Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 16 (17.4.1935)
- Date
- 1935-04-17
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Blatt der Deutschen Jüdin Nummer 3 Beiblatt der C.-V.-Zeitgng 17- April 1935 „Ein Wort an das Frauenzimmer “ Aus dem „Sefer Kehillat Schelomoh“ von 1868 „Dieses keusche und tugendhafte Benehmen der frommen Frauen hatte zur Folge, daß trotz dem ruchlosen Streben der Aegypter. sie, die Kinder Israel, zu vermindern, diese sich desto stärker vermehrten, so daß sie bald zu einer Volksmenge von 600 000 Männern heranwuchsen . . . Dieses fromme und edle Verhältnis des. schönen Geschlechtes, welches zur Erlösung der Kinder Israel auS der ägyptischen Sklaverei so viel beitrug, mag auch wohl die Ursache sein, daß daS Hauptgeschäft, das Haus von Ehomez zu säubern, die Gefäße zu reinigen, zu glühen, zu kaschcrn usw., den frommen Hausfrauen anvertrauet, und zur Sorge übertragen wurde . . . Es ist aber ein übertriebener, nachtheiliger und tadelhafter Gebrauch, daß manche Frauen schon drei bis vier, sogar acht Tage vor Pessach in den ausgeputzten und gereinigten Zimmern nicht mehr erlauben, darin zu speisen, und selbst bei nasser und kalter Witterung ihren Hausleuten im Vorplätze oder im Hofe zu essen geben; diese übertriebene Vorsicht ist nicht nur der Gesundheit der Hauslcute nachthcilig, den Kindern sehr schädlich: sondern man ist noch dem ausgesetzt, durch das schnelle Tragen des Chomcz von einem Orte zum anderen, etwas davon zu verlieren, welches verscheuert werden kann, und in irgend einem Winkel über Pessach liegen bleiben könnte. Lasset eure Hausleute also lieber im gewöhnlichen Zimmer ihr Brod mit Ruhe verzehren, leget ein Tuch oder einen Teppich unter den Tisch, und feget das Gemach immer gleich nach der Mahlzeit rein ans, so kommt das Hauspersonal nicht zu Schaden, eure Kinderchen werden gesund bleiben, und kein Chomcz wird sich im Winkel verstecken." JÜDISCHE FRAUENGESTALTEN Rahab Das sind die vier schönsten Frauen, die man auf der Welt gesehen hat, seit Eva aus Adams Rippe entsprang: Sara; Zlbigail; Esther; und Rahab. Fragt aber jemand: wie kommt die Buhlerin von Jericho in die Nachbarschaft der Königin Esther und der Stammutter Sara? — So ant- Worte ich ihm: Nicht nur wegen ihrer Schönheit ward ihr diese Gunst zuteil. Sondern dies ist ihre Geschichte. Rahab. die Buhlerin, wohnte lange Jahre in einem Häuschen für sich an der Stadtmauer von Jericho. Sie war ein Kind, als Israel aus Aegypten zog; und alle die Jahre, die Israel in der Wüste umher wanderte, ließ sie nicht ab von ihrem losen Tun. Immer noch war sie so schön, daß jedermann ihr erlag, wenn er nur ihre Stimme hörte. Da blickte sie eines Tages zum Fenster hinaus und sah durch die Straßen der Stadt Jericho zwei Männer ziehen, einen Greis mit langem weißen Bart und einen Jüngling mit glattem Kinn. Verstaubt waren ihre Mäntel und blutig ihre Füße vom langen Weg; und sie riefen laut: „Kaust Töpfe, kaust neue Töpfe!" Aber das Volk achtete ihrer nicht groß, uüd jeder, der vorüberging, verspottete sie. Da öffnete Rahab ihr Fenster und rief: „Kommt herauf, ihr Männer! Töpfe kann ich brauchen!" — Und sie nahm die fremden Männer freundlich auf, gab ihnen zu trinken und zu essen und Wasser, ihre Füße zu waschen. Sie aber vertrauten ihr: „Wir sind Boten von Josua, dem Führer der Juden. Wir sind gekommen, um das Land unserer Väter wiederzucrobern — denn uns gehörte einst das Land, das Du bewohnst, und hier weideten die Herden unserer Väter. Sage uns nun: willst Du zu uns halten und uns nicht verraten? Wenn nicht, so müsien wir weiter ziehen." — Kaum hatten sie ausgesprochen, da pochte es laut an der Tür: „Mach auf — im Namen des Königs!" Abend in einer alten Synagoge Vortragsabend Edith HerrnstadUOettingen Es ist eine kleine, alte Synagoge in der östlichsten Stadt Deutschlands. Helle Holzbänke mit aufklappbaren Pulten. Ein schöner, alter Thora» schrein, gekrönt von einem goldenen Adler und zwei ihn flankierenden goldenen Löwen. Die Krön» lenchter brennen und verströmen ihr Licht, dessen Reflexe auf den alten Leuchtern blinken. — Es ist Wärme und Geborgenheit in der kleinen, alten Synagoge in der östlichsten Stadt Deutschlands. Vor dem Allcrheiligstcn, vor dem Betpult des Rabbiners, steht heute ein einfacher Lehnsessel. Von hier aus spricht eine schlanke, dunkelhaarige Frau, spricht Edith Herrnstadt-Oettingen zu den stillen, meistens blassen und nachdenklichen Menschen, die sich im Schiss der kleinen Synagoge versammelt haben. Vielleicht ist es schon der eigenartige Nahmen, der die Herzen dieser Menschen gleich bei der Frage des sich seinen Brüdern offenbarenden Josephs „Lebt mein Vater noch?" aufhorchen läßt. Diese Frage, von der metallischen und doch weichen, alle Register echten Gefühls beherrschen» den Stimme der dunklen Frau gestellt, schasst den Grundton dieses Abends. Diese Frage lockert die Seelen auf. die hart geworden sind in der Entlegenheit dieser Stadt und im Schicksal der letzten Jahre. So wird sofort die Stimmung vorbereitet — für die Melodien der Dichtungen, die hier heute erklingen sollen. Denn Melodien sind es . . . nicht nur die Worte, die immer echte Kunst in einer lebendigen Sprache geben, wirken so. sondern auch in der Art der Herrnstadt-Oettingen zu sprechen, liegt eine geheime und beseligende Musik. Es sind oft harte Rhythmen. Rhythmen, wie das Leben sie nun einmal schafft . . . aber alles, was sie spricht (ausw e n d i g spricht, das ganze lange Programm!) ist getragen von einer inneren, edlen Musikalität und von . . . unerschütterlichem Gottvertraucn! — Da8 i st es! Die Unerschüttcrlichkeit eines blindlings auf Gott fest vertrauenden, schöpferischen Menschen! Davon werden alle gepackt, davon werden alle mitgerissen. Ob eS Salomo ist, der zum Herrn betet oder ob der Nimerower Rabbi durch die einfache, verstohlene Güte seines Herzens „noch höher" als in den Himmel fliegt oder ob Manfred Sturmann in seinem „Menschenspruch" die Beschwingtheit des geistigen Juden gibt oder ob im „Jeremias" immer wieder sehnsüchtig, sehnsüchtig nach dem alten Traum des Wandervolkes, nach Jerusalem, gefragt wird . . . immer ist in der Stimme dieser Frau, auf ihrer klaren Stirn, in ihren klugen und vom Leide ihres Volkes wissenden Augen, ja sogar in den spärlichen Gesten ihrer Hände das felsenfeste Vertrauen aus Gott! — Er wird helfen . . . wie er Mendel Singer im „Hiob" geholfen hat. Mendel Singer, der seine Gcbctriemcn verbrennen wollte, der mit Gott haderte, als ihm die Frau starb und die Tochter irre wurde. Derselbe Mendel Singer, der dann von diesem verlästerten Gott auf eine unerhörte Weise begnadigt, erhört und gesegnet wird. Durch ein Wunder, wie es jeder von uns alle Tage noch erleben kann, wenn er nur glaubt! — Im Banne der großen Dortragskunst der Edith Herrnstadt- Foto: Atelier Jaeobl (Berlin) Oettingen sind alle hier Mendel Singers, jeder hat schon einmal verzweifelt, jeder hat einmal im tiefsten Innern abtrünnig gelästert und jedem kann alle Tage das große Wunder Gottes gefchehen. Beifall darf in der alten Synagoge natürlich nicht geklatscht werden. Wer die feucht und doch glücklich schimmernden Augen und das zitternde Aufatmen der Menschen, die Edith Herrnstadt-Oettingen heute horten, sagen genug! * Als man sie dann am nächsten Tage spricht, diese Edith Herrnstadt-Oettingen, da hört man. was man schon geahnt hat: Daß sie wirklich fest verankert ist in einer unerschütterlichen, echt jüdischen Frömmigkeit. Und daß sie die Kunst, ihre große Kunst, als Brücke ansieht, auf der sich die jüdischen Menschen aller Richtungen treffen können. Daß sie ihre große und reife Kunst als Band geben möchte, das einigend alle Juden umschließt, welche Zukunstshoffnungen sie auch immer haben mögen. Wird sie dieses Wunder vollbringen? — Für Stunden ganz gewiß! Für die Stunden, da sie vor ihren jüdischen Brüdern und Schwestern spricht! Denn waren wir in der alten, kleinen Synagoge nicht alle Mendel Singer, der von Gott auf so wunderbare Weise begnadigt wurde? Liso Lewinneck (Königsberg i» Pr»)- ttlllllllllllllllllllllillüllllillllllllllilllllllllllllllllliiSIIIIIIIIIIIIIIllllllM Rasch eilte sie aufs Dach, wo die Flachsstengel lagen, die sie dort zum Trocknen ausgebreitet hatte, und winkte den Männern, daß sie sich unter den Haufen verbargen. Dann eilte sie zur Tür und sprach: „Was wollt Ihr?" — „Gib unS die Männer heraus, du» bei Dir einkehrtenl" — „Es kamen wohl Männer." erwiderte Rahab; „aber bei Sonnenuntergang sind sie weitergezogen; seht, daß Ihr sie noch einholt!" Und die Verfolger setzten den Boten nach und liefen sich müde. Rahab aber ging in finsterer Nacht zu ihnen herauf aufs Dach und sprach: „Ich weiß wohl, daß Gott der Herr, Euch dieses Land zugesprochen hat — grade wie er damals das Schilfmeer um Euretwillen austrocknete und die Könige von Emori in Eure Hand gab. Denn Er ist Herr im Himmel droben und auf der Erde drunten . . . Darum bitte ich Euch: wenn Ihr wiederkommt, die Stadt zu erobern — rettet mich und meine alten Eltern, meine Brüder und Schwestern — laßt uns nicht sterben!" * Da erscholl eine Stimme vom Himmel und sprach: „Rahab. Rahab!", und sie sank auf die Knie und sprach: „Hier bin ich!" Und die Stimme sprach: .Lüeil Du dem glaubtest, den Du nie mit Augen sahst, sollst Du gerettet werden. Und weil Du für die Deinen batest, soll Dir Freude zuteil werden. So wahr Du lebst! Du wirst einen Sohn bekommen; und Deines Sohnes Nachkommt; wird erwachen und Dinge schauen, die noch Niemand vor ihm schaute ... zum Lohn Lotterie Glaser/Ralifior P(Buss.-Siidl Klassenlose JVoncstrasHo 14 Postscheck kooto Broslan 128*8 EDITH BACH •hem. »Nachtigall vom Rundfunk« ^•Attraktion für Ihren nächsten Unterhaltungsabend Berlin N 4, Chausseestraiee 6 , F«™ruf A 6. 7287 HOCHLEISTUNG^- Ofen WbahIung^Jgjg|U£tö6 gnSd B3UJNSM.& ORESDENEÄSIR.9a BAU OE COIOGNE mm fAEf.UMCO>OT|^i4j iEO« GEWÜNSCHT« mtsuoi ist votGE» SIHEN» PARFOM PUDER EAU DE COLGGNE 0*AT».VOR*»«ÜNO UNSERE VER KAUFGESCHÄFTE. Berlin, TaeentzlonstraOe 16 Essen, Umbedcerstrtifle 10 Bochum Kortunutrofle 67 Hamburg, Jungfernstteg 43 Essen,AmHauptbahnhoflO Frankfurt-M• Roßmarkt 15 Köln a. Rh„ Hohestraße 115 WapparU!-Elberf«!d,Herrt>c»tr.38 Zentrale» Ottenbach e. M. Heros Stenerreeht ° OQvlssnrecIsl Rechts», Steuer», Devisen- und AnswÄndcrangsangelogonheiton.berttoh Landgerlchtirat l.n. Dr. Paul Loowensteln, Dr. Paul Heinemann Jjechimstheleretr.9, L Tel« J1 Bi»m«ck8302. TeLAamelcL enr. Sternberg’s HaemoPhid» Bind« nach Ms3 Cbcrfottaflburf <, Biamarekstr. M. dafür, daß Du an Dinge glaubtest, die Du noch nie gesehen hast." * Und Rahab, die Buhlerin, kehrte um von ihrem Wege und ward Jüdin. Einige sagen, sie habe sich nachmals dem tapferen Josua vermählt. Der Sohn ihres Sohnessohnes aber war kein anderer als der Prophet Jeremia. Iparon» Die Rückkehr zur jüdischen Familie Die Rückkehr zur Familie ist eine der vielen Erscheinungen, die das vergangene Jahr mit sich gebracht hat. Rückkehr zur Familie bedeutet Rückkehr zum Judentum. In dem Jahrhundert des Fortschritts und der Technik waren uns Frieden und Weihe des jüdischen Hauses immer mehr und mehr verlorengegangcn. Tie Innerlichkeit jüdischen Familienlebens schwand immer mehr. lieber Geschäftigkeit und Betriebsamkeit des Alltags fand man keine Zeit zum Sabbatfrieden in der Familie, suchte Erholung und Zerstreuung außerhalb derselben und erübrigte kaum die Zeit, um wenigstens an drei Tagen tm Jahr traditionsgemäß, ohne große innere Anteilnahme, gewissermaßen mit der Uhr in der Hand, das Gotteshaus aufzusuchen. Heute haben die Juden zur Familie zurückgefunden und damit zum Ursprung ihres Wesens. So ist es natürlich, wenn sie die Verbindung mit der Geschichte suchen, wenn sie stolz darauf sind, einem der ältesten Adelsgeschlechter der Menschheit anzugehören. Die Beschäftigung mit seinen Ahnen, die Suche nach ihnen ist ja heute modern geworden, und in allen Kreisen setzt sich die Erkenntnis durch, wie wichtig und interessant es ist zu erforschen, „woher ich kam der Fahrt und wie mein Nam' und Art". Jeder, der sich einmal mit Familienforschung, und sei es auch nur innerhalb der eigenen Familie, beschäftigt hat. weiß, welche Bedeutung angesichts der vielen verschütteten Quellen den Senioren der Familie. der lebenden Tradition, zukommt. Wir wissen die Bedeutung der Tante mit den Pudellöckchcn auS „Jcttchen Gebert" zu schätzen, denn sie vermag uns Genealogen manchen Ausschluß zu geben über Fanülienzusammenhäuge. die wer sonst niemals ergründen würden. Diese Tradition jedoch fortzuführen auch in den jüngeren Generationen, ja selbst die Jüngsten für diese Tinge zu interessieren und zu begeistern, ist eine der vielen Pflichten, die wir als unseres Wertes bewußte jüdische Menschen zu erfüllen haben. Und so arbeite ein jeder in seinem Kreise an dem zu erreichenden Ziel, daß es bald keine jüdische Familie rn Deutschland mehr gibt, die nicht stolz und freudig auf ihre Vorfahren blicken kann, welche seit Hunderten von Jahren auf deutschem Boden stets ihre Pflicht getan haben für Deutschtum und Judentum. RuäoU 8imoni». Der Frauenbund berichtet... Im allgemeinen sind Mitgliederversammlungen von Verbänden keine „zugkräftige Attraktion". Bei dem Verband Berlin des Jüdischen Frauenbundes muß es wohl anders sein; denn seine Mitgliederversammlung im Kliibhcim Lützowstraße war fast beänastiaend überfüllt. Frau Falkenberg gab den Jahresbericht. Einfach und sachlich, dadurch um so fesselnder und überzeugender. Sie sprach von dem, Klubheim, das innerhalb eines Jahres seine Existcnzbercchti. gung schon voll erwiesen hat: kein Tag vergeht, ohne daß eine Zusammenkunft in seinen Räurncn stattsindet. Tann sprach sie von dem Erholungsheim in Lehnitz. Nachdrücklich wies Frau Falkenberg darauf hin, daß '„Lehnitz" kein Alters-, keili Tauer- und kein Siechenheim sei, sondern vor allem den Frauen dienen solle, die sich keine Erholungsreise mehr leisten können und dort ihre Kräfte regenerieren sollen. In 10 Monaten hatte das Erholungsheim über 4000 Uebernachtungen in den Gemeinschaftszimmern und über 5000 in den Doppel- und Einzelzimmern. Während der Ferien werden draußen auch Kinder ausgenommen. Jugendliche von den Bünden finden hier auf Wochenendfahrten ein Nachtquartier. Junge Mädchen werden in Schulungslehrgängen hauswirtschastlich ausgebildet — für die eigene Familie und für entsprechende berufliche Stellungen. Aus dem Jahresbericht erfuhren wir ferner, daß das Mädcheuwohnheim und die Hauspflege des Frauenbundes in bewährter Weise weiter } Nach wie vor: zuocitnisaig und ideal ist das ärztlicd empfohlene Blnden-Korsett P. X, V. 2f. Getragen bei Senkung, Hinqeleib, „cd Optntleera and nach Entbindungen. bei N»ge»> Lebert Bruebleldeo. Die eingesrbeltele Binde beseitigt starken leib. Seit Jabree erfolgreich getragen. Viel» inerkennoBgen. 3| Berlin IW 61, Belle-Alllance- *h Platz 7| kechpir. Tel. 17,6995