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Central-Verein-Zeitung · 1935-01-24 · 4 (24.1.1935) · page 10

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
4 (24.1.1935)
Date
1935-01-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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i& Lv/ w!i v Onf^O^ ^ä ikl ä^li'$ 1/ . Ich jdjlßnc 3T. Hartlcbcns Volksatlas auf, der, ein Barmizwah-Geschenk. mich seit meinem drei-' Sehnten Lebensjahr begleitet. Er ist veraltet, denn inzwischen haben sich allerhand Grenzen verrückt Die Weltordnnng meiner Kindheit hat nicht Be-' stand gehabt. Aber wenn man sich im „Hartleben" zu einer Karte flüchtet, die die ganz großen Räume aufzeigt. kann man sich über die Grenzänderungen hinwegsetzen. Also Seite 79/80: Asien, der große mütterliche Erdteil, Riescnschoß menschlicher Kultur, gigantischcS Morgenland der Menschheit. Links oben schwebt daS kleine Anhängsel Europa, links unten schiebt sich der einst dunkle Erdteil Afrika heran, rechts oben meldet sich mit seinem Alaska-Zipfcl die nicht mehr neue Welt Amerika und rechts unten, über gesplittertes Jnselwerk hinweg, läßt sich das kleine Australien blicken. Die Erde ist da. die Welt. Die Welt? Ja. wenn man-die Himmelskarten auf Seite 1 und 2 vergißt! Denn dort ist die wirkliche Welt ausgezeichnet, von der wir mit unserem bißchen Erde nur ein Winkelchen sind, ein Krümchen, ein winziges Millimcterchen. Zurück auf Seite 79/80! Da macht sich mit seinen Riesenslächcn und Ricsenreichen Asien groß und maskiert sich mit seinen Farben und Grenzen als Weltteil, als Welt in drei Etagen dcS Ostens, die wirklich wie Wohnungen eines Hauses übereinander liegen: Sibirien. China. Indien. Das ist der östlichste Osten. Ein Schritt weiter, mtb er verliert im Großen Ozean seinen Namen und seinen Sinn. Von der Tschuktischen Halbinsel bis zur afrikanischen Ausbuchtung und Bucht von Guinea reicht der Osten. Eingeklemmt in diesen Raum ist auch Europa, der Zwerg. Aus dem Weg dahin, von Osten her. drängen sich die persischen, arabischen und türkisch-syrischen Raume. Bevor aber das Auge sich im Mittelmcer badet, trifft cZ auf einen nicht einmal kleinfingcrbreiten Raum, der Palästina heißt. Er steht wie ein dünnes Säulchen vor dom Meer, das aus der afrikanischen Basis ein gutes Drittel asiatische und zwei Drittel europäische Küste bespült. Meere trennen nicht. Meere verbinden. So schwimmt auch der palästinensische Streifen aus der Ecke Asiens, wo dieses sich zu Afrika hirmeigt, nach Europa hinüber, zu den Nachbarn Griechenland, Italien, Spanien, die im Mittelmcer wie in einem Binnensee liegen. Aber viel näher noch, als dieses Kartenbild zeigt, waren Palästina und sein Volk Israel, in alter geschichtlicher Zeit dem europäischen Befund benachbart, als Griechenland sich über den kleinasiatischen Raum kolonial erstreckte. Wie sehr cs auch den jüdischen Stolz reizen mag, zum Kulturmuttcrlaud Asien zu gehören, da Palästina mm einmal ein asiatischer Bezirk ist, der Augenschein der Karteschiebt daS Säulchen Palästina an Europa heran. Die palästinensische Front heißt Europa, Palästinas Küste und Blick zielt auf Europa. Was an den zwei Küsten, die ans dem endlosen östlichen Riesenbercich gegen Westen, gegen Europa sich vorschiebcn, an der kleinasiatischen und palästinensischen Küste, entstanden ist, davon hat Europa den allergrößten Nutzen gezogen, dessen Sinn der C.-W.-fLe s e f trinken nur den Kaffee, Tee, Kakao der Casajo Kaffee Großrösfcrei Bremen Vertreter werden noch eingetfellt Blick auf die Karte erleuchtet. In den Randbezirken Kleinasiens ist die „Ilias" und. die „Odyssee" beheimatet, der große, unvergängliche Homer, und an der palästinensischen Küste ist das Judentum und das Christentum, gewachsen. Die dicksten und gelehrtesten Bücher können die Tatsache nicht so gut erklären wie die Landkarte, daß das Christentum nicht ins Innere Asiens gewandert ist, sondern ins Europäische. Hub wir Judeu sind zwar — kein Zweifel — vorderasiatischen Ursprungs. Aber das hintere Asien ist von Palästina doppelt und breifad) so weit entfernt als die westlichsten und nördlichsten Zipfel von Europa. Für die paläsineusische Expansion mußte das Mittelmeer den Weg weisen: er zielt auf Europa. Das ist der Sinn der Geographie, das ist Schicksal gewordene Geographie. Die Verirrung und Vcrschlagnng der Juden nach Aegypten, das so wenig mit Afrika zu tun hat wie Palästina mit dein östlicheren Asien, wirkt vor dem pädagogischen Bild der Landkarte wie ein Gang in die Lehre der ältesten Kultur. Mizrajim hat das Volk Israel in seine Lehre genommen. Es hat dort Symbol und Allegorie gelernt, die Wege und Abwege in die metaphysischen Bezirke. Es hat sich in die Fron der Tier«. Sternen- und Zahlensymbole begeben, um ganz zu sich selbst, in die Diese seines eigenen Bewußtseins zu gelangen, des Bewußtseins von seinem eigenen Gott. ES war ja nur ein Sprung über die Sinai-Halbinsel, der es hin- und zurückbrachte. Trockenen Fußes ging es durchs Rote Meer, wo es am engsten ist, wo Asien und Afrika an ihren Europa zugekehrten Säumen eher zusammcngenäht als zusau.mengewachsen sind. Israels Wanderung nach und von Aegypten vollzog sich wie ein Schauspiel vor den damals freilich noch nicht geöffneten Augen Europas. Europa lag noch in der Hol;- und Laubwiege der Wälder und Stäuune, als sich in seiner nächsten Nachbarschaft Israel den Gott und die Heimat erwanderte. Die Lehre von Gott fichr dann in den Büchern übers Mitclmccr nach Europa. Warum wohl fuhr sie nicht nach China oder Indien? Weil sie nur dahin fahren konnte, wo ihre Bestimmung lag. Diese lag in den Ländern jenseits des Mittclmccrs, in Europa. Als Tempel und Reich der Juden zerstört war. standen diese, heimatlos gefvorden, wiederum zwischen Asien und Europa. Aus Europa war ihnen der Untergang gekommen. Es hat also scheinbar sehr nahe gelegen, daß sich die Juden nach dem Osten, ins Innere des ihnen kontinental angestammten Asien gewandt hätten. Sie haben sich aber in ihrer großen Mehrzahl nach dem Westen gefvandt. Man kann sie also entweder abtrünnige Asiaten schelten oder: aber Wahl- und Mußeuropäer nennen. Ans leinen Fall war es Zufall, daß sie sich nach Europa wandten. Von Asien hatten sie sich in Uebereinstimmung mit der Lage ihrer palästinensischen Heimat, durch ihren Gott abgesondert. Seinen Spuren, die nach Westen verliefen, folgten sie. als sie ins nahe Europa übersetzten. Hätte in ihnen damals, im ersten Jahrhundert moderner Zeitrechnung, auch nur ein Fünkchen vom uralten Beduinen- und Wandergeist noch gelebt, so hätte sich ihnen der arabische Küsten- und Wüstcnsaum als nächstes Wanderziel darbieten und geradezu aufdrängcn müssen. Aber sie wählten die Richtung, die bereits ihr höchstes Gut. der Glaube an den Gott Abrahams. Isaaks und Jakobs eingeschlagen hatte. Es war ihnen in der Wirklichkeit, die sich nicht so sehr an Schiffahrts- und ähnlichen Wegen als in geistigen und irdischen Zwängen auSdrückt. gar keine Wahl gelassen. Sie fühlten sich von den Wegen, die ihr Gott gegangen oder zu gehen im Begriffe war, gerufen. Cie gingen — welch ein äußerlicher Widersinn und welch ein großartiger innerer Sinn! — ins Gebiet ihres Erz- und Erbfeindes Rom. von dem sie wußten, daß er sie nicht gastfreundlich empfangen würde. Kulturpsychologisch war dabei natürlich auch die Tatsache wirksam, daß der Hellenismus das Volk Israel längst in seine Kreise gezogen hatte, die Kulturform also, die Europa nächst und sogar von dem Christentum am stärksten zu beeinflusseu bestimmt und geeignet war. Wie sehr die gesetzcstreuen Judeu auch hellenistische An» schammgen ablehnten und abwehrten, diese mußten dazu beitragen, sie zu europäisieren, den Westen ihnen noch näher zu rücken, ihn vor ihnen als Ziel aufznstellcn. Der Hellenismus hatte die welthistorische Aufgabe, den Raum um das Mittelmcer als Einheit herauszubildcn und darzustellen. Der innerlich begründeten Suggestion dieser Einheit sind auch die Juden erlegen, sie ließen sich durch sie zum zweitenmal von Asien abscheiden. Dies aber war ein organischer Vorgang. eine Ztvangsläufigkeit, nachdem die entscheidende jüdische Leistung, die Klarstellung der göttlichen Macht, angefangen hatte, sich als für den Westen bestimmt und entscheidend zu erweisen. Nach alledem ist es. wofür noch mancherlei Hintergründe — Hinter-Gründe — namhaft zu machen wären, einleuchtend, daß der alte Vorwurf, die Juden seien Fremdlinge und Eindringlinge in Europa, so haltlos ist wie andere Vorwürfe, die man den Juden zu machen Pflegt. Nicht wo ein Volk in die Geschichte eingetreteu ist, kann maßgebend sein für seine Einordnung, sondern wo und wie cs die Geschichte gemacht hat. Wir haben uns vom „Hartlebeu", dem guten alten Kartentier, entfernt unb sind doch in seiner Nähe und ihm treu geblieben. Er hat die Realität in sich und lehrt sie den, der Augen hat, zu scheu. Er lehrt auch, aus wie winzigem Raum — das Säulchen Palästina, das vom Mittelmcer nicht weggefrcsscn wurde! — die gewaltigsten Wirkungen entstehen können. Die Kinder Israel aber, die sich so früh von ihrer Mutter Asien emanzipiert und abgewandt haben, sehen einigen Grund, auf ihre Mission stolz zu sein, die sie 311 Trägern jener Wirkungen gemacht haben, ilvrmann Liurttieimer Ein BiSMtat In der „Einkehr", der Sonntagsbeilage der „Münchner Neuesten Nachrichten". Nr. 4! vom 28. Oktober, erschien eine Ausfvahl schöner Gedanken unter der Ileüerschrift „Nachdenkliche Worte über den Tod". Da lesen wir als zweites Zitat: „Der Tag des Todes ist besser als der Tag der Geburt." (Johann Georg Hamann, der Magus des Norders.) Dem gelehrten Verfasser, der die Auswahl zusammengestellt hat. ist hier ein arger Irrtum tintcrlausen. Die genaue Angabe des Zitats uut Verfasser hätte nämlich folgendermaßen zu lauten gehabt: „Besser ... der Tag des Todes, als det Tag der Geburt". (Kohclet Prediger, Kap. 7, Vers 1.) Wir wissen nicht, ob das Wort bei Hamann, : dem Magus des Nordens. zu finden ist,- pber sicher zählt c J zu den bekanntesten des Buches Kohelct, das man dem weisen Salomo, den man mit Fug „MaguZ des Ostens" hätte nennen können, zu. schreibt. Freilich, Hamann gehörte zu deu größten Verehrern des Buches der Bücher. Er war nach seinem Studium Angestellter des Kaufmanns Be re ns in Riga, ging aber dann bald nach Berlin, ivo er zu dem Freundeskreis von Moses Mendelssohn zählte: vielleicht hat ihn dieser auf di,; Schönheiten der Bibel hingewiesen? Wie dem auch sei, in einem Abriß seines Lebens lesen wir: ,Jn London blieb er über ein Jahr und ergab sich aus Mißmut über den ungünstigen Erfolg der > ihm übertragenen Geschäfte Aus. schweifungen. aus denen ihn endlich das Lesen der Bib,:l rettete." S» mag es gekommen sein, daß sich in die Schriften Hamanns die Weisheit SalomoS ur. bemerkt eingeschlichen hat. Heb. AöWsr dt. Z. Mrkoli- ZWlMg ko-Fahre Am 27. Januar wird Professor Dr. I. Marlon, der Obcrbibliothekar der Hamburger jüdischen Bibtiothel, 60 Jahre alt. Der Jubilar ist eine durchaus eigenartige Gelehrtengestalt, einer der ersten Orientalisten imb der beste heute lebende Kenner der Karäer, Ehasarcu und abessinischcii Juden, über die er zahllose Werke veröfientlichte. Aus einer der angesehensten russisch-jüdischen Familieu stammend war er gleichzeitig Gelehrter unk» Mäzen, einer der ersten Führer der russischen Iudenhcit und ein überaus tätiger Philanthrop, der besonders in den Kriegsjahrcn für die vertricbenen Juden der Grenzgebiete Großes geleistet hat. Seine erste wistenschaftliche Arbeit wurde mit der Goldenen Medaille der Peter«, bnrger Universität ausgezeichnet. Tann betätigte er sich als Dolmetscher für das Auslvärtige Amt find als Bibliothekar der kaiserlich-russischeu Hofbiblivthek. wofür er mit ben Titeln Ministerialtat und Hosrat ausgezeichnet wurde. Er war Dozent an der Petersburger und später an der Minsker Universität, hielt aber auch viele Gast- Vorlesungen in Deutschland, vor allem am Berlincr Rabbinerserninar. Nach dem Umsturz mußle er Rußland verlassen, unter Hinterlassung großer Güter und einer der wertvollsten jüdischen Vibliotheken der Welt, die heute noch in Petersburg als öffentliche Bibliothek weitergeführt wird. Einige Semester hielt er in Berlin Vorlesungen, arbeitete aus Reisen für die „Gesellschaft für die Wissenschaft des Judentums" und tvar Mitarbeiter am Jüdischen Lexikon und der Jüdischen Encyclopadie, in die nahezu 000 Artikel von ihm ausgeiwinmen wurden. Seit 1928 ist er in Hamburg tätig, wo er die jüdische Bibliothek zu beachtenswerter Bedeutung geführt hat. Professor Markon ist als Eedächtnisphänomen bekannt, der in geradezu verblüffender Weise in der gesamten jüdischen Literatur, vom Talmund und seinen Erklärer» angefangen bis zu den modernsten Veröfsentlichungcn, Bescheid weiß. Die jüdischen Gelehrten der ganzen Welt stehen mit ihm in Briefwechsel und benutzen diese seine Belesenheit zu ■ wissenschaftlichen Auskuuftszwccken. Seine Veröfsentlichungen der letzten Jahre beziehen sich zumeist auf die Hamburger jüdische Geschichte. Zu seinem Geburtstage hat ihm Rabbiner Dr. Freimann (Berlin) den Morenu-Titcl erneut erteilt, der ihm bereits in jungen Jahren von den bedeutendsten Rabbinern des Ostens verliehen wurde. Die „Gesellschaft für die Wissenschaft des Judentums" hat ihm durch Professor Elbogen in besonders herzlicher Form ihre Glückwünsche ausgesprochen. daß sie etwas in ihrer musikalischen Arbeit gelernt haben. Darüber hinaus, daß die Lehrkräfte der schule mit ernstem Eifer um individuelle Heranbildung bemüht sind und sich erfreulich fern von einst üblichen Geschmacklosigkeiten in der Wahl des Lehrmaterials halten. Am Klavier, an Violine, Trompete. Laute. Mandoline und Aklordion wurden die meist recht ansprecheudcn Resultate des Unterrichts demonstriert und von den zahlreich erschienenen Verwandten und Freunden mit reichem Beifall ansgezeichnet. K. Hermann Schey s Sangeskunst erreicht jenen Grad hoher Vollendung, der eine Auseinandersetzung kritischer Art nicht mehr erfordert. Seine meisterliche Gestaltungskraft gibt Schubertsche Lyrik ebenso treffend wie Mahlers ekstatische Volkslicdmclodie oder die teils epische, teils virtuose Balladcnmusil Karl Locwes. Diesem wuchtig und machtvoll ausladenden Organ liegen die Töne des Heiteren, des leicht Pointierten fern, und Schcy stellt klug seine Programmwahl darauf ein; er hat mit dieser Vortragsfolge dargctan, daß man das Publikum packen kann, ohne ihm Konzessionen irgendwelcher Art zu machen. Es gab einen übervollen Saal mit entsprechend viel. Beifall und Zugaben. Den Klavierpart hatte Joseph Rosen stock inne. Das Zusammen-- wirken dieser beiden starken Musikernaturen ergab den Eindruck unbedingter Geschlosscnheck vn Intention imo Ausarbeitung, weil auch Rofenstock die Schönheiten deZ stimmungvertrefendm und tonmalenden Klaviersatzes, der hier wert mehr als bloße Begleitung ist. wirksam hervr.rhob und dabei doch die gebotene Zuruckhaltung beobachtete. Nur BrahmS hätte meines Erachten» nach mehr Intensität, noch sattere Farben im Baß verlangt. k- Der Jüdische Musikvcrein Areslau veranstaltete ein Sondcrkonzcrt mit Jascha Bernstein (Violoncello) und Lotte Schoeps-Rog 0 s i n s k i (Klavier). Au8 dem Programm sind die Sonaten F-Dur op. 6 von und G-Dur von Breval als künstlerisch hochwertige Leistungen hervorzuheben. Wenn Mängel zu beanstanden sind, so handelt es sich um Kleinigkeiten, die, durch äußere Umstände veranlaßt, um so mehr entschuldbar sind. Bernstein hätte im Aderten Teil besser daran getan, ein gehaltvolleres Werk zum Vortrag zu bringen, anstatt in kleinen anspruchslosen Stückchen seine Virtuosität zu zeigen. Lotte Schoeps-Rogosinski spielte Schuberts A-Dur- Sonate op. 120. Ihre Hemmungen, die sie auch am Auswendigspiclen hinderten, bedingten eine Ausführung, die an der Oberfläche blieb, und verleiteten zu falsch angewandten Ausdrucksmitteln. Als Begleiterin jedoch kam dem technischen Können der Künstlerin eine so Miistergültige Anpassmigsfähigkeit zugute, daß ihr ein großer Anteil am Erfolge zuzusprechen ist. CJ. 1*. Nach kurzer Pause, die der Organisation gewidmet war. hat die „Jüdische Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft" Hamburg ihre reguläre Tätigkeit begonnen. Die ansehnliche Mitglicdergcmeinschaft wird sicher noch stark anwachsen, zumal die Gesellschaft sich bemüht, in sozialer wie in künstlerischer Hinsicht den Zciterfvrdcrnisseu weitgehendst Nechmlng zu tragen. Zunächst stellte sich mit einem schönen Programm (Lieder von Beethoven, Schubert und Hugo Wolf) Hermann S ch e Y vor. Seine warme, in allen Lagen schöne und ausgeglichene Stimme fand den stärksten Beifall des sehr interessierten Publikums. In gleicher Weise konnte wieder Dr. B. Ernst Wolfs den Rrif seiner meisterhaften Begleitungskunst bestätigen und in reizvollen Klavierstücken von Musf'orgsky seine bedeutende Gestaltungskraft unter Beweis stellen. — Im 4. Konzert brachte das Jüdische Kammerorchestor (Leitung: Edward Moritz) ein bemerkenswertes Programm. Hervorgehoben sei die Erstausführung von Werken zweier Hamburger jüdischer Komponisten. Der begabte Schreker-Schüler Bcrthold Golds ch m i d t wußte mit der bizarren, im Stile seines Meisters geschriebenen „Passacaglia" stark zu interessieren. Die „Lieder der Sehnsucht" von Werner Singer, ein Zyklus nach Texten von Hans Kyser. spiegeln starkes Empfinden wider und stellen mit ihren eigenartig harmonisierten Weisen eine lockende Ausgabe für den Sänger dar. Ilse Pola mit ihrer klaren, geschulten Stimme und ihrem kultivierten Vortrag war die gegebene Interpretin. Sie fand mit diesen Liedern, die von Streichern und Solovioline (Hertha Kahn) bc- ' gleitet wurden, und einer Handel-Arie stärksten Beifall. Die stilgemäße Aufführung eines Handel- Konzerts und der Serenade von Dvorak, deren Kolorit ausgezeichnet getroffen wurde, führte zu einem großen Erfolg des Dirigenten und feiner Künstler. vr. F. In einem Konzert, vom Jüdischen Knlturbund Nhem-Nuhr in dessen sämtlichen Änschluhstädten veranstaltet, zeigte der Geiger Boris Schwarz ein vielseitige? Können, das allerdings im gechmackvollen Vortrag musikalischer Nichtigkeiten gipfelt und ihm einen so starken Erfolg brachte, daß er sich mit mehreren Zugaben verabschieden mußte. Kurt H e i n e m a n n war ihm der zuverlässige. allen Klippen und Cchwurigkeiten eiucr reichlich bunten Programmsolgc gerecht werdende Partner am Flügel. — jo— In Nordhausen fand ein Konzert des Gvttlieb- Streichquartetts (Leipzig) — Musja G 0 ttlieb. Max A 8 ka 11 a § , Rudolf Scherb . Leo Schönbach — unter Mitwirkung von Frieda Gottlieb und Hans Peter Bern seid (Klarinetto) statt. Mit seinem Stilempfinden wurde u. a. das Mendclssohnsche Streichquartett op. 12 gestaltet. Das Klaviertrio op. 32 von Arensky fand eine hinreißende Wiedergabe. Hans Peter Bernfcld erfreute durch den Boctrag zweier Kompositionen von Gäbe. E. W. Am 30. Dezember fand in der Köcliner Synag. oge eine vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemcirrden und vom Zentralarrsschuß für Hilfe und Ausbau angeregte Veranstaltung statt. George Goetz sprach über „Jüdische Gemeinschaft", Atax Mansfeld, vom Organist,:n Lichtenstein vorzüglich begleitet, fand mit seinen acsanglichen Darbietungen viel Zustimmung. Rechtsanwalt Friedländer sprach Worte der Be- . grüßung und des Dankes. Im Kunstausschuß der Gemeintie Plauen i. V. konzertierte das Gottlieb-Trio, Leipzig, unter Atitwirkunia von Hans Peier B e r n s e l d (Klarinette) und Santo Sonini (Gesang) mit vollem Erfolg. Alexander Kipnrs. gcb Lieder- und Arienabende in Frankfurt a. M , Karlsruhe und Kassel. Ein unvergeßlicher Abend wtrrdc einem großen Hörerkreis durch den Kullurbuud Rhein- Main vermittelt. Der Berliner Bassist hat mit diesem ersten Abend die Fraulsurtcr mit einem Ltal gewonnen. Dr. Willy Salomon zeigte am Flügel feinste Anpassungs. und Abstufunaskunst. Den gleichen gewaltigen Erfolg hatte Kipnis in Karlsruhe. Wollte man aufzählen, was er an Zugaben sang, müßte man von Mozart und Schubert bis zum Wolgalied in ihrer ganzen Vielfalt alle Möglichkeiten nennen, die dem Sänger gegeben sind. Das Gegensätzlichste wurde zu hewmonischev Einheit verbunden. Es war jcnfeits aller Maßstäbe, und Dank und Begeisterung überstiegen' denn auch jede Grenze. In Kassel ließ sich das Konzertpublilum zu Beifallsstürmen hinreißen. Am Flügel bewährte sich Dr. W. Liebcnthal (Berlin). In Johannisburg fand ein vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden und vom Zcntralausschuß für Hilfe und Aufbau veranstalteter Kulturabend statt. Ten Avrtrag hielt Tr. Ludwig Landau. Mar Mansfeld fand mit seinen gesanglichen Darbietuugcu Beifall. In einem Kulturbund-Konzert in Hannover konnte Emmy Joseph, die in letzter Stunde für eine erkrankte Kollegin eingesprungen war, in Arien von Händel und Rossini alle Vorzüge einer kultivierten Koloraturstimme von lieblichem Timbre zeigen. Die Künstlerin besitzt auch für den Liedgesang erforderliche Gestaltungskraft. Bei dein Eellisteu Jascha Bernstein verbinden sicli Größe der Auffassung und feines Stilgefühl mit einer virtuosen Technik. John Äiandelbrod war beiden Künstlern wieder der beste Begleiter. 0. B. Auch im Kulturbund Hildesheim musizierten Emmy Joseph, Jascha B e r n st e i n und John Mandelbrod mit besonderem Erfolg. — In einem Hauskonzert spielte der Geiger Stefan F r e n k e l Mozart, Tartrni und Reger. Ten stärksten Eindruck hinterlicß der Zyklus „Baal Shem" von Ernst Bloch. Der Künstler wurde von. Trudl Fleischner begleitet, die ihrer schwierigen Aufgabe vollauf gerecht ivurde. K. M.?>u Beginn des Winters gab in Göttingcn Boris Schwarz (Berlin), von Margarete Moses begleitet, ein Konzert. In einem Gcmeindeabcnd sprach Rabbiner M. R 0 s e n b e r g über die Bedeutung des Dialkabäerschicksals in der jüdischen Gegenwart. Werner T u t e u r zeigte in feiner „Improvisation" für Orgel solide Technik. — Erna E i s n e r und Max K u t t n e r (Derlin) mit Werner T u t e u x am Flügel gaben einen klassischen Operettenabend. Die Geigerin Trude Hüttenbach (Worms) bewies ihre künstlerische Reife in einem Konzert in Bruchsal in einem gut zusamniengestellten Programm (Mozart, Beethoven. Brahms). Franz Osborn (Berlin) bewährte sich als Verständnisvoller Begleiter und auch als Solist. Die Abonnemeutskonzerte des Jüdlsckfen LehrhauseS Freiburg i. B. fanden rincn glänzenden Auftakt mit einem Liederabend von Lotte Leonard. Es war ein musi-

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