Seite der Jugend
- Journal
- Seite der Jugend
- Volume
- 1935
- Issue
- 1 (17.1.1935)
- Date
- 1935-01-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9556011-9555944-9555943--55-2290239- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Fünfmal im Laufe des ersten Jahres hat der Bund seine Monschen zusammenaerufen, um Rechenschaft zu geben und Bereitschaft zu fordern. Eine einheitliche, dennoch vielfach in sich gebrochene Linie führt über diese fünf Lager und Tagungen, vom Anfang in Lehnitz bis zum Bröltalhaus, in dessen Bann der Bund zu dieser Stunde steht. Viermal kam man im Weichbilde Berlins zusammen und einmal weit im Westen des Reiches. Ein anderes Mal war es ein Treffen aller Bünde, das auch uns zusammenführte. So fügen sich die fünf Tage des Bundes zu einem Bild seiner Geschichte, das auf diesem Blatte seinen Niederschlag finden soll. ßiiiiiiiiniiiiiiiiiiuiiiiiniiiiiiiuniiiiiiHiiiHiiiiiuiuiiiiiiiiiimHiiiiiiiiiiiuiiiiiiiuiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiimiiiiniiuiiiiiiiiiuiimiimiiiiiiiiiiumuuui Lehnitz Von allen jungen Menschen, die deuischjüdisebe Jugendarbeit im Reich führen, brennend ersehnt — erwuchs die deutsch-jüdische' Jugcudtagung in Lehnitz bei Berlin. Vor den Einzelfragen stand die Lebensfrage, vor den Referaten stand die Aufgabe, zu der sich alle aus allen Teilen des Reiches zusammengelunden hatten: Der Bund. Es war hier wie überall: Auch in diesem Kreise standen Doch Sonderwünsche, Gruppen-, intcressen, liebgewordene Traditionen in Form und Inhalt dem allgemeinen Wohl eutgegen! Deshalb waren die Debatten, die bis in den frühen Morgen hinein hin und her gingen, nicht immer leicht und allseitig befriedigend. Aber es zeigte sich, dass in der Jugend der Drang zur Einigung doch viel stärker wirkte als alle Sonderbündeleien. Und so kam es, dass, als der neue Bund Deutsch-Jüdischer Jugend gebildet wurde und Mnrtiu Sobotker die Reichsleiiung angenommen hatte, ganz spontan der Gesang des Kamoradschaftsljedes aufklang und den übrigen Teilnehmern, die draussen auf das Ergebnis warteten, verkündete: Es ist gelungen! Nur noch eiue dcutschjüdische Jugend in Deutschland! ...» Winkel Vom Jl. Juli bis zum 5. August Tand in Winkel das erste Führerschulungslager der hündischen Jugend des Bundes statt. Am RI., abends, wurde am Lagerfeuer das Treffen eröffnet. Die Stimmung der Menschen war getragen von dem Bewusstsein, seit Lehnitz zum erstenmal wieder zusammen zu sein. Aufgaben und Schwierigkeiten unserer Arbeit tauchten auf, aber alle wussten, dass der Wille zum Bund und damit' der Wille zur Zukunft des deutschen Judentums jedes Hindernis beseitigen würden. Am nächsten Morgen setzte man sich zur ersten Arbeitsgemeinschaft . . , Den Süsseren Rahmen des Treffens bildete 'das Leben auf dem durch sein Domzelt weithin sichtbaren Lagerplatz. Der Morgensport, die Singerast, Fussball- und Handballspiele und das Lagerfeuer führten die Menschen auch ausserhalb der Arbeit zusammen. So hatte am Ende des Lagers jeder das Bewusstsein, dass neben den zahlreichen Anregungen, die er empfangen hatte, das wesentlichste das Kennenlernen von Menschen war, von denen man bisher nur wusste, dass sie an anderem Orte in der gleichen Pflicht stehen. Berlin In den ersten Septembertagen trat in Berlin die Führung des Bundes zu-einer Tagung zusammen. Aus Bayern und der Nordmark, aus Gstpreussen und Württemberg waren Menschen gekommen, um über den Weg des Bundes zu sprechen. Es war seit den Lehnitzer Wintertagen das erstemal, dass die Leiter der Landesverbände sich in persönlicher Fühlungnahme zusammenfanden. Die Tagung sollte dem Austausch von Arbeilserfabrungen uud Forderungen dienen und zwischen der Berliner Führung und den Menschen im Reich eine Atmosphäre des Vertrauens und der Kameradschaft schaffen . . . Der zweite Tag des Treffens war der geistigen Arbeit Vorbehalten. In einer eindrucksvollen Ueberschau liess Heinz Kellermann den Weg, den der Bund im Ideologischen gegangen ist, "Wiedererstehen . , . Der Bund sei die Organscbaft, die eine geschichtliche Pause durch ein Erziebungswerk auszufüllen und zu überwinden habe. Wie in Lehnitz, verfechte der Bund auch heute noch die These vom ..inneren Enianzipationskampf“; die Bereinigung im eigenen geistigen Raum sei die Vorausseizung äusserer Entwicklung. Aus Willen und Erkenntnis forme sich die neue Lebenshaltung heroischen Leidens, das von der Gemeinschaft und nicht mehr allein vom einzelnen getragen werde ... Ein anderes Lehnitz ...Weiter zurück, in den Wald hinein, liegt das Haus. Wir kennen es alle. Damals im Winter war es morsch und grau, halbverfallen. Heute steht es da wie neu, klar in Farbe und Form. Lebuilz, denkcu wir und grüssen hinüber. Ein Jahr fast verging, vieles ist anders geworden, auch wir. Aber der Wald steht und flüstert, heute wie immer . . . Alles ist anders und fremd. Wir kennen Lager von vielerlei Art, grosse und kleine, laute und leise, fröhliche und ernste. Dieses hier, das Fübrerschulungslager, das der Reichsausschuss der jüdischen Jugendverbäude und die Mittelstelle für Erwachsenenbildung zusammen-, gerufen haben, ist ein besonderes. Das merken wir bald. Es gibt eine Kameradschaft, und die Kameradschaft ist gut. Aber es ist. nicht die Kameradschaft von Menschen, die sich fanden und nun zu einem gemeinsamen Ziele, gehen. Es ist eine Kameradschaft aus gemeinsamer Not, aus gemeinsamer Verantwortung und aus gemeinsamem Lernen ... Wir vom Bund sassen bisweilen zusammen, Freunde aus Berlin und dem Reich, und sprachen von dem, was wir gemeinsam besassen. War es viel, war es wenig? Wir fühlten, dass die neuen Worte noch nicht gesprochen' sind, und dass wir zu der Gestaltung jüdischen Lebens, das die Geschichte fordert, noch kommen müssen. Aber es war doch gut, zusammeozusitzen und nach Klarheit zu suchen, unsere engere Gemeinschaft in dieser grossen. Es gibt einen Weg — den des Lebens und der Bereitschaft — und wir werden ihn. gehen, Juden, unter den Sternen dieses deutschen Himmels. Bröltalhaus In Lehnitz aur dem überbündischen Führerlager des Reicbsaüsscliusses, als wir beisammen sassen, ein kleiner Kreis von Menschen in schweren Gesprächen, sprang es in uns auf, dass wir ein Winterlager haben müssten. Ein Lager, das uns allein gehörte und das uns einander ganz nahe brächte. Frei müsste es sein von der strengen Gebundenheit eines Arbeitsprogramms und weit draussen im Reich irgendwo, auf einem stillen, weltenfernen Fleckchen Erde. Wir versprachen uns viel davon, wir erhofften uns Klarheit und mnucho Einsicht. Der Bund stand in schwerer Zeit, es schien uns der grossen Generalaussprache in einem Kreise der führenden, verantwortungsbewussten und veranlwortungsgewillten Menschen zu bedürfen. Monate gingen dann ins Land, Monate der Arbeit uud de* Vorbereitung. Zum ersten Male wurde von Bundes wegen. Programmatisches, Verbindliches zu Papier gebracht: Heinz Kellermann umris-s in der Satnmelschrift „Wille und Weg des deutschen Judentums“ die ideologische Stellung des Bundes. Vieles wurde ernster und krisenhafter in unserer Gemeinschaft, die der grossen Auseinandersetzung ent gegen reifte. Nach aussen hin, gegen den „Deutschen Vortrupp“ und gegen den „Verband der jüdischen Jugendvereine“, wurde die Grenze gezogen. Die Bundesleitung stand in einem Wirbel von Frage, Antwort und Gegenrede. Endlich, eines Tages, ■war es soweit: wir zogen auf Winterlager. War cs die Lösung unserer Not, der wir entgegeagingon? An einem Abhang steht das Bröltalliaus, ein Wäldchen liegt ihm im Rücken, Wiesen breiten sich vor ihm aus uud ein Weg schlängelt sich vou dem nahen Dörfchen Schönenberg zu ihm empor. Weich wiegen sich ringsum die Hügel des Westerwaldes. Ist es ein Winterlager, das w.ir beziehen? Es sieht nicht so aus. An den Hängen liegt kein Schnee. Manchmal rieselt ■warm und uTeicb Regen vom Himmel. Aus den Bäumen brechen die Knospen. Jetzt, um die Wende des Jahres, heben die Kätzchen und Weidenbüsche zu blühen an. Vorfrühlinghaft scheint die Landschaft, in der wir die Tage dieses Lagers verbringen, durchweht von kleinen Winden, durch rauscht von Bächen, in denen das Wasser steigt, und schwer von Geheimnis und Erwartung. An einem Abend, der kühl und regnerisch wehte, eröffnen wir das Lager. Menschen sitzen um einen Tisch und sehen sich an. Manche kennen sich lange und erneuern ihre Freundschaft Andere sind sich fremd. In einer Runde sitzen wir, und doch grenzen sich die Gruppen, die Freundschaften gegeneinander. Worte fallen, die nach dem Sinn dieses Lagers suchen. Was galt es? Es galt, eine menschliche Nähe zu gewinnen. Es galt, Bindung zu schaffen an diesen Bund, die in das Tiefste, Persönlichste der Menschen hinabreicht Aus der Vielfältigkeit und dem Formlosen ist der Bund gekommen. Menschen fanden zu ihm und waren für Es ist gut, zurückzublicken und sich von seinen eigenen Anfängen her zu orientieren. Als der Bund in die Oeffentlichkeit trat, dancls, vor einem Jahre, da wurde ihm manehoriei Begrünung zuteil, freundliche und kühle. Heute sollen die Worte, die man uns damals schrieb, noch einmal aufgeschrieben werden. Die „C.-V.-Zeitung“ schrieb damals zum Geleit auf der ersten „Seite der Jugend“: „Wir begrüssen auf der ..Seite der .lugend“ den'Nachwuchs, die Erneuerer und Fortgostalter der Idee, der diese Zeitung dieait Wir sehen darin, dass sich die geeinte deutsch-jüdische Jugend bei uns ihre Plattform schafft, von der aus sie ihre Menschen und die noch Fernstehenden ansprechen und gewinnen will, eine Bestätigung unseres Wissens und Empfindens: Deutsches Judentum endet nicht und will nicht enden, weil es um neue Formen und Inhalte seines Seins zu ringen gezwungen ist. Die junge Generation kapituliert nicht, weil nie es schwerer haben wird, als ihre Väter und Grossväter. Sie beginnt aus der ewigen Idee des Judentums und aus dem unverwandelten Raum unserer deutschen Geschichte die neue Einheit zu schaffen, in der junge Juden sich ein unzerbroebenes Leben formen können. Was auf dieser Seite gesagt wird, ist nur, wenn es besonders so gekennzeichnet wird, die Meinung der Schriftleitung der „G.-V.-Zcitung" oder der Leitung des Ccntral-Vereins. Das gleicho gilt auch für den Bund. Denn diese Beite soll, und das ist der Wunsch ebensosehr der Schriftleitung wie des Bundes, eine immer „neue Seite“ zu sein, auf der sich dag Leben der jungen Generation des deutschen Judentums wahrhaftig und lebensvoll widerspiegelt.“ Das „IsraelitischeFamilienblatt“ schrieb über den Sinn der Lebnitzer Tagung: „Niemals ißt die Forderung nach Einigkeit und Einigung unter den Juden gerechtfertigter gestellt worden als heute; nie ist das Streben und Sehnen der deutschen Juden und ganz besondere der jüdischen Jugend klarer in Erscheinung getreten als im letzten Jahr. Diese Stimmung beseelte auch dio Vertreter von über; fünfzig Ortsgruppen deutsch-jüdischer Jugendihn ehrlich bereit, die ihre Prägung hier und dort in der Jugendbewegung und manchmal ganz abseits von ihr erfahren hatten. Eine Generation, die von diesem Bunde ihr Gesicht empfing, ist noch nicht da. So ist die Frage nach dem menschlichen Typus gestellt, nach dem Bilde des deutschen Juden, dessen Formung erste und letzte Aufgabe des Bundes ist. Ein Bund ist mehr als eine Organisation. In ihm verpflichtet anderes als die Mitgliedskarte. Was ihn zum Bund macht, ist die Gemeinschaft im Menschlichen, ist der Zusammenhalt und ist das Vertrauen. Was er erstrebt, ist das persönliche Anliegen jedes seiner, Menschen. Davon sollte auf diesem Lager gesprochen, das sollte auf diesem Lager — vor allem anderen — entwickelt werden. So war viel Freizeit gewährt und viel Raum für das persönliche Gespräch — zu viel mitunter. Manchmal sah es aus, als ob der Einzelne sich in sein Individuelles verlöre, von der Gemeinschaft abtrieb, anstatt von ihr ergrifl/m zu werden. Dann aber, und in wachscndem/Masse gegen das Ende der Lagerzeit, sass man zusammen in dem grossen Tagesraum des Bröltalhauecs, vor dessen Fenster die Hügel standen und die Wolken zogen, und suchte gemeinsame Antwort auf gemeinsame Fragen. Die erste und im Grunde einzige Frage galt der Gemeinschaft. Ueber eine Hede Martin Bubers wurde gesprochen, die als gemeinschaftsbildende Kraft die geistige Mitte, den sachlichen Bezugspunkt eine^ menschlichen Kreises erweist. Hier schon, zjx Beginn des gemeinschaftlichen Gespräches, schnitt einer die Frage an, nach der besonderen, gegenwärtigen Not unseres Bundes. Sie wjurde zurüc.kgestellt. Aber am folgenden Abend, (es war Silvester), nach einem Tag, der «fter Sinndeutung der jüdischen Geschichte un<J, der Diaspora gegolten hatte, wurde sie in ihrf*r ganzen Grösse und in voller Deutlichkeit auigerissen. Der Bund, 60 sagte man, ist noch njfcbt zum Bunde geworden. Ihm fehlt — UDd se/nen Menschen fehlt — die Stärke des Einsatzes, der aus der Tiefe wortloser Weggemeimfchaft kommt. Es wird viel gesprochen im Btjüid, zuviel. Die Wort« 6ind oft leer und treffen nicht in den Kern der Dinge, um die es letzt/icb geht. Es wird auch viel gearbeitet, aber jeder arbeitet und lebt vor sich hin, in einem gemeinschaftsentfremdeten Füreich-Sein. Wgnn eine geistige Mitte in Bildung ist, so fehle*) die verbindenden Radien, die von allen Unikfeispunkten zu ihr führen. Schonungslos waren Kritik und Fragestellung an diesem Silvesterabend, schonungslos bis zur Grenze 'des Tragbaren. Nicht alle waren hart genüge um damit fertig zu werden. Eine tiefe innerejNot breitete 6ick aus unter den Menschen des Lagers. Sie waren aus dem ganzen Reiche nach dom Bröltalhaua gekommen, und Jeder trug ein Anliegen, eine Frage an den Bund mit si/Ch. Diese Frage war ihm zur Lebensfrage geworden. Wer Augen und Ohren offen hielt, der sah und hörte auf diesem Lager, wie der Bund eich im Leben seiner Menschen einen uneinnehmbaren Platz gewonnen hat. Da gibt es verbände, die sich in den WeihnachtsLeiertagen in Lehnitz bei Berlin, im Heim der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, zu einer grossen Tagung zusammengefunden hatten. Aus allen Gegenden des Reiches waren sie gekommen. Die buntfarbigen Hemden der Oberscblesier leuchteten neben den grauen PfadfinderkluÜen des Ringes deutschjüdischer Jugend, die Vertreter der bayerischen deutschjüdischeu Jugend sassen neben den Grenzmarken), Pommern, Sachsen und Westdeutschen: ein erfreuliches Bild des Zusameninetrebecs unter dem Banner der einigenden Idee. Und so ereignete sich dann, was trotz aller Sonderwünsche und Traditionen einzelner Bünde kommen musste: Der Bund Deutsch-Jüdischei Jugend wurde gebildet.“ Der „Schild“ würdigte den Tag von Lehnitz mit folgenden Worten: „Damit steht die deutech-jüdiscbe Jugend an einem Wendepunkt ihrer Geschichte. "Sie hat sich die Form ihrer Arbeit gegeben; es gebt an die Arbeit, um diese Form mit Inhalt zu erfüllen. Es gibt nicht mehr die einzelnen Gruppen, den einzelnen Bund. Zusammen gefasst 6ind alle deutsch-jüdischen Jugendkräne in Ost und Nord, in Süd und West ganz Deutschlands und scharen sich beute um ihre Fahne.“ Die „Jüdische Rundschau“ begnügte sich mit dieser lakonischen Notiz: „In den Weibnachtstagen wu/de in Lehnitz bei Berlin ein „Bund deutsch-jüdischer Jugend“ gegründet', der eine Zusammenfassung der assimilatorischen Jugendgruppen darstellt. Zum Führer des Bundes wurde Martin Sobotker bestimmt An der Tagung nahmen, wie berichtet wird, auch der Vertreter des C.-V., Dr. Alfred Hirechberg, und der Vertreter des RJ.F., Dr. Ludwig Freund, teil,“ Aber sechs Monate später suchte die „Jüdische Rundschau“ in einem gross angelegten Aufsatz mit dem Bund die sachliche Auseinandersetzung auf diese Weise: „Wenn wir hqnte einen Blick auf den Teil der organisierten jüdischen Jugend werfen, der ausserhalb der zionistischen Bünde steht, aber nach feinem eigenen Bekenntnis einen positivlioine Sonderbündelei mehr, da gibt es nur den. einen Bund, und ohne ihn kanu in dieser geschichtlichen Stunde ein Leben nicht mehr gedarbt werden. Die Not de6 Bundes, ist die Not seiner Menschen, so 6ehr sind beide, Gefolgschaft und Bund, schicksalhaft verwachsen in diesem ersten Jahre. Darum kam man von der Verzweiflung schnell zu der gesunden Frage nach dem Positiven. Noch in dieser Silvesternacht sollte es gesagt werden, so verlangten viele, aber dann wartete man doch bis zum nächsten Margen und begann das neue Jahr mit der Suche nach Antwort. Dach nicht diese Antwort selbst trägt die Entscheidung. Was sich sagen lässt zum deutschjüdischen Schicksal und zur deutschjüdiseben Aufgabe, das ist zur Stunde noch zu uufertin, um Lösung zu sein. Die Stunde, in der wir leben, ist einmalig, und einmalig ist dieser Bund, wie er im Bröltalhaus in der Seele seiner Menschen Gestalt empfing. Einmalig in seiner Zerrissenheit, seiner Bedrängnis und seinem Auftrieb. Einmalig trotz allem auch im Menschlichen. Denn mehr als sie es ahnen und wissen, waren die, die dort zusammenkamen, ein Bund — ein Bund der Suche. Gemeinsam war ihnen das Gefühl der Verantwortung, einer G-cmeinschaftsverantwortung, die stark sozial bestimmt ist. Sic wisse u, gemeinsam und doch jeder für sich, ungeheuer 6tark um die jüdische und die soziale Verpflichtung, die sie tragen und die 6ie nicht Fir sich tragen, sondern für eine ganze Generation. Als man über das Bündiscbe sprach an diesem ersten Tag des neuen Jahres, erkannte man, dass die Meissener Formel. Entwicklungsergebnis einer versunkenen Zeit, heute abgewandelt ist durch ein gemeinsrhnftsgebundeneg Gegenwartsbewusstsein. Bündiscbe Form wird dem nur gerecht, wenn sie Mittel und Ausdruck einer in diesem Sinne wahrhaftigen Selbsterziehung ist. Erziehung, Selbsterziehung jst die eigentliche Aufgabe eine« Bundes Deutsch-Jüdischer Jugend, weil die Judenfrage heute am dringlichsten pädagogisch gestellt ist, und weil die Zukunft jeder emauzipatoriseben Planung zuerst von der pädagogischen, dann von der politischen Beantwortung der Zeitfrage abhängt. Daruin war es sicherlich eine 6ehr deutliche Antwort auf die Frage nach der Situation des Bundes, wenn die stärkste Intensität sich am letzten- Tage in der Arbeitsgemeinschaft über die sozialen Gegenwartsprobleme entfaltete. In der Forderung nach auf deutschjüdische Planung ausgerichteter jüdischer Sozialpolitik fanden sieh alle. Die Arbeit des Bundes wird gerade von hier aus verstärkte Impulse empfangen, und die Problematik um die sozialen Aufgaben einer in Deutschland verbleibenden jüdischen Jugend soll fordernd in die jüdische Oeffentlichkeit vorgetragen werden. Als man auseinanderging, war manches Anliegen unbefriedigt, manche"Spannung ungelöst.' Jeder trug eine Sorge mit sich zurück. Aber alle wussten doch, als sie das Haus am Hügel verliessen, dass der Bund steht, auf ihren Schultern und in ihren Herzen. Seine grossen Fragen sind in der Schwebe, wie denn vieles in der Schwebe ist in dieser Zeit Doch die Gemeinschaft ist da und der Wille zu ihr. Alle sind bereit, zu hören und zu bandeln, wenn ihnen Entscheidendes gesagt wird. Viel Arbeit wird daran zu 6etzen sein, bis Bild und Wirklichkeit im Bunde Eines geworden sind, und ihr gehen wir entgegen, getrost und nicht mutlos. Kurt Julius Riegner. jüdischen Weg gehen möchte — wir denken etwa an die Gruppen des Bundes Deutsch-Jüdischer Jugend , so kann man dies nur mit zahlreichen Vorbehalten und zugleich mit einer gewissen Genugtuung tun. Es ist erfreulich, wenn von diesem Kreise gesagt wird: „Wir wissen, dass die deutsch-jüdische Idee ihre Sinngebung heute vom Jüdischen her erfährt.“ Eine solche Grundeinstellung muss, wenn sie ernsthaft ist, den Menschen, der ihr nachlebt, an das Judentum heraoführen und ihn vor die Fragen seiner Erkenntnis stellen.“ * Zu Beginne des neuen zweiten Jahrganges der „Seite der Jugend“ schreibt heute Alfred Hirschberg: „Ein Jahr geniesst die „Seite der Jugend“ innerhalb der „C.-V.-Zeitung“ Gastfreundschaft. Im Laufe dieser Zeit ist es Gastgeber und Gast- Ireund klar geworden, dass mit der Einrichtung der „Seite der Jugend“ nicht ein einseitiges Geschenk, sondern ein fruchtbares Geben UDd Nehmen entstanden ist. Die Erörterung der Dinge, die den Nachwuchs des deutschen Judentums betreffen, sind heute nicht mehr Fragen, die nur die Jugend angehen. Hierüber ist in dem allgemeinen Teil der Zeitung oft und ausführlich geschrieben worden. Aber das Wissen um die menschlichen und seelischen Zusammenhänge innerhalb der jungen Generation, das Einsetzen dieser irrationalen Kräfte in die Berechnung der tragenden und stützenden Teile, aus denen der Neubau des deutschen Judentums entstehen soll, das ist nur innerhalb der Jugend seihst möglich, das knnn nur dio Jugend unter sich sichtbar entwickeln. Es ist ein Gefühl der Freude und der Genugtuung, im Laufe dieses Jahres die Empfindung bestätigt zu wissen, dass das Verhältnis von Jugendbeilage und allgemeiner Zeitung nicht das von Wirt und Gast geworden ist. sondern dass ein starkes und berechtigtes Heimatempfinden der jungen Generation innerhalb des C.-V. und der „C.-V.-Zeitung“ entstand und bestätigt wurde. Wir wissen, auf beiden Seiten besteht der Wunsch, dass diese Feststellung auch zum zweiten und zu recht vielen Jahrestagen noch zu Recht bestehen möge. Und da wir wissen, dass da* ein Glück für das deutsche Judentum ist, sei diese Hoffnung im eigentlichen Sinne des Wortes mein /HUckwunscb,“ .. iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiuiiiiiiix C87/+7$+::1++//:++//+/++/.:.:/+8.9451/+:2.+//+.//+^07^^