Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 4 (24.1.1935)
- Date
- 1935-01-24
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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4 C. -V.- Zeitung / 4. Beiblatt Nr. 4 Donnerstag, den 24. Januar 1935 POPULÄRE MEDIZIN?' Lebensbilder berühmter Forscher Von Dr. Bruno Glaserfeld Bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts gehörte alles, was mit Medizin und Naturwissenschaften zusammenhing, nur zum Bereich der Fachleute und einer kleinen Oberschicht von Gebildeten. Erst als der Ausbau der Lehre von den Zellen und Kleinlebewesen durch Männer wie K. E. von B a e r, V i r - ch o w, R. Koch, P. Ehrli ch zu den praktischen Errungenschaften der Hygiene und zur allgemeinen Krankheitsverhütung führte, wurde das Interesse allgemein, und es ergab sich die Notwendigkeit, die breiten Massen in die gewonnenen Tatsachen medizinisch-naturwissenschaftlichen Denkens einzuweihen, um . den Gesundheitszustand zu heben. Nur dieser Aufklärung ist es zu verdanken, daß die Fortschritte auf dem Gebiet der öffentlichen und persönlichen Gesundheitspflege erreicht wurden. Ueber die Notlvendigkeit, diese Dinge der breiten Darsse vorzutragen, besteht kein Zweifel. Woher kommt es, daß trotzdem diese Belehrung auf mancherlei Bedenken stößt und manchmal unliebsame Folgen für den Leser oder Hörer bringt? Massenaufklärung geschieht durch Borträge, Bücher und Zeitungsartikel. Volkstümlich zu reden oder schreiben, ist nicht jedermann gegeben. Gerade der auserlesene Fachmann bewegt sich oft in einer volksfremden Ausdrucks- und Begrifsswelt, so daß er nicht verstanden werden kann. Da werden Fachausdrücke gebraucht; der Catzbau ist zwar streng wissenschaftlich logisch, aber viel zu schwer; erklärende Zeichnungen und Abbildungen, welche nur der Borgebildete verstehen kann, werden gegeben. Der Laie kann ohne/ Vorbildung gar nicht folgen, glaubt aber doch den Sinn zu verstehen. Worte und Begriffe bleiben haften: diese rufen Vorstellungen, die er mangels besseren Wissens rein subjektiv verarbeitet, hervor und führen zu schiefen Begriffen und falschen, vom Verfasser nicht ge- ■ meinten Begriffen. Der Verfasser muß sich stets bewußt sein, daß er vor absoluten Laien spricht, er darf keine Voraussetzungen machen. Jeder Fachbegriff muß erklärt lverden. Die Sprache muß die des einfachen Mannes sein, nicht schwülstig. Ghroinosoino, Antigeue sind Begriffe. welche in solche Arbeiten nicht gehören. Mit dem medizinischen Begriff des Reflexes ist wenig vor Laien anznfangcn; so etwas bedarf eingehender Erklärung'. Auf genaue Beschreibung einzelner Krankheitszeichen muß gewöhnlich verzichtet werden, da der Laie zu sehr geneigt ist, sich nach solchen abzusuchen. Nur wissenschaftlich Erhärtetes ist zu bringen, streng zu vermeiden sind Streitgegenstände der Wissenschaft. Es gehört Takt und Fingerspitzengefühl-: dazu, zu wissen, was man dem Laien vorsetzen ' darf. Dieses Gefühl ist ganz unabhängig von dem Wißen des Schreibers. Daher ist die Fragestellung: Sollen diese Aussätze vom anerkannten Fachmann, vom Durchschnittsarzt oder gebildeten Laien geschrieben werden, falsch. Sie sollen von Fachleuten geschrieben lverden, die eine Ader für populäre Schreib¬ und Vortragslveise besitzen. „Haben Sie den Artikel von Dr. A. B. über Blinddarmentzündung im heutigen Morgenblatt gelesen? Wenn ich mal in diese Lage käme, würde ich nur zu Dr. A. B. gehen; denn er muß ja ganz bedeutend in seinem Fache sein/ Dieses Urteil ist irrtümlich. Ein guter Artikelschreiber braucht noch kein guter Arzt zu sein. In der Veröffentlichung eines solchen Arztes tn einem angesehenen, überall gelesenen Blatt liegt eine nicht zu vermeidende Reklame, die als ärztlich unwürdig zu bezeichnen ist und das Publikum irresührt. Es rst daher die strikte Forderimg zu erheben, daß in unseren Zeitungen belehrende Aussätze über einzelne Krankheiten ohne Namensnennung erscheinen. Theoretische, naturwissenschastliche, biologische Themen dagegen können namentlich gezeichnet werden. Ebenso ist die Reklame für Behandlungsmethoden und einzelne Mittel zu vermeiden. Wir alle wissen, daß bei der är-sticlwn Behandlung viele Wege nach -Rom führen. Die. Heraushebuna einzelner Methoden macht den Laien skeptisch gegen andere Behandlung^-. arten und bringt ihn oft in schwere Konflikte, wenn er erkrankt. Wenn mm Redaktion und Artikelschreiber ihr Bestes getan haben und nur Aufsätze' ' bringen, welche frei von allen erdenklichen,: . vermeidbaren Fehlern sind, wird die Leserschast aus diesen den Pi erwartenden Nutzen ziehen oder werden sich doch wieder Schäden Herausstellen? Gewiß, einzelne werden bei jeder Krankheitsbeschreibung sofort an ihren, eigenen Körper denken und ängstlich werden. Der übrigen großen Masse nervengesnnder. Menschen muß man nur znrufen: Bezieh', nicht, was du liest, auf deinen eigenen Körper, sei nicht stchjektiv! Eine solche Betrachtungsweise dieser medizinisch-naturtvissenschastlichen Arbeiten wird dazu beitragen, das Bildungsniveau zu heben, Erkrankungen vorzubeugeu und biologische Begriffe beim Publikum zu klären. Fritz Haber Zu seinem 1. Todestag am 29. Januar. Fritz Haber war vr. ing. h. c., Dr. der technischen Wissenschaften e. h.. vr. med. b. c., Dr. der Landwirtschaft e. h., ordentlicher Universitäts- Professor in Berlin, Direktor des Kaiser-Wilhelm- Jnstituts für physikalische Chemie und Elektrochemie, Leiter des Instituts für technische Chemie an der Universität Berlin, Mitglied der Akademien '^Berlin, Göttingen, Washington, München. Petersburg, Stockholm und Halle. Es gibt kaum ein Gebiet der theoretischen Naturwissenschaften, der modernen Technik und Industrie, das nicht von Haber in irgendeiner Form entscheidende Anregungen empfangen hat. Er. war ein Forscher von einer Vielseitigkeit der Anlagen und Interessen. wie sie im Zeitalter der Spezialisierung einzigartig ist. Am 22. April 1915 wurde nach dem Haberschen Gasblaseverfahren bei Apern zum erstenmal „eine Chlorwolkc von 6 Kilometer Länge und 600 bis 800 Meter Tiefe aus Stahlfloschen in die Luft geblasen" und damit eine neue Epoche in der Kriegsgeschichte eröffnet. Die unbeschreiblich grauenhaften Qualen, unter denen die von den Giftgasen überfallenen Soldaten zu leiden hotten, machten Haber erbeben, und erschüttert über Verwüstungen, die er so dem» doch nicht gewollt hatte, warf er sich mit d:r ganzen ihm eigenen Arbeitsenergie ans die Konstruktion zuverlässiger Gasmasken, wobei ihm der Biochemiker W i l l st ä t t e r getreulich Hilfe leistete. Die Habersche Erfindung der Gaswaffe hat mehr als irgendeine strategische Theorie dem Weltkrieg sein Gepräge gegeben. Wie ein Treppenwitz der Weltgeschichte mutet es an, daß die mehr oder minder zufällige Ernennung Habers zum Hauptmann durch den Kaiser persönlich der Heeresleitung erst ermöglicht hat, sich der einzigartigen Begabung Habers zu bedienen. Es wäre naiv, aus „nwralischcn Erwägungen", Haber wegen der Einführung der Gaswaffe zu verdammen. Dennoch aber wirkt e8 versöhnend für unser Gefühl, daß Haber unmittelbar nach dem Kriege mit dein Nobel-Preis belohnt wurde für die Erschließung friedlicher Provinzen. Nachdem Justus v. Liebig die ungeheuren Möglichkeiten der Steigerung landwirtschaftlicher, Erträge durch' künstliche Düngung aufgewiesen hatte, begannen die Forscher die Erde nach Stickstoff, dem unentbehrlichen Baustein für Eiweißstvfse abzusnchen. Allen verzweifelten Anstrengungen zum Trotz wollte es jahrzehntelang nicht gelingen, den chemisch sehr trägen Luststickstoff in einem allen Ansprüchen der Technik Genüge leistenden Verfahren zu binden. Haber und seinen Mtarbeitern gelang der entscheidende Wurf. Bei höherem Druck und höherer Temperatur gelang es ihnen unter Mitwirkung eines geeigneten Katalysators Stickstoff und Wasserstoff zusammenzupressen und eine für technische Zwecke lohnende Ausbeute an Ammoniak zu erzielen. Tie badischen Anilin- und Sodawcrke begannen sich für das Verfahren zu interessieren, erwarben die Patente. Ter Industrielle Bosch baute zur Ausbeutung des Haberschen Verfahrens riesige Fabriken. Lcunawerk und Haber-Bosch- Verfahren der Ammoniaksynthese aus Lust sind heute ein Begriff und ein Markstein in der Geschichte der angewandten Wissenschaft. Durch dieses Verfahren ist Deutschland nicht nur weitgehend imstande, seinen eigenen Stickstofsbedarf in der Landwirtschaft zu decken, sondern darüber hinaus in immer steigendem Maße den Weltmarkt zu erobern. (Jedenfalls, was die Pro- . duktionskapazität anbctrifst.) Das Haber - Bosch- Verfahren hat mit allen seinen Auswirkungen die Außenhandelsbilanz im Laufe der letzten Jahre um Milliarden zugunsten Deutschlands verschoben. Ammoniak ist nicht nur Ausgangsmaterial für die Tüngemittclfabrikation, sondern Rohmaterial für Sprengstoffe verschiedener Art. Bei dem gewaltigen Sprengstoffverbrauch Deutschlands während des Weltkrieges, und der Unmöglichkeit, angesichts der eisernen Blockade durch die Entente, Salpeter usw. zu importieren, hätte Deutschland ohne Haber-Bofch-Verfahreu keine sechs Monate lang Krieg führen können.; Wenn die Landwirte heute nicht mehr so sehr vor einer Vernichtung ihrer Ernten durch tierische oder pflanzliche Parasiten sich zu sorgen brauchen, so dürfen sie sich dafür bei der von Haber auf wissenschaftlicher Grundlage angeregten Schädlingsbekämpfung bedanken. Habers eigentlicher Arbcitsbezirk war da3 Grenzgebiet zwischen Physik und Chemie, die sogenannte physikalische Chemie. Seine Arbeiten, tlber Gasreaktionen. bei denen meist de.r Stickstoff . im Mittelpunkt stand, seine clektro-chemischen und nwlekular- sowie otomthcoretischcn Arbeiten haben die verschiedensten Probleme dieser so vielseitigen ° Wissenschaft gefördert. Tie Fülle der Themen, die er mit ungewöhnlichem Erfolge bearbeitet hat. wie die Verschiedenheit der wissenschaftlichen Disziplinen, die er mit Meisterschaft beherrschte, lassen es auch den Fernerstehenden ahnen, das; hier Arbeitsenergien in einem Menschen, nufgestopclt waren, wie wir. sie nur gauz, ganz selten erleben.. Die Ueberbcanspruchung während des Weltkrieges hat dennoch' Habers Kräfte überstiegen und seine Gesimdheit gebrochen. Am 20. Januar 1934 ist Haber ans der Reise von Cambridge nach einem Schweizer Kurort einem Herzleiden erlegen. . H. L—f. Vom Einbalsamieren der Mumien : . Streng genommen muß mau einen Unterschied zwischen mumifizierten Leichen und Mumien machen. Unter besonderen Umständen trocknet nämlich der tierische und damit auch menschliche Körper so zusammen, daß er Jahrtausende.übersteht. Derartige mumifizierte Leichen haben wir nicht nur in dem trockenen Saude des Nilgcbiets gefunden und z. B. im AegYPtischen Museum zu Berlin ausgestellt, sondern unter gewissen Vorausjetzungen halten sich die organischen Körper nach dem Ableben auch in anderen Gegenden. Es seien nur die Kapuzinergruft in Palermo, die Kata-, komben in Wien, der Bremer Bleikeller und das Mumien-Museum von Ferentillo bei der Industriestadt Terni der italienischen Provinz Pe-, rugia. erwähnt. Betrachtet man aber die eigentlichen Mumien, also die Körper, welche durch besondere Behandlung nach dem Tode konserviert worden sind, so taucht die Frage ans: Mit welchen Kunstmitteln verstanden es die Alten, die Leichen in damaliger Zeit so zu behandeln, daß sie den zerstörenden Einflüssen der Atmosphäre durch Jahrtausende hindurch erfolgreichen Widerstand leisten konnten? Welche Methoden und Mittel wurden angcwendet, um diese Konservierung zu erzielen? Bei jeder Vermoderung treten unangenehme Gerüche ans; so lag cö nahe, daß schon die alten Völker dieser Erscheinung durch Behandlung oer toten Körper mit wohlriechenden Slibstanzen entgcgentraten. Viele aromatische Stoffe wirken aber gleichzeitig gegen Fäulnis. Daher ist e8 erklärlich. daß durch die Beobachtung und Ueberlieferung von Erfahrungen im Laufe von Jahrhunderten die alten Aegypter, aber auch Asfyrer und. Perser die Einbalsamierung zu einer Kunst ausbildeten. . Bisher hat die Forschung im allgemeinen an* genommen, daß manstm alten Aegypten das Bitumen MM Einbalsamieren Mn Leichenbenutzt hat. Auf Grund der neuesten Ilntersuchungeu hat aber setzt R. I. Fordes (Amsterdam) scstgestellst haß diese Behauptung teilweise aus die vcrwirxcnbc Benutzung unzutreffender Fachausdrücke zurückzusühren ist. So hat man das von der Leinwand der Mumien gewonnene Produkt „tnummia“ als Asphalt bezeichnet. Vielleicht ist aber auch die Behauptung des Historikers Diodor schuld daran, der berichtet hat, daß der größte Teil der Bitmnengewinnnng des Toten Meeres zu diesem Zweck nach Aegypten ausgeführt worden sei. Der alte Mumifizierungsprozeß bestand nach den neuesten Forschungen in dem Hcrausholen oer weichen Eingeweide utzv.. dem . Änsstopfcn mit Harzen und Gewürzen und einem darauf folgenden Bad von Natron oder Soda. Alsdann wurde der tote Körper getrocknet und eingewickelt. Bor 900 v. Ehr. (XXII. Dynastie) ist zum Ausfällen von Leichen nur selten Bitumen verwendet wor- . den. Allerdings hat man Bitumen zum Verkleben der Leinwandhülle fcstgestellt. Ilm 500 v. Ehr. und recht allgemein nach 300 v. Ehr. bis zur Römerzeit (40 v. Ehr.) verschlechterte sich die alte Mumientechnik. Daher wurden die Leichen nicht selten nach dem Reinigen einfach mit Bitumen vollgegosscn. Mumien dieser Art sind besonders aus der Ptolcmäischen Periode seit 300 v. Chr. bekannt. Dann aber wurde in der Römerzeit die alte Technik sorgfältiger Einbalsamierung wieder gepflegt. Seit 900 v. Chr. wurde jedoch allgemein die äußere Lciuwandhülle in Bitumen getränkt. Wahrscheinlich um so die einzelnen Streifen besser miteinander verkleben zu können und einen sicheren Abschluß gegen Wasier und Feuchtigkeit zu erzielen. Der Irrtum der älteren Geschichtsschreiber liegt vor allen Dingen darin, daß sie allgemein den Verbrauch von Bitumen zur Einbalsamierung der toten Körper selbst, also zur Ausfüllung der Hohlräume der Leiche angenommen h,übern Hiev» zu hat man aber Gewürze benutzt. Das sogenannte Bitmnen war verharztes Zedernöl ustv. Nur die Mumienleinwand enthielt richtiges Bitumen und davon wurde es später abgeschabt, und.. dann unter dem arabischen Namen für Bitumen, „muinuiiü" verkauft. Auch der Lack, der auf verschiedenen Dosen, Stühlen und anderen Funden im Grabe Tntnnchammons festgestellt wurde, ist kein Ditumenerzengnis, sondern ein Firnis, der aus dem natürlichen Harz einer dunklen Tammarart gewonnen wurde. Wieweit immerhin die ägyptische Kunst der Leichenkonservierung entwickelt war. beweist die Tatsache, daß sich dieser Technik eine besondere Berussklasse widmen konnte. Den Angehörigen der verstorbenen konnten Muster von einbalsamicrten Leichen in Malerei ans Holz gezeigt werden. damit diese sich die ihnen passend erscheinende Form aus einem• solchen „Katalog" aussuchen konnten. Auch der finanziellen Leistungsfähigkeit der Erben wurde Rechnung getragen. Es gab nämlich drei Methoden der Einbalsamierung, deren Güte in der Erhaltung des Körpers eines Verstorbenen sich nach den Aufwendungen richtete. Die kostspieligste Konservierung stellte sich auf etwa 4000. Goldmark. Eine einfachere Form der Imprägnierung kostete immerhin noch 1500 Goldmark. Die billigste Ausführung sollte auch Minderbemittelten die Möglichkeit bieten, ihre Verstorbenen vor dem Schicksal schneller.Verwesung zu bewahren.. Nach Entfernung der Eingeweide wurde die Leiche mit einer Lösung namens Syrmaia behandelt. Nach, dem dann der Tote 70 Tage eingesalzen war, folgte die erwähnte billige Ausgießung der Hohlräume und dann noch eine primitive Umwicklung» Falsch wäre es ober, nun anzunehmen, daß olle Toten in irgendeiner Form zu Mumien konserviert wurden. Die Mehrzahl der Leichen wurde einfach am Rande der Siedlungen im Sande beigesetzt. Hyänen und Schakale dienten gewissermaßen als GesundheitsPolizei, .. ■ , Obwohl die Aegypter die Methoden 'der- Einbalsamierung zu hoher Vollkommenheit entwickelt haben, ist es ihnen aber doch nicht gelungen, , die Leichen itt der natürlichen Farbe des Menschen zu erhalten. Auch die äußere Gestalt ist nur in den großen Umrissen gewahrt. . Die Bibel kommt, au verschiedenen Stellen auf die Kunst der Einbalsamierung zu sprechen. Wenn cs B. heißt: „Also starb Joseph im Alter von 1!0 Jahren; sie salbten ihn und legten ihn in eine Lade in Aegypten", so haben wir hier zunächst den Hinweis auf die Behandlung des toten Körpers, mit konservierenden Substanzen. Die Bemerkung von der Lade deutet auf die in Aegypten gebräuchliche Bcstattungsart hin, ans die Mumie auch das hölzerne Abbild des Menschen zu legen. An anderer Stelle der Bibel heißt es: „Joseph befahl .seinen Knechten, den Aerzten, seinen verstorbenen Vater zu salben, und viele Aerztc salbten Israel, bis daß 40 Tage um waren." Immerhin ist die bei den Aeghpteru weit verbreitete Form der Mnmienbestattung von den Juden nur in Ausnahrnesällen übernommen worden, woran wohl auch die erheblichen Kosten guter Ausführung schuld waren. Dagegen hat sich der Brauch, den toten Körper vor der Beisetzung wenigstens mit wohlriechenden Substanzen zu be- 'handeln, auch bei den Juden eingebürgert. Im Evangelium Johannes heißt es nämlich über die Bestattung des Religionsstifters: „Es kam aber Nikodemus, der vormals in der Nacht zu Jesu gekommen war, und brachte Dchrrhcn und Aloe im Gewicht ,von etwa 100 Pfund. Da nahmen sie den Leichnam Jesu und banden ihn in leinene Tücher mit Spezereien, wie die Juden zu begraben pflegten." Wenn man mm auch Mumien in vielen Museen der Welt findet, so ist weniger belanntIdaß in noch mehr Museen, und zwar in der keramischen Abteilung der betreffende^ Sammlung meist Gefäße anzutresfen sind, die zum Konservieren gebraucht wurden. . Die altägyptischen Vasen mit der Bezeichnung „Kanopen" dienten mit ihrem Hohlraum zur Aufbewahrung mumifizierter innerer Körperteile, wie Herz^ Leber und Lunge. Diese Basen stallen gewöhnlich durch ihren köpfähnlichen Deckel auf... Allgemein bekannt dürfte sein, daß bis in die neueste Zeit hinein in verschiedenen Fürsten- Häusern namentlich- Europas auf die Einbalsamierung verstorbener Mitglieder des Herrscher- Hauses großer Wert gelegt wurde. Auch der