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Central-Verein-Zeitung · 1935-03-21 · 12 (21.3.1935) · page 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
12 (21.3.1935)
Date
1935-03-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 12 S. Boibl. kk7 R0 ' f’nmr^n j; | IuJ l | iJLjUvk7y i) :■ Jütili lli'?f 72!1 lö J l ji nr inn![ jf?! 21.M&rz 1935 Wir gehen in die \\ry -s ft *?/ J Vv V WWW Foto vnd Montage Arno Kikoler Besuch Im Jagcndpflegedezemat der Jüdischen Gemeinde in der Auguststrasse ' „Zuerst wollen wir mal in die Pappe gehen!' »Wohin?' frage ich bestürzt. Und stehe schon mitten in einem schweren Geruch von kochendem Leim, mitten unter Jungen? mit hochgekrempelten - Aermeln — auch ein Mädchen im weißen Kittel ist da —, die an großen Tischen und hinter einer gewaltigen Buchpresse arbeiten. „Das ist unsere „'pappe"; zeigt mal. was ihr hier macht!' Hübsch gebundene Bücher werden mir vovgelegt, selbst gefertigte und überzogene Kästöjen. Die Augen der Jungens leuchten bei den Worten der Anerkennung' ihrer Arbeit. Das ist nur ein Raum im Heim des Jugendpflegedezernates in der Auguststraßc in Berlin. Nebenan wird gebastelt .— alte Radioapparate werden auseinandergenommen und wieder zusammengeseht, ein Junge hat Kopfhörer um und summt leise die Melodie mit. die er sich selbst aus dem Aether herangeholt hat; und man kann in die primitiven Apparate hineinsehen und die tüchtige Arbeit der jungen Hände bewundern. Rohre liegen herum, Teile von alten Telephonen — alles, waS so zur Feinmechanik gehört. Und wieder ein anderer Raum: An den Wänden riesige Abbildungen nicht weniger riesiger Motoren jeder Art. auf dem Tisch-gewichtige Feilen und am Werk kleine Kerle, für die das alles viel zu schwer scheint. Alxw sie schaffen?; es wird geklopft, geschmiedet, gebogen —' Visen und Draht. Biele hübsche und nühlichc Dinge entstehen, zu denen man die Entwürfe selbst fertigte. Und weiter geht es durch einen wohlgeordnetcn Vorratsraum mit gestapelten Brettern und Pappen vom fchnvrcn. dunklen vifen zum Hellen, leichten Holz. Glänzende Hobel sind in Tätigkeit — einer ist besonders groß und man kann sich Respekt verschaffen, wenn cs gelingt, ihn waagerecht . zu stemmen? — und ein paar fertige Tischchen und Kästen stehen da; auch hier alles in bewegter Tätigkeit. Der weiter des Heims ist stolz silier die Verwunderung des nmvissenden Besuchers. „Ja, das ist etwas ganz Neues, was wir hier vor lnr.zer Zeit begonnen; aber es scheint zu gelingen. Tiefe Zeit, in der so viele unserer jüdischen Jungens schon in frühester Jugend, eben .schulentlassen, beruflos sind, erforderte geradezu die Einrichtung eines. Heimes wie dieses, das sie vor den Gefahren eines untätigen Tahinlebens in der Großstadt bewahrt. Hier verbringen sie die Zeit, bis sie die Möglichteit einer beruflichen Tätigkeit gesunden haben, mit nützlicher Beschäftigung. Wir haben seht nugefähr 70 Jungen, die einmal einen handwerklichen Berns ergreifen wollen Und wir hoffen immer weitere Kreise diesem guten Merk zuznführeu. Auch Mädchen lvollen wir, schon in ganz kurzer Zeit, die Möglichkeit geben, sich unter einer Anleitung hier kunstgewerblich zu beschäftigen. Mit dem Arbeitenachveis ist ein Abkommen getroffen, daß unsere Jungen, wenn sich dort Stellen bieten, genau so berücksichtigt werden wie die, die immer dort sind und warten; außerdem nimmt jeder Meister gern jemanden, der mit der Materie schon vertraut ist. und wir sorgen dafür, daß jeder Junge erst eirunal alle Gruppen — „Pappe", Holz, Metall und Elektrotechnik — durchläuft, um sich dann iclbst entscheiden zu können, wozu er sich am besten eignet. Unsere Einrichtung hier ist keine Schule, man könnte eher sagen eine Art ernsthafte Spielerei. Trotzdem aber muß peinlichste Ordnung herrschen in einem Betrieb, der so viele Jugendliche und einige Leiter umfaßt. Deshalb haben wir auch einen Arbeitsplan ausgeführt, der die Besucher unseres HeimS in zwei Gruppen einer geregelten Tätigkeit' unterstellt. Es ist selbstverständlich, daß neben der handwerklichen Arbeit auch das Geistige in Schulungskursen gepflegt werden muß. Natürlich gestalten sich alle unsere Stunden im Hinblick ans die Berufsarbeit und -möglichlcit und suchen das Wissen zu vermitteln, das für ein solches Leben heute am wichtigsten ist; in diesem Sinne hören unsere Jungens Lebenskunde, Werkzeug- und Werkstoffkunde. Deutsch, Rechnen, Zeichnen, technische Physik und — nicht zu vergessen — jüdische Bildung.' In dem Nnterrichtsraum wird gerade Lcbenskunde gelehrt, und ein Blick in dieses Zimmer, ein kurzes Zuhören zeigt schon die praktische Wirklichkcitsnähe des Borgetragenen und die ungezwungen rege Teilnahme der Zuhörer. „Der Raum ist mehr als primitiv", sagt der Leiter, einer zu erwartenden Frage des Umschau haltenden Besuchers zuvorkommend, „aber sehr bald schon werden wir neu gemietete Räume beziehen, die auch nach außen hin zeigen werden — trotz aller Einfachheit —, daß dieser erste Versuch erfolgreich war.' Diele Neugründungen wurden aus der Not dieser Zeit geboren. Dieses Heim ist vielleicht eine der wichtigsten. In der Jugend ruht die Hoffnung und Zukunft jeder Gemeinschaft, ihre Stärke und guten Anlagen zu fördern liegt heute mehr denn je im eigensten Interesse des Judentums. lind besonders die Jugend der Großstadt muß davor bewahrt werden, daß aus ihr asoziale, die Gemeinsäi-rst schädigende und später ihre Wohlfahrtscinrichtnngcn belastende Elemente erwachsen. Dieses Ziel kann nur erreicht werden, indem man die in früheste!, Jahren Beschäftigungslosen einer nützlichen und geregelten Tätigkeit zuführt, die ihnen selbst nicht als Zwang, sondern als Bedürfnis gilt. Und dies tst das Ziel des neuen Heimes im Jngcndpslegedezernat, das in aufopfernder, selbstloser Arbeit alle Mittel zu seiner Erreichung cinsetzt. Hilde Marx. Heldengedenkfeiern Die Berliner Jüdische Gemeinde veranstaltete ihre Tranerseier in der Neuen Shnagoge in der Oranienburger Straße. Unter Orgelklängen zogen Abteilungen des RjF und des K a m e r^a dfchaftli ch e n Vereins de 11 t - s ch c r Soldaten mit umflorten Fahnen in den Raum ein. Tie Gedächtnisrede hielt Rabbiner Dr. L e >v k v w i tz. In Liebe gedenken wir. so führte er aus, unserer Toten. Sie sollen Vorbild sein. Sie haben' gelehrt, die Heimat selbstlos .gt lieben, in der Inden feit Jahrhunderten leben. Die gefallenen Helden mahnen nicht nur zur Heimatliche, sondern auch zur Treue und zum Festhalten am Judentum, zum Glauben der Väter. Treue und Lpferbereitschaft müssen vorhanden sein, „in schwere Zeiten zu überstellen. Unser geistiges Leben darf nicht verarmen, nicht schlvächer werden. An die Gedenkrede schloß sich das Gebet für das Vaterland an. Lberkantor Gollau in sang das „El mole rachamin" und sprach da? Kaddisch-Gebet. Nach der Tranerseier begab fick) eine starke Abordnung des Reichsbnndcs jüdischer Frontsoldaten zum Hcldenmal ans dem jüdischen Friedhof in Wcißcnsee. wo der blnmcngeschmückte Silberschild des RjF nach Ansprachen von Kammergcrichtsrat i. R. Dr. T i c n e m a n n Und dem Landesverbandsvorsitzenden des RjF für Berlin imd Brandenburg. Walter Eallmann, niedergclegt wurde. Am Hcldengcdenktag ließ die Stadt Koblenz, ähnlich wie bei früheren derartigen Anlässen. einen großen Kranz mit den Farben der Stadt und des Reiches an dem Denkmal ans dem jüdischen Friedhof niederlcgen. das für die Gefallenen der Shnagogcngcmcindc Koblenz dort errichtet ist. — Der Kranz, den der RjF am Ehrenmal Unter den Linden wie alliährlich nicdergelegt hatte, ist dort nicht verblieben. An zahlreichen anderen Orten des Reiches fanden ähnliche Feiern statt. Eine dankbare Aufgabe! Es ist eine beliebte Redewendung, daß man etwas, was besonders schwierig oder unpopulär ist. als „dankbare Ausgabe für die jüdische Frauenwelt" bezeichnet. Die Frage der jüdischen Hausangestellten ist ein treffliches Beispiel dafür. Jeder kennt die Schwierigkeiten, die es ans diesem Gebiete gibt, sollte sie wenigstens kennen, sollte auch wissen, daß sich der Jüdische Frauenbnnd seit etiva 00 Jahren bemicht, ans die jüdische Hausfrau lind aus das jüdische Mädchen einzuwirken, daß Hausarbeit als gelernter Berns gewertet und geregelt, die Hausangestellte sozial und menschlich anerkannt wird. Sehr langsam kommt man mit diesen Bemühungen voran, die jüdische Leffcntlichkeit sieht wenig von Erfolgen, viel von Mißständcn, nild immer wieder faim man es hören und zuckt schon zusammen, ehe der Satz ausgesprochen ist — und fühlt alle Augen auf sich gerichtet: „Hier wäre nun ein- 0' rg \x;LDvvy! > n s pc L LU LU resn PlnMufiainlcocnn. i LUI MfiSu.Gipsribdruck ^-jr-' GurnrnistrUmpfe ©.c: (S|!ir\ Orthopädie, olQ8na Werkstatt. l!|: ' Liefer. sämtl. Ivrankcnk.u.Behörd. d J BERLIN N. 24. Fricdrichstr. 113. (a. Oranienb. Torr), D1 Nord. 1442. Fahrräder rafrrrüctoF in EiöDiGrtavciil Reparaturen werden 60fort aupgefflbrt. SAHT MAILICH, BERLIN NO 43. Nou# Könlgstratse!9a ( ESekleidtimg für c/im für eil« Cf am* (iertin lV 62 Telefont Karfürstenstr. 12.1 134 Bavaria2117 Drucksachen Bürohedarf Jeder Art dnrdk J. Felix L Mannaberg Bnrfid radieret Kürsir.33 A 6 Merk. UGS ' Fr.E.Rülf.BerlinW.50 VS. Cornelius3051 Preiswert &•! beeter Arbeit ]Färk©p©i©ia S alonsien für Wolle, Baumw., Seiden. 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