Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 12 (21.3.1935)
- Date
- 1935-03-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 * 21. Marz 1935 ./? ^M1- ■J©sq|q V©sj r.2s:r rJIcEacr Für den Leser der Heiligen Schrift haben die Propheten vor den übrigen Gestalten der Bibel das voraus, daß in ihnen geschichtliche Wirklichkeit unmittelbarer ergriffen werden kann, als diese sonst zu unS spricht. Gewiß gilt es auch für manche Strecken der früheren Königs» zeit, daß der Nebel einer oft mehr verhüllenden als offenbarenden Überlieferung aufflicgt. daß wir die Menschen selber sehen und nicht die Bilder, die Spatere von ihnen gemalt; und umgekehrt ist an den Kern der Prophetcnworte so manches angeschlossen, was mehr Auslegung von Verehrern als die ursprüngliche Form ihrer Rede selbst enthält. Gleichwohl sehen wir uns hier einer menschlichen Wirklichkeit gcgenübcrgestellt. deren Selbstaussprache klar und deutlich an unfern Geist rührt. Und da das Leben eines Propheten seinem Volke gehört, dessen inneres wie äußeres Schicksal aus seiner Seele wiedertönt, wirkt cs als das bedeutsamste und zuverlässigste Zeugnis der Zeit. Jesaja ben Aiuvz durchlebt die zweite Hälfte des 8. Jahrhunderts vor d. ü. Z. im Brennpunkt der Geschichte seines Volkes, in Jerusalem, der Hauptstadt des kleinen Königreichs Juda. Dieses stellt nur noch den Rest der ehemaligen Herrlichkeit dar. die unter großen Königen der Vergangenheit starkes politisches Selbstbcwußtscin in einer einigen israelitischen Nation erzeugt hatte. Der Norden, das Reich Israel im engeren Sinne, wgnkt damals schon, im Innern zerrüttet und von der assprischcn Großmacht schwer bedroht, dem Untergang entgegen, der mitten in des Propheten Lebenszeit fällt. Juda im Süden. Jesajas Heimat und Schauplatz seiner Wirksamkeit, zehrt wohl vom Ruhm des davidischen Geschlechtes, das seit Jahrhunderten auf seinem Throne sitzt, aber es ist nur noch ein winziges Fürstentum, machtlos, jedes außenpolitischen Einflusses größeren Stils entbehrend, einem Schicksal ziischreitend. das auch die tüchtigen Herrscher llfta, Jotam, HiSkia nicht mehr zu wenden vermögen, geschweige. daß der jugendliche Ahas, des Letztgenannten Vorgänger, der Schwere der Zeit gewachsen ist. Das ist die tragische Atmosphäre, in der Jesaja schafft, die Untergangsstimmung, in der alle jene Männer gleich ihm wirken. Die Weltgeschichte hat dem biblischen Israel ein ähnliches Los zngcdacht wie dem klassischen Hellas. War dessen nationalpolitische Kraft mit dem brudermörderischen peloponnesischen Kriege im Mark verdorben, entfaltete sich aber danach erst ein Großteil seiner ewig gültigen künstlerischen und wissenschaftlichen Leistung, so hat auch das biblische Israel seinen Anteil an der Menschheitskultur wesentlich im Zeitalter des Verfalls seiner nationalstaatlichen Bedeutung vollbracht. Ja, das Werk der Prophetie ist geradezu unabtrennbar von der Auflösung, indem diese äußerlich wie innerlich sozusagen den Stofs darstellt, in den der Geist ' der Propheten die Form einmeihelt. Wenn die Propheten, und unter ihnen mit größtem Recht Jesaja, als Gottes Herolde in der Weltgeschichte gelten dürfen, so erschließt sich eben diese Weltgeschichte den Wortführern des biblischen Geistes im Erlebnis des Erdrücktwerdcus von den Großstaaten. Es ist merkwürdig, wie auf diesem Boden die geschichtliche Erfahrung den geogra. phischen Horizont weitet. Dem Amos war. eine knappe Generation vor Jesaja, da8 Gefüge der Völkerwelt um Israel herum, vor allem die Bedeutung des kraftgeladenen asfhrischen Kolosses im Nord osten am Rande der Erde, erst an der Rolle anfgegangen. die sein Gott jenem Feind zur Bestrafung der Sünden der auserwählten Nation zuerkannt. Und die Umrisse dieses roligiös-geschichtlichen Weltbildes werden von Jesaja mit satten Farben ausgemalt. Ihm ist Gott der Herr aller Völker, der nach einem wunderbaren, furchtbaren Plan seinen Willen in der von ihm geschaffenen, also ihm allein Gehorsam schuldenden Welt durchsetzt. Diesem Propheten wird die einzigartige Haltung des Wcltgottes zu Israel niemals zweifelhaft, und die Gewiß- " heit, daß gerade Israel des Ewigen Eigen ist, erzeugt in seiner Seele eine religiös-patriotische Leidenschaft von unendlicher Kraft. Es ist ein Gefühl, in dein Wehe und Stolz sich mischen; Jcrusalcin. des einzigen Gottes .Qpferherd". wird wunderbar, jeder Wahrscheinlichkeit, jeder Möglichkeit trotzend, unter Gottes Fittichen geborgen. Denn ein „Rest" muß bleiben. Aber nur die überfließende Gnade Gottes erspart dem Volke, dessen Schuld kaum geringer als die von Sodom und Gomorrha, das Schicksal dieser frevelhaften Städte. Bis hart an den Rand des Unterganges muß der strafende Gott seine verderbten Kinder bringen. Wa8 ist Israels Sünde? In der Brandmarkung von Ungerechtigkeit und sozialer Bedrückung, von Ausbeutung und Erbarmungslosigkeit, von frevelhafter Üppigkeit der Neichen, bei gleichgültigem Ueberschen des Elends der Armen, unterscheidet sich Jesaja weder von seinen Vorgängern noch von den Nachfolgern. In einer Sprache, die mehr als andere wohl er für diesen Zweck erst geformt, die er darum —der großartigste Stilist des biblisclum Hebräisch — souverän beherrscht, spricht er jene Gedanken aus, die seitdem als die für die israelitische Prophetie charakteristischen, in das Bewußtsein der Menschheit eingegangen fiitb. Zwischen dem sittlich-sozialcu Gesetz der Tora und den Propheten besteht da kein Unterschied. Auch das ist nicht dem Jesaja eigentümlich, sondern ihm n^t den andern, manchen Psalmen und auch manchen Lehrern des talmudisch-rabbimschen Gesetzes, gemein, daß der von ihnen gekündete Gott Gerechtigkeit und Liebe höher achtet als das pünktlich und pedantisch ihm dargebrachte Brand- und Speisopfer, daß seine Seele zornig sich abwendet von ..Frevel und Fest". Aber in der Feuerflüssigkeit ursprünglichen Erlebens bildet sich solche Wertung, nicht als die Frucht cthisch-theolvgischer Einsicht, noch gar als dogmatischer Niederschlag religiösen Nachdenkens. Das will sagen: der Prophet bekämpft nur das opus operatum sündiger, liebeleerer Menschen aus dem elementaren Gefühl heraus, daß derlei dem Charakter des Gottes widerspricht, den zu künden er sich gezwungen weiß. Nicht Reform. nicht Umgestaltung, auch nicht Vereinfachung eines zu üppig im reich dotierten Tempeldienst emporgeschossenen Kultus wird hier gefordert, kein Urgebot menschlicher Vernunft an8 der Verschüttung unter Aberglauben und Wahn hier ansgcgraben, sondern eine intuitiv als Offenbarung erfahrene neue Erkenntnis ausgesprochen. Die Menschheit besitzt überhaupt keine derartigen ursprünglichen. immer in irgend welchen Seelen wach gewesenen Einsichten. Wenn bei den Griechen bis tief in die geschichtliche Zeit hinein Dienschenopfcr unter gewissen Umständen als legitim galten, wenn keine „Vernunft" den absonderlichsten Ausschreitungen der Totenehrung widersprach, so lag das eben daran, weil daS von niemandem als wider die „Vernunft" empfunden wurde, weil vielmehr Tradition und Erfahrung derlei zu fordern schienen. So hat kein Prophet gegen Opfer schlechthin geeifert. Jeremia konnte die — geschichtlich r.ichtige oder unrichtige — Behauptung aufstellen, daß Gott beim Auszug aus Aegypten nichts von Brand, und Sckilachtopfern befohlen habe. Das aber war schon anderthalb Jahrhunderte, nachdem zum erstenmal prophetische Skepsis gegen die Ueberbetonung rituellen Werkes geäußert war. und hat seine besondere Bewandtnis. Wenn der im Vergleich zu diesem „Modernen" archaische Jesaia dasselbe sagt, so sagen beide doch nicht dasselbe. Jedenfalls erscheint cs für den Acltercn sicher, daß er nicht sein Empfinden, sondern nur Gottes Willen zu künden hat. Dieser Gott aber ist so wunderbar und geheimnisvoll, daß er Opfer, die ihm an sich durchaus genehme Verehrnngsart — nur von Gerechten, auf die Liebcspflicht von Mensch gegen Mensch bedachten Frommen annimmt, daß sein hochheiliger Tempel von den Tritten der Menschenschinder zerstampft, besudelt wird. Daß hier die allerwichtigste Quelle für spätere religiöse Reslerion über sittliche und kultische Gottesverehrung strömt, ist gewiß. Dem Jesaja selbst aber das Bewußtsein solcher Unterscheidung zuschrciben, hieße sich den Zugang zum Verständnis seiner geistigen Person von vornherein versperren. Der Mann, der bei seiner Berufung Gott im himmlischen Thronsaal von seinen Seraphim umgeben schaut, der gewiß ist, daß an Jerusalem, der Gottcsstadt. der Angriff übermächtiger Feinde zerschellen muß, der alles menschliche Sein auf Glauben und Vertrauen, nicht auf eigenmächtiges Handeln stellt, der als Erster klar den Gedanken des vom Ewigen her zu sendenden messianischen Königs ausspricht, der das unerhörte Wunder als Gottes Werkzeug verheißt und Zweifel an dieser Verkündigung als gräßlichen Frevel verdammt, der weiß nur von Gottes wunderbarem Geist, nichts von Menschenvermmft. Sein Offcnbarungsbcwußtsein etwa als die Verschalung einsichtigen Inhalts nehmen wollen, bedeutet — bei ihm mehr als bei irgendeinem andern — seine Prophetenseele zerstören. Der Gegensatz zwischen Gott und Mensch, zwischen Schöpfer und Kreatur, zwischen überirdisch Heiligem und erdhaft Unvollkommenem wird hier zum erstenmal erfühlt und mit solcher Gegensehung, ja Ueber-Spanuung formuliert, daß hier der biblische Urgrund für alle spätere jüdische wie christliche Lehre von der Jenseitigkeit, der Ueberweltlichkeit, der Transzendenz Gottes liegt. Calvin der machtvolle Vorkämpfer des majestätischen, allmächtigen und alles wirkenden Willensgottes. sieht in Jesaja seinen Meister und widmet ihm tief grabende Bemühung. Ta wie dort wird der Mensch zum Nichts, seine wahre Aufgabe, sein Nichts-Sein demütig vor dem Einen, dem Einzig-Seienden anzuerkennen. „Im Stillesein und Vertrauen liegt eure Kraft". Aus solchem Quell der Gottrunkenheit leitet Jesaja seine politische Forderung an sein Volk her, — keine Politik zu treiben. Tenn ist die Weltgeschichte nichts als die Entfaltung des wunderbaren Planes Gottes an den Völkern, so scheinen die Menschen nicht mehr zu sein, nicht mehr sein zu dürfen als Zuschauer dessen, was der Ratschluß des Einzigen mit ihnen treibt. Aber es ist irreführend und gefährlich, eine solche Maxime zu presien. Der religiöse Determinismus, d. h. die Gewißheit, daß Gott die wahre Ursache des Tuns der Menschen ist. hat praktisch noch immer viel mehr menschliche Tatkraft entflammt als gedämpft. Der frühe Islam, das Holdenzeitalter des englischen Puritanismus beweisen das. Der Mensch, in der Uebcrzeugung. Gefäß göttlichen Wirkens zu sein, wird stärker, nicht schwächer. Ganz deutlich ist das auch der Sinn der Haltung Jesajas, wo er den einzelnen Menschen oder die Gruppen in der eigenen Volksgemeinschaft anredet. Die sittliche Umkehr, die er verlangt. das herzhafte Beginnen, gut zu tun. die Selbstzucht. um das Böse einzustellen. Recht und Gerechtigkeit zu schaffen — diese Forderungen mobilisieren gerade dann höchst wirksam den Willen, wenn sie als die Frncht des demütigen Gehorsams gegen Gott, den klar gebietenden Gott, erscheinen. Demut und Stillesein heißt hier nicht die Hände in den Sie drei ersten bunten Bündlben Der Philo-Verlag beginnt eine Reihe kleiner Bücher hcrauszugeben, die sich von anderen Serien dieser Art darin unterscheidet, daß sie keine Neudrucke alten jüdischen Schrifttnms. sondern nur W'-erle heutiger Autoren bietet. So lebendig wie die Verfasser sind die drei ersten dieser bunten Bändchen bunten Inhalts. Damit ist nicht gesagt, daß auch der Stofs der gut gedruckten. handlichen Büchlein aus der lebendigen Gegenwart genommen sein muß. Das stark entwickelte Geschichts- und Traditionsbewußtsein des Juden blickt gern in die Vergangenheit, auch wenn sie leidvolle Vergangenheit ist; und diesem Bewußtsein bedeutet seit Jahrtausenden die jüdisckie Geschichte gleichwie die Lehre: lebendige Gegenwart. Sv schweifen die beiden ersten Bändchen in die Vergangenheit erregter Epochen; sie haben auch das genicinsam, daß sie beide Begegnungen schildern. jedes die Begegnung eines bedeutenden Juden mit einem bedeutenden Nichtjuden. Beide ähneln sich schließlich in der Form, in einer fettsawen und seltenen Mischung von kulturgeschichtlichem Essay, menschen beschwörender Dichtung und philosophischem Dialog. Hermann SinSheimer betitelt fein Büchlein ..Rabbi. Golem und Kaiser". Vom Golem aus wird man sofort schließen, daß der Rabbi jener gelehrte hohe Rabbi Löw ist, der einen Lehmklumpen zu unheimlichem, hilfreichen Leben erweckte. Aber der Golenr, oft in der Weltlitcratur behandelt, zuletzt von Meyrink im Roman, von Höllischer im Drama, von Wegener im Film, tritt bald zurück, um als Gcgenfignr des Rabbi Löw den Kaiser Rudolf. II. hervortreten zu lassen, einen düsteren, überheblichen, schwachen Herrscher, der statt dcS LebenS, die Magre, statt ' der Chemie die Alchimie, statt wirklicher Gelehrsamkeit und Menschenwerte den Stein der Wersen und künstliches Gold suchte. SinSheimer setzt hier die Erzählungstechnit seines Marranen- RomanS „Maria Nunez" fort; er gibt ein Gewebe von holzschnittartiger Legende, moderner Geschichtsbetrachtung und psychologischer Durchleuchtung. AuS diesem Gewebe wächst und steigt die Gestalt deS kleinen, klugen Rabbi ins Hohe und Große gegen tzeg allmächtigen Kaiser, der immer kleiner schrumpft, — bis der Rabbi als Herrscher des Lebens dasteht mit seinem stillen, tiefen Heitersem, das ganz über den Dingen schwebt, weil es ganz in den Dingen lebt und aufgeht: „ein Glückspilz", der „für seine Winzigkeit daS Geheimnis entdeckt hat, wie man zugleich den Weg in die Welt gehen und den Weg zu Gott sinderr kann." Wie hier nicht nur die beiden Figuren, sondern die Wirrnisse des 1ü. Jahrhunderts, mit der Auflösung der Renaissance und des Humanismus auferstehen, so in dem „Gespräch i m N e b e l" von Leo Hirsch das klärungsuchende 17. Jahrhundert mit seinen beiden repräsentativen Philosophengestalten Spinoza und Leibniz. Während Sinsheimer die mächtige, hilflose Düsternis des Kaisers in Kontrast setzt zu der heiteren Helligkcit des Rabbi, so Leo Hirsch die weltmännische, im Politischen wie im Philosophischen elektrische Werte und effektvolle Wirkungen sammelnde Gestalt des jungen Leibniz znr lichten Abgeklärtheit des einsamen, schon vom nahen Tod verklärten Spinoza. Hirsch macht nicht nur das Leben beider, sondern gleicherweise ihre LebenLanschauung. ihre Weltanschaunng in kürzester Zusammenfassung dciitlich, so daß Erscheinung und Wesen dieser gegensätzlichen Naturen vor dem Hintergrund ihrer Zeit festumrissen sich erheben und auf ciigstem Raum Grundzüge der spinozrstrschen Lehre auch für den Laien faßbar werden. Beiden Autoren. Sinsheimer wir Hirsch, ist es gelungen, zwei jüdische Menschen, die zu Gott und sich selbst gefunden haben, zu Endgültiger Klarheit zu entflammen an zwei Gestalten, die diesen doppelten Piad noch suchen. Und so weht unaufdringlich aus dem vergangenen Geschehen und Dialog dieser Büchlein Leben und Trost in die Gegemvart. t „ Während in den beiden ersten Bändchen die jüdische Substanz greifbar ist. scheint sie zunächst zu fehlen in der Erzählung „Dev Gast" von MaxSamter, in der Juden überhaupt nicht auftreten. Die mit epischer Stetigkeit, fortschreitenden Satzgebilde deS Berliner Erzählers erinnern manchmal an die große ErzählungSkuüst des Pragers Franz Kafka, in ihrer klugen Durch, sichtigkeit, die durch viel Unausgesprochenes, Hintergründiges geistert. Man lieft mit viel Spannung die Geschichte von den Bauern, die auf ferner, entlegener Insel siedeln und einen an Land «spülten Seefahrer aufnchmen; durch Arbeit und Opfer wird er zwar einer der ihren, aber doch selber und noch mehr jeder seiner Nach, kommen als „Fremder." empfunden. Erst am Schluß, ivenn seinen Nachfahren von den bäuerischen Siedlern plötzlich deutlich gemacht wird, daß sie den Sässigen als fremde Fahrende gelten, die entweder nur als Gäste auf verengtem Lebensraum bleiben dürfen oder wieder weiter wandern müssen, — erst daun fühlt man, daß diese schein- bar unjüdische Erzählung ein großes Gleichnis ist für den wandernden Juden, der sich inuner wieder auf neuem Boden verwurzelt und immer wieder Entwurzlung fürchten muß. Aber auch jenseits dieses Gleichuisies ist Samters Erzählung von hohem Kunstwcrt. in der herben Einfachheit der Naturschilderung von Land und Meer, in der Entwicklung von Gefühlen. der Masie, wenn der Lebenswille der Landsässigen sich zusammenballt gegen das Abgesondertsein, die ferne Sehnsucht der anderen, und im großen Ausschwung der ausfahrenden Fremden. Hier ist eine r neue künstlerische Möglichkeit gesunden, aktuelle Substanz aus unaktuellem Stofs zu entwickeln. Die Freude an diesen zeitgenössischen Bändchen bewirkt, daß man sich schon auf die nächsten freut. Kurt Pinthus. KMstMWllMg in ZMburg Es war wirklich ein guter Gedanke, die in Hamburger jüdischem Privatbejrtz befindlichen . Kunstwerke in einer gemeinsamen Ausstellung einer breiteren Oeffentlichkeit zugänglich zu machen. Man ist überrascht über die Fülle kostbarer Dinge, die dabei ans Tageslicht kommen und freut sich über die bunte Ärannigfaltigkcit dieser Ausstellung, die ein Mosaik zahlreicher .. individueller und somit mehr oder minder zu- fälliger Geschmacksrichtungen darstellt und dennoch einen recht guten Ueberbltck über die verschiedenen -ismen der modernen Kunst gewährt. Die Organisatoren (Jüdische Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft, Bildungsausschuß der drei Hamburger Logen und Bildungsausschuß der Gemeinde) waren einsichtig.genug, sich nicht nur auf die Werke von Juden zu beschränken, sondern alleö zusammenzutragett, waS an künstlerisch Be- . dcutsamem erreichbar war. Ein kurzer Ueberblick: Don jüdischen Künstlern ist P i s s a r r o mit einigen charakteristischen Dildern vertreten: „Flußlanoschast" und „Paris" und' einer.Landschaft, die durch ihre fast unimprejsionistische Stofflichkeit überrascht und an der die Handschrift des Malers kaum wiederzuerkennen ist. Lieb er mann ist mit einigen seiner unübertrefflichen Zeichnungen anwesend, einem Pastell „Krabbensischer" und einigen Oelbildcrn. Lebensprühend eine Waldpromenade mit Reitern und Spaziergängern und rhythmisch gegliederte!: Baumreihcn, von Licht und Sonne überflutet. Recht ausdrucksvoll ist auch eine Landschaft von D a v i d s o h n mit prvrncnierenden Frauengruppen, alle Von hinten gesehen und mit Gefühl für rhythmische Raumwirkungen komponiert. Prachtvoll ein keckes Selbstbildnis von Chagall, ironisch und dennoch nicht ohne Koketterie, fast ohne Farben gemalt und doch von gebändigter Lebendigkeit. Mit einigen eleganten Zeichnirngon und einem duftigen Aquarell ist der Hamburger Löweng a r d vertreten: ebenfalls aus Hamburg die hochbegabte Anita Ree mit einem Selbstbildnis von vornehmer Linienführung, aber fast zu stark betonter Stilisiertheit. Frischer: ein Junge mit einem Kaninchen auf dem Arm. wie die Künstlerin ja überhaupt für die Tarstellirug von Tieren eine einzigartige Gabe hat. Sehr interessant ist ein Aquarell voii L. Neu: „Frauen an der Klagemauer". Ferner seien genannt: L. Kogan mit zwei Aktzeichnungen. A b b o und Tel B a n c o mit je einem Litho. Bruck mit einem „Stillleben", W o h l w i l l mit einem Bild vom „Hamburger Dom",. Israels mit einem kleinen Danrenbildnis. Ohne die ausgestellten Bilder näher zu charakterisieren, seien wenigstens einige Namen auch der nichtjüdlschen Künstler aufgeführt, deren Werke Eingang in Hamburger Privatfammlungcn gefunden haben und dadurch in dieser Ausstellung zu sehen sind: Trübner, Paula Modersohn, Jäckel, Schmidt-Rottluff, Franz Marc, Derain, Munch, Nolde, Cörinth, Manet. Blaminck. Kandinski. Es berührt angenehm, daß die Besitzer der Bilder sich in Anonymität halten. Mit der Bilderausstellung ist eine Schau Hamburger jüdischer Kunsthandwerker verbunden- Uvin, l-oickorsckork, Lamdurx. REISE GEMEINSCHAFT Jom 18.«.—11.5. nach Riceion« an der it. Adria, 2 Ta 0«r«rv in Mailand, auf dnr Rückreise Venedig. pr inkL Fahrt UL EUsm FrankfortOL—Frankfurt»)!. 248,«