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Central-Verein-Zeitung · 1935-03-21 · 12 (21.3.1935) · page 16

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
12 (21.3.1935)
Date
1935-03-21
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Der in her Presse vielfach erwähnte Unterstaatssekretär im englischen Lnstsahrtm'nnsterium. S i r Philip o a j f o o n, ist "wisch-m Bekenntnisses. Tie SastoonZ zählen zu den ältesten scphardischcn Familien. Sie lebten ursprünglich in Spanien, wo sie den Namen Soschan sliheten. und in Toledo eine Zeitlang die erste Stellung unter den Inden als Jyiirftcn der Diaspora innehatten. Das älteste bekannte Mitglied der Familie ist der 'Nässt Joses den Salv- >uou Sassoon. gestorben 1205, der mit dem König i'rn Kastilien befreundet toar und graste 'ReickF tümer besäst, die er größtenteils zum Wohle seiner Glaubensgenossen verwandte. Im IS. .Jahrhundert übersiedelte die Familie wegen der Judenverfolgung anS Spanien noch Salonili. später nach Konsiantinopel. und über Kairo und Brussa nach Bagdad in Mesopotamien. Hier lies; sie sich im 16. Jahrhundert dauernd nieder und verbreitete sich über den ganzen Orient, wo c4 seither in sedem Orte Sassoons gibt, die Advokaten. BanlierS. Reeder, Grostkanflcnte und Politiker sind. Sie haben sich als Philanirophen einen Namen erworben und wurden die ..indischen Rothschilds" genannt. Die meisten Mitglieder der Familie wohnen seht in England, wo ne im Politischen und gesellschaftlichen Leben eine bedeutende.Rolle spielen. Das Wappen der Familie trägt die hebräische Inschrift: ..Emetbwe Emunab“, und die lateinische: ..Camiide cl conslnnler“. Der Großvater _ Philip Sassoons, Albert Abdallah David. IS 18 in Bagdad geboren, wurde in Indien erzogen und nach dem Tode feines Baters. de-? Begründers des Handelshauses. das Haupt der Familie in Bombay. Er legte die e r st e S ch i s s S w c r s t in I n d i e n an. errichtete mehrere Fabriken für Seide und Baumwolle, in denen viele Eingeborene beschäftigt wurden und erheblich zu jener Organisation beitrugen. die den Wohlstand von Englands indischem Reich bildeten. In Anerkennung seiner Berdienste um Persien, ernannte ihn der Schah ließ sie dort in den Gruben arbeiten. So bewies er. was die andern Liberalen nur behauptet Im Parlament eroberte sich Mond sehr schnell seine Stellung. Zwar mangelte ihm die eigentliche rednerische Begabung: das Wort flost nicht leicht von iciucit Lippen. Aber er hatte immer etwas zu sagen, waS deS Hörens wert war. Er verfügte über iingcwöyulichc Kenntnisse. namentlich ans wirtschaftlichem Gebiete, wo ihm seine einzigartige geschäftliche Erfahrung zur Verfügung stand, und er hatte jede Frage. über die er' sprach, scharf dnrchgedacht. Die Gabe. Menschen für sich zu gewinnen, die dein Politiker den Aufstieg erleichtert, hatte er freilich nur in geringem Maße: namentlich Asguith. sein Parteiführer. fühlte sich wenig von ihm angezogcn. und die Ernennung znm Baronet. die er ihm 1910 -,uteil werden liest, war wenig mehr als ein Achtungserfolg. Ludwig Mond hat die politischen Anfänge seines Sohnes. noch mitcrlebt. Sein Tod im Jahre 1969 beivahrte ihn vor dem Schmerz, das Land seiner Wahl im Krieg gegen daS Land feiner Geburt sehen zumüssen. Für Sir Alfred Mu?nd gab es einen solchen Konflitt,. nickst. Er war Engländer von Geburt und von Ueberzenginnz. Seine Feinde suchten ihn freilich als „Deutschen" zu verdächtigen und vorsichtige Freunde rieten ihm. sich zeitweilig ans dem öffentlichen Leben . zurückznziehcn. ..Ich deute gar nicht daran" erwiderte er. ..setzt trete ich in die Regierung ein." Er fühlte sich mit allen Fasern als Engländer. Seinem Batcrlandc zu dienen schien ihm oberste Pflicht. Dr. Erich Eyck. zum Mitglied des Ordens des Löwen und der Sonne. In Bagdtll) errichtete er einen Bau für die Mianee Israölite Universelle. Der englischen Regierung lieferte er vielfache Beweise seiner Freigebigkeit und spendete n. a. für die Wieder, errichtung der Elphistone-Hochschnle 10 000 Pfund. Wiederholt vielt er mit dem Prinzen von Wales und dem Fürsten von Edinburgh Beratungen über politische Fragen deS Orients. Seine großen Berdienste fanden durch seine Erhebung in den Adelsstand Anerkennung. Im Jahre 1873 liest er sicir dauernd in England nieder, kaufte ein Palais in Brighton, in dem der Prinz von Wales und der Schah von Persien bei seinen Besuchen in England häufig seine Gäste waren. Er wurde zum Ehrenbürger Londons ernannt und 1890 znm Baronct erhoben. Der jüdischen Gemeinde in London spendete er bedeutende Beträge für Wohlfahrtszwccke und wurde Bi.zepräsident der Anglo Jenstsl^ Association. Er starb 1896. Sein Sohn. Sir Eduard Albert. wurde am 20. Inni 1856 in Bombah geboren, studierte in London und widmete fidj nach Beend,. •nuiifl seiner Studiere den grosten Handlungsunternehmungen ' seines Baters. 1877 verheiratete er sich mit einer Tochter des Baron-5 Gustav b. Rothschild. 1896 folgte er seinem Bater in der Würde eines Barons und rvurde l'.mo von seinem Wahldistrilt einstimmig ins Parlament entsandt, wo er sich der konservativen Partei anschlost. Er galt im Unter- Hause als der beste Kenner des indischen Handels und war der Befürworter einer guten Kommunikation zwischen Indien und Eng. fand. Besonders bekannt sind seine Bemühungen, das indoeuropäische Kabclwesen zu vereinfachen und zu verbilligen. Bald nach dem 'Aufkommen der drahtlosen Telegraphie legte er dem Unterhausc eine Bill vor, nach der jedes größere Handelsschiff mit den, Marconi.'Apparat versehen tverden müsse. Für das Judentum im allgemeinen und die russischen Inden insbesondere wußte er seiueu Einfluß bei König Eduard, dessen intimer Freundschaft er sich - erfreute, immer mit Erfolg geltend zu machen. Trotz seines ungeheuren Interessenlrcises ans allen Gebieten des Handels, der Politik und des Verkehrs widmete er sich unablässig seiner sephardischen Gemeinde und wurde 1902 an Stelle von Sir Josef Sebag Montcsjore Knltnspräsident. In gleicher 'Weise nahm er an allen wichtigen Institutionen der Londoner großen jüdischen Gemeinde teil als aktiver Vizepräsident der „Anglo Iewish . Association" und des „Iews College". 'Seine besondere Fürsorge galt den Hospitälern, für die er als Plstlantrop "weit größere Beträge stiftete, als sammelte, wodurch er sich den Ehrennamen eines „Hospitalvaters" erwarb. Trotz seines scharf ausgeprägten Konservativismus und 'seiner Zugehörigkeit zu den llnionisten ging er in Fragen iuteruatioualer Politik seine eigenen Wege. AiS seine Parteifreunde eine Hetze gegen Deutschland einleiteten, rückte er unmittelbar von ihnen ab. Ja. er wirkte durchaus für eine Verständigung mit Deutschland, und znm größten Aergcr seiner politischen Parteifreunde unterhielt er auch gute Beziehungen zu deutschen Politikern. 'Noch wenige 'Monate vor seinem Tode kam er nach Berlin, um mit dein Postiniuister posttcchnische Fragen zu besprechen. Die interparlamentarische Union schätzte besonders seine 'Mitarbeiterschaft, und die kritische Sektion dieser Körperschaft wählte ihn 1911 zu ihrem Ehrensekretär. Infolge seiner Intervention beim König Eduard tvurde das AnSweisimgSdekrct gegen die Moskauer Juden im Jahre 1908 Das Wappen der Sassoon (aus dem Philo-Lexikon) von der russischen Negierung zurückgezogen. — Er starb am 13. März 1912 tu London. Sein Sohn. S i r P h i l i p. ist am 1. Dezember 1888 in Karknr geboren, einem kleinen Städtchen im Irak. Rach beendigten Studien. in London und Oxford hatte er lediglich politische Interessen und wurde als Nachfolger seines Baters von der llnionistenpartci für Hythc ins Parlament gewählt. Er nahm als Offizier am Weltkrieg teil, war Sekretär des Befehlshabers der britischen Armee in Frankreich. Sir Douglas Haig. und nahm nach Friedeusschluß als. Major seinen Abschied. Für seine Verdienste wurde er znm Kavalier der Ehrenlegion ernannt. 1920 wurde er in das Ministerium berufen und arbeitete bis 1922 direkt rmtcr dem Ministerpräsidenten Lloyd George, weiterhin im Kabinett Baldwins im Jahre 1924. Als der 'Ausbau des englischen Flugwesens in 'Angriff genommen wurde. widmete er diesem Gebiete sein volles Interesse. Er studierte den Mechanismus der Aeroplane, und nach kurzer Zeit war er einer der besten Mechaniker der Luftflotte. Er unternahm sodann selbst Lustflüge, von welchen der im Herbst 1928 unternommene Flug zur. Inspeltion der R. A. F.-Stationen in Aegypten. Sudan. Irak und Indien der längste war. Die 17 000 Meilen dieses Fluges legte er in 24 Tagen zurück. 1924 erfolgte seine Bernsung ins Lustfahrtmini sterinm. Die guten Lustberbindnngen zwischen England, seinen Kolonien und den Mandatländcrn sind wesentlich sein _ Werl. S i r Philip Sassoon gilt heute als eine der ersten und 'besten Persönlichkeiten Englands im Flugwesen. Michael Fracnkel, Breslau. Sic John Simon, der englische Außenminister, der in den nächsten Tagen in Berlin erwartet wird, ist nicht.^wie vor einiger Zeit von falsch unterrichteter Breite behauptet wurde, Jude oder jüdischer Abstammung. Sir John Simon hat von sich aus gegen diese Einnahme nicht protestiert, und zpoar mit der ausdrücklichen Begründung, er wolle durch einen solchen Protest nicht in den Verdacht antisemitischer Gesinnung kommen, denn unter seinen Freunden seien Inden und er habe diese nicht beleidigen.wollen, indem er den 'Anschein erweckte. als ob er sich von ihrer „alten und ehrenhaften 'Abstammung" abgrenzen wolle. M Pom 26. bis 31. März finden in Eordvva in Spanien die istnsicllcn Maimonidcsfcicrn aus 'Anlay des 899. Geburtstages des großen jüdischen Gelehrten statt. Betritt man Eordova von Norden, so passiert man zunächst ein ehcnialigeS Minaret. das für die benachbarte Kirche znm' Glocke.uturm nmgebaut worden ist. Die heutige Kathedrale mit ihrem niederen Marmorfäulemvald im Halbdunkel Heißt noch immer..'Mezguita". — Moschee. Spanische Jugend tobt aus dem „OrangenvorHof" herum, der in arabischer Zeit, von einer Mauer umgeben, der Sammlung der Gläubigen und reli gionspHilvsopHischeu Gesprächen im 'Schatten der Säulcuumgängo Vorbehalten war. Jetzt sind die Umgänge vermauert. 'Ans der Gegenseite im Innern erklärt der Kustos den Fremden den arabcskcngeschmückten. sarbenprnnkenden Mihrab. die Gebctsnische in der Richtung aus 'Mekka, die für den katholischen Gottesdienst nichts mehr bedeutet, wohl aber für den Kunstsrcnnd. Tritt man, vom Tageslicht geblendet, aus der Säulcndämmerung wieder hinaus auf den Hof. so stürzt die Jugend, die vordem von dem Touristen keinerlei' Notiz genommen hatte, mit lauten Zurufen ans ihre Deute. ,.<-inagoga. senor". Haben sic jemals mrt Bewußtsein enien Juden gesehen? Haben sie eine Vorstellung von 'Maimouidcs. der in ihrer Stadt geboren wurde? Eine Attraktion für Fremde, ein Verdrenstobselt für die Einheimischen. „Penny, senor". Ein ckiarmanter, chevalercsler Blick ans Kinderaugeu. Es ist schwer, diesem Reiz zu widerstehen. Ein kurzer Weg führt von der 'Mezguita zur Jude,,, ftraße, die unweit dem Alkazar, dem ^tadtschloß. der noch erhaltenen westlichen Stadtmauer cutlangläuft. Auch hier haben die Juden also bereits an der Peripherie gelebt wie in den nachmaligen Ghetti des Norden? Ein kleiner Platz bildet den Mittelpunkt dcs ehemaligen Jndenviertels. Mehrere Straßen - münden in der Tangente auf ihn. so daß er für das 'Auge völlig geschlossen wirlt. Niedrige Häuser. Erdgeschoß und ein Stockwerk mit abgcslachtcn Ziegeldächern und farbigen Fassaden, säumen ihn. Ein Blick durch das offene Gitter der Haustür zeigt den „Patio", den Binnenhof. das Kennzeichen des oricntalifcfjon Wohnhauses von Spanien bis tief nach Asien hinein. Ein Wasserbecken. oft mit einem kleinen Springbrunnen, von Blattgrün eingefaßt, bildet den Mittelpunkt. Tie Wände' des Hofes entlang lausen 'Arkaden, die iin ersten Stock "einen Balkon tragen; dieser ist mit Vorliebe mit Trockenwäsche behängt. Iin Schatten der 'Arkaden stehen Divans. Sessel, häufig auch Schankelsiithle: denn im Hof spielt sich vom Erwachen bis zum Schlafengehen das eigentliw«' häusliche Leben ab. Vielfach zieren noch Teppiche die Wände des Hofes. Von der Plazuela, dem Plätzchen, säumt eine enge, gewundene Gasse, die heute sogenannte Maimvuides-Straße. ein. Ein Hans gleicht dem andern: Erdgeschoß und ein Stockwerk. Durch das Mancrtor des Hauses Nr. 18 überschreitet mau einen Hof und tritt auf dessen rechter Seite in einen kleinen Raum; die ehemalige Synagoge des Jndenviertels von Eordova. Sic hat wechseloolle Schicksale erlebt, berichtet die Lrtsgeschichtc. seit iin Jahre 1492 die Juden aus Spanien vertrieben wurden. .Zunächst beherbergte sie ein Hospital für ToUnnitvcrdächtige, „Santa Ouiteria". Später diente das Gebäude als Versammlnngsranm der Brüderschaft der Schnhrnacher „San Erispitt". Jur Jahre 1885 erklärte die spanische Regierung die ehemalige Synagoge zum Natioualdeukmal. Im 18. Jahrhundert waren die reichert, viclsarlstg gemalten Dtuckalnraröenen eines Säulengewölbes im Innern bereits heransgcriisen worden, so daß an der Decke des Saales noch heute die H'olzionstruktion des Daches bloßlicgt. Der Saal mißt nur wenige Meter im Geviert. 'Air der Südwand über der Eingangstür erheben üch die drei kleinen Balkons der ehemaligen Franengalcrie. In die Westwand ist eine hohe, aber flache und schmale, spitzbogig verlaufende Bcrtieiung eingelassen. deren architektonische oder kultische Bcyentung nicht klar scheint. 'Mit roter Farve in nnvcholfen ein Kreuz hincingemalt. 'An der Ostwaud ist ein tieferer Raum für den Tliocaschrein aus- - gespart. Leer gähnen die ilachen. rötlichen arabischen Lehmziegel ans der 'Mancrhöhe in die Dämmernis deS Raums. 'Nur in der Sudoflelle ist noch der ursprüngliche Stnckatnrbelag der Wände erhalten. 2ln Phantastik der Erfindung könnet! die geometrischen 'Muster freilich nicht mit den späten, in der 'Alharnbra zu Granada crh iE tenen 'Arabesken wetteifern; möglicherweise war der Entwurf des Zeichner gebunden durch die -- auf zwei Kauten stehenden — sechsstrahligen Davidssterne. die im Nlittelpunkt der Stralsicnbündel wiedcrkehren. Tie hebräische Inschrift unterhalb der Arabesken beginnt mit dem Worte „mikdasch" (Heiligtum) und endet mit „Iernsalem". De. Hans ktei>.snee, Boeliu. ausgezeichnete Hiinveis gelungen ist (znm Beispiel bei der 'Auslegung des schwierigen Satzes Ethik B. 23.1. Ter "Haitpttcil des Buchs enthält eine gedrängte, aber doch alle Hanptgebietc berührende DarsicÜnng von Eonsiantin Brunners philosophischem Werk. Das war nötig und ist dankenswert; denn Brunner ist in der englisch sprechenden Welt bisher taum bekannt. Roch hat sich nieinand an eine Uebersetzung des Werks gewagt, für die Bcrnards Luch tüchtige Vorarbeit geleistet hat. weil cs ihm offenbar gut gelungen ist. für BrnnnerS kristallklare deutsche Termini die entsprechenden englischen Worte zu findeit. Bcrnards Referat ist klar, sachlich und l'ütfl. Mit warmem Herzen und ohne iedc persönliche Eitelkeit dient er dem 'Wert eines Höheren, und er tut cs ausgezeichnet. Er wird es als einen Erfolg feiner 'Arbeit betrachten, den beiden 'Meistern, Spinoza und Brunner, neue Freunde znzusühren. Ernst Ludwig Pinuer. * The Jews and an C'hanging emlisatinn l,v Xnrnian B entwich. (V. K. Krishna Mcnon, London.) Der Berfa her. ehemaliger Londoner Rechtsanwalt, Krouanwalt in Palästina während der Jahre 1920 bis 1901. hat jetzt den Lehrstuhl für internationale Beziehungen an . der .>pcvräisthen Universität in Jerusalem inne. Er hat das Glück gehabt, die Entwicklung des jüdischen Lebens und Denkens in Palästina selbst beobachten zu können und die bedeutendsten jüdischen Gemeinden der meisten Länder der Welt ans eigener.Anschauung kennLUZulernen. Aus diesen Erfahrungen haut sich sein Büchlein aus, das weder eine Geschichte der Juden sein will, noch eine 'Apologie.. 'Vielmehr soll es eine Würdigung der Lebensbedingungen und der Leistung eines Volles sein, in dem Religion mit Nationalität einzigartig verknüpft ist. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, lvird uns in großen Zügen der historische Hintergrund gezeigt wie die Juden in allen großen Neichen des Altertums ihre Rolle gespielt haben, wie sie im Mitte! alter der Hauptvermittler für Handel und Jdeer zwischen Land und.Land, zwischen Ost und West gewesen sind und wie sie in der Neuzeit ihre Eigenart bewahrt haben und ein Problem-blieben und doch stets im Vordergrund der Idem und fortschrittlicher Bewegungen standen.-And Ammer geht parallel mit dem eigenen schöpferischen 'Antrieb der einzelnen und des Volles der in allen Zeiten wiederkehrende Haß der 'Außenwelt gegen sic. Wie die Inden sich geographisch und wirtschaftlich über die Erde verteilt haben, wird im zweiten Kapitel dargelegt. Das'bisher ungelöste Problem dcs jüdischen Lebens, wie man den geistigen Betätignngstrieb der Juden befriedigen kann, ohne die intellektuellen Berufe übermäßig zu belasten, wird richtig erkannt und auf die natürlichen Entstchungsursachen zurückgeführt, die den Lesern dieser Zeitung betannt sind. Ob die Rückkehr des Inden in ein unabhängigeres und normaleres Leben in der nationalen Heimstätte vorbildlich ans die wirtschaftliche Lagerung jüdischer Menschen und ihre geistige Arbeit in der Zerstreuung wirken wird, bleibe abznwartem Richtig sicht Ventnnch (Kapitel lll). daß all den verschiedenen Gruppen des jüdischen Volkes die Religion .im weiteren Sinne den Halt gibt. In diesem Sinne zeichnet er" die südische Hoffnung. des Zionismus mit Worten eines Gegners. Dr. 'Montefiores (ans dem Epilog zu The Legacy ol' Israel), der auch Hiersein seines Empfinden" für das Religiöse erkennen läßt. Er glaubt, daß alle Erfahrungen, die die Inden ans'allen Teilen der Welt mitbringen, in Palästina sich zu einer glücklichen Synthese vereinigen mit der alten religiösen Idee, die sic durch die Welt getragen und min nach dem Osten znrückbringen. wo sic sich dem.Boden fester verbinden und damit ihrem Leben eine gesichertere Griuidlagc verleihen. Er glaubt, daß Palästina so die Kraftstation des Judentums sein wird, die.gleichsam die. geistige Elektrizität für das jüdische Leben in der Diaspora erzeugt, wie zur Zeit des Scrubbabel. -5 The Agricultural Lite of tho Jcws in Bahylouia helween tho jears 200 C. H. — 500 C. E. by J. Nowman (Oxford KJ. I'.. London). Als chic Sasjaniden im Jahre 226 der gewöhnlickjen Zeitrechnung unter König Andaschir. zur Herrschaft gellingten. wurden die Nichtanhängcr des Zoroasterglaubens unterdrückt, und ihnen von den Magiern, den ^Fanatikern des Parsismus", die Feucrriten anfgcdrängt. Die Juden, die bereits sechs bis sieben Jahrhunderte in Babylonien lebten, litten unter dieser nationalistischen Welle. Doch als der Fanatismus der persischen Rationalisten sich beruhigt hatte, begann das jüdische Leben in Babylonien sich zu erholen und allmählich wieder nr ruhiges Fahrwasser einzumünden; ja. cs entwickelte sich sogar ein gewisser Wohlstand. Diese Zeit — also von 200 bis 500 unserer üblichen Zeitrechnung — beschreibt Rabbi Newman auf den fast 200 Seiten seines Buches, das die Oxford University Preß in der gewohnten seinen 'Ausstattung uns vorlcgt. Es schließt sich würdig den Büchern von Funk. S. (Die Juden in Babylonien) und Lbermeper. I. (Die Landschaft Babyloniens) an. In enger Anlehnung an die verstreuten Berichte und tllotizcn des Talmuds behandelt cs in zwölf ausführlichen und in sich stofflich wohlgeordneten Kapiteln alle Zweige des damaligen jüdischen Lebens wie .Grundbesitz. Pachtverhältnisse. 2lrbeiter und -Sklaven, die Methoden des Ackerbaus, die Früchte, die angebaut werden. Viehzucht. Haustiere. Bienenzucht, Fischerei, Getreideverrvertung, Schlächterei, Steucrwesen, Staatsgesetz und jüdisches Gesetz. Tie Zahl der Inden war damals in Babylonien größer, als sic ',c in Palästina vor der Galut gewesen war. Sie lebten meist ans dem Lande, bildetcli dort starke Minoritäten, oft die Majorität der Bevölkerung. Ter Grtmd und Boden, den sic besaßen rmd mit größter Sorgfalt bebauten, übertraf an 'Ausdehnung, wie es scheint, allen später in andcrcit Ländern erworbenen Bc- 'sitz. da ja eine gesetzliche Einschränkung die Urbanisierung noch niclst gefördert hatte. Wie rnan .überhaupt nach jüdischem Recht und Gesetz lebte und jüdischen Gerichten unterstand, so bebaute inan das Land auch nach den Vorschriften der Mischna. nur daß der Unterschied zwischen dem dürren Palästina und dem gilt bewässerten Babylonien vielfach eine Aenderung in den religiösen und sozialen Vorschriften erforderlich machte. In den wichtigen Belvässcrnngsarbeiten haben die Inden offenbar ihre nichtjndischcn Aiitbürger nbcrtrosfcn. denn sie wurden in großer Zahl auch -in nichtjüdischen Distrikten beschäftigt. Wie jede Art manueller Betätigung galt die Landarbeit als ein durchaus ehrenvoller Beruf unter den babylonischen Juden. Biele Gelehrte und Rabbinen waren Bauern. Pächter und sogar Lohnarbeiter. Es kam vor, daß Gruppen jüdischer Bauern'ganze Täler besaßen. Es gab auch berüfsmäßige - Züchter von Großvieh und Klein- Vieh, von Eseln. Ma,rltieren. Kamelen, Pferden, Hunden und Katzen, Hühnern, Enten. Gänsen und Tauben. Die Mühlenindustrie (Handmühlen, Wassermühlen, von Eseln getriebene Mühlen', das Bäcker- und Schlächtergewcrbe wurde von den Juden nicht vernachlässigt. Besonders das letztere war natllrgeinäs; wegen dcs Ritus gut organisiert und stand unter der Aussicht der Rabbmen. die gerade angesichts aller dieser Tatsachen bisweilen Babylonien das „Land Israel" nannten, das Land, in dem die Juden der Mahnung des Propheten Ieremia (29, 4—7) aufs gewrstenhasteste nachgekownlen waren, das Land, rn dein, wie das Schlußkapitel mit aller Deutlichkeit darlegt, sildisches Zivilrecht unter Juden in allen den ,Fällen Geltung hatte, wo es nicht direkt mit den Landesgesctzen in Konflikt kam. Jacob Obermeyers Karte von Babylonien, die nach talmudisehen, arabischen und anderen Oucllen entworfen ist. ist eine treffliche Beigabe. Ter sehr sorgfältige' Index der Talmudstellen, sowie der allgemeine Inder erhöht die Brauchbarkeit des Buches für weitere Studien. In der Bibliographie vermißt man den Dnbnow Band 111. für dessen § 42 Newman manche Ergänzung bietet. Professor J. Friedlaendcr. Venns Elkons neueste Echövfung Der Bildhauer' Benno El kan hat vor kurzem in England einen Leuchter geschaffen, der für die schöne spätgotische Kapelle des ..King's College" in C a m b r i d g c in Auftrag gegeben worden ist. Ter bronzene Leuchter ist 1.85 Nieter hoch und zeigt' zwischen verschlungenen Ornamenten die alttestamentarischen Gestalten der M i r i a nt uub des Iubal. Diese beiden »yifluren, die schon im alten Testament das Syinbol der Musik darstellten, bringen hiermit zwn Ausdruck, daß dieser Leuchter dem Andenken der beiden in Cambridge wirkenden mittelalterlichen Komponisten, Christopher Tye und Orlando Gibbons, gewidmet ist. Die Verbindung von Ornamentik und Figuren erinnert uns in Form und Auffassung an den bekannten, vor einigen Jahren entstandenen „großen Bibelleuchter" desselben Künstlers und zeigt wiederum eine Lösung, die moderne Gestaltung mit gotischem Stilgefühl in Einklang bringt. Die Ernweihnngungsfeicr. bei der der Leuchter inder Mitte des Chores stand, wurde einer -eindrucksvollen Ehrung des deutschen jüdischen Künstlers. A. r

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