Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 52 (28.12.1934)
- Date
- 1934-12-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 52 2. Bc’blött Su 8o£® Wrrfsermcrnns erstem TeöeZtag MN 1. Zanuar / Den Dr. Werner Lahnmann Wie sich Heim, wenn er ihn gekannt hätte, über Jakob Wassermann ausgelassen hätte, wisien wir nicht. Wassermann dagegen hat sich in seiner Bekenntnisschrift „Mein Weg als Deutscher und Jude" ausführlich über Heine geäußert. „Ich befand mich von Anfang an", meint er, „im Verhältnis des Widerstrebens, ja der heftigen Abneigung gegen Heine. Seine Lyrik erschien mir. gemessen an der von -Goethe. Hölderlin oder Mörike, süßlich, spielerisch und roh sentimental: seine Prosa erregte meinen Haß durch ihr Bestreben nach geistreicher Pointe, durch ihre Mischung von Frivolität und rohester Melancholie; seine kritischen, polemischen. politischen Schriften fand ich zum Teil seicht und von oberflächlicher Brillanz, zum Teil nnwahrhaftig und eitel. Für das Satirische, das ihre stärkste Qualität aus mack) t, hatte ich wenig Verständnis, und die sogenannten lebten Gedichte, in denen aufrichtige und ergreifende Töne sind, waren mir verdächtig durch ein gewisses Sichgefallen im Schmerz, Zweifellos waren sowohl mein Urteil als anch mein Gefühl ungerecht. Tie Ungerechtigkeit. der ich in mir freien Lauf ließ, halt» wohl ihren Grund darin, daß etwas unantastbar, nachahmenswürdig und mustergültig sein sollte, was ich für schädlich und zerstörend hielt. Es sind in neuerer Zeit so viele Ankläger und Vcrächter Heines ansgetreten, mit guten und schlechten Argumenten, meist aber mit schlechten, mit reinen und unreinen Warfen, meist aber mit unreinen, daß ich nur mit Uebcrwindung und weil dieses Stück Wahrheit eben zur ganzen Wahrheit gehört, mich entschlossen habe, das Thema zu behandeln. Daß die blinden Hasser und die böswilligen Agitatoren unrecht haben, beweist nicht, daß Unrecht überhaupt geschieht. Verschweigen und Schönfärben macht eine schwache Sache nicht stark. Was mir an Heine wrder das Blut ging, war vielleicht das Blut. Seine zeitbedingte Erscheinung war im zeitbedingten Sinn jüdisch, und das Ausfallendste an ihr ist das schroffe Nebeneinander von Ghettogeist und Weltgeist, von jüdischem Kleinbürgertum und Europäismns, von dichterischer Imagination und jüdisch-talmndischcr Vorliebe für das Wortspiel, das Wortkleid, das Wortphantom, welch letztere Mischung man fälchlich als romantische Ironie bezeichnet hat, während sie ein Ergebnis fabelhafter jüdischer Anpasiung und dabei tiefer innerer Lebens- und Weltunsicherheit ist. 'Aus dieser Quelle fließt dann auch die journalistische Befähigung, wie denn Heine der eigentliche Schöpfer, wenn anch nicht des Journalismus, so doch seiner Abart, des Feuilletonismus, genannt werden kann, dieses unglücklichen Surrogats von Kritik, Betrachtung, Urteil und stilistischer Form, Narkonknm für eine niedergehende Gesellschaft und Mittel/ Verantwortungen zu verschleiern." So ungerecht nach der eigenen Einsicht von Wassermann dieses Urteil im ganzen ist, so treffsicher ist es im einzelnen und so aufschlußreich mehr für den Beschrciber als für den Beschriebenen. Wassermann fährt damit fort, daß er Heine als naiven Deutschen wie als naiven Juden bezeichnet, der aber beides verraten habe, weil er Talentmcnsch ohne göttliche Bindung, unheilvoll isoliert, ohne Himmel und deshalb auch ohne Erde gewesen sei. Tatsächlich ist es so. das; Wassermann m allem, was an äußeren und inneren Bedingungen den Menschen bilden kann, von Heine grundverschieden ist. Er ist bestimmt kein Talentmensch: nichts ist ihm in seinem Leben leicht geworden, alles hat er sich schwer erarbeiten müssen, überall stieß er auf den Widerstand einer mißgünstigen Umwelt. Seine Familie war kleinbürgerlich, dörflicher Abkunst, der alte Gedalja ist eine der einprägsamsten Gestalten aus den „Juden von Zirndorf", seine Jugend war düster und gedrückt, die ersten künstle'-'.scheu Versuche verzerrt von schweren, mühsam gehemmten Leidenschaften. Heines mütterliche wre väterliche Vorfahren waren am Niederrhein und in Nicderdeutschland seit Generationen angesehene Leute, sein Großvater und sein Oheim von Geldern berühmte Aerzte, sein Onkel Salomon Heine ein bekannter Bankier, seine Jugend erfüllt von Strahlen der Hoffnung, welche der imperiale Glücksstern Napoleons, der die Ghcttotvre anssprengte, und der diesen überdauernde, blendende Ausstieg des Hanfes Rothschild damals in jedem jungen Juden des westlichen Europa erwecken mußten. Wie verschieden waren doch die Elternpaare gewesen! Heines Mutter war eine ehrgeizige Frau, erfüllt von Plänen und praktischen Entwürfen. „Ihre Vernunft und ihre Empfindung war die Gesundheit selbst und nicht von ihr erbte ich den Sinn für das Phantastische und die Romantik", erzählt der Sohn von ihr. die ihn schließlich um Jahre überlebte. Wassermann sagt von seiner früh verstorbenen Mutter. daß sie von der Romantik und ihrer kindlich-vvllshaften Schwermut hergekommen und im Gemüt davon verdunkelt und beschwert gewesen sei. Eine „grenzenlose Lebenslust" war der Hauptzug im Charakter von Heines Vater, „er war genußsüchtig, frohsinnig, rosenlaunig." So steht es in den „Memoiren." Wassermanns Vater hat mit ihm nur das eine gemein, daß er wie jener ein Phantast war; aber beständige berufliche und persönliche Fehlschläge haben ihn verbittert und „mit dem Gefühl einer gescheiterten Existenz" beladen. In seinem klassischen Buch über „Da? stammhaste Gefüge des deutschen Volkes" schreibt der Wiener Literarhistoriker Joses Nadler: „Die gemeinsamen Züge des Frankentums übersteigern sich im Mainlande und wuchern fremdartig aus. Der offene Weltsinn des Rheintales vergrübelt sich hier ins Hinterweltliche. Aus Gottesfrende des Daseins wird schwerblütige Artistik, aus dem Genuß der heiterströmenden Rede ein künstlich erschwertes Spiel mit Worten, aus Handgelen, kein Formvermögen schweratmende Äfft an verschnörkelter Üeberform, ans ritterlicher Tegenknnst landsknechtliche Drausgängerei. Und wo der Rheinfranke wirklichkeits'sicher immer im Irdischen schreitet, spielt der Main° franke stets mit dem Abflug in den Himmel oder mit dem Absturz in die Hölle." Unheimlich genau ist in diesen Sätzen das Wesen der Erzählungskunst und der künstlerischen Persönlichkeit von Jakob Wassermann getroffen! In seinen Romanen lebt das düstere Fürth, „erstickend in ihrer Engigkeit und Oede die gartenlose Stadt, Stadt des Rußes, der tausend Schlüte, des Maschinen- und Hämmergestampfes, der Bierwirtschafteu, der verbissenen Betriebs- und Erwerbsgier, des dichtbeieinander kleiner und kleinlicher Lcnrte": es lebt das uralte Nürnberg, das hügelige Franken. Seine Menschen sind schwer zergrübelt, rastlos beschäftigt, aber gehemmt, ohne Leichtigkeit, beständig im Kampf mit sich selber. Wie der Gottsucher vom Himmel in die Hölle abstürzt und sich unheilvoll die niedersten mit den höchsten Leidenschaften verschlingen. das ist Wassermanns Thema vom mystischen Vorspiel zu den „Juden von Zirndorf". bis zu den grausigen Ganna-Kapiteln in „Kcrkhovens dritter Existenz". Im „Golowin" und im „Gold von Earamalca", kleinen Novellen, die wenige kennen, ist das gleiche Thema zur Vollendung gebracht. Nirgends aber lebt Franken wahrer als im „Caspar Hauser". Die Geheimnisse seiner alten Geschichte werden gebrochen in der kleinen Seele seiner Bewohner und prinzliches Blut verkommt in der „Trägheit des Herzens". Nur im „Aufruhr um den Junker Ernst" ist es dem Dichter gelungen, sich selbst und die Heimat im Bild eines sonnigen Kindcrlandcs, in dem die Stumpfheit urweltlicher Widerkräfte besiegt ist. zu erhöhen. , . Heines „Handgelenkes Formvermöben . tn dem sich „der offene Weltsinn des Rherntales offenbart, muß schon ans dem Geist der Landschaft heraus Wassermann Widerpart halten. „Die Stadt Düsseldorf ist sehr schön, und wenn man ti? der Ferne an sie denkt und zufällig.dort geboren ist, wird einem wunderlich zumute." Nie hätte Wassermann der Erinnerung an seine Vaterstadt solche Worte gewidmet, nie wäre er dabei auf den Gedanken gekommen, „als müßte er gleich nach Hanse gehen!" Er hat seine Heimat im Schinerz geliebt und noch im Fluch sie gesegnet. Heine dagegen glaubt man die beweglichen Klagen seiner späteren Jahre, er fühle sich in Frankreich im Eril. nicht immer und nicht ohne Vorbehalt. Er ist ein beweg licher Geist, ein journalistischer Typ; der Effekt geht ihm über alles und seine zierlichen Degenstiche sind oft verletzender als das qualvolle Anfbäumen, mit dem Wassermann dem Haß, von dem er sich umgeben sieht, ,V' begegnen sucht. Der Grundton seiner Lyrik ist' weder tragisch noch problematisch, sondern melancholisch und sentimental. Er hat deshalb in manchen Fällen den Liedton der romantischen Musik getroffen wie kein anderer, den Stimmungsgehalt der Landschaft und des menschlichen Herzens, die er zugleich mit den ironischen Lichtern seines schonungs losen Witzes umspielt hat. Anch die Schwär merci für Freiheit und Gleichheit und ibrem großen Erfnller und Ueberwinder Napoleon teilt er mit seinen rheinischen Landsleuten, wenn er anch als Jude alles um einen Grad intensiver empfindet und es heftiger zum Ausdruck bringt. Inden sind freilich beide, Heine wie Wassermann, aber eben dieser Umstand lässt dic Unterschiede in der landschaftlichen Tönung und im persönlichen Temperament lim so stärker hervortretcn. Ja, Wassermann vor bindet alle diese Dinge, wenn er von den „Juden von Zirndorf" nachträglich sagt, daß er in ihnen die „Legende eines Volles", als dessen Sprößling er sich zu betrachten halt»' und zugleich das gegenwärtige Leben dieses Dolkcs habe gestalten wollen, beides aber m gs! sL I Da* Trio Bruno Eisner (Klavier) — Stefan Frankel (Violine) — Ewel Stegmann (Cello) Zeichnung von Max Raymrr getanener Am MM In der Ehanukka-Zeit. in den Tagen des Lichteranzündens und Makkabäer-Gedenkens, gab der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten „.Kriegsbriefe gefallener Deutscher Juden" heraus (Vortrupp - Verlag, Berlin), eine norwendige Ergänzung zu jenen Sammlungen, die der Freiburger Umversitätsprofessor Witkop 19ltz mit den „Kricgsbricsen gefallener Studenten" begann. Das schmarzgebundene, gntgedrnckte Buch enthält Briefe. Tagebücher, Gedichte von deutschen Inden, die im Weltkrieg gefallen sind — kein Vorwort, kein Nachwort, keine (Erläuterung, — nur auf der ersten Seite dieser Satz: „Wir starben für Deutschland!" Und darunter das Gedicht des ostpreußischen Dichters Walter Heymann, „Tie Ausziehcndcn", das mit den Worten beginnt: „Kennt keiner das Buch, in dem geschrieben steht. Daß dieser falle und jener heil heimwärts geht? Wer immer von Euch fällt, er stirbt gewiß für mich. Und ich soll übrigbleiben? Warum denn ich?" Er blieb nicht übrig, sondern siel, dreiunddreißigjährig, au; 9. Januar 1915 in Frankreich. . . Zwei Gedichte und einige Brieffetzcn Heymanns stehen am Anfang des Gedenkbuchs, mit Recht: der Dichter spricht. Tann folgen. Käme-, raden im Tode, wie sie Kameraden im Leben waren, alphabetisch geordnet, nicht nach militärischem Rang oder Beruf, Juden aller Stände, aller Altersklassen, aller Truppenteile. Durcheinander: Offiziere, Unteroffiziere Gemeine . . Kaufleute. Akademiker, Lehrer. Kapellmeister. Aerzte, Studenten, ein Apotheker. ein Rabbiner, ein Anstreccherlehrluig *. . Grenadiere, Feldartilleristen. Maschinengew'ehrschützcn, Flieger. Telephonisten, Marinesoldatcn, Lazarettärzte, Pioniere, keine >r,ruppengattiing fehlt, — aber auch keine deutsche Landschaft als Heimat dieser Soldaten, die alle, als sie hinsanken, „unbekannte Soldateii" waren, mit Ausnahme des Kriegsfreiwilligen Rechtsanwalt Ludwig Frank, der am 3. September 1914 als erster Reichstagsabgeordneter siel. Nur einen einzigen Lebenden enthält dies Buch der Toten. Der siebenundachtzigjährige Max Liebermann, hat denen, die er überlebte, eine in ihrer Eiiifachhcit ergreifende Zeichnung gewidmet: eine trauernde Mutter sitzt ans der Bahre, während ans beivölltem Himmel die Fahne Deutschlands sich über die weite graue Landschaft senkt. Was schreiben diese Soldaten Und wie schreiben sie'? Schreiben wird gesagt, nicht schrieben. Denn erschütternd gegenwärtig wirkt, was sie mitteilen von ihren Erlebnissen und Gefühlen. Der Jude ist ein „Sohn der Pflicht". Und so rühmt keiner dieser Bricfschreiber seine Taten als besondere Heldentaten, auch wenn die Soldaten von kühnen Wagestücken erzählen, zu denen sie sich freiwillig gemeldet haben. Der Kampf für Deutschland'ist für sie selbstverständliche Pflicht. „Ganz gewiß gehöre ich nicht zu denen, die Phrasen machen, denen der Heldentod fürs Vaterland höchster Wunsch ist. Ein Helden leben ist wahrlich vorzuziehen, aber ich verachte den Tod. Er ist mir Pflicht, wie es das Leben ist. Er umgibt mich in der Pflicht für mein Vaterland . . ." Ter Anfang des Abschiedsbriefe?, den ein Zwanzigjähriger an feine Eltern schreibt: „Falls dieser Brief in eure Hände gerät, bin ich nicht mehr am Leben, dann bin ich, wie schon so viele meiner Kameraden, fürs Vaterland gefallen, und das ist, meine ich, ein Tod, den man mit demselben Opfermute sterben kann, wie den für die Religion, den so viele unserer Ahnen starben." Was schon oft bei der Betrachtung von Kriegsbriefen festgestellt wurde, erweist sich auch in diesem: grade der Nichtschriststcller vermag den Krieg mit knapper, sachlicher Anschaulichkeit zu schildern. Aufregende Abenteuer, zu deren Erzählung der Nomanschreiber viel Raum brauchen würde, werden in em paar Sätzen lebendig, — etwa gefährliche Einzelausgaben zwischen den Schützengräben oder die Erlebnisse eines LffizierfteUvertreters bei der Deutsch-Persischen Mission, der Bagdad durch Minen zu schützen hatte und dies mit solchem Erfolg durchführte, daß die Engländer an der Irak-Front einen Preis auf seinen Kops fetzten. Manchmal schrumpft der Stil der Briefschreiber von der Front zum nüchternsten Telegrammstil, manchmal wächst er ins Dichterische, so ivenn ein Kaufmann in der Winternacht eine gespenstische Stimme ans dem Wald selzallen _ hört. Ader jeder meidet, das Schlimmste 311 schildern. Ter junge Dichter Robert Ziegel: „Eine Schilderung des blutigen Tages werde ich nie geben, schriftlich weiiigstens nicht . . Aber hier soll nicht viel über das Buch gesprochen werden, denn es spricht für sich selbst— durch die. welche in ihm'sprechen. -Diese Briefe sollen mit ihren eigenen Worten sprechen, die mehr sagen, als die Ehrfurcht des Uebcrlebenden 311 sagen wagen könnte. Doch grade diese Ehrfurcht gebietet, zuerst darauf hinzuweisen, wie in den meisten dieser Briefschreiber. auch in den rauhesten, durch das Kriegserlcbnis eine neue oder als neu empfundene Innerlichkeit inmitten des Grauens envachh eine oft merkwürdig sich ansdrückende Religiosität, eine Festigung oder Wiederentdecknug des Judentums. Ein fünfunddreißig' jähriger Kaufmann schreibt: „Vergangenen Sonntag war ich wieder zum Sabbat-Gottesdienst in Laon. Viele Leute werden ja auch jetzt bei mir feststellen, daß der Krieg bei mir eine Rückkehr zur Religiosität hervorgerufen habe. Wenn man damit Verinnerlichung meint: ja: kirchliche Religiosität dagegen: n e i n." . Ein junger Frankfurter: „Möge auch diese Zeit reinigend hineiiffahren in unsere Frankfurter Gassen, möge man verstehen lernen, das; man bisher zuviel danach gefragt, wer reich, wer arm ist . .. Und unser Frankfurt wird sehen, das; cs noch ein Höheres gibt. und das heißt.Mensch sein'. Möge dieser Moment ein großes Geschlecht finden, möge er uns veranlassen, uns selbst zu erziehen, das; wir nach dem Kriege ein Leben mit neuen Begriffen, neuen Vorstellungen beginnen können." Er begeht folgendermaßen den Sabbat: „Ich machte abends Hawdoloh mit altem Kaffee aus meiner Feldflasche, einer alten Petroleum - snnzel und Zigarre als Besvinim. und sang dann für mich allein die Semiraus. Das Vertrauen zu Hakodansch bornchhn begleitet mich von diesem SchabboS in die Woche hinaus, er wird mich behüten und beschützen . . ." Das Judentum spielt in diesen Briefen eine große Rolle. Ein Regieruugsbaumeistcr czählt, welch tiefe Wirkung die Feldgottcsdicmste Tr. Baecks erzielten. Natürlich wird die Indenfrage häufig erörtert. Zwar erklärt einer: „Ich habe nie etwas von Antisemitismus hier gehört, dazu find jetzt die Zeiten zu ernst." Aber ein anderer schreibt: „Das zweite Mal zog ich in den Krieg freiwillig hinaus, ivenn ich .auch als Jude im ersten Teil desselben Zm rücksetzuugen und Kränkungen jeder Art über mich habe ergehen lassen müssen . . . Als deiNscher Jude habe ich, soweit cs in meiner Macht stand, das Baterland verteidigt, ich wünsche ihm, daß es ans den Schrecknissen und Wirrsalen des Krieges als Sieger hervorgehe und endlich auch dazu übergehe, Maimeswcrt nach Tat und Kraft, nicht nach dem Glauben festzn stellen ..." Diese Hossiinng wird sehr oft ausgesprochen. Ein junger Leutnant wird, nach dem er seiner Trauer über die auch während des Krieges nicht verstummten Angriffe gegen das Judentum Ausdruck gegeben hat, ' zum Dichter, als er aus dem Schützengraben berichtet, wie er einen christlichen Kameraden bestattete: „Eine träumerische Nachdenklichkeit über unser Kämpfen uud Sehnen als deutsche Inden, in das mich der heutige sonnige und ruhige Nachmittag versetzt hat.'bewegt mich... Am Abend haben wir ihn dicht hinter unserer Stellung begraben und haben auf seine Rnhestätte ein schlichtes Kreuz gesetzt, ich selbst hatte cs vorher aus hohen Zweigen zusammen-