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Central-Verein-Zeitung · 1935-04-24 · 17 (24.4.1935) · page 10

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
17 (24.4.1935)
Date
1935-04-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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in einem auf der' südägyptischen Insel Elephantine au?flcflrnßcncu Tokumeitt über die {ycicr des Peßachsestes in den inneren Betrieb des jüdischen Lebens eingreist. Aus dieser ..jüdischen Abteilung". der er als Sofer. zu deutsch „Schreiber", d. h. also Ttaatssetretär, augehörte, ist ESra hervorgegangen. In diesem Rang geht er im Jahre 558 mit königlicher Äestalluugsurkunde nach Jerusalem. Was machte seine Reise notwendig? Mit ständig wachsender Sorge verfolgten die babylonischen Juden die Entwicklung im heiligen Laude. Tie achtzig Jahre nach der Heimkehr batten schwere Enttäuschungen gebracht. Der Enthusiasmus der Erulanten hatte nicht hingereicht. Positives zu schaffen. Rach Ueberwinduug großer politischer Widerstände hatte man zwanzig Jahre nach der Rückkehr endlich den Tempel vollendet. Wie kontrahierte aber alles mit dem erträumten Glanz! Wir können nns das kleine Gemeinwesen, das aus dem noch in Trümmern liegenden Jerusalem und den Landstätten der nächsten Ilmgebmig bestand (das ausgedehnte Reich haben.erst die Hasmonäerfürsteu begründet, kaum kläglich gering Vörstetten. Ringsherum Feinde und Neider, die sich nicht von dem inzwischen eingenommenen Boden verdrängen lassen wollten. Und inmitten dieser Trostlosigkeit steht der Tempel, dürftig in seiner Ausstattung, durstig besonders deshalb, weil ihm der wahre Grundstein fehlt: die Tora. Wir stehen vor einer überraschenden Erscheinung. Tie babylonischen Juden, die den Zug nach Jerusalem nicht haben mitmachen wollen, sind in ihrem Judentum gesichert, weil sie die Tradition eine? intensiven, von der Tora beherrschenden Gemeindelebens im Kamps um ihre geistige Selbstbehauptung ausgebildet haben. Bon der Assimilation gefährdet, aufs äußerste gefährdet sind dagegen die nach Palästina steinigekehrten Juden und ihre Nachkommen. A!an hat abermals die Erfahrung gemacht, dast der Glaube, naiv'selbstverständkich leben zu können, für den Inden ein Irrglaube ist. Als der heilige Rest ist man hiuausgczogcu. Jetzt ist das längst vergessen. Tie Tora kennt man nicht, ein Gememdeloben gibt es nicht, längst ausgegeben ist der Gedanke, die Gemeinde der Heiligen mit dem reinen' Glauben darzustellen. Fremde Kulte dringen durch Mischehen ein, heidnische Einflüsse drohen das Judentum zu überwuchern. Wir können un8 die erregte Spannung der babylonischen Juden vorstcllcn, mit der sie die Verhandlungen verfolgen, durch die der Großkönig Artaxerxcs I. bewogen werden soll. Esra zu entsenden. Und tief muß die erwartende Erregung gewesen sein, als er nun, mit außerordentlichen Vollmachten und erelntvrischer Gewalt ausgestattet, an der Spitze erncr großen Schar, beladen mit Weihgaben des Königs, seiner Großen und der jüdischen Gemeinden, den Zug nach Jerusalem antritt. Sein Auftrag lautet, wie eS im königlichen Ferman. heißt, dahin, das Gemeinwesen in Jerusalem aus der Grundlage der Tora zu reorganisieren. Ungeschrieben trägt er den gleichen Auftrag von seinen Brüdern mit sich, ungeschrieben die Tradition eines neuen Lebens, mit der er sich vollgelogen bat. . Jetzt sollen auch die Juden in Palästina ein wirkliches Zentrum erhalten, indem sie sich in der von den Propheten gelehrten Weise selbst begreifen lernen. Nur so können sie selber Zentrum werden. In feierlicher Versammlung wird die Tora vor allem Volk verlesen und ins Aramäische übersetzt, das man seit dem Erik sprach. (Ätan beachte diese Tatsache. Die Wiederbelebung des Hebräischen als Berkchrssprack)e überspringt also eine Zeit-. spanne von 2500 Jahren.) Die ungeheure Ergriffenheit des Volkes leitet er in die Freude des wiedcrbelebten Hütteufestes über, mit sie dann schließlich in einer Bußversammlung auszusaugen. Ter hierbei gesprochene Vnßpsalm ist eine klassische Fassung der jüdischen Selbstdarstellung. Zwischen Bund und Bundesbruch, zwischen Verwerfung, Gnade, neuer Schuld und Erlösung spannt sich der Lebensraum Israels. Und ehe dieser Rahmen ausgesüllt 'ist, ist man überall, auch iu Palästina im Golus. Die'Schaffung der Gemeinde der Heiligen ist Vorbedingung des Kommenden. Und von hier aus ist Esras Forderung der Auflösung der Mischehen zu verstehen. Man verkennt sie, wenn man darin unter dem Einfluß gegenwärtlger Auffassungen ein Rassegesetz sehen will. Tie Tora wird Mittelpunkt des neuen'Gemeindelebens. Ter Gottesdienst mit Tora-, Prophetenvorlesung. Hebersemmg und Predigt formt das Volk. Ter aus.Jerusalem beschränkte Tempcldienst steht mit seinem Glanz daneben. Wirkliches Bitdungselement dagegen wird die Synagoge, die au keinen. Ort gebunden ist, und darum das tägliche Leben eines jeden bestimmt. Sie beherrscht es, weil sie wirklich Grundgesetz des Gemeinwesens ist. Mag der sprühende Glanz des prophetischen Enthusiasmus vielleicht vermißt werden, es^galr ihn einzudämmen, um ihn dem Leben und seiner Sättigung dienstbar zu machen. Tie Auslegung der Tora wird auf diesem Wege Notwendigkeit. In ihr gibt sie den Fragen einer jeden Zeit Antwort. Und so legen sich immer neue Kreise der Aitslegung um die Tora, die Mischna, die Gemara. die Tezisorcn des Mittelalters über Maimonidcs und Joseph Karo bis hin zur Gegenwart. Das jüdische Bewußtspin vergißt dabei bezeichnenderweise, daß Esras Beiname „Soser" den persischen Beamten bezeichnet und sielst in ihm das Borbild und den Anfang aller Auslegung, den ^christgelchrten. Tie Kraft der Hoffnung aber kreist um die Tora in den Gebeten, die in immer neuen Wendungen ihre Verheißungen und Warnungen wiederholen und sich nicht darin genug tun können. In Auslegung und Hoffnung will sich die wahre Gemeinde gestalten. Tie Kraft des Glaubens an das wahre Israel hat ihre Spannung nicht nur am Judentum bewährt, im früheren Ehristentum hat diese von Esra in den Vordergrund gerückte Idee abermals weltgeschichtliche Bedeutung gewonnen. In der Auseinandersetzung mit dem Perserreiche haben Griechentum und Judentum ihre maßgebende Form erhalten als zwei geschichtliche Mächte. Mißt sich die Größe einer Persönlichkeit an der Kraft, mit der sie der Zeit standhält, so ist Esra eine weltgeschichtliche Persönlichkeit geworden, weil er den gewchtigeu Ausmaßen seiner Epoche genügt hat. In einer Zeit, die die Zukunft geprägt hat, hat Esra selbst bewußt den Prägestempel geführt, geführt mit dem bcscheideneu, demütigen Stolz, der darum weiß, Werkzeug eines Höheren zu sein. 3*(-1/ London. Das British Museum hat am 17. April eine Ausstellung von Handschriften und Frühdrucken der Werke Maimonides' eröffnet. In der „Bodleiana", der berühmten Universitätsbibliothek von Oxford,.' wurde am 15. April eine Ausstellung von Manuskripten Rabbi Mosche beu Maimous eröffnet. Tie Ausstellung, die 14 Tage lang geöffnet bleibt, umfaßt auch Frühdrucke der Werke Maimouides' und Uebersetzuugen. Unter den Manuskripten ist das der Mischne Thora mit Maimouides' Unterschrift besonders hervorzuheben. Ncw-Hork. Tie Reihe der vom amerikauischen MaimouideS-Jubiläumskomitee vorbereiteten Kundgebungen wurde am >4. April mit einem eindrucksvollen Festbankett im Pennsylvania-Hotel feierlich eröffnet. An der Veranstaltung nahmen Vertreter von elf jüdischen Organisationen sowie zahlreiche führende jüdische und nichtjüdische Persönlichkeiten teil. Eine Begrüßungsansprache hielt u. n. auch der Washingtoner spanische Gesandte. Wien. In der größten Synagoge wnrde die offizielle Ataimonides-Feier der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde abgehalten. In Vertretung des Staatssekretärs für Unterricht war zu der Feier Ministerialrat Tr. Eberstaler erschienen. Auch die Universitätsbibliothek, die Vaterländische Front, der Wiener Magistrat und die Polizeidirektion hatten Vertreter entsandt. Die staatliche Akademie der Wissenschaften hat anläßlich der Maimonides-Feier an den Präsidenten der Kultusgemeinde ein Schreiben gerichtet, in dem es u. a. heißt: -„Die Akademie nimmt aufrichtigen Anteil an dem verehrungsvollen Gedenken an den großen Forscher und Gelehrten, dessen hervorragende Werke nicht nur von entscheidendem Einfluß auf die Entwicklung der jüdischen Theologie, sondern auch von großer Fruchtbarkeit für die mittelalterliche Philosophie, Naturwissenschaft und Medizin wurden." Frankfurt a. Main. Die Gemeindeverwaltung hatte die Gesellschaft für jüdische Volksbild'ung und das Jüdische Lehrhaus mit der Ausgestaltung der offiziellen Maimouides- Gedenkfeier betraut. Die Veranstaltung wurde eiugeleitet durch den Ehr eure ich scheu Ka'mmerchor. Noch einführenden Worten des Gemeindevorsitzenden, Justizrat Dr. Blau, hielt Dr. Jacob Hurowitz die Gedenkrede, in der er die Bedeutung des Maimouides für das Judentum au den drei großen religiösen und philosophischen Werken des Gelehrten darstellte. Dabei wurde die alle Zeiten überragende geistige Tat dieses jüdischen Deukers iu klaren Umrissen gezeigt. ^.Kammersänger Benno Ziegler trug zum Schluß der Veranstaltung einen hebräischen Gesang vor. Aus dstilaß des Maimonides-Jubiläums findet iu den Räumen des Museums I ü d i s ch e r A l t e r t ü m e r eine interessante Ausstellung von Handschriften und Drucken statt, die von Professor Dr. Freimanu unter Mitwirkung von Tr. Gun* dersheimer aus öffentlichem und privatem Besitz zusammengestellt sind. Sir Wen im Slömerreich In dem der Universität M ii n ft n nohestchen. den „Historischen Verein" hielt Universitätsprofcssor Lic. Werner Foerstcr kürzlich einen Vortrog „Die I u b c n im Römischen 3i e t ch", der mit großem Interesse und Beifolk ausgenommen wnrde. Im römischen Kaiserreich lebten, wie Prof. Focrster ousführte, über vier Millionen Juden, die bis zu acht Prozent der Gcsamtbcvöllcrung ouSmachten. Ihrer Rechtsstellung nach waren die Juden römische Staatsbürger: sie genossen Glaubensfreiheit und waren vom Heeresdienst und Kaiserkult befreit, sie konnten aber, weil sic die heidnische Gottesverehrung (den Kult der Slaatsgottheiten) ablehnten, keine Staatsbeamte werden. Bei der BerusSstrnktur der Juden in der antiken Welt steht der Handel an erster Stelle, ober auch als Handwerker sind Juden zahlreich tätig' gewesen. Während es z. B. in Alexandria den Juden wirtschaftlich gut ging, lebten sie in Rom grösstenteils in bitterer Armut. Manche der römischen Kaiser begünstigten die Juden, während viele Stadtgemeinden ihnen scuidlich gesinnt waren. Sehr ungleichmäßig war die Einstellung der Römer zum Judentum: während einerseirs viele Römer daS Judentum mißachteten und der antike Antisemitismus stark verbreitet war. begeisterten sich andererseits iveite Kreise für den jüdischen Glauben und traten zum Judentum über. Alsteö @tsrn<S3icn in Mus Bor kurzem veranstaltete das „Rapprochement Uniocijitairc" (Die Vereinigung der Professoren der Sorbonne und des Eollbguc de France) im Professorensaal der Universität einen Empfang zu Ehren des seit dem vergangenen Jahr an der Sorbonne wirkenden österreichischen Philosophen Dozent Tr. Alfred Stern. Ein großer Teil des Professorenkolleginms beider Hochschulen, an seiner Spitze der Dekan der philosophischen Fakultät, Delacroix. nahm an der Veranstaltung teil, bei der der Präsident der Vereinigung. Professor Rouge die Verdienste Dr. Sterns würdigte. Ter Wiener jüdische Gelehrte hält gegenwärtig an der Pariser Universität ein Eolleg über „La Philosophie des Valeurs". sowie Vorlesungen über den phhsikalistischen Reovoiivitismus des „Wiener Kreises." Oberrabbiner Da Fano gestorben. Im Alter von 88 Jahren ist der Lberrabbiner von Mailand. Tr. Alcssandro Ta Fano. gestorben. Tie Beisetzung fand am Tienstag. 10. April, statt. Lbcrrabbiner Da Fano stand an der Spitze des italienischen Rabbinerrats. Seit dem Jahre 1R92 war er mit dem gegemvärtigen Papst PiuS XL eng befreundet, den er in der hebräischen Sprache unterrichtete. dition reichen Stadt Polens, erlebte er schon frühzeitig jene Sturm- und Drangperiode, die so bezeichnend für den Geisteszustand jener Generation im östlichen Kulturbezirk war. Wie seinen Vorgängern, war auch ihm, dem Rastlosen und ewig Suchenden, die alte Welt des Judentums zu eng geworden. Sein vorwärtsstürmender Geist lehnte sich in die Ferne, zum Lieht der Ausllärmig, zur Bildung und Wettossenheit. Er machte sich die Parolen seines Zeitalters zu eigen, strebte seinem Vildungsideal nach und gebrauchte im Kampf um die Aufklärung ihre eigeiicn Waffen. Er schlägt daher in den Dichtungen dieser Zeit den kritisch-satirischen Ton des Aufklärers und Spötters an und verlacht all das. ivas ihm als Stillstand, als Rückschritt oder Obskurantismus erscheint. Seine Aufgabe sieht er in dem Ziel, das Volk zu bilden, um, wie er in einem seiner Aufsätze ausspricht, „aus Fanatikern gebildete Menschen, aus Luftmeuschcn Arbeiter, produktive, nützliche Menschen" zu machen. Seine beißende Satire geißelt den religiösen Verfall, den Aberglauben, der Hand in Hand mit der Unwissenheit geht. Perez ist aber zugleich ein ivarmer Fürsprecher der Armen und Unterdrückten. ein meisterhafter Schildcrcr des Ghettoelcnds, ein Ankläger der unwürdigen und unmenschlichen Lebensvcrhältnisse, unter denen eine gequälte, verarmte Volksmasse vegetiert. Diese Erzählungen sind von einem starken sozialen E pH o 'i getragen, wobei auch die Lage der jüdischen Frau und Mutter, ihr Heroismus im Kamps yms tägliche Leben, ihre Entsagung an der Seite ihres ManneS, dem Thora-Lcrner, dem sie die Last der Familicnsorgen abnimnst. um ihm ein sorgenloses Studium zu ermöglichen, packend geschildert wird. Allein eine so durchaus eigenartige wie tiefsinnige. aller lebendigen Kultur weit geöffnete künstlerische Individualität wie Perez. läßt sich nid: von einer Seite her schematisch beurteilen und erfassen.- Perez ist der Dhnämiker der jiddischen Literatur. Er, der Kämpfer für soziale Gerechtigkeit, der Rationalist und Aufklärer, der Weltverbesserer ist zugleich der Grübelnde, der Träumer, der Romantiker und Jrrationalist. Daher ist auch [eine Dichtung vielseitig und vielgestaltig. Sie schillert in allerlei bunten und zauberhaften Farben, setzt sich aus mannigfachen Kunstformen und Stilen zusammen. Reben epischen Erzählimgssormen. neben plastischer Gestaltungskraft tritt romantische Vcrklärtheit und mystischer Symbolismus auf. Weil Perez unter der inneren Gegensätzlichkeit, unter dem Widerstreit der Gefühle, unter der Zerrissenheit des Jchs leidet, ist er rastlos, nie erfüllt und nie befriedigt. Seine Seele, wie die seiner Helden, ist zu ewiger Qual und Ruhclosigleit, zum steten Umherirren in einer Welt der Dunkelheit verdammt. Sie sucht verzweifelt nach einer guten Tat, nach Innerlichkeit und Wärme, nach Schönheit und Größe. Daher auch die erklärliche Sehnsucht des Dichters nach Weltganzheit, nach Eingliederung in einen Organismus und Bodcnständiglcit. In diesem unsagbaren Drange kommt er zur Welt dcS Chassidismus, in deren geläuterter Gläubigkeit er seine Erlösung und Befreiung zu finden hofft. Aus der Vergangenheit und Gegenwart des Chassidismus kommen ihm verjüngende Kräfte zu. iu dieser einzigartigen Welt der Mystik findet er tiefe Weltanschauung und Verklärung. Mit hingebungsvoller Liebe vertieft er sich in der chassidischen und volkstümlichen lleberlieferuug, holt aus den Urtiesen der Volksseele reiche, ungeahnte Schütze hervor, die er in seiner ihm eigenen Weise, mit seiner eigentümlichen Tönung und Färbung umdichtet und umgestaltct. Hier entdeckt er die 'Licblingsgestalt der chassidischen Legende, jene Gestalt, die herzenSrein, inniglich und unbeirrt lebt, das Leid und den Widerspruch des Lebens in ihrer Gottläubigkcit. in ihrer stillen Jnverstcht überwindet. Die seelische Grüße dieser Menschen besteht nicht in großen, imposanten Heldentaten, m einer Glorifizierung und Anbetung der physischen Gewalt, sondern sie offenbart sich in Milde und Barmherzigkeit, iu einer tiefempfundenen Inbrunst, in dem Unaussprechlichen' in dem stillen tonlosen Gesang, in der Melodie des Herzens, in dem stummen Zwiegespräch zwischen Mensch und Sott. Der Höhepunkt des Gesanges, durch den sich der Mensch Gott nähert, sagt Perez in einer seiner berühmten Erzählungen „Kabbalisten", ist jenes innere Singen, das ohne Stimme gesungen wird, es ist lautere Geistigkeit. Für die kämpferische Aktivität eines Perez mußic natürlich das Problem der Einzelpersonlichleit eine zentrale Stellung einnchmeu. In seinen, von einem eigenartigen Kolorit getragenen volkstüinlichen wie chassidischen Erzählungen und Geschichten entdeckt uns Perez die innere Größe des unbekannten und verborgenen Gerechten. Er lebt unter den Einfachsten und Geringsten. Je unscheinbarer er nach außen hin wirkt, um so tiefer glimmt die leuchtende Flamme seiner Innerlichkeit, seiner Kraft und Herrlichkeit. Durch den Reichtum seiner Seele, durch die Kraft seiner Persönlichkeit und seines Glaubens ist er imstände, Welten zu zerstören und wieder ainziibauen. Hier wie in seinen dramatischen Meisterwerken kämpft Perez gegen die Mittelmäßigkeit und Halbheit des Menschen. gegen jenen Glauben, der klein, tatenlos und ohne Innerlichkeit ist. Er verlangt von dem-Menschen den Einsatz seiner ganzen Persönlichkeit. Er ruft ihm zu: Bleib dir selbst treu. Die Tragödie des Chassidismus und damit des jüdischen Volkes, wie sie meisterhaft und packend in der „Goldenen Kette" geschildert wird, besteht in der Kleinmütigkeit und in dem Unglauben der Welt. Der Hauptheld dieser dramatlsch.symbolischcn Dichtung, R. Salomon. der die tragische Gestalt der großen Persönlichkeit verkörpert, will die Welt durch die Kraft des Glaubens erlösen. Er will den Alltag durch den ewigen, freien Sabbat ablösen, der Mittelmäßigkeit in der Welt draußen eiü Ende bereiten. Aber er scheitert an seinem Erlösimgswcrk. weil sein Geschlecht kleinmütig und ungläubig ist. 'Es fehlt ihm die Ausdauer, die Kraft des AuSharrenS im Kampfe um die Befreiung. Mit N. Salomon scheint auch Perez in seinem -Befreiungskämpfe gescheitert zu sein. Seine symbolisch-dramatische Dichtung „Die Nacht auf dem alten- Markt" -verrät tiefen Pessimismus und 'grenzenlose Mutlosigkeit. Das Leben draußen, die Härte' Wirklichkeit hat sich behauptet. Der graue Alltag hat gesiegt, und Perez sucht hier seine Zusl-ucht im Snmbolismus. wo die Wett unwirktich geworden ist und nur noch in Zeichen redet. Statt der handelnden, kämpfenden Menscheu erleben wir hier mir noch Menschen-. Schatten, sich bewegende, kriechende Leichuainc. das Mysterium einer toten, schattenhastcu Welt. Perez. wie wenige seiner Zeitgenossen in der jiddischen Literatur, war durch viele Echulen und Richtungen der europäischen Literatur und ilnItur gegangen. Er kam von Heine, Börne und Chamisso, war ein stiller Anbeter des deutschen Klassizismus, stand unter dem starken Eindruck besonders der russischen Reoromantik und fand in dem seinen Mystiker und Philosophen, dein Flamen Maelerlinl Anregung und Vorbild. Tabei - war er zutiefst in seinem Judentum verwurzelt und allen geistigen Strömungen der jüdischen Kultur iveit geöffnet. Daher die Fülle seiner künstlerischen lULittcf, das eigenartige Kolorit seiner Schilderungen und die innige Schönheit. der leise Stimmungston seiner fremdartigen Welt. Zu groß war der Reichtum seiner Seele, zu stark die Glut seiner aufgewühlten und kampE erfüllten Gefühlswelt, um in seinem künstlerischen Schassen Ruhe und Stillstand zu erfahren. Seine Kunst ist daher vom Geist des Nie-Fertigen. des Rie-Abgeschlossen-Seim und vom Ewigen Ringen mit der Menschheit und Gott getragen. Dt. Jakob Mehlis. Das „Aufbringungswcrk" der Jüdischen Gemeinde zu Berlin gibt eine Werbeschrift mit dem Titel „4 M — Mipri Ho.orez — Maimonide-s — Mazzoh — Maasier" heraus. Hier wird über verschiedene Dinge, die äußerlich voneinander abweichen, aber dennoch zusammengehören, gesprochen: Vom Gedeihen des Landes Palästina, von Maimouides als Zeugen dafür, daß der Wasjc des Geistes eine ebenbürtige Bedeutung zukonuri!. vom Pessachfest als dem Fest der Befreiung, 9» tragen von der Verantwortung für die Gemein« schüft, und vom Zehnten, der Hilfe des einzelnein für die Gesamtheit. Tie schön ausgestattete Schrill schließt mit einer Uebersicht über die Fortschritte der Berliner Gemeindearbeit in den letzten vier Monaten. e. 6. L.

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