Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 6 (7.2.1935)
- Date
- 1935-02-07
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
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fr V O vj O Z_j w Ls Ls ikj V -V Mr. S 4. BolbSan 7. Februar 1535 r. Ov'VmFi San Max Wsm Von Haifa Windei sich die Straße südöstlich durch da§ gesegnete Frnchtland dcZ Gmek Jesreel. Man kommt nach Afnle. dem Kreuzpunkt der gemächlichen Eisenbahnen. die hier zurück nach der Hafenstadt, südlich nach Nabln», und in großem Bogen nördlich nach Damaskus rollen — dem Kreuzpunkt nicht minder der erheblich eifriger benutzten Antowege. die Unter-Galiläa dnrchschneiden. Man halt sich noch weiter südöstlich und gelangt bald über die mnster-- hafte jüdische Siedlung Ain Harvd zu der blühenden Kwuzah Be th AlPha. In Bcth Alpha nun wollte man im Jahre 1929 einen Brunnen graben. Al» die Kinder der Siedlung, die dieser Vorgang natürlich interessierte, da8 aufgewühlte Gestein nach palästinensischer Sitte zum Spielen benutzten, fiel cS auf. daß dabei sonderbar gleichmäßig anösehende, bunte kleine Steinchen zum Vorschein kamen. Das war ungewöhnlich. Man wurde neugierig und benachrichtigte den wissen-:- reichen und erfahrenen Archäologen der Hebräischen Universität zu Jerusalem, Professor Sukcnik. Tie wissenschaftliche Grabung, die nun vorgenonnnen wurde, hatte ein erstaunliches Ergebnis. Aus dem Schutt von Jahrhunderten stiegen die Reste einer zerstörten Synagoge auf Wie die niedrigen lieberbleibscl detz sreigelegten Mcmcrwerks zeigen, muß eS ein stattliches Gotteshaus gewesen sein. Ter Grundriß stimmt durchaus mit den. sonstigen galiläischen Kultbautcn aus den ersten Jahrhunderten christlicher Zeitrechnung überein, deren Spuren uns erhalten find. Wieder haben wir die drei Eingänge zum eigentlichen Tempelraum vor un8, wobei immer ein breiteres und höheres Mittelportal von zwei kleineren Pforten flankiert wurde — vielleicht Grundriss der Synagoge von Bcth Alpha mit dem Mosaikfussboden (nach einer rekonstruierenden Zeichnung) war ihre Bestimmung dieselbe, die ich kürzlich in Mainz bei einer Gcundrißzcichnung der abgebrochenen alten Synagoge anfnvtiert fand: das Hanptportal, Zugang für die männlichen Gemeinde- Mitglieder, der eine Nebeneingang für die Frauen, der andere „für den Vorstand" ,— und ganz wie etwa in Eapernaum am Tee Liberias zieht sich rings um den quadratischen Jnncnranm eine dnrchgcführte Steinbank. Was aber der Niline von Leth Alpha ihre Besonderheit imd ihren bedeutsamen Wert gibt, ist der zum größten Teil Prächtig erhaltene Mosaikfußboden des Tempels. Dies außerordentliche Schmuckwcrk. dessen Entstehung wir ins 6. Jahrhundert n. Ehr. anzusetzen haben, ist nach mancher Richtung aufschlußreich. Zunächst offenbart es eine, überraschende handwerkliche Sicherheit in der musivischen Kunst des jüdischen Meisters und.' seiner Gehilfen, die hier am Werke waren. Das Beispiel der byzantinischen Kirchenansschmückung hat in Bcth Alpha einen höchst eigenartigen Niederschlag gesunden. Unmittelbar kann man zum Vergleich beti Mosaikfußboden der zerstörten Kirche zu Madaba in Transjordanien, nicht weit von Aman, hcranzichen, der eine merkwürdige uub lehrreiche Karte Palästinas und einen Plan von Jerusalem, beide? wieder aus dem 6. Jahrhundert, "darbictet. In der künstlerischen Haltung freilich blieben die jüdischen Kräfte im Emek von solchen Vorbildern weit entfernt. Zum zweiten aber nehmen die Mosaikbilder von Beth Alpha darum einen Platz für sich ein. weil sie ohne Scheu figürliche Darstellungen verschiedener Art in eine Synagoge einfügten. Der bildnerische Trieb hat hier das strenge Gesetz durchbrochen. Fast ohne Beschädigung ist das große Mittel- . feld des Fußbodens, das drei gesonderte Teile mit einer aus lange Uebung und Tradition zurück-, weisenden technischen Fertigkeit und hohem dekorativen Sinn zusammenfügt. Vortrefflich war der Gedanke, im Mittelteil eine konzentrische kreisrunde Ordnung von Mvsaikbildcrn anzulegen, die nach dem Eingang wie nach dem Allerheiligsten zu von zwei rechteckigen Bildfeldern eingefaßt, gleichsam gehalten wird. In diesem Kreise sehen wir »nn eine verblüffend freimütige Benutzung und Vermischung heidnischer und christlicher Schmuckmotive. Ter -kleinere Kreis, der die Mitte de» größeren einnimmt wie das Zentrum bei einer Schießscheibe, gehört der griechischen Borstellungswelk. Mit der unbekünnnerten, köstlichen Naivität, mit der der entwerfende Künstler überall an die Arbeit ging, wurde hier der Wagen der Sonnengvttin ans den gelblich-weißen, rötlichen und schwärzlich-dunkelbraunen Steinchen zusammengesetzt, die der gesamten Farbkomposition ihren Charakter geben. 'Alles ist ganz von vorn gesehen, der Wagen, das Haupt der Sonnengöttin mit ihrem in kleine Trapeze auslaufendeu Strahlenkranz, und dle Köpfe und Leine ihrer vier Pferde. Noch ist die Nacht nicht gewichen, der C' Mosaik-Mittelfeld mit dem Sonnenwagen, den Planetenbildern und den Personifikationen der Jahreszeiten in den Zwickeln. dunkle Hintergrund spricht e? aus, aber schon fallen die Sterne und die Mondsichel herab, wie die griechische Sagenerzählung es schilderte. Denkt man an Guido Renis berühmtes Deckengemälde im Palazzo Rospigliosi zu Nom, so hat im weiten Abstand die vollendete künstlerische Verbildlichung des antiken Mythos vor sich, der in'Beth Alpha dem jüdischen Mosaizisten die ungelenke Hand führte. Was aber im größeren Kreise das Sonnenwagcn-Zentrum umzieht, von ihm und nach ' außen durch ein schmiegsam gewundenes Fleckst- Werkornament abgegrenzt, geht nun wieder auf ' christliche Muster zurück. Wenn man die roma- - Dekoratives Schmuckfeld, das den mittleren Rundteil krönt nische Apostelkirche in Köln betritt, findet gleich beinr Eingang in derselben .Kranzanordnung auf dem Boden in Mosaik die Bilder der Planeten, wie sie uns hier begegnen, allerdings mit ganz anderer Routine ausgeführt. In Beth Alpl)a ist alles primitiv, .doch jeder Besucher wird sogleich die Zwillinge, den Bogenschützen, den Steinbock, die Fische, den Skorpion usw. erkennen. Recht sachgemäß füllen in den Zwickeln Personifikationen der vier Jahreszeiten die spitzen Eckräume — Fraüenköpfe, die in der monumentalen Schlichtheit ihrer Linienführung den byzantinischen Ausgangspunkt ohne, weiteres enthüllen.. Die Opferung Isaaks Phot. Herbert Sonnen [cid (Berlin) DER GAST vOn MAX SAMTER 1. Fortsetzung Christian sah dem Davonfahrenden nach. Kr wusste, dass die entscheidende Woiidung im Schicksal der Insel begonnen hatte. Aber er wusste auch, dass er in diesem einmaligen und entscheidenden Augenblick, dass er selbst versagt hatte, als er sich howllhren musste* Jetzt fiel ihm ei'u, was ungesagt geblieben war: er hätte, nachdem er als Vermächtnis des Vaters das Wort für die Insel und ihro Menschen führte, die Chronik der Insel nicht aus freiem Kntschluss, nicht ohne die Zustimmung der willig Geführten übergeben dürfen. Nun lag die Verantwortung für das, was kam, auf ihm allein. Er wollte versuchen, sich zu rechtfertigen, und er wandte sich, um eine Versammlung aller Bewohner einznherufen. Die anderen waren inzwischen nicht von ihren Plätzen gewichen. Christian, der nur wenige Schritte von ihnen entfernt gestanden hatte, war so sehr mit seinen Gedanken beschäftigt gewesen, das» er gnr nicht gemerkt hatte, wie sie in erregten Gruppen beleinanderstanden und versuchten, aus den wenigen Worten, die sie gebürt halten, das Wesentliche hernuszufindeu. Aus vielen Mutmassungen errieten sie das Richtige und steigerten es zu ungeheurer Bedeutung. Einer lief leise fort, um die Bewohner der andern Inseln zu benachrichtigen. Als Christian sich umwandte, brachen alle Gespräche mit einem Schlage ab. Er spürte, .wie, aufgewühlt die Schweigenden waren, er ging zu einem der Nüchststohenden und sagte leise: „Leute abend ist Versammlung.“ Dann veriiess er sie, ohne vorerst die Neugier mit einem Wort der Erklärung zu befriedigen. Niemand, der in späteren Jahrzehnten versuchte, die Ereignisse dieses einen Tages zu sichten, zu ordnen oder etwa zu verstehen, vermochte die Geschwindigkeit zu begreifen, mit der hier in dem Zeitraum von nur sechs Stunden ein Aufruhr entstand, der die geplanten Massnahmen der Regierung in völlig andere Bahnen lenkte. Um sechs Uhr morgens war da» Boot mit dem Rogioruiigsboamten gelandet, um elf Uhr war es zurückgefahren, um dreiviertel zwölf hatte Christian die Versammlung einberufen, um ein Uhr ging ein Zettel von Hof zu Hof, dessen Empfang durch Unterschrift besüitigt wurde: er enthielt, noch einmal, die Mitteilung, dass, mit dem Sonnenuntergang, der Beginn der Versammlung auf dem Gemeinschafts, platz angesetzt sei. Darüber hinaus enthielt er den Befehl, schon eine Stunde vor Sonnenuntergang die Fahnen zu hissen. Diesen Zettel hatte Anion unterzeichnet, der jüngere der beiden Söhne Michaels, der “Schwager Angelikus. Keiner arbeitete. Alle liefen geschäftig umher, besprachen die Ereignisse, es schien, als seien alle guter Laune, als versuche jeder sein Teil beizutragen, um die Spannung aufzulösen; aber die Spannung nahm zu. Christian war nirgends zu finden. Jemand erzählte, er hätte ihn bei den Felsen gesehen. Im Hause Antons herrschte Lärm und Unruhe, die Vorübergehenden hörten die harten Stimmen der Männer, Frauen blieben am Eingang stehen, bis die Tür geöffnet wurde und jemand das Haus verliess. Niemand wusste ' sichere Nachrichten; nur eins der ungewissen, nicht immer verständlichen Gerüchte, die zu- ' sammenhanglos, wie Spielbälle, von einem zum andern geworfen wurden, erwies sich später als wahr: Georg, Antons Bruder, Friedrich und Heinrich Rosonhauer, waren nicht olngcladen worden. Der Abend kam langsam heran, schon ■ konnten dio Augen den Glanz der Souno im Spiegel des Meeres.ertragen. Eine grosse er- wartungsvolle Stille kam über die Insel; Männer blieben stehen und deuteten mit der Huhd in die Weite: die Fahnen, die blauen Fahnen webten im Wind. Andächtig snssen Frauen und Kinder zu Füssen der hohen Masten und sahen zu, wo sie sich entfalteten, als die letzten Strahlen der Sonne den weissen Löwen heller, glücklicher entflammen Hessen. Bald darauf gingen die Männer fort, aber die Frauen konnten in den Geeichtem der Männer nicht lesen. Für dio Frauen war es ein Fest; wieder seit vielen harten Jahren war es das erstemal, dass die Fahnen hochgingen. Es war für sie ein Zeichen, dass Mut und Hoffnung nicht verloren-, gehen durften. Noch verstanden die meisten nicht, was dies alles zu bedeuten hatte: es war > keine Zeit gewesen, um mit den Frauen zu reden; in fröhlicher Gemeinschaft snssen sie beieinander und vertrieben sich die Stunden' bis zur Rückkehr der Männer mit leisen, ge- ' müchlichcn, unwissenden Gesprächen. Jeder der Männer batte schon am Nachmittag gewusst, dass die Herren der drei Höfe, vou ' denen das Gerücht sprach, nicht zur Versnmm- ' lutig gebeten worden waren. Noch auf dem Wege zum Platz konnte keiner entscheiden, ob die drei Höfe dein Befehl zur Ifissung der Fahne keine Folge geleistet hatten oder ob > ihnen der Befehl nicht zugegangen war. Dunkel : und trotzig, schien es, lagen die Häuser da, die Tore waren verschlossen, man hatte weder Georg, noch Heinrich und Friedrich gesehen; dennoch verursachte ihr Fehlen neues Staunen und neue Ungewissheit. Allerdings, hätte jemand unbefangen und kühl urteilen können, er hätte wohl bemerkt, wie dies Fehlen manchen mit stiller Genugtuung, mit einer undeutlichen * Zufriedenheit zu erfüllen schien: so sehr hatte die Unsicherheit des Daseins schon das Selbstvertrauen zu üusserlicher Hülle werden lassen, dass Freude und Erwartung auftauchten, wo, im Guten oder Bösen, überhaupt etwas geschah. Denn wer urteilte noch unbefangen und kühl? Männer vom Schlage Christians, die langsam dachten, Recht gegen Unrecht wogen und unbekümmert der zähen Versuchung der Worte widerstunden. Diese Versuchung freilich war gross genug. Denn seit einigen Jahren schon chatten sich die heimlichen Stimmen gemehrt, die Misstrauen und Aufmerksamkeit auf die drei Höfe wachriefen, auf denen die Kinder Ernst, und. Beates lebten. . Vielleicht war es-am Anfang die. Tatsache, dass es auf diesen Höfen fast keine Sorgen zu geben schien: es fiel überall auf, wie jedes der Kinder in der'Stille zu Hof und Brot gekommen war, Angelika zuletzt, als sie Georg heiratete. Das schien nichts Bc- ■ sonderes, solange jeder den ihm bestimmten 1 Raum auf den Inseln hatte. Nun aber, da alles, was früher festgefügt war, fragwürdig wurde, begannen die jungen Männer der Insel, nach Ursache und Ausweg zu fragen. Die Herkunft der Väter, die Eroberung der Insel, dio Verteilung des Bodens: das wur der Inhalt der Gedanken und der Gespräche. Und hier, wo an der klaren und tapferen Vergangenheit die undurchdringliche Verwirrung der Gegenwart doppelt fühlbar wurde, wo kein Wort gesprochen wurde, in das sich nicht die abenteuerliche Bereitschaft zum nicht mehr geforderten Einsatz eingeprägt hatte, hier schien die unbesorgte Lage der drei Höfe eine neue, tiefe, dem Zufall nicht mehr zugängliche Bedeutung zu gewinnen. Jo glanzender der Blick freilich dio Gegenwart malte, desto trüber, verschleierter holte er die Vergangenheit herauf: finstere Kammern der Herzen wurden geöffnet und gaben Erinnerungen der Kindheit her, Spielereien, die man mm ernst und böse besprechen Hess, längst begrabene Zerwürfnisse wurden lebendig. Jetzt erschien auch die hochmütige Sicherheit, in der — nach jenem niemals vergessenen Abend im Elternhaus, au dem sie weit über den Strand in eine Welt sehen durften, aus der ihr Vater gekommen war — schon dio Kinder den andern davonliefen, um allein zu sein, in neuem Licht: war nicht damals schon die Kameradschaft, die sie den Freunden bewahrten, kalt und obno Herzlichkeit gewesen? Hähers bis sich nicht schon damals abgeschlossen, als, anders als houle, noch keine Ursache bestanden hatte sich abzuschiiessen? War Georg nicht immer wieder selbst von den eigenen Angehörigen beiseite» genommen und gewarnt worden, er möge sich nicht in die finsteren Kreise der drei verstricken lassen. War er nicht einmal naebia zu seinem Bruder Anton gekommen, hatte ihn aus tiefstem Schlaf gerissen, nur um am Strande mit ihm auf und ab zu gehen und ihm von den geheimnisvollen Bildern und Geschichten, Weltkugeln und Schiffen zu. erzählen, von denen nun