Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 11 (14.3.1935)
- Date
- 1935-03-14
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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K Mar* 1935 G-V.-Zeitung Nr. 11 uttii Da? Buch von Karl Mannheim „Mensch und Gesellschaft im Zeitalter des Umbaus" (A. W. Sijthoff's Uitgeversmaatschappij N. V., Leiden), dem früher in Frankfurt, fetzt in London lebenden Soziologen, ist aus zwei Gründen bemerkenswert: einmal drrch die Art der Problemstellung, sodann durch die Art der Problemlösung, zumal diese Lösung in einer Diktion vorgetraaen wird, die den Leser bis zum Schluß des Buches in geistiger Spannung hält. „Mensch und Gesellschaft rm Zeitalter des Umbaus" das ist keine spröde, profcssorale Abhandlung, sondern ein Griff :n die Fülle der Kulturproblenw, die die europäische Gegenwart bietet. Das Buch enthält eine soziologische Krisentheorie. Sein Verfasser gibt eine Diagnose und eine Therapie der aus der Industrialisierung des Abendlandes erwachsenen gesellschaftlichen Störungserscheinun,)en. Ter Krisenbcgrssf selbst nun existiert nur durch eine Bezogenheit der Dinge auf bestimmte Kriterien. Dtannheiin entnimmt diese unentbehrlichen Kriterien der Epoche des Humanismus und der Aufklärnngszeit. Die Störungen offenbaren sich ihm somit als gesellschaftliche Störungen und Hemmungen der menschlichen Rationalität und Moralität. Die Analyse dieser Begriffe, ihre Zerlegung in Persönliche und formale Elemente. der Gegensatz dieser Elemente in der Gesellschaft, das Ringen zwischen vorauseilender Nationalität und zurückbleibender Moralität wird mit Konsequenz und Virtuosität entwickelt. Die Bilanz der humanistischen und antihumanistischen Kräfte, die Mannheim zu ziehen versucht, geht nicht völlig aus. so daß er cs unternimmt. alle wahrnehmbaren Reibungen und Spannungen in zwei große DiSproportionalitaten begrifflich aufzulösen, in eine allgemeine Tisproportionalität, in der Entwicklung der menschlichen Fähigkeiten (Gegensatz zwischen technischer Naturbeherrschung und Dioralität) und eine soziale Disproportionalität in der Verteilung der rationalen und moralischen Fähigkeiten ans die einzelnen Schichten der Gesellschaft. Mit Hilfe dieses Tenkprozesscs arbeitet er aus der Widerspruchspollen Fülle der Erscheinungen die Elemente der Krise noch am Entstehungspunkt klar heraus, um sodann den soziologischen Ort anzugeben, an dem sie in die Kultmckrise der europäischen Gesellschaft eimnünden. Auch hierbei erweist sich Mannheim als Analytiker von Murg. Nicht regulierte, freie, und regulierte, staatlich gebundene Gesellschaftsprozeffe bceinsluffen die Gestalt der Kultur. Mannheim interessieren vor allem die nicht regulierten Einwirkungen: die Fragen der Elitenbildung tauchen aus und werden auf ihre negativen und positiven weiten, in ihrer historischen Bedingtheit, in ihrem Verhältnis zum Publikum genau untersucht. Die Ucbersüllung der geistigen Berufe, die damit verbundene Entwertung der geistigen Arbeit und bannt der Ratio selber der Wandel der Elitenselektion und die Aenderungen in der Zusammensetzung der Eliten mit ihren Rückwirkungen auf die gesellsckpftliche Kultur werden von Mannheim in vft geistcssprühenden und zugleich tiefen Formulierungen dargelegt. So durchschreitet der Leser in Begleitung des Autors gebannt, dis Berge und Täler jener zerrissenen Krisenkurve, die Mannheim von der europäischen Kultur entwirft. Die Therapie dieser Krise kann nach Mannheims ' Auffassung nur von Seelischen ausgehen. Der innerlich erschütterte Standort des Intellektuellen wird von ihm in einem geistreichen Koordinatensystem ausgesucht und aufs Nelle fixiert. Ihnen, den Intellektuellen. weist Mannheim die mehr als archiincdische Aufgabe zn. dnrch Selbsterziehung zu höchster Rationalität und Moralität tu sich selbst den Hebelpunkt zu fixieren, von dem aus die persönliche, aber auch die von M. gesichtete gesellschaftliche Kulturkrise aus ihrer Verankerung gelöst werden kann. So sei der der Weg für ein „planendes Denken srei,)umachen, in dem nicht nur der allgemeine, soziologische Zusammenhang sondern auch die individuelle Konkurrenz geplant" ist." Mannheim wendet in seiner Untersuchung die Terminologie und Begriffsapparatur der Nationalökonomie weitgehend auf die soziologische Fragestellung an. Volkswirtschaftliche Begriffe, wie Produktivität, Konkurrenz. Interdependenz, Kapazität, Produzenten und Verarbeiter sucht er nicht ängstlich als Reservat der Nationalökvnomcn zu meiden, sondern er erblickt in ihnen allgemeine soziologische Kategorien, deren Einbau in den Erkenntnisapparat der Gesellschaftswissenschaft sich von selbst versteht und keiner näheren Begründung bedarf, anher der, erfolgreich in ihren Ergebnissen zu sein. Trotz Unterschiedlichkeit der Denkinhalte identifiziert er die Denkkategorien beider Wissenschaften, nicht, um Gleichnisse und verdeutlichende Denkparallelcn. die der Nationalökonomie entlehnt sind, in die Darstellung einzusühren, sondern durchaus im Sinne einer autonomen Denktechnik. — Fn der Tat zeitigt die sachkundige Heranführung einer relativ so exakten Denkapparatnr wie derjenigen, die die theoretische Nationalökonomie ausgebrldet hat, an den Problemkreis der Knltursoziologie nicht uninteressante Ergebniste, so wenn — um ein leichtverständliches Beispiel zu erwähnen — der Kulturprozcs; nur dort als möglich angenommen wird, wo die Gesellschaft Eliten als Kulturproduzenten duldet und der durck)- schnittliche Mensch über genügend Freizeit verfügt, um seine überschüssigen Energien zur Verarbeitung der von den Eliten geschaffenen Kulturinhalte zu verwenden. Wie evvähnt, ist das Buch in einer sehr eindringlichen und klärenden Diktion geschrieben, die verwickelten Handlungsgefüge der Gesellschaftswissenschaft erscheinen in einer Darstellung gleichsam in ein durchsichtiges Gehäuse, einen Glasblock eingebettet. der den Leser nicht vom Erkenntnisgegenstand isoliert, sondern ihm den verborgenen Ablauf deS- Eeschehens restlos enthüllt. Das Buch selbst erscheint so als wichtiger Ausdruck jener Selbstbesinnung, die der Verfasser vorschlägt. In der architektonischen Planung und Wölbung des Buches werden Form und Inhalt einander adäquat, um so mehr, wenn in einer späteren Auflage einige Denkschlacken und formale Unebenheiten ausgemerzt sein werden, die diese intensiv gedachte und geschriebene Arbeit noch ausweist. Um so leichter wrrd e8 ihm dann möglich sein, im Leser die verschlossenen oder verschütteten Zugänge zu einem neuen Humanismus aufzuschmelzen, und ihn noch empfänglicher zu machen für die geschliffenen Epigramme, für die sprühenden Funken, die aus jeder Seite des BucheS springen, nicht wie bei einem Feuerwerk, sondern eher noch wie aus einem Hochofen. Ein bemerkenswertes Buch! K.H. Josef Back: „Ständische GesellschaftsbUdung." Verlag Fr. Wagner, Freiburg. Die ständische Gesellschaft, wie sie dem Nationalsozialismus als Ziel vorschwebt, soll zugleich Organisation nebeneinanderstehender Berufsstände und gesellschaftliche Rangordnung über¬ und untergeordneter Volksschichten sein. Die vorliegende Schrift behandelt die ständische Gesellschaftsbildung im zweiten Sinne der sozialen Rangordnung, indem sie deren Möglichkeiten objektiv aus den gegebenen politischen Voraussetzungen zu entnehmen versucht. Die politische Umwälzung wird als der Sieg der Arbeiterschaft über das Bürgertum dargestellt, der das individuelle Freiheitsstreben durch ein kollektives, nämlich durch den Drang der Arbeiterschaft nach Selbständigkeit gegenüber dem Schicksal der Arbeit erseht habe. Dieser neue Freiheitsdrang wird geschildert als eine gesellschaftlich bewegende Kraft, gerichtet auf eine soziale Rangordnung nicht nach dem Besitz, sondern nach dem Wert von Arbeitsleistungen für das Ganze. Die Schrift bemüht sich, nicht politische Wünsche zu verkünden. sondern dre bestehenden Bedingungen der gesellschaftlichen Neubildung zn erkennen, allerdings an Hand bestimmter, vom Nationalsozialismus gegebener gefühlsmäßiger Wertmaßstäbe, die sie für die Grundlage aller fruchtbaren Wissenschaft hält. In Einzelheiten nicht immer frei von allzu einfachen Verallgemeinerungen, ist sie als Ganzes jedenfalls ein anschauliches Beispiel der neuen Methode .emotionaler" und po- Irtischer Wissenschaft in Deutschland. Kart Wille. GMM WAS „Die Verfassung der nationalsozialistischen Revolution", „Der Neuaufbau des Reichs", „DaS Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat". Herausgegeben und erläutert von Dr. Heinrich Krüger und Gottfried Reetze. Verlag von C. Heinrich, Dresden-N. Der Zweck dieser kleinen Schriftenreihe ist durch den Titel ihres ersten Heftes: „Die Verfassung der nationalsozialistischen Revolution" gekennzeichnet: Sie will in Einzeldarstellungen der wichtigsten staatsrechtlichen Gesetze ein Bild vom verfassungsrechtlichen Zustand des neuen Staates geben. Daß die folgenden Hefte Gesehesnamcn -zum Titel haben: ist ans einen Wunsch des Vorsitzenden der parteiamtlichen Prüfungskommission zum Schutze des NS-Schrifttum8 zurückzufahren. In die nüchterne Form des Rechtes gebannt, rollen in diesen Heften dre staatsrechtlrchen Ereignisse der vergangenen zwei Jahre ab, vom Gleich, schaltungsgesetz über das Reichsstatthaltergesetz bis zum Gesetz über den Neuaufbau des Reiches und dem Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat. Die knappen Erläuterungen verraten, daß hier Praktiker der Verwaltung gearbeitet haben. Die Kommentierrmg des Gesetzes über den Neuaufbau des Reiches hätte ausführlicher sein und die grundlegende Bedeutung dieses kurzen Gesetzes für das gesamte staatsrechtliche Geschehen seither deutlicher unterstreichen können. Das dritte Heft gibt einen Einblick in den Aufbau der Partei und ihrer Reichslcrtung, den viele begrüßen werden. Der Jurist, aver nicht weniger der ZeitungSleser werden aus den handlichen Heftchen viel Wissenswertes erfahren. K.J.R. Dr. Wilhelm Höper: „Die drei Reiche. Don der Kaiserkrone zum Hakenkreuz." Verlag Ferdinand Hirt, Breslau. In einer Zeit, in der die Fragen deS Reichsneubaus und der Rcichsreform zu den vordringlichsten Aufgaben der deutschen Innenpolitik gehören, liefert das vorliegende Luch einen nicht unwillkommenen Beitrag zur Geschichte des deutschen ReichSgedankens. Es gibt gewissermaßen eine Biographie jenes ReichSgedankens: die wcchselvollen Schicksale. Aufstieg und Niedergang. Förderung und Hemmung. Der Verfasser, der bisher als pädagogischer Schriftsteller hervorgetreten ist, erzählt zunächst in sehr subjektiver Einstellung von den geschichtlichen Kräften und Widerständen, die den Neichsgedanlen gestaltet haben. Gegen Ende gibt er in zeitlicher Folge eine vergleichende tobcllarifdfjc Uebersicht, die den eigentlichen Wert des Buches ausmacht. Er arbeitet folgende Aufgliederungen der Reichsgeschichte heraus: nach einer Vorbereitungszeit <113 v. Ehr. bis 900 n.-Chr.) daS tausendjährige Erste Deutsche Reich (800—1806). Von 1506 bis 1671 folgt ein Zeitraum, den der Verfasser alS das 2. Interregnum, Vorbereitung des Zweiten Reiches, bezeichnet (1. Interregnum 1254—1275). Sodann 1871—1918 das Zweite Reich, die Schöpfung Bismarcks. Danach 1918—1933 das 3. Interregnum, Vorbereitung des Dritten Reiches. Zuletzt 1933 Gründung deS Dritten Reiches. Der Verfasser sieht im Dritten Reich die Ersüllung des Reichsgedänkens. . Leider zeugt das Buch von seiner judenseindlichen Einstellung, was wir vom jüdischen Standpunkt um so rnehr bedauern müssen, als es sich vorwiegend an Lehrpersonen wendüt. F. F. Lea Meriggi: „Faschismus und Recht." (Schriften der Akademie für Deutsches Recht, Rr. 5.) Walter de Gruyter u. Co., Berlin. Die Schrift, die einen Vortrag der italienischen Verfasserin vor einem deutschen Hörerkreis wiederarbt, behandelt zunächst kurz den Faschismus als geschichtliche Erscheinung und als rechtsbildende Kraft und schildert dann die faschistischen Grundsätze im innerstaatlichen und im internationalen Recht: dort Staatsautorität und Disziplin. Stärkung der wirtschaftlichen Produktion und Zusammenarbeit in den Ständen, hier Revision der Friedcnsverträge und eine friedliche Neuordnung des Völterrcchis in einer Hierarchie von Staaten, nach dem Vorbild des Äiererpaktes. Als ideales Ziel wird eine internationale faschistische Gesellschaft bezeichnet, die sich aus den allgemein faschistischen Grundsätzen Aas 16.-2L. AMM In knapp drei Monaten wurden 15 000 Exemplare des P h i lP - L e x i k o n S verkauft. Ein auf dem jüdischen Buchmarlt einzig dastehender Erfolg. Wenn der Verlag sich trotz der unverminderten Nachfrage entschloß, das Buch einen Monat „fehlen" zu lassen, so geschah das, um schon beim Nachdruck der ersten Auslage Verbesserungen vornehmen zn können. Es liegt im Wesen eines Lexikons, daß es nie abgeschlossen, stets ergänzungsbedürftig ist. Jeder Tag bringt neue Ereignisse, die berücksichtigt werden müssen. Zu diesen allgemeinen Gesichtspunkten kam noch ein besonderer. Der Verlag hatte jedem Exem- Dle Sängerin Paaline Lucca Lithographie von Joseph Kriehuber plar des Lexikons eine Karte beigefügt, auf der der Käufer um Anregungen gebeten wurde. Dieser Aufforderung sind weit über 500 Leser Nachgekommen. Verlag und Redaktion waren der Auffassung, daß diese wertvollen Anregungen so rasch wie möglich berücksichtigt werden sollten, daß das Lexikon niemals veralten dürfe, sondern stets aus dem neuesten Stand zu erhalten sei. Nur so glaubten sie, den berechtigten Forderungen der Benutzer zu entsprechen. Die Redaktion stand also vor der Aufgabe, in wenigen Wochen dieses umfangreiche Material zu prüfen, das Falsche vom Richtigen, das Wichtige vom Unwichtigen zu sondern, und vor der noch viel schwierigeren, nur das Wichtigste in den Band aufzunehmen, um weder seinen Umfang, noch seinen Preis zu erhöhen. Das Ergebnis dieser Arbeit: Etwa 100 neue Stichworte, etwa 150 neue Namen im Nahmen der Sammelartikel, fünf neue Bilder, von denen wir eines hier abbilden, drei neue Tabellen (darunter die größten Gemeinden Deutschlands und der Welt), eine völlig neue geographische Karte Palästinas. UebcraL wurden die Ergebnisse der letzten Volkszählungen in Deutschland und der Welt berücksichtigt. Daten wurden ergänzt, nachgetragen und auf den neuesten Stand gebracht. Druckfehler natürlich berichtigt. Dies der äußere Umfang der Neuarbeit. Wie war es möglich, die, Verbesserungen einzufügen. ohne den Umfang des BandeS zu erhöhen? Es wurde versucht, auf jeder Seite durch Streichen weniger Worte etwa drei bis vier Zeilen Raum für einen neuen Artikel zu schaffen. Manche Stichworte (wie etwa Film und Tonfilm) wurden vereinigt, der freie Raum am Ende der Buchstaben wurde ausgenutzt. Nur wenige, unwesentliche Artikel mußten gestrichen werden. Allgemein wird es interessieren, etwas über die Art der Zuschriften zu erfahren. Zunächst Muß es erstaunen, wieviele Menschen scheinbar noch immer daS Alphabet nicht beherrschen. Denn wieder und immer wieder wurden Artikel verlangt. die' an der richtigen Stelle deS Alphabets zu jinden sind. Diele Leser haben sich die Mühe gemacht, die Länge der einzelnen Artikel abzumessen und kamen dann etwa zu dem Ergebnis, daß das Stichwort Adam wesentlich kürzer sei als daS für Barnowsky. Es sei deshalb gesagt, daß niemals die Länge, sondern stets nur daS Gesagte maßgebend sein kann. Der Umfang wird oft von rein äußeren Gesichtspunkten diktiert, wie etwa der Länge des Namens, des Geburtsorts, , Art deS Berufes (man vergkeick)e etwa die Berufsbezcichnung „Arzt" mit „Naturwissenschaftler" oder den Geburtsort „Bonn" mit ,Lipto St. Miklas-Slowakei)" u. ä. Allgemein wurde Wohl vermißt, daß die Tatsache der Taufe oder de8 Austritts aus dem Judentum nicht in jedem Falle erwähnt wurde. Auch bei den neuen Beratungen ist die Redaktion zu dem Ergebnis gekommen, daß es auS den verschiedensten Gründen unmöglich ist, diesen an sich berechtigten Wunsch zu erfüllen. Die Art der Zeichengebung hat viele Leser zum Nachdenken und zum Entwerfen eigener Vorschläge veranlaßt. Nicht alle' waren so, wie der, der hier der Kuriosität halber' zitiert sei: „In Sachen symbolischer Bezeichnung reinjüdischer, nichtjüdischer oder rein christlichdeutscher Abstammung fühle ich mich genötigt, den zweiten Teil meines ersten Vorschlags dahin abzuändern, daß für Abstammung von Juden (jüdisches Blut), die aber unbeftirnmt oder unentschieden ist. der Davidstern — eventuell mit Fragezeichen — vielleicht am passendsten sein dürfte, während für Abstammung von einem jüdischen Elternteil der halbe Mogen> David genügend erscheinen darf, wenn dabei daS aufrechtstchende Dreieck die Abstammung väterlicherseits, und daS umgekehrte Dreieck das gleiche mütterlicherseits symbolisieren würde." Die Redaktion hat sich seinerzeit von Gesichtspunkten der Klarheit und Einfachheit leiten lassen und sie glaubt, daß die sechs gewählten Zeichen diesen Anforderungen entsprechen. Die überwiegende Mehrzahl der Zuschriften befaßt sich mit den genannten bzw. nicht genannten Persönlichkeiten. Ganz gering ist die Zahl derer, die sachliche Einwendungen zu den prinzipiellen, grundlegenden Artikeln deS BucheS zu machen hatten. Abgesehen von den Vorschlägen, die sichtlich auS. familiären Gründen, diktiert wurden. wurden einzelne Persönlichkeiten wieder und wieder gefordert. Darunter etwa der Arzt Ignaz Semmelweiß, der Erfinder des Telephons Philipp Reiß, der Flieger Lilicnthal. Alle drei sind weder Juden, noch jüdischer Abstammung, auch wenn sie in anderen ähnlichen Nachschlagewerken genannt werden. An dieser Stelle sei vermerkt, daß das Philo-Lexikon nur drei Streichungen vorzunchmcn brauchte. Daß Hunderte von Nichtjuden vermißt wurden, sei ebenfalls erwähnt. So etwa Frau Curie, Bernhard Shaw, Außenminister Simon usw. Mit Absicht nennt' der Verlag das ' 16. bis 21. Tausend nur einen Nachdruck. Die in ihm vorgenommenen Verbesserungen find durch das Wesen eines Lexikons bedingt. Ter Verlag und die Redaktion legen Wert darauf, auch an dieser Stelle allen, die Anregungenn gaben, zu danken, besonders denen, die ihre Zuschrift mit einer Anerkennung der Leistung verbanden. vr. N«MyWMlizr Joachim Stutschewsky: „vaxatelleg" (Pctite Morceaux pour Piano seul). Jibuch-Derlag, Wien. Neun kleine Stücke für Klavier, melodisch, harmonisch und rhythmisch eigenwillig geformt, doch sicher und überzeugend in dieser Ergenwilligkeit. welche künstlerische Sonderart als geglücktes Ergebnis zeigt. In der Wahl seiner Mittel ist der Komponist äußerst vorsichtig und sparsam, und e8 reizt ihn, durch möglichste Beschränkung derselben im kleinen Großes zu erreichen (wie in seinen „Palästinensischen Skizzen"). Wie eine Folge kleiner, höchst stilvoller Federzeichnungen, Holzschnitte oder Aquarelle wirken solche musikalischen Gebilde, in denen besinnlich schwermütige Weisen mit tänzerisch lebhaften, mutwilligen und grotesken wechseln — Gebilde, die übrigens Beleg dafür find, wie wenig .Bagatelle" das Detail in der Gestaltung ist. Der schöpferische Einfall geht dem aufhorchenden Ohr als Erlebnis ein . . < Hat es nicht Schönberg gesagt:' „aber daS Gehör ist doch eines Musikus ganzer Verstand!"? Be« sonder» charakteristisch und typisch für die künstle rischen Absichten und Wegrichtunaen deS Komponisten erschienen mir „Im Volkston" und «Wiegenlied". Alle neun Stücke sind Kleinpde