Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1935-03-28 · 13 (28.3.1935) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
13 (28.3.1935)
Date
1935-03-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2277379-2278097-2278110--09336-2290442
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

26 entity mentions

aimonides war, wie mau weiß, Arzt.. Wirtschaftliche Schwierigkeiten hatten ihn veranlaßt, die Lrztliche Kunst als Beruf auszuüben, wir wissen nicht, wo und wann er eigentlich Medizin studiert hat. 2Us die Familie sich N88 in Fez in Marokko niedcrlicß, verkehrte Maimonides schon dort mit ärztlichen Kollegen, war aber anscheinend noch nicht ärztlich tätig. Später, in Aegypten, „rußte Mose Maimonides für die Familie sorgen, und er tat das, indem er sich N67 in Fostat und Kairo als Arzt nicderließ. Er gewann rasch großen Bus. Die zeitgenössischen Acrzte erkannten seine Bedeutung an. Seine Schriften spielten im Mittelalter eine große Rolle. Maimonides war Leibarzt des großen Sultan Saladin, später von dessen Sohn Sultan Al-Afdal. Er hatte in den späteren Jahren außerordentlich viel zu,tun. Das geht airschaulich aus einem Brief hervor. den Maimonides an Rabbi Samuel den Tibbon 1119 schrieb, als ihn dieser von Frankreich aus in Kairo besuchen wollte. Maimonides riet ihm von dieser Fahrt ad, da er nichts von ihm haben wllrde. Jeden vormittag müßte er den im benachbarten Kairo residierenden Sultan besuchen, und wenn er heimkehre, seien seine Wartezimmer überfüllt von Patienten, Juden und Nichtjuden, Reichen und Armen, Freunden und Feinden. Er habe kaum Zeit vom Pferd zu steigen, sich zu waschen und etwas Nahrung zn sich zu nehmen. Die ärztlichen Beratungen währten bis tief in die Nacht. Dann werfe er jidj aufs Bett, zu müde, um noch sprechen zu können. Einen Ruf, als Leibarzt zn dem Frankcnkönig in Kskalon zu kommen, lehnte Maimonides ab, wohl um den vertrauten Wirkungskreis in Kairo nicht aufgcben zn müssen. In vielem kommen die Auffassungen des Mairnouidcs der heutigen ärztlichen Auffassung nahe. Das geht z. B. aus der großen Rolle hervor, die er der richtigen Ernähr u n g für Gesundheit und Gesundrnerden zuschreibt. Ständig warnt er vor Uebersättigr.ng. Der Mensch soll zn essen aufhören, che der Kppetit geschwunden ist. Ueberfüllung des Magens ist stets schädlich. Maimonides stimmt hier den Ansichten von llsippckrates und Galen vollständig zu. In Zahlen ansgedrünt, soll ein viertel von der Sättigung übrig bleiben. Die Ernährung gilt — wie uns heute wieder — Maimonides als Schlüssel der Gesundheit. Selbst in seinen: philosophischen Werk, dem More Newuchim, wird von Ernährungssragen gesprochen. So betrachtet Maimonides darin alle Speisen, die das Gesetz vcrbietet, als schädliche Nahrungsmittel. Das Schwein gilt ihm deshalb als ungesund, weil es zuviel Feuchtigkeit und überflüssige Bestandteile enthält. Das Gesetz verabscheut das Schwein wegen seiner großen Unreinlichkcit und weil es sich von abscheulichen Dingen nährt. Das Zusammentreffen von Fleisch und Milch in der Ernährung ist eine zu Üppige Nahrung, erzeugt starke Ucbcrsättigung. Kein Mensch soll irgendwo oder irgendwann eine Speise zu sich nehme»:, deren Verschlechterung bereits begonnen hat. Brot soll aus frischem, trockenem Mehl bestehen und klciehaltig sein. Schwer verdaulich, daher zu »neiden, si»:d ungesäuertes Brot, der »nit (Yelci: cingerührte Brottteig, ein dicker, kleistriger Teig. Die verschiedene Bekömmlichkeit der Milch 'für den einzelnen Menschen ist klar erkannt. Sie ist ci»:e gute Speise nur für den, in dessen Magen sic nicht sauer wird oder gärt oder in dessen Darn: sie Gärungen hcrvorruft. 2$ Stunden nach dem Melken ist die Milch schädlich; Maimonides war sich also über die rasche Verderblichkeit der ungekochten Milch im klaren. Fettes Fleisch ist nicht so gesund wie mageres. Geflügelfleisch ist besonders leicht verdaulich. Eier sind sehr wichtig für eine kräftige Ernährung, »»amentlich der Dotter des Hühnereies wird als wirksamer Ernährunasstosf betrachtet. Der Regelung der D ar mt L ti g k e i t wird größte Aufmerksamkeit zugewendet. Maimonides ist sich in: gleichen Grad wie die moderne Medizin darüber klar, welch Giftherd bei ungenügender Darmtätigkcit im Körper zurückbleibt. Frische Früchte werden von Maimonides im allgemeinen nicht so günstig beurteilt wie wir das heute tun, — vielleicht «ns Besorgnis vor Krankheitsübertragunz, die durch sie früher viel häufiger war als heute. Er empfiehlt aber das Nehmen von Aepfeln u»:d Ouittcn und das Sauge,: von Granatkernen nach dem Essen, was zivcifellos für den Darm anregend ist. Auch Feigen und Trauben werden als aut bezeichnet, vor einem lsinhaltei: der Darmtätigkeit wird scharf gewarnt. Bezüglich des Weines war Maimonides in einem größeren Zwiespalt als der moderne Arzt, der die Trunksucht bekämpft, aber den wein in seinen guten Eigenschaften gelten läßt. De»: Arabern war der wein sa durch religiöse vorschriftc»: verboten. Im „More Newuchim" sägte Maimonides vom wein: wer sich vor ihn: in acht nimmt, wird ein kseiliger genannt; der weinaenuß hat in alten und jüngeren Tagen viele ins verderben gestürzt. Auch der irrt, der meint, daß eimnal im Monat Trunkenheit nützlich ist. Ein Jüngling von 2\ Jahren soll überhaupt keinen Wein trinken. Aber je höher ein Mensch,an Jahren wird, desto nützlichcr ist für ihn der Wein, an: meisten benöttgen ihr: die Greise. Kleine Mengen Wein sind für die Verdauung nützlick», er ist ein Stärkung»- ja ein Beilmittel für verschiedene Krankheiten. Er hebt schwere, melancholische Gedanken auf, bringt guten Schlaf. So empfiehlt Maimonides den wein dem an Melancholie leidenden Sultair, entschuldigt sich aber in der Einleitung, er wisse wohl, daß das Rolizionsgcsetz de»: Wein verbiete. Aber: „Der Arzt ist nun, soweit er eben Arzt ist, verpflichtet, die Rrt eins» nutzbringenden Medikaments ar»zugeben, sei es nun verboten oder erlaubt, der Patient hat dann die freie Wahl, es 31t tun oder nicht zu tun. Denn wenn der Arzt von der Anführung alles dessen, war nützt, sei / Von W. Schwkishkimrr iS, nun verboten oder erlaubt, schlveige»: würde, so würde er eine Täuschung-begehen und würde nicht freigebig sein bei der gesundheitlichen Förderung/ In den Schriften des Maimonides finden sich eine Reihe hygienischer Vorschriften, die heute gleichfalls als besonders wichtig gelte,:. Die Sorge für reine Luft wird als eine Pflicht bezeichnet, die besonders die Stadtbewohner nie vergessen sollten. Das l-^aus soll der Sonne, die schädliche Miasmen tötet, frei zugänglich fein. Das täzlrche Bad wird von Aerzten für ungesund gehalten. Demgegenüber betont Maimonides. das sei nur der Fall, wenn man solange im Bade bleibe, bis der Schweiß herabrinne; wer jedoch kurze Zeit im Bad bleibe, der könne unbesorgt täglich baden. Körperliche Hebungen werden dringend empfohlen, freilich sind »:ur mittelmäßig anstrengende Bedungen als gesund zu betrachten.^ Als besten Sport betrachtet er das Bandballwerfen und Ringen. Auch Greise sollen nicht versäumen, Leibesübungen zu treiben. Zum Schlaf bedarf der Gesunde durchschnittlich acht Stunde»:. Er soll früh aufstehen, am besten vor Sonnenaufgang. Die Gcwohicheit gilt Maimonides als wichtiger Grundsatz bei Erhaltung der Gesundheit wie Heilung von Krankheiten. „Keiner verändert die Gewohnheit plötzlich, oder er wird notgedrungen krank/ wenn eine Gewohnheit vom Arzt als schädlich erkannt ist und aufgegebon werden soll, geschieht das am besten langsam. Starke Kuren soll man niemals selbst ausführe»:, sie sind nur unter Die Auffassung des Maimonides Über hämorrhoid e n stimmt ganz mit der heutigen Anschauung überein. Maimonides bat eine eigene Abhandlung über dieses Thema geschrieben, höchst modern mutet auch die Wertschätzung des A d e r l a s s e § durch Maimonides an. Dieses Mittel spielt nach langem versunkensein jetzt wieder eine große Rolle in der Medizi»:. Aderlaß und andere Arten der Blutentziehung, etwa durch Schröpfköpfe, gehören bei Maimonides zum Rüstzeug der Hygiene. Maimonides A»:sichten über die Behandlung der giftigen Schlangenbisse gelten ebenso heute noch. Gewiß verwenden wir he»»te Gegenserun: gegen Schlangenbisse, aber die übliche praktische Hilfe muß sich ohne Serum behelfen. Ueber sie hat sich Maimonides in einer Abhandlung ausgelassen, die er auf Anregung eines Protektors, der ägyptischen Wesirs Kadhi al Fadhil, im Jahre N99 abfaßtc. In jener Zeit gab es zahlreiche Todesfälle durch Schlangenbiß in Aegypten. Der Wesir hat deshalb Maimonides, eine kurze Abhandlung über das Verhalten der Gebissenen vor Ankunft des Arztes zu schreiben. Diese Hinweise müssen genügen, um die Bedeutung und Richtigkeit der medizinischen Lehren des Maimonides zu charakterisieren. Neun von den medizinischen Werken, die dem Maimonides zugeschrieben werden, sind (nach Pagel und Meyerhof) als authentisch anzusehen. L» sind: Die Gesundheitsanleitung für den Sultan AlrAsdal; Ueber die Gifte; hämorrhoiden; Ursachen der Zufälle; Aphorismen, ein Werk, das im Mittelalter zur Kenntnis des Galen viel benützt wurde; Kommentar zu der hippokratischen Schrift über die Aphorismen; ein Auszug aus den Werken Galens; eine Abhandlung?>£. VW,- - 117/7 . ** ’-J4 # "v * * n; 7 ,?77. .. 7.v.*vv*v?/~ Ueberwachung des Arztes geraten. Bei Herzbeschwerden gibt Maimonides Kampfer und Moschus und andere anregende Mittel, wie sie schon früher' bei bei: arabischen Aerzten üblich waren. In der Frage der Vererbung warnt Maimonides vor der Heirat mit einer Person aus einer Familie von Aussätzigen oder Epileptikern oder einer Fortxflanzungsunfähigen. In der S e e l e n h y g i e n e ist es bei Mai- »nonides ein wichtiger Grundsatz, das stete Denken an Dinge, die mau nicht beeinflussen kam:, zu unterlassen. „Fürwahr, die Gedankengebung, die da ein herzprcssen über das, was möglicherweise in Zukunft eintreten könnte, bringt, muß man auch aufzeben/ Die Krankheiten der Seele bestehen nach Maimonides Auffassung in einem Z»iviel oder Zuwenig. Der Mensch neigt einem Extrem zu, aber die Gesundheit der Seele besteht in Einhaltu»»g des Mittelmaßes. Um die Hinneigung zu einem seelischen Extrem zu heilen, wird der Arzt de»: Kra»:ken veranlassen, Dinge zu vollziehen, die in der Richtung der e»»tgegenaesetzten Extrems liegen, bis die Seele wieder ihre Mittellage erreicht hat. über Sexualverkehr, dis für den Sultan r>on hams, einen Lleffen Saladins, geschrieben wurde; eine Abhandlung über das Asthma. So ist m»s ein reicher Ueberblick über die medizinischen Ansichten der Maimonides erhalten geblieben, zunral auch in seinen anderen Werken sich stets hinweife auf mediziiüsche und hygienische Fragen finden. welchen Ansehens sich Maimonides als Arzt erfreut, das geht aus den Worten hervor, mit denen der arabische Dichter und Richter Ar-Said Ibn Sanä 2l!-Molk seine ärztliche Kunst zu schildern wußte: „Galens ärztliche Kunst heilt nur den Körper; Abu Imranr (Maimonides) Kunst heilt aber zugleich Geist und Körper. vi,rch sein wissen hat er sich zum Arzt der Jahrhunderts gemacht, und durch seine Weisheit könnte er sogar von der Krankheit der Unwissenheit heilen. würde sich der Mond selbst an seine Kunst wenden, so würde er von den Fehlern befreit werden, die ihm anhaften; am Tag des Vollmondes würde er den Mond von den Flecken heilen, die ihn entstellen, und am Tag der Konjunktion würde er ihn vor dem Schwinden bewahren/ Oe?lkhung?u fleilter Lckhart / mn£tamn, aß Meister Lckhart wiederauflebt vor seinem Volke, ist kein Zufall, wir verweilen bei dieser Stimme, weil in ihr auch der stille Jubel eines Menschen ist, der sich durch die Drangsal des Daseins hindurchgefunden hat", schreibt Joseph Beruhart (in sei»:em m:gewöhnlich gescheiten und qutaeschricbcnen vergleich „Meister Eckhart und Nietzsche", Greif-Büchcrei). Tatsächlich darf man von einer Lckhart-Renaissance sprechen. Selbst Laien führen schon Lckhart-Worte an, die Schriften der Meisters werden von verschiedenen Seiten neu herausgegebe»:, das bisher Unveröffentlichte ans Licht gezogen. Unser Anteil an dieser Bewegung kann nur ein Ln:pfangen sein. Allerdings hat es seit Jahr und Tag unter den wenigen, die Meister Lckharts wahre Bedeutung kannten und proklamierten, auch 'luden gegeben. u»»d eine der frühesten und.besten populären Ausgaben stammt von Landauer, wichtiger ist es. das' Verhältnis zwischen INeister Lckhart . »mb einem seiner hauptsächlichen iNeister zu schilder,:, der ein Jude war, „änüich ülüimo»::der. Zwar heißt er bei Bernhart nur, daß Meister Lckhart u. <r. aus „noch vielen Goistürmäimcrn der christliche»:/ jüdischen und moslemischen Welt auf jeder Seite - schöpft" und daß er der großen Uebertteferung „als- Denker -hundertfach verpflichtet ist", aber der Na„:e . Maimonides Mt hier so weiüg — Bernhart hat. ällerdinar keine»: Anlaß, ihn zu nennen ^.wie an» derwettlg, wo Sie Namensnennung (und die Kennl» »:is des Maimonides) zu erwarten wäre, warum? Lckhart zitiert in seinen deutschen predigten den Mairnonidcs nie namentlich. In den lateinischen Schriften, die jetzt veröffentlicht werden, beruft er sich aber immer wieder auf den jüdischen Philosophen, und alles in allem ist der Einfluß' des Maimonides auf ihn unverkennbar und in eurer wesentliche,: Frage entscheidend. Meister Lckhart weiß und wiederholt es öfter, „daß man Gott, den Sinn der Welt, nicht erkennen könne, daß wir aber wissen, war er nicht ist". Dieser Ausschließen jeder positiven Bestimmung Gottes, dieser Sichbeschränken auf Aussagen negativer Art, dar hat er vom Maimonides. we»:n wir, so entwickelt iNaimonides diesen Gedanken, zu Schiff auf hoher See twas am Ljorizont sichten, so können wir nicht bestimmen, was es ist, aber je näher wir kommen, desto bestimmter können wir feststellen, was alles es nicht ist. Diese Einstellung wurde von sämtlichen scholastischen vorlärrfern Eckharts abgelehnt, »veil dis Konsequenz des Gedankens, die Illaimonide» mit großartiger Kllhnheit zieht, ihnen nicht mehr »nit der Lehre von der Dreieinigkeit vereinbar schien, wenn wir nämlich, sagt Mairnonider, Gott ein prä- . dikat zuschretben, und wenn er. selbst das denkbar abstrakteste wäre, so tragen wir damit eine Vielheit in das göttliche Wesen hinein,. wir zerstören als» den Begriff der Einheit Gottes. Gerade diese Konsequenz ist es, die Lckhart von Maimonides übernommen, untersucht, gestützt und . mit eigenen Argumenten verschärft hat. Um dieser Kottsequenz willen ist ihm Maimonides ein Meister, - den «r ni« kritisiert, den er häufiger und ein,ersta»:dener zitiert als Plato und Aristoteles, Averroer und 'Avleenna. Erst wem man „die Abhängigkeit Lck- Harts von Maimonides" kem:t, sagt Joseph Koch, versteht man „seine Gotteslchre, die einerseits an tausend Stellen christliches Gepräge aufweist, andererseits aber der jüdischen verwa,:dt ist durch die oft und oft wiederholte kehre von der absoluten Einheit Gottes/ Natürlich ist nicht zu verkennen, daß die Gotteslehre des Maimonides für Eckhart „r:ur das Fu»:dament ist, auf dem er seinen Himmelonstrebcnden Bau errichtet: daß wir nur, was Gott nicht ist, wissen können, daß dies Nichts, mit dem wir also Gott identifizieren, für ein u»:beka»mtes Positivum zu erklären ist, dessen Attribute nur alle unsere Erscheinungen samt unserem Ich sind, daß man — er — endlich aus sich heraus dies Unbekannte schaffen und mystisch darein versinken könne . . . lhicr erst beginnt der eigentliche Uleister Eckbart, der Maimonides längst überholt hat. wie weit ging er den weg unseres Meisters »nit? Beide fühlen, und wer, ruft Lcrnhart aus, fühlt es nicht nacht, „daß alle unsere varstellnngen von einem Gott über uns etwas Menschenhaftcs haben. Und aus dem frommen Drang des Denkers streift er — Meister Lckhart ist gemeint, doch so weit gilt es auch noch für Maimonides — diesem Gott alle menschlichen Züge ab, urn die Gottwirklichkeit an sich in ihrer Reiithcit zu haben. Er fühlt hinwieder die unendlich hohe würde und Bestimmung des INenschen, und so verlegt er dar INensch-Wesen an sich in seiner Reinheit hinein in jene reine Gott-Wirklichkeit, ja er legt sie mit ihr zusammen, und so verwirrt er die christliche Ordnung des Menschen zum erhabenen Gott in drei Personen." wird und wurde Meister Lckhart als Ketzer angesehen, weil er die christiichc Vorstellung vom Gott in drei Personen durch die jüdische von der Einheit Goller „verwirrt"? Das Bewußtsein des jüdischen Einflusses auf ihn hat bei seinen Anklägern, Ketzerrichtern und Verteidigern bisher die geringste Rolle gespielt, seine dcnkerische Tollkühnheit, de,: Abgrund zwischen INcnsch und Gott zu überschreiten, sein Bang „Gott um Gottes willen ledig zu werden" hat sie beängstigt und von ihm abrücken lassen, und m:t ihnen, mit all den um die Tradition, ums Gemeinwohl, um die Kirche, um die Sicherheit und Gcmeingültigkctt des Denkens Besorgten, werden auch die traditionellen wie liberalen guten Geister des Judentums Meister Lckharts Vergöttlichung des Nichts wie eine ver-nicht-ung Gottes meiden, wohin man in dieser Frage den Maimonides stellen soll? Man mag ihn jedenfalls nicht bloß für den Realisten und ^Nationalisten halten, der die tiefsten 2lbzrllnde zwischen Gott und Mensch nicht mit allen Fasern seines ungeheuren Denkrermögenz geahnt, gespürt, gewußt hätte, auch wenn ihn die Ehrfurcht davor bewahrte, zu ihrer Uebcrschreitunz auch nur den ersten Schritt zu wagen, auch wenn ihm erspart blieb, sich darin tragisch zu verlieren wie, nach Bern- Harts INeinung der Meister Lckhart. Lin Rationalist? Wer die Rolle der Prophetie im Denken des Maimonides ke»:nt, weiß, um wieviel näher „der jüdische Aristoteliker" dem deutschen Mystiker ist als den Rationalisten in und nach der Scholastik, lvie hatte auch der christliche Mystiker sein Gebäude auf einem nur irdischen, nur rationalistischen Fundament aufbäuen können! wir wissen: welch eine Welt zwischen ihnen liegt, wie der eine um des seiner Welt neuen Gedankens der Einheit willen Rebell werden und tragisch sich verstricken mußte, während der andere den ihm überkommenen Gedanken der Einheit verteidigen, ins Unendliche dehnen mußte u»»d sicher, ruhig in ihm werden komtte, wie Meister Lckhart sich nicht beschied, weil es Menschen-Aufgabe sei. „den Gott zn leisten", und rvic Maimonides sich beschied, Gott — aus Scham, Ehrfurcht und Konfequenz „negativ" — zu wissen, aber „die Spitzen sehen einander", die Bergriesen sind einander nach- . barlicher vertraut als alles Untere ringsum und zwischen ihnen: es führt ein weg des Geister von dem Juden am Nil zu dem Lhristen am Rhei.u ... Run ist dar Werk vollendet, wie ich er mir vorgenommen habe. Ich bitte den Berrn, er sei gelobt, daß er mich vor Irrtümern bewahrt haben möge. Findet ein Leser eine Stelle, wo er mir widersprechen muß, oder ergibt sich ihm bei der Erklärung einer lhalacha eine bessere Lösung, als ich sie gebracht habe, so soll er mich darauf aufmerksam machen und mir zugleich verzeihen. Denn die Last, die ich mir auf. gebürdet habe, war nicht gering, u»:d das Ziel, das ich mir gesteckt, nicht nahe gelegen, wie jeder Gutwillige und Einsichtige bestätigen wird. Dazu war mein kjerz geplagt von all dem, was die Zeit an Drangsal über uns alle gebracht hat: Verttcibung aus der lheimat und ein Gejagtwerden von einem Ende der Welt bis zum andern hin. wenn Mängel darin sind, so sind sie ausgewogen: denn verba»:nung sühnt die vergehen. Gott ist mein Zeuge, so manches habe ich während memer Irrfahrt gesammelt und geschrieben, auf der . Beerstraße oder'auf dem Meere. Und zu allem batte ich auch noch geistige Ablenkung von - dieser meiner Arbeit: andere Wisse»:szweige, die mich fesselten und in die ich mich zu vertiefen begann. Ich verbreite mich über dieses alles nur, um den Kritiker zn rechtfertigen, falls man ihn wegen der Schärfe seines Urteils angreift, denn ihn trifft keine Schuld; im Gegenteil, er hat sich einen Gotteslohn perbient und ist mir höchst wert: sein Tun ist gottgefällig. Und wenn ich die Umstände schildere, in denen ich mich während der Abfassung des Werkes befand, so nur, um die Gründe zu zeigen, warum dit Arbeit solange gedauett hat. Au« dem Mischna-Kvmmeutar de« Maimovide«.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.