Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 16 (17.4.1935)
- Date
- 1935-04-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Tic -IKinin111vmaTevci ist in ihrem Ursprung eine fliviitliflic Minist. Die ersten Miniatoren iviiren Klostermönche. die ihre Gebetbücher mit tsciiu'n Bildern und Randderziernngen schmückten. Ano dic'eii Anfängen entwickelte sich allmählich eine l'e'andere Zlmstt. die die Figuren porträtmäßig zu behandeln versuchte und das Miniaturporträt um seiner selbst nullen pflegte. g,n 17. Joch-Hundert ragte in dieser Kunst, deren Voraus setz! mg — ein großes psychisches tzinsühlnugevermogen — der.jüdischen Mentalität sehr entgegenlam. in England der jüdische Maler Abraham Alexander E o o p e r. (1605—1660). hervor. der am Ende der 40er Jahre Hofmaler, der Königin Christine von Schweden wurde und. in den heute noch erhaltenen Rechnungsakten, als der „Jude Cu per" häufig genannt wird. ,. Bon noch größerer künstlerischer Begabung .war Jc.in Oben: /. M.S. Lowe: Gräfin von Beritte (Skizze); J. D. A. Fiorino: Bildnim einer Unbekannten, — Unten: Frauenbildniese J, D. A. Fiorino» Bruder Samuel Cooper (1609—1672). der später zum Christentum übertrat. In Deutschland beginnen erst im 18. Jahrhundert jüdische Namen in der Kunstgeschichte aufzutauchcn. S^hstverständlich läßt sich dabei nicht von einer „jüdischen Kunst" sprechen, sondern es Ivird der Forrnenschrß der Zeit und Umwelt ausgenommen und verarbeitet. Es drang der künstlerisch begabte Jude in eine neue Welt vor, in der er aber auf Schranken und Vorurteile stieß. — Eigenartigerweise lassen sich ganze Generationen von Künstlern in dieser Zeit verfolgen, in denen sich der Beruf vom Bater auf den Sohn vererbte. Während aber meist der Vater noch kleiner, unbedeutender Thorarollenschreiber oder Porzellanmaler war. ist oft schon die nächste Generation, deren Traditionsvcröundenheit nur noch gering war. ihrem Glauben untreu geworden und trat in den Dienst des Hofes oder der Kirche, wo ihnen Ruhm und Erfolg winkte. So lebte z. B. im 18. Jahrhundert in Bamberg. wo der fürstbischvflichc Hof die Künstler weitgehend unterstützte, eine jüdische Künstlersamilic. die sich mit Miniaturmalerei beschäftigte. Ihr Stammvater war der kurfürstlich bambergischc Hofiude Wolf Nathan, über dessen Lebcnsschicksal aber nichts bekannt ist. Sein Sohn. I o l Nathan, 1712 in Bamberg geborcn, geriet auf der Hochschule in Metz an einen Kanonikus, unter dessen Einfluß er sich dem Christentum zuwendcn wollte. Als er auch in seiner Heimatstadt zu den Jesuiten ging, mußte er aus "der Gemeinde fliehen; er begab sich in das Kloster der Jesuiten und empfing 1733 die Taufe und den neuen Namen Joseph Nt a r q u a r d Treu. Ursprünglich war er Kaufmann gewesen und widmete sich erst mit 24 Jahren der Kunst, wobei ihm fürstliche Gönner das Studium ermöglichten. Sein Sohn. Johann N i c o l a u s Treu, der 1734 in Bamberg zur Welt kam (gest. 1768), wurde würzbnrgischer Hofmaler und schuf viele Altarbilder in Franken. Auch seine Schivester Marie- A n n a Treu. 1736 in Bamberg geboren, schuf Ntiuiaturbildnisse. 1739 wurde Joseph Christoph Treu geboren (gest. 1798). der churköluischer. sürstbischöflich bambcrgischcr Hofmaler wurde. Die Begabteste unter den Geschwistern war aber R o s a l'i c (1741 in Bamberg geboren), die beim Fürstbischof von Hutten in Bruchsal arbeitete und später den Miniaturmaler Joseph Dorn heiratete. Das jüngste Kind voii Joseph Marquard Treu war Katharina (1742—1811). In einem Buch über Leben und Werke der Künstler Bambergs heißt es, daß sie sich schon mit zehn Jahren „bald nach dem ersten Genüsse des Abendmahles" als Malerin betätigte. Später wurde sie Kabinettmalerin des Kurfürsten Karl Theodor in Mannheim und schließlich ordentliche Professorin an der Düsseldorfer Akademie. Das Leben eines anderen jüdischen Künstlers, üwr den wir durch eine ausführliche Biographie feines Sohnes lnsondcrS gut unterrichtet find, kann als typisch für den Werdegang eines jüdischen Künstlers am Ende des 18. Jahrhunderts gelten. Es ist Juda L ö w P i n h a s , der 1727 in Lehrberg bei Ansbach als Sohn des sehr frommen Thorarollenschreibers Samuel Pinhas geboren wurde. Schon mit 13 Jahren erregte der Sohn durch die Ausmalung einer Mcgittah die Bewunderung des Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich, der mehr von dem Knaben zu sehen wünschte. Darauf schmückte Juda eine Haggadah aus. die so viel Beifall fand, daß der Fürst ihm dafür 150 fl. scheukte und ihn später, nachdem er sich noch im Pvrträtfach alrsgebildet hatte, zu seinem Hofmaler ernannte. Als der Markgraf in seiner Gegenwart und trotz feiner Bitten Juden mißhandelte, verließ er den Hof in tiefer Empörung. Seine neue Gönnerin wurde am Hose von Bayreuth die Tock)ter des Markgrafen, die geistreiche Friederike Wilhelmine. Gemahlin des Herzogs Carl von Württemberg, die ihn zu ihrem Hofmaler ernannte und ihm später zu seiner Berufung nach Berlin verhalf, wo er Friedrich II., die Brüder und den Nachfolger des Königs porträtierte. Trotz einer Einladung Friedrichs, in Berlin zu bleiben, kehrte Pinhas nach Bayreuth zurück. Nach dem Tod des Markgrafen siedelte Pinhas wieder nach Ansbach über, wo er Hofmaler Karl Alexanders wurde und noch den Kebergang des Fürstentums an Preußen miterlebte. Als ein geachteter Mann starb er 1793. Er hinterließ einen Sohn S a l o m o n, den er selbst in Miniaturmalerei unterwiesen hatte und der später' Hofminiaturmalcr des Kurfürsten Wilhelm von Hessen in Kassel wurde. Testen Sohn, Dr. Jakob Pinhas. war zuerst Miniaturmaler, widmete sich aber später der politischen Laufbahn und wurde Zcitungsrcdaltcur der „Kasselschen Allgemeinen Zeitung". So gut aber, wie Pinhas in Hessen, ging es nicht allen jüdischen Künstlern damals in Deutschland. Besonders übel waren die Juden in Mecklenburg daran. Für sie bedeutete lediglich Dänemark der Weg ins Freie. So zog der 1772 in Parchim in Mecklenburg geborene Lippmann Fraenckel mit 20 Jahren zu Verwandten nach Kopenhagen, um Miniaturmaler zu werden. Fraenckel hatte schon als kleiner Knabe Proben seines Talentes gegeben, so daß ein reicher deutscher Gutsbesitzer ihn auf der Zeichen schule in Schwerin aus'bildcn lasten wollte. Hier wurde Fraenckel jedoch als Jude nicht ausgenommen und verließ darum sein Vaterland. In Kopenhagen malte er 1819 ein Bild der Königin und wurde darauf zum dänischen Hofminiaturmaler ernannt. Ties Amt behielt er auch unter Friedrich VI. und Christian VIII. Der künstlerisch bedeutendste jüdische Porträt- Miniaturist war Jeremias David Alexander Fiorino, der 1797 in Kassel geboren wurde und auf der Kasseler Akademie seine Ausbildung erhielt. Zweimal erhielt er dort besondere Auszeichnungen. Später siedelte Fiorino nach Dresden über, wo er in guten Be- Ziehungen zum, sächsischen Hof stand und viele Miniaturen, auch auf Porzellan, für den Hof malte. Zwei Miniaturen des Königs August von Sachsen sowie des Prinzen Maximilian von Sachsen befinden sich in der Dresdener Galerie. Alle seine Bilduisminiaturen. ganz besonders aber das schöne Porträt seines Vaters, ragen durch eine bedeutende Kraft der Mcnschcndarstcllung hervor und sind von einer außerordentlickien Zartheit der Zeichnung und geschmackvollen Farbgebung. Als Sohn eines streng orthodoxen Handelsjndcu wurde Johann M i ch a e l Siegfried Lowe 1756 in Königsberg geboren. Sein ursprünglicher Name war Moses Samuel Löwe, den er später, ohne seinen Glauben aufzugeben, in Michael Siegfried Lowe umänderte. Schon als Knabe versuchte er sich im Porträtieren und genoß in seiner Vaterstadt den ersten Unterricht im Miniaturmalen, bis er mit 14 Jahren nach Berlin kam und ans der Akademie Schüler von Chodowiecki und Frisch wurde. Nach einer kurzen Jtalienrcise ließ sich Lowe 1780 in Petersburg nieder, wo ihn die Kaiserin Katharina kl. begünstigte. sich oft von ihm porträtieren ließ und ihm den Titel eines kaiserlich russischen Hofmalers verlieh. Wegen politischer Unruhen ging Lowe wieder nach Berlin zurück, porträtierte bei einem Aufenthalt in Königsberg l784 Kant in Miniatur. 33 Jahre lang lebte dann Lowe in Berlin, beschäftigte sich nebenbei mit allerhand drucktechnischen Erfindungen und gab ein großes Werk heraus: „Bildnisse jetzt lebender Berliner Gelehrter mit ihren Selbstbiographien", das sogar den Beifall Goethes fand. Die bekannteste Künstlerfamilie, deren jüdischer Ursprung jedoch meist vergessen ist. sind die M e n g s. Die jüdischen Vorfahren des Miniaturmalers Jsmael Mengs stammten aus J. D. A. Fiorino, Porträt »einea Vaters Sachsen und wunderten später nach Dänemark ans. 1688 wurde dort Jsmael geboren. Er ging 1714 lvicdcr nach Dresden zurück und brachte es als tüchtiger Email- und Miniaturmaler bis zmu Hofmaler des Kurfürsten. Vermutlich tral Jsmael schon zum Christentum über und wurde Protestant. Ein Sohn dieses Jsmael Mengs iü der berühmte A n t o n Raphael M c n g s (geboren 1728) — schon der Name umschließt allen Ehrgeiz des Vaters —, der zusammen mit seinen Schwestern Julia und Theresa E o n - cot bin von seinem Vater in einer freudlosen Jugend zum Genie hcrandressiert wurde. Tie übertrieben strenge Erziehung veranlaßte den ältesten Sohn, schon frühzeitig das Haus zu verlassen: er ist unbekannt verstorben. Anton Raphael hingegen malte schon mit acht Jahren in Email und Miniatur, und als Dreizehnjähriger ging sein Vater mit ihm und den Schwestern zum Studium nach Rom. wo sich Anton Raphael ausschließlich der Miniaturmalerei widmen mußte. Rach dieser. Reise trat Anton Raphael mit seinen Schwestern zum Katholizismus über. Eine glänzende Karriere öffnete sich ihm. 1749 wurde er Hofmaler in Dresden. 1752 ging er wieder nach Rom. wo ihn Papst Benedikt XIV. znm Direktor der neuen Akademie aus dem Kapitol machte und znm Ritter des Christnsordens ernannte. 1761 ist er am spanischen Hof und wird erster Maler des Königs von Spanien. Hier führte er das Leben eines gefeierten Porträtmalers, obgleich, oder vielleicht gerade weil seiiu Bildnisse das übliche Pathos der Barockporti ätl tragen. Seit 1777 lebte Anton Raphael wieder in Rom und betätigte sich auch als Verfasser ästhetischer Schriften, z. B. „lieber Schönheit 'and Geschmack in der Malerei". Er starb dort 1779. Seine Schwester Theresa Cvncordia lebte als Malerin in Rom und heiratete dort den Maler Anton Maron. der ein Schüler ihres Bruders war. während Julia zuerst Hofmalerin in Dresden wurde, dann aber unter dem Namen Maria Spcranda ins Kloster Belvedere in der Marca d'Ancona ging. Auch eine Tochter von Anton Raphael. Äuna-Maria. malte in Miniatur und ging später in ein Kloster. Miniaturen von Jsmael Meugs, Anton Raphael und Theresa Concordia befinden sich in der Miniatureusammlung der Dresdener Galerie. Dr. Lotte Loose. Racherzähll von Herman Faltenberg MseSTod Mose schrieb das Wort: „Der Fels, fchllos ist fein Tun; denn all seine Wege sind recht, der treue Gott, ohne Falsch, gerecht und gerade ist er." lind fügte Worte des Segens hinzu und den heiligen Namen des Herrn. Und noch" hatte er nicht zu Endo geschrieben und einen Augenblick innegehalten — da war die Stunde feines Todes gekommen. Denn der Herr sprach an eben dem Tage: „Steige auf den Berg Ncbo und schau das Land Kanaan, das ich den Kindern Israel gebe. und stirb auf dem Berge, dahin du aufstcigst!" " Als dies Gotteswort in die Welt hinausdrang, ivard Leid und Unruhe riugSumher im Himmel und auf Erden. - »Wie?" rief Israel, ..Mose soll dahingehcn, der uns geliebt hat. der uns aus Aegyptengeführt und das Meer vor unS gespalten, der uns Bryt und Fleisch gegeben und in der Wüste uns wunderbar geführt hat? Wir lasten Mose nicht-sterbenh" Auch die Sonne trat vor Gott hin und sprach: „Laß mich helckc nicht untergehen, daß Mose nicht sterbe?" - ' Die Sterne rückten von ihrem-Posten-am Firmament und irrten traurig umher, die- Erde erbebte, die Hügel wankten, die Berge wichen-von ihrer Stelle, daß der Herr sich Moses erbarme. Moses Stunde aber war gekommen! . > Gott rief den Engel Gabriel und sprach zu. ihm: „Geh und bringe MoseS Seele hinauf, in.-»den Himmel!" Erschrocken sprach Gabriel:, „Herr, Herr, wie. könnte ich wagen, dem Manne, den,Tod zu geben, desgleichen die irdische Welt nicht, mehr aufzuweisen hat, des Wert hinausrägt über Vas ganze Menschengeschlecht!" ch ch Und Gott ries Michael und sprach: „Geh und bringe die Seele Moses in den Himmel!" Aber der Engel sprach -weinend: „Ich war sein Lehrer und er mein Schüler. Ich vermag nicht, seinen Tod zu sehen!" Da rief Gott Samael. den finsteren Engel der Vernichtung, und sagte zu ihm: „Geh und bringe Moses Seele in den Himmel!" Samael hat schon Stllnde um Stunde auf Moses Ende geharrt. Nun glänzt e8 von Freude aufseinem Antlitz. Er kleidet sich in Grimm und stürzt, gewaffnet mit dem Schwert des Todes, zu dem Heiligen. Er sieht ihn. schreibend den göttlichen Namen und — schrickt zitternd zurück; denn der Strahl göttlicher Hoheit leuchtet ihm aus MofeS Anlitz entgegen, und er muß seinen Blick wenden. Und Mose schaut gelassen durch die dickichte Braue: „Was suchst du hier?" „Ich bin Samael, der Engel deS TodeZ, und bin gesandt, deine Seele hinaufzuführen zum Weltenherrn; denn alle Sterblichen sind meiner Herrschaft untertan." .Mein", antwortete Mose, „hebe dich hinweg von mir, dir kann ich meine Seele nicht armertrauen!" Und unter Moses Blick erschauernd. flreht Samael verstört in den Himmel zurück. Mose aber fleht zum Herrn: „Herr der Welt, gedenke des TagcS. da du mich am Dornbusch erwähltest, wie ich am Sinai vor dir stand vierzig Tage und vierzig Nächte. Herr, gib meine Seele nicht hin, daß sie dem Engel des Verderbens über« liefert werde!" Und Gott spricht zu ihm: „Sei ohne Furcht! Nicht Samael wird kommen, ich selbst will dich heimführen in die Ewigkeit!" Und Gott steigt herab auS den höchsten Himmeln, und seine geheimnisvolle Stimme haucht ihm leise zu: „Mose. Mose, deine Stunde ist gekommen!" , . Rose, nach Gottes Geheißt bereitet sich zu sterben! Nur die Seele noch zauderte schmerzlich: Diesen, meinen Herrn, rein wie einen Seraph, habe ich erfüllt, ihm galt meine Liebe 120 Jahre. Laß mich weiter in ihm weilen; denn nicht fürder wird ein Prophet geboren werden, unbefleckten Leibes und Geistes gleich ihm!" Aber der Herr trat sanft herzu und drückte einen Kuß auf Moses Stirn, und in diesem Kusse nahm er seine Seele mit hinauf ins himmlische Reich. In diesem Augenblicke umhüllte eine Trauerwolke den Himmel, und er weinte: „Der Fromme ist dahin von der Erde!" Und die Erde weinte: „Der Redliche mehr den Menschen ist nicht mehr!" Und Israel weinte: „Wir haben den Hirten verloren!" Die Engel aber sangen: „Es komme der Heilige, er komme in Frieden zur göttlichen Seligkeit!" §1ÄA -LMkü unb die SDMre Ein frommer Mann war Rabbi Beroka. Ihm war im Traumgesicht der Prophet Elia erschienen und hatte ihm verheißen, daß er nach seinem Hinscheiden von dieser Welt der ewigen Seligkeit des Paradieses teilhaftig fein werde. Von jener Zeit an beschwerte ihn der Gebanke, wer wohl sein Genoste in der Ewigkeit sein werde, und er ging unruhig einher. Als er eines TageS den Marktplatz betrat, sah er im Gewühl einen Wanderer daherkommen, und er erkannte in ihm sogleich den Propheten Elia. Da bedrängte ihn Rabbi Beroka mit begieriger Frage: ,Lst unter jenen, die hier ihren Erwerb betreiben, einer, mit dem ich das künftige Leben teile?" Aber Elia erwiderte: „Auch nicht einer von diesen wird mit dir inS Eden gelangen!" Indem sie noch sprachen, gingen zwei Männer vorüber. „Diesen beiden wird, ihr Erbteil im Paradiese, sie werden dort deine Genosten sein!" Erfreut lief Rabbi Beroka auf die beiden Mnner zu. Welch hohe, edle Lebensaufgabe werden sie wohl hier auf Erden zu erfüllen gewürdigt sein! dachte er. „Seid mir gegrüßt. Freunde. Grnassen der Seligkeit! Sagt, was ist euer Werk hier auf Erden, daß ihr im Jenseits so hoch erhoben werdet?" Sie schauten ihn erstaunt an. „Wir wissen nicht, was du damit meinst: wir sind ja nur einfache Männer, wir sind Gaukler von Berus." „Gaukler?" rief bestürzt Rabbi Beroka. Und voller Weh dachte er in seinem Herzen: Gaukler — meine Genossen in der Seligkeit? „Gewiß", sagten sie bescheiden. „Gaukler! Unser Berns ist cs, die Menschen zu erheitern, sie lustig zu machen und. zum Lachen zu bringen. Und weil uns das meist gelingt, ist es uns zur Gewohnheit geworden, die aufzusuchen, die in Gram verfallen sind, die schweren Kummer tragen und seufzen, die von Schmerzen geplagt werden und verstört einhergehen. Ihnen flößen wir Trost ein. indem wir sie fröhlich machen; wir mildern so ihre Trauer und Sorge, ihre Angst und ihr Herzeleid, und wir suchen sie vergessen zu machen, was ihnen an Weh widerfahren ist. Darum sind wir um sie bemüht und geben so lange unsere Späße' zum Besten, bis sie aufgerichtet werden und ihr Herz gestärkt ist, bis ihre Seele wieder Festigkeit gewonnen hat. daß sie neue Blüten treibt, jauchzen und frohlocken kann." Während sie in kindlicher Einfalt also sprachen, erhellte sich da8 Antlitz Rabbi BerokaS, und als sie geendigt hatten, rief er beglückt aus:.,.Wohl mir, daß ich solche Genossen der Seligkeit ge- Winne!" h<sXÖÖW (WVN <h <3&