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Central-Verein-Zeitung · 1935-01-31 · 5 (31.1.1935) · page 20

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
5 (31.1.1935)
Date
1935-01-31
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Hebet daS Thema „Bisittarck und die Inden" cntlialtcn die soeben (Berlin, Mittler. 1935) erschienenen ..Erinnerungen und Denkwürdigkeiten" des Grafen Hngv Lerc!,enfeld-.nvefering (18-Jbis I!>-5), des langjährigen hahcrischcn Gesandten in Berlin, einige bemerkenswerte Angaben. Lcrchcnfcld schreibt (S. 253 f.): ..Leine Feinde haben dem Fürsten (Bi?, marck) oft Geldgier vvrgewvrfcn. Man hat sogar ansgostrcut. das; er durch Börsenspiel unermeßliche Neichtinner ansammle. und znm Berveis dafür seine Beziehungen zn Inden wie dem Banlier Bleiehröber angeführt. Alle diese Vorwürfe haben sich als? llmvahrheiten eriviesen. Im Verhältnis zu dem großen Landbesitz. der dem Fürsten ans Dotationen zngckvnnnen ist, hat er bei seinen; Tode kein übermäßiges Kapi» talvermögen hinterlafsen. Was aber seine Stellung zn den Inden betrifft, so möchte ich sie als die des normalen Germanen bezeichnen, der nicht geradezu Antisemit ist. Das Wesen der jüdischen Nasse war dem Fürsten unsympathisch, aber er erkannte den Fleiß und die Brauchbarkeit ihrer Angehörigen an. benützte Inden. N'enn sie etwas leisteten. und hielt sie im allgemeinen für ein nicht wohl zu entbehrendes Element im wirtschaftlichen Leben der Ration." Bon Bismarcks Beziehungen zu seinem Bankier Bleichröder sagt Lerchenfeld, sie seien ans die Dienste znrüekznsühren. die Bleichröder bei der Abwicklung der französischen Kriegsentschädigung geleistet hatte. Seitdem sei er von Bismarck und anderen Mitgliedern der Negierung in staatlichen Finanzfragen häufig zu 'Hute gezogen worden, ledvch lucht allein, sondern, neben aiideren Finanzgrößen. Wenn dem Fürsten in einer finanzpolitischen Frage der Rat eine» Bankiers nicht gepaßt habe, so habe er sich nicht darum gekümmert. AlS Beispiel ivird angeführt, daß Bisniarck im Jahre 1887 gegen Bleichröders Protest die russischen Papiere vom Lvinbard an den deutschen Börsen anssehloß. Kritiken über seine Beziehungen zn Bleichröder habe Bismarck mit dem Ausspruch begegnet: ..Jeder. pommerische Gutsbesitzer hat zu allen Zeiten einen Hausjuden gehabt. Ich bin pommerischer Gutsbesitzer und habe den Bleichröder." In diesem Zusammenhang erzählt Lerchcnseld die folgende Anekdote: „AlS eines Tages Bleichrödcr eine etwas unwahrscheinliche Aenßcrnng einem englischen Diplomaten gegenüber gemacht hatte, die den Weg in daS Foreign Office in London gefunden und dort Bedenken erregt hatte, erhielt Botschafter Lord Ampthill den Auftrag. Bismarck zu fragen, ob Blcichröder im allgemeinen als Politisch gut unterrichtet zu betrachten sei. Die Antwort Bismarcks lautete: ..Ist tt Ihnen bckauut, daß Bleichröder mein Privat- In dcu letzten Wochen sind in der jüdischen Presse Acnßcrnngen über den Bund Deutsch- Jüdischer Jugend erschienen, die Außenstehenden ein falsches Bild vom Bund zu geben geeignet sind. Eine eingehende Zurückweisung kann ans Raumgründen erst in der nächsten „Seite der Jugend" erscheinen. Vorerst sei das Folgende sestgestkllt: 1. In der „Jüdischen Rundschau" vom 18. Dezember schrieb Erlist S i m o u : Allerdings umß eiusel>ränkeud gesagt werden. daß Kellermann mit seiilem ' Bekenntnis ivohl kaum alle Gruppen innerhalb dcS Bundes deutschjüdischer Jugend" wirklich reprä- sentiert, vor allem wohl nicht den ehemaligen „Ring", der zwar organisatorisch im „Bund" anfgegangen ist. dessen Atcnschen ihre viel stärker jüdisch-gelwndcne .Haltung aber kaum gewandelt haben dürften. Bielleicht wollten sie auch nicht in eiilem Hefte znm Wort kommen, das unter der Aegide des Bortrupp-Bcrlags steht. Ernst Simon verkennt die Situation. Der Bund ist kein Dachverband und mit seiner Gründung haben alle Bünde, die zu ihm stießen, u n d damit ft u d) der ,.R i n g", ihre Sonderuristenz ansgcgebcn, Selbstverständlich gibt cs im „Blind" über alle Fragen Erörtcrnngeil. Ter Blind verzichtet belvllßt auf eille Einförmigreit, wo sic die fruchtbare Diskussion hindern könnte. Aber er wehrt sich aufs entschiedenste dagegen, daß in die Diskussion von der anderen Seite eingegrifscn wird, und damit längst nicht mehr bestehende alte Gegensätzlichkeiten erneut l»crausbcschworcn werden. 2. DaS Berliner „Genlcindcblatt" vom 27. Januar schreibt: Es scheint aber, daß der Gegensatz nicht mehr unvermindert besteht, denn während die Koben 5ie, wenn Sie bei ihren kinkaufen unsere Inserenten bevorzugen vermögen verwaltet? Wenn ja, glauben Cie, daß . ich den Mann schlecht lmterrichte?" In beit „Erinnerungen und Denkwürdigkeiten" ' (S. 862) ist auch der bei Bismarcks Entlassung auf Grund der eigenen Mittcikllngen des Kanzlers erstattete Gesandtschaftsbericht Lerchenfelds über die entscheidende Unterredung Wilhelms II. mit Bismarck abgcdruckt. Danach habe der Fürst ans die Bemerkung des .Kaisers, daß der Abgeordnete Windthorst die Audienz beim Reichskanzler dlirch Blcichröders Bernlittlung verlangt habe, erwidert, daß Bleichrvder sein Bankier sei, und daß er überhaupt Juden für einen nützlichen Teil der menschlichen Gesellschaft halte, dlirch welche er schon ganz anders wichtige Geschäfte, auchbei fremden Kabinetten, mit Erfolg gcrnacht habe. Daß Graf Lerchenseld selbst liicht etwa judeufreundlich ist. kann den Wert dieser Mitteilungen nur erhöherl. Abgeseheil von der am Eingang lviedergegebcneil Stelle, tritt Lercheilfelds Haltung in der Iudenfrage in feinen „Erinnernngen und Denkwürdigkeiten" auch sonst gelegentlich hervor, lieber Frau von Lebten, die Freundin des Herrn von Holstein, äußert er (Seite 371): „Ich habe die Dame auch gekannt, mich aber immer voll ihr zurückgchalten, weil mir ihr Wesen nicht bchagte. Sie hatte jüdisches Bliit und verleugnetc ihre jüdische Art keineswegs." Auch das Bild, das Lerchcnseld (S. 260 f) von Eduard Laster cntlvirft. den Bismarck „gründlich gehaßt" habe, ist nicht gerade freundlich gezeichnet. Hier finden sich sogar offenkundige Unrichtigleitcn. So wird die alte Unwahrheit ailsgelvärmt, Laster habe bei der Diskllssivn über eille Abänderung der Gewerbeordnung die Hausierer als „die Edelsten der Ration" bezeichnet. In Wirklichkeit hat Laskcr bei dieser Gelegenheit in der Sitzung des Reichstags vom 5. Mai. 1882 unter Berufung auf eine Arbeit des württembergischen Politikers Moritz Mvhl ausgcsührt, „daß jede Beschädigung des .Hansicrgewerbes gleichbedeutend sei mit der Beschädigung tüchtiger Kräfte der Ration" (Reichstag 1882/83, Stenographische Berichte, Bd. I, S. 19). Man kann auch gcrechterweise nicht behailptcn, Laster habe durch die ohne Rennlmg seines Namens veröffentlichten alltvbiographischen Aufzeichnmlgen „Erlebnisse (nicht, wie Lerchenseld schreibt: Bekenntnisse) einer Mannesseele", „den Gipfel der Lächerlichkeit erklvinnien". Wer die Schrift kennt (deren vom Herausgeber Berthvld Auerbach stamuleudcr Titel nicht glücklich gewählt sein mag), wird ein solches Urteil nicht fällen. Rach dieser Einleitung wiegen aber die folgenden Worte Lcrchcnfclds über Laster besonders schlver: „Er besaß Mut, war persönlich absolut integer und ein guter Iilrist, als welcher er bei dem Alisban des Rcrchsrcchts sehr erfolgreich mitgearbeitet hat." I)r. 6. L. Redner der älteren Jahrgänge d",c Jugend zur Mitarbeit anfricsen, forderte Günther Friedländer namens der Jugend von den Erwachsenen Hilfe durch Zurverfügungstellung von Führerpersöillichkeitcii, weil die Jugend nicht , mehr imstande sei, eille genügend große Zahl führender Menschen aus sich heraus zu stellen. Ter Berichterstatter des Gemeindeblattes hat hier etwas Wesentliches falsch verstanden. Ich habe gesagt, daß es nicht ginge, die Beantwortung bedeutsamer Fragen der Erwachseileugcuerativu mit devl Satz „hier fällt den Bünden eine Aufgabe zu" vorzunehmeu. Die Bünde hätten in deil letzten zwei Jahren ungeheure Aufgaben bewältigt. Dlirch die neue Bernssstrnktnr des deutschen IiidcutllmS. durch die Abwanderung vieler Achtzehn, und Zwanzigjähriger und die Berdoppeluug der Mitgliederzahl der jüdischen Bunde sei andererseits ein erheblicher Führerulangel eiugetretcu. Es entstehe also die Aufgabe für die Erwachsenengencrationen in Fragen der Bildungsarbeit helfend cinzugrcifell, weil bei den ungehcureu pädagogischen und organisatorischen Aufgal>cu den Führern nicht mehr die Zeit für die Zusammenstellung guten Materials bleibt/ 3. Das Gemciudeblatt schreibt ferner: Tnmit freilich ist schlecht die Forderllug von .Heinz Kcllermailil in Einklallg zu bringen, der Jugend iilsbesvuderc in der Gemeinde Berlin mehr Aemter unb Funktionen zli überlassen. Hätte ein Bcrtrcter der Berliner Gemeindever- N'altung auf dieser Tagung gesprochen, daun hätte er sageil müssen, daß cs der Berliner Gemeinde niemals an Willen gefehlt hat. der Jugend jeden Platz einzuränmen, den sie auszufüllcu fähig ist. Tie Jugend muß verstehen, das; in der Arbeit einer Gemeindeverwaltung praktische Kenntnisse und Fähigkeiten besser verwertbar sind, als noch so bedeutende theoretische Begabungen. Aull) in diesem Punkt ist der Berichterstatter des „Gemeindcblattes" allscheinend nicht ganz mitgekomnlen. Tie Aeußcrnngen Heinz Kellermailns lxwührtcn an dieser Stelle völlig andere Fragen. Er sprach nicht nur über die Führcrfrage, sondern vor allem über die älteren Menschen deS Bundes, die mitunter für die Führung von Iüngcrengrllppcn ans Grund ihres Alters nicht mehr in Frage koilunen. Diese Menschen wünscheu ihre Aktivität.in den Dienst der jüdischen Gemeinden zu stellen. Eine Gegensätzlichkeit zwischen Heinz Kellermann und meinen Ausführungen festzustellen, entbehrt jeder Grundlage. Günter- Fricdliindcr. , FUhrertagung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine in Hessen. Am 6. Januar fand in Mainz eine Führertagnng der Bünde des Hessen- Rassauischell Landesverbandes im Jüdischen Jugendverband statt. Die seither dreiköpfige Landesvcrbandsleitung wurde durch Zuwahl von Erna Stern (Kiedrich) und Hellmuth Strauß (Frankfurt) aus 5 Personen erweitert. Am Nachmittag nah,neu die Tagungsteilnehmer an einer Landgemeindenveranstaltung des Jüdischen Jugendbundes Mainz teil, bei der Rabbiner Dr. Lemle Über die „Propheten" spracht LeZ Merk ü5st ElsiKMiLLs' Kamst um die 8dre Im Rahnlen der Bortragsrcihe. die die Lehranstalt für die Wisscusck)ast des Indentums Maililoilidcs widmet, sprach Rabbiner Tr. Leo B a eck über des Philosophen „Karnpf um die Idee". Große Deulcr. so führte er alls, scheinen sich in ihrem Werk oft zli wiederholen, lveil sie eine Idee gefunden haben, die sic in Autlvort und erneuter Frage llicht «lehr losläßt. Maimonides lvar ein Mensch des Mittelalters. der den Genius dieses Zeitalters, das „Bauen", in sich trug. Er kämpfte um die Idee der Einheit von Gott her, die das Weltgnnze einheitlich umschließt. Es gab darum für ihn keine „doppelte Wahrheit", keine „zwiefache Erkenntnis". Beides, göttliche Offenbarung u,ld wissenschaftliche Einsicht waren ihm eines von vornherein, aus Prinzip, und nicht als Ergebnis der Betrachtung beider. Religion uild Philosophie waren Ausdruckssormen des Eiilcn und Gleichen, verschieden nur nach Atethode und Forschungssorm. Deshalb g»bt Maimonidcs zwiefache Exegese. Exegese der Bibel und Exegese von Welt und Natur, weil beides der einen Wahrheit entsprang, und was er ans beiden, rational und irrational, crlannte und erfuhr, war identisch. So gab er der Philosophie religiösen Charakter lind der Religion philosophischen. Er kannte den Gegensatz von Offenbarung nild Wissenschaft. Glaube uild Erkenntllis nicht, llur Unterschiede der Stufe nnb des Grades. Das zeigt sich vor. allem ill Maimonides' Bejahung der ueuplatouischen Lehre voll der „Erliauativil". von denl Ueberströuleu Gottes aus seiner Wesellsfülle zur Welt hin. Weil aber der Gott, der; Atariilouides in sich trug, ein!>ersöillieher Gott war. eine göttliche Persönlichkeit, o lvar die voll ihnl ansgehcndc Cfmanation ein sreichvpfcrischcr Akt. Ging mit allen Weltkreisen auch der Meilsch lmd seine Erkeimtnis ans ihm hervor, so stand cs ihm frei, ihr Grenzen zu setzell, dem Atcnschen die Einsicht in lnanche Tinge agnostisch vorznenthalteil. Darum ist die Lehre von der Prophetie für Ataimorndes eine Stnfcnlehre, lveil hier Begnadeten — vor allem Moses — die Möglichkeit einzigartiger Erkenntnis voll Gott einzeräumt war. Darum auch ist für Ataimonides das Gebet ein psychologischer Vorgang, irr ivelchcin sich die Seele dein obersten Iiitellekt Gottes erschließt. Vorsehling ist das Walten des Gottcsgesetzes in der Unverbrüchlichkeit, in die es meilschliche Einsicht ilicht nlchr gibt, und Ethik das .Hingelangen des Aceilschen über das Zufällige des Geschehens hi-laus zu der Beständigkeit des Natürlichen in der Welt und ein Handeln seinem Gesetze gemäß. TaS Einzelne der mainlonidlschen Lchreil vermag in Bclveitzsühruilg und Ergebnis heute nicht rilehr zu uns zu spreck>eu. Aber die Idee spricht zu uns, die Idee der Einheit, die eine geschicl>tliche ist im Judentum. Denn das Judentum gründet sich aus einem zur Einheit strebenden Borgaug. mif das Eiiltreteu des Götttichcil, Uuclldlichcn und Ewigeil in das Irdische, Menschliche, Endliche und Begrenzte. Ataimonides hat diese Einheit geschaut und durchgedacht bis zirr letzten Konsequenz und damit zur Besinnung auf den Grundgedanken des Judentunls anfgerufeu. Sein Kamps ist darin,l auch von uns gefordert. Teiln Einheit ist den Juden ausgcgebeu als Forderring helite lvie immer, (5-inIjeit, die zustrebt ans die schaffende, lvaltcnde Atacht des einen Gottes. _ K.J.R, j EtMonsMliZ der BM Die Berliner Zionistische Bereinigung veranstaltete am vcrgarlgcnen Sonntag ihre dritte Stadtkonfererrz. Dr. Georg L a n d a u e r, der gegenwärtig in Deutschland weilende Leiter des Ierllsa- Icnler Amtes für die Ansicdlung deutscher Juden, bescl)ästigtc sich zunächst mit den großer, Zusammenhängen der zionistischen Politik und kain, nach einer nnssührlichen Darstellung der gegenwärtigen Situation Palästinas,'dessen Ausbau nur durch friedliche Atittel, durch die Kooperation mit der britischen Akaudatsregieruug und durch Erlverb geschlossener Bodcnkomplexe, die die Rcibungssläche mit den Arabern vernlindern, zn belverlstclligen sei. zn dein Ergebnis, daß der Zivnislnns ein eigentümlicherlvcise rein außenpolitisch ausgcrichtctes Programm habe; keine inilerjüdische Zielsetzung hätte die Einheit der Agerrch Herstellen können, rn der Zionisten nnb Riehtzionistell. Orthodoxe und Areligiöse, Arbeitgeber und Arbeitneljincr zusanunenarbeiten. Er erhob daher die Forderung nach letzter Einheitlichkeit der zionistischen Außenpolitik, der sich die mncrzivnistische Auseinandersetzung um der gemeinsamen Zielsetzung willen bedingungslos einzuordnen habe; keine zionistische Gruppe dürfe mit Sonderaktioncu nnb Herrsche,ftsansprüchen alistreten. Mit dieser rein taktisch-politischen Begründung kam Landaller zu einer Stellungnahme gegenüber dem RcvisioiliSlims, dein der Kampf um des Prinzipes willen gelten müsse, wenn er die Disziplin gegenüber den nationalen Instanzen verletze. Bon einem Versuch, darüber hinauf die Haltung des allgemeinen Zionismus gegenüber den Revisionisten auch geistig uild aus jüdischer Motivitiou zu unterbauen, war nichts zu spüren. Auch die Distussivilsrcdner erschöpften sich in eilrem auffällig unsicheren Hin und Her über die Atethodik des Kampfes mit den Revisionisten. Während hier schließlich die Stimmen die Oberhand gewannen, die ans Vermeidung des „Bruderkanlpfes" drangen, lvo er vermeidbar sei. beschloß man in, gleichen Aternzuge, „der Assimilation und den Liberalen" dcu Kampf anzusagen. Wenn Landauer, der das letzte Jahr der deutschjüdischen Entwicklung von Palästina aus mitangcsehen hat, diese Forderung stark unterstrich, so ist hier die Tendenz wie die belvußte Abfälligkeit der Terminologie weniger bedauerlich, als wenn verantwortlich lvirkeude, in Deutschland lebende Zionisten sich solche rcdensartlichcn Formulierungen zu eigen machen — so als ob sie die starke und echte Bewegung , der deutschjüdischen Gruppe und ihre geschichtliche und religiöse Besinnung einfach nicht sähen. Der Mangel an Wirklichkeitsgefühl, der sich hier zeigt, kam auch in den: Rachmittagsreferat von S. T s ch e r t o? zum Ausdruck, der ein ^Alijah-Regime für die Galuth" forderte, also eine rein palästinozentrische Orientierung der jüdischen Arbeit. Es scheint, als ob der Berliner Zionismus, dessen Blick auf ein sehr fernes Ziel gerichtet ist. und der dieses Ziel überaus optimistisch betrachtet, das.Augenmaß für das Naheliegende zu verlieren beginnt. Das gab dieser viel in nüchternen Zahlen spreck^enden Stadtkonferenz den Anschein des Unwirklichen und Weltfremden, das ließ sie letztlich auch für den innerjüdischen ,)8rudcrkompf", zu dem ja wohl auch die Auseinandersetzung rnrt der „Assimilation" gchört. den Maßstav verlieren. Fusspfiege-System hat Mil,ol u. Behelfe cosr. al'.o Fincbenohwordon. Nachwois der nächsten Verkaulsctolle durch DEUTSCHE SCHOLL WERKE Gjti.bJI. Frankfurt a. M., Süd 111. Eine iiiriiSe Familie im brrgiichrn Land Am 7. Februar d. I. vollendet Herr Leser Levi in völliger körperlicher Frische sein 90. Lebensjahr. In der Kricgszcit stnrb seine Frau, während seine vier Söhne im fyelbe waren. Sein Lnlel ha^ an den Freiheitskriegen 181-3 und 1615 teilgenommen und bekam dafür zlvei "Auszeichnungen von dem König von Preußen, die noch im Besitz der Familie sind. Er starb. 97 Jahre alt, als letzter Veteran in der Rheinprovinz. Verschiedentlich war er der East des alten Kaisers Wilhelm I. bei dessen Besuch aus der Billa Hügel bei Werden a. d. Ruhr. Drei Brüder des Geburtstagskindes zogen 1866 llnd 1870 ins Feld. Einer siel 1866 bei Helmstädt, ein anderer Bruder starb an den Folgen der Belagerung von Metz, während der dritte als Gardcsvldat bei St. Privat verwundet lvurde. — Alle vier Sohne des Jubilars erfüllten ihren Kriegsdienst an der Front im Weltkrieg 1914 bis 1918 und erhiellen dafür KricgSauszeichnlmgell. Ter einzige Enkel starb schon in den ersten Wochen des "August 1914 den Heldentod. Wir wünschen dem Neunzigjährigen noch einen langen Lebensabend in seiner jetzigen Rüstigkeit. Ncvsesser Wilhclm Wechselmonn 75 Fahre alt Unter den Praktikern aus dein Gebiete der Hautkraukhcitcn nimmt Professor Wilhelm Wechselmann, der sein 75. Lebensjahr vollendet, einen hervorragenden Platz ein. Am 31. Januar 1860 in Ratibvr geboren, widmete sich Wcchselmann nach Absolvierung seiner Studien in Würzburg. Leipzig und Atüuchcn speziell der Chirurgie und war als Assistent im Stadt.> krankcnhaus Schwerin i. Meckl. in der Nostocker Univcrsitätstliilik und Dresdener Frauenklinik tätig. Er ließ sich dann als praktischer Arzt in Schwerin und Berlin nieder und wandte sich unter dem Einflüsse Köbners, als dessen Assistent er eine Zcitlang beschäftigt war. ganz der Dermatologie zu. die nunmehr sein liuciugcschräuktcs Interesse in Anspruch nahm. 1904 wurde Wech- . sclmauu znm Leiter der Geschlechtskranleustativu im Städtiscchcu Obdach und zlvei Jahre später zum Direktor ocr dcrmatologiicheu Abteilung im Rudolf-Bircholv-Krankeilhans ernannt, wo er bis 1925 eine erfolgreiche Wirksamkeit entfaltete. Unter seinen wisienschastlick)cn Arbeiten verdient' ein zweibändiges Wert über die Behandlung nnt Ehrlich-Hata. das nncfj in fremde Sprachen übersetzt wurde, besondere Hervorhebung. Kassenarztverzeichnisse. In der Nr. '4 bom 26. Iainrar des „Deutschen Aerzteblattes" hat bet Herr Neichsarbeitsminister in der Frage der getrennten Kasseuarztverzeichnisse sich dahingehend geäußert, daß zwar gegen die Ausstellung von .Kassenarztverzeichnlsscu getrennt nach Ariern und Nichtariern für den Tienstgilbrauch. der Krankenkasseu keine Bedenken bestehen, es aber als unzulässig bezeichnet, diese getrennten Kassenarztverzeichnisse in den Diensträumen der Krankenkasse auszuhändigen. n Berlin: 5. Februar, 20 Uhr 30 Min.: Cimaaogen.Pereiii Raifev- (trafK Rabbiner Dr. lZreiinann: „Maunattibeall i^esekeslelirer." Aula ber Knabenschule ttailcrslras;e 7. Februar. 20 Uhr: Lcrcitt iüc jüdische (Seschid)ie und Literatur. Professor Dr. Martin Buber: „Die Mächtigkeit des (Seistcs." Logenhan-r. RIciststraße JO. 10. Februar, 20 Uhr 30 Min.: üubtutß Hardt: „Vom Humor der Juden", Logenhans, Klcistftrahc 10. 13. Februar. 20 Uhr IS Min.: Iitdischc Altcrshilfe. Prof. Dr. Martin Buber: „Wie kaun man Menschen bclfen?" Lonrnhaua, Nleiststragc 10. Frankfurt a. M.: 4. Februar. 20 Uhr 30 Min.: lhesellschast fi!r jitdische Bolksbildui>,u Rabbiner Dr. Paul Lazarus (Wie-- baden): „Asien und Europa, die Sdiicksalsbepegnunfleit der Juden". Vcrciushaus, Eschershenncr Landstraße 27. Breslau: 3. Februar. 20 Uhr 13 Min.: Hauskonzert. Elise Szovhäsn kBiolinc). Elfridc Breslauer (Viola). Mirjam Lcwin (VtolouceUo), Lotte Schoeps-Roklosiuski (Klauicr). Bet Dr. Frcpha». Kaiser.Wilhelm.Straße 82. I. Februar, 20 Uhr: 2dtchl)andltinq Hichtcnstcin. Beelhoven- Abend. Joseph Schwarz (Nlavier), Boris Schwarz (Violine). Lessing-Saal. Die Leipzig-Loge veranstoUct am Sonntag, den 3. Atärz. 20.30 Uhr, eine Meßsoudersihung und ladet diejenigen Mcßdcsiichcr, die Logenbrüder sind ,dazu ein. Febr. 1935 Sehe weit 5695 2. Sonnabend 3. Sonntag 29. Wochenabschnitt: Mischpotim 2. B. M. 21—24 Haftara Jcr. 34,8-22 Neumondsweihe 30. 1. Tag Rausch Chaudesch Adar Rischon 5695 4. Montag 9. Sonnabend 16. Sonnabend 17. Sonntag 18. Montag 23. Sonnabend 1- 2. Tag Rausch Chaudesch 6. Wochenabschnitt: Truraoh 2. B. M. 25-27,19 Haftara 1 Kön. 5,ie—6,33; 13. Wochenabschnitt: Tezaweh 2. B. M. 27,20—30,io Haftara Ez. 43,10-27 M. Purim Kotori 15. Schuschan Purim Koton 20. Wochenabschnitt: KI Ssisso 2. B. M..30,ii-34 Haftara 1 Kön. 18,1-3«. t

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