Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 19 (9.5.1935)
- Date
- 1935-05-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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«inncTjc Begabung in unserer Ucit. Nach <iuf* opscrungc-vollcr Arbeit in der Berliner -^e- Zession formte bilden Spiro unermüdlich cm seinen großen lunstlerischen Fähigkeiten, und so empfinden wir feine reizvollen Asiilereien, unter nördlichem und südlichem Himmel auf die Leinwand gebracht. alS selbstverständliche Geschenke, die die jüdische Gemeinschaft hochzuhalten weiß. Bon Ludwig B a t o. der von Geburt Ungar ist, aber in Berlin seit langem seine Heimat hat, hängen in der Ausstellung einige schöne Landschaften, die gerade diesem Künstler in der klar umgrenzten Farbfläche, mit den oftmals bäuerlichen Gestalten, dem Hellen Sonnenglanz, der über den Kompositionen liegt, ein besonderes Aufgabengebiet bedeuten. Wir kennen ihn aber auch als den Schöpfer von monumentalen Malereien, wie er sie besonders dekorativ gerade in Berlin, an öffentlichen Stellen, in ihrer ganzen Frische zur Schau stellen kann. Die Berliner Ausstellung ist aber besonders interessant, weil sie Antwort gibt auf die oft gestellte Frage: Wie steht es um den jüdischen Nachwuchs? Durchgeht man unter diesem Gesichtspunkt die vielen Säle im Jüdischen Museum, so ist man erstaunt ob der vielen Begabungen, die an die Ocffcntlichkcit drängen. Da ist der junge Bildhauer Peter Fingesten mit feinem „"Mädchentorso", der technisch und inhaltlich vollendet ist. Blau muß bedenken, daß dieser Künstler erst 19 Jahre zählt, und man wird die schöpferische Kraft in dem Wachsporträt mit ihrem ganzen großen Rhythmus bewundern und für die Zulunft dieses jungen Juden nicht besorgt sein. — Zu den Jüngeren rechnen aucfj Heinz R vscnbcrg - Fleck, der schon oft Proben seines Könnens ablcgtc, Elisabeth Wolfs und Ottilie W o l l m a n n. Immer handelt cs sich um ausdrucksvolle Köpfe, um Leistungen, die wirklich ausstetlnngsreif sind. Unter den jüngeren Malern ist Henry Happ zu nennen, sein „Gartenrestaurant", dunkel beschattet, eine beachtliche Landschaft mehr in der Reihe der malerischen Acußerungen der Ausstellung. Während Ernst Roscnthal-Rostals „ftrcm unter Baum" nicht ganz die Linie hält, die man von anderen Arbeiten dieses Künstlers her schätzt. Aber auch hier eine Begabung, wie sic auch in Heinz R o s e n t h a l sich dokumentiert, dessen Gemälde „Balkon" zwar etwas sachlich an die Dinge herangcht, aber im großen Ganzen in interessanter Weise den Weg auszeigt, der vorn Impressionismus zu Matisse führt. Tie Ausstellung bringt allein gegen ISO Gemälde, daneben Zeichnungen, Radierungen, Lithographien. Sie bringt aber auch Proben der keramischen Kunst, und hier ragen Erna R onticnina cher- N o scnberg und Emil P o t t n c r besonders hervor. Während die Arbeiten von Erna Roscnberg mehr sür einen kleineren Wamn gedacht sind, tu welchem sie durch ihre disziplinierte Haltung gut zur Geltung kommen, gemahnen die Enten, Hühner und Hennen ihres Kollegen an die besten Leistungen dieses Handwerks. In ihren hübschen Glasuren, in der völligen Beherrschung des keramischen, oft widerspenstigen Werkstoffes, sind sie lebendiger Ausdruck wirklicher Begabung, einer glücklichen Verbindung, die ein Mensch gesunden, durch die er vom Zeichner zum Plastiker, vom Plastiker zum Kunsthandwerker wurde. I)r. 0. B. AchUMW-SOLMA LAMMm W ZZWkW fl. 88. Es ist allemal ein Wagnis, aus dem zufällig au einem Ort sich befiudcudcu Privalbesitz ciuc "Ausstellung zusammcnzubringeu, die das jahrzehutclauge .Kunstschaffen eines großen Malers repräsentieren und als Gedächtnisausstellung eine Ehrung des Meisters bedeuten soll. In Franlfurt ist dies Wagnis unternommen ivordcn und — wie gesagt werden darf — mit schönem Erfolg, bietet doch die Sammlung von etwa 70 Bildern — Oelgcmälden, Pastellen. Radierungen, Lithographien und Zeichnungen — einen vorzüglichen Ucberblick über das gesamte küiistlcrische Schaffen. Werke aus fast allen Epochen sind vorhanden: von 1873 bis in die zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts, aus einem Zeitraum also von mehr als 50 Jahren. Dies allein schon ist der Beachtung wert. Aber cS sind auch ausgezeichnete Stücke darunter, angefangen mit der großen „Schrciucrwerkstatt" (1877), bi6 zu den sarbeusprühcudeu Gartcubildern aus Wanusce. die bis in die letzte Lebenszeit reichen. Es sind malerische Visionen. „Der Geist hat die Technik, hat die Form vernichtet." Dies Wort Licbcrmauus gibt die Deutung sür seine künstlerische Entwicklung, die sich hier überschauen läßt. Es sind zudem wenig bekannte, überraschende Köstlichkeiten dabei: eine kleine Landschaft, in der ein smaragdenes Grün mit sattem Braun unter grauem Himmel tiestouig zusammenklingt (1873), offenbar in Barbizon entstanden, die helle buntsarbcne Straße in Zandwoord (1879), dem LieblingSaufenthalt Jozes JrsaEls, mit fast kindlich naiver Freudigkeit an dem bunten Gewimmel auf der Gasse, an dem starken Ziegelrot der Dächer gemalt, die alte Spinnerin (1880) u. a. m. Recht aufschlußreich — gerade auch in koloristischer Bezichung — sind die Studien, die Frau Liebermaun ans dem Nachlaß des Meisters zur Ausstellung bcigestcuert hat. Es sind dies nicht nur rein sachliche Borstudieu zu belamlleu Bildern, zu den Klöpplerinnen, zur Flachsscheuor, zu den Waisenmädchen. sondern cs sind auch Färb- und Touwertftudien mit malerischem Eigenwert, wie das Fischstilleben u. a. m. Es sind Raum- und Bewegungsstudien, wie die holländische Plätterin und die prächtige, kraftvoll bewegte Reitcrstudie in schlvcrcm, bleiernem Grau. Bon Bildnissen sind nur aus ältester Zeit zwei Pastell Porträts zu sehen: das stille, kluge Antlitz Rudolf Virchows, sachlich und wahrhaft in der seelischen Haltung, schlicht in der äußeren Form. So auch daS Bildnis eincS alten Juden mit dem hohlen, knmincrgctrübten Blick und den lcidverzehrten Wangen, eines der ganz seltenen Werke, in denen Liebermann jüdisches Schicksal gestaltet hat. Er hat cs in den Icßten Jahren nur in seinen Selbstbildnissen aufs tiefste offenbart. Man sieht hier im graphischen Kabinett neben den mit geistigen Energien geladenen Bildnissen Friedrich Naumanns und Hermann CohenS zwei lithograplsicrtc Selbstporträts des etwa 75jährigcn Meister?: Das Haupt, wie vou Leid beschwert, vorwärts geneigt, das dunkle Auge weit geöffnet, lcidbeschwcrt, aber nicht leidend. Nicht passiv, sondern immer noch zur Aktion bereit, Une er in einem anderen Bilde hier sich darstellt: in ganzer Gestalt schießt er, sich straffend, förmlich vom Boden auf und steht vor der Staffele^ zur Arbeit gespannt. Wir hören ihn fast, wie so oft im Lebern vor sich her die Worte sagen: „Ick muß arbeiten! So wird er uns im Gedächtnis bleiben, als Inkaruation küusilerischeu Schaffens, getrieben von der Leidenschaft zur Arbeit, gezügelt vom Bewußtsein höchster Berautwortung und Verpflichtung. D. Arthur Gallincr. * Tic Ausstellung bleibt bi8 zum 1',. b. M. flcöfmet und ist täglich von 10 biß 13 und 1> ,lns 9 Ul|t au besichtigen. (Vercinshaus Eschcr-chcnner Landstraße 27.) In einer Schau von Bibeln. aller Art, die gegenwärtig im Kunstgewerbemuseum in Frankfurt a. M. zu scheu ist, befiudcu sich neben iutercssautcu Exemplaren in Hand- und Druckschrift auch einige in hebräischer Sprache. Zivci Pergamcuthaudschristcu mit reichem Schmuck aus Südfraulreich um 1200 und aus Oberitalieu (1296) sind Leihgaben der Frankfurter Stadtbibliothek. Diese entlieh auch drei Exemplare der ersten g c - druckten hebräischen Bibelansgabcn. die nur noch im Londoner Britischen Museum zu sehen sind. Sie sind hergestellt von der berühmten auS Deutschland in Italien euigewaudcrteu jüdischen Druckerfamilie Soncino. DaS erste Exemplar stammt aus dem Jahre 1-188, ein Pergamentdruck des Pentateuch aus dem Jahre 1491 ("Neapel) und die dritte gedruckte hebräische Bibel, die Gerschon Soncino in Brescia schuf und die auch als "Ausgabe von Luther bei seiner Bibelübersetzung benutzt wurde, entstand 1494. "Aus dem Besitz Luthers stammt ein hebräischer Psalter, in Basel im Jahre 1516 entstanden, der Randbemerkungen Luthers enthält. Luthers Handschrift der Bibel- Übersetzung, die von Gutcnberg von 1452 bis 1456 gedruckte Bibel (das erste gedruckte Buch überhaupt), llebersetzungcn, mehrsprachige und illustrierte Bibeln sind Sehenswürdigkeiten einer Ausstellung, die protestantische Bibelausgaben bis zu unseren Tagen zusammcngestcllt hat. Leider fehlen spätere Ausgaben und Drucke von Juden. Wolfgang MatzdorH. Ängall-AiiWllung in 2on&oa In den Deiccster Galleries findet eine Ausstellung vou Werken des berühmten jüdischen Malers Marc Ehagall statt. Tic Londoner Presse weist daraus hin. daß in dieser Ausstellung zum ersten Male in England ein umfassender lieberblick über das Werk Chagalls geboten wird. Demnächst wird in London ferner eine Jsaac-Schenker- Ausstellung jüdischer dekorativer Kunst eröffnet. Süll 8.Mai versteigerte das Antiguariat Hollst ein und Puppet eine große Sammlung von Stichen, Litographicn und Zeichnungen zur Geschichte von Brandenburg.Prcilßen. die nahezu 700 Nummern umfaßt. Das Material, das ans dem 16. bis 10. Jahrhundert stammt, beginnt mit Albrecht Achill und endet mit Wilhelm I. In der besonders reichhaltigen Abteilung „Friedrich der Große" begegnet die große Seltenheit der Versteigerung: das Bildnis des Großen .Königs von Tassacrt, ein herrliches Blatt in wundervollem Abdruck in Farben, mit breitem Rand. Es stellt Friedrich ll. mit dem Ordcnestern dar. cs handelt sich um ein Brustbild nach links, ein Werk Täsiacrts, des friderizianischen jüdischen Hofbild- Hauers, vou größter Bedeutung. Des Meisters Kunst, zu porträtieren, erweist sich in dem graphischen Werl ebenso wie in der bekannten Plastik, dem Bildnis Moses Mendelssohns im Berliner Jüdischen Museum. — Daneben nennt der Katalog dieser Berliner Versteigerung einige Blätter von B. Lalonwu. der den König Friedrich Wilhelm HI. und die Königin Luise dargestellt hat. zum -veil in fast leben;, großen Halbsiguren in sehr schonen frühen Abdrucken: nur mit dem Namen des Stechers uub dem Namen der Targcstclltcn kommen diese Arbeiten in dieser schönen Gleichmäßigkeit kaum im Kuiisthandel fmift vor. Das btcbcrmeictijdic Berlin tut sich uns auf in Blättern der Gebrüder Heiischel. auch in einer Tarsicllnug bekannter Hoffcicrlichkciten, die Wilhelm Hensel. der Schwiegersohn Abraham Mendelssohns. hmterlasfen hat. Und daneben bewundert man das Hardenberg- Porträt mit drei Versen von Goethe, jenes aus Kupfer litvgraphicrtc Blatt. daS als seltene Arbeit der Gebrüder Henschel gilt. Im Katalog dieser interessanten Auktion befindet sich eine Rubrik „Judaica", in der man jüdische Flugblätter und jüdische Karikaturen findet, die zum Teil sehr amüsant sind. Ä ßlÄ W des Etsrch... Schrieb einer gestern in einem Brief bom Tibcriassee, daß sich die Störche ans ihrem Rück, flng nach Denlschland jetzt gerade in Palästina aiifhallcn. dort die Dachfirste und Schlote bclagern, und mit ihren langen, roten Schnäbeln Jagd auf palästinensische Frösche machen. Tas ist der letzte Aufenthalt, den sie bei ihrem Winter, nrlanb in dem fremden Erdteil machen, um für den langen Flng über das Meer die ganze Kraft zu sammeln. So flattern sie nun um die alten Gräber, überfliegen die heiligen Stätten, stolzieren am Rande der Lraugcuplautagcu und stehen bann lange, versonnen und einbeinig ans den Tach. rändern der Kinderheime, deren cs so viele in Palästina gibt. Hier erwacht ihr fachliches Inter-, esse, das ist ja ihre Branche. Sie sehen auf Gärten und Höfe und Terrassen herunter, wo die vielen Kinder spielen, und das Herz wird ihnen ordentlich warm in ihrem Federpelz. Tie Sonne ist jetzt noch für die dortigen Maßstäüe etwas zurückhalteiid, sie bcschcint gerade richtig angenehm nach ihrem alten Prinzip Gerechte und Ungerechle, die braven unb die schlimmen Kinder. Die Störche merken eigentlich nicht den Uiiterschied zwischen den braven und den schliinmen Kindern; iveiin man so weit gereist und so reich erfahren ist wie sie, wenn man einen so langen Schiiabel hat. den man in alles stecken kann, sieht mau in Kindern, die in der Sonne spielen, allevial nur gleich liebe Purzelgeschöpse. die ihr giites Recht auf Sonne haben, gleichgültig, ob sie schlimm oder artig finb, dünn oder dick, Helle oder duulle Augen haben, rasch oder langsam laufen können, noch sehr dumm vder noch viel dümmer sind. Tic Störche blinzeln in die Sonne, sie ivissen. daß die ruiide. goldene und strahlende Dame da oben ganz ähnliche Gedanken hat wie sie. daß sie sich gut verstehen. Sie klappern von ihren Dachfirsten die SonnenweiShcit herunter, vielleicht finb sie überhaupt der bennfiragte Dolmetsch der Sonne, die SonnenweiSheit zu verbreiten: Daß Kinder viel, sehr viel Sonne brauchen, ja. daß die Souiie in erster Liiiie dazu da ist. Kinder z:i bescheinen. um sie z:i lehren, daß die Wärme, die Helle, die Sonne für alle, alle Kinder auf der ganzen Welt da sei. Das ist der einig unveränderte Klappermonolog der Störche. Er wird in kurzer Zeit vou unseren Dächern verkündet werden, unb hier wie überall werden ihn vor allem die Mütter verstcheu, die ja mit bcu Störchen in einem gewissen Kontakt stehen. Odlc. Stnr/t rhythmisch, wie sinnend: Unsere Hände sind schaffendes Glück; sic weben vom Leben ein winziges Stück, weben das Tuch, das ein Teilchen der Welt in sorgender Liebe und Wärme erhält. Unsere Hände bei Tag und bei Nacht vollenden, was rulilos die Sinne, erdacht, sind uns Gefährten im Kampf mit der Not; ihr heiliges Schicksal: sie schaffen uns Brot. Unsere Hände einst haben geträumt, in Liebe und Küssen die Jahre versäumt. Sie können noch lieben und küssen, auch heut’, doch können sie mehr: sie bezwingen die Zeit! F.rslc und riroilr Stimme, zusammen: Es spinnen die Jüngsten von kindlichen Spielen nach schimmernden Zielen hinaus in die Well. Sie schlagen die Wege aus härtesten Steinen; kein Fluchen, kein Weinen — und nichts, was sie hält. Stimmen der Mädchen, stürmend, leuchtend: In den Wind, in die Welt, in das Leben mitten hinein! Wir wollen, wir sollen, wir müssen sein! Unser Leben dem Golt-und den Menschen immer geweiht, unser lierz gegen Trug und Gemeinheit immer gefeit! Wir kämpfen ums Licht, um die Wahrheit, jung isl die Kraft. 31n Glauben der Alton wird einzig Neues geschafft. Uns stählen die Stürme, die brausen rund um uns her; wir kennen nicht Feigheit und Klage — siegen ist schwer! Wir wollen das Glück nicht nur erben. Kciss schäumt das Blut. Die Liebe, die Jugend, der Glauben ist unser Gut. Und führt unser Weg in die Fremde — mutig voran! Uns leuchtet der Segen der Mütter auf unsrer Bahn. Wir lieben das Land unsrer Heimat; hier ist das Glück; und waren wir ferne, wir kehren immer zurück. In den Wind, in die Welt, in das Leben mitten hinein! Wir wollen, wir sollen, wir müssen sein! Erste und zweite Stimme, zusammen: Es ward der Frau gegeben, Schmerz zu tragen. Es ist die Pflicht der Jüdin aller Zeit, . 2e.it ihrer Väter und Urväter Tagen, zu mildern ihres Volkes alles Leid. . Das jüngste Schicksal drückt mit Machtgebärde auf ihre Stirne doppelt schwer den Kranz; es gilt Besteheu auf geliebter Erde, dass neues Licht entströme altem Glanz. Stimmen aller Frauen, beschwörend: In diesem Land, dem unser Herz gehört, muss auch der Kreis des Lebens sich vollenden.- Soll nicht die Iland, die solche Treue schwört, des Schicksals Ungunst mild zur Güte wenden? Wir tragen imsern Glauben hell im Licht und werden seine Grösse stumm erfüllen. „Sei stark und fest!“ Du, Jude, zage nicht! Wir alle sind nur Träger SEINEM Willen! Alle Rechte, insbesondere das Aufführungsrecht, vorbehailcn. „Dreiklang“, ein Gedichtband von Hilde Marx, erscheint soeben im Pbilo-Verlag. MUÄs, JMe“ als FeklsvielaliMklma in Florenz Florenz, den 1. Mai 1935. Unter Rossinis Musikbuhucuwerkcn nimmt der „Mose" eine Sonderstellung ein. Gestellten, ergänzt durch einige vorn Textdichter frei erdachte Figuren, treten in den Mittelpunkt eines. groß angelegten Musikepos. Das Werk beeinflußte entscheidend Verdi, dem es zum „Nabucco" Modell stand. Verdi schätzte die tiefe Musikalität der Arien Moses, vor allem das Gebet, die berühmte „preghiera“, weniger die freilich oft rein oratorischcn, undramatischen Chöre und Ensembles, die nur zu häufig den Gang der Handlung hemmen. Der „Nabucco" sollte beweisen, wie ein ähnlicher Vorwurf, theatralisch aufgelöst, spontan zündende Wirkung erzielen mußte. Tatsächlich liegt Rossinis „Mofa" dieser ursprünglichen Theaterwirkung fern. Und gerade die hinzugedichtcten Gestalten wie Moses Tochter Anaide und Amcnoses, der Sohn des Pharao, tragen viele leere Partien in das Stück hinein. Der Gewissenskampf zwischen irdischer Liebe und göttlicher Berufung in Anaide fuhrt zu überflüssigen Längen. Die Chöre sind größtenteils rein oratorisch gehalten, noch dazu durch abgelebte, dem italienischen Oratorium entnommene Wendungen dem heutigen Ohr gänzlich entfremdet. Ausnahmen bilden der dramatisch wuchtige Einleitungschor der verzweifelten Juden: „Mächtiger Gott, befreie uns von den Ruchlosen" („Ah, del empio") oder der demonstrativ fanatische Chor der gläubigen Israeliten „So tilgt Gott seine Feinde aus" („Dio coei stermina“) , her in dem Augenblick einsetzt, da Mose, den Acgyptern zum drohenden Zeichen, eine SonnenfinftcrniS herausbeschwört — ein Chor, der in seinen gleichmäßig kurzen aggressiv vorstoßenden Rhythmen den Haß des verfolgten und gcluechtclcu Goltesvolkes verrat. Und schließlich die großartige „preghiera“, durch Mose eiligeleitet mid vom Chor in breit strömender Melodik ausgespvnnen. in seiner tief religiösen Inbrunst der mnsilalisch-dramatifche Höhepunkt des Werkes, dem berühmten „Va, pensiero“ ans Verdis „Nabucco" an inne-- rcr Wirkungskraft gleichzustelleu. Tief ergriffen. besingt Balzac überschwänglich die preghiera. „Als ich dieses mit Recht berühmte Stück hörte, meinte ich der Befreiung Italiens beizuwohnen. Alle Gelehrtheit, alles Wissen ist hier überwunden, allein der Einfall beherrscht dieses Meisterwerk. Das Gebet entsteigt der Seele wie ein Licbesschrei; was die Begleitung anlangt, so besteht sic allein in Harscuarpcggi und Orchester entfaltet sich nur bei der letzten Reprise des himmlischen Themas. Niemals wird sich Rossini höher entwickeln. Er mag Gleichwertiges schaffen, doch nie Besseres. Es scheint, daß der Gesang des Volkes, der aus der Sklaverei zum Himmel emporsteigt. Gesängen begegnet, die himmlischen Sphären entströmen. Tie Sterne antworten mit lichter Freude der Trunkenheit der befreiten Erde." Diese Preghier-a verdankt ihre Entstehung einem eigentümlichen Zufall: Tie erste Aufführung des Werkes erfuhr schärfste Ablehnung, weil die Schlußszene technisch verunglückte. Es ist die Stelle, an der das Note Meer sich austeilen soll, um den Juden trockenen Durchzug in ihre Heimat zu gewähren, und sich hernach wieder schliefst" soll, um die hinterdreinzichenden Aegypten» den Fluten zu ertränken. Tie Szene, dumals technisch undurchführbar, erregte einest Heiterkeitserfolg, da die Bühnenarbeiter,, die die Maschinerie bedienten, von allen werten her dem Publikum sichtbar wurden. Roß"" komponierte nunmehr nachträglich „preghiera". um das Wunder gleicht symbolisch in den Hintergrund treten ,V lassen, verlegte sü den"Schwerpnnkt der Oper von dem Besreiungszug durch das