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Central-Verein-Zeitung · 1935-03-14 · 11 (14.3.1935) · page 13

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
11 (14.3.1935)
Date
1935-03-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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L-V.-Äg. Nr. 11 3. Beiblatt 14. März ' Wer vor drei oder gar vor sechs Jahren für die Errichtung jüdischer Darlehnskassen in Deutschland cingctreten ist, mußte seine lieberzeugung von der ungeheuren Wichtigkeit dieses Faktors für die Produktivierung jüdischer Men. scheu in der Wirtsckjaft vorwiegend aus der Tiicoric, zum Teil ans den Erfahrungen schöpfen, die man mit jüdischen Darlehnskassen in den Ländern Osteuropas gemacht hatte. Heute braucht man sich nicht mehr auf fremde Vorbilder oder gar nur auf Vorstellungen beruhende Erörterungen zu beschränken. , Die Zentralstelle für jüdische Darlehnskassen befaßt sich in einem umfassenden internen Bericht über ihre bisherige Tätigkeit, vornehmlich seit dem Umbruch des Jahres 1933, in einer Reihe von erläuternden Beincrkungen. zahlreichen Tabellen und aufschlußreichen Zahlen mit den Ergebnisscn einer Revision von etwa 30 Darlehnslassen. Er erbringt den Nachweis, wie wichtig cs gewesen ist, daß man gerade in einer Zeit wirtschaftlicher Umstellung das jüdische Dar« lchnslassenwcsen ausgebaut und fest fundiert hat. Es läßt sich daran ermessen, wie viele Existenzen erhalten oder gesichert, und vor allem vor dem Absinkcn in die gänzliche Verarmung geschäht werden konnten. Vor dem Jahre 1933 haben in Deutschland' insgesamt 22 Tarlehnskasscn bestanden, die fast alle bei Einsehen der Wirtschaftskrise um 1928 bis 1930 gegründet worden sind. Von ihnen sind acht bis heule noch nicht der Zentralstelle angeschlossen und haben von ihr auch noch keinen Kredit erhalten. Auf der anderen Seite ist eS wichtig zu lvissen, daß mit Hilfe der Zentralstelle im Jahre 1933 und im ersten Halbjahr 1934 zwei bestehende Darlehnskassen erweitert, 26 Orts- und 17 Bezirksdarlehnslassen „neu aufgebaut" und nach dem ersten Halbjahr 1934 insgesamt 45Darlehnskasscn in Deutschland tätig gewesen sind, deren Zahl sich inzwischen ans rund fünfzig mit einem Gesamtkapital von über 1 Million NM erhöht hat. 20 von diesen 60 Kassen sind Bezirksdarlehnskassen. Heule ist über das ganze Reich ein lückenloses Rest jüdischer Darlehustassen gespannt. Sie haben die' Aufgabe, ans ausschließlich wirtschaftlicher Grundlage und unter gänzlicher Ausschaltung von Wohlsahrtserwägnngen jüdischen Menschen mit kleinen Krediten zur Seile zu stehen. Deshall» kann die Hingabe von Darlehen immer nur unter Einräumung entsprechender Sicherheiten (meist Bürgschaften, aber auch Pfänder. Hhpothekeir iisin.) durch den Kreditnehmer und unter dem Gesichtspunkt' der Wirtschaftlichkeit und des Verwendungszwecks erfolgen. Würde dieses Prinzist nicht aujrechterhalten bleiben, so würde eine Vermischung kalismänuisch-wirtslhaftlickier und sürsorgemäßiger Grundsätze eintreten, was vom Standpunkt der Gemeinschaft aus nicht zn verantworten wäre. Denn wenn ein Darlehnskassenwescn gegeniiber der unproduktiven Wohlfahrtspslcge überhaupt einen Sinn haben soll, so kann cs nur der sein, jüdischen wirtschastendeu Menschen LebenSraum sichern und erhalten zu helfen und überall dort mit Krediten einzuspringen, wo Juden sie sonst nicht erhalten könnten. Das jüdische Darlehnskassenwcsen soll die Unternehmerinitiative des kleinen Kaufmanns, deS Handwerkers und des Einzelhändlers usw. unterstützen. ohne sie der Lethargie eines Nentnertums verfallen zu lassen. Unter diesen Gesichtspunkten betrachtet, haben die Darlehnskassen durchschnittlich gute Arbeit geleistet, wenn auch nicht überall die vorstehend skizzierten Grundsätze durchgeführt worden sind. Es wird sich überhaupt noch zu zeigen haben, ob der Erziehungszweck, der mit der Hingabe eines Darlehens verbunden ist, und der insbesondere in einer pünktlichen Rückzahlung des Kredits zum Ausdruck kommt, überall mit dem gehörigen Nachdruck verfolgt werden wird. Die bisherigen Erfahrungen machen einen solchen Hinweis notwendig. Besonders in den vor dem Jahre 1933 gewährten Krediten ist. wie im Bericht hcrvorgchoben wird, ein großer Prozentsatz von Ausfällen und dubiosen Forderungen zu verzeichnen. Die neu errichteten Kassen, besonders die Bezirksdarlehuslafseu, arbeiten dagegen viel reibungsloser und haben viel weniger nur normale Ausfälle, »veil sic strikt gemäß den Richtlinien der Zentral-' stelle Vorgehen. Jedenfalls zeigt die Höhe der ansgcliehenen Darlehen (fast X> Milk. NM bis Anfang 1934; 316 000 RM im Jahre 1933; 273 800 NM allein »in ersten Halbjahr 1934, etwa 260 000 NM im zweiten Halbjahr 1934), mit welche» Kapitalien hier gearbeitet »vird. Die Kredite »verden zu 70 Prozent von Kanflcuten, Handwerkern und Einzelhändlern in Anspruch genommen. Ihre durchschnittliche Höhe im Einzelfallc beträgt zlvischcn 300 und 360 NM. Sie hat sich gegen- »vürtig mehr an die 400-NM-Grcnze verlagert, »vas auf eine Erhöhung des Kredrtbcdürfnisses schließen läßt. Eine besondere Nolle spielten die Darlehen für die feit 1933 in einer Periode des Ilcbergangs zu anderen Berufen befindlichen Personen, als Wicderanfbaukredite für verlorene Existenzen und bei einer etwaigen Kreditentziehnug durch die bisherigen Bankverbindungen. Leider zeigen die Aufstellungen und Tabellen des Berichts nicht eine Stnsengliedernng der Darlehen nach Beträgen (z. B. bis 100 NM; bis 150 NM nfn».)« was wohl auf Mängel der bisherigen statistischen Berichterstattung durch die Darlehnslassen zurück« znführen ist. < Ueberhanpt ist ans Grund des Berichts eine übersichtliche und hinreichend genaue Einschätzung des Kreditbedürfnisses uiclst ohne »veiteres möglich. Wir vermissen in dem Bericht der Zentralstelle eine Aufteilung der gen,ährten Darlehen nach den heutigen Wirtschastsprovinzen Deutschlands, nicht zuletzt aber eine Ausstellung der tatsächlich gestellten, nach Prüfung der Wirtschaftlichkeit abgelehnten und an die WohlfahrtLinstittttiouen weitergegebencn sowie der mit oder ohne Aendernng des angeforderten Kredits stattgegebenen. Anträge der Darlehnsnehmer. Solche Mitteilungen hätten eine gründliche Beurteilung der wirtsepaftlichen »md sozialen Struktur der von den Kassen in den Vr y*y einzelnen Bezirken erfaßten Kreditnehmer erlaubt und hätten damit ein instruktives Bild der Lage des jüdischen Mittelstandes gegeben. Ter Bericht zeigt zwar wiederholt die starke Inanspruchnahme der Darlchnskassen in manchen Rcichsteilen. So hatte die Bczirksdarlehnskasse Ostpreußen in Allcnstein 72 Prozent ihres Betriebskapitals als' Darlehen ansstehen, die Bczirksdarlehnskasse Schleswig-Holstein in Kiel 80 Prozent, die Bezirlsdarlehnslasse der Grenzmark in Schneidcmühl sogar 90 Prozent. Allerdings sind diese Zahlen immer unter Bezugnahme der Kapitalausstattung der Kassen zn rverten. Durchschnittlich lausen zwei Drittel des Betriebskapitals um. Wesentlich ist auch zu »vissen, daß im ersten Halbjahr 1934 der Anzahl nach etwa 80 Prozent, dem Betrage nach sogar 90 Prozent der ganzen Darlehen des Jahres 1933 ausgezahlt worden sind. Selbstverständlich ist bei allem das Arbeitsgebiet der Darlehnskasscn beschränkt. Da der Umschlag des Kapitals nicht innerhalb eines Jahres erfolgt — die Laufzeit der Kredite beträgt durchschnittlich ein Jahr — so besteht die Schwierigkeit, nicht nur die genügenden Mittel flüssig zn machen, um den Ansprüchen der Darlchnsantragstcller Nachkommen zn können, sondern auch den von der Zentralstelle den Kassen gewährten Kredit zurückzuzahlen. Es besteht die Gefahr, daß bei der großen Inanspruchnahme der Kassen nach kurzer Zeit alle vorhandenen Mittel ausgelichen sind und neue nur unter großen Hindernissen beschafft »verden können. Zur Lösung dieser Ausgaben »verden Clearing' stellen für größere Bezirke von der Zentralstelle eingerichtet werden »nüssen, die freie '„Wittel von der einen Kasse ans die andere leiten. Weiterhin ' »vird man vielleicht überhaupt zu erstreben haben, daß die Ortsdarlchnskasseu in den tleincrcn Gemeinden, in denen sie heute bestehen. fortfallcn und dafür ausschließlich Bezirksdarlchnskassen mit Vertrauensmännern an den einzelnen Orten des Bezirks bestehen. Eine engere Zusammenarbeit mit den in einzelnen Orten bestehenden Jwriabanken, deren Aufgabe es ist, für ganz andere Kreise Kredithilfe zu schassen als für die Darlchnskassen in Betracht kommen, »vird anznbahncn sein. Diese Problerne, die hier mir angcdentct werden können und die auch der Bericht der Zentralstelle deutlich sicht, sie verlangen für die Zukunft eine tatkräftige Jnangrissnahrne. Jedenfalls zeigt sich, daß das jüdische Darlehnskasscmvcscir in Deutschland in den abgelanfenerl zrvci Jahren den Beweis seiner Notlvcndigleit erbracht hat. Dr. Arno liorzbcrg. ■ Wahl der BerlraurnZriitt am 12. und 13. April In der 10. Durchführungsverordnung zum Gesetz zur Ordnung der »rat,analen.Arbeit vom --'4.'März 1935 RGBl. Nr. 25 »verden einzelne Bestimmnngen über dle äMjlcu zu den Vertrauensrätcn getroffen. 9 des Gesetzes bestfmmt, daß der Führer des Betriebes im Eirrvernehmen mit dein Obmann der »rativnalsozialistischen BetriebSzellenorganisa« tivn im März jedes Jahres eine Liste der Vertrauensmänner und deren Stellvertreter anfstcllt. Hierzu bestimmt die Durchführnngsverordnimg. daß die Liste im Einvernehmen mit dem Betrrebswalter der Deutschen Arbeitsfront auszustellen ist, wenn im Betriebe ein Obmann der NSBO nicht vorhanden oder wenn er verhindert ist. Kommt zwischen dem Führer des Betriebes und . dem Betriebs- Walter der Arbeitsfront eine Einigung über die Liste nicht zustande, so gelten die gleichen Be-, stimmungen rvie bei den Verhandlungen mit dem Obmann der NSBO. In beiden Fällen kann dann der Treuhänder der Arbeit die Vertrauensmänner rmd Stellvertreter in der erforderlichen Anzahl berufen. 8 9 des Gesetzes bestinnnt ferner, daß die Gefolgschaft zu der ausgestellten Liste alsbald durch geheime Abstimmung Stellung zu nehmen^ hat. Ter Neichsarbcitsministcr hat auf Grund der 10. Durchführungsverordnung und des Gesetzcs durch Anordnung vom 5. März 1935 für , das Jahr 193.6 den 12. und 13. April für die Vor- - nähme der Abstimmung festgesetzt. Die neue Durchführungsverordnung bestimmt dann noch, daß für die Dauer des Dcutsch-polnischeu Abkommens für Obcrschlesicn auch Mitglieder der polnischen Berussvereinigung und des polnischen Zentralverbandes Vertraucnsmänner sein können, auch »venn sie nicht Mitglied der Arbeitsfront sind, aber die sonstigen für den Vertrauensmann vorgeschricbcnen Voraussetzungen erfüllen. Im Saarland finden noch keine Vertrauensratwahlen statt, da hier die Vorschriften des Gesetzes zur Ordnung der natiönalen Arbeit über Vcrtrauentzräte noch nicht cingeführt sind. Die Durchführung der Wahl ist in der 2. Durchführungsverordnung zum Gesetz vom 10. März 1934 RGBl. S. 187 im einzelnen geregelt. Danach ist die Wahl der Vertrauensmänner in Betrieben mit mindestens 20 Beschäftigten durchzusühren. Tic zum Vertrauensmann vorgeschlagene Person muß die bürgerlichen Ehrenrechte besitzen, der Deutschen Arbeitsfront angehören, durch vorbildliche menschliche Eigenschaften ausgezeichnet sein und die Gewähr bieten, daß siejederzeit rückhaltlos für den nationalen Staat eintritt. Der Vertrauensmann soll das 25. Lebensjahr vollendet haben, mindestens ein - Jahr dem Betrieb öder dem Unternehmen angehört haben und mindestens zwei Jahre int gleichen oder verwandten Berufs- oder Gewerbe- Zweige tätig gewesen sein. Da die Arbeitsfront Inden nicht ansniinini, können jüdische Arbeiter und Angestellte nicht Vertrauensmänner »verden. An der Abstimmung über die Liste kann jedes Mitglied der Gefolgschaft teilnehmen, das mindestens 21 Jahre alt und im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte ist. Es können sich also auch die jüdischen Arbeiter und Angestellten an der Abstimmung beteiligen. Absclstießend sei noch betnerft, daß eine amtliche Bcrlantbarung des Reichsarbeitsministers vom 12. März 1931 ausdrücklich betont, auch nichiarische Unternehmer könnten Führer des Betriebes tm Sinne der gesetzlichen Vorschriften sein. Da die Abstimmung über die Liste bereits ans den 12. und 13. April festgesetzt ist, »verden die Führer der Betriebe, die mindestens 20 Beschäftigte haben, mit der 'Ausstellung der Liste und der Verhandlung mit dem Obmann der NSBO bzw, dem Vctriebswaltcr der Arbeitsfront alsbald zu beginnen haben. k. p. cooodi GxKCGtätfau&i j | Bekleidung I Greiffenhagen & Bettsack Damonmäntolfabrik, Erfurt Hen&eiEi) SiföersSein Dämon: und Kinderwäschefabrik Damen-Schlafu. Strandanzüge Lieferant grosser Waren- und Kaufhäuser BERLIN G2, Spandauer Strasse 29 TELEFONt E 2, Kupfergraben 1S91 M. WOLFSKY& Co. BERLIN m Damenmäntelfabrik isisiliil! .Ulf München-Gladbach M Kleiderfabrikg Spezialität: Hosäh Schnursiiann & Vif eil MiincEion SVi 2 Fabrikation von Sportn. Iraditen-Strickwaren, Berchtesgadens Jäckchen. J MÜNCHEN-GLADBACH Mechanische Kleiderfabrik ... WZlli K NiMWM OM.-Gladbach 0 M.-Gladfoach Kleiderfabrik Spor, lloson U Neuner L Basch Ä.-G. MÜNCHEN Damenmäntelfabrik Spez.: DaEaenlodemniSntel KREFELD Krawattenfabrik Gegr. 1900 H. Meyer L Co. 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