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Central-Verein-Zeitung · 1934-12-20 · 51 (20.12.1934) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
51 (20.12.1934)
Date
1934-12-20
Page
– (sequence 16)
Language
German
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MS Der alte Salomon-erzählt - --- Am Abend saßen die Verwandten mit den freunden zusammen und plauderten. Der alte ^alomvit^nahm an den Gesprächen, die sich um die Tngesfmycn bewegten, wenig Anteil. Gc träumte über sie hinweg in die Vergangenbeit, so wie der Knabe Paul über sie hinaus - in die Znkintit sann. Der Alte bemerkte wohl dre grüblerische Art des kleinen Besuchers ans ^üddentschland. AlS eine Stockung in die ÜKcbcu kam, begann er: ")hr nehmt die wechselnden Zeitdinge zu wicijtrg. Die Alten haben das nicht getan, wie hatten sie sonst ihr Dasein ertragen können. 'Das waren Leute, die ihr Leben als eine Prüfung nahmen. Die wußten nicht anders, als daß sechs Wochentage als Elendstage hinrlingcn. Ter Labbat allein gab ihnen eine Ahnung von Glück. Der Labbat war ein Abglanz von Eden für sie. einmal in der harten Woche erlebten sie einen Tag von paradiesischem Jenseits. Sie legten den Sorgenpack neben sich hin — für ein paar Tranmstnnden. Euch ist der Labbat nur noch ein Kalenderrnhetag - eine Gesetzbestimninng, ihnen war er eine göttliche Begnadung. Mein Großvater sagte vom Labbat: „Es ist der Tag. wo die Inden in Gott eingehen. Tie Lehre wird ihnen an diesem Tag gegeben mit Längen und Beten." Die Versammelten hörten den Greis mit Aespclt, mit Geduld, manche auch etwaS teilnahmlos. nur der Knabe Paul sah den Alten still und groß an. Ihm zuliebe fuhr er denn auch fort:" „Mein Großvater lebte noch in den härtesten Zeiten ... er war ein Zwerg an Muchs und ^rast. aber der Schwächling wurde znm Lieger über das Leid. Als er — noch ein ganz junger Mensch — zu Fuß nach Berlin wanderte und an das Tor des'Ghettos klopfte, sah der Torwart durch das Fenster und konnte niemand erblicken, weil der Großvater nicht bis an das.Fenster hinausreichte. Der Torwart ries: „Wer ist denn da? Ich sehe, nichts! Sind das Lchednn, die klopfen?" ' . Der Zwerg rief: „Ich bin's, macht auf." „Wer ist ich?" „Aaron Mandelbainii." „Häufchen Elend, rvas nullst du hier?" „Lernen, Herr Torwart." Und der Jüngling lernte bei Tag und bei Nacht. Und der Kleine wurde ein Lickst in Israel, und nicht nur die Jaden verehrten ihn, auch die Ehristen kamen und holten bei ihm 'Kat. Er sah tiefer in die Wirren des Menschseins hin.ein als andere und stritt mit dem Leben und seinen Tücken uwise lächelnd. ' Was-desaß er damals? Ein Lager, einen Tisch und zwei Stühle. Wenn zwei Freunde zu ihm kamen, um mit ihm zu debattieren, setzte er sich auf das Lager, der eine Freund auf den Thch und der andere auf den Stuhl, der ohnehin noch wackelte. Klagte er darob? O nein, er sprach ein gütiges Witzwvrt, und die Stube wurde ein reiches Gemach. Was würdet ihr da tun? Ihr nu'irdet jammern ob euerer Not, denn ihr habt die Weisheit der Väter verlernt. Ich glaube, der Großvater hatte das Blut der MWMü ftvMiil kv-s wijiw alten - Propheten, er sah wissend in die Dingehinein. Er mochte mich wohl leiden und gab mir viel gute Worte mit in das Leben: „Eifere nicht, lerne begreif^." „Wenn die Menschen um dich her genug geschwatzt haben, kehre mit einem guten, verzeihenden Lächeln in dein Selbst'zurück." Ter Großvater hatte nicht mlr mit der llnbill des Lebens da draußen zu ringen, er .hatte noch mehr Kamvf mit den Gegnern in den eigenen Neigen. Denn die wollten nicht den, der begreift, sie wollten nur den gelten lassen, der eiferte. Sie waren selbstgerecht und verschlossen sic!) gegen die, die werter sahen. Er tadelte sie nicht, er schmähte sie nicht, er litt um sie. Er hatte ein Weib! Sie war schön — die Esther — sie pflegte ihn, wie ein Pflänzchen im Treibhaus. Die Aerzte hatten ihm einst ein kurzes Leben zugestanden... er erreichte das neunzigste Jahr —. Er. der fast nur ans Geist bestand, hatte sechs Kinder. Da man damals aber zwölf Kinder als Norm annahm, schrieb er die-Namen der kommenden weiteren sechs zuvor ans. „Aber", sagte er, „sie kamen nicht, ich habe sie vielleicht mit beit falschen Namen ailfgernfen." Als er starb — eS'war zehn Jahre nach dem Tod seiner Esther, sagte er: „Sie ging mir voraus, sic war eben besser als ich, sie brauchte nicht so viel Zeit, um den Staub der Erde von sich abzuschütteln." Berthold Auerbach macht Besuch Der berühmte Vetter ivurde zu Besuch erwartet. Er hatte eine ganz ungewöhnliche geistige Gefolgschaft — nicht nur in Süddcntschland, in ganz Deutschland — ja, in allen Ländern. Er hatte in allen Kreisen, auch in den sogenannten „allerhöchsten" Bewunderung und Anerkennung gesunden. Er hatte den leidenschaftlichen Glauben an die Vereinbarkeit von Iudesein und Deutschsein — er war der „Entdecker" einer deutschen Landschaft durch seine Erzählungen, durch seine warmblütige Auffassung von Heimat und Menschen. Man war früher gleichgültig durch die Wälder seiner Gegend gereist und war froh gewesen, wenn man die „düstern" Berge endlich hinter sich hatte. Jetzt gehörte es. zur „Bildung", einmal dort gewesen zu sein und dies oder jenes Vorbild der Geschichten kennengelernt zu haben. Ter Dichter reiste viel und fand immer Zeit^ die Verwandtschaft zu besuchen.' DaS loar dann „das" Familienereignis für, viele Wochen. Der kleine Paul schwänzte die ^chtrle, als man wieder einmal auf den großen Vetter wartete, er lag am Fenster und schaute die Straße hinab. Nichts war noch zu sehen. Er lehnte das Mittagessen ab. Der Vetter stand in der Zeitung — er hielt am Abend einen Vortrag. Paul überlegte, wie er sich da hineinschmuggeln könnte. Aber Kinder wurden doch nicht zngelafsen . . . er, war sehr unglücklich darüber, daß er noch als Schuljunge galt. Die Mutter hatte den Kaffee aufgestellt und den Wärmer darüber gestülpt.. sie hatte .,-.ertra Pflgmnenknchen gebacken,, weil der „Bc- —^rühmte" den Kuchen besonders -liebte -. { der-- Kaffee drohte kalt zu werden. Er war immer noch nicht da .. der Ersehnte! Vier Uhr nachmittags! Paul beugte sich beängstigend aus dem Fenster .. Da — ganz"' ferne, am Straßen eck kam eine behagliche Ge- --statt, sie hatte ein dickes Bäuchlein-und blieb -'"stehen, um jemand zu begrüßen. Er war's — aber immer noch ein Aufenthalt. Paul schrie durch die Türe: „Er kommt". - Die Mutter band sich die Schürze ab, lief an den Spiegel, die Schwester „spickte" durch die Fensterläden, sie hatte darin ihre eigene Tech-. nik — sie sah oft nach Leuten, die sie iiiter-' essierten. ’ Die Glocke ging, die Mutter ries: „Bischt endlich da!" Paul streckte d-n Kopf zwischen die Türspalte. Der Berühmte war ganz schlicht, gar nicht hochmütig, das Gesicht umrahmte ein gemütlicher, biederer Vollbart. Er sagte mit warmer Stintme. im Ton der Landschaft: „Grüß Gott. Bäsle". Daun wurde er ins Zimmer geleitet. Paul stand hinter der Türe mit Herzklopfen, er wagte es nicht einzutreten, die Mutter stellte die Schwester vor, auf die sie besonders stolz war. Der kleine Dicke kniff die Kleine in die Wangen und sagte: „E netts Mädle". Nun dachte Paul, er werde drankvmmen, aber die aufgeregte Mutter huschte zur anderen Türe hinaus, um den Kuchen zu holen — der sollte besonders begrüßt werden, und der Dicke rief denn auch: „Ei was! Zwetschgekuche, ei ei!" Paul war enttäuscht, gekränkt, und mit Recht. Jetzt ginge er gar nicht mehr hinein, . . >venn er noch vermißt würde. Er blieb im Versteck und heitlte in sich hinein vor Wut. Der Berühmte ließ sich's schmecken und fragte sofort nach allen Verwandten, die in der Stadt lebten, und es wtcrde mit großem . Eifer geschmatzt und geredet. Den Dicken intcrcsstcrten alle kleinen Einzelheiten. Er fragte nach einem seiner Lieblinge, der hübschen Nanette. Die Mutter holte weit aus, die Nanette hatte einen Nichtjnden geheiratet. ‘ Die Ehe war nicht gut geworden. Tie Kinder verließen das Elternhaus, um nach Amerika aus.zuwandern. Ter Dichter nahm die Nachrichten mit großer Teilnahme hin, es schien, als formten sie sich in ihm schon wieder zu einer Geschichte. Er fragte nun nach dem Babettle. „Das Babettle ist gut verheiratet, es hat schon drei Kinder." „Sv, Mädle oder Buben?" „Ja, den Jakob, das Mariele und den Benjamin." „So, so. die müßt ich eigentlich auch noch' besuchen, aber ich Hab' keine Zeit mehr." Die' Mutter berichtete * noch von dem Lärnmle, dem Sonnenwirt. Der Dichter lachte und sagte: „Ach der — der ischt so dick, daß er sich hat eine eigne Schtubentür barten lassen müssen." Und dann fügte er schalkhaft hinzu: „Oder ist des Geschichtle verlogen?" Die Mutter ging auf den Scherz nicht ein, sie hatte keinen Humor. Paul wunderte sich hinter der Türe, wie herzlich der Mann lachen konnte, von dem er wußte, daß er in ' aus brr LrüMiLira LirörchmdiSM zu LcMhrrg naLgeLMet csn §ritz Slojeniisal König Du und Herr, ivie groß ist Deine .Macht'.' Tu gibst dem Tag sein Licht und Finsternis der Nacht. Daß sich die Welt soll freuen. König aller Ehren, dem es nie gebricht Hell den Tag zu schmücken mit dem - Sonnenlicht Und nachts den Mond zu neuen. Tu schufst den Himmel und der Sterne . Heer. Dein Ruhm wankt nimmer, nimmermehr Und ewig hast du Gaben anszustreuen. der Zeitung von Kämpfen um das Judentum schrieb. Endlich ging der Faden ans, umn hatte alles durchgehechelt. Tie Mutter rief am!, nach Ptaul. Er rang mit sich, ob er noch kvmmcu sollte. Tie Schinester sagte: „Der Paul hockt hinter der Tür." Der Ticke lachte wieder und ging selber hin. um den Jungen zu holen. Er fand den Verschüchterten, reichte ihm die Hand und sprach: „Du bischt aber ein sonderbare Männdle." Tie 'Mutter sagte ärgerlich: „Fa, der ischt arg sonderbar." Ter Tächter sah ihm in die Augen: „Des-macht nir. cs muß auch so Leut geben." Tann gcrb er ihm einen gutgemeinten Klaps, sah ans die Uhr und zagte, er habe sich schon arg verspätet, und er fei mit Freunden verabredet. Tie Namen, die e.r nannte, waren von gutem Klang, sogar der kleine Paul hatte die Männer schon vielfach nennen hören. Er war zufrieden. Ter Streich über den Scheitel, der Klaps und das Wort: „Es muß auch so Leut geben", wirkten ein Leben lang in ihm nach . . . Lehranstalt für di« Wissenschaft de» Judentum. Tic Vorlesung von Professor Tr. Buber üdrr: „Biblischen Messianismu?" findet in den Monaten Kannar und Februar 1935 jeden Freitag, von 11 bi* IS Uhr, in der Lehranstalt. ftatt. . Beginn: Freitag, l l. Januar 1935. Persönliche Anmeldung zur Entgegennahme des Ausweise» Montag. 7.. und Mittwoch. 9. Januar 1835. im Sekretariat der Lehranstalt, Berlin dl 24. Artillertestraßo 14, Zimmer 6. 9.30 biL 12 Uhr. Warnung. Tie Frankfurter Ortsgruppe der Selbsthilsegcmeinschaft für Körper, und Sehbehinderte teilt mit: (Sin von un» nicht beauftragter Mtann mittleren Alters soinrnolt bet Frantsul-ter- Armen Spenden für jüdische Körperbehinderte.'Wie bitten, den Brief mit unserem Stempel und die Sammelliste einzubehalten. die Person scstzusiellcir und sachdienliche Mitteilung an die Geschäftsstelle tnranksurt a. M., Lleichstraße 8, parterre. Tel.: 23912) zu machen. Die Tclbsthilfegruppe jüdischer Körperbehinderter in Deutschland bietet ihren Mitgliedern neben .Rechtsschutz kostenfreie Beratung in Fragen dec -schul- und Berufsausbildung. Lcbcnsgesialtung u. a. m. Tic Sprechstunde der Beratungsstelle der C v U g ni b b c Berlin ist jeden Montag von bei Hans I. H c h m a n n.' Berlin MV 87, Tile-Ward^nberg-Straße 10. parterre, oder nach vorheriger Anmeldung unter tt 9 1305. spielte Mtatncrwcrfp von Mcudstssohn und Ehopin mit ausgezeichneter Technik und Einfühlnng. Tr. <-a« kom zog die Hörer mit dem vollendeten Vortrag eines Adagios von Schubert und mehrerer technisch besonders schwieriger Stücle von Tavidosf in den Bamr seiner großen Kunst. Hertha Kahn, die in der Ballade und Polonäse von Bienrtemps ihr starkes Talent in der Bewältigung technischer Schmieriateiten Vennes, brachte außerdem zwei sehr wertvolle Stücke von Ernesi Bloch den Zuhörern nahe. Bor allein erlebte das in wuchtigen Konturen gezeichnete Werk „Baal Schein" (Nigun) unter ihren Händen eine ungemein plastische, sehr beredte Dar» stellnng. Paula Lindbcrg konnte setzt endlich auch bei uns den großen "Huf, der ihr als Sängerin vorausging, bestätigen. Ihre warme, wohlansgeglichenc Attstinnnc und ihre starke Ansdrnckssähiglert entzückte alle Andrer. Zn gleicher Weise fand Wilhelm Gutnnaun, der sich mit einigen außerordentlich wirksamen Gesängen bei uns einsührte. sofort Kontaft mit den, hiesigen Publikum. Durch die nnalaublich packende Art und Eharakterisierungsümst. mit der er Löwesche Balladen, die Barbier-Arie und (als Zugabe) das Mephisto-Lied von Moussorgsly vortrug, riß er die Zuhörer zu stürmischem Beifall hin. Ein dcsvirdereö Lob verdient der Kapellmeistcr Werner Singer, der als unermüdlicher Begleiter den zum Teil' recht schwierigen Klavierpart künsi- Icrisch gestaltete. _ vr. F» ..Die rosenrote Brille." Ein Kleinkunstabend, gleichzeitig Werbcvcranstaltung der neugegründeten Indischen Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft. Säulen dieses Indischen Kabaretts sind Willy Prager, Paul Schwarz, nur sic eine Schar znm Teil jüngerer und nicht unbegabter Kräfte. Hagen konferiert reeffsicher mit bewährter Avutine. Unterhaltung im besten Sinne des Wortes pnd Operettenrnelodien, von Paul Schwarz mit immer gleichbleibender gesanglicher Kultur und mitreißender Wärme gesungen. Willy P r a a e r 8 , Couplets verfehlten auch diesmal ihre Wirkung Nicht. Em Sletsch um Willy Prager „Ein kleines Easü sicht dich an" war reichlich dünn und brachte den Nnancenreichtum des Pragerschen Spiels Nicht voll zur Geltung. Erfreuliche Bereicherung des Nepertoires war ein neues Gesicht: Erika Storni, schon äußerlich eine bezaubernde Erscheininig, die Vach anfänglrcheri Hemmungen nut angenehmer imö gelöster Stimme Opernarron und Lieder sang. Volkslieder liegen ihr offenbar am besten. Solides und dankbar anzuerkcnnendeS artistisches Können gab dem Abend sein Gepräge. GeschmacksverirriNigeu der vorletzten Vcranstal- Niiig wie etiva die Ansage von Volksliedern in ziickersüßen Versen suchte mari nach Möglichkeit zu bernieiden. und das vorwiegend den traditionsgesättigten Kreiscii der jüdischen Gesellschaft ent-' stammende Publikum folgte den Künstlern dankbar und ohne besondere Ambitionen. Ausfällig war — und da ich hier eine Gefahr sehe, möchte ich cS wagen, sie zu betonen — das fast völlige Fehlen der Jugend. Die Jugend und ihre unbelümmcrte Frische fehlte dem Parkett und fehlte der Kulisse. Will mau gewichtigen Teilen deS Hamburger Judentums seine Unterhaltungsstätte in vertrauter und gewohnter Form erhalten, so gebe man der Jugend an anderer Stelle, waä der Jugend ist: eine Plattform, von der Vertreter der Jugend in künstlerischer Sprache und Gestaltung au ihrer Generation sprechen können von ihren Gedanken und Problemen, wo die Jugend erperimentieren kann und time, ihr gemäße Formen erproben. LdL Das I ü dische K a m m e r o r ch e ft e r (Leitung: Edvard Moritz) führte in seinem 3. Konzert Werke von Eorelli, Bach und Tschaikowsky auf. Tic Darbietungen erbrachten den Beweis, daß das junge Orchester unter der Leitung seines rührigen Dirigenten schon jetzt in der Lage ist, auch schwierige Werke mit großer Klangschönhcit, Akkuratesse und starker Empfindung für kammermusikalische Feinheiten zu meistern. Bernhard A b r a m ö w i t s ch spielte, vom Orchester zuverlässig und gewandt begleitet, dad Klavierkonzert in v-mol! von Bach. In erstaunlicher Weise hatte sich der Solist in den Geist und die komplizierte Architektonik des Werkes hineingearbeitct und konnte vor den sehr dankbaren Zuhörern einen äußerst wirkungsvollen Bau erstehen lassen. Im dritten Werbeabend deS Kulturbundes vereinigten sich mit außerordentlichem Erfolg die Berliner Künstler Wilhelm Guttmann (Bariton) und Dr. V. E. Wolfs (Klavier). Guttmann sang vollendet Arien von Händel, Lieder von Mahler und Balladen von Löwe. Er fand in Dr. Wolfs einen Begleiter, der bis ins einzelne auf die Ideen des SängcrS einging. Auch als Solist verstand Dr. Wolfs die Zuhörer mitzureißen. Seine Darstellung zeugte von ausgezeichneter Technik, an besonderer Anschlagskultur und feinem Stilgefühl. Dr. F, > Schwerin i. £!. In der Ortsgruppe des Kulturbundes deutscher Juden brachte Opernsänger Wilhelm Güttin a u n, Berlin, begleitet von Erna Klein, Berlin, u. a. Arien von Händel, lllleyerbeer, Rossini, Verdi sowie Lieder von Schubert und Balladen von Loewe. Am 2. Dezember fand ein Kouzcrtabcnd statt. Iolanthe und Ruth Waghalter spielten u. a. Werke von Beethoven, Brahms, Ehopin» Mendelssohn, Tschaikowsky. Mozart und Schubert. StM Eifrige Werbearbeit, gefördert ^durch einen Vortrag deS Intendanten Dr. Kurt Singer. Berlin, der umrahmt war von Darbietungen des Organisten Erwin I o 8 p e. Berlin, der Altistin Gertrud Klein, Stargard, und des Baritonisten Arthur Blumenreich, Stettin, brachte die Gruppe Stettin des Kulturbundes deutscher Juden schnell auf'über 600 Mitglieoer. -ou: >oi:i.uu|uuuuig svar ein oeircns s lungener Auftakt.' Der Baritonist Dr. L Ba r c zi n skt und die Sopranistin Rita Atl c, sangen Arien und Duette aus Häudelschen ui Mozartschen Werken. Das Streichquartett d Herren Willy Frey, Joses Scheck)ter, L R o 8 t a l und Ätar: Modern erntete mit d „Kleine Nachtmusik" von Mozart stürmisch Applaus. Sänger und Musiker vereinigten sich z Wiedergabe von Pergoleses „Serva Paüron, unter Leitung von Kapellmeister Hugo Str l i tz e r, der vorher die Sänger am Flügel begleil hatte. Das Publikum ließ sich gern von der srö lichon Stimmung des Werkes mitreißen u bamtc den Künstlern durch viele Hervorrufe. Julius B a b, Berlin, sprach über „Hiob u Faust . Er ging vom Geschehen unserer Tage at in denen der jüdische Mensch oft vor die Fra uach^dttn^Welterleben seiner geistigen Exrste beer konnte leider, nicht den erwarteten vo bringen, da die Veranstaltung im les?"^b lck m die Synagoge verlegt werden ein Teil des Programms ausfallen mußte. %\ bc-.*i boten die Berliner Künstler einen gennsweichen Abend. Am 2^. November rezitierte Ludwig Hardl mit bekannter Nieisterschaft. Die erste Tezeinberveranstaltnng trug ernsten Eharaktcr. Hans Samuel (Orgel», Haiiö Kraus (Violoncello). Frau R o 8 u e r (Sopran» gaben ihr Bestes zum Gelingen der Veranstaltung, die musikalisch auf beachtlicher Höhe stand. Eine zweckmäßigere Zusammenstellung des Programms hätte den musikalisch nicht vorgebildeten Zuhörern mehr geben können. 0. >l. Als Hauskonzert veranstaltete der Pianist Josef Wagner einen Abend mit dem Geiger Boris Schwarz. Daß hier wahrhafte Künstler in ideal schönem Zusanunenspiel musizierten, bewies die Wiedergabe der Händelfchcn Viollnfonatc D-dnr und des Mendelssohnschen Vivlinkvuzerts op. 64. Tie künstlerisch vornehme Gesinnung der Leiden Atusiler offenbarte sich am deutlichsten in den Solovorträgcn. Lchivarz spielte Bachs Präludium und Fuge (l-moll die der Bogeinechnik Gclegcncit zur reichen Entfaltung bieten, nicht als Bravourstück, sondern mit innerem Erleben, wodurch die Plastik der Polyphonic wesentlich erhöht wird. Wagner brachte Brahms' st-moll-Sonatc cp. 5, die er vortrefflich nachbildete. Ter Jüdische Dttifikverein ließ in seinem 3. AbonnemeniLkonzert die Sopranistin Trudc^ B e h r und das K r o y t - Q u a r t e t t zu Gehör kommen. Das Kroyt-Onartett brachte Werke von Mendelssohn und Beethoven. Das präzise Zusammenspiek ließ erkennen, mit wie feinem Gc- .fühl für echte Gemcinkunst hier mnsiziert wird. Die erste Violine mag sich allerdings vor allzu starkem Vibrato hüten. Trude Bchr bereitete mit dem Vortrag schottischer und walisischer Volkslieder von Haydn mit Triobegleitung einen -seltenen Genuß. Der geschulten und sympathische» Stimme liegen die schlichten Volksgesänge besonders gut. Die erfolgreichensechs Lieder von Brahms wurden von Kurt Havelland am Flügel ausgezeichnet begleitet 0.?. Der Berliner Kulturbund zeigte mit einem Teil seines Ensembles und mit Breslauer Künstlern seinen „Oestlichen Bilderbogen" und fand wärmsten Beifall'. ' Zu den sieben' Volksbildern, die den Erfolg deS -^ötldcrbogenS" i:r

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