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Central-Verein-Zeitung · 1935-04-11 · 15 (11.4.1935) · page 16

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
15 (11.4.1935)
Date
1935-04-11
Page
– (sequence 16)
Language
German
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stützende Maßncihmc hingcwicsen.?fnf die Anbahnung von Freundschaft und Kameradschaft mit besonnenen, älteren Kindern sollte von seiten der Erzieher gerade bei den unbeherrschten Kindern mit besonderer Sorgfalt hingewirkt iverden.; J)r. Erich Nassau (Berlin). Des schv/ererziefchare HClstd Da? Problem de? nervösen, psychopathischen und schwcrcrziehbaren Kinde? wird in unseren jüdischen Kreisen immer wieder und, mir scheint, gar zu oft diskutiert. Zu gleicher Zeit hört man dann, das; die Zahl der nervösen und schwererziehbaren Kinder bei uns prozentual wesentlich hoher ist al? anderswo. Der Prvzciitnnterschicd: der Anormalen ist tatsächlich nur gering, Fragt man aber Ettern, Lehrer oder Anwohner jüdischer Schulen, dann hört man von einer unglaublich großen Zahl nervöser, psychopathischer und schwererziehbarer Kinder. Wir, die wir diese Verhältnisse kennen und tief bedauern, müssen sagen, daß unsere Kinder gar nicht so viel anders sind als andere Kinder. Sie sind aber oft falsch erzogen, und die Schuldigen sind wir Erwach, scnen, Eltern und Lehrer. Da? Zeitalter de? Kindes hatte sicher viel Ente? nnd Schöne? gebracht. E? hat aber durch seine Uebcrtreibnngen zu einer Weichlichkeit in der Erziehung geführt. Was wir in den Schulen oft sehen, ist keineswegs psychopathische Veranlagung oder Schwercrziehbarkeit al? Anlage, sondern meist nur Folge einer fals chen Erziehung. Wohl sind die Grundanlagen angeboren: aber der geschickte Erzieher soll die Anlagen in die rechten Wege leiten, die guten stärken nnd die schlechten in vernünftiger Weise beeinftussen oder unterdrücken. Der Erzieher, der die Ueberzeugung hat, das; eine Menschenseele unbeeinfüißbar ist, d. h. das; mir? Erziehen an der angeborenen Veranlagung scheitern muß, soll doch seinen pädagogischen Berns aufgeben. Hat es dem; irgenduu'fdicn Sinn, einen Beruf ansznüben, von dessen Erfolglosigkeit man überzeugt ist? Nein. nur brauchen Erzieher, die. ohne sich zu überschätzen, ait Erfolg ihrer Arbeit glauben, und ihren Berns daher freudig nnd fröhlich alisnben können. Blau lonnne nicht mit psychoanalytischen Eimvändcn, daß durch Erziehen oder Abcrzicheu' VerdränguLigscrseheinnngen nnd seelische Nöte anderer Art entstehen. So weichlich sind Kinder gar nicht. Schuld an dieser Erscheinung ist die Halbbildung: viele Lehrer glauben Psychiater, viele Acrzte glauben Pädagogen zu sein. Und so pfuscht einer dem andern in? Handwerk — zum Schaden der Erziehung unserer Kinder. Schon Koch, Scholz und Gregor haben sich in diesem Sinne geäußert. E? ist ein Glück, daß im allgemeinen diese Uebertreibnngen übernmnden sind. Es ist aber um so trauriger, daß in unseren indischen Kreisen von Lehrern noch an Theorien lind Praltiten festgehalten wird, die der Fugend Schaden, tinscrcr Gemeinschaft Unehre bringen. Man soll mir nicht vorwerien, daß ich nur aügcrnciite Anklagen uachspreche: deshalb einige lehrreiche Beispiele an? drei verschiedenen Schulen: Ein «teuer Lehrer, bei dem die Kinder ganz tvie Nur früher llnsng machen, versetzt dem frechsten einen Klap?. Der Leiter belehrt ihn. das; cs io etwa? nicht gebe. Pt ach dem der Lehrer sich aber bei den Schülern durch seine Eltergie Achtung verschafft hat, wundert sich der Leiter selbst über die Disziplin in dieser; Stunden. Ilnd rvie immer kann der Lehrer nun ganz gemütlich mit den Kindern verkehren. 7m einer anderen Schule geht mitten in der Strmde ein Junge an? Klavier nnd spielt. Ans da:- Verbot de? Lehrer? folgt die Antwort: „Ich deirte gar nickst daran, anszuhören." 7m derselben Schule weist die Lehrerin einen Zungen an? der Klasse, fügt aber hinzu: „Wenn alte protestieren, darf er drirr bleiben." Es yrotestierei, alle — nnd der Knabe bleibt nnd stört iveiter. Zn einen; Heim kornmt eine Lehrerin fünf Minuten zu spät zum Essen. Sie bittet öffentlich nn; Entsclnudigimg. Eii; l.jähriger Bengel springt ans: „Wir wollen aber wissen. was du geinacht Imst!" Sie antwortet, daß sie telephoniert habe. Ein etwas älterer Zunge springt ans: „Die Aniivort genügt iuk* nicht, wir wünschen zi; erfahren, n;it wem d>; gesprochen hast." Da sagt ein junger Lehrer: „Ans diese anmaßende Frage gehört leine Antivort. sondern eine Zurückweisung." Tie Folge davon ist, daß er von; Leiter gestellt und ersucht wird, die „Disziplin" in der Anstalt nicht zu untergraben. Al? ich da? hörte, rvar ich entsetzt. Will n;an denn zwangsläufig unsere Kinder zu arroganten, disziplinlosen, psychopathisch erscheinende;; Menschen machen? Können vernünftige Eltern. Lehrer nnd Erzieher solche Abwege in der Erziehung für richtig halten? Darf man vor allem junge Pädagogen in ihrer Arbeit sv unsinnig beeii;- flusscn lasse«;? Die drei angeführten Schulen sind für normale Kinder. Man gebe ihnen vernünftige Lehrer, nnd sie «verden anständige, gesittete Menschen werden. Durch Lehrer aber, die allzu weichlich und zaghaft, grübelnd und thevrctisicrcnd, vollgepfropft von unansgercisten. teil? schon überwundenen 'Problemen sind und dadurch den Schülern gegenüber unsicher austreten, könne«; selbst ganz gesunde Kinder verbogen und verdorben werden. Zum Glück sehen wir aber auch öfters das Gegenteil. Da kommt ein Kind, verstockt und bockig mit „hysterischen Wcinanfällen" und jähzornig. — Betrachtet nun; es von Anfang an al? krankhaft, dann bleibt e? auch so. llcbersieht man aber seine Art nnd läßt sich durch sei» anormales Betragen nicht irritieren und setzt sich so dem Kinde gegen«',der durch, dann schwinden Jähzorn und Weinanfälle und schließlich auch Bockigkeit und Verstocktheit. Das Kind har cingcschen, daß e? hier mit seinen Kunststückchcn nicht weitcrkommt, daß es mit Weinen und Schreien, mit Fußstampscn nnd störrischem Wesen nicht? erreicht — und c? legt diese „Krankhaftigkeit" ab. Das. Wichtigste ist, daß das Kind sich selber viel glück» lichcr nnd zufriedener fühlt. Dem Kinde sind' aber Lehrer nnd Erzieherin, die es mit liebevoller' und doch starker Hand aus den rechten 'Weg gebracht haben, tausendmal lieber als die früheren, bei denen e? sich n;it seinen Unarten durchsetzte, die c? für psychopathisch hielten, und die ihre „interessanten Beobachtungen" an ihnen machten. — Solche Zölle kan«; man nicht nur vereinzelt, sondern klasscinveisc beobachten. Sic sind der beste Be«vci? dafür, daß nicht der zu Erziehende krankhaft veranlagt ist, sondern daß der Erziehende grobe Fehler geumcht hat. — Selbstredend gibt es auch psychopathische Kinder, hei denen, solche normale nnd gute Erziehung nicht Hilst, nnd die nun; den; Heilpädagvgen und dem Arzt übergebe«; muß: aber der Versuch einer uorumlcn Beeinflussung muß zuerst bei jedem Kinde gemacht werden.' Villen,;! consules! Mögen die Männer, die über unsere jüdischen Schule«; gesetzt sind, unsere Schulen und Anstallen iiiiangcmeldet besuchen — nnd dann Drdnnng schaffen. Nicht äußerliche Srdmmg. sonder,; innerliclie! Da genügt mrljt eine Stunde, da genügt vielleicht erst ein ganzer Tag! Man sehe den Menschen ins Herz! Fragt inan die Schüler, welchen Lehrer sie gern haben, sie nennen nicht den, der sic mit Sammtpsötchcn ansaßt nnd den sie mit Papierkngelchen werfen und über den sie sich lustig machen, sondern den. der sie fest hält und stützt und dem sie willig folgen. So rvar es auch in unserer Kindheit, und so wird c? bleiben, solange e? Kinder geben wird. Ich spreche nicht für die Einführung dev Prügelstrafe. Wir wollen keine verknöcherten Prügelpädagogen: aber nur wollen auch leine Weichlinge als Erzieher unserer Kinder, die von diesen nur verlacht lverden. Frohe nnd frische Zugcndcrzicher brauchen wir, die trotz aller Liebe zur Jugend sich bei ihr durchsetzen, die Respekt und Gehorsam verlangen — auch dann, wenn diese Jugend durch unvernünftige Eltern falsch erzöge,; sein sollte. Und geht es einmal nicht anders, dann muß der Erzieher auch den Mut zur Strafe anfbringeu! Dann lverden die Kinder seckisch gesunde und tüchtige Menschen werden, nnd durch Achtung und Liebe werden sie es uns einst danken! Das Bedenklichste für unsere jüdische Gemeinschaft und für uns Lehrer — schlimmer al? alle? Traurige, iva? ,vir erlebten, «väre, wenn unsere Jungen? und Mädel? verzogen und verzärtelt, anmaßend nnd disziplinlos, ohne Ehrfurcht und ohne sittlichen Halt durch unsere eigene Schuld al? arrogante Schwächlinge in dieses harte Leben treten müßten. ‘ vr. F. Reich. Was ein© jüdische Schul© leistet Was eine Schicke leistet, kann im Grunde nur der Fachmann oder Eingeweihte recht ermessen, den die Schularbeit dauernd zu beobachten Gelegenheit Hai. Aber es gibt doch Augenblicke, wo das Wesentliche ihrer Leistung auch den; Laien blitzartig herborleuehtet. Da? ist diesnuck der Fall bei der Ausstellung von Werfarbeiten, die die K n a b e n v o! k s s cf) n l e der Jüdischen Gemeinde Berlin in der Kchserstraße 29,'NO statt einer Pnrimfeier herausbrachte. Sie sprengt fast den Rahmen einer Schnlerlcistnng nnd zeigt deutlich den Weg, den die neue Schule gehen muß: Es hat lange gedauert, ehe die manuelle Bildung in der Erziehungsarbeit ihre Gleichberechtigung gesunden hat. Heute weiß inan, tvclchc Fülle von Geistcsuud Willens!rösten durch sie lebendig gemacht wird. Tie Schule hat von Beginn an der werknnterrichtlichen Betätigung besondere Aufmerksamkeit zugewendet und alle Techniken de? Malens nnd Zeichnens, der Pappnnd Holzarbcit von den priinitibsten Formen der Unterstufe an mit großer Liebe gepflegt und in den Gesamtunterricht eingebaut. Und >va? dabei erzielt wird, zeigt diese Ausstellung, die auch der Fachnmnn mit Staunen und Bcnulnderung betrachtet. Einen besonderen Naum nehmen die Zeichnnngcn nnd Malereien aller Art und aller Stufen ein. Die unbefangene Art, wie das ganz junge Kind an eine Aufgabe herangeht, läßt Kräfte herborleiichteu. die niemand in solcher Fügend vermutet hat. Die Freude au Farben^ und Forme,; und ein natürliche? Gefühl dafür löst fast spielend Aufgaben der Farben- und Raumbcrtcilnng, vor denen der Erwachsene zögernd znrückschrcckt. Kein Unterrichtsfach bleibt dabei unberücksichtigt. Welch eine pflegliche Liebe offenbart sich darin, wenn Zungen ganze Arbeiten, Aufsätze und ähnliche? in sorgfältiger Kunstschrift Herstellen. Zn gleicher Weise findet die Kunstschrift bei der Anfertigung von Zweckpkakatcn, bei der Herstellung von Plakatbnchstabcn Verwertung. Zeichnerische nnd bildhanerische Befähigung konunt auch dem erd- und naturkundlichen Unterricht zugute. Und wenn im Unterricht auch nicht eigentlich das Ergebnis, sondern in erster Reihe die Betätigung selbst, der Kraftgewinn das wesentliche ist, so sind auch' die praktischen Ergebnisse nicht gering zu bewerten: auch der handiverkliche Fachnmnn wie der Lehrer sieht mit Staunen die mannigfachen Gcbrauchsgcgenständc aus der Pappnnd Holzarbcit, bei denen die Erziehung zur sorgfältigen Durchführung in die Augen springt. Eine Fülle und Mannigfaltigkeit von Gegenständen für unterrichtliche und häusliche Verwertung zogen die Airsmerlsamkeit ans sich: Bon; einfachen Deckel mid Lineal, von Kinderspielzeug aller Art, über cchachbrcttcr, Tabletts, Fußbänken, allerhand Halter. Ehanukkaleuchtcrn, Ampeln nnd Lampen, deren elektrische- Installation ebenfalls dort geschasten wird, zum Schrank für optische Apparate u. a. Und welche Bedeutung das alles für das Schul, leben selbst hat, beweist am deutlichste,; die Her. stellung eines ganzen Bühncnaiisbciu? mit Kulisse,; nnd Hintergrund und da? ganz^köstliche Puppentheccker, das bereits viele frohe stunden verschickst hat. Aber nicht geringer ist die Bedeutung dieser Werkbetätigung für die Zukunft unserer Fügend. Hier werden solche Begabungen nicht bloß entdeckt, sondern auch recht gelenkt, Auge, Laaud, Wille sin- Wen ihre Erziehung. Aber auch praktische Ergebnisse hat diese Schularbeit und Ausiielllmq erzielt; sind doch auf Grund der von Schülern an. gefertigten Plakate einige sofort als Lehrlinge ein. gestellt worden. , - Die Knabenvolksschnle hat eine vortreffliche Purimfeier veranstaltet: Sie-hat gezeigt, was jüdische Erziehungsarbeit leisten kann und leistet. H. F. Pie deutsche Dichtung in der Schule Zi; einem umfangreichen Aufsatz „Da? deutsche Echrifttiiin der Reuzeit in der „ationalsozialistischeii Schule" („Nationalsozialistischer Ersteher", Fahrg., :r. Folge) revidiert Dr. Franz Erdig die deutsche Dichtung unter dem Gesichtspunkt ihrer schulischen Verwendbarkeit. ' „Die Behandlung Lcssings". n;eint Dr. Erdig, „ist schwierig. Wir ,vollen dein Schüler nichts verschweigen. doch mir das Gute ihn innerlich erleben lassen. Lessing steht in Weltanschannng?- sragei; in; Banne der französischen Ausllär'ing nnd de? Ziidentiiiu?. Wenn nur auf „Ratlian den Weisen" Hinweisen, aus Aenßerungett ,vic Patriot so entwerten nur vor den Schülern an; leichtesten solche Gedanken durch den Hinweis, daß Patriotismus „eine heroische Schwachheit" ist, — Gedanlen fast desselben liberalen Geistes, die nn? vor zwei Fahren an den Rand des Abgrundes geführt haben.-Weit näher als Lcsfing steht uns heute Herder. Wenn Herder auch innner ein Anhänger des Hnnmnitätsgedankcns geblieben ist. so findet sich doch bei ihm eine Fülle von Gedanken, die gerade heute wie die kann; eines ziveitei; zutiefst zu unserer Seele sprechen. — Eine ganz besonder? schwierige Ausgabe ist es. die Gedantenivelt Schillers »nd Goethes den Schülern so zu vermitteln, «vie es unsere Zeit fordert. Es wird der Seele keines Schülers schaden, wenn er eminal auf die Maßlosigkeilen de? Weltbürgertum? eines Schiller hingcwicsen wird. Wenn er clwa die Sätze Schillers hört: „Zch schreibe als Weltbürger. Zch habe zur recliten Zeit mein Vaterland verloren, um e? cin1;ufanfil)cu gegen die weite Welt. Deutsche! Beinüht euch nicht, eine Nation zu sei,;!, seid zufrieden, Menschen zu sein!", so kann ich nur keinen Schüler denken, der im Zeitalter des Versailler Vertrages an solchen Sätzen auch nur ein Wort wird gntheißen können. Er wird an solchen oder ähnlichen Reden einschen. welche Zrrwege in; einzelnen der deutsche Geist ging und welchen Weg er heute unbedingt mcibcu muß. Uns ist heute auch das Verständnis genommen für Worte wie jene: „Seid umschlungen Millionen, diesen Kuß der ganzen Welt!"- Für Goethe gilt grundsätzlich dasselbe wie für Schiller." Zu der allgemeinen Lage des deutschen poetischen Rcalislniis in; vorigen Zahrhundect bemerkt Erlüg: „Es ist die Zeit, da das alte Dichtertum von einem Literateickum verdrängt nürd. da? au? proletarisch gesinnter; Schichten des Kleinbürgertums. znn; Teil an? fremder Nasse konnnt und eine jeder tiefer; Dichtung unverträgliche Wirtschaft?- gesinnung in das Schrifttum bringt. Diese Ein- Heilung greis; die germanische Lebenshaltung bis in die'Wurzeln an und wirkt nvch heute fort in Ronmnen der Zweig »nd Heinrich Manu u. a. Vor dem geschäftigen nnd zersetzenden Literaturnmchertnn; der Börne nnd Heine und de? ganzen jungen Deutschland reiten sich deutsche Menschen, die die Bindung zu Blut und Boden, die Zdenle von Treue und innerer Freiheit nicht hingeben wollen. — Von den Zeitromanen des 19. Fahrhundert? i«'t gerade heute nicht „Soll und Haben" von Gustav Freytag zu übergehe,;. Freytag ist tein überragender Dichter, aber einer jener ordentlichen nnd 'sauberen Schreiber, die das Volk vor den marktschreierisch aufgetanen Werken von Juden und' ihren Trabanten nur zu schnell vergaß: Freytags Noman ließ man ja in; beiten Fall nvch unter Streichung oder verstellenden Milderung seiner antisemitischen Bestandteile gelten." * In einem Aufsatz -„Tie deutsche Dichtung in der Schule" („Deutsche? Volkstum", 17. Jahrg.> 3. Heft) unternimmt Wilhelm Stapel ebenfalls den Versuch, die deutsche Literatur auf ihre Eignung für die neue deutsche Schule hin zu prüfen. Während er den altvaterischen Deniichmncrricht für kerngesund hält, bricht er über t-ri; deutsche,; Unterricht in der Nachkriegszeil bcn Stab: „Winke Mengen von Lciestvsi wurden, vyne Gründlichkeit, durch die Gehirne gewälzt, crijil« lers Zngenddramen. die gesamte Romantik. Gerhart Hailptmann. alles mußte man .kennen', und zivar mittel? Schule kennen." Besonders tadelt Stapel, daß Dramen Franz Werfels aus der Schülerbühne ausgesührt,' daß ferner die Prosa Stefan Ziveigs geleien nmcde, „vluvohl dieser österreichische Zude nie mit der Erlernung der deutschen Grammatik fertig geworden ist": er behauptet schließlich: „Ter Niedergang de? Sprachgefühl? aus den deutschen Hochschulen hängt ziveisello? auch zusammen mit dem Masseickonsilin der Wcrselschen, Zrveigschen, Töblinschcn, Wassermannschcu usw. Literatur." Sodann stellt Stapel einen ..deutschen Kanon" aus. der für die Bildung verbindlich fern soll. Anstatt der bisherigen ..Gegemvartskundc" fordert er eine Artlunde, eine strenge und knappe Auswahl von Dichtungen unserer Zeit, die da; „ewige" Ethos des deutschen Volles für die Gegen- «vart aufs neue gestaltet haben. Den Vorrang, meint Stapel, hat in der Schule das Drama als die große „politische" Form der Tichtmig. Diese Kuiistsvrm ist der Schule zudem am zubänglichsten. Besonder? eingehend zu behandeln sind die beiden eigentlich politischen Dichter der Deutschen: Schiller und Kleist. Was die Gegenwartsliteratur aubetrifft, so verlangt Stapel, daß die nationalsozialistische Kampsdichtung gesammelt, gesichtet nnd in einen giftigen Kanon zusammengefaßt werde. Es sei vor allem notwendig, das politische Gesetz der nationalen deutschen Dichtung der Zugend zu erschließen: es seien die „ewigen" Fragen aller Gemeinschaft, die tiefsten „politischen" Fragen, um die es in der großen Dichtung geht. F. F. Maitnonides als Unterrichtsproblem Anläßlich de? Maimvindes-Fubiläums hielt Dr. Fritz Bam der ge r in dcr W i s i e lisch a f t l i ch c n Bereinigung j ü d i s cl, e r Lehrer u n d Lehrerinnen einen Bortrag über „Tie Persönlichleit und Leistung des Rlaimonidcs als pädagogisches Problem". Zunächst wie? dcr Vortragende auf diejenigen Stellen-im Werke des Blaimonides hin, in denen dcr gewaltige Denker seine pädagogischen Ansichten niedergelegt hat, Ansichten, die durch iljrc „Modernität" überraschten. Vor allem aber war cs Dr. Bamberger um da? unterrichtsmethvdische Problem zu tun. wie mau das Werk des Maimouides dem jüdischen Schüler „ahebringei; und verständlich inachen könne. 2llie kann man, so fragte Tr. Bamberger, ein Geisteswerk vom Niveau des maimonidischci; derart . für das Nnterrichtsbedürfnis transformieren, daß der hohe Gehalt der Gedanken weder vergröbert noch verniedlicht wird? Man muß. erklärte Tr. Bamberger. dem Schüler begreiflich machen, daß das Werk des Mainwnides in der großen Traditionskette dcr jüdischen Geistcsgeschichte drinsteht, die von der Bibel ihren Ansgang nimmt. Rkaimonide? wollte nicht, wie in manchen Geschichtsdarstellungcn fälschlich behauptet wird, das Zvdentun; vor dem Richterstuhl der Verminst rechtfertigen, sondern er wollte den Lehrgchalt des Judentums in Uebereiustimmung bringen mit den Ansprüchen der außcrjüdischei; Bildung der Umwcltlultnr. Sein persönlicher Lebensgang erinnert an das heutige Zgldenschickück: aus einem wohtumfriedeten Dasein hinausgerissen, n;uß er die Bürde einer ungewissen Zukunft ans sich nehmen. — Ter ebenso gedankentiefe wie sonnvollendete Vortrag wurde von der jüdischen Lehrerschaft mit größtem Interesse ausgenommen. chpFZ GftF Fi /AN,! P\J|j ÜÜhsÜlE) ’l L, BdeaS© EKSiQCwsrag in der SCHWEIZ i Knaben• Institut Dr. Schmidt auf dem Roscnbcr? bei St. Gallon Herrliche Ilöticnlmidscliaft. Ilnndetv (lipl..Abitur.. mo<l.Sprachen. E)n/ii,yes Institut m. Maat!.Sprachkursen, iiuilvlalianlItali'rtiiur. KiiUrilt jciler/.cit. lieferen/, Hr. Rabbiner Dr. Schlesinger, 8t« (-allen. Schulprogramm durch die Direktion. 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