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Central-Verein-Zeitung · 1935-05-09 · 19 (9.5.1935) · page 12

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
19 (9.5.1935)
Date
1935-05-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Holland Zur Feier des oüjährigen Bestehens des ..Gentraal Blad voor Israeliten in Nedcrlond" fand im Amstel-Hvtel in Amsterdam eine Feier statt, an der Vertreter der indischen Verbände und zahlreiche führende Persönlichkeiten des jüdischen und nicht indischen öffentlichen Lebens tcilnahmcn. Der holländische Ministerpräsident Dr. Colijn batte ein Begrüßungsschreiben gesandt, ür dem er erklärt, er freue sich fcststcllen zu können, das; die indische Bevölkerung Hollands in . den vergangenen r.O Fahren die besten Traditionen jüdischeu Familienlebens bewahrt hat. an ihrem Glauben fest hielt und ihre Anhänglichkeit an Geburtsland und .UönigsliauS bewies. Der Bürgermeister von Amsterdam, Dr. W. de Blngt, schrieb, inan könne die Bedeutung der jüdischen Bevölkerung für Amsterdarn nicht hoch genug einschätzcn. Denjenigen Irwen. die ans änderen Lärrdcrn kamen und sich hier niederliesten. habe man in Amsterdam, dem „Jerusalem des Nordens", das Gefühl des Zuhausescins gegeben. Die Juden ihrerseits hätten mitgeholfen, die Stadt zu wirtschaftlicher Blüte zu bringen, und hätten echten Bürgersinn bewiesen. Jugoslawien Dem Vorsitzenden des jüdischen Gemeindebundes Jugoslawiens und Vizepräsidenten der jugoslawischen zionistischen Organisation. Dr. Friedrich Pops, wurde anläßlich seines bä. Geburtstages und' 25jahr;gen Jubiläums als Vorsitzender der Belgrader aschkcnasischen Gemeinde der Orden der jugoslawischen Krone verliehen. Dr. Pops war früher Bizcbürgermcister von Belgrad und ist auch heute noch Mitglied des Stadtratcs. Der Univers'.tätsprvfessor Kostitsch forderte in der Belgrader Zeitung „Politika" rajsenhpgienischc Maßnahmen für die Reiiierhaltuug der südslawischen Rasse von gerinanisclien. ungarischen und anderen fremdartigen Bluteiiislüsjen nach dem Borlüldc der deutschen iliassengesetzgebnng. Oesterreich Aste der gTA-Bertreler erfährt, wird in vssizieilen jüdischen Kreisei; ein Antrag an die Negicrnug in Form eines Gesetzentwurfs vorbereitet. wonaih entspreichend den in der Schweiz und Holland geschaffenen Gesetzen gegen Rassenhaß die antisemitische Agitation, wie sie in der letzten Zeit überhandgenouunei; hat. unmöglich gernacht iverden soll. Alan nimmt in eingeweihten .greifen an. das; die österreichische Negierung einem solchen Antrag frcrmdlich gegeuüberstehcu und dessen Gesctzlverdung keirrc Schivicrigkeiteu in den Weg Icgeit wird. MM MMtMM in öm MrwWMen Südslawrcn Am 5. Nliü fanden in Jugoslawien die Wahlen zur Narodna Sknpschtina (Parlaments statt. Tie südslawischen Inden sind, da die gesamte jüdisäfe Bevölkerung bloß 70 000 Seelen zählt und zur Wahl eines Abgeordneten mindestens 50 OtM") Stirnmen erforderlich sind, nicht imstande, eine eigene Vertretung irrS Parlament zu entsenden. Doch haben fast alle Parteien, sowohl die Rcgierungspartei niedie Ovposilionsgrnppen. südifchc .Kandidaten aufgestellt. Wenn auch die jüdischen Kandidaten kaum Aussicht haben, gewählt zu werden. U'nrde durch ihre Ausnahme in die Listen doch dokunrentiert. daß die Mitarbeit der Inden im vffentliehen Leben allgemein erwünscht ist. Bon den am Wahlkampf teilnehmenden Gruppen ist scheinlrnr nur eine, die des ehemaligen Justizministers Ljotitsch, antisemitischen Tendenzen nicht fernsteifend. Polen Bisher sind noch keine Einzelheiten über die Wahlordnung für der; künftigen polnischen Sejm veröffentlicht worden. Mitteilungen in der oppositionellen Proste zufolge wird die Zahl der Deputierten, die bisher 440 betrug, um die Hälfte verringert lverden. Die Bestimmungen der Wahlordnung sollen so gefaßt sein, daß cs der Opposition nicht möglich sein wird, mehr als 62 Abgeordnete in den Sejm zu entsenden. Was die Vertretung der Minderheiten betrifft, so soll bisher bloß feststehen. das; für die Inden vier Mandate reserviert wurden. Die Verhandlungen mit Ukrainern und Deutschen sind noch im Gange. Der konstituierenden Nationalversammlung haben zehn jüdische Abgeordnete angehört. Im zweiten Sejm erhöhte sich die Zahl der jüdischen Abgeordneten infolge des Wahlbündnisses mit den übrigen Minderheiten ans 34. Dem dritten Sejm haben zwölf, dem letzten nenn jüdische Abgeordnete angehört. Tschechoslowakei Zu den am 10. Mai stattsindenden Wahlen in das "Abgeordnetenhaus hat der Zentralausschnß der jüdischen Partei in der Tschechoslowakei beschlossen, einen Wahlpakt mit der tschechischen Sozialistenpartci auf der Grundlage einzugehcn, daß der jüdischen Partei zwei Mandate im Parlament garantiert werden. Der Beschluß wurde bei Stimmenthaltung des bisherigen Abgeordneten der jüdischen Partei, Dr. Julius Reiß (Bratislava) und gegen die Stimme deS bisherigen Partcipräfidcnten Dr. Emil Margulies (Leitmeritz) gefaßt. Margulics legte fein Amt als Parteivorsttzcnder nieder. An seine Stelle trat Ingenieur Frischer (Mährisch-Ostrau). Zn dem Wahlabkommen erklärt die Prager ..Selbstwehr", daß es sich hier um eine Vereinbarung aus rein wahltcchnischen Gründen handele, daß keinerlei Bekenntnis zur Parier des Vertragspartners in sich schließe. Cs sei kein anderer Weg übriggebliebcn, eine jüdische Vertretung der jüdischen Interessen zu erlangen. Man könne überzeugt sein, daß die jüdischen Wähler den Unterschied zwischen einer wahltcchnifchcn Vereinbarung und einen; gemeinsamen Programm erfassen werden. Griechenland Auch die griechische Regierung hat für den 10. Mai die Neuwahl der Dcputiertenkammer ausgeschrieben. Tie Ausschreibung der Wahl steht im Zusammenhang mit der durch die letzte Revolte und ihre Niederschlagung geschaffenen politischen Lage. Tie neue Kammer soll das Recht zur Abänderung der Verfassung haben. Nach dem neuen Wahlgesetz, das auf Grund einer Notverordnung in Kraft getreten ist, wurde die besondere jüdische Wahlkurie in Saloniki abgeschasst. Die jüdischen Wähler werden gemeinsam mit ihren christlichen Mitbürgern zur Wahlurne schreiten. Die Verhandlungen über die Aufstellung der Kandidatenlisten haben bereits begonnen. Cs wird allgemein erwartet, daß im Wahlkreis Saloniki, der bekanntlich eine starke jüdische Bevölkerung hat, zwei bis drei jüdische Kandidaten in die Liste der Regierungspartei ausgenommen werden. Die Wahl dieser jüdischen Kandidaten soll dadurch gesichert werden, daß e§ nicht mehr zulässig sein soll, bei der Stimmenabgabe einzelne Namen der Liste zu streichen. Von dieser Möglichkeit war bei der letzten Wahl znm Schaden der jüdischen Kandidaten vielfach Gebrauch gemacht worden. Ter aufgelösten Deputiertenkammer gehörte kein jüdischer Vertreter an. Nur im Senat war die jüdische Bevölkerung Griechenlands durch einen Repräsentanten, den Senator Jsaac Scialy, vertreten. Innenminister Pcriclcs Nhallis. der als vormaliger Gcncralgouvcrncur von Mazedonien in Saloniki Gelegenheit hatte, sich eingehend mit Angclegcnheitcn der jüdischen Bevölkerung zu befassen. empfing in Athen Vertreter der jüdischen Presse, denen gegenüber er jid) über die Frage der Sicherung einer zrnrlarnentarischcn Vertretung der griechischen Iudcnhcit bei den bevorstehenden Wahlen äußerte. „Die griechischen Juden", erklärte Minister Nhallis, „haben einen unverjährbaren Anspruch auf drei Vertreter im Parlament. Ich bin überzeugt. daß dieser Anspruch anerkannt werden wird und werde persönlich keinerlei Bemühung scheuen, um ihn zu verteidigen." Ar MMsM in SEÄ In „WcstermannS Monatsheften" (70. Jahrg., Nr. 945) veröffentlicht ein New-Porler Mitarbeiter der Zeitschrift, der sich?l metveuo nennt, einen sachlich gehaltenen Anssatz „Die Indenfrage in NSA", in dem er von einem starken Anschwellen des Antiscmitismns in den Vereinigten Staaten zu berichten weiß. Der politische Einfluß der Inden, so führt er ans. ist in den Vereinigten Staaten nur ciu geringer. Am geringsten ist ec in den Südstaaten vertreten, in denen mich nur verhältnismäßig wenig Inden leben. Trotzdem begegnet man hier dem Juden feindlich, aber nicht ihm allein, sondern allem Fremdländischen: den Nordländern, den Negern u. a. Die anlisemitischen Organisationen des Ku-Klux-Klan und der faschistischen „Khaki- Hemden" irnd „Silberhemden' haben zwar ihre politische Rolle cmsgespielt. Aber in den letzten Jahren haben sich sehr starke ailtisernitische Strömungen irr den großen Farmcrverbänden des Westens niid Mittelwestens bemerkbar geiiiacht, und sie sind trotz allen Abbiegungsvcrsrichen durchaus iiicht wieder verebbt, um so mehr, als die Juden und Wall Street von den westlichen Farmern in einen Tops geworfen werden. Neuerdings tritt auch im Osten des Laiides, wo der jüdische Einfluß am nachhaktigsteu war. eine zunehmende jndenfeindliche Bewegung hervor. Von scher, bemerkt Americus, hatten sich die gehobenen Kreise der amerikanischen Gesellschaft gegen die Juden abgeschlossen. Aber erst der Sieg des Nationalsozialismus in Deutschland hat die Aufnierksam. kcit vieler Amerikaner aus das jüdische Problem gelenkt. Wäre der Antisemitismus nicht gewesen, so würde die Hitler-Bewegung in Amerika uiir ein vorübergehendes Iiitcrcsie erweckt haben. Aber die Jndenfrage. wie sie in Deutschland behandelt wurde. hat?lüolf -Hitler zu einer vielbeachteten Persönlichkeit in Amerika gemacht. — In diesem Zusammenhang kritisiert Americus sehr scharf das Verhalten gewisser jüdischer Kreise, die durch die Art und Weise, wie sic auf jene Umwälzung reagierten, der Ausbreitung des. Antisemitismus unfreiwillig Vorschub geleistet hätten. * Aus der in Washington stattsindenden Tagung des Independent Order vnai Briih hielt der Vorsitzende des Repräsentantenhauses des amerikanischen Bundesparlaments. Joseph Byrns. eine Ansprache, in der, er Rassenvorurteile scharf ablehnte. und die Leistung der Juden im bürgerlichen Leben Amerikas lobend hervorhob. Amerika, erklärte BYrnS, wäre ohne seine Juden kulturell m DEMO Das Statistische Reichsamt in Berlin veröffentlicht jetzt erstmalig detaillierte Angaben über Zahl, Herkunft und Verteilung^ der m Deutschland leben Ausländer nach dem ^taud ber der letzten offiziellen Zählung Mitte 1033 („Wirtschaft und Statistik", zweites Aprrlheft 1935). Von 65,2 Millionen Einwohnern waren damals 756 760 oder 1,2 v.H. nicht deutsche Staatsangehörige. Ein Vergleich der C;nzclergcbnisse der Zählungen der Jahre 1925 und 1933 ergibt folgendes Bild: Ausländer mit einer bestimm- 1925 1933 ten fremden Staatsangehörigkeit .921000 667 654 Staatenlose ...... 25227 88612 Personen, deren Staatsangehörigkeit unermittclt blieb 9 969_494 zusammen: 957 096 756 760 Die amtliche Veröffentlichungbemerkt dazu: die Zahl der Staatenlosen ist gegenüber 1925 um das Zweieinhalbfache gestiegen. Ans Grund der tatsächlichen Verhältnisse bei den beiden Zählungen ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß diese Zunahme im wesentlichen nicht auf einer Zuwanderung beruht. 1925 waren d;e Staatsangehörigkeitsverhältnisse bei Personen, die früher in Rußland und Oesterreich-Ungarn bzw. deren Nachfolgestaaten ansässig geworden sind, vielfach noch ungeklärt. Infolgedessen haben sich 1925 zahlreiche Personen fälschlicherweise als Angehörige dieser Staaten betrachtet und als solche bezeichnet. Tatsächlich waren diese Personen auch 1925 schon staatenlos oder sind es inzwischen durch Aberkennung der Staatsangehörigkeit (Rußland) usw. geworden. Die Zunahme der Staatenlosen dürfte mithin im wesentlichen auf formale Gründe zurückzuführen sein. (In der letzten Zeit wird ihre Zahl aus Grund der jeweils im ^.Deutschen Reichsanzeigcr und Preußischer; Staatsanzeiger" bckauntgcgebenen Ausbürgerungen erheblich zugenommen haben, so das; die vorstehenden Angaben überholt sind.) Auffällig ist der Rückgang der Zahl der Personen. deren Staatsangehörigkeit unermittclt blieb. Wahrscheinlich sind auch Personen ans dieser Gruppe 1933 vielfach als staatenlos ermittelt worden. Wie verteilen sich die in Deutschland wohnhaften Ausländer auf die einzelnen fremden Staaten? Das Hauptkontingent, d. h. mehr als die Hälfte aller Ausländer, stammt aus der Tschechoslowakei (24,6 v.H, 1925: 23.3 V.H.). Polen (19,6 v.H. bzw. 27.1 v.H.) und Oesterreich (10,7 v. H. bzw. 13,5 v. H.). Die übrigen Ausländer sind im wesentlichen Angehörige der anderen europäischen Staaten. Zugenommen hat lediglich die Zahl der südslawischen Staatsangehörigcn und der Danziger. In den 52 deutschen Großstädten wohnten über zwei Fünftel aller Ausländer im Reich: ihr Beruf bindet sie in besonders starkem Maße an die Zentren von Wirtschaft, Kunst und Wissenschast. E. G. L. Keine Emden m Men emünW Wie die „Rheinische NSZ-Front" in Neustadt a. d. H. meldet, veröffentlicht Gauleiter Bürckel. der gleichzeitig Neichskonunissar für die Rückgliederung des Saargcbietes ist, eine Belanutmachnug, in der es heißt: „In der in der Presse veröffentlichten Einzeichnungsliste der Spenden für Beseitigung der Elcndswohnrmgen befinden sich mehrere solcher Spenden von Juden. Ich weise alle politischen Dienststellen darauf hin, daß cS unanständig ist. von Juden Geld zu nehmen, wenn man aus völkischen Gründen zur jüdischen Rasse eine gegensätzliche Stellung einnimmt. Von den politischen Dienststellen erwarte ich daher ein entsprechendes Verhalten. Soweit irgendwelche Geldbeträge schon ein» gegangen sein sollten, sind dieselben zurückzugeben." äm Leipziger Gewandhaus als Drrrgenk gewirkt patte — M osmelesstra ße. %oscheles war Komponist und Pianist und wrrkte als Lehrer am . Leipziger Konservatorium. - P! a u t p r a y e. Das Leipziger 'Adreßbuch verzeichnet, vatz bwie Straße nach dem „hochherzigen Stifter" Jakob Plaut benannt ist. — ^imsonstraße und S i m s o n b r ü ck e. Benannt rwch dem bekannten Präsidenten der Nationalversammlung in der Panlskirchc in Frankfurt a. M. und späteren ersten Prstdentcn des Reichsgerichts, Eduard v. Simson. §Ä!NlÄ-D.rLrMÄ3'§:LkMll in Mm LÄd mlest In einer Sitzung der Nepräsentantenversanunlang der Gemeinde Dessau wurde bckauntgegeben. daß der Rlagistrat der Stadt Dessau der Gemeinde mitgeteilt habe, daß die Verlegung des auf dem Bahnhofsvorplatz sichenden Moses Mendelssohn- Denkmals erforderlich fei, weil an dieser Stelle das Kriegerdenkmal errichtet werden solle. Ter Magistrat ersuchte lim die Zustimmung der Gemeinde zur 'Aufstellung des Denkmals von Moses Mendelssohn im Vorgarten des Israelitischen iFriedhofs., Es wurde beschlossen, dem Anträge der Stadt zuzustimmen mit der Maßgabe, daß die Kosten der Verlegung des Denkmals von der Stadt Dessau getragen werden. Tie Stadt Dessau hat hierzu ihr Einverständnis erklärt. Zum Gcsundbcterprozcß Dögtle. „Der Stürmer" brachte in seiner Nr. 13 (März 1935) einen ausführlichen Bericht über einen Karlsruher Skandalprozeß: „Die Inden Dögtlc betrügen Deutsche um Himdertausende". Cs handelte sich ■ um eine Gesundbeterin, die durch Riesenbetrügeteieu weite.Kreise erheblich geschädigt hat.;» Tie Verhandlungen, die sich über eine Woche hiuzogeu. endeten mit der Verirrteiluug der Angeklagten und ihres Ehemannes zu mehrjähriger; Gefängnisstrafen. Wir haben dazu nur fcstzristellcu. daß die Verurteilten wc-dcr Inden noch jüdischer Abstammung sind. Beide Haber; im Gegenteil bei verschiedenen Gelegenheiten während der Verharrdlrmg ihre huderrfcindliche Einstellung sehr deutlich zum Ausdruck gebracht. AbändriMg vsn Ettaßrnnrrmrn in Leiozig Ter Oberbürgermeister der Stadt Leipzig hat verfügt, daß diejenigen Straßen der Stadt, die nach 'früher in Leipzig lebenden Juden und Jnderrstämmlingcn benannt sind, vom 1. Nlai 1935 an umbenannt iverden. Cs sind dies nach- stehende Straßen: A b r a h a m ft r a ß e. Sie wurde nach dem Stifter der bekannten Musikbibliothek P e t e r s. Dr. Ma^ Abraham, benannt. . — Citingonftraße. Diese heißt nach der Familie Eitingon. die sich aus philantropischem Gebiet auszeiächiete und u. a. das Jsraekitsche Krankenhaus m Leipzig stiftete. — Jadassoh.n st ratze. Sie führte ihren Namen nach dem Komponisten und Musiktheoretiker Dr. Salomon Jadassohn, der sich sowohl auf dem Gebiet der weltlichen, wie Synagogenmusik ausgezeichnet hat. — Mendelssohn st raße. benannt nach .^elrx Mendelssohn-Bartholdy, der eine Zeitlang NatasSa un& Zarry Mur Der „Münchener Beobachter", die Münchener Stadtbeilage des „Völkischen Beobachters", schreibt in einem Bericht in Nr. 124 vom 4. Mai 1935 unter der Uebcrfchrift: „Ciu Protest der Bcvölleruug gegen einen rirrdeutschen Film — Tumultszenen bei der Erstaufführung des Filmes „Natascha" im Ilsa-Palast über die Grüride von Kundgebungen gegen genannten französischen Film unter anderem: ,,. Zn allem Unglück hat dieser Piotr Brinkoss in der Gestalt von Harry Baur ein solch ausgeprägt jüdisches Aussehen bekommen, das durch die Gebärden und das Benehmen noch derart verstärkt wird, daß irgendwelche künstlerische oder interessante Werte dahinter nicht mehr gesrrä)t werden können." Der Film „Natascha" ist vom Programm'des Münchener Ufa-Palastes abgesetzt worden. ZMgkeit Anordnung der Nrickskunslkammer In einer amtlichen Bekanntmachung über den Ausbau irird die Organisation der Reichskarnnrer der bildenden Künste hat der Präsident dieser Kammer am 10. April 1935 n. a. folgendes über die Zugehörigkeit und die Befreiung von der Zugehörigkeit angcordnet: Die Reichskammcr der bildenden Künste umfaßt: 1. bei der Erzeugung von Kulturgut: Architekten. Gartengestalter. Maler und Graphiker. Bildhauer. Gebrauchsgraphrker, Kunsthandwerker. Entwerfer und Ramnaus- statter; 2. bei der Wiedergabe. Erhaltung und Pflege vor; Kulturgut: Kopisten ur;d Restauratoren: 3. bei der geistiger; oder technischen Ber« a r b e i t u n g, der B e r b r c i t it n q, dem Absatz oder der Vermittlung des Absatzes von Kulturgut: Kunst- und Ar;tign;tätenhändler, Kunstverleger nnd Kunstblatthändlcr, Gebrauchs- und Werbekunstnuttlcr, Künstler« und Kunstvereine. Vereine für Kunsthandwerk. Evangelische Reichsgemeinschaft christlicher Kunst, Katholische Reichsgemeinschast christlicher Kunst: '4. bei der Kunsterziehung: Anstalten der bildenden Künste. Bon der Zugehörigkeit zur Rcichskamrner bildender; Künste werden befreit: 1. Personen, die unter oben zu 1 genannte Tätigkeit nur geringfügig oder gelegentlich ausüben: 2. INitglieder einer anderer; Einzelkammcr der Rcichskulturkannner sorvie Angehörige anderer lraft Gesetzes errichteter Orgarnsationen. wenn ihre Tätigkeit im Bereich der Reichskilnstkarnmer geringfügig oder gelegentlich ist: 3. Lehrpersonen an öffentlichen, allgemein bildender; Schulen. Tie Befreiung erfolgt dann, wenn die Personen — mit Ausnahme der Lehrpersonen — die für ihre Tätigkeit erforderliche Zuverlässigkeit und Eignung im Sinne des 8 10 der Ersten Verordnung zur Durchführung des Reichskultnrkammergesetzcs vom 1. November 1933 und der 1., Anordnung betr. die Aufnahme und die Ablehnung der Aufnahme vom 1. April 1935 besitzen. Die von der Zugehörigkeit zur Ncichskammer der bildenden Knuste befreiten Personen haben die Anordnungen des Präsidenten der Reiä)skammer der bildenden Künste zu befolgen, an ihn einen schriftlichen Befreinngsantrag z-l stellen und eine jährlict)e Verwaltungsaebühr von 1 RM zu entrichten. Jüdische Konzertvermittlung. Tie Mitteilung in Ar. IS der „C.-V.-Zeitung" vom 3. Mai 1935 übet die Konzertdirektion L. Taube. Berlin, bedarf der Ergänzung. Ter in der Meldn,;g enthaltene Au-- druck „P r i v a ta g c n t ur" könnte;u der Annahme führen, daß diese Konzertdirektion auch Geschäfte einer Künstler vermittelnden Konzcrtagentrrc betreibt. Dies ift nicht der Fall. Vielmehr besteht ihr Tätigkeitsgebiet als Konzertdirektion in der Uebernahme von Jmpresariaten. Arrangements und eigenen Veranstaltungen. Tiefe sind, ww seinerzeit gemeldet, vom Staatskommissar für Berlin als künstlerisch hochstehend anerkannt worden. Wie wir von anderer Seite erfahren ist die einzrgc - iüdische Privatagentur Teutschlands. die -die behördliche Konzession zur Vermittlung konzertierender Künttler besitzt, die Konzerwirekiion Artur Bernste.rn, Hannover. ,

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