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Central-Verein-Zeitung · 1935-02-07 · 6 (7.2.1935) · page 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
6 (7.2.1935)
Date
1935-02-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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f\ n!! nr; u.? v-4 / 1 li ’1 u J 3 r' Nr. 6 7. Fobr. lüJIsÜLU 2. Beibl, Xfam kAZM Mit unaufhaltbarer Gewalt ist Berlin zum Schicksalözentrum des delrtschcn Judentums geworden. Mehr als ein Drittel aller deutschen Inden lebt in Berlin. Berlins Juden — das war früher ein Begriff, der alles einfinq: Sorge Rc. ft'ekt. Verachtung und eine große Portion Neid Aber bei solchen Gefühlsballungen konnte man es bewenden lassen. Deutsch-südischcs Schicksal wurde selten genug als ein Ganzes gedacht. Und wenn es geschah, spielte Berlin dabei die Nolle des ab. schreckenden Beispiels — viel ernster nahm man cs nicht. Das ist heute anders geworden. Alles verantwortliche Denken, das heute so viel stärker als früher um das Gesamt deutsch-jüdischer Entwicklung. deutsch-jüdischer Zukunft kreist, mutz in Berlin seinen Schwerpunkt finden. Bor einer solchen jüdischen Masscusiedlung inmitten einer in langsamem Absinken befindlichen jüdischen Bevölkerungszahl im übrigen Deutschland gibt cs kein Ausweichen und keine Flucht in Ressentiments, (y* gibt nur ein mutiges Anpackcn der ungeheuren Aufgaben, die hier jüdischer Bewältigung harren. Das deutsche Judentum >vird nur sein, wenn es sich ihnen gewachsen zeigt. In allen seinen Lebensbezirken steht Berlin unter dem Gesetz der großen Zahl. Sie schafft jene Unlontrvllierbarleit der Einzelexistenz. jene räum, liche und menschliche Entfernung, die daS Znemauderkommeu so unendlich erschwert. Mau hat sich m früheren Zeiten mit der Uuüberwindbarkeit der hieraus sich ergebenden Schwierigkeiten zu schnell abgesnnden. Man sah es als ein Fatum an. das; das jüdische Leben sich in Berlin inmitten der Niescnlonkurrcnz von Interessen und Genüssen nicht zu der Höhe eines guten Provinznivcans entnuckeln könne. Heute ist da? Judentum auf sich selbst zurückgeworfeu. Ter Hunger nach jüdischem Wissen ist allenthalben gewachsen. Die Berliner Juden rücken zusammen. Alan sieht sich häufiger bei Vorträgen und künstlerischen Veranstaltungen. Man beginnt, sich die Gesichter zu merken. Laug, snm und unmerklich schließt sich die Gruppe en;ier aneinander. Sie geht nicht mehr widerstandslos im großen Raume und in der großen Zahl ans, sondern sie tritt unter die soziologischen Gesetze, die der kleinere n Gruppe Gesamtverantwortung und gegenseitige Kontrolle bei Gefahr der Diffamierung auferlegt. So geht das jüdische Berlin einer historischen Chance entgegen: groß genug zu sein, um alle Formen jüdischen Lebens allein durch seine Zahl zu ermöglichen. — und doch klein genug, um sich durch die Kontrolle gegenseitiger Bekanntschaft zu binden; ein „Wasserkopf" zu sein, Ausdruck einer unglückseligen Wohnortsgliederung im deutschen Judentum und doch damit die Vorbedingungen für viele günstige Umstände des Zusammenschlusses und der Unterstützung zu gewähren: eine Gefahr zu sein und zugleich eine Hoffnung: ein Schicksal, aber eines, das nicht zum stummen Hinnchmen verurteilt, sondern zum kräftigen Zupacken. Das Zupacken sieht so anZ: niemand der sich für irgendeine Stelle jüdischer Arbeit verantwortlich fühlt, darf sich auf andere verlassen. Zentralisierung ist gut. aber von ihr aus allein ist' das gewaltige Phänomen Berlin nicht zu bewältigcn. Wohl brauchen wir eine organisatorische Planwirtschaft, die Dvppelarbeit vermeidet. Aber vom grünen Tisch allein ans wird Berlin nicht jüdisch gemacht werden. Hier hat die Central- Vereins-Arbeit entscheidend einznsctzen, indem sie die Menschen ersaßt und mobilisiert für eine große jüdische Sache. Jede Ortsgruppe, jede Arbeitsgemeinschast ist ein kleines Kraftzentrum, von dem aus Kraftwellen in die Masse der noch immer Trägen ausstrahlen müssen. Nur wenn jeder an seinem Platz sich so verantwortlich fühlt, als sei ihm selber Berlin als Aufgabe anvertraut, als habe er selber Rechenschaft abzulegen, wie er in diesen Schicksalsjahren an diesem Schicksalszen» trum gewirkt hat: nur dann wird die Chance Berlin 311 einer deutsch-jüdischen Zukunftsgarantie werden. Diesem Zwecke lvilt das Berliner Blatt der „C.-B.-Zeitung" mit Anregungen und Kritik, aber stets aus positiver Grundgesinnnng dienen, dabei den Blick immer über Berlin hinaus aufs ganze Reich gerichtet. 1)r. I$va Reichmann-Jungmann. 100 Jahre Mädchenmittelschule der Berliner jüdischen Gemeinde Als vor 100 Jahren die Mädchenschule ins' Leben trat, war sie nicht eine, sondern die jüdische Mädchenschule Berlins. Die Gemeindcakten jener Zeit lassen erkennen, wie allgemein damals zwar das Bedürfnis nach einer Unterrichtsanstalt für jüdische Mädchen, besonders der ärmeren Kinder, anerkannt wurde; aber man sieht mit Erstaunen, wie schwer und langsam, trotzdem auch die staatlichen Behörden drängten, die Widerstände aller Art überwunden wurden, bis endlich iuid) jahrelangem Hin und Her eine bescheidene Bildungsstätte für Mädchen eröffnet werden konnte. Wenn der erste Leiter, Heine m ann, und die ihm zur Seite gestellte „Demoiselle" Burgheim auferstünden, sie würden das Schulwerk nicht wiedererkcnncn, daß ans ihren Anfängen ent. standen ist. Aus der zweikkassigen Bvlksschnle, in der die Mädchen vorwiegend in Handarbeit, daneben auch in anderen Fächern unterwiesen wurden, entwickelte sich die sechsklassige, die sieben, klassige, die achtklassige Schule, der später eine Aufbauklasse für Handelsfächer angeglicdert wurde, und endlich die zehnklassige (nach dern allgemeinen Abbau der Grundschule sechsklassige) Mittelschule, die nach den staatlichen Plänen für die Mittelschulen von 1910 geführt wurde und zuletzt den Charakter als „öffentliche" Schule erhielt. Diese Entwicklung entspricht zwar dem Wachsen der Berliner jüdischen Bevölkerung, wird aber erst verständlich, wenn'man das Wirken der Männer ermißt, die den äußeren und inneren Charakter der Schule geprägt und ihr den Stempel ihrer Persönlichkeit ausgedrückt haben: Kein Geringerer als Moritz Steinschneider hat die Mädchenschule den Weg geführt aus den bescheidensten Anfängen zur äusgebauten Schulanstalt. Salo Adler hat mit dem genialen Blick für die Zeichen der Zeit den Um- und Ausbau zum modernen Schulsystem geleitet, und ihre Nachfolger, die noch unter uns weilenden Joseph G u t m a n n und Meyer Spanier schufen in der Zeit des Wandels aller pädagogischen Maximen das Gefüge des Baues, das dann in den Stürmen der Nachkriegszeit und der Gegenwart den Beweis seine Lebenskraft offenbarte. Ihre Arbeit setzt in gleichem Geist Heinemann Stern fort, dem die Zeit mit ihrem völligen Umschwung aller bisherigen Schulverhältniße, des inneren und äußeren Lebens unserer Jugend die schwerste Aufgabe gestellt hat. Und diese Aufgabe ist zu keiner Zeit auch dringlicher gewesen als in der Gegenwart. Einst schien es so, als sei die Mädchen-Mittelschule zum Ab. sterben verurteilt: es war jene Zeit, da alles zur höheren Schule drängte, und die Frequenz der Mädchenschule so zurückging, daß man sie — nicht ohne den heftigsten Widerstand der Pädagogen — mit der Knabenschule zur „Mittelschule" vereinigte. Heute ist die Notwendigkeit ihrer Existenz von niemand mehr bezweifelt. Sie ist (neben der Knabenanstalt) die einzige Bildungsanstalt der jüdischen Gemeinde, in der jüdische Kin- Ver eine über die Volksschule hina»lsgehende Bildung erlangen können. Die Mädchen-Mittelschule der jüdischen Gemeinde feiert heute nicht bloß das Jubiläum rhres 100jährigen Bestehens, sondern sie führt heute aufs neue den lebendigen Beweis, daß das Werk, das vor 100 Jahren geschaffen ward, ein Bollwerk jüdischen Geist es bleiben wird und muß auch fürdie Zukunft. Hermann kallrenderx. * Anläßlich drr Hundertjahrfeier der Mädchen- Mittelschule der jüdischen Gemeinde, die seit drei Jahren mit der Knaben-Mittelschule vereinigt ist. veranstalten die Schulverwaltung der jüdischen Gemeinde und die Schule am 10. Februar, vormittags 11 Uhr. einen Festakt in der Aula der Mittelschulc, Große Hamburger Straße 27. Eine Cchülerseier wird später stattfinden. Am 4. Februar fand in der Ortsgruppe Friedenau-Steglitz unter Leitrmg des Vorsitzenden Huris Oppenheimer ein Bortragsabend statt, auf dem Dr. Friedrich B r 0 d n i tz und Dr. Alfred H i r s ch b c r g über das Thema „Der Weg der deutschen Juden" sprachen. Tr. Brodnitz ging davon an?, daß die Ent» stehlulg der zentralen Organisationen des deutschen Judentums, insbesondere des ZentralanSfchusseS, zll einmn entscheidenden Teil auf die Initiative des CcntralvereinS zurückzuführen fei. Bei der Erörterung der einzelnen Probleme jüdischer Gcgenwarttzarbeit betonte er. daß die Auswanderung das Problem der deutschen Juden nicht lösen könne, und daß daher konstruktive Arbeiten innerhalb des deutschen Judentums heute besonders ,lotwendig seien. In diesem Zusammenhang wies er auf die neu herausgegebenen Nichtlinien des Zentralausschusses zur Berufspolitik hin llnd forderte von den Mischen Arbeitgebern Verständnis für die Lage der schulentlassenen jüdischen Jugend. Die Wandlung der sozialen Strnktur innerhalb der jüdischen Jugend habe auch die Frage der geistigen Erziehung der jungen Generation in ein neues Licht gerückt. Grundvoraussetzung jeder Erziehung junger jüdischer Mensckien ulüsse herlte die Erziehung zvrn Judentum. die Verbindling mit jüdischem Gemeinschaftsleben sein. Nlir wer vom Jüdischen her eine innere Sicherheit erhalte, könne auch in unverkrampfter Weise für die allgemeinen geistigen Werte aufgeschlossen sein. Ter Redner schloß mit einem Apvcll an das Verantwortungsbewußtsein aller jüdischen Menschen in Deutschland für die Erhaltung eines deutschen Judentums. Tr. Alfred Sirschberg schilderte die Arbeit des Centralvereins für die Eristenzerhaltung der deutschen Juden. Diese Arbeit sei nicht Selbstzweck, sondern werde getragen von einer Grnndanschaulmg über die Fragen „W e s h a l b gibt es Judentum noch heute?", und „Wodurch gibt es Judentum noch heute?", sowie von einer klaren Anschallimg über das Wesen einer neuen Emanzipation. Zur praktischen Ausfüllung dieses Gedankenrahmens übergehend, zeigte der Redner, wie aus allen Berufsgebieten der C.-V. jüdischen Menschen habe helfen können, Üincfj einer Uebersicht über die Stelluilg der delltschcn Juden innerhalb der einzelnen Ställde befaßte er sich zum Schluß mit der Frage der zlikünftigcu staatsbürgerlichen Stelluilg der deutschen Juden. Aus freiem Willen dürfe kein deutscher Jllde auf sein Staatsbürgerrecht verzichten; aber niemand würde sich in seinen seelischen Beziehungen zu Deutschland durch Gesetze beeinflussen lassen. Tie Ausführungen beider Redner fanden unter den zahlreichen Zuhörern starken Beifall. Im Anschluß an die Referate wurden Fragen aus dem Publikum beantwortet. Die Ortsgruppe Weißensee des C.-V. und der Bund Deutsch-Jüdischer Jugend veranstalteten einen von Leo Leß geleiteten Eemeinschaftsabend, der der Aussprache über das Thema: „Bund und Elternhaus" gelvidmet war. JSem einleitenden Referat von Fritz Schäfer folgte eine sehr lebhafte Diskussion, an der sich u. a. der Vorsitzende des Landesverbandes Groß-Berlin des C.-V.. Dr. Bruno Glaserfeld, Rabbiner Tr. van der Z y l und Margarete Fried beteiligten. Die überaus stark besuchte Versammlung folgte allen Ausführungen mit starker Spannung, so daß der Abend zll einem kräftigen Impuls für die künftige Groß-Berliner C.-V.-Ärbeit wurde. * 13. Februar, 20 Uhr 30 Min.: Ortsgruppen Alter Westen und Charlottenburg. Dr. Fritz Goldschmidt, Dr. Berthold Weinberg: „Für unseren Arbeits- und Lebensraum für deutsch-jüdische Zukunft!" Mitwirkung des 5. Zuges des Sprechchores des Bundes Deutsch- Jüdischer Jugend. Logenhaus, Kleiststraße 10. 14. Februar, 20 Uhr 80 Min.: Frauen-Arbeitsgemeinschaft. Dr. Margarete Edelheimr .Ion der jüdischen Presse." Logenhaus, Roter Saal, Kleiststraße 10. Handels „Belsazar“ Zur Berliner Aufführung am 14. Februar Von Dr. Martin Friedland Das Oratorium „Belsazar" entstand 1744 nach einem Tert von Charles Jenilens. Dichterische Grundlage ist die betäimtc, im Buch Daniel erzählte Geschichte vom frevelhaften Babylonier- Köllig Belsazar und der geheimnisvollen Schrift mit derll „Mono tokol npbarsin.“ Sie hat durch Heinrich Heines Ballade „Die Miiterilacht zog näher schon", größere Volkstümlichkeit erlangt. Jerusalem ist durch die Babylonier unter Nebukadnezar zerstört, Babylon aber wird ein paar Jahrzehntc später durch den Perserkönig Chrus erobert und denl persischen Rerchc augeglwdert; die Inden werden von dem Bedrücker befreit. ihr Staat Juda wird wiederhergestellt. Dieser Kampf dreier Völker stellt also die breite weltgeschichtliche Folie dar. aus der sich das eigentliche ..Belsazar-.Drama abspielt. Die Personen der Halldlullg sind der Prophet D a n i e l, das Haupt der Gofallgenen Inden (Bariton), König B e l - s a z a r (Tenor), N i t 0 c r i s. dessen Mutter , (Sopran), der persische König Chrus (myprunglich eine Altpartie!) und der alte Gobrras, der aus Babylon racheheischend 31t den Persern ubergcgangcn ist (Baß). Die zweiteilige O u b e r t.ü r e hebt mit einem feierlich-breiteil Largo an, dem ein lebendig Nguriertes, den Festcstrubel am Hofe Belsazars ausmalendeö Allegro folgt. Jilinitterl dleics schnellen Satzes tauchcil plötzliche leise gehaltene Streicher- Harmonien auf, die auf das mystische feridjeincrt der Geheimschrift hinzudeuteu scheinen. # Zw -üe- . ginn des ersten Aktes ergeht sich eine warnendc Stimme in Betrachtungen über die nnt dnu Falle endende Hybris eines Volles, über Wenen Größe und Vergehen der Völker. Ihnen ichneßt sich eine melodisch weitgespannte Hymne auf Gottes Größe all. Der turbulente Bal'ylonier-Chor mit seinen wilden und wirren Strmrnermatzcn spricht dem Bemühen des Belagerers Cyrus Hohn. ' der die Stadt durch seine breiten Graben und hohen Türme zu Fall zu bringen hofft. Aber enl langer Zwiegesang zwischen Cyrusunddem alten Gobrias gibt der rnhrgen Zuversicht auf den Sieg Allsdruck und verrät lu,s im einzelnen die krrege rischen Vorbereitungen zum Sturze desw m Sesamfeste schwelgenden und prassenden Baohw niers. Ein kraftvoll geführter Chorsatz läuft in eine kunstvoll geführte'Fuge mit reich figuriertem Thema ans. Ein Preischor des jüdischen Volkes setzt unter diese Episode den Schlußstrich. Jetzt tritt alich der Frevler Belsazar mit seiner leichtmütigen, die Freuden des Festes feiernden Arie hervor. Der Mutter Warnung läßt er unbeachtet, vlelnlehr schändet er mit Hohn die heiligen Gefäße, die „sein siegreicher 2(1)11 geraubt im Heiligtum Jerusalems". Zwei sechsstnnmige Chore der Juden, diesen Akt beschließend. bemühen sich vergeblich, dem Lästerer daS Getviffen zu schärfen. Der zweite Akt bringt nun das schnelle uild siegreiche Vordringen des Belagerers CyruS und den Höhepunkt der Ereignisse, ihre eigentliche Peripetie: das Erscheinen der geheimnisvoll warnendell Schrift. Eill frelldig erregter Perserchvr beobachtet, „lvie so schnell der Euphrat flieht" (dessen ,Flußbett abgegraben ist). „Offen liegt nun die Kölligstadt", Cyrus stellt eS mit Genugtuung vor seinen Freunden fest, es bleibt „em wehrlos Volk im Nallsch lmd in Berwirrlmg". Energieyoll ermuntert jetzt der Perserchor zur eiltscheidenden Tat. Aber noch feiern die Babhlollier ahnungslos ihr Sesamfest. Auch Belsazars trunkene, übernlütig kolvratlrrgeschnlückte Arie atmet noch volle Zuversicht. Da. plötzlich — ein Stocken, ein leises in den vereinsamten Violinen; die göttliche Ttzarrilmg. Belsazar bringt bei ihrem Arrblick zlinächst nur ein ersticktes „Ha!" hervor. Mit den schlichtesten und gering, sten musikalischen Mitteln ist hier, die Kontrast- Wirkung nutzend, ein unvergeßliches Eindrucksmoment erzielt. Erregt lnld verlvirrt fragt der Babylonier-Chor: „Wer ist der Gott, der uns verdirbt?" und ruft um Hilfe für den lunsinkenden Belsazar. Stammelnd deutet der Köllig auf die Wunderschrift. ■ Der König hat sich ermannt, sein Rezitativ fordert die Wersen und Zauberer zur Deutung des Wunders auf. Aber der dreistimmige Magierchor mit schien mystischen Harnwnien weiß keinen Rat, mögen mich die baby- Ionischen Festgäste dieses Mißgeschick noch so sehr im Chore beklagen. Nitocris werft• auf Daniel, er wird die Schrift deuten. Uild er deutet fie in schrecklicher Bestimmtheit. Am Schluffe erklärt er jene Nätselwo-cte: mene, tekel, upharsin, ein jedes nachdrucksvoll auf einer langen mclrsmatischen Figlrr im Adagio ausbrcitend. Nitocris. die sorgenvolle Mutter, versucht noch einmal die verstockte Seele des Sohnes in einer mild-wehinütigen Arie aufzuwecken. Im dritten Akt erfüllt sich sehr schnell Babylons Geschick, uild Juda steigt, befreit durch Cyrrrs' Sieg, 311 neuem Glanz. Nitocris Arie zlveifelt noch an dem Schicksal des Sohnes, ob er bererren oder blutig llntergehen wird. Aber schon meldet ein Bote die Einnahme der offenen Burg durch die Perser. Die Juden triumphieren in eiilem kurzen, motivisch scharf gemeißelten, fugierten Chorsatze („Baal sank dahin, Nebo stürzte"); ihm folgt eine kriegerische Musik im schmetternden d-dnr. Und in derselben Siegestonart stellt Cyrus' Arie ernste Betrachtungen über die Vergänglichfeit eines großen Reiches an, das vor dem Tode zerbricht. In einem Duett mit Nitocris nimmt der edle Sieger die Diutter seines Feindes nicht als Untertan, sondern als seine elgene, zweite Mutter an. Daniel meldet Cyrus nunmehr die Vorverkündung der heiligen Schrift, deren zweiter- Teil ihm noch zu erfüllen bleibt: nämlich dem Volke Israel Stadt und Tempel zu erneuern, Jerusalem wieder aufzubauen. Ein großer Preis-Chor, — traditionell am Schluffe Händelscher Oratorien — fügt dem großartigen oratorischen Gebäude in reichster motivischer und kvntrapunktischer Entfaltung den machtvollen Schlußstein an. „Oie Brettlstudenfcen“ Als „Die Brettlstudenten" haben sich einige Künstler zusammengeschlossen, um „Kunst ulid Humor" zu vermitteln. Das erste Programm. das bei einer geschlossenen Veranstaltung im Berliner Schubert-Saal gezeigt wurde, brachte unter dem Namen „So ein Theater!" Kunterbunte Spiele - (zusammcngestellt und konferiert von Heinz Ganther, Regie: Max Frensdorf. musikalische Leitung: Fritz Prager), eine Reihe erfreulich pointenreicher Sketfchs. die flott heruntergespielt wurden. Die Schauspielerinnen Else Posen, Monica Herrnfeld. Erna M a h tz r e und vor allem Martin K e 11 net, Erich Conradi. Heinz Ganther, Hans L ü p s ch ü tz und Artur 'Zander konnten mit dem Beifall außerordentlich zufrieden sein. Man merkte das künstlerische Wollen, mit dem die kleine Gesellsckiaft am Werk ist und wünscht ihr vollere Abende.- - JhE.- £ 'Vy t a an! f Ludwig Hardt Für die C.-U.-Zeitimg gezeichnet von Margarete Nchemias Ludwig Hardt veranstaltet anläßlich seines 30jährigen Auftretens zwei Jubiläumsabende im Logenhaus, .ttleiststraße 10:' 10. Februar, 20 Uhr 30 Min.: „Vom Humor der Juden". 17. Februar. 20 Uhr 30 31!in.: „Theater, Varitzte, Konzert und Zirkus in Dichtungen, Kritiken, Anekdoten und Späßen". Dazu Schaufpieler-PorträtS. (Näheres siehe Juserat.) ommiimninmiiimnmimiiiiiimiEiiniiinminniniiüiinnmimimu Die Atelierbesichtigung bei Meta Tohn-Hendel / findet aus technischen Gründen nicht am 10. Februar, sondern erst am Sonntag, 17. März, statt. Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. 11. Februar. 20 Uhr: Dr. Ch. Ahlbeck: „Der ideale jüdische Staat und seine Gesetzgebung". ' Fm Hause der Lehranstalt, Artilleriestraße 14.

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