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Seite der Jugend · 1935-05-03 · 3 (3.5.1935) · page 2

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Journal
Seite der Jugend
Volume
1935
Issue
3 (3.5.1935)
Date
1935-05-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Wc33 die Berliner in Königsberg Kurs Wir eitzcu zu zwanzig zusammen. Wenn wir im Bund einen „Kurö“ machen, ist das etwas grundsätzlich anderes als eine Schulstunde, ein Vortrag oder eine Arbeitsgemeinschaft im gewöhnlichen Sinne. Iin Kurs steht das Bild einer Epoche vor uns, in ihrer ganzen Vielfalt. Keine Muscengestalten sichen da auf, die in verstaubte? Tracht wie die Wachsfiguren eines Panoptikums vor uns aufmarschieren. Nein, Menschen wie wir erstehen vor unserem inneren Auge, gleich, ob wir Zeiten vor 2000 oder vor 200 Jahren betrachten. Menschen sind es von Fleisch und Blut, Menschen wie wir. Ein Stück Geschichte wird lebendig, mit dem wir durch tausend Fäden verbunden sind, in dem wir fast selbst zu leben glauben. — Der Kurs bietet die Möglichkeit der Aussprache über die verschiedensten Fragen, aber er stellt Anforderungen sehr konkreter Art. Es gibt Leute unter uns, die sich im Kurs so alles vorsetzen lassen und sich eindu.seln in dem Gefühl, wie nahe die betreffende Zeit ihnen gekommen ist. Für die hat der Kurs nicht die rechte Bedeutung gehabt. Uns anderen kommt es darauf an, unser Wissen um die Zeit zu vertiefen, denn wir wollen nicht nur einen lebendigen Eindruck einer geschichtlichen Epoche haben, sondern uns liegt nicht minder an dem Lernen der Dinge, die nicht so leicht fasslich gemacht werden können wie jenes gesamte Bild, ohno die aber fliese^ Bild nicht denkbar ist. Freitag abend Wir sitzen zu siebzig Leuten im Kreis. Ein neues Gefühl der Gemeinsamkeit umfasst uns. Ein paar Lieder erklingen. Einer liest vor. .,Aus <b’n Tagen der Pogrome.“ Jmimisch icksal steht vor uns auf. Wir sehen die Gemeinde vor uns, die da in ihrem Bethaus steht und mit dem Tode ringt. Die Frömmigkeit des alten Rabbi strömt auf sie über. Und aus dieser Haltung bekommt der Untergang der Gemeinde seinen tiefen Sinn. Ein Schritt, und unmerklich gleiten wir ins Ghetto Prags hinüber. Kämpfe der Gemeinde- Parteien, Üneinheitlichkcit, Bruderslreit selbst im Augenblick höchster Geiahr, Unvcrmögeu, das Gruppeninleresso hinter das Gesamtinleresse zurückzustellen. — Sind wir noch im Ghetto? — All das sehen wir auf der einen Seite, die Sicherheit der Lernenden, die in sich ruhende Festigkeit dieser Menschen auf der anderen. — Das~Ghetto lebt auf. An seinem Dunkel zieht leuchtend die Gestalt David Reubenis vorüber. So nahe glaubten sie sich der Erlösung und so fern "sind sie ihr, diese Juden Italiens, diese Marannen Portugals. Der Plan Reubenis scheitert, Juden durch weltliche Macht, durch eine Armee in das eigene Land retten zu wollen, ist wieder einmal missglückt. So gross war ihre Hoffnung, so tief wurden sie enttäuscht, so bedrängt lebten sie fort und sind doch nicht untergegangen... Einer fängt an zu singen „Aschrenu“, -~ „wie gross ist unser Schicksal, wie schön ist unser Los.“ Mittag auf der Kurischen Nehrung. Die erste. Wanderdüuo ist erreicht, wir sind schon ein ganz anständiges Stück gelaufen. Kein Wunder, dass alle wie auf Kommando anfangen zu singen: „Wir haben Hunger — Hunger — Hunger . . .“ Wir sind ja schon so ziemlich ans Ziel gelangt, die Zeit ist auch gut, also setzen wir uns hin. Langsam werden die Stullen, Eier und natürlich die unvermeidlichen Klopse hervorgeholt und geniesso.risch ausgepackt. Wir neun Berliner sind gespannt wie die Schiesshunde. I-ls ist die erste Fahrt zusammen mit den Klopsfressern (so nennen wir die Königsberger) und das erste gemeinsame Mittagessen mit ihnen. Wir warten gespannt, was die Klopsfresser tun, denn wir wissen nicht, ob sich unsere Sitte, vor dem Essen gemeinsam ein Essensspruch zu sagen, um dann erst gemeinsam anzufangen, bei ibuen schon herumgesprochen hat. Vorsichtshalber haben wir schon vorher Gruppen aus je zwei Leuten bestimmt, die voreilige Esser bestrafen sollen. Wir sitzen nun also da und sehen im Kreis umher und warten. „Ha!“ schreit da einer von uns, die erste Strafexpedition steht langsam auf, nimmt den Sünder zwischen sich, und in feierlichem Zug° geht es zum Wasser. So sehr sich der Abgeführte auch wehrt, unwiderstehlich wird er ins Wasser gezogen, bis er mit den Hissen vollkommen drinsteht Dann wird der Kopf bmuntergebogen und sanft mit kühlem Oslse.ewasser gewaschen. Damit ist es genug, alle drei kommen zurück imd sehen in die Gesiebter der Zurückgebliebenen. Die sieben Berliner (zwei waren ja an der Expedition beteiligt) lachen aus vollem Halse. Aber die Klopsfresser! Sie sitzen mit offenem Munde da und verstehe» nichts, und prompt beisst wieder einer in seine Stulle. Wieder wird er zum Wasser geführt, und dieselbe Sache wiederholt sich »och einige Male, denn die Unschuldskinder haben noch immer nicht verstanden. Nun sind fast alle dran gewesen, und wir klären sie auf. Das war ein Geschrei und Geschimpfe! Aber allmählich beruhigten sie sich wiede.r und wir setzten uns im Kreise hin. Dann kommt der gemeinsame Essensspruch, und zum Schluss ertönt ein kräftiges „Plaut rin!“ Die Klopsfresser halten wieder etwas dazu gelernt. Pausa. Rudern Heute gehl’s zum Oberteich zum Rudern. Vier Booto mit je 3 Leuten stossen sich von dem kleinen Steg ab, nachdem sie ptliciitgetreu Leihgebühr und Pfand entrichtet haben. Zuerst fahren wir auf dem See herum. Jetzt geht es unter einer Brücke durch. Vorsicht — nicht mit dem Ruder anstosseu. Au, knorke, wir sind in einem kleinen Teich angelangt, in dem uns niemand beobachten kann. Das ist das Richtige für uns, denken wir, jetzt kann die Seeschlacht beginnen. Unser Plan ist: ein Boot soll von zwei anderen in die Milte genommen werden, dann rauben wir der Besatzung die Ruder. Also ran an den Feind! Das Boot ist erreicht. Nichtsahnend lassen die anderen uns an ihre Seite. Achtung, los! Fin Ruder wird ergriffen, hin und her gezerit — noch ein Ruck - hurra! Wir gossen wieder ab. Pansa rudert mit voller Kraft zuruck. B:i naht Herbert, der Königsberger, der sich mit den Kampfunfähigen verbündet hat. Wir sehen, wie er eich vorbereitet. Die dicke Jacke wird abgelegt, die Hemdsärmel werden bochgekrempeit. Jetzt ist Herberts Boot an unserer Seite angekommen. Wir holen die Ruder ein. Kurze ' Zeit bleibt der Kampf unentschieden. Dann, t/-» t- M T Tneor HaaJ Iprft kigIi ££LT1Z ZUr Sei Io. „Worte am Wege“ Unter diesem Titel erscheint demnächst im Philo-Verlag, Berlin, ein Ggdichtheft das Günter Friedländer und Kurt Jubus Ri eg u er für das Materialamt des Bundes Deutsch-Jüdischer Jugend herausgebeu. Das Heft wird etwa 20 Gedichte enthalten, die im Bund entstanden sind, und die bezeugen sollen, dass jn der jungen Generation des deutschen Judentums und ihrem Bund ein neuer schöpferischer Wille lebendig ist Rudern, nur rein in den Kahn. Pansa, der schon halb im anderen Boot war, springt zurück. — So, das ging nochmal gut. Aber ein Ruder ist weg. Triumphierend zieht Herberts Boot davon. Man lacht über uns. Wir nehmen unser Ruder und ein kleines Bretl, das im Boot liegt, und paddeln so zu einem anderen Book Die bisher unbeteiligten Insassen werden aufgefordert, uns sofort ein Ruder zu „leihen“. Nach kurzer Verweigerung folgen sie. Sehr anständig von ihnen, aber dof. Jetzt gehl es ’raus aus dem Teich. Mit zwei verschiedenen Rudern geschlagen und zugleich siegesbewusst kehren wir nach einem kurzen Wettrennen als erstes Boot zur Anlegestelle zurück. Po. / i QU LUj!(J ICCbO LD MäddJn 5f775 ft © fl * ©0 f! ®C üuidtttBüd üUuj)(Bü* IÜ1F0 JrAU Das Sozialamt des Bundes Deutsch-Jüdischer Jugend gibt in diesen Tagen einen Sonderrundbrief über das viel zu sehr vernachlässigte Gebiet „Berufsfragen für Mädchen“ heraus. Im Hauptteil schreiben —- oder besser: sprechen junge Mädchen über ihre Arbeit. Ein Teil der Beiträge wird hier veröffentlicht. Schlicht und phrasenlos erzählen sie uns von den Licht- und Schattenseiten ihres Berufs. Wir veröffentlichen diese Berichte aus diesem Grunde so, wie sie zu uns gekommen smd, ohne sie zeiiungsmässig zu stilisieren. Sie sprechen in ihrer natürlichen Schlichtheit für sich. Es ist innerlich begründet, dass die Mädchen den eigentlichen Frauenberufen am meisten Liebe abgewinnen. Bedauerlicherweise liegen uns keine Schilderungen junger Facharbeiterinnen vor. Erst wenn die jüdischen Mädchen zahienmässig stärker in diesen Berufsgruppen vertreten sind, wird sich das Berufsbild der arbeitenden Jüdin abrunden. Unsere Mädchen wissen alle um die Schwierigkeiten, die sich ihnen bei der Wahl und der Ausübung des Berufs entgegenstellen. Und dennoch klingt in ihren Schilderungen das Grundgefühl durch: Wir bleiben auf unserem Arbeitsplatz um der Gemeinschaft willen. Hausangestellte Nach fünfjäbrigor Tätigkeit als Ambulatori- »msschwester wurde ich infolge der politischen Umstellung entlassen. Kurz entschlossen ging ich zur Berufsumschiebiung in das Landwerk Neuendorf. Dort liess ich mich ein Jahr lang gründlich in der Hauswirtschaft ausbilden. Ich musste durch mehrere Abteilungen gehen, die vierwöcbenllich gewechselt wurden. Es fing an mit dem Zinnneraufräumen, dann ging es weiter zu den Küchenarbeiten (Backen, Kochen, Einwecken, Gemüse putzen usw.) über von Milchwirtschaft, Wäscherei bis zum Uühnerslall. Vielleicht könnt ihr euch vorstellen, wie schwer es für mich war, von meinem ursprüng- ' nun gen vo7i Igna Bcth liehen Beruf zur Hauswirtschaft überzugehen. Ich muss ehrlich bekennen, dass es einige Zeit gedauert hat. ehe ich midi in meine neue Eebensait finden konnte. Doch nachdem das Schwerste Überstunden war, kam mir zum Bewusstsein. dass auch dieser Beruf in heutiger Zeit für jüdische Mädel zu einer unbedingten Notwendigkeit geworden ist. Für uns war die Arbeit in Neuendorf bedeutend schwerer als für die Jungens. Um 6 Uhr früh hies.? es Aufstehen, Frühstück machen und Zimmoraufräumen. Um 12 Uhr wurde gegossen, danach grosser Abwasch. Anschliessend hatten wir zwei Stunden Pause. Nachdem ging es wieder in die Kiiche, um die Berge von Stullen für zirka 100 kräftige Esser zu bereiten. Nach dem Abendbrot gab es fiir uns grossen Abwasch, so dass wir gegen E9 Uhr im Doppelsinn „fertig“ waren. Ein Jahr Ausbildung ist natürlich zu wenig für diesen Beruf, der sieb in soviolc Zweige aufteilt. Aus diesem Grunde arbeite ich zurzeit weiter in einem PrivalhnusIinU. um meine Kenntnisse zu vervollkommnen, so dass ich später einen Haushalt selbständig führen kann. Vergessen mühte ich doch nicht, den lieben Hausfrauen eine ernste Mahnung zugehen zu lassen: Behandelt die Mädels, die als Haustöchter bei euch sind, wie zur Familie gehörig und nutzt sie nicht aus. Denn dadurch erreicht ihr, dass dieser Beruf eine verständigere Bewertung erfährt, als sie jetzt leider noch vorherrscht. Bei allen Beschwernissen, die die Hausarbeit mit sieb bringt, glaube ich doch, dass jedes Mädol, das den Ernst unserer heutigen Lage erfasst hat and tüchtig hnuswirtscbaftlicb arbeitet, diesen Beruf lieben und schätzen lernen kann. Suse Zuckermann (Berlin). Säuglingspflegerin Das liegt Frauen ja eigentlich im Blut: Mutter sein, Kinder haben, Kinder pflegen. Und darum könnte man denken: Säuglingspflege, das ist doch das rechte Feld für jede von uns. Nun, ganz so liegen die Dinge nicht, denn die Mutterpflirhten für die Kleinsten erwachsen uns in erhöhtem Masse, die Freuden sind uns nur bedingt vergönnt. Man muss deshalb schon eine gehörige Menge Idealismus mit in den Beruf bringen, um diesen Zwiespalt zu überwinden. Wer soll, wer darf Säuglingspflege erlernen? Nur wer körperlich und seelisch ganz gesund ist, sonst ist er den Anstrengungen des Berufes nicht gewachsen, denn der Dienst dauert mit kurzer Unterbrechung von 6.30 bis 17 Uhr. Und man mu?s stets in Bereitschaft sein, muss stets intensiv nachdenken, da die uns anvertrauten Kleinen ja noch nicht selbst sagen können, was sie brauchen. Das ist eine Schwierigkeit, die in der Pflege Erwachsener fortfällt. Wenn das Kind schreit, so kann das heissen: Ich friere, ich habe Hunger, aber ebensogut kann cs der Ruf sein zum Trockenlegen wie der Wunsch von Fernbalten von Leibweh. Und wenn dann diese Jüngsten bereits ihren „Bock“ haben, so fragt man sich oR vergebens, weshalb sie, nachdem alles für sie geschehen, weitcrbriillen und ihre Nachbarn zu nächtlichem Chorkonzert erwecken. Was wir nun tun? Was Mütter tun oder tun sollten. Und wir tun cs, das ist nicht überheblich, gründlicher. Erstens, weil wir ja weiter nichts zu tun haben, und zweitens, weil uns im Krankenhaus alle Einrichtungen zur Verfügung stehen, die der Durchschnittshaushalt nicht hat. Da ist z. B. die Wange, auf der wir nicht nur Gewichtszunahmen prüfen, sondern wir stellen bei jedem Kinde durch Wiegen vor und nach der Mahlzeit fest, ob es genügend Nahrung zu sich genommen hat. Und wenn das nicht der Fall ist , so beginnt das Nachfüttern. Die Nahrungsmenge richtet sich nach dem Alter. Wieviel das Kind jeweils braucht, lernen wir neben vielem andern in den von Fachärzten abgehaltenen Kursen, in denen wir unsere praktische Arbeit durch theoretische Schulung ergänzen. Und was gibt es da nicht alles zu lernen! Vielerlei von den Krankheiten, aber gerade so viel von dem, was dem gesunden Kinde not und gut tut. Unsere Freuden sind vielfach. Wir sind froh mit jedem jungen Elternpaar über einen kräftigen Sprössling. Und wir smd stolz, wenn wir besonders zarte Kinder durch aufmerksamste Pflege „hoehpiippcln“ können. Das ist oft recht schwierig. Wenn ein Frühgeborenes, Krankes oder Trinkfaules so gar nicht an die Flasche zu bekommen ist, gibt“s viel Mühe. Und wenn eins, weil Mutti lange krank war, viele Monate in unserer Obhut war, wenn wir es vom ersten Schrei zum ersten Lächeln, zum Schauen, zum Greifen begleitet haben, gibt's manchmal Abschicdslränen. Könnt ihr bei der Verantwortlichkeit unseres Berufes verstehen, dass wir manchmal sogar für die Arbeit im Bund zu müde sind? Das sei keine Entschuldigung, meint ihr? Nun, so denkt, dass wir den ganzen Tag bemüht sind, auf unsere Weise das Beste zu tun, wenn auch in anderer Art, zum Woble des jüdischen Nachwuchses. Elli Künigsfold (Glciwitz, z. Z. Berlin) Sekretärin Meine Berufswahl ist durch ungünstige wirtschaftliche Verhältnisse stark beeinflusst worden. Ich musste einen Beruf wählen, in dem ich möglichst bald eine Verdienstmöglichkeit hatte. So entschloss ich mich. Sekretärin zu werden. Zur Vorbildung besuchte ich die einjährige Höhere Handelsschule und bekam nach meiner Abschlussprüfung sofort Stellung ais Anfängerin in einem grösseren Unte£ nehmen. Jetzt begann erst die richtige Berufsausbildung: Behandlung der Kunden, Bedienung des Telephon?, Aufnahme vom Stenogramm, Uebertragung usw., und so manchen Kehler habe ich da gemacht durch eine kleine Unaufmerksamkeit oder Ungenauigkeit. Allmählich machte die Arbeit mehr Freude, und ich wurde auch selbständiger. Nach dreijähriger Arbeit in verschiedenen Büros als Stenotypistin und Kontoristin — man muss beides vereinigen, um eiue gute Sekretärin zu sein — Imkam ich endlich die ersehnte Stellung als Sekretärin. Hier war für mich ein vollkommen neues Feld der Arbeit, das sich natürlich auch , auf den erworbenen Kenntnissen aufbaute. Zusammenarbeit und Einstellung auf den Chef immer völlige Konzentration beim Aufnehmeu und Uebertragen des Stenogramms. Aufstellung von Statistiken, Kalkulationen und Bearbeitung von Kartotheken. Man spürt hier, dass man wirklich verantwortliche Arbeit zu leisten bat da man auch pft selbständig denken und handeln muss, und das befriedigt sehr. Ich vrar, bevor ich diese Stellung bekam nicht sehr zufrieden in meinem Beruf* aber ich habe hier gesehen, ♦ dass der Beruf* einer Sekretärin einen Menschen ganz ausfüllen kann, wenn er ihn richtig erfasst. Gute Sekretärinnen werden immer gesucht werden; Bedingung ist jedoch leichte Auffassungsgabe und ganz besonders korrektes Arbeiten. Traute Meyer (Stettin)- Kindergärtnerin Zum Beruf der Kindergärtnerin und Hortnerin 'gehört als selbstverständliche Voraussetzung, wie bei jedem pädagogischen Beruf, die Liebe und die Einsatzbereitschaft für die erwählte Arbeit, da es sich hier nicht um irgendwelche Gegenstände, sondern um. lebende Werte zu bemühen gilt. Das macht diesen Beruf so anziehend gerade für junge Menschen. Aber das allein macht die Eignung zur Kindergärtnerin noch nicht aus. Man muss auch bereit sein, zu einfachster praktischer Arbeit, die sich mit eien ersterwähnten Voraussetzungen oft nicht zu treffen scheint. Man kann sogar sagen, sie ist der erste Erziehungsiaktor in einer Kindergemeinschaft, denn das gemeinsame Achten auf die äussere Ordnung des gemeinsamen Eigentums drückt als erstes die Zusammengehörigkeit der Kinder aus, die fast immer nur durch äusseren Zufall in den Kindergarten oder Hort gekommen sind. Aber ausschlaggebend darf die äussere Organisation nicht werden, wie das leider bei vielen Einrichtungen der Fall ist. Im Seminar für Kindergärtnerinnen und i Hortnerinnen wird daher auch viel Wert auf i die Ausbildung in praktischer und technischer; Arbeit gelegt: praktische Arbeit in den Seminar-Kindergärten, Haus- und Gartenarbeit, Bastelarbeiten usw. Aber alles wird von theoretischer Seite her zu'erfassen und auszuwertou versucht. Es ist vielleicht zuviel Theorie, die die zukünftigen Kindergärtnerinnen da „lernen“. Denn aus der Praxis haben sie im allgemeinen noch wenig Erfahrungen. Dje praktische Arbeit in den Seminarkindergärten ist mehr ein Kcnnenlerneu des „Materials3* und ein Ausprobieren der eigenen Fähigkeiten als verantwortungsvolles Mitarbeiten. Wäre es nicht günstig, vor deni Eintritt ins Kindergärtnerinnen-Seminar mindestens ein Jahr Arbeit nur mit Kindern zu fordern (statt oder ausser einem Jahr in einer Frauenschule oder Haushaltschule)? Und erst iq längerer Praxis erfasst m23 auch, wie ungeheuer weit die Verantworte? reicht, die man freiwillig übernommen bat, ‘ri man sich für den Beruf entschied. Davon wird zwar bei der Ausbildung viel gesprochen, und manche kleine äusserliche Probe lernt m*3

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