Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 5 (31.1.1935)
- Date
- 1935-01-31
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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C.-V.-Zeitung / 2. Beiblatt Nr. 5 „Das, was geschieht, hat einen solchen Vorsprung vor unserra Meinen, dass wir's niemals einholen und nie erfahren, wie es wirklich aussah.“ (Rilke*) Die Insel, der Schauplatz der erregenden Ereignisse, über die unsere Erzählung berichtet, war etwa drei Tagereisen vom festen Land entfernt. Das ist in unserer Zeit, in der die Insel :ti staatliche Verwaltung übernommen und damit einer regelmässigen Schiffsverbindung teilhat'tig geworden ist, keine grosse Entfernung. Aber vor hundert Jahren war sie — und mit ihr eine ganze Reihe kleinerer durch zahlreiche Korallenriffe schwer zugänglicher Inseln, die sie umgaben — noch von keines Menschen Kuss betreten worden; sie lag abseits von den befahrenen Wegen und war auf den wenigsten damals vorhandenen Landkarten überhaupt eingezeichnet. Erst im Jahre achtzehnbundertdreiunddreissig hatten elf Bauern, denen die Heimat zu e.ng geworden war, bei einer Fahrt, die ursprünglich viel weiter führen sollte, an ihrer blühenden Buntheit Gefallen gefunden , und sio in Besitz genommen. Neunhuudcrtunddreissig Morgen wurden nach ungefähren Massen geteilt, jeder halte’1 das Land, das ihm zufiel, urbar zu machen und nach genau überlieferten Gesetzen zu bebauen. Die Arbeit, die mit wenigen Geräten .in einem ungewohnten Klima durch- geführt wurde, war hart und voller Mühe. Aus der Heimat kam keine Hilfe: auch jetzt, nach der Besiedelung, hielt nur ein Bostdampfer, der in der Ferne vor überfuhr, eine lockere Beziehung zum Festland aufrecht Es dauerte länge, bis sich das Bild der Insel veränderte, bis die wilden, zum Teil schon subtropischen Pflanzen gerodet, der Boden umgegraben und. 1 »esteilt war. Viele Jahre hindurch begnügten sich die Bauern mit den kärglichsten Notwendigkeiten des Lebens: sie wohnten in einem Gemeiuschaftsbaus und führten Tag für Tag von neuem den Kampf gegen das wuchernde Unkraut, das Korn und Kartoffeln nicht hochkonmion lassen wollte. Allmählich wurden sie Herren der Insel. Zwischen den steif zum Meer bin abfallenden Felsen im Norden und der flachen sandigen Südküste dehnten sich weile Kornfelder, saubere Wege zogen sich einer über das Land, aus den gerodeten Stämmen wurden feste Häuser errichtet: die erste, uns überkommene Zeichnung zeigt, dass das Dorf ohne Plan und Mass angelegt, doch den Dörfern der alten Heimat glich, von der die heute auf der Insel Lebenden mfr ein blasses, von der Härte der vergangenen Jahre verdecktes Bild bewahren. Die Häuser duckten sich fest an die Erde, Scbeuneu und Ställe standen dicht am Haus. Dag Leben wuchs langsam iu geregelte Bahnen. Sommer und Winter vergingen, Kinder kamen zur We.lt, es gab keinen Arzt, aber auch keine Krankheit auf der Insel, die nicht von der Sonne und vom Wind gebeilt wurde. Im siebenten Jahre starb ein Bauer, der auf dem Felsen ausgeglitteii und ins Wasser gestürzt war. Das Meer gab ihn nicht wieder, der Hof blieb verwaist, die Mutter bewahrte ihn für deu Sohn, der eben vier Jahre alt war. Die Kinder wurden gross, niemand beschäftigte sich mit ihnen, erst Viel später dachte mau an die Errichtung einer Schule. Der Ertrag der Insel wuchs in jedem Jahre, die Männer halten einander, ohne viel Aufhebens davon zu machen, es gab nur eine grosse Sorge: das Meer. Ohne Anfang und ohne Ende rauschten die Bäume im Wind, spiegelglatt und schimmernd lockte das Wasser am Morgen, aber es gab Nächte, in denen sich die federnden Leiber der Bäume unter der Gewalt des Sturmes tief zur Erde bo"en. Dann zitterte das trockene Holz der Häuser, die Bauern kamen zueinander und horchten hinaus, bis die Lampe ausging und das ersle graue Licht in die Fenster fiel. Es gab wenig Abwechslung, und die Arbeit war schwer. Aber es gab niemals Zank und Streit: ,das unruhige Meer hielt die Männer zusammen. Im Jahre acbtzebnhundertzweiundffmfzig, also neunzehn Jahre, nachdem sich die Bauern auf der Insel angesiedelt hatten, trat ein Ereignis ein, das ihnen wohl Aufregung und auch Sorge verursachte, von dem aber niemand a © w issen oder vermuten können, es könnte, m einer merkwürdigen und verworrenen Entwic - lung, der Anstoss zu jenem wilden Aufstand der Bauern werden, der weit über die Grenzen ■ Insel von sich reden machte. I* ™rde <damals ein Schiffbrüchiger, den ein Zufall vor dem Tode bewahrt hatte, an die Südküste der , verflf.blagRO. Dort lag «r lange Zeit, der Sturm und das Meer ihn wie ein Bündel hingeschleudert*hatten, am Strau . er aus tiefster Bewußtlosigkeit erwachte, du, Augen öffnete und den Himmel sah’ , strahlend, Ohne das kleinste Wölkcken,leuoktete als er die Hand hob und sich m der Bewegung wiederfand, schrie er. Drm Tag®_ ' durch hatte ihn das Leben von sich S^stnes , liegenlassen. Drei Tage hindurch waren Schiffbrudb, der Kampf um die letzte Müdigkeit^u r gelöscht, versunken gewesen, Plötzhdh brach alles über ihn herein, ‘die Helligkeit, die Bewegung und das lebendige Rauschen des Wassers: wild und unaufhaltsam gellte der Schrei über die Insel, mit dem er sich dem Leben zurückgab; die Bauern, die .ihn in ihren Häusern bürten, sahen verwundert auf, legten die Arbeit beiseite und rannten herunter zum Wasser. Bald war die Mehrzahl versammelt; aber niemand wagte, den Fremden anzuspredhen, der aus der Anspannung der ersten jähen Bewegung :cueammengebrochen war und nun, auf den Boden gekauert, stumm und starr sich zuui Meere wandte. Ein Bündel, in blaues Segeltuch verpackt, war mit Stricken an seinen Körper gebunden, fast sah es aus, als zöge es ihn zur Erde nieder. Keiner der Männer, die auf ihn heruntersahen, teilte seinen Blick, der sich dorthin wandte, wo Himmel und Meer in unermesslicher Ferne sich vereinigten; die grosse Traurigkeit des Erwachens legte sich wie ein dunkler Schleier vor die weitgeöffneten Augen, Himmel und Meer flössen ineinander, ein kurzer Krampf liess ihn fröstelnd zusnmmenfnhren, aber er weinte nicht. Es verging eine tanze Zeit, die Bauern sprachen flüsternd miteinander. Indes fiel der Körper vollends zur Erde, zwei der Umstehenden packten zu und hoben ihn auf. Sie trugen ihn, da er weder Willen noch Widerstand zeigte, in ein rasch* bereitetes Bett, wo er, ohne die zufällige Stellung zu ändern, mit schweren Atemzügen sofort wieder einschlief. In der Chronik der Insel, die über jene Zeit berichtet, wird erzählt, dass der Schiffbrüchige, als er nach langem Schlaf erwachte, vor den ältesten Bauern der Insel geführt wurde, dem, ohne Gesetz, in freier Uebereiukunft die Entscheidung in allen wichtigen Fragen übertragen war. Das Gespräch, bei dem kein dritter anwesend war, dauerte lange, der Bauer fragte; der Fremde antwortete mit der lässigen Ehrlichkeit des aus tiefstem Schlaf Geweckten: zögernd, unwillig fast, in der gefährlichen Bereitschaft, sich in die dunklen Abgründe des Traums versinken zu lassen. Er gab die Länder an, in denen er gewesen war, er nannte die Namen der Schiffe, auf denen er gearbeitet batte, der Bauer liess nicht nach, er zwang den Fremden zu immer neuer Artwort, unerbittlich reihte er die Jahre eines fremden Lebens aneinander, das in Wechsel und Unruhe abrollte, bis vor vier Tagen das letzte Schiff, der „Panther“, gegen ein Riff gelaufen und geborsten war. Viele mochten ertrunken sein, ihn hatte ein Balken, an den er sich klanlmem konnte, gerettet... Was sei sonst noch zu sagen, die Stimme brach ab, versank, Ungeheuerliches geschah, ein Mensch versuchte, Gestorbenes zu durchdringen, er saib den Bauern mit einer abwesenden Verlorenheit an, der die ungeheure Spannung der letzten Tage noch zu nahe war, als dass schon Wunsch und Entschluss, für die Zukunft hätten daraus hervorgeheu können. Es war, als sei das Licht noch zu hell, als müssten sich die Augen nach der langen Dunkelheit erst wieder an den Tag gewöhnen. Noch trug er die Dunkelheit wie eine Last mit sich herum, sie hatte das Glänzen der blauen Augen, in denen alle Weite und Grenzenlosigkeit der ewigen Meere lag, trübe und undurchsichtig gemacht. Der Bauer fühlte, wie wenig der Fremde bisher auf der Erde stand, er ahnte, dass es schwer war, alles Geschehene zu begreifen, gab ihm die Hand und Hess ihn gehen. Als sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte, nahm er ein grosses Blatt und trug Orte und Zahlen darauf ein, dazu schrieb er einen Brief, der dem nächsten Postschiff mitgegeben wurde: die Post wurde, iu einen Beutel verpackt, an dass Schiff herangebracht und befördert, ohne dass der Dampfer aubnlten musste. Man war nicht misstrauisch, aber war cs nicht recht und billig, dass man wusste, wer auf der Insel blieb? Ihm selber hätten wohl Blick und Druck der Hand genügt, aber die anderen durften fragen, weshalb man den Fremden behielt, vorläufig blieb er. Er wohnte in einer Kammer, die der Bauer Philipp für ihn hergerichtet hatte, morgens und abends brachte die Bäuerin das Essen. Sie trug es in die Stube und stellte es hin, ob sie den Fremden antraf oder nicht. Es kam vor, dass er auf dem Stuhl sass, die Hände auf den Tisch gelegt hatte, den Kopf auf den Händen, zu schlafen schien. Wenn sio dann eiutrat, richtete er sich langsam auf, sah sie aus verwunderten Augen an, die aus weiter Ferne wiederkamen, dann rannte eie ängstlich fort, fast war es ihr lieber, wenn er nicht im Zimmer war. Er war ihr gleichgültig, ganz gewiss Doch es kam vor, dass sio in ihren Träumen an ihn dachte, eine Zeitlang ging eie nur in das Zimmer, wenn sie sicher gehört . hatte, dass er zum Strand gegangen war. Später hätte sie gern mit ihm gesprochen, aber als eie fast so weit war, ihn zu fragen, begriff sieplötzlich, dass de ihm Lieberes antäte, wenn eie schweigen konnte und ihm mir jeden Morgen und jeden Abend ganz selbstverständlich sein Essen brachte. Inzwischen zerrann sein Leben. Keiner forderte etwas von ihm, jeder wartete auf das Wort des Äeltesten, der sich* an seinen Brief gebunden hielt und in der Zwischenzeit nichts zu unternehmen gedachte. Es schien zunächst, als hätte der Fremde Glück auf die Insel gebracht: die Ernte blieb gut, das Wetter brachte fröhlichen Wechsel zwischen warmen Regenfällen und strahlender Sonne. Aber dem guten Sommer folgte ein früher Herbst, die Abende wurden dunkel und schwermütig, der Himmel war oft trübe und mit gelbem Dunst bedeckt. Der Hagel fiel zwar erst, als eben das Korn eingebracht war, aber die Zeichen sahen böse aus, und die Zeichen trügten nicht In der Nacht vom 13. zum 14. September brach es los: schon am Nachmittag jagten schwere Gewitterwolken über den Himmel, in der Nacht kam ein unheimliches Heulen und Pfeifen los, es hielt die Bauern nicht in den Betten, sie holten die Windlichter, die im Stall bereitstanden, und gingen mit gebeugten Körpern durch die Dunkelheit zum Nachbarn. Nirgends war Ruhe, es war schwer, geduldig zu sein, am Tisch zu sitzen,' schwere alte Bäume ächzten und krachten später zusammen, die Fugen der Häuser dehnten sich, der Wind pfiff hindurch und blies die Lichter aus. Der Fremde aber war fort Als die Bäuerin nach oben ging, um ihm, wie den anderen, ein warmes Getränk zu bringen, sah sie, dass sein Belt unberührt war, das Abendbrot staud noch ebenso auf dem Tisch, wie sie es gebracht hatte, eilig lief sie hinunter und meldete die Neuigkeit Die Männer sahen sich ratlos an, als sie den Bericht der Frau gehört hatten. Zwar glaubten sie nicht, dass ihm etwas zugestossen sei. Indes waren sic froh, dass sie nun einen Grund hatten, aufzustehen und im Umhergehen etwas Ruhe zu finden. Sie gingen zur Tür und vor das Haus, der Sturm tobte mit gleicher Gewalt: man musste sich eng an die Mauern halten, um nicht zu Boden gedrückt zu werden, der Sturm schloss den Männern die Augen, zu dritt standen sie, mit vorgeneigten Köpfen, ob nicht ein leises Nachlassen schon zu spüren sei. Plötzlich fuhren sie zusammen: im Brausen des Sturmes war ein fremder Laut gewesen, er trug eine Menschenstimme mit herauf, sie sahen sich an, horchten gespannter, verbissener in die Dunkelheit: es war kein Zweifel, heulend und durchdringend trug der Sturm einen Schrei vom Meere heran, wild und unaufhaltsam gellte der Schrei über die Insel. Philipp packte den Arm des Nachbarn, verwirrt und erschüttert, sie wussten, dass es der gleiche Schrei war, der sie schon einmal am Strand zusammengetrieben hatte. Es gab kein Entrinnen und keinen Ausweg, mau mussto hinaus in Nacht und Dunkelheit, sie knöpften die Jacken fester und Hessen ein Wort des Abschieds zurück, dann kämpften sie sich vorwärts, ohne zu sprechen. Unterwegs trafen sie die Freunde, sie schlossen sich eng aneinander, um nicht zu fallen. Der Regen peitschte ihnen die Haut, sie achteten nicht darauf, mit schweren Schritten gingen sie der Stimme nach, die in unveränderter Kraft nun schon näher und deutlicher zu ihnen getragen wurde. Schon am frühen Nachmittag hatte der Fremde das Nahen des Sturmes gespürt, unruhig war er in der Stube auf und ab gegangen, dann war er im raschen Entschluss zu den Felsen gelaufen und hatte sieb auf die noch sonnenwarmen Steine gelegt Er fühlte, wie der Stein unter der Berührung des Windes erbebte, er sah hinunter auf das Meer, die Schaumkronen der Wellen nahmen zu; noch Hessen die Wolken über ihm einige wenige zerfetzte Stellen blauen Himmels frei, aber in der Ferne ging der Himmel grau in das Grau des Wassers über. Vögel flogen flach und schwer über ihn hinweg, fast streiften ihn die Flügel, unbeweglich, wie gelähmt lag er da, die Schwüle der Luft wurde feuchter und drückender. Es dunkelte allmählich, Meer und Strand waren kaum noch zu trennen, nur die weissen Lichter über den Wellen nahmen noch einmal das letzte, schon verbofgene Leuchten der Sonne auf. Das Brüllen der Tiere in den Ställen klang drohend herüber. Erste Regentropfen fielen, dann begann der Sturm. Noch blieb der Fremde ruhig liegen. Er fürchtete Sturm und Wetter nicht Er presste den Körper fest gegen die Erde, die auf den Steinen lag, und fühlte durch den Stein hindurch mit dem Körper den wachsenden Anprall der Wellen. Das Meer drängte gegen die Felsen, es sprapg gegen sie an, wie ein mächtiges Bollwerk lagen sie vor der Insel, grau und verwittert, und standen gegen den Aufruhr des Wassers. Es war jetzt ganz dunkel, nirgends war Licht und Sicht Nur das leise, unheimliche Zittern der Steine hielt an,. wuchs, immer wilder erbebte der Fels, regelmässig erst, dann in jähen Stössen. Der Mensch klammerte sich fester, untrennbar verband er sich mit der Erde und mit dem spärlichen Gras, schon jagten die Wellen klatschend Garben rauschenden Wassers über Ihn her, er rührte sich nicht Regungslos lag er daj ein Nichte im Toben des Wetters. Donnerstag, den 31. Januar 1935 Unverhofftes Anwehen von Ludwig Meidner Am hellen Mittag, als meine Frau die Speisen zum Mahle richtete, und ich am Mittagtisch noch vor der BTochoh in flüchtigem Sinnen durclTs Fenster in die Ferne schaute, fühl ich auf einmal als ob da draussen im Spiel der Lüfte ein leiser Fittich weht. Ist’s eines Engels Gruss, ein überweltlich Zeichen? Nein. Sinnestrug war’s, das mich schreckte — doch in mir rauscht ein glutvoll Wort, schwingt heiss hinauf in lichte Höhen — ein unaussprechlich Dankgebet löst sieb von meiner Seele. Im Stubenraum blieb alles irdisch, Teller klappern, Brotes Dult verweht. Mir aber schlägt in Brust und Schläfen ein froher Tag — am Brot und Salz will ich mich freuen. Mit meinen Händen heb’ ich Gottes gute Gabe hoch und sag es laut zum Preis dem ewigen Hüter: Ilamauzi lechem min boorez. und der See. Seine Kleider waren durchnässt, sie klebten am Körper, die Haare waren von erdiger Nässe verwühIL Die Erschütterung wuchs, ein harter Klang ging durch den Fels, es hörte sich hohler an, wenn das Wasser d.v gogtmfuhr, irgend etwas war zerbrochen, die StössR kamen jetzt drohender und leiser, und nun kam ihm zum erstenmal der Gedanke: die Insel, wenn das Wasser über die Insel kam!.., I)a lagen sie in ihren Betten und schliefen, ahnten nichts von der Gefahr, die unaufhaltsam heranzog, die sich mit jedem Schlag tiefer in die Felsen frass, noch war es Zeit, die Felsen zu stützen, aber er konnte nicht von hier fort, langsam lief er nach rückwärts, ohne etwas zu sehen, er rutschte über Dreck und Steine abwärts, fand eine schmale Stelle, auf der er mit den schweren Schuhen eben' stehen konnte, wandte sich zur Insel, hörte hinter sich, im Innern des Felsens, das Gurgeln dos fressenden Wassers und schrie. Unerbittlich, hart und laut schrie er, Worte ohne Verstand und Sinn, der Wind nahm den Schrei auf und trug ihn zu deu Männern, die jetzt auf dem Weg zu den Felsen waren. Es wurden nicht viele Worte gewechselt, die Männer erkannten die Gefahr, die sich mit jeder Minute vergrösserte: der Feis musste gestützt werden, das Wasser durfte ihn nicht zerbrechen, sonst war die Insel verloren. Sie wussten, was auf dem Spiele stand, und handelten. Sie stellten sich auf dem Weg auf, der von der Geröllhaldo bis an die obersten Teile der leisen führte, in Armeslänge voneinander, die einen suchten in fiebriger Eile auf der Halde alles zusammen, was sich in der Dunkelheit und in der Nässe an festen Blöcke«, Steinen, entwurzelten Bäumen, Brocken von Erde finden liess. Die fünf anderen reichten es weiter, der Fremde häufte es oben auf, weniges zuerst, er stampfte die klebrige Erde zwischen die Steine, er versenkte die Baumstämme in die Risse, die er nur tasten konnte, seine Hände bluteten, Kanten der Steine zerschnitten die Haut, er bemerkte es nicht, langsam nur wuchs der Wall, aber noch hielt der Felsen aus. D^s Dröhnen des Sturms hatte noch nicht nachgelassen, einmal entriss ihm das Beben des Felsens einen Stein, der krachend hinunterkollerte. Er brüllte einen hastigen Ruf, aber es war ein Zufall, dass der Stein niemanden traf. Schweigsam, verbissen arbeiteten sie Stunde um Stunde, Regen und Schweiss hielt die Körper feucht, Kälteschauer und glühende Hitze wechselten ab. Ohne sich abzulöseu, ohne aufzuhören kämpften die Männer. Nun hatte der Wall fast schon die Höhe des Felsens erreicht, fahl erschien ein grauer Streifen am . Horizont, schien es nicht, als würde der Anprall der Wogen leiser, plötzlich hob der Fremde die Arme und sank zusammen, die Hände, denen man die Kraft der vergangenen Stunden