belichteten Film als Schwärzungen erscheinen, umgekehrt aber diese Schwärzungen je nach ihrer Anzahl mittels Photozelle .und Lautsprecher wieder höhere und tiefere Töne ergeben, kam er zu der Folgerung, man könne Töne künstlich dadurch erzeugen, daß man Schrvingungsbilder von der Photozelle abtasten läßt. Tie Herztöne sind hierfür bcionders geeignet, da sie einerseits wenig Schwingungen haben, anderseits die Dlelodie des Herzens nur ans zwei Tönen besteht. Man schrvärzt also eine runde Glasscheibe an Zwei Stellen in bestimmter Weise, führt sie rotierend an der Photozelle vorbei und — der Lautsprecher g'bt Töne eines Herzens wieder, welches niemals schlagen hat. oen Meorzmer von großem ■ Interesse. Ob derartige Dunge und vor allem die übriaen > des Vortrabes, welche in „populärwiß'enst sicher" Wei)e die gesunden und krankhaften stände des Herz- und Kreislausapparates de! delten, vor ein Laienpublikum gehören, ist Zweifel zu ziehen. Man richtet in den Ko des Publikums eher Schaden an, als man^ brache der Medizin nützt. B. L £ } *