Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 8 (21.2.1935)
- Date
- 1935-02-21
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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C.-V.-Zeitung * 4. Beiblatt VDA. ISIass Wiesi^s: cf? wird fnum ein Volk geben, in welchem das Gefühl von seinem Eigeuwesen sich so Plastisch greifbar niedergeschlagen hat. wie beim Volke der Bibel in der Gestalt des Moses.- Nirgendwo anders verschmolzen glanbhaft geschichtliche Ucbcrlieferung, das;\tu'nl vom nationalen Selbst nnd religiös-svziale Zukunstserwartung inniger in Charakter und Werl eines Volksführers als in dein Bilde, mit dem das biblische Israel wie das wache Bewußte sein des späteren Judentums unseren Lehrer Moses schaute. MoscS lebt als der Gesetzgeber in der Seele eines Volkes, das in diesem- Gesetz den Inhalt und Sinn seiner Existenz stets gesehen hat. das sich seine und aller Menschheit mit heißem Herzen ersehnte messianische Zukunft nicht anders denken konnte als machtvoll geleitet von einem gottbcrufenen. das gerechte Recht sieghaft verwaltenden Herrscher. Und neben dem Recht, das geübt werden sollte, stand immer als sein Widerpart das Unrecht, das tausendmal das Recht verletzte, es bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte, mordete; die Entrüstung, der Zorn ob solchen widerspenstigen, ungehorsamen, hartnäckigen Wesens: ein Zornmut. der das ganze geschichtliche -Leben Moses' durchzieht, der den Vermittler des göttlichen Gesetzes die Bundestafeln am Fuße des Gottesberges zerschmettern läßt, ein Zornmnt. der ihn mit den großen Propheten späterer, Jahrhunderte verknüpft, der noch — altisraelitisches Erbe — in Jesus und Mohammed, den Umformern seiner Lehre, aufflammt. Von den unzähligen Bildern, welche die Kunst aller Zeiten von Moses entworfen,- ist keines bekannter und wahrer als Michelangelos Statue in der Kirche St. Pietro in Vincoli. Für ihn sind die Gesetzestafeln noch mehr charakteristisch als für Saul die Lanze oder David die Harfe. Und wenn in. der Bundcslade. die dem wandernden Volke durch die Wüste vorangetragen wurde, neben den zweiten Tafeln auch die ersten, die zerbrochenen., ruhen, als Zeichen nicht auszutilgender Schmach des bimdcsbrüchigen Volkes, so gehört dieser Zug ebenso zu der Natur der Menschen, der das Erziehungswcrk. des großen Lehrers gewidmet war, wie zu der des Mannes, der immer befahl: gedenke, vergiß es nicht! Sein Leben, wie es sein Buch, die „Tora des Moses", erzählt, 'ist tragisch. Am Geschlecht des Auszuges, das er aus Sklaven zu freien, dem göttlichen Gesetz willig sich unterordnenden Menschen 'formen sollte, scheiterte seine Kunst. Es ist ein rührender Zug. "wenn' er. geduldiger als der Gott, der ihn sendet, um Gnade für das sündige Geschlecht, das schon zu jähem. Untergang bestimmte, bittet. Aber er teilt das Schicksal derer, die nicht ins gelobte Land kommen durften, wenn er 120 Jahre alt, doch „ungetrübten Auges und vollkräftig im Lebenssaft" stirbt, den verheißenen Boden nur von der Ferne schauend. Manche Erzähler und Nusdeuter der Berichte über dieses gewaltige Leben finden in dieser Tragik noch nicht ihr Genüge. Sie wollen aus manchen biblischen Stellen außerhalb der Tora und vor allem aus den Bildern vom leidenden Gottesknecht im Buche Jesaia Spuren einer Ueberlieferung heraushöreu. die vom vollendeten Martyrium des Vvlksgründers sprechen. Indes scheint diese weitgehende Ausmalung, ganz abgesehen von ihrer historischen Fragwürdigkeit, das Bild, das Bibel und Volksseele .gemalt, eher zu verwischen als zu ergänzen. Denn Moses wurde immer als der überlebensgroße Mensch empfunden, als der. mit dem allein von Angesicht zu Angesicht Gott gesprochen, der darum auch unter GottcS besonderer Fürsorge stand. Er konnte als Mensch nur von Gott selber gefällt werden, .da er ja Mensch bljeb, auch als der Vertraute des himmlischen Herrn sein Knecht, und gar keine Handhabe dafür bietet, als ein Gott zur Sühne menschlicher Schuld als Opfer sich selber darzubringen. Nein, Moses mich durchaus Mensch in der Ebene menschlicher Dinge bleiben,' so gewaltig er alle anderen Menschen überragt. Und er wie die Dinge um ihn herum stehen, wenn sich auch bisweilen eine mehr verschleiernde als offenbarende Ueberlieferung zwischen sie und uns schiebt, deutlich genug vor unserer Seele, um am Wirken des Gesetzgebers das Werden seines Volkes erahnen zu lassen. Am Anfang schauen wir der Befreiung zu. Der Hirtenstamm, der mit Josef und seinen Brüdern nach Aegypten gekommen und hier allmählich zu frondendcm Helotentum herabgesunken war, gebar aus der eigenen Mitte den Netter. Daß Beduinen aus der Wüste ins Fruchtland, des Nil einbrachcn und dort wechselnde Schicksale erfuhren. hört man auch sonst. Aber sie verschwanden in der GeschichtSlosigkeit, aus der sie aufgctaucht. Israels Vorgeschichte, wie sie das erste Buch Moses' von den Erzvätern erzählt, wird erst erhellt durch das Licht, das von Moses und später her auf die Frühzeit fällt. Der Auszug aus Aegypten erwuchs im Bewußtsein der späteren biblischen und vor allem der nachbiblischen Zeit zum Fundament der ganzen Volksgeschichte; das „Andenken" an ihn. im ersten der Zehngebote verewigt, wird au einer stehenden Formel, die aus weihevoller geschichtlicher Erinnerung in das tägliche Gebet des Israeliten ausgenommen wurde. Aber dieses Urereignis des Volkslebens wurde immer als das Werk eines einzelnen Menschen, des Moses, empfunden; und so sehr dieser in der Heiligen Schrift nur als der Handlanger des sendenden Gottes erscheint, als der schüchterne, nur mit Widerstreben der göttlichen Berufung folgende Mann, so stark ist zugleich der Eindruck der zwingenden Kraft, die von seiner Menschlichkeit ausgeht. Er, der nicht zu reden vermag, packt den großen, mächtigen König mit seinem Wort. Und wenn auch die Unerhörten Zeichen und Wunder, die er mit seinem Zauberstabe über den Pharao und seine Leute hcraufbeschwört. das ihrige tun. um den harthörigen Gegner gefügig zu machen. — über all dem erhebt sich seine Willenskraft. Moses ist daS erste uns sichtbare Beispiel der Neligionsgcschichte, da der Mensch, erbebend vor der Größe des göttlichen Schöpfers und der eigenen kreatürlichen Nichtigkeit, in der Spannung solchen Gefühls das Große vollbringt, der, in . seinen Willen den der Gottheit ausnehmend, sein Menschentum ins Uebermaß steigert. Er ist der Alleinherrscher. Sein Bruder Aaron, der Ahnherr der Priester, seine Schwester Mirjam, die Prophetin, ■ seine und Aarons Söhne, seine Vertrauten Hur und Josira. sie umgeben ihn doch nur als Nebengestalten, denen nur er wirkliches Leben einhaucht. Die Bibel läßt ihn am Pharaonenhof erziehen; aber sein Adel stammt nicht eigentlich aus solcher adligen Kultur, sondern aus seiner Seele. Der Midrasch bleibt im Stil der israelitischen Umgebung, wenn er erzählt, Gott habe den Moses zum Führer des Volkes erkoren, weil er. Hirte von Jetros Lämmern, ein so tiefes Gefühl von Barmherzigkeit gezeigt. Der Auszug aus Aegypten ist der eine Grundpfeiler, der die biblische Geschichte Israels trägt. Der andere ist die Bundschließung und Offenbarung am Sinai. Mit diesem Zweiten wird erst die Eigenart jüdischen Religionswcsens und somit die der Prophetie Nr. 8 * 21. Februar Moses' vollständig bestimmt. Israel wurde erst auf seiner Wanderung zum Volke des Gottesbundes. Wohl hatte Gott schon den Vätern das Land verheißen; aber daß den Menschen, die nicht an dieses Land gebunden waren, der Gott — der nicht in diesem Lande hauste, sondern fern von ihm tief in der Wüste, am >sinai, — den Bund der Ahnen erneuerte, das lehrt, wie frei dieser Gott von irgend einem Fleck Boden war. Er ist nicht an Ur-Kasdim gefesselt, wo er zuerst den Abraham berief, nicht an Kanaan, wo er zu dessen Sohn und Enkel sprach, noch au Aegypten, wo er seine Wunder übte, mächtiger als es Aegyptens Götter konnten, auch nicht an den Sinai, der nach der Offenbarung eine heilige Erinnerung blieb; sondern es ist der Gott, der über all diese Länder schaltet. Und weil dieser Gott die Kraft zum einzigen, zum Wcltgott in sich birgt, bedeutet der Bund, den er mit Menschen schließt, etwas besonderes. Ter merkwürdige Gedanke, daß der eine Gott e i n Volk sich zum Eigentum erkürt, erscheint schon den Alten crkläxungsbedürftig. Und wenn sie etwa sagen, daß Gott allen siebzig Völkern der Welt die Tora angeboten und damit den Bund und das Verhältnis besonderen Vertrauens, und daß nur Israel sich bereit zum Gehorsam gesunden, so bedeutet diese Legende, daß zwischen Gott und diesem Volke nicht das Verhältnis naturhastcr Zusammengehörigkeit, sondern eben ein sittlich-geistiger Bund bcsteht. In der biblischen Geschichte ist alles seelische Wachheit, bewußtes Wollen, vorbedachtes Ziel. Das bloß Naturhafte. Triebmäßige weicht zurück. So verknüpft den Gott und sein Volk der Bund: der Ewige reicht sich in Liebe den Menschen dar, und die Menschen ordnen sich willig seinem Gebot unter. Moses aber wird der Dolmetsch solcher Erkenntnis, die das Volk von seinem Gott erlangt. So darf er mit Gott sprechen, er ganz allein zu ihm Vordringen auf den Gipfel des Sinai, in das Allerheiligste des Offenbarung?- zeltes. Ihn überglänzt der Abglanz der Herrlichkeit des Ewigen. Er muß sich verschleiern, damit die Sterblichen unter ihm sein Antlitz schauen dürfen. Darum gilt er den Späteren wie der größte Prophet, so der weiseste aller Menschen, hinausragend über den Schranken irdischen Wissens. Von den fünfzig Pforten der Weisheit, die der Heilige — gelobt fei er — in der Welt geschaffen, sind alle mit einer einzigen Ausnahme dem Moses anvertraut. Aber mag er — und das ist das typisch Biblische und Jüdische — mit seinem Haupt hinaufragen in Lichtglanz und Wolke der göttlichen Glorie, — was er kündet, klar, deutlich, eindringlich und verstehbar für das ganze Volk, das den Fuß des Sinai umsäumt, das ist das Gesetz des täglichen Handelns, wie es Mensch gegen Mensch üben muß. um Mensch zu sein. Von dieser klaren einsichtigen Art ist das Zehnwort, der Kern der Gesetzgebung. Und was sich wie in Ringen darum legt, das Rechtsgesetz des bürgerlichen Lebens, moralische Forderung, die Fülle des Sakralen und Rituellen — das alles wird umklammert von jenem herben unabdingbaren „du sollst . . . denn ich. der Ewige bin dein Gott",.wie es das Leben des so angesprochenen Gottesvolkes durch die Jahrtausende geformt hat. Das Geheimnis des mosaischen Gottes schaut — nicht mehr verschleiert — den Menschen an. wenn es befiehlt: liebe deinen Nächsten als dich selbst; jenes fruchtbare Wort, das den späten Enkeln, von diesem Gesetz erzogen, Mitte und Gehalt des Ganzen zu fern schien. Nicht dunkel ist mehr dieser Gott und Moses, sein DER GAST von MAX SÄMTER (Schluss.) Aber es war zu spät; im gleichen Augenblickwurde die Tür geöffnet, Anton trat ein. Das war unbegreiflich; ja, es war so ausserhalb jeder Erwägung, dass Georg ein Llicheln unterdrücken musste. Sie standen sich gegenüber, vor der entschlossenen Sicherheit Antons wurden die Augen Georgs hart, abweisend und feindlich, jede stumme Sekunde vergrösserte Abstand und Erregung. Man hörte nichts als die Atemzüge der Männer, es konnte kein Zweifel bestehen, dass dieser Beßuch nicht freundlich war, die Eingeschlossenen waren blass geworden; schliesslich war cs Georg, der das Schweigen brach: „Was gibt es, Anton?“ fragte er. . „Ich .habe nicht den Eindruck, als wenn dein ungewohnter Besuch zu so später Stunde und unter solcher Bedeckung“ — die leise Ironie gab ihm selbst Haltung und Gleichgewicht wieder — „etwas Gutes bedeuten könnte.“ „Er bedeutet nichts Gutes, Georg“, erwiderte Anton langsam. „Dass gerade ich es dir sagen muss, ist schwer, trotz allem, was zwischen uns stand. Er zögerte etwas: „Ihr wisst ja wohl nichts von den Dingen, die heute auf der Insel geschehen sind. Das Land, aus dem unsere Eltern gekommen sind, hat uns ungebeten, uns über die Schwierigkeiten, die Ihr auch kennt, hinwegzuhelfen, wenn wirseine Oberhoheit anerkennen. Chrielian hat, ohne uns zu fragen, diesem Angebot durch die Uebergabe der Chronik zugestimmt. Dafür ist er heute abend, abgesetzt worden; die Versammlung hat beschlossen, das9 nur unser Wille Vund unser eigenes Gesetz auf der Insel gelten ’ soll. Wir alle wissen, dass wir dann ganz allein über die schlimme Zeit hinwegkommen müssen; aber der Weg dazu wird sich doch linden lassen. ' Nun sind — und das ist der Grund dafür, dass wir zu so später Stunde und unter solcher Be- ' deckung zu euch gekommen sind — noch eine Reihe von Massnahmen eingeleitet worden, die zur Durchführung unserer Pläne gehören und die, leider, auch euch betreffen. Denn, die Zeit, die jetzt fiw uns kommt, ist so schwer, dass wir eng und treu zueinander halten müssen, wenn wir uns durchbeissen wollen. Ihr abfer, Friedrich und Heinrich und auch du, Georg, seit du mit den beiden verwandt bist,- ihr habt euch von allem abgeschlossen, was uns Tag und Nacht mit schweren Gedanken erfüllte und uns niemals losüess. Mit solchen Menschen lässt sich nichts Neues beginnen: das sagt die Versammlung, und ich gebe ehrlich zu, dass es auch meine Meinung ist. Wir bieten euch an, als Gäste auf unserer Insel zu bleiben und stellen euch den Hof, den unsere Vorfahren eurem Vater übergeben haben, zur Verfügung: ihr könnt ihn zu dritt bewohnen upd bebauen. Ihr könnt zum Strande gehen und Ausschau nach den Schiffen halten, ihr könnt eure Tage und eure Abende verbringen, wie ihr wollt: niemand wird euch Vorschriften machen. Und obgleich das Geschick dieser Insel sich nun ohne eure Hilfe vollenden wird, will ich mich dafür verbürgen, dass euch nichts geschieht, solange ihr ruhig uni er uns lebt.“ Es ist sicher, dass Anton seinen Worten keinen anderen Sinn unterlegen wollte, dass er nicht die Absicht hatte, die Fremden, seinen Bruder empfindlich und verletzend anzugreifen; die letzten Worte indes,' die kühl und ohne Leidenschaft gesprochen wurden, trieben Friedrich die Röte ins Gesicht. Er hatte aufmerksam, dann ungläubig zugehört, die Mitteilung von der Enteignung der Höfe hatte,ihn so getroffen, dass das Bewusstsein, schien es, sie noch. nicht aufzunehmen vermochte; dies letzte1 aber war Hohn, bitterer Hohn, der Schutz versprach und lächerlich machte. Er fühlte, dass diö Beherrschung von ihm wich, er musste an sich halten, um nicht vorzustürzen. Als er freilich. sprechen wollte, als er versuchte, die verständigen Gründe zu sammeln, versagte sich ihm die Sprache: „aber das geht doch nicht“, sagte er leise, „aber das ' geht doch nicht .„Ich bin nicht zu euch gekommen, um mit euch zu verhandeln, ob es geht oder ob es nicht gebt", sagte jetzt Anton, und die Furcht vor der eigenen Verwirrung mochte schuld daran sein, dass seine Sprache jetzt härter war als vorher, „ich frage dich jetzt, Georg, ob du die von der Gemeinschaft geforderte und beschlossene Regelung anerkennst, und ich bitte dich, jetzt nicht mehr zu glauben, dies alles sei nur ein Spiel.“ Georg und die Brüder sahen eich an. „Nein!“ sagte Georg. „Neinl“ engten Friedrich und Heinrich. „Nein!" rief Angelika, die im Zimmer geblieben war. Die Kinder weinten, verängstigt durch den Lärm und die Stimmen. Anton senkte den Kopf: „Dann kann uns nichts vor diesem Ende bewahren, Georg?“ War dies nicht eine letzte, bittende Frage? Georg antwortete nicht. Anton straffte sich und wandte sich zu den Männern um: sie traten in die Stube ein und umringten die Gefangenen, um sie herunter zum Strand und auf das Schiff zu bringen. Das Schiff war inzwischen von der Bucht zum Steg geschleppt worden, man hatte die Segel losgebunden und, für die Frau und die Kinder, ein Brett zur Brücke herübergelegt. Nur das Notwendigste war hergerichtet: die Männer hatten ohnedies nicht viel Zeit. Sie hatten kaum die Kammern und Luken flüchtig durchgesehen, als oben, am Berg, der Widerschein der Fackeln, die zur Düne hinaufstiegen, schon mit rötlichem Dunst das Nahen des Zuges ankündigte. Da keiner wusste, was sieb inzwischen auf den Höfen ereignet hatte, schien alles, endlich, zur Entscheidung hinzudrängen: schon empfanden die Männer die immer wache Spannung als Last. Sie stellten sich an der Brückd auf und erwarteten die Gruppe, die im schwankenden Licht, unwirkliche Schatten, am Kamnl entlangging und nun zum Strande hin abbog. Sie mussten Geduld haben,’bis der Zug ganz in der Nähe war. Dann erst erkannten sie Georg, Friedrich und Heinrich, die in einer . 'Reihe gingen; Angelika blieb hinter ihnen, 'zwischen zwfcl Männern, Welche die Kinder ' trugen. Die Gesichter der Fremden blieben abwesend,' unberührt: es schien, als hörten sie das Sibgen nicht, auch die'Kinder weinten nicht. , mehr; der Junge grill nach der Fackel, das Mädchen sah mit ängstlichen, weit geöffneten Augen auf die Mutter. Die Männer auf der Brücke stiessen sich an und nahmen die Lippen zwischen die Zähne: jetzt sah man, dass entschlossen und ohne Zögern gehandelt wurde. Keiner war überzeugt gewesen, dass heute noch etwas unternommen würde. Aber schon stiegen die Träger die Stufen zur Brücke hinauf, die das Unentbehrlichste aus den Häusern zusammengeraftt und für die Fremden mitgenommen hatten. Eben erreichten auch die drei letzten den Zug, die auf Befehl Antons noch einmal umgekehrt waren, um die Truhe zu holen. Keuchend liefen sie mit der schweren Last den Berg herunter: unangetastet, wie sie .vorgefunden wurde, wurde sie neben dem Ruder aufgestellt Dann verliessen die Männer das Schiff, die Fackeln verlöschten zischend im Wasser, jemand rief einen Befehl, dann Wurden die Halteseile abgeworfen . . . Langsam nur setzte sich das Schilf in Bewegung. Noch war niemand an Deck, gespenstisch trieb es hinaus, ungebändigt vom Steuer, keiner der Männer war an Deck. Die Bauern und ihre Söhne bildeten eine lange geschlossene Reihe, Frauen drängten sich zwischen sie, manche flüsterten, rasch und verlegen, jemand fragte, ob denn Proviant auf dem Schiffe wäre: keine Antwort. Dann wurden sie vollends still, die Gedanken liefen dem Schiffe nach, das unaufhaltsam davonzog. Es blieb viel zu bedenken und zu ordnen: die ruhigen Gesichter verschlossen sich, in der ersten Dämmerung glichen sie den Holzschnitten der alten Meister, die wir so lieben: den Menschen, die fest und ohne Anfechtung auf der Erde stehen, und die nun plötzlich der Hauch aus einer ’ anderen Welt berührt. Denn war eben noch alles gerecht und einfach gewesen: je weiter sich das Schiff entfernte, desto zwingender wurde die seltsame Unruhe,, die sich über die Herzen breitete und die klaren Entschlüsse verwirrte. Die Verwirrung wurde so gross, dass sie alle, die da stark und trotzig, eine sturmste ..verschworene Mannschaft, am -Ufer standen, schon ein kleines Geschehnis nicht zu he-