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Central-Verein-Zeitung · 1935-05-03 · 18 (3.5.1935) · page 18

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
18 (3.5.1935)
Date
1935-05-03
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Nr. 18 f~\ 4. Boiblatt 3. Mai 1935 io4/./rNni 4V3 Griechenland In Athe n wurde beschlossen. bei der Regieruug ein Minderhcitcnamt zu errichten. daS für die Verwirklichung der von Griechenland in internationalen Verträgen übernommenen Verpflichtungen gegenüber den Minderheiten Sorgtragen soll. Die Gouverneure vou Mazedonien und Thrazien nahnren an der Vorbesprechung mit Rücksicht daraus teil, daß die jüdischen und die übrigen Minderheiten vorwiegend in diesen beiden Provinzen leben. Der Bürgermeister von Saloniki, Nicokaos Manos, hat an die jüdische Beva.kcrung der Stadt eine Pessachbotschast gerichtet, in der er ihr seine herzlichsten Glückwünsche entbietet und sie seiner hohen Wertschätzung mü) tiefen Sympathie versichert. „Als der erste Bürger dieser Stadt", schreibt Bürgermeister Manos. „und entsprechend meiner althergebrachten Freundschaft zu meinen jüdischen Mitbürgern, benutze id) die Gelegenheit des Pessachfestes. um ihnen mitzuteilen, das; sie sich des vollen Dertrauens der Regierung und der vollen Sympathie und Freundschaft der Behörden erfreuen. Die jüdische Bevölkerung nimmt stets an den Freuden und Leiden des Vaterlandes teil. Sie wird von allen Bürgern ohne Unterschied geschätzt. Ich wünsche ihr. daß sie da8 Pessachfcst in Glück und Freude feiere." Irak Der Bagdader Korrespondent der in Bombay erscheinenden „Iewish Tribüne" teilt seinem Blatte mit, das; die neue von Inssin Pascha Al- Hnschini als Premierminister geleitete Regierung dos Irak sich aus Ministern zusammensetzt, von denen mehrere den Juden durchaus freundririi gegemibcrstehen. Das neue .Kabinett habe bereits beschlossen, die über „Iewish Tribüne" und zehn andere ausländische jüdische Zeitungen verhängte Postspcrre aufzuheben. Italien Zur Ehrung des Andenkens des verstorbenen Oberabbiners von 3tom. Professor Angela S a c e r d o t i. ist von den italienischen Juden eine Sammlung eröffnet tvorden, um den Namen des Bcrswrbeuen in das Goldene Buch des Keren .Yasemety einzutragen. Ferner wurden im jüdischen Spital in Rom zwei Säle nach Professor Sacerdoti benannt. An der bei diesem Anlaß abgehaltenen Zeremonie nahmen die Vertreter der Jüdischen Gemeinde in Rom und viele der angesehensten römischen Juden, sowie die Gattin des Verstorbenen teil. General Di Nola hielt die Gedächtnisrede, in der er die großen Verdieuste Sacerdotis würdigte und seine unermüdliche Tätigkeit für die jüdischen Institutionen Roms hcrvorhob. Norwegen Eine jüdische Familie in Stavanger hatte elf Frauen von dem verunglückten deutschen Dampfer .Dresden" ausgenommen, verpflegt und mit Kleidüng versorgt. Der deutsche Gesandte in Oslo gab in einem Schreiben seiner Dankbarkeit Ausdruck. Gr erhielt die Antwort: „Wir sind I u den und Menschenliebe ist h ö ch st e Pflicht des'Judentums!" Polen Ter verantwortliche Redakteur der inzwischen verbotenen Kattowitzer antisemitischen Zeitung „Bliskowica", Eduard Ehowauski. ist wegen Schmähung der jüdischen Religion durch Veröffentlichung entstellter und gefälschter Talmudzitate vou dem Kattowitzer Berufungsgericht zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt worden. Die Verhandlung war auf Antrag des Staatsanwalts unter Ausschluß. des Publikums und der Presse durchgeführt worden. Als Verteidiger des Angeklagten fungierte der Gründer der polnischen nationalsozialistischen Partei, Advokat Kozielski aus Sosnowicc. Privatklägerin war die Jüdische Gemeinde Kattowitz. vertreten durch die Rechtsanwälte Dr. Reichmann (Kattowitz) und Dr. Leib Landau (Lemberg). In erster Instanz war Eholvanski zu neun Monaten Gefängnis mit Strafaufschub und Zahlung einer Buße an die Jüdische Gemeinde verurteilt worden. Seine Berufung wurde durch das Appellation?-, gericht verworfen. Rumänien Obwohl über Bukarest der Belagerung?, zustand verhängt ist, haben sich in der letzten Zeit immer wieder Neberfälle von Gruppen antisemitischer Studenten auf jüdische Passanten ereignet. Die Repräsentanz der Union rumänischer Juden hat zu diesen Vorfälle» dem Ministerpräsidenten Tatarcscu eine Denkschrift überreicht, in der u. a. ausgeführt wird: „Obwohl die Verfassung allen Staatsbürgern, ohne Unterschied von Religion. Rasse. Sprache oder Herkunft gleiche Rechte und allen historischen Konfessionen den gleichen gesetzlichen Schutz zusichert, obwohl das Strafgesetzbuch und das Gesetz zum Schutz der öffentlichen Ordnung Aufreizung zum Haß eines Teiles der Bevölkerung gegen einen anderen unter Strafe stellen, obwohl das Gesetz zur Regelung des allgemeinen Statuts der Konfessionen ebenso wie die vorangegangenen Gesetze gegen eine Religion gerichtete Schmähungen unter Strafsanktion stellt; obwohl das öffentliche Tragen bestimmter Wzeichen verboten ist; obwohl wir in Bukarest unter dem Regime der Zensur und des Belagerungszustandes leben, erfreut sich die antisemitische Presse eines unverständlichen Privilegs, dessen Spuren in den Geschehnissen zu sehen sind, die die Hauptstadt in den letzten Tagen in Unruhe versetzt haben, während sich die össentlicheu Sichcrheitsorgane als absolut unzureichend beim Schutz der Bürger erwiesen haben." Nach einem Hinweis auf die Angriffe der antisemitischen Presse gegen das Alte Testament, das als „teuflisches Gesetz" bezeichnet werde, aus die Verbreitung der Ritualmordlegende und andere Formen antisemitischer Hetze wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Zensur offenbar diese Blätter nicht beachtet. . Tschechoslowakei . Vor einem Strafsenat des Leitmeritzcr Kreisgerichts unter dem Vorsitz des Obcrlandesgerichtsrats Jrsa hatte sich der Aussiger Rechtsanwalt Dr. Friedrich Lhvatal und Genossen wegen Vergehens nach dem Schutzgcsetz' durch Störung des allgemeinen Friedens zu verantworten. Mit ihm war eine Reihe anderer Personen angeklagt. Ende August 1934 war zur Kenntnis der Behörden gelangt, daß in Aussig, Teplitz und an anderen Orten eine organisierte Boykottbewegung gegen die jüdischen Advokaten im Gange ist. Die Beschuldigten hatten ein Flugblatt hergestellt bzw. verbreitet, in dem es hieß: „Ehrlos, handelt jeder Deutsche, welcher bei Juden einlauft oder jüdische Aerzte, Rechtsanwälte, Ingenieurc usw. verdienen läßt." Chvatal wurde zu zwei Monaten strengem Arrest und . 2900 tschcch. Kr. Geldstrafe, ein Mitangeklagter Kojer zu einem Monat strengem Arrest und 200 tschcch. Kr Geldstrafe verurteilt. Die beiden Buchdrucker erhielten eine Geldstrafe von je 300 tschech. Kr., im Nichteinbringungsfall eine fechstägige Gefängnisstrafe. Ungarn Bei der feierlichen Eröffnung der beiden Häuser des ungarischen Reichstags durch Reichsver- Weser v. Horthy am 30. Avril haben als Alterspräsidenten im Abgeordnetenhaus der 76jährige jüdische Abgeordnete der Liberalen Partei, Paul Sandor.'im Oberhaus der 75jährige Szegediner, Lberrabbiner Dr. Immanuel Löw. den Vorsitz geführt. Am 25. April feierte der Honvedgeneral Martin Zoeld v. Siöagürd seinen 70.Geburtstag. Er ist der einzige jüdische General der königlich-ungarischen Honved. General v. Zoeld, der die Ludovika-Alademie und die Stabsoffiziersschule in Budapest absvolviert hatte, rückte beim Ausbruch des Weltkrieges mit einem Landsturin, bataillvn aus Gyula nach Dalmatien ein. . In viertägigem Gefecht schlug er als Verteidiger der sich unterhalb des Lvvcsen erstreckenden Halbinsel Evtrolle, den Ansturm der montenegrinischen Streitlräftc überlegen zurück. Später zeichnete er sich in Wolhynien und in der Bukowina aus. Bei Rarance säuberte er. seine Mannschaft durch persönliche Tapferkeit anfe.uernd, die Schützengräben von der eingedrungencn russischen Uebcrmacht. In Anerkennung seines aufopfernden Heldenmuts zeichnete ihn König Franz Joses I. durch Erhebung in den ungarischen Adelsstand und Verleihung des Ordens der Eisernen Krone aus. Im weiteren Verlauf des Krieges errang Zoeld durch seine hervorragenden.strategischen Leistungen in Ostgalizien, in der' Ukraine und später an der italienischen Front die höchsten Auszeichnungen. Sein Regiment führte er vom italienischen Kriegsschauplatz in voller Ordnung in die Heimat zurück. RitualmordlWlide in Litauen In Nummer 15 vom 11. April hatten wir ein Eommnnignö wicdergegeben. das der litauische Innenminister gegen die Verbreitung einer Ritualmordbeschuldigung erlassen hatte. Diese Beschuldigung ist unter Zugrundelegung eines Mai 1935 Nissan 5695 3. Freitag 30. 1. Tag Rausch Chaudescb Ijja; 5695 4. Sonnabend 1 2. Tag Rausch Chaudesch Wochenabschnitt: Kedauschim 3. B. M. 19-20 Haftara Ez. 22,i—19 Pirke Owauss II 11. Sonnabend 8. Wochenabschnitt: Emaur 3. B. M. 21 -24 Haftara Ez. 44.15—31 Pirke 0wauss III 18. Sonnabend 15. Wochenabschnitt: Behar 3. B. M. 25 — 26.2 Haftara Jer. 32,6-27 Pirke Owauss IV 21. Dienstag 18. Lag Boaumer 25. Sonnabend 22. Wochenabschnitt: Bechukossai 3. B. M. 26,:;-27,n Haftara Jer. 16,j9_17,h Pirke Owauss V 30. Donnerstag 27. Jaum Kippur Koton Berichtes der „Tilsiter Zeitung" auch von verschiedenen deutschen Zeitungen aufgegriffen worden. Unter der Ueberschrist „Ritualnwrd iii Litauen — ein jüdischer Blutmord im März 1935" bringt der Stürmer in Nummer 16 vom April 1935 die Darstellung der „Tilsiter Zeitung" zum Abdruck. Nach Meldungen der „Jta" vom 22. April hat die seit einiger Zeit insbesondere im Kreise Taurvggen getriebene Ritualmordhetze die Rabbiner der dortigen Städte veranlaßt, den Rabbinerverband in Kaunas um Einschreiten bei den Behörden zu ersuchen. In einer ausführlichen Denkschrift hat der Kaunaser Oberrabbiner Schapiro dem Innenministerium die Lage im Gebiet vou Tauroggen dargelegt. Ter Innenminister hat daraufhin an die lokalen Behörden im Kreise Tauroggen Instruktionen erlassen, in denen strenge Maßnahmen zur Ausrechterhaltung vou 'Ruhe und Ordnung befohlen werden. Insbesondere wird angeordnet, daß der Verbreitung aufreizender Flugblätter mit Darstellungeil blutender Christenlinder. denen „zu Ritualzwecken" Blut entnommen wird, sofort Einhalt geboten werde. Tank den von der Regierung ergriffenen energischen Maßnahmen sind die Pcssachseiertage in Litauen trotz der vorangegangencn intensiven Ritualmordhetze int allgemeinen ruhig verlaufen. In Tauroggen aber wurden am Freitag abend irn Gebäude der jüdischen Volksschule die Fensterscheiben eingeschlagen. Am folgenden Abend wurden auch beim Ortspfarrer und beim Kreischef die Fenster zertrümmert, weil der Pfarrer in der Kirche gegen das Ritualmordmärchen gepredigt hat und der Kreisches energisch gegen die Ruhestörer vorgegangen ist. Der Polizei gelang es, mehrere Erzedenten zu verhaften. Sie wurden vom Militärkommandanten zu je zwei Monaten Gefängnis verurteilt. I" der zweiten Sedernacht wurden in dem Städtchen Koschedori auf dem jüdischen Friedhof mehrere hölzerne Grabtafcln angezündet. Polizei und Feuerwehr verhinderte eine Ausdehnung des Brandes. * Ritualmordhetzcr in Polen als Mörder sestgestellt. Der Vorsitzende der antisemi- Frühlingsglaube Lerne von den kaum belaubten, zarten Birkenzweigen ... Wie sie jubelnd hoch ins Blau sich strecken — Fragen niemals: Wird Gewittersturm uns schrecken. Wird der Hagel uns zerbrechend neigen Oder leuchtet uns der warmen Sonne tröstlich Licht? ... So gib deine Zukunft voll Vertrauen in die Hände Jener grossen Macht, die ohne Anfang, ohne Ende . . . Ond die auch die Schicksalsfäden deines Lebens flicht. Lite Lewinneck (Königsberg Pr.) Konzerte WöPsrtrase Einen großen Tag in künstlerischer Hinsicht, halte die K ü n st l c r h i I s e : sie brachte m erner Kmlzertauffüyrung Teile ans- Handels Oper „Juluis Eacsar" (in der bckailllten Hagcnschcn Bearbeitung). Dem Werk aalt eine Einführung m!Ur. 15 der „C.-V.-Zeitung". Die Aufführung, von Ern,t Ewald Gebert vorbereitet und geleitet war beherrscht vom Geist der Stilreinheit und Werktreue, der sich in der fast ausnahmslos gewahrten pemlrch sauberen Ausarbeitung, der Klarheit und Sicherheit des Zusammensprels dokumentierte. Aber man blieb nicht beim Korrekten stehen. Be; aller Akkuratesse gab eS ein echt und stark empfun-. neues Musizieren, das den Hörer unmittelbar ansprechcn mußte. Das wesentlichste war dre Ensemblewrrkuug das Abstimmcn der dramatischen und lyrischen Affekte und Effekte im Gesana m;d Orchester. Gerade daS ,st in vollem Maße gelungen, über der gilten Einzelleistung stand der starke Eindruck des Ganzen, der besonoers dem Leiter Gebert zu danken ist- Warm, nnt acsangvollem Ton spielte das Streichorchester der «ünstlerhilse. dabei .streng und profiliert im Ausdruck des Vehementen, ein Paar Holzbläser und der rauscherrde, silbcrklare Klang zweier Cembali (Gertrud W c r t h e i m urid Dr. V. E. Wolfs) gaben die Lichter, die klangliche Abwechslung. Die Sänger: Wilhelm Guttmann als Caesar, groß und eindringlich in jeder Phase, Hildegard Lindt, mit mildem, klarem Timbre die Cleopatra singend, der prachtvolle Bassist Kurt R a h - in c r als Ptolcmäus. Genannt seien noch Marianno S ch o s l a n d - L o s ch. Richard D r e s n e r und Alfred G l a ß. Der künstlerisch ungewöhnlich wertvolle Abend fand mit Recht besonders reichen Beifall. Ein interessantes, schönes Werk lernte man in Georg Sterns „Hiob", einer Kantate nach der Heiligen Schrift, kennen. Der Komponist, im Vorjahrc als hoher Sechziger gestorben, hatte eine angesehene Stellung im „bürgerlichen" Berus, der Musik galt nur die Mußezeit, die bei ihm zur schöpferischen - Stunde wurde. Die Vertonung dieses Hiob würde jeden Nur-Musiker ehren; denn sie macht durchaus den Eindruck des „Gekonnten". der Beherrschung des musiktechnischen Rüstzeugs. Sterns Tonsprache, obwohl in der Tradition verwurzelt, weist mehrfach persönliche Züge aus. Bei aller Hingabe an das Ausschöpfen der einzelnen Bilder erscheint die Komposition als Ganzes straff, konzentriert. Aus allem wird Sterns verantwortungsvoller Ernst der BibeFund der Kunst gegenüber offenbar. Ausgezeichnete Interpreten fand das Werk in Hede Türk und Hermann Schey. L. A. Erna Feld führte an einem Vortragsabend in Schlachtensce Erich Gest als Lvriker ein. Man lernte die Verse eines dichterisch empfindenden Naturanbetcrs und unverbindlichen Hymnikers kennen, der in seiner Entwicklung zum Dichter durch den Mangel an Einfachheit behindert wird. Noch wird Erfühltes zu selten künstlerisch Erfülltes. Die Flucht von diesen futuristisch stilisierten Landschaftsbildern zu den Blütengedichten des großen Lyrikers Frühling und von dem Mangel an liedhaften Tönen und religiösen Empfindun» gen zu Vogelgezwitscher wirkte daher geradezu be» freiend. Nur in der „Totenmahnung" glückte dem zu gestenreichen Erich Gest der Durchbruch eines überzeugenden Gefühls. Erna Feld, suchte die Verse durch ihre bewährte Sprechkunst aufzuwerten, und Grote Sultan bestätigte in der Wiedergabe Schubertschcr und .Beethoveuscher Weisen ihren Ruf als hinreißende Pianistin. In einem Ntonstcrprogrmum begegnete man zwei Stimmen, die mehrfach schon in Opernstudios aufhorchcn ließen. Ter schlanke edle Bariton Heinrich Korns kann im bei canlo ein fülliges, klinkendcs Material cinsetzen, das bald nach tieferer geistiger Durchdringung höchste Aufgaben lösen wird. Margit R o s n e r s feiner und gut geschulter Sopran, der sauber und reizvoll behandelt wird, trifft Mozart am reinsten, mit einer schönen sanft-wehmütigen Zartheit, die auch in den sorgsättig al'gestimmten Duetten liebenswert zum Ansdruck kommt. Die für Berlin neuen Lieder aus dem „Lstjüdifchen Zyklus" von Herbert F r o m nt, der neben Steinberg das Kulturbundvrchester in Frankfurt a. M. dirigiert, sind sehr wirksam in der Moll-Mclodik des jiddischen Volkslicdes geschrieben, ans — gut übersetzte — jiddische Texte, der Vortrag des ganzen Werkes wäre sicherlich lohnend. An diesem Abend hörte man auch den von früher in bester Erinnerung stehenden Flötisten Alfred Lichten stein, der mit glänzender Atemtcchnik und virtuoser Beherrschung des Instruments den alten Ruf bekräftigte. Leo T a u b m a n n, der Begleiter des gesamten Programms. war in allen Sätteln gerecht. Ein Vortragsabend der Jüdischen Künstler- Hilfe im Hause des Musikdirektors Wachsm a n n bot eine bemerkettswerte Auslese aus bisher noch unveröffentlichten Gedichten südischdeutscher Lyriker, deren wesenhaften Züge Tr. Kurt P i n t h u 8, einer der besten Kenner mo« derner Lyrik, in einigen einführenden Worten klug und klar zusammenfaßte. Seine Umschau bereitete auf Werke von Franz Werfel, Manfred Stutmaiin, George A. GoIdschlag, Arno Nadel, Alfred Mombert vor. zu denen sich als einziger Prosaist der feinziselierende Kleinkünstler Alfred Polgar hinzugesellte. Die eindringlichste Wirkung schien von Franz Werfel, dem in tiefstem Sinne religiösen Dichter, auszugehen, aus besten demnächst erscheinenden neuen Gedichtband „Sein" sich „Das. Gesicht Ezechiels" zu. einer hymnischen Vision von größtem Ausmaße steigerte. Bon Manfred Sturmänn. dem außerordentlich begabten Münchener Dichter, dessen echtes Naturaefühl sich bisher im wesentlichen dem Landschaftlichen zugewandt hatte, hörte man .in geschliffenster Form, einen „Saul", sowie einen „Psalm":, von Alfred Mombert, dem kosmischen Rhapsoden, aus der „Aeonischen Reise" einen Hymnus, dessen erhabene. Wortmusik wie von Hölderlinschen Klängen erfüllt ist: von dem jung verstorbenen George A. Goldschlag einige formenschonc Poesien, Menschlich-Zartes und Religiös-StarkeS: Arno Nadel, der Musiker unter den Dichtern, steuerte ein ekstatisch schwebendes Gedicht „Munk" bei. Ein sympathisch.schlichter, in der Tonskala freilich etwa« begrenzter, im Grundgefühl herber Interpret dieser Dichtungen war Werner B u k v f z e r. Die musikalische Umrahmmtg des Programm« bildeten einige Kompositionen von M a r W a ch s - mann: neben einer weltlich-anspruchsvollen Konzcrtgavvtte ein paar fynagogalc Stücke. die von Alfred Wittenberg (mit Kurt Herweg am »Flügel) aufs Wirksamste zu Gehör gebracht wurden. U.L. Die Veranstaltungen der Jüdischen Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft in Hamburg standen im Zeichen der Kammermusik. Der erste "Abend führte den einheimischen Cellisten Dr. Jakob So- Eom mit dem Pianisten Dr. V. E. Wolfs. Berlin, zusammen. Es gab ein ideales Musizieren. Eine Chopin-, eine Brahms-Sonate und die Zauberslötenvariationen Beethovens, kne lctztcrcit, wahre Kabinettstücke klastischer Musik, erfuhren durch die ausgezeichnet aufeinaitder abgestimmtcn Künstler eine wirklich mustergültige Ausführung. In gleicher Weise fand das Konzert, das das Streichquartett des Kulturbundes Frankfurt a. M. —r die Herren Professor B a s s ermann. Brücker. Karp und SchnYer — hier gab. die begeisterte Anerkennung einer großen Zuhörerschaft. Bor allem entzückten der Vortrag des Bcethoven-Ouartets op. 59 Nr. 2 und die überragende, temperamentvolle Ausführung des Streichquartcts in Es-dur von Mendelssohn. Dr. F. Mit einiger Skepsis folgte man in Hamburg der Einladtmg zur Ausführung des „Tanzspiel vom Zauberberg", erdacht und gestaltet von Erika M i l e e mit der Kindergruppe ihrer „Schule am Rotherbamn"; erwartete man doch, eine der üblichen Rekkameaufsührungeu einer Gymnastik, schule vorgesetzt zu bekommen. Diesmal wurde man restlos angenehm enttäuscht durch eine Darbietung von wirklich respektablem Niveau. Die einfache Fabel von der Prinzessin. die bei einem Hoffest von einem Zauberer entführt wird, um von einem kleinen Gärtnerjungcn befreit und heimgeführt zu werden, wofür der König ihn mit -der. Krone■ und der Hand der Prinzessin belohnt.

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