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Central-Verein-Zeitung · 1935-01-04 · 1 (4.1.1935) · page 17

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
1 (4.1.1935)
Date
1935-01-04
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nummer 1 4. Beiblatt der G-V.-Zeifung 4. Januar 1935 ii MH ,\v Jt/': ^/v3| l 'V Hebräische Haartracht und Stirnlocken So lange Eva im Paradies weilte, hat sie ' noch feinen Hang zur Eitelfeit gezeigt, aber das lag wohl mehr an dem Ort, an dem sie sich befand, denn die Eitelkeit ist eine menschliche Schwäche. Nach ihrer Vertreibung aus dem Garten Eden hat die Urmutter das Problem des Kleidens und Schmückens ohne langes Kopfzerbrechen sehr einfach gelöst, indem sie sich stolz und selbstzufrieden einen grünblättrigen Lendenschurz um ihre Hüften legte. Von dem ersten Lendenschurz aus Blättern bis zum anliegenden engen Kleid der Aegypter war ein langer Weg und erst die Perser' kamen auf die glorreiche Idee, in die Mitte eines viereckige Stoffstückes ein Loch zu schneiden als Durchlaß für ihr teueres Haupt. 2ie^ Gewänder der Huden, beeinflußt von Syriern und Babyloniern, waren denen der Bevölkerung umliegender Lander natürlich sehr ähnlich und die Kleidung der Heüraerinnen unterschied sich von der männlichen nur durch größere Weite und reicheren Schmuck gestickter und gemalter Ornamente. Die alten, kulturell fortgeschrittenen Völker Asiens gaben auch der griechischen Mode Vorbild und Anregung. Jahrhundertelang war dann der griechische Gewandstil führend in der alten Welt, und daß er umgekehrt, auch bei den Völkern, die ihn einst inspiriert hatten, wieder viel Anklang fand, beweisen die zahlreichen griechischen Namen für Kleidungsstücke im nachbiblischen Zeitalter jüdischer Trachten. Die große Bedeutung unseres Wortes „Kleider machen Leute" haben schon die jüdischon Gelehrten, die einst von Palästina nach Babylonien einwanüerten und durch ihre schöne Kleidung von dem ansässigen Volk sehr abstachen, gekannt.- Sie prägten das Sprichwort: In meiner Stadt ist es mein Name, der mir Ehre schafft, außerhalb meiner Stadt Hebräerin im ersten Untergewand nein Gewand. Die hebräische Frau liebte es. ich mit Ohrringen, Ketten und Armspangen ,u schmücken. Sie begoß ihr Gewand mit vohlriechenden Essenzen und verwendete viel Heit und Sorgsalt sür ihr Haar, das sie, wenn Ä auch manchmal etwas widerspenstig war, wch in gleicher Weise zu frisieren und m reordnete Stirnlöckchen zu barinen verstand nie ihre schönen Nachbarinnen von der rtaienschen und griechischen Halbinsel (Bild in). Wenn die jüdische Dame sich damals ins öad begab, so war das nicht so einfach wre leutzutage, wo man sich gedankenlos ein», toci, drei auszieht, je nach Lust und Laune. £ie Hebräerin mußte sich nach einer ganz ^stimmten Ordnung entkleiden. Zuerstflegle ie die Schuhe ab, dann die Kopfbedeckung, )en Mantel, den Gürtel, das OberNeid und Vinn das Unterkleid - mit-seinem hübsch ve- 3. lange türkische Jüdin auf dem Wege zur Synagoge 4. Junge Jüdin aus Algerien (Aut dem Jüdischen Museum, Berlin. Stick aus ' dem 18. Jahrhundert) i* Vf Sil H; -;//r 1 Fürther Frauen aus dem Jahre 1706 stickten Halsausschnitt (Bild 2*). Und wenn die Schöne dem Lad wieder glücklich entstiegen war, mußte sie die umgekehrte Reihenfolge einhalten. Als letztes kamen die Sandalen, die sie stets zum Schutze gegen brennenden Sand und Feuchtigkeit der Erde trug. Nur die Synagoge durfte und sollte sie mü bloßen Füßen betreten, sonst erblickte man im Barfußgehen eine christliche Sitte, die man in jüdischen Kreisen nicht einreißen lassen wollte. Besonders viel Fleiß und Liebe wurde bei den Juden für Brautausstattungen aufgebracht. Daß man sich verlobte und sofort heiratete, war in früheren Zeiten ganz ausgeschlossen. Ein Jahr war immer zur Anfertigung von Hochzeitsgewändern und verschiedenen Dingen sür den Haushalt bestimmt. Aber auch nach chrer Verheiratung war die Frau nicht wie nach europäischer Sitte von dem guten Willen ihres Gebieters abhängig, ob er gerade bei Laune war, ihr ein Gewand oder ein Paar Schuhe zu kaufen. Die Zahl der Kleidungsstücke, die der glückliche Ehemann jährlich zu stiften hatte, war genau festgesetzt: drei Paar Schuhe, eine Kopfbedeckung, ein Gürtel und sonstige Kleidungsstücke für die drei Hauptfesrtage. Auch die. sonst üblichen Festgeschenke, durch. die der Mann seine Frau zu erfreuen Pflegte, sollten aus Kleidern bestehen. Am Sabbat mußte immer ein besonderes Feiertagskleid getragen werden, und selbst die Aermsten versuchten dieses Gebot zu halten. Wenn sie nur ein Kleid besaßen, dann.drapierten sie am Sabbat den Faltenwurf aus etwas andere Art und Weise, oder sie legten einen anderen Gürtel an und versuchten so, ihre armselige Kleidung der Feier des Sabbats anzupassen. Im mittelalkerlichen Deutschland waren die Juden wie ihre christlichen Mitbürger aekleidet, mit Ausnahme des spitzen Hutes, den jüdische Männer zu ihrer Kennzeichnung aussetzen mußten. Erst im Zeitalter der Renaissance beginnen sie die Mode nicht mehr Frankfurter Jude und Jüdin (Anfang des f8. Jahrhunderts) im gleichen Tempo mitzumachen. Deshalb unterschied sich die deutsche Jüdin (Bild 6 und 7) der lehren Jahrhunderte in ihrer Kleidung von den christlichen Frauen oft durch etwas unmoderneren Schnitt oder Stofs. Während die Weiblichkeit des Orients an sehr bunte Kleidung gewöhnt war und diese Vorliebe auch heute noch nicht ganz überwunden hat, würbe dieser vielfarbige Geschmack und die^ Mode der buntgestreiften und durchscheinenden Stoffe von den deutschen Jüdinnen . fWr- f ck :; :i^k f* ■: S P*; «S’-;/ 1 •; i W :, \ 5 ft Polnisch-jüdische Tracht sehr bekämpft. In Hamburg waren Reisröcke verpönt, und in der Synagoge wurden die Frauen ausgefordert, sich einfach zu kleiden. Die -Aufmerksamkeit der jüdischen Frau galt auch ihrem Haar und seinem Schmuck. Selbst wenn sie aus Frömmigkeit gescheitelt ging, so war die Perücke modisch frisiert und kunstgerecht aufgesetzt, so daß man sie gar nicht von natürlichem Haar unterscheiden konnte. Die Palästinenserin flocht sich noch vor 26 Jahren Baumwolle in ihre Haare, um ihre Zöpfe zu verlängern und Bewunderung zu erregen, während sich die türkische Jüdin (Bild 3) wie ihre muselmanischen Schwestern in ein Tuch hüllte. Stolz tragt die junge Frau aus Algerien (Bild 4) ihr Haupt, von einem spitzen bunten Fez wallt ein langer Schleier über ihren Rücken. Die Polin (Bild 5) verbirgt ihre Haarpracht mrter einer kleinen Haube, die mit Perlen Bestickt und mit Münzen - behängt ist. . Und doch ist das Entscheidende nicht die Kleidung, sondern das Geschick und der Eharwe,. die Kleidung zu tragen. Den Kommentar hierzu liefert eme polnische Anekdote, die von EsteÄa (Bild 5), der Schneiderstochter aus Opvczno. die zum Kummer und.Neid des Hofes , die Liebe König- Kasimir des Großen errang, berichtet wird. Als eines Tages eine Gräfin, um Esterka zu blamieren, auf eisern.. Fest. ebenfalls, in jüdischer Tracht erschien. Hebräische Haartracht und Stirnlocken trug Esterka zur größten Freude des Königs durch ihre Anmut doch den Sieg davon. Aber nicht nur in Polen hatten die Jüdinnen Liebreiz und Grazie: über die Jüdinnen Berlins schreibt schon 1779 ein schwärmender „Reisender durch die königlich preußischen Staaten": Das schöne Geschlecht derJsraeliten spielt in Berlin eine große Rolle. Es gibt wirkliche Schönheiten im eigentlichen Sinne unter ihnen. - Hübsche Kleidung-und leichter Anstand erhöhen ihre Reize. Heute schreitet die jüdische Frau, ohne Schleier und Fez und ohne Scheitel über die Erde Palästinas, aus ihrem Kops einen großrandigen Hut, mit hochgckrempelten Aermeln und manchmal auch mit hochgeschürztem Rock oder in kurzen Hosen. Auf der Fifth Avenue in New-Pork hastet sie an einem vorüber, gepflegt und elegant, mit undurchdringlicher Miene. In Europas Städten geht sie tagtäglich unermüdlich ihrem Beruf nach: Ser es, daß sie unauffällig gcckleidet hinter dem Ladentisch steht, sei es, daß sie emsig arbeitend und trotzdem goocÜooking in Sekretariaten fitzt, sei es, daß man sie m einer ein- Esterka (Favoritin von Casimir-le-Crand) fachen Werkstatt antrifst, immer und überall ist sie bemüht, hübsch und geschmackvoll auszusehen. .. - . L. Szk. JÜDISCHE Frauen-Gestalten Hagar Dunkel war sie, doch lieblich wie die Hirtin in Kedars Zelten—Hagar, die Tochter Rakinos. des ersten AegYPterkömgs. „Tochter, geh mit den Fremden!" sprach der Vater zu ihr, als Abraham und Sara im Lande Aegypten weilten. „Besser ift's für dich, du lebst als Dtagd in Abrahams- Hause, denn als Herrin im Hause Aegyptens: wer diesen Mann segnet, der wird gesegnet — das Hab' ich selbst an mir erfahren, wie du weißt.' — Und sie ging mit den Fremden und zeltete mit ihnen viele Jahre hindurch, und ward gut ausgenommen von Leiden. Abraham war mild und freundlich: Sara, ihre Herrin, war schön und fromm; und die Engel Gottes gingen ein und aus in ihrem Zelte. Da aber kam die Zeit, daß im Schoße der Magd das Kindlein erwachte, das der Herrin zu gebären versagt warl Und nun wandelte sich die schöne Sara: streng blickte sie und hart, und mit neidischem Auge sah sie' nach der Magd, daß ^7

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