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Central-Verein-Zeitung · 1935-04-17 · 16 (17.4.1935) · page 10

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
16 (17.4.1935)
Date
1935-04-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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5)in^ Pohl. in feinem achtzigsten Lebensjahre seht in"Berlin gestorben, ist eine wichtige Figur der bcntfcTjcn Theatergeschichte und eine starke menschliche und fünftlcr ifdjc Erinnerung für jeden, der alt genug ist, um ihn wirtlich gekannt zu haben. Max Pohl ist in Mähren geboren als Sohn eines begüterten Kaufmanns und als Jude, obwoist er sich wohl schon früh vom Judentum schied. Er wurde Student der Rechtswissenschaft in Wien: er siel bei einer Studentenaufsührung der „Räuber" (zusammen mit Otto Sommersrorfn durch urwüchsiges Theatertalent auf und Hörster, der graste Regisseur und Bildner junger Bühnentalente, interessierte sich für ihn. Der junge Dr. jur. ging zur Bühne, kam, über mancherlei österreichische Schmieren, na6) Hamburg. dann an das Deutsche Theater in Moskau, und von da holte ihn August Förster an das neu gegründete Deutsche Theater nach Berlin. Als Charalterspieler trat der junge Pohl nun bald mit Josef Kainz. Agnes Sorma und Sommcrsiorff in die vorderste Reihe des neu herausblühenden Ensembles, das dieser Bühne. zunächst unter L'Arronbes Leitung, einen führenden Platz unter den deutschen Theatern eroberte. Dort blieb er mehr als ein Jahrzehnt und kam dann nach einer Zwischenzeit am Berliner Theater als erster I -i 4 i f: I i i 1 | Eharakterspieler an das Staatliche Schauspielhaus in Berlin, dem er noch als Partner Matkvwskhs und dam: weiter durch alle Jahrzehnte bis zuletzt au ge hörte. Max Pohl in feiner großen Zeit war ein wahrhaft mächtiger Sehanfpieler. Eine scharf bohrende, mit einer zischenden Stimme grimmig akzentuierende Intelligenz war einer mächtigen Physis verbunden; der große, fehwece. breite Mann hatte die Macht. wirklich zu erschüttern, hatte die körper- Max Pohl als Nathan liche Kraft, mit der allein man beit ganz großen .Aufgaben der dramatischen Weltliteratur gewamsen ist. Er war Jahre lang nicht nur der geistreichste und unheimlichste Mephisto der deutschen Bühne, sondern auch ein in Wut undDränen übermächtiger Lear, und vor allein ein Shylock, dessen stürmende Urgewalt Shakespeare ebenhurtiger war als irgendeiner, den ich je gesehen Wenn die scharfe, bewußt messende und. zielende Intelligenz, die in Pohl so urtümlicher Kraft gesellt war. vielleicht mit seinem jüdischen Erbteil zusammenhing, so doll) auch gewiss jene Weichheit und väterliche Innigkeit des Gefühls, die den Oesterreicher befähigte, ein besonders hervorragender Darsteller Anzengrubers zu werden. Mit seinem Wurzelsepp und seinem SteinkloPserhans brach er in Berlin für diesen großen österreichischen Dolksdichter erst Bahn. Unvergeßlich ist mir im besonderen sein Grillhofer, der Bauer mit dem Gewissenswurm. der Gemütskranke in der Einbildung. Wie er den Brief liest, der ihm die verlorengeglaubte Tochter wiedergibt, ihn zweimal liest, erst mit verständnislosem Staunen, dann mit ausbrechendem Jubel, mit lachendeil Tränen, das war höchste Meisterschaft der Menschendarstellungslunst. Denn Lachen und Weinen zugleich, das ist es, was nur die Meister können, weil es sich nicht lernen läßt, weil es nur der Ansturm eines wirklich starten Herzens hervorbringen kann. — Bor zwanzig urrd einigen Jahren spielte Mar Pohl diese Szene mit der damals ganz jungen Helene Thimig unbeschreiblich schön, fünfzehn Jahre ist cs her, da war er noch Richard III. mit einer unheimlich drohenden, gewitterhaft ansbrechenden Kraft. Und kaum fünf Jahre, da sah ich ihn znm letztenmal als Nathan auf der Bühne, und alle Klugheit und alle Herzhaftigkeit seilles Wesens war in der Darstellung dieses großen Inden bei den: Fnnfnndsicbzigjährigen noch immer wunderbar verbunden lmd tief bewegend. Max Pohl lvar ein Mann von einer am Theater seltenen Kultur: ein Mann, von einer unposterten, echt vornehmen Haltung. Die Schauspieler wußten sehr wohl, was sie taten, wenn sie. . ihn am Ende des vorigeil Jahrhunderts zum Präsidenten ihrer Genossenschaft wählten. _ Erst als dann politisch erregtere Zeiten kamen, räumte , er innerlich robusteren Naturen den Platz, gnmer aber blieb er voll klugen und teilnehmenden -jm-. teresscs für alles, was die Geschichte und die Gegenwart seiner Kunst und seiner Kollegen an- Die Zeitschrift der Deutschen Glanbensbewegting „Deutscher Glaube" veröffentlicht auszugsweife den Lehrplan der Stadt Leipzig. Ueber die Ausgaben des Ncligionsunterrichts heißt es dort: „Der Religionslehrer mutz sich immer dessen bewußt sein, daß die deutsche Jugend ans das Wissen um die religiösen und ethischen Anschauungen ihrer Vorfahren viel mehr Anspruch hat als auf die Kenntnis der Geschichten des Alten Testaments. Deshalb hat er bei jeder sich bietenden Gelegenheit die germanische Religion zum Vergleich heranzuziehen und die Kinder mit dem altgermanischen Brauchtum bekanntznniachen. Auf der Oberstufe aber sind die germanische Religion und das Eindringen des Ehristentums in die germanische Welt zu behandeln. Hierbei darf nicht verschwiegen werden, daß die Kirche ein gut Teil germanischen Frelheitsgeistes unterdrückt hat." * Im „Evangelischen Gemeindeblatt" in Weimar (April 1935) erschien ein Artikel „Heldischer Glaube im — Alten Testament", in dem es u. a. heißt: „Das Volk, in dem die Schriften des Alten Testaments in ihrer großen Mehrzahl entstanden sind, ist nicht dos Handlervolk der jüdischen Mittelmeerdiaspora, sondern ein Berg, und Bauernvolk, das sich im opferreichen Kampf für feine Scholle verblutet hat. Von ältester Zeit (Heldentod Sauls und Ahabs) bis in die jüngste lMakkabäerkämpfe) bieten die alttestamentlichen Schriften ergreifende Bilder hohen Heldensinns. Dem entspricht die Eottcsanschaunng. . . Seit den Uranfängen der israelitischen Religion ist der Gott dem Propheten offenbar als der Fordernde. Heilige. Seine Forderung ist brüderliches Verhalten gegen den Vollsgenossen. Auch der israelitische Prophetismus offenbart in seiner Verkündigung einen unvergleichlichen Heldensinn. Die Forderung der sozialen Gerechtigkeit durch Amos, ehelichen Treue und Reinheit durch Hosen, inneren Aufrichtigkeit in dem größten Kunstwerk des Alten Testaments, dem Buche Hiob, sind besonders hervorzuheben. Grund dieses Heldentums der Seele ist der „Glaube", der in nahezu neutestamentlicher Klarheit von Jesaia erkannt und in den Psalmen ausgesprochen wurde. Besonders zeigt sich hier der Heldensinn des Glaubens in der Ueberwindung des Leidens." Es ist allgemein bekannt, daß die Bibel unter allen Büchern der Erde das bekannteste und Volkstümlichste ist, und alle SpraciM der Welt mit volkstümlicl)en Ausdrücken und Sätzen aus ihr durchsetzt sind. In seinen „Geflügelten Worten" widmet Büchmann den Zitaten ans der Bibel nicht weniger als 71 Seiten, und diese Auslese macht zweifellos nicht den Anspruch, vollständig zu sein. Weniger bekannt dürste die zahlenmäßige Verbreitung der Bibel sein, worunter das Alte Testaging. Und wer etwa eine Arbeit in diekeni Ihn* lrei'--' begann, der weiß, wie wertvolle Förderung er 'Rax Pohl jederzeit zu danlen.hatte. Ern starker rrnd echter Künstler, ein vornehmer '.'Rann ist mit 'Mar Pohl dahingegangen. Dieser Oesterreicher jüdischen Bluts, wird in der deutschen.Theatergeschichte einen Ehrenplatz behaupten. Julius Lab. ment und das Reue Testament zusammengefaßt ist. Tie Britische und Ausländische Bibelgesellschaft meldete in ihrem 129. Jahresbericht, daß der (Rsamtumsatz in Bibeln und Bibelteilen im letzten. Jahre über 10 V: Millionen Stück betrug, das sind 65 186 mehr alS im Vorjahre. In jeder Arbeits. Minute des Jahres wurden 73 Exemplare hinausgesandt. Aus. Europa entfielen 1 69-1000 gleich 15 Prozent. In Elsina allein wurden 4 205<X*<) verkauft. Seit der Gründung im Jahre 1804 hat die Britische und Ausländische Bibelgesellschaft mehr als 442 Millionen Bibeln und Bibelteile verkauft. Tie Liste der Hcbersctzungen weist hereU3 667 Sprachen auf. Davon entfallen auf ganze Bibeln 149, auf Reue Testamente 164 und aus einzelne vollständige Vibcltcile 354. Im letzten Jahre sind 12 Uebcrsehungcu in neue Sprachen hinzu, gekommen. Tic Uedersetzungen in 21 Sprachen sind sprachlich neu durchgesehen. Zurzeit wird die Bibel in nicht weniger als 667 verschiedenen Sprachen und Dialekten verbreitet, rind zwar in 91 europäischen, 47 ameriknnischen. 233 afrikanischen, 204 asiatischen und 92 ozeanischen Sprachen. Im Londoner Bibelhaiis befindet sich eine Sammlung, die nicht weniger als 15 720 Bibeln umfaßt. Die Privilegierte Württembergischo Bibelanslalt in Stuttgart hat im letzten Berichtsjahr 715 oo() Bibeln und Bibeltelle abgesetzt, rund 120 000 Exemplare mehr als im Vorjahr. Diese große Menge setzt sich zusammen aris 294 000 Bibeln. 278 600 Reuen Testamenten und 113 000 Bibelteilen. Die Sächsische Hanptbibelgesellschast hotte zur Feier von Luthers 450. Geburtstag 10 600 Bibeln bereitgcstellt, die vor allem an bedürftige Konfirmanden kostenlos abgegeben wurden. Ter Lektor der englischen Sprache an der Masaryk-Universttät zu Brünn, Dr. Mann, arbeitet im Auftrag der englischen Bibelgesellschaft an einer Bibelübersetzung in die Zigeunersprache. 7. R. Hans Joachim SchocPs referierte in München vor einem jüdisch-theologischen 'Arbeitskreis, der mit einleitenden Worten von Fritz Rosenthal (Ben Ehorin) eröffnet wurde, über die dogmatische Abgrenzung zwischen Ehristentuui lind Jlldentmn. Beide Glaubensphänomene wurden nach ihrer Ossenbarungsftrultur, nach Offenbarnngsinhali lind Glaubensakt, endlich nach ihrer 'Stellung zu Offenbarung und Geschichte unterschieden. Schoeps selbst gab seiner lieber* zeugnng dahin Ausdruck, daß die Anwendumz chrisilichstheologischer Terminologie ans die jüdische Tradition dieser nicljl gerecht werden könne. Die Altistin Eugenia Heilbrunn-Lope.; hat im Anschluß an ihre Erfolge beim Roskinschen Konzert in der Berliner Philharmonie einen Ruf nach Mailand und London erhalten. E’.-liv« cPi.i-Ich'i» * In einer kleinen, behaglichen Weinstube der Rhelilmetropoke lvar es. wo der Ingenieur Dr. .Olein und ich ein Wiedersehen feierteil. Klein lvar ans Japan zurirckgelommen. Uw er eilt 2tieffii'lfuievi geballt hatte, um Mich angestrengter Arbeit einen känaeren Urlaub in der Heimat zir verbringen. In Köln liefen lvir lins zlrr gegenseitigen freudigen Ueberraschnng in die Arme und saßen mm in angeregtem Gespräch einander gegen- Kleiti fragte nach meinem Ergehen. „Je nun," versuchte ich zu scherzen, „verhungert bin ich noch nicht. Viel Arbeit gibt es nicht mehr, aber einige Bracken fallen immerhin für mich ab." „Ra also," ermunterte mich Klein, „nur nicht tintcrkriegen lassen. Wenn es auch wenig ist — ..ein lebendiger Hund ist besser als ein toter Löwe," sagt ein altes deutsches Sprichwort." ..Entichnldigen Sie. lieber Freund," unter* brach ich, „ein altes beut frijc<S Sprichwort ist das aber mriit!" „Ra. aber ich denke doch . . „Es iU schau viel älter und steht schon im - Alten Testament. Im 9. Buch des Prediger Salonw. Kapitel -l lverden Sie es filiden." „Wirllich? Ist das wahr?" fragte Klein lachelid. „Biblische Geschichte war schon auf der ‘ Penne meine verwundbarste Stelle. Ich habe noch gar liirijt gewusst, daß cs ein jüdisches Sprichwort in deutschem Gewände gibt. Ich will danlit sagen, daß mir die Quelle ihres Zitats un» . bekannt war. Millionen Menschen wird es ebenso gehen —" „Ja." warf ich ein. „tmd darunter werden Tausende meiner Glaubensgenossen sein." „Sicher," fuhr Klein fort, „aber mein Interesse ist gewellt. Gibt es noch mehr alitestamentarische 'Anssprüche. die in die deutsche Sprach- Welt übergegangen sind?" „Gewiß, eitle Unmenge. Sie sind aus dem deutschen Sprachschatz gar nicht wegzndenken." „Sie machen mich neligierig. Nennen Sie mir doch bitte einmal eine Reihe biblischer Sprichworte oder Zitate." „Recht gern. Kennen Sie znm Beispiel das Zitat „und ward nicht mehr gesehen?" „Jawohl, das ist von Goethe. In feiner Fischerballade heißt eä doch: „. . . halb sank er hin. halb zog sie ihn — Und ward nicht mehr geseh'n „Richtig. Aber nicht Goethe ist der Verfasser des Zitates, er hat es nur dichterisch benutzt. Die Worte ..und ward nicht mehr gesehen", sind biblischen Ursprungs lmd im 1. Buche Mosis zu finden. Dort liest "mawauch "das' Work' „Kainszeichen", als Ausdruck für einen verbrecherischen Menschen, dem die Schuld auf der Stirn geschrieben steht. Im 1. Buch Moses finden wir weiter das „Tohuwabohu", womit wir ein wüstes Durcheinander bezeichnen. In demselben Buche können wir auch „vom Baume der Erkenntnis essen" und dabei die Feststellnng macheri, daß „es nicht gut ist. daß der Mensch allein sei". Er kann so alt werden wie „Methusalem", der ein Alter von 969 Jahren erreichte, bis er „den Weg allen Fleisches gehen" mußte. „Das Dichten und Trachten des menschlichen HerzcnS ist böse von Jugend auf", heißt es weiter im 1. Buch Moses. Darum ist er so oft „mit Blindheit geschlagen" und darf fiel) nicht wundern, wenn man zu ihm sagt: „Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein." Niemand sollte „Gutes mit Bösem" vergelten, mahnte schon der weise Sakonlo. Und wenn jemand seine Erstgeburt für ein „Linsengericht" verkauft, so gibt er damit etwas Wertvolles für Minderwertiges preis. Es geschehen noch „Zeichen und Wunder," so wird uns im 2. Buch Moses gesagt, und daran erkennen wir oft „den Finger Gottes". Mahnend heißt es in demselbelr Buche: „Tu sollst deinen Nächsten lieben" und ihm „durch die Finger sehen", wenn er etwas nicht nach deinem Wunsche gemacht hat. Mache ihn nicht znm „Süadcnbock". wie cs „die Rotte Korah" will, auch . wenn er dir „ein Dorn im Auge" ist. Dann kannst du ruhig deine „Hände in Unschuld waschen".. „Vcrzeihlmg," unterbrach Klein, „stammen diese Worte nicht von Pilatus?" Nein. Wohl hat PilatnS diesen Ansspruch bei der Verurteilung Christi getan, er hat ihn aber ans dein 3. Buch Moses zitiert. Aber weiter: Josua spricht bereits von Menschrn, die „krumme Wege gehen" >nid „mit fremdem Kalbe pflügen", also ihre Arbeit nur mit fremder Hilfe fertig bringen. Haben Sie auch schon einmal von einem „Uriasbrief" gehört, von dem im 2. Buch Samuel die Rede ist? „Gewiß. Das ist ein Brief, welcher dem . Empfänger großes Unheil bringt." „Stimmt. Ter Brief sollte dem Feldherrn Urias nach einem Worte der 1. Chronica „den Hals kosten" und wenige Stunden später war er (nach einem Zitate ans dem 2. Buch Samuel) „ein Kind des Todes". „Da können einem ja „die Haare zu Berge stehen", wenn mau so etwas hört", entsetzte sich der Ingenieur. ’*; ■ ’ ' „Gewiß, mein Lieber, das hat Hiob auch schon gesagt. Hiob spricht weiterhin von „Gewissens- Pissen", Pie auch David-sicher gepeinigt haben, denn er hatte ja den Tod Urias' auf dem Gewissen. David hatte, um mit Esra zu reden, .„sich eine Sache über den' Kopf wachsen lassen", die, um mil; Psalm 73 zu sprechen, „ein Ende mit Schrecken" nehmen mußte." „Brrr, da „klebt einem die Zunge am Gaumen". stellte mein Freund fest. „Ja, was meinen Sic. wie oft der gänzlich verarmte Hiob dieses Wort ausgesprochen hall Die Erde ist ein „Jammertal", klagte schon der Psalm 84 von unserem Planeten. Es kann einem schier „Angst und Bange" werden, rief Jeremias aus, und man möchte am liebsten, so fügen wir hinzu, „seinen Geist ausgeben". Doch wir können nicht so gut auf einen anderen Planeten steigen und darum halten wir cs mit dem Psalm 37, wenn er sagt: „Bleibe im Lande und nähre dich redlich". Aber viele Menschen. so heißt es schon im 1. Buch Moses, sind „mit Blindheit geschlagen" und suchen immer wieder „da 8^ Land, wo Milch und Honig fließt", von dem schon im 2. Buch Moses die Rede ist. Bei solchen Leuten nützen keine Ermahnungen; bei ihnen wird man leider mir „tauben Ohren predigen", bemerkt Jesaias. so das; man ihm recht geben muß, wenn er sagt, daß man sich bei derartigem Unverstand wie ein „Prediger in der Wüste" vorlomme. Solche Menschen setzen sich dann noch auf das hohe Roß und werden hoffärtig. Darum hat schon der weise Salomo mit den Worten gemahnt: „Hochmut kommt vor dem Fall" und allen anständigen Leuten den guten Rat gegeben: „Wenn dich die bösen Buben kocken, so folge ihnen nicht." Undhalte dich von unsauberen Handlungen fern, denn „unrecht Gut gedeiht nicht". Das sind ebenfalls Salomos Worte. Es gibt eben Menschen, von welchen schon Sirach sagt, daß sie „nichts Gutes im Sinn haben", und er rät uns gleichzeitig, diesen fernznbleiben, denn „wer Pech angrcift, besudelt sich". „Meine Hochachtung vor dem alten Herrn", lvars Klein ein. „Aber", fuhr ich fort, „halten Sie einmal diesen Leuten das Verwerfliche ihrer Handlungsweise vor, dann möchten sie Ihnen am liebsten, wie es im Psalm 107 heißt, „das Maul stopfen", oder wie im 2. Buch Moses steht, „ihr- Mütchen an Ihnen kühlen". Ta kann man nach dem 2. Buch der Makkabäer froh sein, „mit dem Leben . davon zu kommen".. .Bei solchen Leuten soll man stets „fein Wort auf der Goldwaage wägen", wie uns Sirach geheißen hat. Diese Art vorr Menschen ■ können, wie der Prophet Samuel -sagt,^„alt und grau" werden, bis, na sagen wir-— - „Bis ihnen ,,ein Licht aufgeht',wollten Sie wohl sagen", warf Klein dazwischen.-. ' . „Ei, Herr- Nachbar", bemerkte ich lächelnd, „ganz unbekannt-scheinen Ihnen unsere Prophetcii doch nicht zu sein." _ ,.WiefoZ. .Ist . das . nicht eine.d e.utsche Rede- Wendung?" fragte Kleine „O nein", erwiderte ich. „nehmen Sw sich mal den alten Hiob vor, bei dem können Sw Nachlesen, daß ihm bereits ein Licht aufgegangen „Lieber Freund", bekannte mein (gegenüber, „ich" bin überrascht über diese Fülle von alltestamentarischen Aussprüchen. Es sollte mich nicht wundern, daß, wenn ich jetzt mit einem deutschen Sprichwort käme. Sie mir mit^ Beil Atiba sagen würden: Alles schon dagewesen." „Was' den letzten Ausspruch anbetrifft, ganz sicher. Zwar läßt Gutzkow in seinem „llricC Aeosla" den Rabbi Ben Aliba sagen: Alles schon dagewesen. Aber das Original finden Sie in einem der Sprüche des Predigers Salomo; denn da heißt cs: „Es geschieht nichts Neues unter der Sonne." „Nun wohl, mein Herr, ich werde „Himmel und Erde in Bewegung setzen, um —" „Halt", bemerkte ich lachend, „tun Sie das nicht! Das hat schon der Prophet Haggai für Sie getan." „Ta hört doch alles aus! Gibt es denn kein - ursprünglich demsches Sprichwort, wollten . Sie sagen", fuhr ich fort. „Gewiß. — Reden i't . Silber. Schweigen ist Gold. Und das will ich jetzt beherzigen. Ich könnte Ihnen noch Dutzende von geflügelten Worten nennen, die alle aus jüdischem Munde stammen. Aber wir wollen cs für heute genug sein lassen und uns an das edle - „Trauocnblut" halten, von dem schon das 5. Buch Moses zu erzählen weiß. Also Prosit!" Nachdenklich sah mich mein alter Bekannter an. „Merkwürdig", sagte er dann ernst, „da führt man nun tagtäglich diese jüdischen Aussprüche im Nlunde. die Sic mir soeben ausgezahlt habe». - Und mit mir Millionen von Menschen, von denen sicher der größte Teil nicht einmal den Ursprung dieser Sprachdilder kennt. Sie haben recht, ßHc Worte der Propheten sind in den deutschen Sprach' schätz übergegangen, nicht nur in den deutsche». — in der ganzen Welt hat dieses jüdische Sprach« gut Ausnahme gefunden." „Nun aber genug davon", rief ich aus. . „Sprechen wir von anderen Dingen. Aber zuerst . eine neue Flasche Wein, nicht wahr?" - JDer Wein erfreut des Menschen Herz", gab Klein mir zur Antwort. - „Und der 104. Psalni spricht Ihnen Dank für die gütige Nutzanwendung aus", sprach ... ich todernst.. "• ‘ „Was, daS istauch aus —?" " „Ja,- dasist . auch aus' .-tv rrickte ich .- lachend. „Na, dann prost, alter Bibelforscher!' Jedem falls scheint der Wein den allen Juden auch ...fchoru.geschmeckt.Lu haben.7- _ Gustar Haak (Berne).

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