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Seite der Jugend · 1935-05-03 · 3 (3.5.1935) · page 3

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Journal
Seite der Jugend
Volume
1935
Issue
3 (3.5.1935)
Date
1935-05-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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huch praktisch keunpn — aber die Verantwortung reicht weiter, als es in Unterrichtsstunden gelehrt werden kann. Wenn eine äusserlich geordnete Einrichtung und eino innerlich zusammengehörende Kiudergruppe geschaffen sind, kommt zu der Verantwortung für das einzelne Kind erst die noch grössere für die gesamte Gruppe. Und das gilt besonders in einer Zeit wie der heutigen, gerade für die jüdische Kindergärtnerin (wie für alle jüdischen Erzielter). Mancher Kindergärtnerin passiert es, dass sie eine gewisse Einseitigkeit in ihrer Arbeit spürt, die sich trotz aller theoretischen Arbeit neben dem Beruf, mit der Zeit immer mehr auf ihre ganze Person auswirkt, da sie sich hei dem ständigen Gebenmüssen auch einmal ganz ausgeben kann. Wem es fiusserlich möglich ist, sollte sie in diesem Fall, wenn auch nur für kurze Zeit, den Beruf wechseln, sieb einmal ganz von den Kindern trennen. Das trägt auch dazu bei, den Gesichtkreis zu erweitern und noch mehr Möglichkeiten zum praktischen Arbeiten zu bekommen. Marianne Löwenstein (Berlin), Verkäuferin „Verkäuferin ist doch kein Beruf für ein Mädel, das das Einjährige macht“, so bearbeiteten mich meiDe Lehrerinnen, als ich mich zu diesem Beruf entschloss. Ich batte ihn damals aber trotz der Einwände aller alten Tanten ergrüfeu, weil ich glaube, dass jede gewissenhaft ausgeführte Arbeit etwas wert ist Von Anfang an war ich sofort „im Verkauf*. Zuerst musste ich Staubwischen, und beim Bedienen durfte ich zuhören. Der Kundschaft einen Stuhl bringen und wegrüumen, das sind so die Arbeiten der ersten Zeit Da ich in einem Saisonlager war, in dom bald Hochbetrieb begann, durfte und musste ich bald selbständig mitbedionen. Zuerst nur Kleinigkeiten, bald aber machte man selbständig auch 'mal eiuen grösseren Posten. Das wird in den einzelnen Betrieben natürlich verschieden seiu. In den drei Lehrjahren wurde ich in sechs Abteilungen ausgebildet An jedem neuen Lager hat man erst die Zeit des Nichtbedienendürfens zu überwinden. Ich halte es für unbedingt wichtig, dass man den Lehrling frühzeitig zum Bedienen heranholt. Nur so kann die Lernende ein gewisses Selbstbewusstsein der Kundschaft gegenüber erlangen, wenn sie von Anfang an recht oft mit der Kundschaft sprechen muss. Die orsten Hedewendungen wurden uns von unserer „Lelirlingsnmtter“ im theoretischen Unterricht beigobrneht. Während der ganzen drei .lahre hatten wir, neben der Piiiclilfortbüdungsschule, deren Beruf sich je nach dem Alter und der Vorbildung auf ein bis drei Jahre erstreckt, wöchentlich eine theoretische Unterrichtsstunde. Dort besprachen wir schwierige Geschäftsvorgänge, . wurden zum Teil mit neuer Ware vertraut gemacht, hörten vereinzelt Vorträge über Herstellung und Ursprung verschiedener Textilprodukte. Daneben setzten wir Briefe auf und übten kaufmännisches Rechnen. Diese eine Stunde konnte einen natürlich nicht mit allen Waren vertraut machen. Man musste selbst arbeilen und lernen. Fragen und nochmals fragen und möglichst allen Dingen auf den Grund geben, das muss man als Lehrling. Nach beendeter Lehrzeit beginnt die Verantwortung. Man bekommt in einer bestimmten Abteilung ein eigenes Lager, für dessen ordnungsgemässe Haltung man Sorge tragen muss, .letzt muss man auch alle unangenehmen Kunden selbst bedienen, während man nls Lehrling sich einfach ablösen liess. Na. unangenehme Kunden gibt es genug. Viele glauben Schuhputzer oder so etwas vor sich zu haben, mit denen sie umspringen können, wie sie wollen. Manche lassen sich auch nur bedienen, mn sich die Zeit zu vertreiben. Sie haben nicht die geringste Kaufabsicht, lassen sich aber Berge man in der Schneiderei be! den vielen Nuancen und Knifflicbkeiten der Mode nichts anfangen kann. Kann man sich selbst auf diese Art nicht prüfen, so gibt es in jeder Stadt Kurse für Schneiderei, Weissnäberei usw, oder die verschiedenen gewerblichen Haushallungsscbulen, in denen man für gewöhnlich erst erkennt, für welche Spielart des Schneiderinnenberufcs man sich am besten eignet. Nach Erhalt des Meisterbriefes hat man die Möglichkeit,, sich zu spezialisieren, vor sich. Allerdings ist beim Spezialisieren auf persönlichen Geschmack und auf Erfindungs- und Ideenreichtum zu achten. Da gibt cs den Beruf der Dircktrico in grossou Schneidcratoliers, der heute noch gut bezahlt wird, Leiterin der Abfinderungsschneiderei in grossen Konfektionsgeschäften. Konfektion an und für sich ist sehr aussichtsreich, wenn man noch etwas zeichnerisches Talent hat Aul das Zeichnen ist besonders zu achten,, wenn man eine Stellung . in einem erstklassigen Modenhaus erreichen will. In dieser Branche wird Wert auf Kopieren gelegt (Modenschauen führendster Weltfirmen). v Eide Schattenseite des Schueiderinnenberufes ist die dreiemhalbjährige Dauer der Lehrzeit In dieser dreieinhalbjährigen Lehrzeit ist es Pflicht, einmal wöchentlich die Berufsschule zu besuchen, Inder man sich die theoretischen Kenntnisse für die Schneiderei. (Stoff- und Materialkunde, Farbenlehre, Zeichnen, Schnittzeichnen, Maschinenkunde usw.) aneignen kann. Jeder Zeit fähig ist, zeitweises Unbehagen zu unterdrücken. Launen darf es nicht geben, denn der Kranko ist egoistischer als andere Menschen uqd verlangt unbedingte Glcichmässigkeit in. der Art der Behandlung. Die Haupttätigkeit einer jungen Lehrschwester besteht in Putzen und kleinen Hand- und Hilfevon Waren vorigen. In jedem Fall muss man ruhig bleiben, liebenswürdig sein; das srheint zuerst sehr schwer. Mit der Zeit l^rnt man es aber, immer eine Maske zu tragen. Hat man eine „Pleite“ gemacht, kommt oft die Abteilungsleiterin, um den Fall auf den Grund zu gehen, weil sie glaubt, man hätte sich nicht genug Mühe gegeben. Sie will einem dann immer eineden, was man bähe verkaufen sollen. Dabei hat man doch soviel Menschenkenntnis erworben, um dem Kunden anzusehen, ob er nur „schnüffeln“ oder ernsthaft kaufen will. Neben der Menschenkenntnis ei„ pute9 Personengedächtnis im verkehr mit der Kundschaft sehr wichtig. E? macht einem ja auch selbst Freude, wenn man po „seine Kunden“ hat, die sich gern immer vom gleichen Verkäufer bedienen lassen. . Die Aufstiegsmöglichkeiten für die Verkäuferin, selbst fi\r die Spezialverkäuferin sind sehr gering. Der einzige We", sich zur Einkäuferin empor zu arbeiten, ist “natürlich nur rinlgen Wenigen, besonders Befähigten Vorbehalten. Und seihst wenn man als Verkäuferin keine grossen Keicbtümer erwerben kann, so glaube ich doch, dass für die nächsto Zukunft dieses ein Beruf bleiben wird, aus dem die Frau nicht so leicht verdrängt werden kann. Hilde Wegleiu (Berlin). Schneiderin Bei der Wahl des Schnpiderinnapbenjfes sollte man sehr vorsichtig sein. Bevor man eich entsdillesst, Schneiderin zu, werden, ist eine Se^bstr Prüfung nötig. Gute Handarbeiten sind dje besten Beweiso für Fingerspitzengefühl, ohne das Nach Ablauf der Lehrzeit muss man fünf Jahre ausschliesslich der Lehrzeit als Gehilfin in einem Betriebe arbeiten; dann kann man sich zur Meisterprüfung melden, erhält aber erst mit 25 Jahr.en den Meisterbrief, die schriftliche Bestätigung und zugleich automatische Eintragung in die Schneiderinnuug. Vorbedingung für den Schneiderinnenberuf Ist gute Gesundheit. Ein Mensch, der schwache Lungen oder einen kranken Magen hat, ist für diesen Beruf schlecht geeignet. Man muss täglich acht Stunden arbeiten, zumeist in gebückter Haltung (eingefallenen ' Schultern, eingedrückter Magen). Ebenso ist das Maschinentreten und dag Bügeln mit dem schweren Schneidpreisen ziemlich anstrengend. Von Lichtseiten dieses Berufes zu sprechen, ist schwer. Es macht grosse Freude, wenn man aus sich heraus selbständig etwas schaffen kann. Darüber hinaus wird es immer am Menschen liegen, seinen Beruf von der lichtesten Seite zu erfassen. Das zeigt sich besonders bei der Freizeitgestaltung. Die freie Zeit muss man richtig ausnützen, um für den gewählten Beruf stark zu sein., Abends, wenn der Arbeitstag gegen 6 Uhr beendet ist, muss man alle Schlappheit von sich abschiitteln. Lustig geht man ans Aufräumen der Werkstatt heran, die Arbeitskameraden helfen dabei — wenns geht, singend, lachend und frohen Mutes, dass ein Arbeitstag und Leislungstag wieder um ist. Und dann ist man entlassen! Hat map fertiggestellte Sachen zur Kundschaft zu tragen, man soll es ohne falsche Scham und ohne Verdruss tun (Lehrjahre sind keine Herrenjahrei) Man soll sich freuen, die Gelegenheit zu haben, sich nach dem anstrengenden Dienste auszutoben. Dann gehts nach Haus, man isst Abendbrot und nachher ist es gut, den Abend mit irgendetwas ausgefüllt zu wissen, auf das man sieb den ganzen Tag freuen kann. An einem Abend der Woche ist es sehr angebracht, Sport zu treiben. Und am Sonnabend gibts das 6 Tage lang erwartete Wochenende. 1 Yi Tage Freizeit! Daun ist es herrlich, schön und gesund, auf Fahrt zu gehen. Wenn man in der Gemeinschaft wirklich lebt, dann wird es nicht schwer sein, über all die Misslichkeiten seines Berufes hinwegzukommen. Ruth Levvs (Gleiwitz). Krankenschwester Liebe Lotte! Du fragst, warum ich Krankenschwester geworden bin. Dir will ich heute ausführlich antworten, während ich im allgemeinen die Frage damit beantworte, dass ich „Lust dazu gehabt* hätte. Du kennst meine Entwicklung und Vorbildung. Die sieben Jahre Jugendbewegung erweckten wohl in mir den Wuusch, einen sozialen Beruf zu ergreifen. Wohlfahrtsfürsorgerin wollte ich werden, über den Weg der praktischen Krankenpflege. Nach der Reifeprüruug^ besuchte ich die Frauenschule, und das dort Erlernte halle ich für unbedingt wichtig (Kochen, Nähen, Säuglingspflege, Kindergartenarbeit usw.). Als Vorbildung, denn all das benötigt man in der Krankenpflege. "Mit 19 Jahren — das ist das vorgeschriebene Mindestalter — begann ich meine Ausbildung als Lehrschwester. — Ohne Illusionen, von Bekannten auf" alle dienstlichen und privaten Unannehm- . liebkeilen, die dieser Beruf mit sich bringt, aufmerksam gemacht Da körperlich sehr viel. Ansprüche im Dienst gestellt werden, ist ei notwendig, dass inan vollkommen geeund und xu leistungen und nicht in der eigentlichen Krankenpflege. Um psychologisch auf den Kranken eingchen zu können, fehlt es an Zoit und auch an Gelegenheit. Erlangt man mit der Zeit mehr Sicherheit im Umgang mit Kranken, so bietet sich auch Gelegenheit, dem Kranken mehr zu geben, als einfache ITilfo bei seinen körperlichen Bedürfnissen. Bei diesem Mehr erst empfindet * man das Schöne in unserem Beruf, dem Leidenden in jeder Weise eine wirkliche Helferin zu sein. . Die Bestimmungen, bezüglich Freizeit und Dienstzeit, Taschengeld usw. sind in jedem Krankenhaus verschieden. Im allgemeinen beginnt der Dienst täglich um 6 Uhr morgens, mittags zwei Stunden Freizeit, Dienstschluss abends gegen 8 Uhr. Jede Woche einen freien Nachmittag, jeden Monat einen freien Tag. Beides nicht nach Wunsch, sondern Belieben der Vorgesetzten. Der Schwesternberuf bedürfte gerade in bezug auf Dienst-, Freizeit- und Gehaltsfragen einer Revision, die darauf binzielt, die schwere Arbeit der Krankenpflegerin rein äusserlich wenigstens erträglicher zu gestalten. Die Ueberanspruchung der Arbeitskraft und die demgegenüber viel zu geringe Entlohnung dürften mit ein Grund dafür sein, "dass zurzeit ein grosser Mangel an jüdischen Lehrschwestern besteht. Leider kümmert sich niemand um diese Dinge, die Lehrschwestern sind zu jung und unerfahren und haben prinzipiell zu schweigen. Die Vollschwestera sind zu träge dazu, die älteren unter ibuen?u uninteressiert. Eine Erscheinung, die gerade dieser Beruf mit eich bringt, aber nicht mit sich bringen muss. Durch Abstellen dieser Mängel wird die Nachwuchsfrage für unseren Beruf positiv gelöst werden können. W. G. Boren (Köln). Ansbildungsgang: 2 Jahre Lehrzeit in einem Krankenhaus und staatliche Abschlussprüfung. stück** beraasstellen (wio man es schon in Bröltalbaus damals sagte) und das will leb nicht. Gerade weil ich die Schönheiten meines Berufes, die Freude an der Arbeit im Garten, jetzt allmählich immer mehr erkenne und schätze, fällt es mir schwer, die ungeheurigen Schwierigkeiten, die sich einer Ausübung in Deutschland entgegenstellen, öffentlich zuzugeben. Und daa müsste ich, sonst würde ich verantwortungsloses Zeug schreiben. Schon die Ausbildtmgsmöglickkeiten sind so gering, besonders auch für Mädchen. Ich meine damit, die Ausbildungsmöglichkeit, die mit einer staatlichen Abschlussprüfung endet und die die normale wäre. leb und auch die andern, die sich in meiner Lage befinden, dnd entschlossen, einen Weg zu suchen und wir hoffen fest, ihn zu finden, der uns eino Möglichkeit bietet, diesen Beruf in Deutschland auszuüben. Wir sind Überzeugt, den Anforderungen, die der Beruf an uns stellt, gewachsen zu sein, obwohl wir seine Bedeutung erst allmählich voll erfassen. Aber nicht nur den Anforderungen des Berufes wollen wir gewachsen sein, sondern auch den Erfordernissen, die uasera Entscheidung für ein in Deutschland gelebtes Judentum von uas verlangt. Hier den richtigen Weg zu finden, das ist mein Bemühen und ich glaube, dass es durch oinen Artikel über meinen Beruf, wie Du ihn gedacht hast, nämlich ohne Aufrührung der Problematik, die doch nun einmal daran hängt, nur gestört werden würde. Ich hoffe, dass Dir verständlich geworden ist, worum es mir gebt und warum ich mein Versprechen nicht ejnhalten konnte. Aber gerade jetzt bewegen mich diese Fragen sehr stark und Gärtnerin Ahlem, 'den 26. April 1935. Lieber Bruno, wenn ich gewusst hätte, wieviel Kopfzerbrechen der kleine Artikel über meinen Beruf mir bereiten würde, hätte ich ihn nicht so leichtsinnig versprochen. Als ich von Berlin hier wieder nnknm, froh der Gressstadt entronnen zu sein und wieder durch die Gärtnerei ging, die blühenden Obstbäume und die Fortschritte des Salates und der Pelargonien bewunderte, glaubte ich, dass mir der Artikel nur so aus der Feder fliessen würde. Aber ich irrte mich, alles, was ich niederschrieb, gefiel mir nicht. Ich wollte nicht in eine schwärmerische Naturverbimmelung verfallen (die ja so nahe liegt), auf der andern Seite aber nicht zu trocken und theoretisch schreiben. Es wäre ja nun leicht, eine allgemeine, oberflächliche Schilderung des Berufes zu geben, wie man sie in den beliebten „Berufswegen“ findet. Aber dazu ist die Situation, vor der wir jüdischen Menschen, die diesen Beruf in Deutschland ausübea wollen, stehen, zu schwierig und ernst Und das ist das Entscheidende. Wepn ich den gewünschtes Artikel schreiben würde, so würde ich mich notwendigerweise wieder so als ein „Museums- Jch kann mich nicht so von ihnen frei machen, dass ich sie in einem Artikel ausser acht las en könnte. Herzliche Grüsse Lisbeth Mendelsohn. Berlin, den L Mai 1935. Liebe Lisbeth, als offene Antwort auf Deinen erfrischend ehrlichen Brief: Es muss sich da um ein akustisches Missverständnis bei unserem Telephongespräch handeln. Du weisst, dass Martin und ich die Arbeit des Sozialamtes viel zu ernst nehmen, als dass wir durch gefärbte Berichte die Wirklichkeit übertünchen würden. „So wollte ich auch selbstverständlich nicht einen Artikel ohne Anführung der Problematik“ von Dir, sopdern schlug Dir nur vor, alle „Ideologie“ rauszulassen; die von Dir zutreffend geschilderten Schwierigkeiten dagegen wollte ich in einer Vorbemerkung zusanimenfassen. Nun, Du hast mir diese Miihe erspart. Dürfen wir nach Abdruck Deines Briefes auf eine ausführliche Schilderung Deine« Berufe», in dem Du so aufgehst, hoffen? Herzliche Grüsse Bruno. am Berliner Feierstunde Am 14. April traf sich der gesamte Berliner . Bund zu einer Feierstunde in einem grossen Saal mitten in der Stadt, in einem Filmtheater. In den vorderen Reihen sass der grosse Sprechchor des 18. Zuges, in den Logen und auf den Rängen rechts und links der Filmbühne der Werkgruppeuchor, ein Sprechchor der älteren und ein Klampfenchor, Weiter hinten im Saal sassen die Mitglieder des Landesverbandes Berlin, alles ln weissen Hemden, jeder bei seiner Gruppe. Nach vorn, gegen die verhängte Bühne hfn, begrenzte die Reihe der Fahnenträger das Blickfeld, die mit sämtlichen Wimpeln der Berliner Hündischen angetreten waren. Ganz in sich geschlossen und nach innen gerichtet war diese Feierstunde, darum waren aus der jüdischen Oelfentlichkeit nur die allernächsten Freunde des Bundes geladen und erschienen, unter ihnen Dr. Alfred Hirscbberg, Dr. Friedrich Brodnitz und Heinrich Stern. Harmoniumspiel klang auf und brachte dio leise geführten, erwartungsvollen Gespräche der Erschienenen zum Verstummen. Ein Sprechchor sagte den £3. Psalm „Er ist niein Hirt“ und schuf damit die ernste Atmosphäre, unter der diese Stunde stehen sollte, per Werkgruppenchor sang unter Leitung von Ilse Z o r e k ein , Lied; darauf sangen alle gemeinsam „Hebt eure Fahnen in den Wind . . . Dann nahm Werner Graff, der Landesverbansleiter (jes Bundes in Berlin, das Wort zu einer knappen Begrüssungs- . änsprache» dio der Rechenschaft über die Arbeit des letzten Jahres und dem Ausblick auf das kommende galt Er zeichnete ein Bild de« Lan- * «»verband* und seines organisatorischen Aulbaus in Werkgruppen und' Züge und forderte von den Menschen des Bundes Veraulworlung, Disziplin und Unterordnung, damit aus dem einheitlichen Willen der vielen sieb das grosse Ganze des Bundes forme. Nach den Worten Werner Graffs sang der Werkgruppencbor das „Zur mischelau ocbalni“. eiu Sprechchor unter Erwin Rosenthal sprach das „Sch’ma“. An das Bekenntnis zum Judentum knüpften die Worte des Bundesleiters Heinz Kellermann an. Als die Frage des Bundes, fo führte er aus, werde vor allem die soziale Frage empfunden. Aeussero und innere Not habe den Bund zusammengescblossen, in der Gemeinschaft suchten seine Menschen ihr Leben. Wovon wir lebten, doch auch: womit und woraus wir lebten, das sei die Frage, die sich uns stellen müsse. „Der Mensch des Bundes ist ein Mensch, der wird, und nicht ein Mensch, der ist“ Die Führer des Bundes müssten “Ausdruck seines Gosamtwillens sein, sie müssten sich innerlich bis zum Letzten der Sache verpflichtet fühlen und den Mut haben, sich der Wirklichkeit zu stellen. Es handele sich heute darum, mit dem schlichten Tun zu beginnen, jüdisch zu leben und den Weg ins Judentum auzutretefl. Ein Sprecher rief dem Bunde noch einmal ein Bekenntnis zu, dann schloss mit dem getnein- , eamen Gesang des Bundesliedes die schlichte, eindrucksvolle Feier. K.J. R. Ein Jahr Bund in Essen Es schein! uns Essenern an der Zeit zu sein, zum Tage des einjährigen Bestehens unserer . Ortsgruppe einiges über die Arbeit, die wir geleistet haben, zu eagep. Niehl von dem zablenm5«*igtn Anwachsen der Gruppe von acht Men- . sehen auf fast 100, picht von ihrem organisatorischen Aufbau, aber auch nicht von den weit-

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