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Central-Verein-Zeitung · 1935-04-04 · 14 (4.4.1935) · page 10

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
14 (4.4.1935)
Date
1935-04-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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bnit|cf)cn '^uhrnnnnivv^ntipn. sondern otnc til'ifti'n Vhinltjfni biT .fiHbi'niraiio üln'r* haupt, das (firn? der nnv'il]lic]en Lösungen, v|'roflvamini', Theorien, Stroit- und Abwohrschrijton jener Zeit turmhoch überragend. Die Lage der Juden erscheint ihm als „eine kirchlich-)velthistvrische und so merkwürdige Erscheinung. dag bereits von goto iß nicht schlechten Köpfen beziveiselt worden ist, ob sie sich überhaupt ans blvs; menschliche Weise erkläreil lasse". Durch drei Momente haben sich seiner Ansicht nach die Juden vor allen Völkern des Altertums ausgezeichnet: sie waren nicht dalierud sehhast, sondern sie wechselten oft, bald aus Rot. bald freiwillig, ihreil Wohnsitz und lebten nicht selten unter fremder Herrschaft: sie besahen ferner eine eigeutülnlich kirchlich-politische Verfassung; außerdem sonderten sie sich selbst von denjenigen, in deren Mitte sie lebten, ab. ' In „altväterlicher Beharrlichkeit an der Ursitte und merkwürdiger Kraft passiven Widerstaudes" erblickt er die jüdische Eigenart. Welche Btittel erscheinen ihm nun erforderlich. um die Lage der Juden völlig umzugestalten? Er empfiehlt Ansiedelung. Zertrümmerung ihrer tirchlichen Form sowie Verschmelzung mit der Umwelt. Er weih wohl, das; dieses Programm am wenigsten durch Gesetzgebung eines einzelnen Staates verwirklicht werden kann: denn die Verschmelzung wird, solange sie nicht allgemein durchgesührt wird, nie eine völlige sein; ein Gegensatz zwischen Inden und Christen wird weiter sorldaueru. Der einzelne Staat muh die Absonderung so unmerllich, die Verschmelzung so innig als nur irgend möglich machen. Dies Ziel ist nur zu erreichen, wenn man die Inden aus einmal und in vollem Umsange den Christen gleichstellt. Diejenigen — fährt Humboldt fort —. welche den Inden alle Rechte nur allmählich einränmen wollen, gehen von der Ansicht aus, die Juden durch positive Gesetzesinahnahmeu zu erziehe n. Ihr Charakter fotl verändert und in demselben Grade, wie die beabsichtigte Aeuderuug erzielt wird, sollen ihnen weitere Rechte zugestaudeu werden. Dagegen wendet Humboldt ein. das; es nicht die Aufgabe des Staates sei. die Bürger zu erziehen. Cr müsse sie vielmehr in Stand setzeru sich selbst zu erziehen, er müsse alles aus dem Wege rämnen. lvas dieser Selbsterziehuug. der moralischen Entwicklung der Nation, hinderlich sei. Der Staat sei ein Rechtsinstitnt. keine E rzi e h u u g s a n sta l t. Auherdem sei es nicht möglich, sestzustellen. ob die beabsichtigte Besserung tatsächlich eingctreteu sei. Daralls ergibt sich für Huluboldt nur eine Schlußfolgerung: „I n d e n u n d G h r i st e n v 0 l l k 0 m m cn gleichz u st elle n". lind zwar foloohl in den Rechten wie den Pslichten, denn cs ist kein Rechtsgrund denkbar, dem Ilrden. der alle Pflichten erfüllen will. Rechte der übrigen Untertanen vorzuenthalten. Die Befürchtung, daß die plötzliche Verleihung aller Rechte au die Juden ein gefährlicher Sprung sei, halt er_ für unbegründet. Cs besteheil dagegen seines Erachteus feine Bedenken: denn der Staat übt die ihm obliegende Polizeiaufsicht streng und genau, ilnd die Inden werden gezwungen sein, den Gesetzen gerade so zu gehorchen wie die Christen. Der Staat bestinunt, unter welchen Bedingungen imb innerhalb welcher Grenzen ein Gewerbe betrieben werden soll, nnd.der Jude wird wie der Christ an diese Bestimmungen gebunden sein. Zll Staatsämtcrn aber gelange ohnedies nur der, wen der Staat dazu bernsc. Die Gefahr endlich, daß die Illden überall den Christen verdrängen würden, hält Humboldt für eine Schimäre. Aber selbst wenn man sie noch so hoch veranschlage, sei sie nicht so groß wie diejenige, die in der Immoralität liege, welche der bisherige Druck iw vielen Juden erzeuge. — Was Humboldt forderte, wurde" drei Jahre später von Hardeilberg erfüllt. Durch das Edikt vom II. März I8U2 erhielten die Juden in Preußen das Bürgerrecht. - IW TM C?v*!? v ■><-. fT:^*? P, f'r. £ * C) •* v 4^ & ö v v iH: v v *■ tj v ü | Cs folgte der deutsche Befreiungskrieg. Napoleons Herrschaft in Europa brach zusammeu. Der llll i e n e r Kongreß trat .zusammen, nicht nur um die staatliche Neuordnung Europas zu betreiben, sondern auch zu dem Zwecke, an Stelle des ehrwürdigen „heiligen römischen Reiches deutscher Nation", das im Jahre 1606 sang- und klanglos verschnumden war. eine neue Neichsversassnng zu schassen: den deutschen Bund. Neben anderen wichtigen Berhandlnngsgcgenständen stand auch eine reichsrechtliche Regelung der Iudensrage aus der Tagesordnung der SUmgrcßberatuugeu. Voller Erwartung und zugleich voller Sorge richteten die deutschen Juden ihren Blick nach Wien. Zu der Abordnung, die die Interessen des preußischen Staates auf dem Kongreß wahrnahm, gehörten die Wegbereiter der preußischen Iudenemanzipativn: der Staatskanzlcr v. Hardenberg und Wilhelm v. Humboldt. Wie einst in Berlin. so trat Humboldt in Wien ebenfalls in eine Atmosphäre, die durch die gesellschaftliche Kultur und Geistigleit jüdischer -Kreise verfeinert wurde. Immer wieder ist von den vielberufenen „jüdischen Salons" in Berlin — von dem Dreigcstirn Rahel. Henriette, Dorothea — die Rede, aber dabei wird übersehen, das; die gleichzeitigen „jüdischen Salons" in Wien an Einfluß und nachhaltiger Wirkung den berlinischen in seiner Weise nachstehen. Wie Rahel Levin in Berlin, vermochte Faun y v o n A r n st c i n in Wien ihr Haus zu einem gesellschaftlich maßgeblichen Mittelpunkt der napoleonischen Zeit zu machen. Namentlich in der Kongreßzeit. W die Staatsmänner des damaligen Europa in der Douausladt zusammcutrafeu. war die Glanzzeit ihres Salons. Sie war eine geborene Berlinerin, eine Tochter Daniel Itzigs. des wohlbegütcrteu Bankiers, der die jüdische Gemeinde Berlins lenkte. Alssie ihrem Gatten, dem Bankier Nathan Adam Freiherrn von Arnstein, nach Wien folgte, wußte die geistreiche und lebensprühende Frau alle Herzen zu gewinnen. Einer der schärfsten Meuschenbeobachter, der überdies mit ihr persönlich befreundet war, hat von ihr folgende anziehende Schilderung entworfen: „Eine hohe, schlanke Gestalt, von Schönheit und Anmut strahlend, vornehmen Tons und Betragens, lebhaften, feurigen Ausdrucks, scharfen Verstand und Witz mit fröhlicher Laune vereinend, nidtf ohne Belesenheit und fremder Sprachen wie der euzeneu mit Meisterschast kundig, tvar sie m Wien eine höchst ausfallende und merkwürdige Erscheinung." — So schildert der Gatte Rahel Levins, Karl August Barnhagcn von Ense, die Frau, der Kaiser Joseph ll. von Sesterreich seine Achtung bezeugte, in deren Hause Prinzen. Lords, die bevollmächtigten Diplomaten der europäischen Großmächte ein- und ausgingen; unter ihnen Hardenberg und Humboldt. Der andere jüdische Salon, den die beiden preußischen Staatsmänner während der Kougreßzeit ständig besuchten, wurde von einer jüngeren Schwester Fanny Arnsteins, der liebenswürdigen Frau Cäcilre von Es- Es ist nur wenigen bekannt, daß manche deutsche Autoren sich mit Vorliebe hebräischer Schriftzeichcn zur Niederschrift von Briefen und Dichtungen bedienten. Zn den wenigen erhaltenen Manuskripten dieser Art handelt es sich aber nicht etwa um hebräische Manuskripts im strengen Sinne, sondern eigentlich um „jüdisch-deutsche", das heißt deutsche Manuskripte, die in rabbinischer 'Schreibschrift oder chaldäischer Kursivschrift konzipiert sind. Daß von dem großen Humanisten. c u rij l i n und Eras m n s von Rotterdam vereinzelte hebräische (in diesem Falle wirklich hebräische) Manuskripte vorlicgen, nimmt nicht wunder, wvhl aber, das; der Dichter der ..Hermannsschlacht" und des „Prinzen von Homburg" Heinrich v. Kleist seuie „Susannen", daß Frank Wedekind verschiedene Frühwcrke, wie die Gedichte „Liebe" und -..Sophie Mati" in hebräischen Druckbuchstaben niederschrieb. Am populärsten sind die Briefe des jungen Wilhelm v. Humboldt an Henriette Herz, die im Varnhagen-Archiv der Preußischen Staatsbibliothek verwahrt werden. Ben - C'horin. keleZ. für eine große und glänzende Gäsiejefjar osfeugehalteu. Zwischen der älteren und der jüngeren Schwester herrschte. em Herzliches Einvernehmen, das noch dadurch befestigt wurde, daß ihre Gatten in cm und derselben Bankfirma „Arnstein und Eskcles" zusammeuarbeiteten. Wilhelm v. Humboldt - wurde von der geistreichen und tueuschlich sympathischen Art der Frau v. Eskeles gefesselt; eine edle, sreuudschafiliche Beziehung bahnte sich zwischen beiden an. In dem jüdischen Mcmschentreis. mit dem Humboldt und seine Gattin in Verbindung trat, darf ferner nicht jener außerordentliche Mann vergehen werden, der zu den vielseitigsten Geistern der Epoche gehörte. David Ferdinand K o r e s f. jener seinerzeit berühmte Mcdiziner aus Breslau, der zugleich Dichter, Uebcrsetzcr, Naturforscher und Diplomat war; als Arzt und Freund stand er den Humboldts nahe. Ebenso wie Humboldt bei Den Kongreß- Verhandlungen, die die Lösung der „deutschen Frage" augiugen. anss Ganze ging, indem er ein einiges und freiheitliches Tcmtschlaud an die Stelle der kleinstaatliclicu Zersplitterung setzen wollte, in gleicher Weise suchte er auf dem Kongreß eine totale L ö f u n g der Igldensrage herbeizusühren: er versuchte nichts Geringeres, als das preußische Judenemanzipatiouscdikt von 1812 zu einem allgemein deutschen zu erweitern. Eine rechtsverbindliche r ei chsd eu tsch e Iud e n e m a n z i P a t i o n hatte er im Sinne, als er für die deutsche Bundesverfassung nachstehenden Entwurf unterbreitete: „Tie drei christlichen Religiousparteien genießen in allen deutschen Staaten gleiche Rechte, und den Bckeuuern des jüdischen Glaubens werden, insofern sie sich der Leistung aller Bürgerpflichten unterziehen, die denselben entsprechenden Bürgerrechte eingeräumt." — Am Widerstand des allmächtigen österreichischen Staatskanzlers Fürst Metternich und anderer deutscher Staatsmänner scheiterte dieser anss Ganze gehende Entwurf: zustandekam der Artikel! 6 der B u n - desakte. der die staatsrechtliche Regelung der Iudensrage hinauszögertc: „Tie Bundesversammlung wird in Beratung ziehen, wie. aus eine möglichst übereinstimmende Weise, die bürgerliche Berbesse-- rung der Bekenner des jüdischer; Glaubens in Deutschland zu bewirken sei. und wie insonderheit denselben der Genuß der bürgerlichen lllechte, gegen die Ucberuahme aller Bürgerpflichten, in den Bundesstaaten verschafft und gesichert werden könne. Jedoch werden den Bckcnncrn dieses Glaubens, bis dahin, die denselben in den einzelnen Bundesstaaten bereits cingeräumtcn Rechte erhalten." Auch diese Zusage tourdc gebrochen: m der letzten Fassung des Artikels hatte mau das Berhältriiswort „in" durch „von bau Bundesstaaten" ersetzt und damit eine bequeme Handhabe geichassen. um die Rechte, die Napoleon den Juden der von ihm unterworfenen Lander gegeben hatte, abzubauen. Wieso war Wilhelm von Humboldt gescheitert? Warum fand sein Entwurf einer auch hier als gründlicher Forscher und lebendiger Darsteller. Elisabeth hatte schon in jungen Tagen, als ste noch das se-rglosN)eüere Dasein einer banerischen Prinzessin führte, gern ihrem ööedichtbüchlein all ihre Wünsche und kleinen Kümmeriüsse anvertrant. Diese Verse sind zivar keine Knnstwcrkc. aber sie fesseln durch die Zartheit des Empfindens. Melaircholischer klingen die Gedichte, die nnr^aus dei; ersten Wochen ihrer Ehe besitzen; ihre Sel)i;sucht nach der Heimat und ihr Verlangen nach Freiheit sind da mit erschreckendem Ernst au-7gedrückt. Dann stellen Familie und Thron so vielerlei Anspräche an die Kaiserin, daß sie keine Zeit zu neuen lhriscl)c>; Versuchen findet. Erst nach dreißig Jahren kehrt sie z;ir Poesie zurück. Carmen Ä)lva und auch ihre Liebliugstochter Valeruc, die das schwermütige, ruhelose Wesen der Plutteram besten verstchtZratcu ihr dazu. Den stärksten Antrieb ernpsäugt sic aber von einem Toten: sie versenkt sich um diese Zeit — cs ist die Müte der achtziger Jahre — in Heinrich Heine? Werke: bcsonders in seiner Lvrik findet sic viele ihr wesenSverwandte Züge. Die zahllosen Gedichte, die sie in den nächsten Monaten und Jahren zu Papier bringt, tragen unverkennbar den Stempel Heineschen Geistes: Elisabeth müht sich, seinen leichten, halbironischcn Ton und den funkelnden Glanz feine? Ausdrucks nachzuahmen. Auch Heines Prosa begeistert sie: sie verteidigt die Nespektlosigkeiten seiner Ncisebilder und seine ganze ethische Einstellung gegciiüber ihrer Tochter Valerie. Valerie besitzt für den Heine-Kult ihrer Mutter eberuv«. wenig Verständnis wie Kaiser Franz Joseph. ,Er ist aber taktvoll gemrg, sie gewähren zu laßen. Einen ironischen Blick kann er freilich nicht unterdrücken. als Kronprinz Rudolf zu 2Üe:hnachten 1.^88 seiner Mutter ein Bändchen Heinc-Brrese als Ueberraschnng überreicht. Wie Elisabeth bei allen ihren Passionen nur schwer Maß zu Halter, wiißte. so auch bei ihrer Leidenschaft für Heine. Sie beschäftigt sich ständig mit seinen Werken und seiner Lebensgeschichte. Heine ist überall und immer mit mir", schreibt sie an Valerie; „jedes Wort, jeder Buchstabe, was nur im .Heine* porkommt. ist ein Juwel." Eine Taschenausgabe seiner Gedichte trägt sie ständig mit sich; sein „BelsaZar" urid ferne „Wallfahrt nach Kevlaar". rühren sie immer wieder zu Tränen. Er hat wirklich ganz von ihr Besitz ergriffen. 5tach einer langen Unterhaltung mit Carmen Sylva, die Heine Wühler gegenübersteht. sicht die Kaiserin abciids im Bett das Prosit des Dichters -lebendig vor sich, sie hat dabei das Empfinden, seine Seele wolle die ihre aus dem Körper losringen: „Der Kampf dauerte einige Sekunden," berichtet sie ihrer etwas ungläubigen Tochter, „aber Gott gestattete der Seele nicht, den Körper zu verlaßen. Die Erscheinung verschwand mtd ließ mir trotz der Enttäuschinig des Weiterlebens eine beglückeiidc Befestigung im zuweilen schwankenden Glauben, eine größere Liebe zu Gott und die Ueberzeuguug zurück, daß der Umgang von Heiiics SeeleRriid der mcincrl von ihm gestattet fei." Sv behauptet sie dann auch, Herne diktiere ihr beim Dichten. Der Tvtenkult, den sie mit ihm treibt, bereitet ihrer Umgebung Sorge. Ihr Bruder Herzog Karl Theodor, der ihr menschlich nal)estcht und arrch al§ Arzt einen grrten Blick hat. findet wohl die so entstandenen Gedichte schön, aber er warnt Elisabeth davor, sich allzusehr in ihre Ideen zu Verbohren. Und zu Valerie meint er, die Kaiscriir werde sich dilrch ihren eingebildeten Seclenverlehr mit Heine ihre Nerven so überreizen, daß sie schließlich noch „um* schnappen" könne. Elisabeth selber vertraut danmlS ihrer Tochter den Plan an. all diese unter Heines Einslus; verfaßten Gedichte lange nach ihrem Tode .zngimstcn politischer Atärtyrer drucken zu lassen. Dies Projekt blieb rrnausgeführt. In allen ihren Schlössern läßt Elisabeth Gemälde oder Büsten ihres Ateisters anfstcllcn. Sie wünscht, daß auch seine Vaterstadt Düsseldorf ein -Heine'Dcnlmal erhält. Rach Besprechungen mit dem berühmten Schauspieler Lewinsky, der ihr öfters vorliest, gibt sie nicht nur die wesentlichen Anregungen dafür, sondern spendet dem Düsscldorser Komitee auch einen fünfstelligen Betrag. Und schließlich erbaut sie in ihrem Schloß Achillcion auf Korfu einen offenen Tempel, der eine herrliche lebensgroße Statue Heines (ein Werk des Bildhauers Hafselricö) ausnimmt. Unberührt durch die Kritik der Welt, bekundet Elisabeth so ihre tiefe innere Verbundenheit mit dem Dichter. — Auch zu seiner Familie tritt er in sreundschastlichc Deziehmigew Sie läßt seinen Wiener Ressen, Baron v. Heiuc-Geldern, zir sich kommen und spricht mit ihm über seinen großen Oheim. Auf einer ihrer vielen Reisen berührt sie Hamburg, um die greise Schwester des Dichters, Charlotte Emden, kenncnzulernen. Sie läßt sich von ihr viel über ihren Bruder Heinrich erzählen und erhält schließlich sein Petschaft als Andenken. In Erinnerung an diesen Besuch sendet sie Charlotteö Alaun. Ludwig Emden, einige Zeit darauf ein paar kostbare Gaben: dieser schenkt ihr daraufhin seinerseits ein Bild und Nlanuslrivte des Dichters. Elisabeth ist beseligt. Sic hat übrigens Frair Emden versprochen, durch ein Rtitglied des Erzhailses Blumeti an Heines Grab nicderlegcn zu lassen. Der Kronprinzessin Stephanie fällt dieser Auftrag zu; der Kranz trägt die Jiischriit: „Kaiserin Elisabeth i hr e m Lieblingspoete n." Später hat sie selbst den Friedhof auf dem Montmartre ausgesucht. Roch auf einer ihrer letzten Reisen, als schwerkranke rFrau. ließ sie es sich nicht nehmen, sein Grab zu bekränzen. Heinrich Heine ist zwar der bedeutendste, aber gewiß nicht der einzige jüdische Geist gewesen, der auf Elisabeth ermvirtre. Zu der Zeit, als sie sich tatkräftig um den Ausgleich mit llngarn bemühte, genoß zum Beispiel der Journalist Mar Falk arrs Budapest ihr besonderes Vertrauen. In einem Brief an Franz Joseph sagt sie von ihm: „Reit den Manieren des Falk bin ich sehr zufrieden... Brauchst nuf ihn nicht eifersüchtig zu sein; er ist das lebendige Bild des echten Juden, aber sehr gescheit und angenehm." — Auch mit Angehörigen des Hauses Rothschild hat sie verkehrt. Besonders hoch schätzte sie die Baronin Julie R o t h * s ch i l d. Es wirkt wie ein Symbol, daß der letzte Besuch, den die sonst so menschenscheue Kaiserin in ihrem Leben machte, dieser Baronin Rothschild galt. Am v. September 18U8 verbrachte sie einige angeregte, ja, fast frohe Stunden bei ihr!» Pregny; beim Abschied lud sie ihre Gastgeberin nach Cau^ ein. wo sie den Spätsommer verlebte. Doch dieser Gegenbesuch mußte unterbleiben; denn tags darauf wurde Elisabeth das Opfer eines wahnwitzigen Attentats. Der Nrihelosen ward damit freilich nur der sehnliche Wunsch erfüllt, den sie so oft geäußert: daß Gott sie zu sich nähme. F. H. Esettzs über den Mpheten Zona Ein wenig heimlicher und zutraulicher wird einem doch zumute, wenn man Goethe aus unseren Wegen trifft, wenn man gar hebräische Buchstaben von ihm vorgesetzt bekommt. So ist es im 98. Band der Ausgabe letzter Hand, Seite 99 in einer Rezension des 2-tjährigen Goethe über Lavaters Predigten zum Buch Jona: „Die erste der Predigten handelt von der Allgemeinheit der göttlichen Fürschung. Vorn erzählt Hr. Lavater schon und ungekünstelt den sonderbaren Ruf des Jonas aus der Geschichte des Tertes. Wobei wir uns doch gewundert haben,;vie Herr L. sagen konnte: .das ist schwer zu be^ greifen — daß er aus den tollen Einsall geriet!) vor dem Aitgesichte des Herrn zu fliehen nttv seiner allgegemvärtigei'. Hand gleichsam zu on! lausen', da doch die '.Hmm'vfunß so alt als richtig ist, welche die besten Ausleger zu Ablehnung dreses Vorwurfes geniacht haben, daß ein allgerneiites Ratiottalvor::rteil bei den- Inden tvar. als ob (hier folgen die hebräischen Lettern TTT D'*) das Angesicht Gottes nur über die Inden leuchte; das heißt, daß Gott mir unter feinem V"lke feine Spezialprovidenz durch unmittelbare Ossenbaruugen und andere besondere Wirlni.gen äußere; ja daß er sich um die Heiden gar nicht bekümmere unb sic seiner Vorsorge "würdige. Unfehlbar hatte auch Jona den Gedanken, wenn er nur Gott (wie mau sagt) aus dem Gesichte. da-Z heißt Palästina, wäre, so würde er von so unangei'ehmen Aufträgen nichts weiter zu befürchten haben — und läßt nicht selbst der ehrliche Charakter des Iona-s. den Herr L. in der rFalge rühmt, jeden nochdeukenden Leier vermuthen, daß eine solche durch ein allgetneincs Vorurteil gestimmte Schtvachheit bei dieser silncht zum Grunde müsse gelegen haben? Seite ist der ^Gedanke: .mir scheint unter allen (heiligeit Verfassern) keiner so ganz ausdrücklich, so gai;; durchaus, und mit dem größten Fleiße dies (nämlich die allwaltende Fürschnng Gottes glanbivürdig. und. so viel wie möglich, handgreiiliä) machen) immer vor dem Auge gehabt zu haben. — wie der Verfasser dieses Buchs unfehlbar etwas übertrieben. Wir dürfen Hru. L. an das Luch Hiob erinnern, um seine Bcistimmung zu erhaltcu. Im Buch Hiob ist unfehlbar der Satz: .Gottes Fürsehung ist unergründlich aber doch immer durch den Ausgang groß und bewunderungswürdig' die offenbare Hauptabt-u? des Verfassers gewesen: so wie ich glaube, das» im Buche Jonas der Zweck war. obgedachtes p1’ sches Dvrurtbeil au widerlegen und -» daß sich Got'es Fkn.K):.n.' -.mn ■ 'l erstrecke. Der Gedanke: D'.e Sinn."' sehung ist d e Sriutwe ties. G-- . - -■ S. 64 u. f. ausüchrt. isi >ci jeher mw b lingsgedanke ins Rezensent.-:: gc-we'::-.. - ■- ' sich immer tec-;;. dwK gZawcn.'

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