Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 15 (11.4.1935)
- Date
- 1935-04-11
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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W /*7 / ^sA>//nnCnnpq Nr. 15 4. Beiblatt 11. April 1935 8MM§-WWtM Ein Nick in die LrrsmMtzrtt Uns liegt ein Buch vor, das ganz der Vergangenheit zugewandt ist, einer Vergangenheit, die unserem Gesichtskreis schon lange, lange entrückt ist. Und doch spricht uns dieses Buch an. 6s ist nicht nur die Lebendigkeit der Darstellung; es ist vor allem die Tatsache, daß uns in ihm der Anfang einer Entwicklung gezeigt wird, in der wir noch heute stehen, was uns an diesem Werk so fesselt. Es führt den anspruchslosen Titel: „Bcrliner Großkaufleute und K r» vital ist en" und ist der erste Band einer auf.drei Bände berechneten Ausgabe, die „die kapitalistische Entwicklung Berlins — Großhandel und llntco nehmung, Geld- und Darlehensverkchr — in ihren Erscheinungen und Trägern" zur Anschauung bringen soll. Verfaßt ist es von Hugo Rachel, Johannes Papritz und Paul Wallich, verlegt wird es im Verlag von Gscllius zu Berlin. Der bis seßt vorliegende erste Band behandelt den. Wirtschaftsabschnitt, der mit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges ausläuft. Es ist eine gründliche, aus langem Quellenstudium hervorgegaugcnc Arbeit, ein Werk, das seinen wissenschaftlichen und ernsthaften Charakter nicht verleugnet, und das sich doch an vielen Stellen wie eine spannende Geschichte liest, eine Geschichte vom Werden und Vergehen der Geschlechter. Der erste Band umfaßt zu einem großen Teil die Zeit des Kurfürsten Joachim II., mit seinen ununterbrochenen Geldbedürfnissen und Finanzkalamitäten, in die er säst alle die mit hineinzog, die "sich mit ihm in Geldgeschäfte cinließen. Wir hören von den reichen Geschlechtern der Blankenfelde, Reiche und Wins, der Lindholz, Tempelhof, Mittclstraß, Matthias und Meiler. Nur hören aber vor allem auch von Joachim Grieben — „ein früher, aber leidenschaftlicher Vertreter einer rein kapitalistischen Sinnesart" —, dessen Schicksal, meisterhaft gestaltet trotz mancher Sprödigkeit des Stoffes, wie ein großes Drama an uns vorüberzieht. Wir hören aber auch von „Zugewandertcn und Fremden", und unter ihnen interessiert uns vor allem wieder das Schicksal von M i ch e l I u d e und das des jüdischen Münzm e i st e r s L i p p o l d. Aber auch an mancher anderen Stelle erfahren wir vom Schicksal der Berliner Juden jener Zeit, so z. B. wenn uns das Auftreten der Brüder Drachenfuß mit ihren abculcuerlichen Wirtschastsplänen geschildert wird, die — um beim Kurfürsten Geueigtheit für ihre Pläne zu finden — die Vertreibung sämtlicher Juden aus der Mark forderten, und ihm sogar 10 000 Taler dafür zu zahlen versprachen. „Im allgemeinen spielten die Juden im Berliner Geschäftslcbcn jener Zeit offenbar keine wesentliche Rolle", eben mit Ausnahme der bereits eru'ähntcn ersten „Hofjudcn" in Brandenburg: Michael von Derenburg und Lippold von Prag. Sie hatten finanziell ein ähnliches Schicksal, wie fast alle anderen, die des Kurfürsten Finanzgebarung ins Verderben zog, nur daß ihr Reichtum bei weitem nicht an den der erwähnten großen Kauflnannsgcschlechter herankam. Die Geschichte imd das tragische Ende von Michel und Lippold werden uns ru dem Wer! ausführlich geschildert. Alles in allem ein Buch voller Arbeit und voller Material, ein Buch, das über die Grenzen Berlins hinaus alle die ansprechen wird, die für die historisch-wissenschaftliche Verarbeitung eines wirtschaftlich beachtlichen Stoffes Interesse haben. H. W-l. # - Gerhard Thiemaun, „Die Praxis der Faser» stofsvervrdnung." Textil-Derlag, Berlin. Es ist richtig, was der Verlag im Vorwort sagt, daß „alle diese Verordnungen die „Magna Charta" der deutschen Textilwirtschaft" bilden, und eZ ist erfreulich, daß dieses Gesetzeswcrk in der Broschüre eine so vorzüglichc Darstellung und Erläuterung mit praktischen Beispielen gefunden hat. Auch die drucktechnische Aufmachung ist hervorzuhcben, überall bleibt Raum für Amnerlnngen, ein Sachregister erleichtert das schnelle Auffinden bestimmter Stellen. Es ist aber selbstverständlich, daß alle derartige Veröffentlichungen nur Anleitungen sei!, können, und daß sie den einzelnen nicht davon entheben, zu prüftn, „ob die gewählten Beispiele auch auf seinen Betrieb zutrefsen" — wie mit Recht Dr. Stcrnberg- Raasch in einem Geleitwort zu dieser Arbeit sagt. ¥ Ludwig Münz und Karl Lehmann, „Führer durch die Behörden und Organisationen." Weid« mannsche Buchhandlung, Berlin. Mit diesem Buch ist eine wesentliche Lücke ausgefüllt, denn das Werkchcn gibt nicht nur einen Einblick in die neuen Formen der staatlichen Organisationen, sondern cs bildet gewissermaßen einen Wegweiser für den, der in irgendwelchen Fragen mit Behörden und Organisationen zu tim hat. Ties gilt ebenso für die Wirtschaft wie für alle Politischen und kulturellen Organisationen des neuen Deutschland. Auch hier erleichtert ein gutes Sachregister die schnelle Orientierung. Besonders erfreulich ist. daß die Herausgeber sich nicht nur auf eine Darstellung der äußeren »Formen der Organisationen beschränkt haben, sondern an Vielen Stellen in kurzen Sätzen auch Hinweise au? ihr Wesen geben. hw. * Franz Wolf, „Staatskonjunktur. Die deutsche Wirtschaft 1934." Soeietätsverlag Frankfurt am Main. Reben die bekannten periodischen Konjunkturberichte halbamtlicher und privater Ratur treten als begrüßenswerte Ergänzung neuerdings die zusammcnsasscnden Jahresberichte der „Frankfurter Zeitnnd" im Frankfurter Societätsvcrlng. Bei der publizistischen Tradition des Berlages war auch dieses Mal zu erwarten, daß die wirtschastspolitischeu Ereignisse des vergangenen Jahres mehr als eine bloß oberflächliche Darstellung erfahren würden. Ter Verfasser Franz Wolf war vielmehr erfolgreich bemüht, die verschiedenen wntsckxiftlichen Taten und Veränderungen in präziser Weise zu analysieren und in die großen lonjnnktnrmäßigcn Zusammenhänge cinznordncn. Diese Zusannnenhänge sind für ihn nicht nur zeitlicher oder theoretischer Natur, vielmehr existiert für ihn. zum mindesten als Postulat, der Begriff einer über die Einzelstaaten hinausreichenden Weltwirtschaft, deren Funktionsstörungen es zuzuschreiüm ist, wenn der Aufschwung sich noch nicht in genüge idem Maße selber trägt: auf zahlreichen Gebieten und in zahlreichen Ländern hat daher die Staatsinitiative weitgehend die Funktionen der Privatinitiative ausüben müssen. Tie konjnnktnrpolitischen Maßnahmen und Erfolge der Staatsgewalt, vor allem die Steigerung der industriellen Erzeugung, der Einkommen und der Umsätze werden von Wolf unter besonderer Berücksichtigung Deutschlands eingehend beschrieben und gewürdigt. Mit besonderem Interesse folgt der Leser den aufschlußreichen Darlegungen, die der Verfasser der Erschließung der Geldquellen widmetc. welche den Aufschwung bisher vorwärtsgetrieben haben. Reben der staatlichen Finanzpolitik finbcn vor allem die Maßnahmen ans Wirtschastsorgmiisawrischein Gebiet, insbesondere die Steuerung des Außenhandels, die Fragen der Preiskontrolle. der Teviscngesctzgebnng, der Agrar- und Gewerbepolitik ihre sachverständige Darstellung. Ungeachtet des hohen Niveaus sowie gewisser „prvduktiver Umwege" der Darstellung — deren Feinheiten, nicht für alle Leser berechnet sind ist die Broschüre infolge ihrer klaren, sachlichen Formuliern» gen vorzüglich geeignet, dem vraktischcn Wirtschaftler ein Bild von den großen Volks- und weltwirifchaftlichen Zusammenhängen der jüngsten Bcrgangenheit zu geben, das seine eigenen Beobachtungen weitgehend ergänzen und vertiefen wird. Richard Gothe, „Der Arbeiter und sein«! Arbeit." Verlag die Runde, Berlin. Immer von neuem wird in Kundgebungen und Verlautbarungen, in Presse und Organisation dem Willen Ausdruck gegeben, dem Arbeiter und der Arbeit den ihnen gebührenden Platz im öffentlichen Bewußtsein cinzuränmen. Run erscheint ein Buch, dessen Verfasser den Anspruch erhebt, auf knappen 92 Seiten über den „Arbeiter und seine Arbeit" zu berichten. Der Verfasser wollte sichtlich Klarheit über seinen Gegenstand verbreiten, indem er nur das Wesentliche über ihn znsammcnstclltc. Das ist ihm gelungen. Allerdings bringt er eine besondere, nicht allzu häufige Voraussetzung über seine Arbeit mit. Er vereint Betriebserfahrung mit wissenschaftlicher Bitl&efSzner JBeklesdzsimgs - GOLDBERG & SANDER i DAMENMÄNTEL-FABRIK BERLIN W8 KRONENSTR. 38/40 HERRENWÄSCHE-FABRIK BERLIN SW. 19 GRÜNSTR. 25-26 MeEIÜilQisIl SäülbGaStSln Damen- und Kinderwäschefabrik Damen-Schlafu. Strandanzüge Lieferant grosser Waren- und Kaufhäuser BERLIN C.2, Spandauer Strasse 29 TELEFON: E 2, Kupfergraben 1891 M. WOLFSKY & Co. 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