Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 49 (6.12.1934)
- Date
- 1934-12-06
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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i 8. Fortsetzung Zum 6. Dezember „Holt mir die gescheitesten Leute in ganz; Aegypten!' Mit diesen Worten erhob sich der König der Aegypter aus seinem Bett. Die Diener liefen, so schnell sie konnten, nach allen - Richtungen des Landes, riefen alle besonders ■ gescheiten Leute zusammen und brachten sie in des Königs Schloß. Der König ließ jeden; einzelnen zu sich kommen und sprach: „Ich chatte zwei eigenartige Träume, versuche, sie;mir zu erklären. Ich stand am Flusse, da ' kamen sieben schöne, dicke, fette Kühe aus dem iFluß und fingen an, das Gras der Wiesen abzufressen. Dann kamen noch sieben andere sKühe, die sahen schlecht und mager aus, so .elend, wie ich nie ein Tier noch sah, noch jetzt schaudert es mich, wenn ich an sie denke. Die ^schlecht aussehenden Kühe sraßen die gesunden, Kräftigen Tiere; - aber halt, ehe du mir den 'einen Traum deutest, will ich gleich den zweiten erzählen. Es waren sieben Aehren an einem Stiel, gut und schön gewachsen, da kamen noch sieben Aehren, so mager, so häßlich, als ob der Wind sie geknickt hätte. Die sieben häßlichen Aehren verschlangen die sieben gut gewachsenen. Sage mir, was können das für Träume sein?" Alle Leute, die sich für klug hielten, kamen und rieten herum. Der eine meinte: „Unser König wird sieben Prinzessinnen bekommen, die sieben Prinzessinnen werden aber leider krank werden und sterben." Ein anderer aber äußerte: „Mein König, der so mächtig ist, wird sieben große Städte bauen, es werden, aber Feinde des Königs kommen und sie zer- . stören." So wußten die Gescheiten noch viel zu deuten, aber der König wollte an all das . Geschwätz nicht glauben. Die Träume ließen den König nicht zur Ruhe kommen: „Wer wird mir nur helfen?" . Da kam der Mundschenk des Weges und sagte: . „König,, nicht traurig sein, ich weiß einen jüdischen Knaben mit Namen Josef, der deutete mir einmal einen Traum, der so. in Erfüllung ging, wie er vorhergesagt; vielleicht kann auch er dir helfen." Joses wurde gerufen, aber erst kleidete er sich um, denn man kann doch einen König nicht in Gefängniskleidern besuchen. Als Josef die Träume hörte, sprach er: „Vielleicht hilft mir auch diesmal Gott und gibt mir die Kraft, zu erfahren, was deine Träume bedeuten sollen. Deine Träume sind ein Bild, welches dir zu verstehen geben soll, wann? neuestem Schauspiel „Der junge David", den beiden dynamisch gestuftesten, ebenso zart ge. dämpften wie mächtig ausrauschenden Sätzen die. ser verwirrend großen dramatischen Sinfonie. Schon die gesprochene Wiedergabe dieser beiden Bildcrfragmente war ein Erlebnis. Bewunderns. wert, wie die Vortragende •- übrigens ganz frei ans dem Gedächtnis — das Wort in Anschauung, die Anschauung in die lebendige Illusion der Bühne umsctzte: wie sie, mit dem wechselnden Ton. fall ihres geschmeidigen, eine reiche Klangskala umfassenden Organs, mit der gesammelten Energie des geistigen und sprachlichen Ausdrucks die Fülle der Gestalten nicht bloß akustisch ausein. anderhieli — am schönsten und eindrucksvollsten aber, wie sie im vierten Bilde das schwermütige, ganz auf Moll gestimmte Wiegenlied Maachas, der Frau Davids, in einen leise verdämmernden Schwebeglanz hüllte. Was sonst im Vortragssaal nur mühsamer Notbehelf, ein schwächliches Surrogat szenischer Darstellung ist, wurde in diesem Falle unmittelbare Sinngebung, künstlerische Trans figuration. Tie Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde hatte zu einem Arthur Silbergleit-Abend geladen, der in den Räumen von Frau Toni Frankfurther, Berlin-Dahlem, einen ansehnlichen Kreis von Freunden und Verehrern des Dichters versammelte. Silbergleit ist den Lesern dieser Zeitung durch manchen ivertvollen lyrischen Bel. trag bekannt: ein feines, verträumtes, seelisch dereinsamtes Dichternaturcll voll Formen- und Farbensinn, dessen Kolorit wohl leuchtet, das aber nie etwas Grelles, etwas Schreiendes hat. Als solches wurde er durch eine gedrängte Einführung Fritz Engels charakterisiert, die Egon I a c o d - s o l) n zur Kcnntns der Hörer brachte. Und so gab er sich im Wesentlichen auch in der bunten; Blutenlese von Vers und Prosa, der Johanna Meyer, als Vortragskünstlerin von Geschmack und einer ausgezeichneten Technik des Sprechens, oft bewährt, einen schlichten, niemals übersteigcrtcn, fast mütterlich innigen Ausdruck lieh. Sie geleitete uns von rhapsodischen Klängen des - Orpheus' über eine allegorisch.herbstliche Harle, kinade in das Bereich des AndackstSvoll-Rcligiösen. wo aus dem „Füllhorn GotteS" sich zarte Blumen auf den erleuchteten' Sabbattisch herabzusenken schienen, aber auch Jehovas Zornesstimme im wilden Aufruhr der Natur und ihrer Geschöpfe .vernehmbar wurde. Deborahs SiegeLlied auf. daß Gott mit deinem Lande etwas Besonderes vor hat. Es werden sieben Jahre kommen, wo auf deinen Wiesen Blumen und Gras .in' einer zahllosen Fülle wachsen.werden, .wie.du.. sie nie gesehen. Dein Getreide wird so volle Körner haben; daß ihr, wenn ihr es ausdrescht und mahlt, mehr Mehl habt, als ihr verzehren könnt. Eure Kühe geben so viel Milch, daß ihr sie nicht alle zu trinken vermögt, sondern, um sie aufzuheben, zu Käse, verarbeiten müßt. Doch was ihr nicht verzehren könnt, sollt ihr aufspeichern für die Jahre der Not. Denn dann kommen sieben Jahre, da die Erde sagt, ich werde mich ausruhen, ich habe den Menschen zuviel gegeben, jetzt brauche ich Ruhe. Das Korn will nicht wachsen, das Vieh wird mager, denn es ist kein Gras für sie da, der Mensch wird hungern, nichts wächst, nichts gedeiht. Sorge, vor, o König, in den Jahren, da die Erde mehr tragen wird als sonst, lasse von allem, was ■ wächst, aufheben für die schweren Jahre, da die Erde sich ausruht." Der König fühlte, wie klug Josef gesprochen. Was sollte der König tun, wie sollte er es mit den Leuten im Lande fertigbringen, daß sie in den guten Zeiten nicht alles ausaßen, sondern für die schweren Jahre .noch etwas übrigließen? Auch da wußte Josef Rat. Gott ließ ihn klug reden, seine Gedanken gefielen dem König von Aegypten so gut, daß er sprach: „Hier, Josef, ist mein Siegelring. Wer ihn trägt, hat fast so viel zu sagen wie ich, der König." Dann rief er Diener herber. „Kommt herbei mit herrlichen Kleidern, schmückt damit Josef, denn er ist klüger als wir, setzt ihn zu Pferde, daß alle Leute ihn sehen und wissen,, daß Lr hier im Lande mehr zu sagen hat als alle anderen Menschen. In meinem Schlosse, ganz in meiner Nähe, soll er wohnen und tun, was er für Recht hält." So wurde aus dein armen Josef, den seine Brüder einst verkauften, den Potiphar einst ins Gefängnis warf, ein großer Mann, glerch einem König. nxher V M rXty» '"i Hunger war im Lande Aegypten, Hunger war im Lande Kanaan, Hunger war überall. Die Menschen schrien nach Brot, sie baten um Milch für chre Kinder, sie brachten ihr ganzes Geld, um Essen dafür zu kaufen; , da aber die Erde immer noch nicht arbeiten wollte, brachten sie ihr Vieh zu Josef und baten ihn: „Gib uns Essen, dann geben wir dir unser Geld und unsere Tiere. Nur Brot, gib Brot!" Jakob, der alte Vater Jakob, lebte noch immer mit seinen Söhnen in Kanaan. Dort war die Hungersnot groß, denn auch dort - wuchs nichts. Jakob ließ seine Söhne kommen und sprach: „Geht-hin nach Aegypten,, seht zu, daß ihr Eßwaren bringt, denn wir haben hier nicht viel zum Leben. Zieht hin, aber Benjamin, euer jüngster Bruder, bleibe hier!" Es zogen die zehn Brüder nach Aegypten, da über die Stadt, in der Josef wohnte, mit hohen Mauern und vielen Toren umgeben war, beratschlagten sie, wie sie wohl hi'neinkommen. könnten. Sie kamen auf den Ge- ' danken, jeder der zehn Brüder solle durch ein anderes Tor in die Stadt eintreten. „Denn kämen wir alle zusammen", sprachen sie, „so - würden die Aegypter denken, wir hätten Böses im Sinn, weil wir doch so viele sind." So kamen sie alle in die Stadt, in das Haus Josefs. Josef erkannte seine Brüder, aber sie ihn nicht, denn er war zum Manne geworden und trug einen Bart. Als Josef seine Brüder vor sich sah, mußte er Plötzlich an seine Träume denken, an die Garben, die sich alle um die seine stellten. Sollte der Traum nun zur Wirklichkeit werben? Seine Brüder umstanden ihn. verbeugten sich vor ihm, der so viel galt, wie der König. Josef stellte sich fremd ihnen gegenüber, tat ein wenig böse mit ihnen. Den Brüdern wurde es bange, sie singen an, von ihrem alten Vater Jakob und ihrem Bruder Benjamin zu erzählen, für die sie unbedingt Brot benötigten. Als die Brüder von Benjamin sprachen, überfiel Joses die Sehnsucht nach dem Jüng- . sten und auch die Angst. Man konnte nicht wissen, ob die Männer, die seine Brüder waren, nicht auch dem Jüngsten etwas zugefügt hatten. Um Gewißheit über Benjamin zu bekommen, sprach er folgendes zu den Brüdern: „Da ich höre, daß ihr noch'einen Bruder zu Hause habt, verlange ich, daß ihr mir denselben bringt; damit ich erkenne, ob ihr die Wahrheit sprächet, bleibt ein Bruder als Bürge hier, ihr anderen geht und bringet die Eßwaren heim." Die Brüder stießen sich gegenseitig an und meinten: „Jetzt kommt die Strafe Gottes, weil wir gegen Joses gesündigt." Sie dachten nicht, daß Josef, dieser große Mann, ihre hebräische Sprache verstehen könne. Josef aber hörte;edes Wort, und es kam chm das Weinen. Schnell wischte er sich die Tränen ab, denn feuchte Augen sollten die Brüder an chm nicht sehen. Er wollte erst Gewißheit haben über das Leben des Vaters und Benjamins. Die Säcke wurden gefüllt, die Brüder zogen fort. Es wurde dunkel, der Weß war noch weit, so mußten sie unterwegs übernachten. Sie nahmen ihre Säcke ab. entnahmen ihnen Futter, um ihre Tiere zu füttern. Halt, was klirrte da, war das Geld? Wie kam dieses Geld nur in ihren Sack? Sie wußten genau, daß sie es nicht hineingetan. Jeder öffnete nun seinen Sack, bei jedem lag obenauf Geld. Sie bekamen Angst, sie fürchteten den großen Mann in Aegypten, denn nur er konnte sich den Spaß mit ihnen erlaubt haben. Sie kamen nach Hause zu Jakob, erzählten ihm alles, auch daß der große Mann in Aegypten nach Benjamin gefragt und ihn zu sehen wünschte. Alice Oppenheimer Zeichnungen: Igna ßeih (Fortsetzung folgt.) i-S cr Li' tj. & -System nat Mittel <i. Boheile rer. «il« Fussbeschwerdeii. Nachweis ist nächsten Verkaufsstelle durch DEUTSCHE SCHOLL WERKE G.m.b.H. Frankfurt a. SQtl 10. Berlin: 8 »ejember, 20 Uhr 30 SRin.: KÜnstlerhilse der tl'Jij * fdin; Gemeinde. Cilly Zukmann-Bizonr, (Eopran). firi* Eiscnberg (Laute). Am Flügel: Dr. Werner Licbenthal Sin Hause von Dr. Han» A. V 15, Kursür,tcndauun 218. . i 9. ScKEibit, 10 Uhr: Jüdische Risornigemeutde. Cha. nuÜa.Kindcrfest. 20 Uhr 30 Din.: Iugciidyeinrinschost. Srilbtrcctelrs. haus, fturfürftcuftrafee 113116. , 9. Sjcjcnlicr, 20 Uh'.:: Iugcndpslcgeanrt der Mischen Ge. nicuidc. - Jüdische Jugend ruft! Rabbiner Dr. von der Int „Hellend: Gemeinschaft", Martin Ladotlcr. Siiigcchöre, Sprechchöre und Musikvorträge von Iuzrnd.' liehen. Aula der Schule Grotzc Hamburger Straße 7l U. Dr?,rv-.L-r, 20 Uhr: Vereinigung jüdischer Frauen Groß-Berlins. Ghanutta-Fetcr. Bunter Abend. Alud. heim, Lützowstraßl: •>;>. 11. Dezember, 20 Uhr: Jüdische Ldorveretnlguny. „San:, son" von Haendcl. Dirigent: Leo Hopf. Titelportic: Israel Alter. Mitwirkendc: Paula Lindbcrg. Hilda- Lind. Alice Hannes, ffrifc Lechner und Julius Pei;. sachowilsch. Reue Snnagoge, Oranienburger Straße rij. 13. Dezember, 20 Uhr: Verein für jüdische Geschichte unh Literatur. Rabbiner Dr. Jacob Freimann: „Uner. füllte jüdische Mclsias.Hoffnungen". Ma^Rosenthai. Streichquartett. Logcnhaus, Rleiststraße 10. 13. Dezember: Konzert-Abend. Ilse Intrator lRczitation), I Alexander Intrator (Violine) und Wolfgang Ros« (Klavier). Großer Logensaal, Kleist,'trotze 10. 13. Dezember. 17 Uhr: Fraucnvcrcin der Berliner Logen U. O. B. B. Sitzung anschl. Vortrag Dr. Else Meid»« „Der junge Joseph" von Thonta» Mann. Logrnhau«, Kleist,"traße 10. 14. Dezember, 20 Uhr: „Kulturelle Veranstaltungen int kleinen Nahmen". Willli Frey (Violine) und Iosepl, Roscnstock (Klavier). Int Haus von Weil, Charlotten, bürg 4, Schlüterstraße 37. 15. Dezember. 20 Uhr 30 Mia.» KÜnstlerhilse. Führung durch Castons Panoptikum. Hotel „König von Porlu. gal". Burgstratzc 16. 16. Dezember, 18 Uhr: Club der Jugend. Leitung: Heinz Bcrendt. Chonukka-Feicr „Wir rezitieren, wir muß. zieren, wir führen aus". Tribüne, Charlottenburg, Berliner Straße 37. Breslau:! 8. und s. Dezember, 18 Uhr 30 Mi«. u«d 15 Uhr 30 Mi».: Chanukka-Kinder-Rachinittagc. Äindertheater, Chor, Orchester und Ballett. Peretnshaus, Kürassierstraß,. 10. Dezember, 20 Uhr: Klcinlunst-Abend des Berliner Kulturbund-Ensembles mit Breslauer Künstlern. Aegie: Nicolai Eljaschoff. Diktori«.THeater. Frankfurt a. M.: j 8. Dezember, 20 Uhr 15 Miv.r Künstlerischer Abend an. \ läßlich Chanukla. Loae. ' 10. Dezember, 20 Uhr 30 Min.: Gesellschaft für jüdische Volksbildung. Dr. Ernst Sinion: „CH. R. Bialik» hebräische Uebcrsctzung des Wilhelm Teil". Verein». Haus, Eschcrshcilncr Landstraße 27. Kulturbund Rhein-Ruhr: „Chanukka mit jungen Künstlern": Essen: S. Dezember. 20 Uhr 30 Mi».: Loge. Selsenrirchen: 10. Dezember, 20 Uhr 30 Min.: Loge. Mecklinghausen: 11. Dezember, 20 Uhr 30 Min.: Gemeindehaus, Am Polizeipräsidium 3. . Köln: 12. und 13. Dezember, 20 Uhr 1« Diu.: Rhein, landloge. Orchcsierkonzcrt des Frankfurter Kulturbund.Orchesteri: Dortmund: S. Dezember, 20 Uhr 30 Mi».: Synagoge. Wuppertal: 10. Dezember, 20 Uhr 30 Mi».: Gesellschaft- Kasino. Dachen: 11. Dezember, 20 Uhr 30 Mio.; Großer Kemzertsaal des Alten Kurhaus. Krefeld: 12. Dezember, 20 Uhr SS Mi».: Theatersaal der Stadthalle. Essen: 13. Dezember, 20 Uhr 30 Mio.; Krupp-Saal dr» Städtischen Eaalbaues. Köln: 15. Dezember, 20 Uhr 30 Mia.: Großer Gaal der Bürgergesellschaft. „So lacht Europa". Sprecher: May Koninski: Duisburg: 11. und 12. Dezember. 20 Uhr 30 Mia.: Theo« dar Lauterhous, Ruhlcnwall 28. Neichöderband israelitischer Schtverhörraer (Risch) E. D-, Beriin-Eharivttenbura 4. Lybclstratze 23. Tic s Einrichtunstcu stehen auch sltichtmitgliedern zur Dcrsügung. Vielhörer in jedem Gottesdienst in der Berliner Synagoge Lüyowstraße. Tagesheim mit , Biblivipck, Kochgclcgcnycit, Spiclzirlel, Grscllig'cil usm.. Kantstraße 126. Hochparterre j jauchzte und Judas Martyrium den fast schon verlorenen Sohn reuig in die Arme seines Volkes zurückführte. Der Schlußteil des Programms brachte ein Fragment aus einem noch unveröffentlichten Roman Silbergleits: „Der Leuchter". Ein Konzert des Kultnrbundorchesters unter Joseph Rosen stock in der Synagoge Rykeftraße aalt den Kassen des Jüdis^n Wohlfahrts- und Jugendamtes, Bezirksstelle Norder:. Der Bezirks- Vorsitzende G o t t f e l d t begrüßte die Erschienenen und dankte den Künstlern, die in uneigennütziger Weise ihre Mitrvirkung zugesagt hatten. Rosenstock dirigierte Mozart, die Serenade für zrvei Orchester und die 6-mol!-Sinfonie. Die Serenade wurde schön herausgebracht, anmutig, präzise, mit feinen Echowirkungen. Die Solostellen wrirden von Willi Frey, Joseph S ch e ch t e r. Alfred Schlesinger und Rudolf Lewy gespielt. Die Wiedergabe der Sinfonie hatte Format, nur im ersten Satze stand sie nicht ganz auf der gewohnten Höhe, aber der zweite ist von der Innigkeit und Wärme erfüllt, die hier in Mozarts Musik schwingt, und auch der dritte erhält die ihm eigene streitbare Energie. Alice Geisenb erg sang, von Bernhard Heiden begleitet, Beethoven und Händel. Sie besitzt eine schöne, volltönende Stimme, ein großes Geschenk der Natur an sie? das zrr noch stärkerer Kontrolle ihres verschiedentlich zu hohen Ansatzes und zu ernstem Studium verpflichtet. In einem HauSlonzert bei Dr. Rieß (Eharlottenburg) spielte ein Streichquartett, dem Lucie Winkler, Helene Croner (Violine), der Bratschist Alfred Sch lesinger und der Cellist Paul Blumenfeld, angehören. Die Wiedergabe von Quartetten Boccherinis und Mozarts wirkte in ihrer Frische äußerst sympathisch, obwohl das Ausammenspiel gar nicht einmal immer untadelig war und ihm der letzte Schliff noch fehlte. Aber man spürte: da musizieren vier Menschen, die unbefangen untv. froh an die Musik Herangehen; hier sind sehr gute Leistungen zu erwarten, wenn die Selbstkritik nun auch daL Detail liebevoll und sorgsam ausarbeitet und die Gegensätze im Dynamischen noch vertieft. Dieser Eindruck ergab sich bei der Generalprobe, zu der ich geladen war. Der Cellist Blumenfeld spielte Beethovens 6-moll-Sonate, eine reife Leistung in ihrer tech. nischen Meisterung wie in der Beseelrrntz des Ton8. Den Klavierpart hatte Bertlies Kern schenk inne. die gelvandt und flüssig, aber ein wenig aus« drucksarm spielte. - Das Waghalter-Quartett brachte in seinem -Konzert, was in jedem Fall dankenswert ist, die Erstaufführung eines modernen jüdischen Werkes, der „Landschastsbilder" von Ernest Bloch; drei knappe Sätzchen, Farbtupfen in impressionistischer Art, das erste Stück fahl, wesenlos, schemenhaft, das zweite wechselnd in der Stimmung. teils sehnsüchtig, teils rustikal, das dritte apart in Rhythmen und Intervallen. Leider aber bleibt die Dtusik beim rein Deskriptiven stehen, sie entwickelt weder musikalische Gedanken noch Formen; auch der Thematik fehlt das Zwingende - im melodischen Einfall, vom llehten Stück ab- : gesehen. Außerdem . wurden Quartette ■ von > Beethoven und Mendelssohn gespielt. Wladyslaw ■ Waghalter, OwsS Schiff, Dr. Rudolf Nuhmann,^ Hans Kraus musizieren mit nicht sehr großem Ton, aber im Zusammenspiel kommt.eine künstlerische Einheit zustande. ' Die Wiedergabe ist lebendig und durchdacht. Bei nach oben gerichteten Intervallen sollte der erste Geiger. das Aerschleifen der Töne vermeiden; bei Beethoven denkt man sich den dritten Satz vehementer im Ausdruck. Neben dem Quartett, waren noch die Pianistin und die Geigerin Ruth und Jo laut ha Waghalter 'zu hören. Ruth Waghalter scheint begäbt, muß aber technisch noch lernen und in der Gestaltung eigener werden, erst-dann wird man den Eindruck durchgereifter Kunst haben können. Das etwas kühle Biolinspirl von Jolanthä Waghalter steht der Virtuosenmusik eines Wieniawskr gut an. Hier und auch bei alter Musik zeigte' sich eine durchgebildete, leichte Bogenführung> sichere -Griffkechnik und eine' ruhige, edle Kantilene.- - - Die .Schwesternvereinigung der Deutschen ReichLloge U. O.B.B. gab zugunsten ihrer Wohl, fahrtseinrichtungen ein Konzert,' dem -'sich -eine Reihe namhafter Künstler unentgeltlich zur' Verfügung 'gestellt hatten. Das Programm war sehr bunt, aber gerade daS hat dem Publikum' viel' Spaß gemacht.' ES sang Wilhelm G u t t m a n n, der stimmlich'vortrefflich 'disponiert und iü der' Gestaltung überlegen vortrug. Die diesmal sehr schwere Begleitung seiner Gesänge lag Erna Klein ob, deren Spie! als selbständige pianistische Leistung gewürdigt werden muß. Die Stimme von Ruth Ä t l a s z, die Kraft mitz leichter Mühelosigkeit der Koloratur vereint. noch im Vortrag jene Vielseitigkeit der Nuance erwerben, die zum Beispiel ihre „Fledermaus ^Nummer verlangt. Marion K o e g e l bietet i ihrer Art Vorzügliches, das muß auch der zugebe dem, wie mir, eben diese Art weniger liegt.^ Ab Marion Kvegel darf ihres großen Erfolges imm sicher sein. Anna L i p i n packte durch ihre E staltung russischer und deutscher Musik. Ihr hat den tiefen, satten Klang, der auch die geheir Leidenschaft Borodins zu leuchtendem Leben wec Die Begleitung lag bei Erna Fenchel in sicher^ Händen. Das Manszyk -Quartett wl mit einzelnen Sätzen aus Quartetten von Moza und Smetana zu hören. L. A. Ter Synagogcnverein Prinzregentenstraße wüh^ für seine Veranstaltungen, die die Gemeinde neb dem Gottesdienst noch enger mit dem „Beib hau drasch“ zum Zusammenarbeiten und Lernen vi binden sollen, diesmal recht glücklich eine popul: wissenschaftliche Schilderung der jüdischen Geschick) Rabbiner Tr. Dtanfred S w a r s e n s k y hat l ' Aufgabe übernommen, an vier Abenden in groß - Zügen die historische Entivicklung des Judentut auszuzeigen. Tie Borträge rvurden von mu . kalischen Darbietungen umrahmt, Oberkant Manfred Lewandosky sang zwei eigene Ko Positionen, stimmungsloloristisch geschmackvolle Vi tommgen, während am andern Abend Wilhe! F r i e d m a n n Schuberts „Allmacht" und Ha Heimanns 126. Psalm zum Vortrag brachte. An t Orgel war Hermann Schwarz aufmerksamer S gleiter. K. Die erste Veranstaltung der Berliner Jüdisch Gemeinde im Nahmen der „Freude im Winte fandin -der Synagoge Fafanenstraße statt, l Worten der Begrüßung betonte May Gunder heim, der Leiter des Winterhilfswerkes £ Jüdischen Gemeinde, das Ziel dieser Abende. Ei Reihe hervorragender Künstler hatte sich in d Dienst'der guten Sache gestellt. Ludwig Al mann umrahmte die Veranstaltung durch Org Vorträge von I. S. Bach. Alfred Witten bei - (Violine), Pauk Blumenfeld (Dioloncell und Walter Goldmann (Klavier) vermittelt durch Werke von Händel, Zeitlin und- Mozc hohe künstlerische Genüsse. Mit warmer schö klingender Stimme sang die Altistin Anes Le b a ch eine Händel'Arie und Wolf-Lieder, am Fl gel sorgfältig begleitet von Grete Friedman Johanna Meyer fand dankbaren Beifall f; ihre Rezitationen« De.