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Central-Verein-Zeitung · 1935-05-09 · 19 (9.5.1935) · page 13

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
19 (9.5.1935)
Date
1935-05-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
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C.-V.- Zeitung / 3. Beiblatt Nr. 19 Donnerstag, den 9. Mai 1935 Die gesprenkelten Schafe Jakobs Vererbung und „Versehen“ im Alten Testament Im I. Buch MoseS ist von einer sonderbaren Züchtungsmcthvde die Rede, die bei genauer Betrachtung einen Einblick in heute erst erkrmntc Gesetze der Vererbung ermöglicht. Als Labans Tochter Nahe! nach langer Zeit dem Jakob den ersten Sohn geboren hatte, war Laban darüber so glücklich, daß er Jakob — der seine Herden besorgte — anbot, sich nunmehr einen Lohn zu fordern. Jakob erbat sich die gefleckten, gesprenkelten Schafe, die weiterhin geboren würden — dazu noch die künftigen schwarzen Schafe. Dasselbe sollte von den Ziegen gelten. Die weißen Tiere sollten Laban verbleiben. Laban war damit einverstanden, da an sich die weißen Tiere weit in der Ueberzahl waren, so daß er auch im wesentlichen weiße Nachkömmlinge erwartete. Zur Vorsicht sonderte er aber doch die dunklen und die gesprenkelten Tiere ans den Herden aus, die Jakob zu warten hatte, und steckte sie in die Horden seiner Kinder. Jakob aber schälte von grünen Zweigen von Pappeln, Kastanien und Haselstanden die Ninde zum Teil ab, so das; die Stäbe einen grün-weiß gesprenkelten Eindruck machten, lieber diesen Stäben ließ er nun die Mutterschafe und -ziegen empfangen. und als Folge davon betrachtete er es. daß viele gesprenkelte Tiere geboren wurden, sein Lohn also sehr hoch wurde. Jakob ging also von der Vorstellung aus, das; das ,.V e r sehe ii" der Mutter während der Empfängnis- und Hvfsezeit Einfluß auf das Kind hätte. Es'ist das eine uralte Volksmeinung, sie findet sich bei vielen Völkern, nuf Tiere und Menschen angewandt. Die Entstehung eines Feuermales an der Wange wird so gedeutet, daß die Mutter während der Hoffezoit eine Feuersbrunst mitansah. Es wird von einem Kind berichtet, das ein ausgedehntes schuppen artiges Muttermal hatte. Nachträglich wurde erzählt, die Mutter habe besonders gern am Meer die Schuppenstsche betrachtet, und so sei die schuppige Haut deS Kindes entstanden. Die Annahme, daß durch „Versehen" der Mutter eine neue Eigenschaft der Kinder entstehen könne, wird heute von führenden Eclehrten und Aerzten abgelchnt. Sprenkelung der Haut oder Muttermüler beim Kind können durch seelische Eindrücke bei der Rutter so wenig hcrvorgerufcn werden wie Hasenscharten, Wolfsrachen und ähnliche Mtzbildung. die man nachträglich auch mit »Versehen" oft zusammenbringt. Das ist die Meinung des weit überwiegenden Teiles der biologischen Welt. Es gehörte zur vorgeburtlichen Pflege des Kindes bei den alten Griechen, daß die Mutter schöne Menschen und Dinge sehen sollte, damit auch das Kind schön werde. . Diese Ansicht wird heute noch vielfach geteilt, und wenn auch ein unmittelbarer Einfluß auf das Kind dadurch nicht zu erwarten ist, so wird man das Derhalten doch fordern, weil die Seelenstimmung der werdenden Mutter dadurch jedenfalls gehoben und erleichtert wird. Trotzdem also eine solche Erklärung des Iakobschen Erlebnisses biologisch nicht stichhaltig ist — noch Thomas Mann meinte neuerdings, Jakob habe das Phänomen des mütterlichen Sich-Vcrsehens hier entdeckt —, ist die in der Bibel erzählte Tatsache nicht auzuzweiseln. Die Tatsache ist: daß von den weißen Schafen und Ziegen gesprenkelte Nachkommen abstammten. Das ist nach dem heutigen Stand unseres Wissens von den Vererbungsgesetzen durchaus zu verstehen. Die Farbe der Haut ist eine vererbliche Eigenschaft. Die Vererbung von Eigenschaften richtet sich ganz allgemein nach dem Mendelschen Gesetz. Ein Beispiel aus der Pflanzenwelt. Kreuzt man eine rotblühende Wunderblume (R) mit einer anderen rotblühenden Wunderblume (R), so entsteht wiederum eine rotbltthende Wunderblume (RR). Die Bezeichnung RR zeigt: die neue rvtblühende Pflanze ist reingezüchtet, homozygot (vom griechischen domos — gleich, Zygote Ursprungszelle). Ihre Nachkommen werden stets rot blühen. Kreuzt man aber eine solche rvtblühende (RR) mit einer weißblühcnden Wunderblume (rr), so entstehen rosablühende Wunderblumen (Rr). Sie sind ihrer Herkunft nach heterozygot (von keteros verschieden und Zvgotc — Ursprungszelle). Das' Schema Rr zeigt an, daß auch hier gleich viel Einheiten von den beiden verschiedenartigen Elternpflanzen auf das Kind übergcgangen sind. Die Kinder dieser Rr-Generation blühen nun zu zwei Vierteln rosa (Rr und rR). zu einem Viertel aber rot (RR) und zu einem Viertel weiß (rr). Die Enkelgeneration gleicht also zum Teil nicht den Eltern, sondern wieder den Großeltern. Die Elterngeneration hatte die Eigenschaften des Not» und Wcißblühens — die ihre Vorfahren noch besaßen — nicht mehr gehabt. Wohl aber hat die Elterngcneration die Eigenschaften des Rot- und Weißblutens unter der überdeckenden Nosafarbe wertervererbt. Wenn bei Eltern gewisie vererbbare Eigenschaften sichtbar vorhanden sind, so spricht man in der Vererbungslehre, von dominanten Merkmalen. Das ist im vorliegenden Fall die rosa Farbe der Wunderblumen, die ja auch auf die Hälfte der Nachkommen vererbt wird. Wo aber eine vererbliche Eigenschaft unbemerkt im elterlichen Körper vorhanden ist, ohne zur Entwicklung zu gelangen, spricht man von rezessiven Merkmalen. Die Eltern dienen also hier lediglich zur Uebertragung dieser Eigenschaften von der vorherigen zur nachfolgenden Generation. Würde man lediglich die Eltern ansehen und kennenlernen, so könnte man nicht auf die Vermutung kommen, daß solche rezessive Eigenschaften von ihnen auf die Kinder übertragen werden könnten. Die weißen Schafe Jakobs stammten zum Teil von einer reinen Linie weißer Schafe ab, und insoweit waren von ihnen weiße Lämmer zu erwarten. Zum Teil stammten sie aber von gesprenkelten Schafen ab — und diese waren ehemals aus einer Mischung weißer und schwarzer hervorgcgangcn —, und so mußte ein Teil von ihnen wieder weiß werden. Das lehrt uns das Mcndclsche Gesetz verstehen. Aber was es uns nicht lehrt, das ist die Voraussage: welche Lämmer weiß, welche schwarz, welche gesprenkelt zu erwarten wären. Ja. im Einzelsall läßt sich nicht Voraussagen, ob überhaupt ein weißc^s Mutterschaf im nächsten Wurf gesprenkelte Lämmer haben wird. Denn die Mendelschen Gesetze beruhen aus einer großen Reihe von Untersuchungen, deren D u x ch schnitt dann das Gesetz ergibt. Im Einzelfall kann keine Voraussage daraus abgeleitet werden. Das ist auch die praktische Schwierigkeit der .menschlichen Vererbungslehre — und viele Vererbungsforscher sind sich darüber völlig klar. Bei Tieren kann an Hand langer Zuchtreihen eine reine Linie sestgehalten werden. Reine Linien in bezug auf diese Vererbungsfragen gibt es aber beim Menschen nicht oder nicht mehr, oder noch richtiger: man weiß vorher nicht, ob eine reine Vererbungslinie vorhanden ist. Darum läßt sich die Vererbung von Eigenschaften beim Menschen nicht mit der Sicherheit wie beim Pflanzcnvcrsuch Voraussagen. Großenteils ist nur nachträglich aus den tatsächlichen Befunden ein Rückschluß c..ls die bestimmenden Bererbungsverhältnifse möglich. Allerdings lehrt die Erfahrung, daß zum Beispiel bei Erbkrankheiten ein großer Teil der Kinder als krank zu erwarten ist — und die praktische Verwertung der Bcrerbungskcnntnisie verzichtet bewußt auf die etwa zu erwartenden gefunden Kinder, um die Vielzahl der zu erwartenden kranken ungcboren zu lassen. Die Beobachtung der alten Tierzüchter über die Andersfarbigkeit der Nachkommen war richtig. Nur ihre Erklärung war eine andere als die. der neueren Zeit. Mit „Versehen" und ähnlichen hypothetischen Grundlagen hatte die andere Färbung nichts zu tun, wohl aber mit der Tatsache, daß es sich in der Ztlcht nicht um reine Linien der Vererbung handelte — was man den Mutterschafen nicht ansehen konnte. vr. W. Schwciplieimcr (München) Das Wunder des Lebens Die Tore der Berliner Ausstellungshallen am Funkturin (nn deren Entstehung nicht zuletzt der großzügige Lslar Hcimann beteiligt gewesen ist) haben sich eben .hinter der großen Schau „Das Wunder des Lebens" geschlosicn. Die Ausstellung war in drei große Abteilungen gegliedert, lieber der ersten stand das Motto „D i p Lehre vom Lebe n". Sie barg eine eingehende Darstellung der anatomischen Verhältnisse und der physiologischen Vorgänge wie Atmung. Blutkreislauf, Stofßvechsel, der Aufnahme der Nahrung und ihrer Verwertung, der Arbeit des Gehirns und ähnliches. Den Mittelpunkt der nächsten Halle,, die unter dem Thema „Träger des Lebens" stand, bildete ein tzlockcnturm, von dessen Höhe alle fünf Minuten weithinhallende Töne daran erinnerten, daß in Deutschland in diesem Zeitraum neun Kinder geboren werden, aber in derselben kurzen Spanne auch sieben Menschen ins Grab sinken. Wohl selten hat man verstanden, eine Statistik so eindringlich dem Bewußtsein nahezubringen. Das dritte große Gebiet, welches auf dieser Ausstellung behandelt wurde, ist die „Erhaltung des Lebens". Hier fanden wir groß angelegte. Darstellungen, die uns von der öffentlichen Gesundheitspflege, Krankenfürsorge, Bolkswohlfahrt^ sanitären Betreuung, richtigen Ernährung von Gcsunden und Kranken und vielen: anderen mehr unterrichteten. Es ist natürlich, daß das Gebiet der Vererbungswisscnschast und der Neinerhaltung der Rasse hierbei einen breiten Raum einnahm. Um die Notwendigkeit dieser Dinge dem Besucher besonders anschaulich vor Augen zu führen, hatte man. sich nicht damit begnügt, zu zeigen, was notwendig zu tun ist, sondern vor allen Dingen wurde dargestellt, wovor man sich zu hüten hat. Die Notwendigkeit der Erhaltung der Rassereinheit des deutschen Dolles wurde dabei in einer Aus der wissenschaftlichen Welt Jacob Henle Zum fünfzigsten Todestag 6e» grossen Anatomen am 13. Mai 1935 Jacob Henle kam am 9. Juli 1809 zu «fürth (Bayern) als Sproß einer durch.ihre juri- Mche Begabungen ungewöhnlich reichen Familie und als Sohn des Juweliers Simon Henle (1782—1856) sowie der Sophie Helene D i s p e ck (1781—1S36). einer Rabbinerstochter ans Bakersd»rf. zur Welt. Er blieb nur bis 1815 in feinet Vater,tadt, um dann mit seinen Eltern zuerst pach Mainz und 1824 nach Koblenz überzupedeln. Tort verbrachte er seine Schulzeit und bnn , v •- v * y. v -_ ORrtttti mit summend für seme ttnuutuin. a'iuuui lun8c Henle wandte sich der Medizin zu. -UL.) bezog er die Heidelberger Universität, un -v'ayr daraus kehrte er nach Bonn zurück, wo er Mer JohZ. Müllers Leitung seine Studien abschloß. Mit seiner 1832 eingcreichten, noch heute geschätzten Doktorarbeit über die. Pupillarmem»?wn ward er zum vr. mcd. promoviert und int joinenben Jahr bestand er in Berlin die/-staats- Prüfung. Zunächst verblieb er in B e r l i n . wo- ««"^zwischen sein väterlicher Freund Johs. Kuller berufen worden war: 1884 wurde er dessen Prosektor. Die Absicht, sich in Berlin zu mbilitieren. vereitelte seine Zugehörigkeit zur Donner Burschenschaft. Er wurde im Juli 18!» wgar Wochen lang in der Hausvogtei in Einzel- M gehalten und im April 1886 von der Pro- . se'tur suspendiert. Die erst im Januar 1837 bc- «wete Untersuchung hatte zur peinlichen Folge, M er Zu sechs Jahren Festung. Kassation und ^'ahlgiort zur Bekleidung staatlicher Aemter i h,uTl>c- Alexander von Hum- ^et für die ausgezeichneten Unter- : laugen Gelehrten lebhaft cinsetzte, erreichte seme volle Begnadigung und im Som-! der 1838 konnte sich Henle endlich habilitieren. Die Politische Untersuchung brachte einen Ruf nach Dorpat zum Scheitern, aber im Herbst 1840 erfolgte bereits eine ehrenvolle Berufung nach Zürich, wo er bis zum Herbst 1843 verblieb. Er folgte dann einem Ruf nach Heidelberg und ging im Herbst 1852 nach Göttingen, um dort bis an sein Lebensende (13. Atai 1585) zu verbleiben. AlS im Frühjahr 1858 fein Lehrer und Gönner Johs. Müller unerwartet.starb, erhielt ea einen Ruf nach Berlin, den er aber anS Furcht, in feiner stillen und erfolgreichen Arbeit gestört zu werden, kurzerhand ablehnte. Diese bewegte sich, überall gleich bahnbrechend, aus vier verschiedenen Gebieten: auf zoologisch-vcrgleichend-anatomischcm, auf allgemein anatomischem, auf allgemein pathologischem und auf vorzugsweise anatomischem. Eine Zusammenstellung seiner Untersuchungen an diesem Ort schließen Raum und Anlaß auS. Nur soviel fei gesagt, daß er mit genialem Scharfblick bereits 1840 in seinen „Pathologischen Unterfuchungen" erkannte, daß die fieberhaften Krankheiten durch Mikroorganismen hervorgerufen werden. Sein Schüler Robert Koch hat bekanntlich diese Erkeuntnis ausgebaut. 1841 legte er in seiner Allgemeinen Anatomie" die Grundlagen der heute „Allgemeine Anatomie" genannten Wissenschaft und sein Werk ist nach säst einem Jahrhundert keineswegs veraltet. In seiner Habilitationsschrift legte er ferner den Grundstein zu unseren heutigen Kenntnisien von den Epithelien. Sein 1846/53 erschienenes „Handbuch der rationellen Patho- 1 ogie" war sogleich ' von solchem Erfolg, daß noch im Erscheinungsjahr eine zweite Auflage deS ersten Bandes notwendig wurde. Eine weitere Tat. die Henles Namen noch bekannter machte, war sein „Handbuch der systematischen Anatomie deS Menschen" (1858/71). das geradezu eine Reform der Anatomie bewirkte. Die Zahl neuer Beobachtungcn ist erstaunlich. Das größte Aufsehen hat aber wohl die EntdeckiUig der „H.e nie-, s ch e n E ch l e i f e" in der Niere erregt. Um em Organ für die Verfechtung seiner umwälzenden Anschauungen zu haben, gründete er im Verein mit seiiiem Landsmann. Freund und Fachgenossen, dem Kliniker Karl v. Pfeufser. die Zeitschrift für rationelle Medin*. worin er und seine Schüler, zu denen Gelehrte von Weltruf, wie E. du Bois-Reymond, E. Ehlers. R. Förster. A. Froriep, E. v. Hecker, F. Jolly. A. Kölliker, A. Kußmaul, F. Merkel (sein Schwiegersohn und Nachfolger), W. v. Waldeyer, F. Zenker und verschiedene andere zählten, die Ergebnisie ihrer Einzeluntcrsuchnngen bekanntgaben. Im letzten Jahrzehnt seines ungewöhnlich fruchtbaren Gelehrtenlebcns schrieb Jacob Henle seine „Anthropologischen Vorträge" (1876 und 1880). die. für Gebildete aller Stände berechnet, in ihrer Gedankentiefe und stilistischen Vollendung noch heute mit Genuß z,i lesen sind. B.'rühmt war HenleS Vortrag. Gottfried Keller hat den Eindruck, den dieser auf ihn machte, im ersten Kapitel deS vierten Buche? im „Grünen Heinrich" anschaulich geschildert. Seine Interessen erstreckten sich aber keineswegs allein auf sein Fach. Er war ungewöhnlich musikalisch und am deutschen Schrifttum interessiert. Dichter wie F. Freiligrath, G. Herw e gh. B. Auerbach. G. Keller rechneten zu seinem vertrauten Umgang. Zahllos - waren die Ehrungen, die ihm in seinem reichgesegncten Leben dargebracht wurden: genau 50 gelehrte Gesellschaften, darunter die Akademien von Götingen, München, London, Petersburg. Wien, Schweden. Berlin, Dänemark, Budapest hatten ihn zum Mitglied' oder Ehrenmitglied ernannt, Breslau verlieh ihm den vr. phii. ehrenhalber, Edinburgh den v.v.v., d. i. Dr. des bürgerlichen Rechts. Daß auch Orden und Würden — er war zuletzt K. preuß. Geh. Obermedizinalrat — nicht fehlten, bedarf keines Hinweises. — i— In diesem Zusammenhang wird es für unsere Leser von Interesse sein, etwas Näheres über die erste Ehe Henles zu erfahren, welche in dem Film „Regine" nach einer Ueberarbeitung der Darstellung Gottfried Kellers behandelt wird. Henle hatte in Zürich im Hause des Chemikers Löwig auS Kreuznach das ungewöhnlich schöne Dienstmädchen Elise Egloff aus Göttlichen im Thurgau kennen und lieben gelernt. Er ließ das Dtädchen in einem Tvchterheim zu Traben an der Mosel ausbilden und für ihre künftigen Aufgaben vorbereiten. In den Osterferien 1846 führte er sie als seine Gattin heim. Sie fügte sich über- .raschend schnell in ihre neuen Verhältnisse und fiel allgemein durch ihren Charme auf. Die Ehe Währte nicht. lange, denn, nachdem sie ihm zwei Kinder — die eine Tochter lebt noch als Witwe des AlthistorikersFranz Rühl — geschenkt hatte, starb sie Anfang 1848 an einem schweren Lungenleiden. Berthold Auerbach hat in seinen „Schwarz- Wälder Dorfgeschichten" unter dem Titel „Die Frau Professorin" diese Ehe zum Gegenstand einer tragischen Erzählung gemacht. Kurz darauf verarbeitete die Schauspielerin und Schriftstellerin Charlotte Birch-Pseisfer in einem Stück „Tors und Stadt" die Angelegenheit zu einem zugkräftigen Bühnenstück. Endlich hat Gottfried Keller in seinem „Grünen Heinrich" den Stoff behandelt; er stellte sich aus den Standpunkt, daß in der Ehe Ungleichheit des Standes und des Geistes zu schweren Wirrungen führen könne. Seine Erzählung endet damit, daß Regine das Falsche des Verhältnisses nicht mehr länger ertragen kann und aus Verzweiflung in den Tod geht. Leon Asher Am 13. April beging der gefeierte Ordinarius für Physiologie an der Berner Universität seinen 70. Geburtstag. Leon Asher wurde am 13. April 1865 in Leipzig als Sohn des Philosophen undPhilologen Dr. v. Asher und seiner Frau Clara, geb. Pyke aus London, geboren. Nach Absolvierung des Staats- und Doktorexamens in Leipzig 1890 assistierte er an der psychiatrischen Klinik in Leipzig, an der Nervenklinik in Berlin und Ohrenklinik in Heidelberg. Eine gründliche Ausbildung als Physiologe erhielt er bei drei hervorragenden Vertretern des Faches: Carl Ludwig. Ewald Hering und Willy Kühne. Tann wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter der englischen Physiologen Starling und Bayliß. um 1594 eine Assistentenstelle am physiologischen Institut Bern anzunehmen. Ein Jahr darauf habilitierte er sich, wurde 1902 Titularprofessor, 1906 außerordentlicher Professor. Als 1914 der Lehrstuhl durch den Tod Kroneckcrs frei wurde, schlug die Fakultät Asher einstimmig für das Ordinariat vor. das ihm auch dann verliehen wurde. Unterdessen war Asher Schweizer Bürger geworden. 1917/18 war er Dekan der medizinischen Fakultät. - im Jahre 1931 ward er Rektor der Universität Bern. Das Ausland ehrte den Gelehrten wiederholt; 1923 und 1929 war er Gast- Professor vieler medizinischer Fakultäten und

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