Seite der Jugend
- Journal
- Seite der Jugend
- Volume
- 1935
- Issue
- 3 (3.5.1935)
- Date
- 1935-05-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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2. Beiblatt der C.-V.-Zeitung Nummer 18 Nummer 3 vom 3. Mai 1935 . ■%,& y y. d y y i ranren ni Vom Werden einer Gruppe 0»tpreus>en ist ein weites Land, flach und unabsehbar dehnt cs sich 7,wischen Wäldern. Seen und Meer. Es ist dünn besiedelt, und die Juden, die dort, /um grössten Teil seit Jahrhunderten ansässig, leben, .»md an Zahl nur gering. Der Bund in Ostpreußen ist heute noch schwach. Oie Zerstreuung der Juden über die ganze Provinz — eine wirkliche Diaspora, von der man >irh in kaum oin rrchto? Bild macht' — hat die Bildung starker Ortsgruppen verhindert. Die weite Entfernung von Berliu und dem übrigen Reich hat es zudem bisher niemals zu einer wirklichen Durchdringung des ostpreussi sehen Bundes kommen lassen. So ist in Königsberg bisher ein starkes Zentrum noch nicht entstanden. Daher haben Ende März zwei Mitglieder der Bundesleitung. Günter. Friedländer und Kurt Julius Riegner, im Bund Knjju genannt, eine Bundr»reise nach Königsberg unternommen. Sie haben während ihres zweitägigen Aufenthaltes dort, über den wir an anderer Stelle dieses Blattes kurz berichten, die menschlichen Voraussetzungen Dir Führung und Arbeit der Ortsgruppe geschaffen. Wenige Wochen später hat Günter Friedländer mit einer Fiihrcrgruppc aus dem Westkreis des Berliner Bunde? (5. Zug) eine Reise nach Königsberg unternommen. N nn die>er Fahrt, die für Berliner und Königsberger gleichermassen ein Krlebniwurde, soll in der heutigen „Seite der Jugend“ die Rede sein, weil an diesem Königsberger Beispiel die Schwierigkeiten der Bundesgrüppen im Reich deutlich sichtbar werden, und weil hier ein Weg gezeigt ist. über diese Schwierigkeiten hinaus zu starken Arbeitszentreu für den Bund zu kommen. Im folgenden schildern zwei Mitglieder der Königsberger Ortsgruppe den Stand der Arbeit vor dem Besuch der Berliner und die Pläne, die die Königsberger heute haben. Die Berliner, deren Köpfe wir unten abgebildet haben, haben aus ihren Rciscerinncrungcn Heiteres und Ernstes beigesteuert. Entwicklung gestern Unser Bund hat in O.-tpreussen vier Ortsgruppen: König-berg. Allenstein. Insterburg, Marienwerder. Sie bilden zusammen den ost-, prousMM'hi'ii Landesverband und stehet! unter Führung der Königsberger Gruppe. Heute, nach den Besuchen der Freunde aus Berlin, kann die innere Zusammenfassung des Landesverbandes in Arbeit und Haltung beginnen; wir körnen versuchen, unseren Gruppen in Königsberg und im Lande draussen eiu gemeinsames Gesicht zu geben. Bisher freilich hatten wir mit. den grössten inneren Schwierigkeiten zu kämpfen. Wir waren froh, wenn unsere Gruppen ihre Heimabende und Oftsgruppenfeiern regelmässig abhielten, wenn ihre jiidi.o-he Arbeit wenigstens auf der Linie unserer Auffassungen lag. Die Ursache dieser mangelnden Einiieitlicbkp.it sehen wir darin, dass die Ortsgruppe Königsberg, deren Festigkeit und daher sicheres Arbeiten die unerlässliche Voraussetzung für die Geschlossenheit des Landesverbandes Ostpreussen ist. von einem Versuch zum anderen geführt, wurde, dass sie keinen Weg fand, dein sie stetig hätte folgen können. Bevor wir Königsberger im Februar 1934 in <k*n Bund gingen, batte sich eine kleine Gruppe vun neun Menschen von der damaligen C.-V- •lugend gelöst, um sich als „Arbeitskreis“ die. jüdische Substanz zu schaffen, nach der sie verlangte. Diese Menschen glaubten, ihre Loslösung von der grösseren Gemeinschaft verantworten zu können, weil sie ihre einzige Aufgabe in der Lernarbeit sahen; sie erkannten, dass sie als eine kleine Gruppe mit geschlossenem Willen den anderen gegenüber standen,- die von keiner Bewegung erfasst worden waren und die deshalb auch nichts zu verwirklichen hatten. Da sie das „Diskutieren über...“ satt batten, gab es für sie nur einen Weg, nämlich das „Lernen“. ■ Auch als der Bund uns alle wieder zusammenschloss, machten wir noch einen Unterschied .zwischen denen, die schon in-der Arbeit des jüdischen Lernens standen, und denen, die erst zu ihr geführt werdenmussten.- Aber wir wussten nicht, dass diese Arbeit nur ein Ton im Akkord zu sein hat, dass sie allein nicht; bis in alle- Schichten des Menschen binabreicht- und ihn nicht bis zum Letzten bilden kann. Es fehlte uns das Leben in der Gemeinschaft, die Möglichkeit, sich von iunerlich unwahrhaftigeu gesellschaftlichen Belastungen zu befreien; wir wollten uns von den alten Bindungen an uns nicht mehr ge müsse Wgrte lösen, ohne zu wissen, dass das bei dem damaligen Stand unserer Arbeit nicht gelingen konnte. Und so bewegten wir uns zwischen dem „Entweder — Oder“ der reinen Arbeitsgemeinschaft, und des Erziehungsbundes in dauernder. Negation. Wir erkannten nicht, dass wir erst den , menschlichen Ausgangspunkt schaffen müssten, von dem aus wir lernen können und ohne den unsere Arbeit nicht tragfäbig ist für die Bindungen untereinander und für das. was uns bildet. Hier Räumung.«- und Befreiungsarbeit'1 zu leisten, war unsere wesentlichste Aufgabe. . Wir wunderten uns. dass die Gruppen, die wir führten, in der Folgezeit kein Gesiebt bekamen, obwohl wir uns scheuten, klar auszusprecbe.n, wie sie eigentlich ausseben sollten. Wir kannten unser'Ziel noch nicht. Als wir die Jilngeren- Gruppen des R.j.F.-Sportbumles Übernahmen, wurde die Situation noch schwieriger, weil wir Menschen waren, die führen sollten, angesichts einer ungeheuer schweren Verantwortung sogar führen mussten, und die doch dauernd schwankten, ob sie diese Verantwortung tragen konnten, ehe sie selbst von Substanz und Verwirklichungswillen so erfüllt waren, dass sie anderen davon geben konnten. Aber weil wir uns innerlich von den Menschen nicht trennen konnten, die mit uns ein Bund und damit eine echte Gemeinschaft werden sollten, ' und weil wir die Erfahrung machten, dass wir uns ihnen nicht entziehen können, mussten wir uns stellen. Wir mussten, jeder für sich und alle miteinander, die Bindung anerkennen, die uns im Bunde •hält,--und wir mussten deshalb zu dem Bewusstsein unserer Verantwortung kommen, . das uns fähig macht für die Verwirklichung unserer Aufgaben. Deshalb hatten wir noch einmal die ersten Fragen der Gemeinschaftsbildung aufzudecken. Wir erkannten, dass wir ohne Fundament, ohne, die Erfassung des ganzen Menschen hatten bauen wollen. Und hier soll unsere Arbeit, die in dieser Ganzheit nur hündisch sein kann, 'K M Das ist Ruth .., Wem wir uns um 10 Uhr mit .ihr verabreden wollen. hüten wir sie; Ruth, *i um L nach 9 Uhr da. Uehet Ruth lässt sich nicht viel sjtgen, wer sie kennt, weiss. dass dos kein schlechtes Zeichen ist ' Das ist Pansa . . .. li/enn drei limmens Kartoffelschäldiensl haben und . , zivci schälen und einer guckt, zu. grinst und lässt sich von . den beiden : anderen was er- ' zählen, dann ist es .Pansa; Wenn ihr. den beiden ande-.' .ren sagt: Jass: ihr euch da? eigentlich gefallen?, ihr arbeitet: und der Kerl guckt zu ' und freut sich. J-mn:grinsen _ .die beiden andren. .Pans’ä’" / grinst .. auch, und o ändert sich gar nichts. . Das ist Stibo ... Er fühlt sich nur wohl,' ■ wenn er eine-Klampfe in der Hand hat und singt. Ständig . -. trägt er eine Textsammlung . der neuesten Lieder, die er . gehört hat, bei sich. Das hat einen' besonderen ' Grund.; Wenn du ihm irgend etwas . sagst, zuckt er Papier und ’ Bleistift und brüllt' .Warte.' sonst vefges's' ich .ca/"' - •;; ansetzen, ln diese Beweguug. in die uns die Königsberger Bundesreisc von Günter und Kuju mit ihren vielfachen Gesprächen von Mensch zu Mensch versetzt hatte, kam Günter mit den Menschen seines Zuges. Es war das Fruchtbare dieses Besuche?, dass wir in der Zeit, in der die Berliner bei uns waren, nicht allein über die Dinge sprachen, sondern dass wir mit ihnen eine Woche lang qgemeinsam lebt eh und so ohne viel Worte auf Fahrten, im Kurs, in Heimabenden und auf den Feiern am Sederabend, am Freitag abend und beim S<babl>osausgang ein echtes Gemeinschaftsleben verwirklichen konnten. Deshalb wurde der Auftrieb, den wir empfingen, echt. Es gab in diesen Tagen keine Geste, die Schwung vertauschte, wo Hohlheit war, sondern in uns allen lebte eiu Rhythmus auf, der uns zur Einheit verband. Deshalb liegt auch keine Gefahr darin, dass ich hier schonungslos ausgesprochen habe, was rückblickend über unsere Entwicklung zu sagen ist. Unsicherheit und Auseinandorbrörkclu brauchen wir nicht mehr zu fürchten, denn der Weg. den wir nun schon zu betreten angefnngen haben, führt in die Stetigkeit, fort von unseren Zwiespältigkeiten in die Einheit und damit zum echten Bund. Manfred Brände. Landesverbnndslritrr des Bundes Deutsch- Jüdischer Jugend ni Ustpreussen. Pläne für morgen Was taten wir, nachdem Günter und Kuju uns wieder vorlassen batten? Zuerst haben wir eine Neuaufteilung der Gruppen vorgenommen und sie auf einem Ortsgruppenappell verkündet. Acht Gruppen hat die Ortsgruppe. Königsberg jetzt, zehn bis zwölf Leute in jeder, nur in einer sind weniger und im Werklütigen-Kreis sind mehr. Dem We.rkUitigen-Kreis, der ein anderes Ansleseprinzip als die hündischen Gruppen hat, kommt es darauf an, so viele Menschen wie möglich zu erfassen, ln ihm sind alle die. die — sei es altersmässig oder ihrem Lebensstil nach — in keine hündische Gruppe mehr eingegliedert werden können, weil sie nie hündisch waren und heute — zumeist im dritten Jahrzehnt, ihres Lehens — nicht die Möglichkeit und nicht den Willen haben, hündisch zu leben. Ihre Arbeit wird der einer Gruppe aus der ehemaligen C.-Y.- Jugend (aus der der grösste Teil von ihnen kommt) entsprechen. Und doch wollen sie mehr als Vorträge hören und Diskussionen führen. Sie hoffen, eine Form zu finden, die aus ihrer Arbeit und ihrer Einstellung dem Leben gegenüber erwachsen, nicht nur für sie selbst und ihren Kreis einen Wert hat. sondern die auch für die Ortsgruppe und damit für den Bund, zu dem sie sich zählen, Bedeutung hat. Wie diese Form aussehen wird, kann heute noch keiner von ihnen sagen, nur dass, sie notwendig ist, wissen sie, weil alles Dasein, das einen Sinn in sich trägt, gestaltendes und gestaltetes Dasein ist. Von den übrigen Gruppen lässt sich heule schon eher sagen, wie sie ausseben sollen, weil die Grundlage, auf der sie bauen wollen, zum Teil schon da ist, und weil bewusst auf sie hingearbeitet wird: die hündische Haltung. Um den Willen zu dieser Haltung ist es uns sehr ernst, queh. und gerade um unserer geistigen Arbeit willen. Denn wir haben begriffen, dass alle Arbeit, alle' geistige Auseinandersetzung erst da fruchtbar werden kann, wo sie auf eine bestimmte menschliche Haltung bezogen ist. Deshalb beginnen wir jetzt damit, (seit Günter mit seinen Leutep bei uns war, wissen wir, das? wir von vorn anfangen müsseo), unsere Menschen auf .sich. seihst zurückzuführen, sie freizumachen von allen .unechten Bindungen, %’on Angelesenem und Angelerntem.’ Die Küken und Pimpfe sollen in ihren Gruppen durch wilde Lieder und Spiele wachgerüttelt werden;, sie müssen zu starken und frohen Menschen «erzogen werden. Bei den Mittleren .genügt.das nicht allein.. Denn Mädels und Jungens von: 15 Jahren. und darüber' haben. sich schon Gedanken gemacht, wo sie eigentlich stehen und was hie wollen. Mit ihnen kann und wird man über die Fragen sprechen, die, die Grundfragen unseres Daseins sind und die, wenn sie geklärt sind, in unserem Handeln zum Ausdruck kommen, wenn sie nicht geklärt sind, in unserem Versagen. Nur wer Haltung hat, kann Gemeinschaft verwirklichen. Es kommt uns nicht allein darauf an, einen schwungvollen Gruppenbetrieb zu machen — jedenfalls nicht als Selbstzweck — sondern darauf, jeden einzelnen menschlich zu führen und ihm zu helfen, dass er ein Kerl wird. Wenn wir alle in^dieser Weise aufgelockerl sind, frei geworden zu uns selber und zu den Verpflichtungen der Gemeinschaft finden, (wobei, wie schon angedeulel, bei Pimpfen und Mittleren verschiedene Wege eingeschlagen werden müssen), dann erst können wir richtig lernen. Denn es kommt uns nicht darauf an, uns Bildungsstoff anzueiguen, sondern allein-darauf, dass alles, was wir arbeiten, uns zu den Wurzeln unseres Wesens reicht. Dazu müssen wir erst begriffen bähen, wo diese Wurzeln sind. Was an Lernstoff bewältigt wird, wird in den einzelnen Gruppen verschieden sein. Sehr viel jüdische Geschichte, das steht fest, deutsche und jüdische Musik, deutsche und jüdische Dichtung. Wie wichtig das Singen ist. haben wir endlich auch erkannt. Jeder einzelne, ob Pimpf, ob Mittlerer wird sein selbst geschriebenes Liederbuch haben, und nach ungefähr einem Monat wird jede Gruppe anfanueu, sich ein Grnppenliederbuch zu schreiben und es mit Zeichnungen zu versehen. Da kommen alle die Lieder hinein, die die Gruppen am meisten jind an. liebsten singen. Dieses Grupper.liederbuch wird einmal genau so das Gesicht der Gruppe zeigen wie das Buch, das die Berichte über die Heimabende enthält. Aber nicht nur die einzelnen Gruppen werden ein Gesicht bekommen, sondern die ganze Ortsgruppe — durch die enge Zusammenarbeit aller Führenden. Später wird sich aus dieser Zusammenarbeit ein Gesprüchskreis entwickeln. Nur wenn eine Ortsgruppe ein einheitliches Gepräge hat. können gemeinsame Feiern, wie z. B. Freitagabend-Feiern und Ortsgruppensingen, gelingen. Auf diese Einheit und Einheitlichkeit wollen wir binarbeiten, damit auch unsere Ortsgruppe imstande sein wird, verantwortlich mitzuschaffen an den Aufgaben junger jüdischer Menschen in Deutschland. Alice Apt. Ortsgruppenleiterin des Bundes Deutsch-Jüdischer Jugend in Königsberg. ■ Das ist Po ... Das ist A\l ... Das ist Dorli,. . . Fragt nicht, warum er so " Er hat eine Berliner ■ heisst, die Erklärung wäre‘ Schnauze, .wie sic eigentlich viel zu lang Wenn ihr ihn nur im Sprichwort vorkommt. ” ', kcnncnlcrnt. lasst euch ein- - ‘-Als wirfrüher einmal in mal die Geschichte von Bar- " Sic ist das Gegenstück zu ■Dresden ' auf Fahrt waren. . . . . ,herina erzählen. Akl lacht, Akl. Dorli „lacht nie nic/if . entsetzte er dort einen braven 'wie kein anderer Junge von Sie kämpfte auf der Fahrt ’ * Afönn. der ' uns fragte" .; ' uns lachen kann. Wenn ihr - einen wilden Kampf gegen ' „Warum seid ihr .eigentlich ’ in Berlin einen Jungen trefft, - einen Ketscher und ein paar * ’ hierher auf Fuhrt gegangen?” der so lacht, dass jeder von. Dotnenbüsche aut. Das war mit det Antwort: „Wir ' euch mitlachen muss, dann das einzige Mal. wo sie nicht wollten uns euer Dorf mal gehl auf ihn zu und sagt: lachte, aber da, lachten wir ansehen” * - 1 „Bereitschaft. Akl• - ' - * anderen dafür um so mehr... I 1 «L