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Central-Verein-Zeitung · 1934-11-22 · 47 (22.11.1934) · page 15

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
47 (22.11.1934)
Date
1934-11-22
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Ai 0. Entsetzung. Zum 24. November ■2c war eine lange Zeit vergangen, die ^uifob bei seinem Cnfcl zugebracht hatte. Viele Jahro war er nun schon dort, seine Eltern hatte er die ganze Zeit nicht mehr gesehen. Ta packte ihn das Heimweh so stark, daß er mit »Iran nnd Bindern und seinen vielen -prrden. die er sich im Laufe der Jahre erworben. heimzog. dem Wege wurde ihm auf einmal bange vor Esau. Er. dachte, vielleicht ist nur simn noch heute böse und stellt mir noch nach, nm mich zu töten. Ta teilte er einige seiner vrrden in viele Abschnitte und sprach zu seinen Hirten: ..Wenn euch mein Bruder Esau teilst, so sagt ilnn, wenn er euch fragt, wem die Schafe gehören, sie gehören Jakob, deinem Bruder: aber Esau soll sie zum beschenke haben!" Bald kam Esan wirklich, sah die vielen Tiere, wunderte sich über ihre Menge, und als gar die Hirten sprachen: Das sind die Schafe Jakobs; aber Esau, seinem Bruder, sollen sie < gehören, da war er erstaunt und erfreut zugleich. Nicht lange, da kam ihm mich Jakob entgegen, aber zaghaft; denn er fürchtete den Zorn seines Bruders. Esau wartete nicht ab, bis Jgkob zu ihm kam; er hatte den Streit, den sie in ihrer Jugend hatten, vergessen und lief, glücklich, fernen Bruder nach so vielen Jahren wiederznsehen, ans ihn zu. Sie umarmten sich urrd waren froh, daß ne zusammen waren. »Was soll ich mit deinen Schafen und Rindern. Jakob?" fragte nach einer Weile Esau. »Deine Diener sagen, sie sollen mir gehören, nein, behalte, was du hast, ich bin so glücklich. daß wir uns wiederhaben." Jakob sprach: »Bruder, unseren Streit um Vaters Segen habe ich nicht vergessen, weil ich nicht so ganz recht hatte, und doch Vaters Segen mir zum Teil schon in Erfüllung ging, denn ich habe grauen und Binder, Schafe und Rinder, so nimm von meinen vielen Tieren einen Teil dir zu eigen, daß mein Segen so doch auf dich komme." — Ta nahm Esan die Tiere, blieb noch ein Weilchen bei Jakob, dann kehrte er zurück, woher er gekommen. (Fortsetzung folgt) „Eine Mutter erzählt die Bibel" (von Adam und Eva bis Jakobs Tod), von Alice Oppenheimer, Illustrationen von Jgna Beth, erscheint in den nächsten Tagen in Buchform im Philo-Verlag (Berlin). ®ü il f »lei’ So wäre denn der Winterbedarf für ©cm ii t i! nb ©eilt find) zu einem guten Teil herbeigeschasst! DaS seit geraumer Zeit vom Büchermarkt verschwundene Werk von Karl Emil Franzos hat die Brand u s's ch e Verlagsbuchhandlung in Berlin aus dem Eotta'fcher: Berlage übernommen und herausgebracht. Es war ein Entdecker-Verdienst, als vor über sechs Jahrzehnten Karl Emil Franzos — eine Art europäischer Kolumbus — seine Forschungsreise in unbetannte, der westlichen Kultnrwelt unbekannte Gebiete unternahm und. als überraschendes Ergebnis, sein „.Halbasien" heimbrachte. Wie fremd, wie entlegen mutete damals die wunderliche Welt an. in die Franzos uns führte, und durch die wir mit ihm wanderten, gefesselt durd) das. was uns gezeigt, mehr noch durd) die reizvolle und gewinnende Form, in der es uns erklärt wurde. Verkehrsted)nik und Politik haben seitdem allehemaligen Unermeßlichkeiten ansgehoben, haben Länder und Völler einander näher gerüdt. Aus Halüasren ist ein Voll-Europa geworden, wenn auch die Völkerschaften in ihrer Eigenart, ihrer Kultur, ihren Sprad)en. Sitten. Brauchen sich gleich blieben. DJtit weit stärkerer Anteilnahme lernen wir sie aus den heute nod) so zutreffendem wie kesselnden Schilderungen von Franzos kennen. Insbesondere aus „Halbasien" und „Dom Ton zur Tonau". In erster Linie ist es aber die Judenheit Galiziens, der Karpathenregion, der Bukowina, der Moldau und einiger jetzt Jugoslawien angegliederter Landesteile, mit der uns Franzos vertraut mallst. Wie daS erste, nod) vom jungen d e u t s d) c n Studenten Franzos geschaffene Werk, wie „Die Juden von Barnow". so sind and) viele seiner weiteren Schöpfungen — nicht alle — der Schilderung und lebendigen Darstellung der galizischen. der moldauisd)en Juden gewidmet. Tic Stoffe flogen den: in Czortkow. einer galizisd)en Stadt nahe der Bukowina, geborenen Sohne eines hochgebildeten Kreisarztes, nur so zu. Tie Atmosphärc in jenen Gebieten ist förmlich mit dramatischen Konflikten gesättigt. Stämme. Konfessionen, Sekten. Interessengruppen sind da ewig in mehr oder minder starken Gegensätzen begriffen. Polen stehen gegen Rnthenen. Katholiken gegen Griechisch- Orthodoxe, Bauern gegen Gutsherren und. innerhalb der Judenheit. Ehassidirn gegen Aschkenasim. Orthodoxe gegen „Aufgeklärte" — die Motive liegen in der Luft. Ten vielbewundcrten sicheren Blick für die Novellenstosfe und die Meisterhand für ihre künstlerische Gestaltung hat Franzos schon in seiner ersten Novellensamlung bekundet, in den „Juden von Varnow". Die bunten, oft bizarren. Gestalten, die absonderlichen Typen, die uns. in.den Erzählungen von Franzos so seltsam fcffcln, sie begegneten ihm auf Schritt und Tritt in seinem galizisd)en Geburtsorte und später in der Hauptstadt der Bukowina. in dem damals ganz dcutsd)en Ezernowitz, wo er seine Gymnasialbildung abgeschlossen und das Universitätsstndinm begonnen hat. Nichts wäre nun verständlicher gewesen, als eine gewisse Parteinahme, von seinem g a n z u n d leide n s ch a f t l i d) auf der deutsd)en Kultur beruhenden Standpunkte auS. Aber dieser Gefahr einer Parteinahme in den jüdischen Gegensätzlid)keitcn ist FranzoS mit aller Entfd)iedcnheit ausgcwichen. Er hat die Ostjuden mit' strenger Treue und Wahrhaftigkeit gesd)ildert, ohne irgendeinen Zug zu verschönen oder zu entstellen. Es ist zuweilen die Frage aufgeworfen, ob seine Erzählungen Tcndcnzwerke sind. Franzos antwortete darauf: „Wenn derjenige ein Tendenzdichter ist. der durd) seine Arbeiten einen ethifd)en Zweck verfolgt, dann b i n ich einer!" Dieselbe Gewissenhaftigkeit und Treue, die er der Darstellung seiner jüdischen Gestalten widmete. hat Franzos aud) der Sd)ilderung seiner polnisd)en Gutsherren, der rutheni scheu und Polnischen Bauern, der Huzulen und Goralen — der Bergbewohner im Karpathengebiet — angedeihen In.dieser Bauern- und Gebirglerwelt spielt der große und von der literarischen Kritik so hod) bewertete Roman ..Ein Kamps ums Ned)t". Ein merkwürdiger Fall, daß zwei sehr verschiedenartige Sd)risten gleichen Titels, von einander unabhängig. zn gleicher Zeit entstehen und ersdieinen, das rechtSwissenschaftlid)e Werk des großen Göttinger Rechtslehrers Rudolf Jhering. „Ter Kampf um« Recht". und der Franzossd)e Roman, den Professor Jhering einmal al« Begleit-Jllustration zu seiner gelehrten Arbeit bezeid)nete. In das Gebiet der red)tsphilosophisd)en und rechtspsychologischen Probleme führt uns auch eine andere, gleich kraftvolle Erzählung von Franzos: „Der Präsident". Ter packende Stoff ließ den Verfasser and) nad) Vollendung des Werkes nid)t los. Er drängte ihn nod) zur Dramatisierung, und auch auf der Bühne hat der in bewegter Handlung vorgeführte Gewissenskonflikt seine Wirkung geübt. Reben der Anziehung seiner spannenden Erzählungen. neben dem küm'tlerisd)en Wert seiner Novellen, steht, gleid) hodi einzusd)ätzen, der ethnologisd)e Wert des Franzosscherr Werkes. Der Gewinn für unsere Kenntnis der Länder und Völker, die jetzt, weit mehr als zur Zeit der Entstehung jener Sd)riften, für uns ein politisches Interesse haben. Eine Bereid)erung unserer Literatur ist vollends die Galerie eindrucksvoller, fesselnder Gestalten von ausgeprägter Physiognomie und Eigenart, der kernigen Tatmensd)en. der gesd)meidigen Lebenskünstler, der heiteren Ratnr- Philosophen nad) Art deS „Mvfchko von Parma" oder des präd)tigen ..Türkischgelb" in seinem hinterlassenen letzten Werk „Ter Pojatz". Die weitaus bedeutungsvollste Persönlid)leit aber ist der Schöpfer all dieser Typen selbst: K a r l E m i l Franzos. Sein Lebens- und Charakterbild, das einen Mann von unbezähmbarer Liebe lind Leidensä)aft für sein Deutschtum zeigt, verdient eine eingehendere Darstellung. Und die soll ihm werden. J. Landau* BeßfeccraÄ!eS2e^!ö6iwE5Äc^c£Ss5eacaj2säreÄeB StarrSd!.VSr!eu.TvüML.D!lmercöo7.'erSM83.<m,Nllr'ürncrL. Mm chm EM' Ein iSS'Äsr §Ämnn m Errisn Eiern S«lag EriS KetS-Srrü» Dieses Buch ist eine herrlich erregende Lichtung. und die Tid)tnng dient dem Göttlid)en. Der Autor heißt Gerson Stern. — Dian weiß von ihm nur tvenig. Er lebt auf einen: Obstgut im Rherngou, steht in reifen Jahren und ist Kaufmann. Er hat schon manches geschrieben, bisher aber noch nidsts veröffentlicht. Vielfach ist er für die jüdische Sad)e tätig. Sein Buch, „ein jüdischer Roman", wie er es nennt, spielt in der e r st e n H ä l f t e des achtzehnten Jahrhundert S. Es .führt von einem kleinen Ort an der Weser nach Frankfurt a. M. und nach anderen deutschen Städten, dann in seinem Hauptteil nad) Prag. An der Weser geht die Bürgerdebatte dahin, ob man Juden znlassen solle oder nid)t. Der Haß lehnt sie ab; die Berechnung fordert, ihnen das Schrrtzrecht zu gewähren, um sie gemäß den Methoden der Zeit ausnutzen zu tonnen. Sie wohnen ja auch schon anderswo, »wie StalllMe werden sie geschätzt". Man lärm ihnen Steuern über Steuern abmelken, und rvenn das reicht mehr reicht, kann marr ihnen alles nehmerr. DieVerschmitztheit siegt. Der erste Jude zieht ein. Sein Hausstand gedeiht, und wenn and) die Bosheit nicht sd)rveigt, so gibt es auf der anderen Seite Verständnis und sogar Freundschaft. Ein Sproß dieses Hanfes geht als Vorbeter nad) Prag. Dort ist das Ghetto bereits eine Stadt für sid) mit zwanzigtausend Einwohnern. Aber der Boden, aus dem mau lebt, ist aud) hier vnlkanisd): Kriegsläufte kommen, der zweite schlesische Krieg führt die Preußen vox die Mauern der Stadt. Prag muß kapitulieren. Die Jrrden. immer jeglid)em Verdacht ausgesetzt und von der: einrückenden Preußen anständig behandelt, werden von dem Prager Mob beschuldigt, es mit dem Feinde gehalten zn haben. Auch in, Wien wirB das geglarrbt. In: Jahre!744 schreibt Maria Theresia grausanr in: b den: freidenkenden Prenßenkönig nicht ebenbürtig, das Edikt, alle Inden auS Böhmen und Mähren zn verjagen, mitten im Winter. Die Prager Erapule. längst noch bequemer Beute lüstern, stürmt daS Ghetto, in: Bunde mit der Soldateska der erhabener: Monarchin. Szenen voller Grauen. Verhüllet crrer Haupt! Darin fetzt der Erodus ein. Aber das ist kaum mehr Chronik, Mio sie den Kennern der Annalen deS Judentums gewiß längst bekannt sein wird. Was in diesem Buche lebt und es durchstrahlt rmd verklärt, ist Did)tung. Es ist der Herzschlag dieses Dichters Gerson Stern, der den ruhiger: Takt zu dieser maßloser: Unruhe des Geschehens angibt. Es ist die Musik eirres Gemütes, die aus der: Sphären tönt, die das Uirheilige heiligt und dorren von uns, die sich gegen die irdischen Nöte nicht mit den: Panzer des Glaubens gewappnet fühlen, die schmerzende Empfindung des seelischen Neides einflößt. Immer neue ( Scharen Mischer Menschen drängen drrrch das Brich. Alle Aeste, alle Zweige, alle Blüten und Früd)te des alten Stammes sind da. Tie Inden jener Zeit selbst sirrd es. die Juden jenes Düilcldrrs;\m ersten Winterlonzert des Bildungsausschnsscs der Synagogengemernde sangen Herta G l ü ck in a n n und Hermann ch ey kultiviert und vollendet Lieder von Händel. Brahms. Wols und Mahler. begleitet von Erwin Palm. Besonders bemerkenswert war die Uraufführung des Chorwerkes von Heinrid) Sd)alii: „Tie Lobpreisungen Israels", das. in Form und Thematik klar gegliedert, an Chor und «ollsten schwere, aber dankbare Ausgaben stellt und dem Hörer die tief religiöse Stimmung, in der es wurzelt, vermittelt. Tie Solopartien hatten Herta Glückwann und Hermann Schcy ^übernommen. Ter Elwr mit sicherer Hand von Erwin Palm geführt, zcigle höchste Leistung. Dem begabten, Leiter wurde mit leinen Helfern, darunter Adolf JA i n * g e r... an der Orgel, reichster Beifall der zahlreich erschienenen Zuhörer zuteil. 3kon. Frankfurt a.M. *nna Wilhelm Steinbcrg und Stefan F r e n t c 1 vereinten ikli auch zu eurem Vorräten, ttberrd. der ihnen starke Aufmerksamkett und dank, l'aren Beifall ihrer Hörer erntrug. Auch :n der stannnerrrrustk spürt man bei Steurberg, daß ci gewohnt ist. zn führen; dem Klavier kommt de: i.'nn im Dur gewiß keine rninder bedeut,ame Rolle zu. ia. an einzelnen Stellen hätte sogar der Wavstrklang eine leicht Dämpfung, vertragen. Konzert, das zwischen Zwei Brolinsonaten w-; klasiisch.romantischen Repertoires errr modern -. Äk,a» Srcnfct ,cmi6mctcä 2Ärk fatnfi F°ü° («ernate op. 44) stellte, bot hohenGenuß. Boethoven-Sonate (C nioll op. ll0. Nr. L) in dem wundervollen Adagio cantabile rhre gange ©cföWäwftrine aus. «nö «ft rcAt tarn. bi« lajoi« cchmirarrn-Souate (D moll, op. 1-1), btefe in Jenzcrtsälen merkwürdig selten gehörte Wh,. sprühende Komposition, in allen ihren ** prächtig heraus. Auch in den dre: knapp gefaßte Lätzen Lochs wetteiferten Geiger und Pranyt mit Erfolg um die blutvolle Gestaltung dreser. stark pom Rhythmus her bestimmter:, gerstvollcn. r. - prizrösen Musik. '?arml!vbt . imuionrßi.ftctc ®iIhiiiflsfl«nctnWi>.|t ^minsiZdt.-r chiden eröstnew :hro Wiuler.nber l «nein Liederabend von Susaimc «tern l.-erun-. Eine feiten schöne, volle Stimme vernnttelts der den Saal restlos füllenden Zuhörersä)ast eilten nach, haltigen Genuß. Mit leidster:: Ansatz, mustergültiger Atemtechnik :md vollercheter Eharakterrsierung kamen Lieder vor: Händel, Schubert, Tworschak Brahms rmd Sairrt-Saärrs zu schönstem Vortrag. Susanne Stein sarü> reichen, nicht endenwollenden Beifall. Aus gleid) hoher künstlerisdier Stnie staub die Begleitung der bekannten Darmstädter Pianistin Erna Ät a n n. Zreiburg i. Sr. Im Rahmen der Veranstaltungen des jüdischen Lehrhauses spielte Grete! Sommer (Pforzheim) Violinsonaten von Johann.Sebastian Bach und Brahms ted)r:isd) vollendet. Besonders gut gelangen ihr kleine Solostücke von P. Martini- Kreisler, G. Tartini und I. B. Lully. Hann-: Bodenheimer (Freiburg) erwies sid) hu Vortrag von Klavicrwerken von Härttrel, Chopin und Brahms wie als Begleiterin als begabte Pianistin. F. y. KrrrlZrutzr Im lilovember-Korxzert des rührigen Berehrs für jüdische Eeschid)te und Literatur wirkte neben dom Geiger Stefan Frenkcl. zu dessen Spiel Suse L o e b (Pforzheim) den Klavierpart übernommen hatte, der Jnstrmnentalkreis der Stuttgarster jüdisd)en Kunstgemernsdpst unser Leitung von Karl Adle r. Wie stark Virtuosenkunst und Laiendienst am Werk ineinander verwachsen kör» neu. statt einander hemmend gegenüberzustehcr-', zeigte sid) an: deutlichsten, als alle Zuhörer aufgerufen wurden, mitzuwirkcn und einzustimmen in die Lieder der Freude. Auf dem Programm des Abends standen neben Tartini und Vivaldi Io- Hann Sebastian Bad) und Ernest Bloch. Nach fast vier Stunden Musik war man über den Sck)luß betrübt; gibt es ein besseres Zeichen für die vkich> tigkeit des Weges? H. 8. MrKurg Stefan Frenkel gab mit der jungen Pianistin Alma Weiß ein Konzert von bestem Niveau. Eine Sonate im alten Etil von Reger, von den beiden Künstlern mit Prägnanz imb Durchsichtigkeit gestallet, wuchs in der Fuge zu monumentaler Großartrgkeit. In der: ßü Variationen 6-moll von Beethoven erwies sid) die begabte Pianistin als Persönlrchkeit von sid)erem musikalisd)en Instinkt. DaS bekannte Rondo op. 70 für Violine und Klavier von Sd)ubert erstand in musikalischer Frische. In der Sonate für Violine op. 1 stellte sich Stefan Frenkel an eh als Kompvuist mrt eigenwilligem Stil vor. Tie hebräische Melodie vor: Dobrowen nnd der Baal Sd)en: vor: Blöd) führte das Publikum in die Welt deS Chassidismus. Mit den: nid)t von allen DLusiklennern anerkannten Konzert in v-dur von Paganini (Kadenz von Stefan Frerrkel) veraüsd)iedete sid) der Künstler. k. M. Mlenz Tie Oberkantoren E. Na umow - F l e i s ch m a n n (Frankfurt a. Ai.) :mb Hermann I. Fleisch, m a u n (Köln) gaben in dar Synagoge einen Liederabend. Neben Händelschen Oratorien aus den: Psalm 22 von Ernest Block) hörte man jüdische Volkslieder und liturgische Gesänge. Am Flügel rvirlte Knrt Heinemann (Frankfurt a. M.), der sid) auch als Organist bestens bewährte. Der Besuch hätte besser fein dürfen. NsrttjMrg Die Kulturabteilung der Vertragsgemernsdpst erössnete die Reihe ihrer diesjährigen Veranstalhingen mit einem Konzertabend des Cellisten Jasära B e r n st e i n. Der Künstler zeigte meister- Haftes Können. Seine Darbietungen waren ein Erlebnis. Am Flügel begleitete ElSbetH Warbürg (Nordhausen) und spielte außerdem zwei Klaviersoli elegant und technisch sein durchgearbeitet. SArysser Die erste musikalische Veranstaltung des „Kulturkreises", ein Hauskonzert bei Sichel, erhielt besondere Bedeutung durd) die Tatsache, daß nur Werke jüdischer Komponisten zu Gehör gebracht wurden. In Liedern von Rubinstein und Alahler. sowie Arien von Meyerbeer und Ossenback) konnte sich der bestens gesd)ulte, in allen Lagen leid)t ansprechende Sopran der jungen Künstlerin Else Berkowitz voll entfalten. Als gewandter Begleiter unterstützte Gerhard Berkowitz seine Gattin aufs beste. Auch mit seinen Klaviersoli erbrachte er den Beweis gediegenen pianistrschen Könnens und echter Musikalität. o. 8. Im zweiten Kriltnrbirndkonzert spielte Grete Sultan, Berlin. Backjs Toccata in v-ckur in herber Auffassrmg mit besonders klarer Linienführung mw zeigte in Schmnmms „Phantasien" beackrtliche Ted)uit. Der: Höhepunkt erreichte sie in Beethovens letzter Klaviersorrate op. 111. Susanne Stein. Berlin, sang mit lliltiviertem, wohlklingendem Alt Arien und Lieder von Händel, Alarcello, Dwvrsdjak und Schnbert. Tie gnttragerrd'? sympathische, weiche Stimme wirkte besonders in den Dwvrfchakliedern. Audi als Begleitern: konnte Grete Sultan ihr vielseitiges Können beweisen. F. Jascha Bernstein (Breslau) ist als Konzertmeister an bas Gvteborger Philharmonische Orchester, das bedeutendste Orchester Schwedens, berufen worden. Er wird in dieser Saison außerdem mehrere Cellonbende in Spanien. Holland nnd in verschiedenen Kulturbünden Teutschlands absolvieren. Herta Glückmann (Breslau) ist auf Grund der außerordentlichen Ersvlye ihrer letzten Konzerte in England und Holland für die lautende Saison zn drei Konzerten'nach London und fünf Konzerten nach Holland verpflichtet worden. Die Kunsthandwerk--Ausstellung deS Kulturbundes deutscher Juden. Berlin, findet nunmehr bestimmt vom 28. November^ bis 2. Tezomber im Berliner Theater statt. Die Ausstellung m geöffnet in der Zeit von 11 bis 14 und 17 bis 1i> Uhr. Tie Besucher der. Theatervorstellungen können von 19 bis 20 Uhr die Ausstellung besichtigen. Es wird ein Verwaltungsberirag von 0,30 RAi erhoben. Am 28. November findet im Foyer ein Nachmittagstce für Diitglieder, Abwechsler und die Künstler des Kulturbundes zum Preise von 1.00 RM inkl. Derwaltungöbeitrag statt. — Ablieferung der Arbeiten am 10. und 22. Sivvomber. 10 bis 18 Uhr. im Berliner Theater. Die nächsten als Sonderveranstaltungen stattfindenden. Wiederholungen von Stefan JwcigS „Jeremias" im Berliner Kulturbund sind für den 2. und 3. Januar 1933 angesetzt. Zutritt haben Mitglieder mit) Abwechsler. Die KLnstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde Berlin veranstaltet in den Monaten Oktober bis Btärz sechs Sonderkonzerte mit ersten solistischen Kräften. Mitwirkende sind: Alexander Kiprriü. Paula Lindberg. Elsa Jülich. Herta Glückmann. Michael Taube, Georg Bertram. Bruno Eisner. Hermann Särey. Stefan Frenkel. Ewel Stegman. Mar Aianssctd. das Krotzt-Zeelander-Onartett und das Kammer orchcster Michael Tarrbe.

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