Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 11 (14.3.1935)
- Date
- 1935-03-14
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2277379-2278097-2278108--09305-2290409- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
des Faschismus ergehen soll. Tie weniger Erklärung als Verherrlichung?,V'öfü)t3m!M'. Sft führt ihn auf allgemeine >chenle, Vaterland, Gerechtigkeit und Menschenivurde. zurück, ohne zu zeigen, tvoriu der Sache nach die Eigenart feiner Haltung zum Rechte »eiteht. worauf seine einzelnen Nechtsgrundsätze l'ernhen und wie sie sich auSwirken. Sie macht "der bn§ Pntho-Z deutlich, das dem italienischen Faschismus und den ihm verwandten Bewegungen ihre eigentümliche Hraft gibt. Tie Verwandtschaft gerade van Faschismus und Nationalsvzialismns rvird von der Verfasserin stark betont: freilich macht ihre Darstellung auch die Verschiedenheit erkennbar, die zwischen dem saschistischen Grundsatz der reinen Staatöautorität und dem nationalsozialistischen einer Rasse» gemeinschaft des Volles besteht.. ' Kurt Wilk. O—r» fV,- &>U<? cv... >r "* - •y - ■ - - ■*-a-’ iHlünc und wichtige Buch, das angezeigt werden soll, he-ßt: „D a s ai u n ft werk" (Dersag Ernst Rowohlt. Berlin) und fein Ver- P'idF, Dft SinvIair LewiS, der ameruau'rsche Rooel-Preisträger. Mir scheint, die 'chwedrschrn Akademiker haben gut geurteilt. als he als erster /Amerikaner der literarischen Welt Wien Mann lzerauShvlien. Tenn Sinclair LeU'iä Nal in der Lat den menschlichen Ernst, die geistiae rwwiio noch die rünstlcrische Alraft, um ein nahezu cnchvpstudes Dokument des Gebens von USA in chcser ^>ctt zu schassen. Schon heute erinnert dm ,n>lge seiner Romane au da? Werk eines Emile .loia. der für dre Evoche de? zweiten französischcir 'h-nerreicho die völlig '.imsassende, die tief ergründ.mde Darjiellnng geliefert hat. Und wenn gegenüber dem Verfasser der Rongon-Magnardt dem Araerininer der großartige Umriß inr ganzen und der monumentale Aufbau im einzelnen fehlt, lo beulst Sinclair Lewis in feinem weit und locker gcichtckstcten Werk daiür ein nächtiges Werkzeug, das dem Romanen völlig fehlte — den herrlichen vuumu\ der sein angelsächsisches Erbteil ist. Sinclair Lu Vs hat gleich zu Anfang mir w^avi'itt" den Thpu? dcs ncuanwrikanischen ^sücßerS geschasfen, der cs (höchste Form des Erwlges!) zn sprichwörtlichen Ehren brachte — ..ein Vahhitt". das ist heute der amerikanische Spießer an sich. _ (St hat in ..Tr. mcd. ArroSsmilh" die ak.idemisckw und medizinische Welt von USA dargestellt, in „Elmer Gentry" ihr sektiererisches Spesen und Unwesen: zuletzt noch in dem Prachtvoller! Buch „Ann Vickers" den ganzen Umlrei-5 der selbständig wirtenden Frau. Rnn erscheint 'ein neuester Roman „Das Alunstwcrl", und fein liusrerlichstes Kennzeichen ist, daß hier das ameriianifchc H o l e l,v e s e n (gewiß lein geringer .Zwerg des nationalen Gewerbefleißes!) zur Darstellung^ gelangt, und zwar mit einer Umsicht, einer cörüudlichfeit, einem ausiührliclien Fleiß. >R'r wieder einmal sehr an Emile Zola erinnert. ‘.'Imh hat Sinclair Lcwis sindiert und läßt e>5 uns kennen, vom kleinen Provinzgasthos bis zrrr vüiöckigen 26ohnkathedrale Relo-chortS, von der Ausstattung der Halle bis zum .Kochkessel. von der Buchführung bis zu der InstallastionSarbeit, vom Empfangschef bis zur Scheuerfrau. Aber da dies Ganze ein Roman, ein wirkliches cpifcheS Kunstwerk ist. und keine mehr oder weniger geschickte Reportage, so ist diese überaus gründliche. sehr instruktive und oft sehr amüsante. Einführung in das amerikanische Hotelwesen doch teineSwegS der Sinn imd Gehalt de? Buches, sondern nur fein Rohstoff, ans dcrn Menschenschicksal von hohem Reiz und tiefer Bedeutung geformt wird. Der Held ist Myron Weagle. der Fanatiker de? HotclgclvcrbcS. der daS Ideal hat. den schlechthin vollkommenen Gasthof als sein .Kunstwerk zn schassen. Ter Deutlichkeit halber bekommt er einen Bruder mit auf den Weg: Ora Weagle ist „Literat" — das heißt, erlebt von einem schamlosen Umgang mit Worten, er hat jene billigste Art von Phantasie, die immer!tur bis zu irgeudciucin Gelcseueu, uie bis zu einem Erlebnis zurückreicht. Eharaktcristischerineise interessiert schon den Knaben an der literarischen ^Laufbahn inrmer viel mehr der Erfolg, als die Sache, mit der man Erfolg hat. „Ich rechne damit, daß ich der Dickens von Amerika werde. Herrgott! Mit einem großen Haus und ein paar seinen Trabern und sechs oder sieben Anzügen, so den" ich'S mir." Oder: „Ich werde ein Stück schreiben, ein richtiges geistiges Stück ä la Ibsen . . . Wieviel kann inan wohl mit einem erfolgreichen Stück am Broadway verdienen?" Im Grunde hat Ora einen tiefen Abscheu vor seder ernstlichen Art zn arbeiten, und er lumpt und pumpt sich so lange durch bis ihm schließlich die Filmtonjnnktnr ein prächtige? Einkommen für eine in jedem Sinne nahezu nichtige Tätigkeit eröffnet. Mhron aber der nicht verstehen kann, „wieso jenwnd nicht den Ehrgeiz haben kann. daS gntznmachcn. waS er macht", wird von seinem' Ehrgeiz langsam, aber sicher, vorangetragen. Vom ' Pagen eine? zweifelhaften SommerhotclÄ bringt er eS zum Flcischkoch eine? Imbißwagens, vom stoch znm Nachtportier, znm Kellner, znm Buchhalter. llnd da er im ganzen Umkreis seines weiten McticrS alles mit letzter Energie anfaßt, studiert, durchdenkt, so wird er schließlich stellvertretender Direktor des größten HotelkonzernS und eine Berühmtheit in feiner Branche. Myron hat eine kindliche Hochachtung vor feinem Bruder, dem Literaten, der ihn immer sehr von oben herab als ungeistig" behandelt. Aber manchmal dämmert e§ ihm freilich, daß es vielleicht nicht schlechter sei. „für die Menschen gute Gasthöfe zn scharfen, die ne brauchen, statt schlechter Roinane, die sie nicht brauchen". Sinclair Lewis bleibt dabei weltweit entfernt von allem moralischen Kitsch. Keineswegs' hat die Tugend den großen Erfolg und das Laster seine verdiente Blamage. Der lumpige Ora bringt cS im Zeitaller der Depression durch das zweifelhaite Filmgeschäft zu fröhlichem Reichtum. Dem Mhron wird. alS er feinen idealen Gasthof bei seinem HcimaiSnest. ein paar Autostunden von New Pork, schließlich geschaffen hat, sein LebenSwerl. sein^-Kunstwerl („seine sämtlichen Werlo nt graue Schindeln gebunden") von ein paar schuftigen .Kapitalisten aus der Hand gewunden. Aber unverdrossen fängt er von neuem an. macht schließlich ans einem schmuddligen, kleinen Provinzgasthof ein Älusteretablisfement und ist am Ende dabei, mit seinem Jungen eine ganz neue zeitgemäße Form zu schassen: ein Mittelding zwischen Autvlagcr und Hotel. Rastlos bemüht! Bemüht freilich immer im Sinne seiner einen einzigen Idee, seines .Kunstwerks". Wenn er zum erstenmal die mächtigen Ebnen von Mittelmesicn sieht, io kommt er auS der ehrlichen Ergriffenheit deS Eindrucks ganz schnell dazu, zu "erwägen, wie gut man ordentliche -Hotels an Stelle der elenden Brctterläden da hineinsctzen könnte! Sinclair Lewis, der Humorist ist wahrhaftig nicht blind für die Beschränktheit von Mhron? Fanatismus. Er erzählt vom seiner Bibliothek, die einige Romane von Dickens und Evnan Dohle enthält, und „Siebenundsechzig Bände, die vom -Hotelwcsen und der Buchführung handeln". Er erzählt von Vturons Europareise, bei der Mhrou „alle berühmten historischen Sehenswürdigkeiten und Schönheiten kennenlernen tvill. nämlich das Savoh in London. Ritz in Paris. Adlon in Berlin, den Weinberg von- Ehambertin, die Wurstgeiellschast^ in Frankfurt am Main. — „Und am letzten Tag^ der Heimreise wurde er melaucholisch. als er stöhnte: Du lieber -Himmel, ich wußte doch, daß ich etwas vergehen Hab'! Ich habe vergehen, mir ne Gemäldegalerie anznsehen." — Natürlich lächelt der Dichter über feinen leidenschaftlich beschränkten Hotelier, aber zugleich liebt er ihn, und diele Liebe teilt sich uns mit. und sie enthält viel Ehrfurcht, Ehrfurcht vor dein männlichen Willen, ^der mit reiner. Arberpersönlicher -Hingabe ein 2berk schafft, welches auch immer. Ein ganze? und eigenes Werk — ein Knnftü'erk. In feiner Verachtung der literarischen Phrasen, in seiner Bewnnde'rnng ehrlicher, gewissenhafter und zielbewußter Arbeit ist die? Buch von Sinclair Lewis (nur sehr nebenbei ein Kompendium de? -Hotelgewerbes) ein amerikanisches Dokument, das ernsteste und freudigste Beachtung verdient. Julius Bab. €ifar Sein „Teufel", der ihm den Kleist-Preis eintrng. svielte im lR. sein „Rarrenspiegel" im lll., seine Romane „Rebellen" und „Girerra" iur 10. Jahrhundert und jetzt führt uns Alfred R e nmann bis an die Schwelle der Gegemvart. Das ist kein Zufall. Je weiter die Historie zurnckliegt, desto freier kann der Dichter mit ihr schalten. Je näher sie den Zeitereignissen gerückt ist. desto lri-- tischer toird der Leser, desto größer die Berantü'vrtnng deS Autors, wenn er nicht an der Oberfläche bleiben oder nur ..Tatsachenberichte" geben will. Ter Historiker sucht ans Wertung und"Einordnung von Tatsachen Geschichte zu erklären. Dem Dichter sind die gleichen Tatsachen nur Gerippe. die er mit den Gedanken seiner Phantasie bekleidet. Die Möglichkeit, daß es so gewesen sem könnte.^ ist für ihn daS Entscheidende. ^<011 dieser Sicht aus muß Reumanns Lüerl beurteilt worden. Diesmal tritt er ans dem undeutlichen Dämmern des Mittelalters ins volle Licht deS 10. Jahrhunderts. Zivar ist die Geschichte des „Neuen Cäsar" (Verlag E. P. Tal. Wiens, die Gestalt lRapolcons Ill„ die Geschichte dos Zweiten .Kaiserreiches für uns auch schon Historie, seitdem der August des Jahres 1911 einen Schlnßpnnkt hinter jene Epoche setzte, aber die Bindungen zu jenen Ereignissen sind noch heute wach und wirksam. Ter „Nene Cäsar" schließt. mit dem Jahre 1852, in dem Napoleon das .Kaisertum erneuert. In einem zweiten Teil „Kaiserreich" soll uns das Ende der Tragödie geschildert werden. Hier wird sich Reumanns Aluust noch schärfer zu bewähren haben. 'Wemt die Lektüre an manchen Stellen nicht zn restlosem Eingehen auf den Gedankengang des Autors zwingt, wenn sich Borbehalte melden, die auch,die wiederum große Dramatik des Buches nicht verdrängen können, so liegt das sicher an der Gegemvartsnähe des StoüeS. Gewollt oder ungewollt schalten wir stets wieder unser eigenes Wißen oder unsere eigene Ateinnng um das Geschilderte ein. In-der Reihe von Reumanns Romanen nahm der „Rarrenspiegel" eine Sonderstellung ein. Sein derber -Humor, seine kräftige Sprache, die Gegenständlichkeit seiner Handlung stand'in lebhaftem Gegensatz znm Dämmerlicht, zur Verscknvörcrsphäre der früheren Werte. In diese Sphäre ist Reumann setzt znrückgekehrt. aber aus anderer Ebene. Das Geheimnisvolle, das Zwielicht e-» goß sich früher ails der Zeit und ihren Geschehnissen in die Gestalten, die die Handlung trugen. Diesmal steht die Zeit im hellen Licht, die Handlungen sind Fakten der großen Politik, die Menschen sind Menschen unserer Zeit. Und das Geheimnisvolle strömt ans der undeutlichen Gestalt Lotus Rapolcous in die Zeit und ihre Ereignisse. Wo er auftaucht, da herrscht Däminerlicht. Was er ansaßt, zerstießt scheinbar und dann bricht au-5 dem Nebel Plötzlich deriynh schlich, die Tat hervor. Wiederum eine bis imi kleinste Detail durchdachte, aber aum crßinlje Eharakterstudie. ans die Reumann die ga>r,e Kunst seiner Gestaltungskraft verschwendet.hat. ÜLolch' himmeliveiter Unterschied zivrichen beiu sagenden, fressenden Falstaff Heinrich von urtv nitz und diesem immer kranken, nnmer zarten, immer ästhetischen, immer eleganten Napoleon. Reben ihm: Horiense, die schöne, zrelbewußte stzrau. die heroische Mutter; Perngnp. brr „Prophet". der Trommler, der Antreiber, der ewrg Wache, der nie Erniüdende: RFs; Gordon. Otc Sängerin, eine Figur nn -iinel: LizzN ^ochard. die Kokotte, das Svielzeng: die Generale und dre Offiziere, die „Rapoleonidcn". der Lehrer ~e -ttii* imd' die vielen, vielen anderen. Louis Napoleon, der schwächliche Mensch mit dem heroischen len znm Sieg, er wird an allen znm Verräter. Gegen seinen Willen? Nlit seinem Willen. Er selbst kann es nicht entscheiden. Phantastisch ist die Geschichte dieses Mannes: Schon die Geburt ist umstritten. Iinmer hauet ihm etwas Illegitimes an. In der Verbannung wächst er aui. ' Neber Italien sucht er den Weg zur Herrschaft in Frankreich. Vergebens. Putsch 'in Straßbnrg — vergebens. Aerbannnng nach Amerika. Rückkehr Ziir sterbenden Rlntter. Putick; in Bonlogne — vergebens. Verbannung in die Zitadelle. Flircht nach England. R'chts kann den Willen erschüttern. Napoleon weiß, die Zeit arbeitet tür ihn. Und dann, nach fast 30 Jahren, gelingt es endlich. Innner läßt er andere für sich arbeiten. Im entscheidenden Ploment aber ist er da. nicht ganz im Vordergrund, immer so weit im Nebel, daß er noch cnttommen kann, seinem eigenen Mut entfliehen. Die Zäsuren im Leben Louis Napoleons werden zn Meilensteinen am' dem Weg. den Rcumann ihn dnrchmesicn läßt. Von einer Etappe zur anderen führt cr ihn mrd jede Etappe ist ein zööhepnnkt der Darstellungs-- k> in ft. Kein Ziveiiel. daß auch dieser neue Roman des Autors r'lnsehen inehren uürd. Hans Oppenheimer. Hermann Sttbr und Slsriä Srlmann In einer aniobiographiichen Schrüt ..Rlein Leben" (Berlin. Verlag Junker und Dnnnhantst) berichtet der große dciufche Dichter Hermann S t e h r n. a. über feine Freundschaft mit M 0 r i tz H e i m a n n . der als Lektor des S. Fifcher-Ver-- Inges den schlesischen Volksschnllehrer in die Lucralnr einiührte: „Durch Ätoritz Heimann. zu dem ich in jenci: Zeit im Vorfrühling der Frcnndichaü stand, wurde diese rein geistige Dichterboglückung über Gerhart Hauptmann ans die liebenswürdigste Art dem Beginn einer lebensvollen Beziehung gefördert. Ith selbst würde ans Bescheidenheit nickst gewagt haben, mich dein Dichter zu nähern, der damals mit seiner nachmaligen zweiten Frau und Moritz Heimann sich an den oberitalienischeu Seen aiishielt. Der Vorgang, durch den der gefeierte Dichter zu dem ersten Erzeugnis eines Menschen gerührt wurde, der, wohl nach deo Ausschlüssen des lieben Heimann. hoch in dc-11 Borgen, nngctannt und verborgen als Schulmeister lebte, ist nicht nur für mich merkwürdig und bedeutsam, sondern gibt von dem menschlichen p'llcsen Gerhart .Hauptniauns einen fr lebensvollen Ausschnitt, daß ich es mir nicht versagen kann, davon eii'en deutlichen Bericht nach der Erzählung Moritz -Hoimanns zu geben." Es folgt sodann die eingehende Schilderung, wie durch Rloritz Apeimanns Vermittlung die Lebenssrenndichait zwischen Gerhart Hanptmann nnd Her-- mann Otehr zustandekam. — „Im Jahre 1808 erfreute mich Moritz Heimann durch seinen Besuch in meinem einsamen Schulhaus. Seine Erzählungen bildeten meine Vorstellungen über Gerhart Hauptmann klarer, sie nahmen eine festumrissene Gestalt an und vertieften sich lebenskräitiger vor allem infolge seines in sichere Aussicht gestellten Besuches bei mir." voll Duft, Anmut und starker Lebendigkeit -- Kleinode, die man lieben iuid schätzen muß. W. Joachim Siutschwcsth: „Vier j ü d i s ch e Ta n zft ü ck e" und „R i kkn d". Tan z stü ck für l a v i c r. (U n i v e r s a k - E d r t i 0 n, Wiek u u d L e i p z i g.) Die Stücke zeichnen sich airs durch Klarherr und Gewandtheit des kompositorischen Anfbans, in Rhythnrik und Harmonie gleich eigenartig und kesselnd. Verhaltene Sckstvermut wechselt mit stürmischer Vitalität. Jedes dieser Stücke hinterläßl nach seiner Sonderart einen starken, mitreißenden Eindruck. Und vor allem auch: es find wirlliche Tänze, geboren aus terpsichorischem Geist. Alle? in allem: eine wertvolle Bereicherung ans dem GcbiLte mustlalischcr Neuschvpfrmgen. W* Alfred Einstein: Geschichte der Musik. A. W. SftihofsS Uitgrdcrsmij R. B., Leiden. E-s ist eine bedauerliche, aber nicht tvegzuleugnende Tatsache, daß der große Kreis selbst ausgesprochener Akusikfreunde für musikgeschichiliche Betrachtungen bi? zur Epoche der Barock- Musik nur wenig Interesse hat. Die Geschichte tärm schiverlich dem Laien eine Zeit lebendig machen, deren Werle nicht mehr znm Gut der ständigen Musikübung gehören. Damit hat seder Historcker zn rechnen, der die Atusilgeschiclste in populärer Form und gedrängter Alürze darstellt. So hat auch Alfred Einstein, der eine erweiterte Reuausgabe seiner anerkannten „Geschichte der Musik" m Lewen erscheinen ließ (die ersten Auflagen waren von einem deutschen Verlag ediert), erkannt, daß für den Wert seiner Arbeit gar nicht so bestimmend sein konnte, eine möglichst große Fülle an Stoff, recht viel Daten und Ltzerke aus knappem Raum darzubieten. sondern lieber die EutwicklungSzüqe im großen a,lfzuzeigen. Das gilt vor allem für die erste Hälfte fernes Buche», weläre die Musikgeschichte etwa brs zum 17. Jahrhundert behandelt. Im zweiten Teil, der uch nur mit den letzten 250 Jahren beschäftigt, läßt Ernstein dagegen auch die wesentlichsten Eharakterlöpso an unS vorbeiziehen, besonders hier vermittelt cr statt bloßer Kenntnisse selbständig Durchdachtes, eigene Erkermtnis. Wir dürfen dre Historie mit den Augen eines erlebnisstarken Rtuftlers sehen. Ueberall da, wo das Persönlrcho, Originelle, ja manchmal Intime tn Einsteins Betrachtung spürbar wird, ist sein Buch auch für jeden Fachmann anregend. Man wird über RlozartS Stellung znm Libretto, zrr Rcelodie und Kontrapunkt kaum feinere Gedanken, schönere Formulierungen finden. Wie klug ist Eirtwicklung und Abstieg des basso continuo dargestellt oder Monteverde mit den ersten Opernmeisterir verglichen (der Milsiker gcgeir die Theoretiker!) mrd dann Schütz, dem Einstein die erste Monographie überhaupt gewidmet hat. in seine Zeit^ gestellt! Einzelnes ist weniger ergiebig, zum Beispiel der Absatz über Verdi. Das Bild de? gewiß verkhrnngslonrdigen Liszt scheint allzu freundlich gemalt. weil Einstein die Frage nach der spezifisch musikalischen InsPirationSkraft hier nicht stellt; sie müßte die erste bei einer Mnsilbetrachtung sein, die nicht nur darstellen, sondern auch Stellung nehinen will. Auch sonst kann man in manchem anders denken. Jedenfalls aber wird kein Musiker diese Arbeit des jüdischen Gelehrten ohne Gewinn, kein Musilsrennd ohne Freude und Interesse lesen. Ludw ig Altniann. Ein BuÄ füc iübii'He Kinder WWW§MMWM! Zir Mirjam? Wundergarten (Verlag Erwin Löwe. Berlin) gehören die Puppen Elisabeth in der blauen Wiege mit den roten Herzen und Lolo. der das linke Bein fehlt; die Giraffe mit den Halsschmerzen, das Lämmchen Bläh und Mulli, der Elefant. Später kommt da? Hündchen dazu, das Hündchen, das Mirjam ans dem Kinderfest zwischen den Geivinnen entdeckt und ihr so lange bittend nachsieht, bis sie vieles unternimmt, es mitnehmen zu dürfen. — Und es gehören zu ihnen die Taube Guru, der Star, das Rotkehlchen, der Frosch Plitsche Platsch und das weiße Reh. da? Traumreh! Nicht zu vergesseu -Keki, den immer vergnügten Harlekin, der jede schwierige Situation mit einem seiner grandiosen Purzelbäume erledigt. — Kein Erwachsener stört diese? bunte Leben. Mirjam und ihre Spielsachen. Mirjam und die Blumen und Tiere ringsumher bilden eine srohe und innige Gemeinsamst. Trotzdem haben sie alle ihr eigene? Schicksal, das Schicksal, das sich auf die Verschiedenheit ihrer Natur gründet und durch Ereignisse aller Art nach biner bestimmten Richtung gedrängt wird. Doch jo, wie die Blunren im'Garten alle nebeneinander bestehen, wachsen und-gedeihen, von der gleichen Sonne ernährt und erwärmt, obwohl üe so verschieden sind im Aussehen, in der Farbe, im Geruch, in der Wurzel ihres ganzen Seins, so ist auch diese kleine Gemeinschaft erfüllt von dem Streben, füreinander zn leben und einander zu Helsen, ohne sich deshalb anzngleichen. Jeder von ihnen behält sein Wesen, seine Eigenart, seine Tugenden und seine ^Fehler, die zu ihm gehören und ihm Helsen, voranznkommen. Ein Kinderbuch, ein wirkliches Kinderbuch! .Keine Moral, kein: Das sollst du. da? sollst du nicht, — kern Lob und Tadel für die Dinge, die geschehen. Die Verfasserin, Setta Evhn- Richter. greift viel tiefer, wenn /hinter all diesem wechselvollen Leben und Treiben ein tiefer .Lebe ns sinn steckt, der auch den Erwachsenen etwas znm Denken amgibt. Es fehlen die künstlich erzeugten Spannungen, die in vielen Kinderbüchern so ungesund wirken, daß man die Fenster aurreißen möchte. Diese Liebe zur Natur ist eng verwoben mit den Geschehnissen: die Feste des Frühlings und Sommers, die jüdischen s^este. stehen im Einklang mit dem Werden und Wachsen. Tazu kommen die Tinge des Alltags, die Tinge, die im Leben jedes Kindes so bedeutungsvoll sind, noch mit dem Glanz de? Wunderbaren umwoben. Ob nun Elisabeth Kompott kochen will und alles daneben gelingt, ob das immer wachsame Hündchen in den Hühncrhof fällt oder Aleli darüber nachdenkt, ob er „erstens Bonbons, zweitens Schokolade, drittens Apfeltorte mit Schlagsahne, viertens Pudding mit „Familiensauce" als Aufwartung zu erwarten hat", alle diese kleinen und großen Sorgen werden mit einer wirklichen Liebe, mit einem echten Humor und dem feinsten Verständnis behandelt für das. was dem -Kinde wichtig ist, wenn ihm kein Erwachsener hineinredet. Daß die kleinen Leser „so nebenher" vieles lernen, ohne daß es ihnen mit der überlegenen Geste des Erziehers serviert wird, füllt eine Lücke, die man in der Literatur der Kinderbücher schon immer schmerzlich empfand. Wenn Mulli. der Elefant, cs nicht nötig hat. beim Gähnen die Pfote vor den Muud zu nehmen, weil feilt Rüssel darüber hängt und ar es dadurch „in diesem Punkte besser hat als die andern", oder wenn bei Lolos Geburtstag alle Geschenke nichts Gekauftes sind, sondern etlvas. das ihrem eigenen Nachdenken und ihrem persönlichen Gefühl entspringt, so wird, wie es sich in M.irjams Garten auch mcht anders erwarten läßt, nur.„durch die Blume" gesprochen. Ebenso sind die seinen Zeichnungen von Joseph Avrach dazu angetan, dieie zarte und dnstendc Atmosphäre noch zu verdichten. Tie Erwachsenen finden hinter all dem einen kleinen Leitfaden für das. was Erwachsene den Kindern^ lasten müssen und worin sie sich nicht hineinmischen sollten, um dieses starke und jubelnde Leben eines Kindes nicht zu .^rstören. llnd wenn. die -Kinder . hören, daß zur lleberraichung eine Tante kommen wird, „die etioa? macht", und die -Kinder fragen: „Ist es eine Dante, die immer sagt: .Rnn sitz doch endlich still, du machst mich schon ganz nervös'", aber dann ist es gar leine solche Dante, sondern eine, die alle Namen der Kleinen mit rotem Zucker aui den Flammerie schreibt, — dann weiß inan nicht, wer mehr von diesem ivertoolleit Kinderbuch mit in das Leben nimmt, — die Kinder — oder vielleicht auch die Erwachsenen? )leta Satmon Bücher, die erscheinen: Der Schocken- Verlag zeigt vier neue Bände seiner Kleinen Bücherei an: Hermann Evhen: ..Der Nächste": Martin Buber: ^Des Baal-Schem-Dow Unterweisung nn Umgang mit Gott"; „Tic Ioseislegende" in aquarellierten Zeichnungen eines unbekannten russischen Juden der Biedermeierzeit: ^Reste Pomeranzen", ostsüdische Schwänke und Erzählungen: zwei weitere Bändchen werden eine Airswah! aus den Schriften des Maimonides bringen. Von der sechsbändigen Ausgabe der ..Gesammelten Schriiten" Franz Kafkas liegt der Band I (Erzählungen und kleine Prosal vor. Band II. der in Aiürzc erscheint, wird den Roman ^.Der Prozeß" enthalten. Bis Ende des Jahres soll das Gesamtwert vorliegen. Im Philo-Derlag erscheinen in dieien Tagen die drei ersten Nummern der „Philo- Bücherei": Leo Hirsch: „Gespräch im Nebel, Leibniz begegnet Spinoza": Max Samter: „Der Gast, eine Erzählung": Hermann Sinshei'mer: „Rabbi, Golem und .Kaiser'. Im Gegensatz zu anderen Buchreihe»» »»'»ll dieie geschmackvoll kartonierte, billige Serie das Schaf° fen lebender jüdischer Autoren unterstützen. Stmttag, d.23.K*rz, 8>Uhp. Saalbau Frankfurt«.*- Gastspiel Dela Lipinskaja m. febendfUllendtm Programm. Karten in den bekannt.'.'pr.srK-auf-sieiic3