Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 10 (7.3.1935)
- Date
- 1935-03-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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6>V.-Zeltung * 2. Beiblatt / Nr. 10 *7. Marz }$% \4 Saiaflwäg Vom Tode der überlebensgroßen Gestalt von Moses, „unseren, Lehrer", bis zun, Königtum Sauls und Davids verstreichen mehr nk> Alveihundert Jahre. In diese Zeit fällt die Landnahme und Voll' Werbung Israels.- Ni-icl, dein Auszug aus Aegypten, nach der Buudesfchließung und der Offenbarung drohten die nomadischen Wüsten, stamme uüeder anseinanderzufaUen. Daß das abenteuerliche Unternehmen der Eroberung .Üanaans nach einem großen Plan in Angriff genomme,: werden konnte, das war das Weck und die unsterbliche Leistung des Lehrers und Führers Mose den Amrain aus dem Stau,me Leivis. Daß die aus der Wüste ausbrechende ivandernde BölkerweUc sich nicht an einer überlegenen Macht brach, lag an der schivach geivordenen ägyptischen Oberherrschaft über Palästina im Ui. Jahr, hundert, namentlich in den letzten Regierungsfayren des hochbetagten Rmnses H. und den ersten seines Nachfolgers Meruephta. Tie kanaanäischeu Städte erfreuten sich »nieder voller Selbständigkeit. Aus dem langwierigen PerdrangungS- und Bcrschiuclzungsprozeß, in dessen Verlauf sich die Stäiinne dauernd in Palästina festsetzten und zun, einheitlichen Staatsvolk wurden, sind Einzelercignissc »nie der Sieg der Tebvra und des Barag in der Ptegiddo-Ebene (eii,e halbe Generation nach Iosuas, des alten Kampfgenossen Moses Führerschaft) vom Hellen Licht der Geschichte bestrahlt; die historischen Deiikmäler in den biblischen Geschichtsbüchern enthalten vollkommen deutliche, wenn auch nicht für ei>, »ngeschultes Auge ohne weiteres sichtbare Spuren, wie es zu der Ueberlegenheit der lange Zeit nur im Lande nomadisch vcrstreuten und geduldeten israelitischen Bolkssplittcr über das bisherige Herrenvvlk kam. wie die Hirten und Bauern allmählich sich den „Rittern" der kanaanäischen Burgen g-wachsen fühlten Bis Is-ael — um das Jahr I < K»0 — unter dem K ö n i g David endgültig in die Leihen gescliichtlicher Böller cintrat! Bis unter diesen, König der feste, unzerstörbare Grund gelegt ,,'urdc zu dem historische» tlöuuder von Israels Bewahrung unter den Böllern! Die biblischen Biuchcr geben Gott, dein Gott Israels allein die Ehre einer solchen einzig dastehenden Bewahrung: nur ihn, verdankt nach diesen Büchern das Bolk Israel, daß es in der Flut ewig gehender und kommender Noiimdenslüiiime aus der Wüste nicht restlos unter den Kanaanäcrn, Hethitern oder Aegyptern verschollen ist. Unter König David tiitt die große historische Tatsache dieser Festigung in der Flut des Böltern'aiiderns und des BölkertodcS in das Licht der Weltgeschichte, die Gestalt Davids hebt sich aus den Wolken der Sagen und der Dichtung ganz scharf, fast grell ab. Seitdem man historische, authentische Urkunden von Werken der Phantasie oder durchschaubarer Tendenz auscinanderzuhalten gelernt hat. gilt nur eine Stimme der Bewunderung und Uebcrraschung für die biblisck-en Erzählnngsstücke anS der Zeit Davids. Sic werde», auch von mcht-theologischen Profanhistorikern unverdächtiger Herkunft, die dem Geist und den, Geschichtsbild des „Akten Testaments" mit Reserve, ja vst mit starker Boreingenonnnenheit gegenüberstehm, als Wunderwerke einer selbständigen, objektiven, unabhängigen unp tendenzlosen Geschichtsschreibung und Erzählnngsknnst angesehen. Der Berliner Altmeister der antiken Geschichte, Eduard Meher, dessen antijüdische Affekte in seinem großen Geschichtswerl innner »nieder dnrchdriugen. br,cht bei Behandlung dieser Epoche des Altertun,s wie Bileam ans:. „Etwas ganz Uebcrrascheudcs imb Einzigartiges m,d ein Beweis für die hohe Begabung des Volks und die von-ihm erreichte Höhe und Selbständigkeit der Kultur ist, daß hier allein in, gesamten vorderen Orient eine durel-auS selbständige GeschichtSlitcratnr entstanden ist, die auf Grund genauer Kenntnis auch der intimen Vorgänge die gleich, zeitigen Ereignisse lebensvoll und mit glänzender Erzählnngsknnst darstellt." Die sich ans David beziehenden ausgedehnten Teile der Bibel zeigen eine ganz i»,tin,e Kenntnis der Vorgänge an, Hofe.. „Dabei fehlt (nur lasser, wieder Eduard Meyer sprechen) jede politische und apologetische Tendenz; mit kühler Objektivität, ja mit überlegener Ironie schaut der Erzähler auf die Vorgänge herab, die er eben darum mit unvergleichlicher Anschaulichkeit berichten kain,. Gänzlich fern liegt jede religiöse Färbung, jeder Gedanke an eine übernatürlici»e Leitung; der Lauf der Welt und die in der Verkettung der Ereignisse sich durch eigene Schuld vollziehende Nemesis werden dargestcllt in voller Sachlichkeit, wie sie dem Beschauer erscheinen." Ii, nicht weniger als 48 Kapiteln der Bibel, voll gedrängt von turbulente», Ereignissen und Schicksalen, läuft die Geschichte Davids, seiner Jugend und seiner vierzigjährigen Regiernngszeit ab. Keinem Helden der Bibel sind so ausgedehnte und detaillierte Berichte genndmet. Kein Dichter kain, dei, jungen David von seinen Ansäugen an Sauls Hof bis zu seiner Salbung zmn König über das Hans Juda, diese fünf Jahre des Reifens von brausender, strahlender Jugend zur stahlharteu, zufassenden, höchst ui,heiligen Männlichkeit, hinreißender, farbiger und zarter vor uns stellen als die 18 znßmnnen. hängcndcn Kapitel der Samuel-Bücher. Geist und Kraft, eine phantasiebeschwiugte Seele m,d ein kühl berechnender, realistisel)er Verstand sind hier aufs glücklichste vereint. „Ein Mann, der die Harfe zu spielen versteht, hcerbannfähig, cii, Mann des Krieges, verständig im Wort, ein stattlicher Mann, und der Ewige „nt ihn,", ein Mann ans mächtiger und angesehener betleheinitischer Sippe tritt vor Sa»»l. um daS mndüsterte Gemüt des Königs wieder ins Gleichgewicht zu bringen; er rückt zuu, Heerführer, znm Schwiegersohn Sauls empor. An einer gegen den König gerichteten Verbindung Davids mit der Priesterschaft von Rob, mit den, Propheten Samuel und mit dem Thronfolger. Jonathan ist nach den bibtischen Berichten nicht zu zweifeln. Tie. Flucht vor Saul, die Gewim,m,g der Südstämme, der lieber tritt zu den Philister»,, e.nbrief) die Katastrophe des Königs Saul in der Schlacht von Gilboa sind die »veiicrcn Etappen zur Königskrone Davids. I>, Hebron wird der Dreißigjährige znn, König von Juda gekrönt. Wie rrach unsägliche», iimcrcn und äußerer, Wirren (David einpfing die Krone Judas inuütten ei»,es allgcn,einen Zusammenbruches nach der' verheerende», Niederlage Israels durch die Philister) in, Verlauf von sieben Jahren David z»»n, König von Gesa »nt-Israel wurde, gehört zu den spannendsten, ebenso blutigen wie gott- und nwralscrnen Abschnitten der altorientalischen Geschichte. Man hat die in dieser erste», Regiernngszeit Davids anftretcnde düstere Gestatt seines Neffen und Feldherr», Io ab, der auch in der Folgezeit Arm und Schwert des Königs blieb, mit Hägens Gestalt ans dem Nibelungenlied verglichen. Staatsräson und das Recht des Stärkeren, nngezähmter Rachedurst und kalteBerschlagenheit beherrschen dopt imNibelnngenlied und hier in de», Kämpfen um die Krone in Inda und Israel das Feld. Tie Gestalt des Königs David gewinnt in dieser eisernen und rohen Zeit erst ihre Größe und rein menschliche Wucht, wenn »na», von jeglicher Ethik »n,d Gottesvorstellung des prophetischen Judentums und des stoisch gottergebenen Spätjndentuins nach dein Exil ab sicht. Davids erste Handlung als König des Gesarntrcichs war die Erobcrung der noch kanaanitischc-n Feste Jerusalem (um das Jahr 1000) und die Wahl dieser Stadt zur Residenz und Hauptstadt; diese fremde, keinem Stannn aus Israel oder Juda gehörende Stadt der Iebnstter zwischen Norden und Süden des Landes, den Rivalitäten der zahlreichen Heiligtümer entzogen, wurde mit Bedacht znrn religiöse», Zentrum erhoben. Hier fand auch die Lade ihre Aufstellung. Damit vollzog David den großen weltgeschichtlichen Akt der Knltvereinignng in Jerusalem: die Heilige Stadt, die Davidstadt »var geschaffen, von der die Lehre ansging über Israel zu de», Völkern. Die heilige Lade wurde in einem Zelt ausgestellt, zum Teinpelban kain es erst unter König Salomo. Hciligtuin und Königtum bliebe», n»,trennbar, der König war zugleich der oberste Priester, das Rcrchshciligtnn, in Iernsatcn,, der Davidstadt, wurde Wahrzeichen der Rcichseinheit. Die Befestigung und- Erweiterung des Landes konnte dem König gelingen, ,veil seine Regierung in eine „Atempause" der Weltgeschichte fiel, »nährend der die altorientali. schon Großmächte an einer Kraft- und Machtentsaltung gehindert »varen. So ge»va»»n er unbehelligt seine Feldzüge gegen Philister, Moabiter, Ainmoniter, Aramäcr n»,d Edomitcr; eine straffe Kult-, Heeresn»,d Verwaltirngsrewrin macht Inda-Israel zu einen, selbständigen Staat, der über lausend Jahre trotz vieler Znuscheirfälle »md Einbuße», der Souveränität Bestand hat. „Er schuf Gesetz u»»d Gerechtigkeit für sein ganzes Volk." Tie zweite Hälfte seiner Regiernngszeit ist für de», König von menschlichen Tragödien und nie ahrcißenden, Unglück in der fyumilie arigefüllt. Tie Batseba- Geschichte. das furchtbare Erde der Sanlide»», der Ansstand des Absalon, Streit, Gewalttat und Mord unter den eigenen Kindern wer-- den uns in den Erzählnugen der Bibel ungeschminkt vorgeführt. Die Schloache des Kölligs, seine Rene vor den, Propl "ten Nathan, geben diesen großartigen Gcschichtsabschnitte», ein düsteres Kolorit: nn, so lebenslvahrcr, ernster, ungefärbter — die menschliche Kreatur in ihrer Nacktheit und grenzcilkosei, Ausgcsetzthcit! — steht die Zeit vor6000 Jahren wieder vor uns, als der Mensch schon genau, ohne Abstriche und Zutaten, das »var. was er heute ist. die Ileit vor «W>o Jahren, in der private und öffe»»tliche Handlungen ohne zivil,, satorische Decke im Gute», und im Bösen vor sich ginge»,, so ent- - scheidend für den künftigen Werdegang der Menschheit, wie uns näherlicgendc große Ereignisse der Weltgeschichte in viel spätere», Epochen. Einer Verniedlichung, Morolisicrnng und Dheologisicrnng »vidersetzen sich jedenfalls diese echten, ganz großen Gcschichtsstückc um König David, die inan innner nur nach den reinen Tertcn lesen sollte. Wie Saul »var auch David in der ersten Hälfte seiner Regierung ein Sohn des Glückes, »vährend die letzten Jahre infolge von Schicksalsschlägcn ,u»d Verstrickungen aus höchst Persönlicher menschlicher Schuld des Königs selbst tief verhängt waren. Der Anblick bleibt indes immer ein »vahrhaft königlicher, »wenn er auch nie über Natur und Geschichte hinansgreift: nirgends in der Bibel findet man so spärliche ansschmückende theolvgisiercnde Stellen über die langen Partien reiner Gesct»ichtscrzählnng verstreut »vie in Von Büchern, die von Glück und Ende Davids berichten. Stellen ans der Davids, geschichtc wie (l. Buch Samuel 16.7): „Der Mensch sicht in die Für öa§ BMvmd geftüle»- Aus Anlaß des Heldcngedenktages am IN. März Nachstehenden Aufsatz schrieb ein Unter-- Primaner eines Groß-Berlirier Gymnasiums in, September 1zu dem Thema „AnS der Fainiliengeschichtc". Tie Familie ist »vie ein Baum, der in »vcit ansholender Verzweigung die Aeste hinausstreckt in die Weite. Und allzu leicht vergessen die Aeste dort oben den alten, starken Stamm tief »mter ihnen i»n Dunkel, der sie trägt. Der Stamm, das sind unsere Ahnen. Auf ihren Schultern stehen wir, und nur durch sie sind wir; und sie verbinden uns mit der Heiinatcrde. Und wenn daun die Stürme kommen mrt gewaltige»n Brausen, dann gilt es. daß sich der Ba»nn, daß die Familie sich bewährt. Und von der letzten, höchste»» Spitze bis hmnnter zur Wurzel geht ein Zittern: es ist, als ob die Ahnen ans längst vergangenen Zecken beben »vie der Stamm des Baumes: werden die jungen Aeste dort oben die Prüfung bestehen, so »vie »vir sic bestanden haben? Und nn Sturm zeigt es sich, ob die Familie stark ist und treu, ob sie einstehen kann für d»e Ahnen, die aus dem Hcunatboden kommen. Wohl ihr, wenn sie sich stolz dem Verhängnis entgegenstemmt, wohl ihr. »venn sie das ^e»d auf sich nimmt »md ihre besten Zweige opfert. Denn so unsagbar vieles steht ja aus dem Spiel; es geht um nichts anderes als um d»e Frage, ob die Familie der Wohltaten wert ist, die der Hcnnatboden ihr immer »weder gab oder nicht; ob sie die Schuld, die rresenhafte Schuld dem Vaterland bezahlen kann, oder nicht... Er war immer ein stiller, in sich gekehrter Junge gewesen. Er ging durch den Trubel der alten Kaiserstadt Wien mrt weck offenen, staunenden Augen und redete nicht vrel. Was sollte er auch sagen? Ueber die Wunder, d»e täglich neu auf ihn emstürmten, konnte er doch mit keinem Menschen reden. Nur träumen konnte er und ferne Gedanken, ihre fcltfnm verschlungenen Pfade ziehen lassen. Der Jüngste »var er ans der Familie; und dasie nicht'eben reich »var. »nutzte er die abgetragenen Schuhe vom älteren Bruder tragen. So sah er stets dürftig ans; und. traurig hingen ihm die Kleider um den schmalen Körper, obwohl sic für ihn zurechtgernacht »varen von der Mutter. Aus der. Schule nahm mau ihn bald heraus; er träumte »vohl zuviel, sann »vohl auch über eine Sache noch lange nach, um sie ganz zu ergründen, »vährend die anderen schon längst vorauseilteit ans dem Weg. Er kam zu einem Kaufmann in die Lehre, denn es gab weiter keinen Beruf für ihn. »venn er nicht studieren wollte. Auch darnals, i»n alten Wien, nicht... Wie cs ihm dort erging, ist sch»ver zu ° sagen. In der Erinnerung lebt er nur noch, verklärt durch seinen Tod, als der stille Junge, der für jeden Zeit hatte und seiner Sch»vestcr, meiner Mutter, so manchen lieben Dienst tat. ohne ein Wort zu sagen. So selbstverständlich, daß man fast das Danken vergaß. Qt »var wohl nicht so sehr für das laut Strahlende, für die großen Taten und die großen Worte, als für die Tre»»e im Kleinen, im Alltäglichen. Er hätte sich tief verkrochen, »venn inan ihn hätte laut loben »uota — aber für einen dankbaren Blick, ein leises, liebevolles Wort tat sich sein ganzes Herz auf, das in seiner stillen Einsarnkeit manchen Schatz hütete. Wie es ihn traf, als ihm das Höchste auf der Erde, seine Mutter, genommen wurde, hat er keinern Menschen gesagt. Er »vurde nur noch einen Grad stiller, und sein Herz noch ein wenig schwerer, als; es ohnehin schon war; denn es . hatte ja so hart , zu. schleppen an diesem Leben, das ihn und seine Brüder zum Leiden verdammt zu haben schien. . Dann brach der Krieg aus, dann griff plötzlich diese ungeheure, brutale Faust inS Leben und gebot Stillstand. Denn das Land brauchte das Blut seiner Söhne. Als schneidiger k. u. k. Leutnant zog der ältere Bruder hinaus, um seine Pflicht zu tun. Mit leisem Neid mag ihn der Jüngere betrachtet haben; denn er »vnßte genau, »venn es auch au ihn kam. dann mußte er als (Verneiner diesen Weg gehen, den der Stolz aus Offiziersrang und -uniform vielleicht erleichterte. Doch vorläufig brauchte mau ihn nicht; vorläufig brauste»» noch Zuversicht und Siegeshofsnung in den Herzen, und eine begeisterte Menge begleitete die jungen, bekränzten Regimenter durch die Stadt und freute sich an den» kriegerischen Bild. Auch ihn ergriff dieser gewaltige Rausch, der plötzlich das Volk Ansammenschweißte u»»d endlich einmal den niederen Haß jedes geger» jeden verstummen ließ. Das Abschiednehmen »vurde nicht gar zu schwer; denn einmal machte »nan sich gar keinen rechten Begriff von der Furchtbarkeit des Krieges, in den die jungen, zukunstsfrohen Soldaten gingen, und dann gla»»bte »nan ja allge»nein ganz fest, daß bis Weihnachten spätestens die Waffen der guten Sache den Endsieg errungen haben »vürdei». Und man »»»alte sich das Wiedersehen schon aus, »vie schön das werden sollte! Doch es »vurde anders, ganz a»»ders. Blut fraß der Krieg und junges Leben, und die Stadt wurde still i»n Trauern »»m ihre besten Söhne. Wohl riefen immer »vieder die erzenen Münder über das Land hin von neuen S»egen — aber »nan ' wußte ja, »vieviel eigene J»»ge»»d jeder Sieg kostete. Im Januar 1915 »vnrde eine z»veite Muste» - rung vorgenommen; und jetzt hatte sich a»»ch die Zeit für den stillen Jungen, der er geblieben war. erfüllt.. Er wurde für kriegstauglich erklärt und zur Ausbildung eingezogen. Die. Kaserne war nicht »veit von seinem Heim entfernt, so konnte er oft nach Hause kommen. Aber auch jetzt erzählte er nicht viel. Wie er sich todmüde von den» schweren, ungewohnten Handwerk auf einen Stuhl fallen ließ und sich.mit weiten, traurigen.A»»gen umsah zu Hause,.das sagte genug. Er war nun einmal zürn Soldaten nicht , geboren,. und e§ war ihm.' das Furchtbarste, ihm, der das Schöne, und Gute und Zarte liebte, nun auszuziehen, um: mit der blanken Waffe seinen Mitmenschen zu töten, der ihm nichts getan hatte. Doch davon sprach er noch weniger als von anderem; denn er »vnßte, es »var die harte Pflicht, und die »nutzte erfüllt werden. Noch dazu »var es ein bitter kalter Winter; und wie er oft mit blau gefrorenen Händen nach Hanse kain, um sie am Ofen zu »värmen, das hatte etwas namenlos Trauriges, das »var ganz anders als die lustigen Karten und Briese, die vom Bruder aus dem Felde kamen und von fröhlichen Siegen erzählten: der »var inzwischen für Tapferkeit vor dein Feind zum Oberleutnant befördert »vorder». Nach drei Monaten hielt man ihn für fähig, den schrveren Beruf zu erfüllen. Man »nutzte es »vohl notgedrungen; die galizischen Schlachten »varen verlustreich gewesen. Ter Abschied »var da. Es »var eigenartig, »vie gut ihn» die Uniform zu Gesicht stand; zum ersten Male fast in seiner»» Leben, so schien es, sah er schmuck aus — die scharfe Ausbildungszeit hatte ihm anscheinend doch gut getan. Bis zum letzten Plätzchen angefüllt die weite Bahnhofshalle, immer neue, endlose Züge schieben sich hina»»s in das neblige Dunkel, in dem, für alle fühlbar, der Tod lauert. Viel, viel Tränen fließen. Ter Vater »md die Schrvester umarmen den Jungen und eine Tritte, die sie alle schmerzhaft deutlich in der Nähe fühlen. Sck»on gehört er nicht mehr ihnei» — sein Platz »st an der Seite der jungen Soldaten und Offiziere, die mit ernsten, heiteren, traurigen, zuversichtlichen Gesichtern herumstehn. Pfiffe zerreißen plötzlich die unerträgliche Spannung und ersticken herzzerreißende Schreie. Er lehnt am Fenster, vondem ihm nur ein schmaler Teil gehört, neben den'Kmneraden; feine tiefen Augen sind schon ganz »veit »veg. Er ist der Dritte, den die Farnilie hingibt. Und seine letzten Worte, die merkwürdig klar über all dem brodelnden Lärn» schweben, sind: „Wemt doch nicht.. Einer - von uns Dreien wird schon zurückkommen! - . Dann ist er »veg. Ein in der Ferne verklingendes »vehmütiges-Soldatenlied ur»d z»ve»