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Central-Verein-Zeitung · 1934-12-13 · 50 (13.12.1934) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
50 (13.12.1934)
Date
1934-12-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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M B Für - den 'britischen Faschismus und seinen Führer wirbt em Buch von James Drennan unter dM ^.ckcl „B.U.F/, was auf deutsch „Britische Faschnten-Union" bedeutet. Oswald Mosley Hab cm Varwort versaht, das die Bedeutung -Berosfentllchung durch die Mitteilung unter- .'weicht, jic solle dem deutschen Bolle die Kenntnis der uellen Bewegung in Großbritannien verimttcln. Der Drang der jungen' Generation', m’nr und höhere Formen der europäischen Zivilii.uion .zu finden., wirke sich in Großbritannien in linderen Formen und Methoden aus, als in Deutschland. '„Getrennt wollen wir — jeder rnr nch — kämssten', um untere beiden großen Marionen vor den dunklen Mächten zu schützen, die sie mit, Vernichtung bedrohen . . . und zu- '.rin men wollen wir an den Aufbau eiueS Europas der Zukunft gehen, daß den neuen Herzen und dem neuen Geist ganz entspricht/ Die llcbersetzuug. die' in Walter Bacin c i sr c r s Verlag erschienen ist. enthält störende Detller: so ist immer wieder von ..Steuern" aus Dlri.ch und Weizen die Rede, während Zölle gem-.'int sind. Und die an sich dankenswerten Anmerkungen sind nicht immer genau; beispielsweise mar der Graf Shastesbury, dessen Menschenliebe erivähut uürd. nicht der Staatsmann aus der Zeit bromwellö, sondern' der ausgezeichnete Sozial- Politiker des 19. Jahrhunderts, dem die anglikanische Kirche starke volkstümliche Impulse verdankt. Aber das Bull) selbst ist inhaltsreich und noerbekrästig. obgleich oder weil es die Erfolgsausüchten Btosleys. keineswegs überschätzt. „Er tanu". so wird gesagt, „mit seinen jungen Anhängern aus den kleinen Gruppeukämpfen in den dunüigcu Sälen ärmlicher Straßen heraus an die J-ührerttellung im neuen England.gelangen. Oder .'eine Pläne können scheitern; dann wird er schneller als Tilke vergehen und weniger als Randolvh Ehurchill bemitleidet werden.' Wenn England eine neue Walpole-Periode der llllattigkeit verfällt, wie es nach den Malborough-Kriegen der Fall war. oder wenn irgendeine dauerhafte Form, nationaler Regierung — eine neubelebte Whig-Herrschaft — sich als der angemessenste Ausdruck englischen Geistes in einer Zeit des Stillstands oder des Niedergangs crwciicn sollte, dann würde Mosley die grösste persönliche Tragödie der englischen Geschichte seit Bolingbroke erleben/ Oswald Spengler hat den gegenwärtigen Zustand vorausgesehen: „die Sammlung der formlosen Masse unter dein Gefühlseinfluß einzelner cäsaristischer Führer". Der Faschismus überstimmt Spenglers. Analyse, lehnt jedoch den Pefsi- .uiismuL sciner'-Schlusstolgerungeu ab. Tie wirtschaftlichen und technischen.Hilfsquellen der Neuzeitgeben die Mittel die Krankheiten zu überwinden, die früheren Weltzivilisationen ein Ende bereiteten. Aber das kann nur ein starker Staat, der über'alle Kräfte und da? ganze Kapital deZ Landes gebietet. Deshalb muß eine Minderheit zu einem „Bündel" zusammengefaßt werden, unter einer persönlichen Führerschaft. Mosley habe in England eine' Organisation ausgebaut, die von Monat" zu Monat neuen Anhang findet. Seine früheren Fehlschläge hätten die alten Parteien dazu verleitet, sich in einem Gefühl ahnungsloser Sicherheit zu wiegen. . . Der junge Baronct Mvsley kain bei den Kriegs- Wahlen von 1918 mit 24 Jahren ins Parlament. Ich war. so sagte er später, ein Bewunderer Lloyd Georges, der in unvergleichlicher Sprache die Ziele"und Ideen der Kriegsgenerationen formuliert hatte. „Niemals hat jemand vorher oder nachher die Phantasie Jung-Englands so völlig {jYtXo'f tv r. p >' p iofc 'Ztondnt £)(6ri>$'(i(zXr; \^Ro ß}7i§ 'saugen genommen und so gründlich verraten, öohe Löhne und kürzere Arbeitszeit als Grundge für einen blühenden Jnlaudsmarkt" - war iosleys erster Wahlkampfruf. Er sei. so sagte er, unals als Konservativer gewählt worden-auf ein rograimu hin, das sozialistischer war, als das nrtige der Labour-Partei. Nach seinem Uebering zur Arbeitervartei 1924 habe er in deren lahmen für dieselben Ziele zu wirken versucht, is er erkannte, daß er sich gegen den Parteipparat wicht durchsetzen könne. Es folgte 1931 er Versuch, junge Konservative und junge Lpzm- Tten zu einer „neuen Partei" zusammenzufassen, er -19N1 alsbald mit einem völligen Fras.o Warum ist Mvsley nicht in die Reihen der konservativen zurückgekehrt? Mit dem Ziel nach >em Borbild Benjamin D i s r a e l r s ferne sozra. cu Ideen gerade dort durchzusetzen. der här es e widerstand saß. aber auch der dauerhafteste Erfolg omkte. An-einer Stelle de8 Luches wird beiäufig bemerkt, Disraeli sei „der einzige Uu^neitcr" gewesen, „dem es gelungen Ist. srch der konservativen Partei aufzuzwingen. Ev, )a linzugefügt werden können, daß alles aufge o lvurdc. diesem Mann, der sich in seinen >Lchrrf stolz zur jüdischen Gemeinschaft bekannte, nus seinem einsamen Weg zur Größe auszuhalten Und daß er trotz allem zum Ziele gelangte und-Las Land, dessen Geschick in seine Hände gelegt.war, nach jahrelangen krampfhaften Erschütterungen und kleinmütiger Zweifel zur Größe deS Weltreichs führte. -Disraeli begann als Führer von „Jung-England" und war ein alter Mann, als er Premierminister tvurde. Motzley ist jetzt 38 und glaubt nicht warten zu können. So brach er alle Brücken zu dem alten Parteiwesen ab und wurde im Herbst -1932 Faschist. „Gegen den Rat von einigen seiner engsten Freunde, die von der Meinung besessen waren, die Engländer.könnten keine Uniformen 'vertragen", entschloß er sich, 'das Cchwarzhemd anzulegen. Die-Ereignisse haben bewiesen, daß das Tragen einer besonderen Uniform ,„guch wenn es dem ängstlichen Bürger unangenehm ist", einen tiefen Eindruck auf den Arbeiter macht, zumal das Schwarzhemd die Klassenunterschiede in der Bekseidung beseitigt. Die Parolen hoher Preise für den Landwirt und hoher Löhne für alle Konsumenten ergänzte Mosley in der letzten Zeit noch durch eine entsprechende Forderung für das Empire. Das Ausland wird nicht nur vom heimischen Markt ausgeschlossen, sondern überall in dem weiten Weltreich. wo die britische Flagge weht. England kann ans den Export nach fremden Ländern verzichten, wenn es sein Empire abschließt. „Jetzt und hier ist es möglich", so schreibt Mosley, „das englische Weltreich vor dem Chaos der rückständigen Böller der Welt zu retten, wenn wir ein in sich abgeschlossenes Weltreich errichten, in dessen Grenzen die höchste Kultur besteht, die die Welt je gekannt hat." An anderer Stelle des Buchs findet sich die Versicherung, der faschistische Nationalismus sei „pazifistisch" und „panenropäisch", müsse geradezu als ein „paueuropäischer Ausweg betrachtet werden". Zur Rassenfrage wird die folgende Aeußerüug Mussolinis zitiert: „Natürlich gibt es kerne reinen Nassen mehr: nicht einmal die Juden haben ihr Blut vvr Mischungen bewahrt. Erfolgreiche Kreuzungen haben oft die Kraft und Schönheit einer Nation erhöht. Nasse! Sie ist ein Gefühl, nicht etwas Wirtliches, wenigstens 93 Prozent daran ist Gefühl . . / Für den englischen Faschismus hat Mosley im April erklärt, es werde „um der Rasse oder der Religion willen in Großbritannien keinerlei Verfolgung geben". Aber der Eintritt in die B r i t i s h Unionol F a s c i 8 t s sei den Juden zu verwehren, weil ihre Presse den britischen Faschismus aufs grimmigste bekämpfe und weil die übergroße Mehrzahl der Juden sich selbst als international erkläre und die Interessen ihrer eigenen Nasse über die Interessen des Landes stellen, in dem sie sich aushalten. Das Buch, in dem diese Feststell. ug erfolgt, ist dem Andenken an Lady Eyntia Mosley gewidmet, der jüngst verstorbenen Gattin Sir Oswalds, die als „Vorbild wahrer Seelengröße" bezeichnet wird. Es darf wohl daran erinnert werden, daß Lady Cythia eine jüdische Mutter hatte. jg- Eine bekannte süddeutsche Journalistin, Dr. M. W., -hat eine Reise durch oberhessischc Kleinflcmeinbcn. gemacht, um sich darüber zu unterrichten, wie -diese zum großen Teil vereinsamten Menschen wirtschaftlich, kulturell und seelisch betreut werden. Sie veröffentlicht ihre Eindrücke rn der Frankfurter Beilage des „Israelitischen Farnilienblatts". Aus ihren Schilderungen geben wir nachstehend einige Auszüge. „Wenn diese Juden aus Oberhessen heute nach Frankfurts kommen, hat die Fahrt oft noch einen anderen Grund. Fast jedesmal müssen sie den Syndikus des Centralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens aufsuchen, der sie . . . in juristisch-wirtschaftlicheu Fragen betreut, von dein sie aus seiner taktischen undpolitischen Erfahrung her einen guten Rat oder eine Anweisung wollen, wie sie sich in diesem oder jenem Falle zu verhalten haben. Es handelt sich selten um allgemeine Nechtssachcn: solche übergibt der Berater grundsätzlich einem Anwalt. Sondern es handelt sich um die kleinen, die kleinlichen Fälle und Zufälle des Tages, die einem Menschen bitter zu schaffen machen können, wenn er allein gelassen wird. Und darin gipfelt auch jede Klage dieser jüdischen Vereinsamten: „Ihr in Frankfurt habt's gut! Ihr habt euch gegenseitig. Ihr könnt Zusammenhalten. 'Aber wir-- Wir sind 'allein/ - Nickst allein lassen! Das gehört zu den wesentlichen Aufgaben dieser Betreuung von dem zentraten Frankfurt aus; es ist ebenso wichtig wie die praktischen Folgerungen und Anweisungen, die der Rechtsberater zu geben hat; es ist ein moralischer Halt und ein Gefühl des Trostes, das von dem Wissen ausgeht. Ab und zu aber setzt sich ihr juristischer Freund und menschlicher Helfer in einen Wagen und fährt einen Tag lang durch die Dörfer und die kleinen Städte, und überall heißt die erste Frage: „Wiegeht es in Ihrer Gemeinde?" Biele sind weggezogen, und auf den Schultern der Zurückgebliebenen liegt die ganze Last der Verantwortung für die Gemeinde. Tenn das ist die immer wiederkehrende Sorgenklage: sie sind so wenige, .sie haben Gemeindeschulden. sie müssen ihre Armen aus den tief geschmolzenen Mitteln und Spenden unterstützen. Hier setzt die Mahnung und Belehrung ihres Beraters ein: warum wenden sie sich nicht an die zentralisierte, organisierte jüdische Hilfe? Warum wird der Fall dilettantisch behandelt, statt daß er an die zuständige jüdische Wirtschastshilfsstelle werter gemeldet wird? Die Gesichter bleiben ein wenig ungläubig; die Armen — von Fremden, Auswärtigen versorgen lassen? Aber die Gemeinde hat das doch seither selbst getan! Eine Mizwoh — weitergeben? Das ist ein Punkt, an dem ihnen das Umlcrnen schwer wird/ . . , ... . . Frankfurt. Frankfurt. Frankfurt — dä§ ist immer der Mitklang und Nachklang, und darüber schwingt eine ergreifende Dankbarkeit^ für ihren Berater vom Centralverein, der zu jeder Zeit bereit war, zu. ihnen, zu kommen und zu HAfen, wenn Hilfe nottat. Nur in einem kann ihnen Frankfurt nicht helfen: in der Schulfrage. Wer sich's leisten kann, hat seine-Kinder hierher in Pension gegeben und läßt sic hier zur -Schule gehen. Aber in sehr vielen Fällen ist das nicht möglich. Eine Gemeinde hat eine glückliche Lösung in Aussicht: die Reichs-Vertretung will die bestehende jüdische Schule in .einer Nachbargemeinde mit ihren Mittelii erweitern —- und die Gemeinde plant, einen Autobus zu mieten und in ihm alltäglich ihre 40 Schulkinder zur Schicke hin- und Heimreisen zu lassen. So. drängen sich auch hier die jüdischen Gemeinden in gegenseitigem Helsen aneinander, so werden neue ^Kräfte gespannt und ein neues Ja gefunden . . ." " UN lie -WMsW Seitdem der Reichspressechef der NSDAP Dr. Dietrich in seiner Kölner Rede über die Krise der Philosophie „Das deutsche Volk zu den Waffen des Geistes gerufen" hat, tauchen in den Zeitungen und Zeitschriften immer mehr Aenßerungen zu diesem Thema ans, und die Diskussion der so wichtigen Frage, der Lebensfrage der Philosophie, ist längst nicht mehr nur auf die Fachgelehrten be> schränkt. Wie in Tr. Dietrichs Rede stelst auch in den meisten weiteren' Beiträgen jener -Brief des deutschen Philosophen Husscrl an den Prager Philvsophenkouareß im Vordergrund und am Eingnngspnnkt der Erwägungen: die Erkenntnis, wie schlecht es eigentlich doch jetzt um die Philosophie stehewie wenig sie sich benn'ihre', ist durch Husserl quasi legitimiert, und man erkennt seine Berechtigung zur Kritik um so williger an. als er. der längst weltberühmte Nestor der deutschen Philosophie, zugleich der Lehrer und Initiator aller und alles dessen ist. was mau noch für tragbar und znlunststrächtig erklärt. Bei den verschiedensten Ileberprüstmgen findet kein zeitgemäßer Denker so unbedingte Anerkennung wie Husserls Schüler Heidegger. ferner neben Heinrich Rickert auch Scheler und die idealistischen Neukantianer: denn in der allgemeinen Wendung gegen Materialimus und Mechanismus wird selbstverständlich jeder echte Idealismus als positiver Wert geltend gemacht. Kritischere Betrachter allerdings, wie z. B. E. Th. Lugger in der „Geistigen Welt" (Beilage zum Stuttgarter Neuen Tagblatt vom 24.November), akzeptieren Kant nur in Heideggers Interpretation und konstatieren als Epigonentum, was den- Männern des 1l>. Jahrhunderts übrig blieb: „Philologie treiben, wie Baihinger und Adickes, Methodenlehre und Propädeutik zu - einer künftigen Welt- Wissenschaftentwickeln wie die. Formalistischen, stark von überspitztem 'Intellektualismus beherrschten Marburger ((Sol)cn und (Sanieret, zwei Juden von höchster geistiger Würde und- -größter tcckmudischer Begabung), oder Kulturphilosophie liberaler Prägung ausspinncn wie die Heidelberger Windelband und Rickert." Gegen Kants Auswertung bis auf. den Monismus werden Driesch und Kolbenheyer aufgcboten. Taquö. Frobenius, Spengler,- vor allem aber Husscrl. daun Scheler., ohne Namensnennung offenbar auch Bergson und die Psychologen, die unabhängig-von Husserl den „Weg in die Tiefe des menschlichen Seins geöffnet haben, als erster Sigmund Freud, schließlich dann Heidegger,' „der" Philosoph von heute. Ilcberblickt - man eine solche Darstellung, die ja offenbar der Meinung weiterer Kreise des gebildeten Deutschlands entspricht, noch einmal tm Ganzen, so liegt nahe, die folgenden Tatsachen fesizustelleu: l. Ter deutsche Philosoph- Edmund Husserl ist Nichtarier; 2. Mar Scheler, der Ueberrvinder der „ganzen totgclausencu und alle intuitiven und gefühlsmäßigen Seele- Geistes-Spannnngen übersehenden Bewußtseins- Philosophie des 19. Jahrhunderts", war der Sohn einer jüdischen Mutter; 3. Die Einführung des „Intuitiven" und „Gefühlsmäßigen" in die neuere Philosophie überhaupt ist dem Juden Bergson zu danken; 4. cs tvärc noch zu untersuchen, .was Kolbeuheyer in seiner geistigen Haltung und an geistigem Impuls Spinoza verdankt, dem sein erstes großes Werk galt; 3. Freud, der „die Tiefe des menschlichen Seins" hat erschließen helfen, ist Jude; 6. Heidegger-ist Husserls größter Schüler; und vielleicht darf man noch hinzufügen, daß auch die Ileberwiuder des AtechaniSmus auf seinem Hauptgebiet, der Physik, nämlich Niels Bohr und Einstein. Nichtaricr bzw. Jude sind: so ist schon aus diesen Angaben zu schließen. >vie wenig der Materialismus, in welcher Wissenschaft auch immer, mit den Vertretern der jüdischen Art zu identfizieren ist, Nste schöpferisch und wie auch noch von gewiß nicht für diese Art voreingenommener Seite anerkannt schöpferisch eine große Reihe wissenschaftlicher Persönlichkeiten von Husserl bis Niels Bohr in dem Bereiche wirkt, das man rvohl die Philosophie der Zukunft nennen muß.' Wenn wir es trotzdem ablehnen, solche Schlüsse zu ziehen,, so tun rvir das nur ans Gründen der Billigkeit. Wir glauben' so ivenig, jeden von einer jüdischen Dtutter geborenen bedeutenden Gelehrten für das Judentum reklamieren zu müssen, wie-wir das Judenturn für jeden von einer jüdischen oder auch'nichtjüdischen Mutter geborenen Flachkopf oder Nichtsnutz verantwortlich gemacht zu sehen wünschen. Man muß sich als I u b e besonders bewährt haben, um auch bei unZ als Jude gewertet zu werden. LrsMWll -WK Sts Ml» .lieber „Eromwell und die Juden" bringt kürzlich die „Quaterly Review", die älteste englische Zeitschrift, eine Abhandlung aus der Feder des Historikers William Hastutr Dawson. Er untersucht, wieweit die bisher herrschende Ansicht zutrisft, daß die Juden, die durch das Edikt Edward I. von 1290 aus England verbannt »varen, von Cromwell wieder Zugelassen wurden. Einzelne Inden scheinen schon, vorher in England gelebt zu haben. Ten Anstoß zur Aufwerfung der Frage einer generellen Zulassung gab Alanasseh ben Israel, ein in Amsterdam lebender Rabbi und Arzt spanischer' oder portugiesischer Herkunft. Seine Petitionen fanden offenbar den Beifall CromwcllS. der sie au den Geheimen Rat, z. T. mit nachdrücklicher Empfehlung. Nieiterleitcte. Hier fanden sie jedoch Widerstand, und auch als Atanasseh sich mit angesehenen Rcitglicderu der Amsterdamer Gemeinde nach London begab, konnte er beim Staatsrat keinen Erfolg erzielen. Darauf berief Cromwell im Dezember ICD", eine Konferenz von Sachverständigen, denen er zwei Fragen vorlegte: Die erste Frage, ob es rechtmäßig fei, die Inden anfzunehmcn. wurde von den Rechtsgelehrten bejaht, aber bei der zweiten Frage, unter nwlchen Bedingungen man sie aufnehmen solle, entspann sich ein langnueriger Streit, indem namentlich die Theologen weitgehende Schwierigkeiten machten, die Cromwell ziemlich aufbrachten. Schließlich ging die Konferenz resultatlos auseinander und der Lvrdprotektor erklärte nunmehr, er ruüfse jetzt selbst die Lösung sinden. Es scheint aber, als ob Cromwell niemals eine grundsätzliche, allgemeine Entscheidung gefällt hat. Wohl aber ließ er die Niederlassung einzelner Juden zu: auch Niauasseh blieb in London und erhielt sogar später, als er in Not geriet, vom Protektor eine finanzielle Iluterstütznng. Tie Zahl der zugelasseueu Juden scheint aber nur eine beschränkte gewesen zu sein. Aus dem Jahre 1662 ist ein Brief vorhanden, der breit* die Existenz einer Snnagoge in London beweist. in der etwa 100 Juden beteten. Selbstverständlich blieben auch Gegenstöße nicht ans. Nach der Restauration petitionierten Londoner Kaufleute bei Karl II. um Wiederentseruung der Juden, deren Zulassung sie dem „Usurpator" zum Borwurf machten: aber der König war der Zulassung der Juden geneigt und auch das Parlament lehnte ihre Wiedervertreibung ab. So leitete sich ein der englischen Art entsprechender — langsamer und vorsichtiger Prozeß ein. der erst nach langen Zeiträumen zu entschiedeneren gesetzgeberischen Schritten führte. 8m dtr vslnlschrn (ÄnsiÄsfcB Unter der Ueberschrift: „Auch ein Jubiläum" erinnert das „Ostlaud". Wochcnschrist für den gesamten Osten, in Nr. 41 daran, daß am 9. Oktober 1334 König Kasimir II. von Polen das Edikt, durch welches - er, wie lvir in der E.-B.-Zcitnng Nr. 40 vom 5. Oktober schrieben, den Juden erhebliche Sonderrechte in seinem Neich einräumte, erlassen habe. Damals habe die Geschichte des Ostjudentums begonnen, und mit den deutschen Bürgern, die der König ins Land zog. seien die Ghetto- , henwhuer der deutschen Städte nach Polen geströmt. Nlit den schassenden Kräften kamen die raffenden Nutznießer ins Land. Tie deutschen Schöpfer der Städtckultnr seien im Poleutum untergegangeu. das jüdische Element aber mit seinem zersetzenden Einfluß auf das Deutschtum im altpoluischeu Reich habe sich durch die Jal,v- Hunderte in Polen erhalten. „Die Rechte, die Kasimir der Große den nach Polen eimoauderndeu Juden eiuräumte, sind im damaligen Europa wohl ohne Beispiel gewesen." Das von Kasimir ll. erlassene Edikt enthält die Bestätigung eines bereits im Jahre 1264 durch Baleslaw den Frommen den Juden erteilten Statutes. Dieses Statut stammt ursprünglich aus Deutschland und gehört zu einer Gruppe von Privilegien, ivelche gegen Ende des 13. Jahrhunderts sich namentlich über die Herrschaftsgebiete verbreitete, rvo deutsches und slawisches Wesen sich gegenseitig berührten, und welche in vielen Einzelheiten und sogar bis auf den Wortlaut miteinander übereiustiinmeu. Ihre gemeinsame Wurzel sind die Gerechtsame, ivelche Herzog Friedrich der Streitbare 1244 den Inden in Oesterreich verlieh. Dr. CiKM MsrÄMM MtsrSr» In Tel Aviv ist der ehemalige litauische Minister für jüdische Angelegenheiten Dr. S'unon N v s e u b a u in im Alter von 75 Jahren gestorben. Dr. Rosenbaum, der. 1859 in Pinsk geboren wurde, spielte als Jurist und Politiker im Rußland der Vorkriegszeit eine bedeutende Rolle. Rach Verkündung der Unabhängigkeit Litauens, zuderen Erringung Dr. Rosenbanm durch Berhaiidluugeu mit der Entente beigetragen hatte, trat er in die neugebildete litauische 'vcegierung ein und wurde zum Stellvertreter des Außenministers bestellt. 1919 wurde er als Mitglied der litauifSjeu Friedensdelegation nach Paris'entsandte >^a^r ^ug war er auch litauischer Vliuister für jüdische Angelegenheiten. Hauptscliriftlciter: Dr. A I f r e d Hlrschbecr: Stellvertr.: Dr.MirgareteEdolheim. Btido ln Berlin.FürRüoksencLmjg uuvcrlaugtcr.Manuskripto Ist Frelumschhg beizufügeu. Leiter der Anzeigen. Abteilung und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Friedrich Nathan, Berlin. DA - III.Vj. 5000(J.VerIag:Centralvoreio deuterber Staate. . btlrger jüdischen Glaubens e.V.. Berlin W15, limser Strasse 42. Tel.-Adr.: „Ceotralglauben Berlin.“ Fcrnspr. J. 2Oliva SIJi-45. Postscheck: Berlin ."1)172 Druck der Buch.- und Tiefdruck Gesellschaft nihil Berlin SW 19. Zurzeit ist Preisliste Nr. 2 gültig.

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