Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 8 (21.2.1935)
- Date
- 1935-02-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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imb Tod verurteilte", gegen Oniril von Del)-- viiuv den yjiamt einer Jüdin, gegen den ^nden ^llassermann, gegen den Juden Neißer. -Tie ,Werte* dieser »Wröfjtcu* können — ohne 'Huenol)iiic — ainogelöscht werden, (ys ist nichts Gutes daran! Sie sind in den Mantel uralter Wissenschaft' gekleidete Methoden ungestraften jüdischen Maudens und Ntordeus!" Es ist, wie wir meinen, nicht notwendig etwa aus die Behauptung zurüchnkommen, das; jüdische Aerzte das Talmudge.sctz auf dem Umweg über die Medizin und vor allem die Giftspritze Pir Turchsührung bringen. Oder die Behauptung, das; Ehrlichs, Wassermanns und Neißers Forschungen Ätcthvdctzt tutgcstrasten jüdischen Ranbcns und AUxtdetts seien. Solche Beschimpfungen treffen bestimmt nicht die. gegen die sic geschleudert werden. Es entspricht auch nicht imsereL Würde, etwa auf die Herabsetzungen von Per-- sönlichkeitcn einzugehen, deren Namen und Wirken Tausenden. ja Hunderttausenden von Menschen Leben und Gesundheit erhalten haben und ebcnsoviele Eltern-- und Kinderherzen mit neuem Glück erfüllten. Wir sind - überzengt, daß die Mutter, deren Kind durch die Ergebnisse der Forschungen jüdischer Wissenschaftler gerettet worden ist, ihr Kind nicht etwa hätte sterben lassen, weil die Rettung durch einen Juden kam, und daß die Kinder, deren Vater oder Mutter ihnen erhalten geblieben ist. nicht den Akut besessen hätten, lieber den Tod ihrer Eltern als deren Teilung im Zusammenhang mit jüdischem Geist zu erleben ... Es gibt eine sehr deutliche Unterschiedlich-, feit in der Beurteilung ärztlicher Leistungen lind Leistungsmöglichkcit: die eine sicht im Arzt der; Mediziner, die andere den Medizinmann. Ein Alissaß von Tr. Alfred Böttcher iTessan). den die „Bolksgesundheits-Wacht" in ihrer Nr. 12. Jahrgang H*34, brachte, trägt die Ueöcrschrist „Ter Umbruch des medizinischen Denkens". Wir finden in ihm eine Polemik mit dem. was man sonst, dein Vorgang B. A schners folgend. ..Tie Krise in der Medizin" nennt. An dieser Stelle ist es notwendig, auf den Gegenstand cioziigehen, weil dieser Umbruch des medizinischen Denkens mit dem Judentunr in Verbindung gebracht wird, und zwar in solgendenr Laß: Und so wurden lind werden auch heute noch in pharmazeutischen Werkstätten tagtäglich neue Formeln gedichtet, die dann in Gestalt sogenannter Arzneimittelchen mit riesiger Geschästsrektame ans den Markt geworfen werden.Nebenbei etueJndustrie.die ansehnliche Gewinne abwirst und die darum auch hauptsächlich in „jüdischen fänden" lag. Ter Verfasser meint mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im besten Glauben, das; die Schulmedizin eine Erscheinung des Liberalismus sei. m i t d e s s e u H i l s c. d i e I u d e n Schädi i u g s a r b e i t a m deuts ch c n V vlko trieben. <Bon uns gesperrt. Tie Red.) Tie grammatische Form der Vergangenheit sagt, das; sie es seit dem Uinschnumg nicht mehr tim. Ta aber derzeit die deutsche Phar- , mazeutische Industrie, ein hochtvertiger Aktivposten in der deutschen Wirtschaft, rühriger ist denn sc, müssen es jetzt Menschen, arischen Blutes sein, die jene vvlksscltzrdlichen (s'>cuünnc eitütreichen. In diese unfruchtbare Erörterung wollen wir nicht eintreten. Weit wesentlicher ist die Frage, ob eiue geistige Bewcgung. die wie der Liberalisums deu Juden grundsätzlich die 'Gleichberechtigung brachte, wirtlich die Mutter der Schulmedizin ist. ob Juden aus diesem Grunde eine Rollo in der Schulmedizin spielten. und ob sie sich aus diesem Grunde dem Umbruch im medizinischen Tenken entgegenstellen. Tas Wort Schulmedizin ist heute in aller Munde. Trotzdem ist cs nicht leicht, den - Ursprung des Wortes und seine ursprüngliche Bedeutung sestzustellen. Tas vielbeuntzte Wort findet sich nicht im Grimmschen Wörterbuch, das seit is.vj erscheint und noch nicht beendet ist. Es müßte dort in dem Baude stehen, der 1889 erschien. Es findet sich auch nicht in den letzten Auslagen der großen Konversationslcrika. Es fehlt in Friedrich Kluges „Etymologischem Wörterbuch der deutschen Sprache" (1921) und in Wasserziehers „Woher?" Natürlich findet man es in all den Schriften, die die Schulmedizin bekämpfen. Eine ähnliche Wortbildung-findet sich in einem aufschlußreichen Zusammenhang in dem berühmten Buch von Johann Gottfried Rademachcr „Rechtfertigung der von den Gelehrten mißkanntcn Verstandesretoir Ersahrungsheillchre der alten scheidelünstigen Gc-Hcimärzte und treue Mittheiluug des Ergebnisses einer 25jährigen Erprobung dieser Lehre an; Krankenbette", deren cnster Band in dritter- Auflage .1848 zu Berlin bei Gr. Reimer erschien. Rade» macher, ein Landarzt aus -Goch im Rheinland, schreibt znm Beispiel auf Seite Vs dieses Buches, daß er vollkommen davon überzeugt sei, das; alle denkenden Praktiker von jeher eine dunkle Ahnung gehabt haben müßten, daß es eiue weit bessere Heillehre gäbe, „als uns je „die Schule" in allen ihren buntscheckigen Artungen geboten hat und künftig noch bieten wird". Dieser tiefsinnige und noch lange nicht genügend gewürdigte Außenseiter der Medizin hat mit Homöopathie nichts zu tun. In seinem System geht er davon ans, daß mau chemische Mittel suchen muß, die den überlieferten Mitteln der gelehrten Aerzte, mtd das sind ihm noch immer die Nachfolger des großen Griechenarztes G a l e n o s (121 bis 201), überlegen sind und bisher geheimgehalten werden. t Er knüpft m feiner großartigen medizingeschichtlichen Einleitung an Thcophrastus von Hohenherm, gemeitchin „Paracelsus" genannt, an. Wrr verstehen heute unter Schulmedizin eine Bczcichnuna, die Homöopathen und Naturarzte der wissenschaftlichen Universitätsmednin ztt geben pflegen. Nademacher hat aber vollkommen recht damit, daß Ursprung und Begriff ded Wortes bei Paracelfus ztt suchen ist. der der Gelehrten- . mehizin seiner Zeit den Kamps ansagte und Von Professor Or. Richard Koch, Frankfurt a. M. nach spezifischen chemischen Mitteln suchte, die stark wirksam, ganz anders als die meisten pflanzlichen Mittel der lleberlieferuug heilkräftig genug waren, um die schwersten Krankheiten mit Stoffen, die ans dem Laboratorium stammen, auszulöschen. Rademachers System ist eine Frühforin der Chemotherapie. deren bekanntestes Mittel das Salvarsau ist. An anderen Stellen habe ich gezeigt, daß eine inedizittgeschichtliche Linie von Paracelsus zu Paul Ehrlich führt. Beide suchen im Laboratorium nach spezifischen Mitteln, die dett Kranken von einer Krankheit befreien. Wenn Rademachcr und die Ehenwtherapeuten unserer Zeit „Areana", große Mittel, suchet!, dann sind die Ehemotherapeutctt im Sprachgebrauch „Schulmediziner". Bon dieser Schule 'machte sich Paracelsus, der nichts anderes wollte als Nademacher und Paul Ehrlich, gewaltsam los. Paracelsus befamt sich zur Medizin int Licht der Natur, woutit er Naturbovbachtung meint. einschließlich der Beobachtung im Laboratvrittm, sogar vor allem im Laboratorium. Das war etwas Nettes, denn die Grieclzen uttd Araber bereiteten zwar auch Arzneimittel zu. aber diese Apothekerktmst war feine echte Eyc'mie, kein Eingreifen in den Ban der verschiedenen Stoffe. Den Griechen war Medizin ein Unterstützen der Heilkraft der Natur, wobei die Arzneibchandlung eine verhältnismäßig untergeordneteRolle spielte. Wenn Paracelsus sich von der Schulmedizin seiner Zeit sreitnacht, so betritt dieser Bekämpser der Schulmedizin einen ganz anderen Weg als ttnscre Homöopathen und Naturärzte. Schulmedizin bedeutet also hier, wo das Wort entsteht, geuan das Umgekehrtevoirdem. was es heute bedeutet. Auch Paracelsus femtt Lebenskraft und Natur- Heilkraft. Gegner der Schttlmedizin ist er aber gerade dadtirch. daß er sich viel weniger auf diese Kräfte verlassen null als die Griechen und als die mittelalterlichen Aerzte. Er greift auch die Medizin der jüdischen Aerzte au, die damals, wie alle anderen gelehrten Aerzte auch, galenische Medizin triebett. Für ihn stehen die Juden gerade da, wo nach deni Verfasser unseres Aussatzes die modernen Bekämpser der Schulmedizin stehen, die sich atisschließlich aus die Narurheilknnst stützen und die Ehemie nicht gettügend achten. Man hat ihm zu unrecht vorgewvrscn, daß er gar nicht studiert hätte. Und in der Schrift, in derer seinem bedrängten Herzeit Luft machte, erwähnte er nur gattz beiläufig, daß dies eine Verleumdung sei, und legte allen Nachdruck daratrf, daß er mehr könne, als matt ans den Universitäten, also auf den hohen Schulen und ju den Folianten lernen köttne. Die berühmten Sätze, in detten er mit der Schulmedizin bricht, laitten: „wie ich aber die vier (nämlich die Anatomie, die Astrvnourie, die Philosophie und die Tugend, die er als die vier Säulen der Medizin bezeichnet) für mich neme, also müsset irs mich nemen und müsset mir nach, ich nicht euch nach, ir mir nach, mir nach Av'icenna, Galene, Rasis, Moutagnana, Mesue etc., mir nach und nit ich ettefj nach, ir von Paris, ir von Mompelier. ir von Schwaben, ir von Meissen, ir von Evln, ir von Wien und was an der Donau und Rhein- - ström ligt, ir insulen int me er, btt Jtälia, btt Dalmatia, du Sarmatia. btt Athenis, du Eriech, bu Arabs, „btt Israelita", mir nach tlnd ich nicht euch nach, eurer wird keiner im hindersten Winkel bleiben, an den nicht die Hunde seichen werden, ich werd monarcha und mein wird die monarchei sein, und ich süre die monarchei und gürte euch euere lenden, wie geselt euch Eacophrastus? (d. h. Cchlechtschwätzer.) So hatte man ihn in einem Ähmähgedicht genannt, das man an die Tür seines Hörsaales genagelt hatte), disen dreck mußt ir essen." (Sudhoff. 1. Abt. Bd. VIII S. 56.) Des großen Paracelsus in gerechtem Zorn anmaßende Worte sind Wahrheit geworden. Soweit die Medizin Arzneikunst ist, feiert sie ihre größten Triumphe in den bisher leider seltenen Fällen, in denen eS gelingt, einen Krankheitserreger mit einem chemischen spezifischen Heilmittel abzutöten. so daß infolge des Schwindens der Krankheitsursache neue Schäden nicht mehr entstehen und die bereits eingetretenen abheilen können. Je mehr unsere Kenntnis von der Krankheitsursache - wächst tmb je besser es gelingt, Stoffe mit bestimmlen Eigenschaften künstlich hcrzttstellen, tun so tnehr wachsen die Aussichten, daß bisher unheilbare Krankheiten geheilt werden können. Gerade diesen Teil der Medizin nennt man heute besonders häufig Schulmedizin, während der Ausdruck, um. cs noch einmal ztt sagen, in der längst vergangenen Zeit, in der der Begriff sich bildete, gerade die umgekehrte Bedeutung hatte, indem man die Teile der Medizin, in denen es sich darum handelt, die Naturheilkraft ztt stützen, glso int Sinn der antiken Medizin vorzngehen, einstmals Schttlmedizin. d. h. Atedizin der hohen Schule, der Universitäten, nannte. Als Paracelsus die Schulmedizin belätnpste, standen in der Front seiner Gegner neben vielen anderen atich Juden. In unserem Attssatz wird, gerade umgekehrt, den Inden der Borwtirs gemacht, an der von Paracelsus begründeten Heilmethode beteiligt zti sein. Später hat sich dann der Begriff der Schttlmedizin vor allem bei den Kämpfen ttm die Homöopathie entwickelt, eine Heilmethode, deren grundlegendes Buch, das Organon, von Samuel H a h n e m a n n i. I. 1810 erschien. Im 10. Jahrhundert hat die Univcrsitätsmcdizin die Wirksamkeit dieses Heilverfahrens für grundsätzlich unmöglich gehalten, eilt Standpttnkt. der sich halten ließ, solange die Biologie mechanistisch war. d. h. solange mntt die Organismen für nichts anderes hielt, als für komplizierte Maschinen. Als sich dartn im 20. Jahrhundert die Erkenntnis wieder ein» mal durchsetzte, das; die Lebendigkeit sich nicht atts dett Gesetzen der Physik und Ehemie erklären läßt, mußte-man emei) zugcben, daß man die Wirkungslosigkeit der Homöopathie niemals würde beweisen köttiteu. Atts diese Erörterungen kann hier nicht eingegangen werden. Zugunsten der Homöopathie wirkte weiter, daß einigeEigenschastcu des unbelebten Stoffes erkannt wurden, die im Sinne der Homöopathie gedeutet werdet! foimtctr. Jedenfalls setzten sich einige wenige naturwissenschaftlich hochgebildete Aerzte für die Homöopathie ein. Im Rahmen der vitalistischen Biologie, d. h. der Lehre vom Leben, die dem Lebendigen Eigentümlichkett zuspricht. die es vom unbclobten Stoff unterscheidet, mußte matt sich dgzu entschließen, die grundsätzliche Möglichkeit der Wirksamkeit trttwägbar kleiner, aber fein verteilter Arzneimengen auf in besonderer Weise überempfindliche Organismen, also aus kranke Geschöpfe zuzugeben. Es ist aber - bis hetite noch nicht annähernd gelungen, die Wirksantkeit des ganzen houtöopathischcn Hcilmittelschatzes eindeutig festzustellen und die Zweifel ztt zerstreuen, die nach den Erfahrungen der meisten Aerzte gegen die Behauptungen der Homöopathen sprechen. Jeder kattn sich überzeugen, daß bei einem frifdjeit Schnupfen ein Tropfen Jodtinktur in einem gewöhnlichen Glas Wasser die Absonderung der Nasenschleimhaut mindestens für einige Minuten günstig beeinflußt. Aehnliche Erscheinungen dieser Art kennt man jetzt in großer Zahl. Als die Homöopathie entdeckt wtrrde, sprach man viel von geistigen Potenzen der Materie. Daß die Lebewesen, einfach attsgodrückt, bcgcistigt sind, lehrt der VitalismuS, also die biologische Theorie, nach der die Geschöpfe sich tvährend des Lebens in einem Zustand befinden, den man begeistigt nennen kattn. Eitter der Begründer des modernen Bitalisntus ist Henry Bergsvn, sicher einer der größten lebenden Philosophen, der Jude ist. Wenn man anliimmt, daß es sich hier nicht um eine der häufigen Legenden handelt, in der ein im gntett oder bösen attffälliger Mensch zum - Jttden gestempelt wird, dann wäre diese Tatsache nicht mehr ganz belanglos. Sie würde beweisen, daß der Umbruch int medizinischen Denken der Gegemvart gedanklich u. a. von einem Inden vorbereitet wurde. Das wissenschaftliche Lehrbuch der Homöopathie hat den Juden Otto Leos er ztnn Verfasser, während der' Arzt, der in unserer Zeit zuerst aus. die biologische Wirksamkeit kleinster Arzneimengen aufmerksam machte, der arische Professor der Pharmakologie Hugo Schulz (1853 bis 1932), war. Auch die Nattträrzte nennen die Universitätsmedizin Schulmedizin. Einer ihrer größten war der Pfarrer Sebastian , Kneipp in Wörrishosen '(1821—1897). In der Einleitung zu seinem schönen Buch „So sollt ihr leben!" kommt das Wort Schultnedizin überhaupt nicht vor. In diesen schlichten und frommen Sätzen wäre das kämpferische Wort nicht vorstellbar. Es gibt ein lehr- reiches Buch des Dresdner Arztes Kurt Wachtel: „Laienärzte und Schulmedizin", Leipzig 1923, in dein folgende Heilverfahren nicht zur Schulmedizin gerechnet werden: Staturheilmethode, Homöopathie, Jsopatlste, biochemische Heiltnothoden, Nadenmchers System. Baunscheidtismus, Elektrohomöopathie, Neichenbachs Odlehr'e, Magnetismus, Hypnotismus. Heliodapathie (die Lehre des Hellsehers Hüter, die mit dem Begriff Heiligenschein zusammenhangt), .die rein geistigen Heilverfahren, angesangen von der Heilkraft der Spiegel über dte christliche Wissenschaft oder das Gesundbeten, die anthroposophische Medizin Steiners, der auch für einen Juden gilt, bis zmn Mazdaznan, einer pärstschen Reinheitslehre, die nicht ohne Beziehung zur Reinheitslehre dir Aegypter und wieder ist ein ehrwürdiger grvsrcr deutscher Jude dahiugegangen: am 18. Februar starb kurz vor Vollendung seines 83. Lebcnsjalircs Generalkoustcl Eugen Landau. Ter Verstorbclie gehörte zu jenen Persönlichkeiten, deren, warmherziger und aufopfernder Dienst am Judentum rein äußerlich betrachtet zu den wirtschaftlichcn und gesellschaftlichen Erfolgen dieses großzügigen, weithin wirkenden Lebens in Widerspruch zu stehen schien. Keine unmittelbare Not, kein selbst, erlebter Drttck hatte sein Wirken in die Bahnen jüdischer Lozialarbeit gedrängt. Sein starkes jüdisches Lebensgefühl timt cs. das ihn so eng mit den zahlreichen Stätten jüdischer Hilse ver. band, die heute verwaist um ihren großen Heiser trauern. Eugen Landaus Arbeit gehörte in erster Linie dem Hilfswerk der deutschen Juden, bei dessen 190t erfolgter Gründung er das Amt des ersten Vorsitzenden übernahm. Nachdem er tvährend der Jahre 1002 bis 1032 dieses Amt James Simon übergeben hatte, als dessen Stellvertreter er fttngicrte, übernahtn er es wieder nach dessen - Tode und behielt es seither. Seit Gründintg des deutschen Karen Hajcfsod bekleidete Eugen Landau das Amt seines Vizepräsidenten. Er führte den Vorsitz des Auerbachschen Waisenhauses und der Jüdischen Altershilfc. Der Central-Verein blickt dankbar auf Eugen Landaus jahrelange Tätigkeit im Hauptvvrstand zttrück. in der er sich als treuer Mitarbeiter bewährte. Mit den vielen Gremien, die die Tatkraft und Hilfsbereitschaft des Ber. stvrbenen in unnnttclbarcr Zusammenarbeit kennenleruten. trauert die gesamte deutsche Jude», heit darum, daß sie einen nie versagenden Beb stand verloren hat. der Heiligen Schrift ist. Endlich sei darattf attfmerksam gemacht, daß der Umbruch medizinischen Denkens eine Pnrisiziertmg des Buches von Bernhard Aschner: „Tie Krise in der Medizin" ist, ein Buch, das ungewöhnlich großen Erfolg hatte und auf einige SchrJttn des Verfassers dieser Zeilen ztirtläzusühren iü, die also beide tviedcr jüdische Aerzte sind. Ter verstorbene Georg Honigmann, ein Jude (1863 bis 1930). der Begründer der Zeitschrift „Hippokratis". stand diesem Kreis nahe. Ich erhielt entscheidende Anregungen von Ernst Schwenninger. dein Arzt Bismarcks und von dem Nachfolger Erbs ans dem Lehrsttchl in Heidelberg, dem Positiven Protestanten Ludolf von Krchl, dessen Schüler, Victor von Woip säcker, ebenfalls eine Nolle in der Diskussion mit „die Krise in der Medizin" spielt. Kaum ohne Zusammenhang mit diesem Kreis dürsten die Schriften des nativnalsvztalistischen Arztes Ertvin Liek stehen. Beziehungen ztt fast allen genannten lebenden Aerzten hat der Schweizer Medizinhistoriker Henry Sigerist. und zu den großen Schöpfern der philosophischen Voraussetzttugeu ychören der große arische Philosoph Haus Driesch und der biologische und atttisemitische Philosoph Jacob Johann Baron von Uexküll, ein Balte, und der epochemachende philosophische Ethnologe Levy- Brühl, eitt französischer Jude, sotvie viele andere große und kleine Arier und Jttden. ALan darf nicht vergessen, daß Siegmund Freud, der Wiener Jude, gattz für sich steht und doch sorgfältig erörtert tverden muß. lvenn man vom Umbruch im tnedizinischen Denken spricht, mtd daß dies folglich, wie der Wiener jüdische Verfasser einer medizinischen Anthropologie. Oswald Schwarz (Leipzig 1929) mit Nachdruck hervorhebt, von dem ganzen 5Lreis der Psychoanalytiker gilt, von denen nicht tvenige Jttden sind. Der Kreis dieser Aerzte und Philosophen ließe sieh noch ausgiebig erweitern. Man käme immer wieder zu demselben- Resultat, daß der Umbruch im medizinischen Denken der Gegenwart keine Beziehungen zur Herkunft und Rasse der Aerzte hat. die ihn, herbeigeführt haben. Hingegen ist es richtig, daß ein Umbruch im medizinischen Denken erfolgt ist und man kann nur darüber im Ztveifel sein, ob er der Laienmedizin mehr Daseinsberechtigung gegeben hat. als sie bereits vorher besaß. Man könnte ebenso nnschiver entwickeln, daß auch von jüdischer Seite dem Umbruch des medizinischen Denkens energisch entaegengearbeitet wurde. Soweit es sich darum handelt, daß die Wissenschaft vom gefunden und kranken Menschen nicht von der Medizin abgedrängt werden darf und daß die deutsche und europäische Medizin am Ende wäre, wenn Mystik und Aberglaube eindringen könnten, können wir nicht energisch genug dieser Kulturgefabr und Kultur)chande entgegentreten. Das ist aber nur möglich, wenn da. wo es sich um Medizin handelt, nichts anderes getrieben wird als Medizin. . .