Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 47 (22.11.1934)
- Date
- 1934-11-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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„JSölfc Nr. 47 3. Beiblatt m Von Professor Dr. Ismar Elbogen Beft geht, flößt ständig aus zahlreiche Begriffe mW Namen von Tingen und Persönlichkeiten, über die er genötigt ist, sich rasch Kunde zu verschaffen. Wir Juden insbesondere müssen jeden Augenblick für unser Judentum eintretcn — für sein Sein und Werden, sür seine Goethe - Bildnis des jüdischen Stechers G. Schnapper, 1776 Aus tlnn Philo- Vorstelluugcn und Vorschriften, sür seine Institutionen und Organisationen, für seine Sachen und seine Menschen. Jeder von uns wird rast täglich in die Notwendigkeit versetzt, fidi selbst und anderen aus eine jüdische Frage rasch eine Antwort zu geben, und vermißt dann die Hilfsmittel, die ihn schnell und klar unterrichten. Um so sreudiger wird ein jeder von uns das kleine Wunderwerk begrüßen, das uns aus den Ehannkta-Tisch gelegt wird, das in diesen Tagen erschienene P h i l v - V c r 11 o n. Aachschlagebücher hat es immer gegeben, wo Menschen sich Wissen aneignen wollten. Auch wir Juden besitzen eine ganze Anzahl Enzyklopädien, die allerlei Wissen vermitteln, und gerade das letzte Jahrzehnt hat uns in Deutschland zwei großangelegte Werke dieser Art beschert, die beide ihre unschätzbaren Vorzüge haben. Tas neue „Buch des jüdischen Wissens" recht sich ihnen würdig an und ist ihnen in zwei Tingen unerreichbar überlegen ■— in seinem geringen Umsang und in seinem niedrigen Preis. Aus 800 Op alten das ganze Gebiet umsasien und nichts von Bedeutung dabei übergehen, das ist eine Kunst, die man bewundern muß. Ach tun heute ein Veteran der Enzvklopädicarbeit. Ach erinnere .mich sehr wohl, in webst er Verzweiflung ich vor 3-> Fahren dasaß. als ich die Einladung zur Mitarbeit an der Iewifh Encyclopaedia in New-chork erhielt und nicht die geringste Vorstellung hatte, wie man so etwas ansaßt: ich habe seitdem wohl an zehn jüdischen und allgemeinen Enzyklopädien mehr oder minder aktiv mitgearbeitct. Ich traue mir einige Erfahrung aus dieicm Gebiet zu und kann die vorliegende Leistung nur als eine ausgezeichnete begrüßen. Hier ist in kürzester Veit und ans knappstem Raum ein Nachschlagewerk von hohem Rang geschaffen worden. selbstverständlich hatte es an den vorhandenen ähnlichen Werken gute Führer und'Wegbereiter, aber cs ist dabei durchaus selbständig und geht seine eigenen Wege. Lolche Werke kann man nicht Enge der Lexikon hat _, _ , man kann vielleicht einige Biographien längst Verstorbener kürzen, aber die ungeheure Masse der Artikel mußte durchaus knapp gehalten sein und daher neu geschrieben werden. Ganz davon zu schweigen, das; dieses neue Lexikon völlig ans unsere Feit eingestellt ist und auf Fragen des Tages Antwort gibt. Von „Arische Abstammung" bis „Zentralstelle für jüdische• Wirtschaftshilfe" findet man zahlreiche Artikel, die aus unserer gegenwärtigen Situation hcrvorgegangen sind und Wissensdurstigen willkommene Auskunft geben. Aber auch alte Stichworte sind neu angepackt und nach neuer Methode beantwortet. Tas große Wunder, aus so geringem Raum einen so gewaltigen Stoff zu bewältigen, konnte nur durch vollendete Oekonomie vollbracht werden. Tie besten Kenner der Materie, die in wenig Worten viel über ihren Gegenstand zu sagen vermögen, sind zur Mitarbeit heranac zogen worden. An die hundert der besten Namen zählt das Verzeichnis ans, Frauen und Männer ans allen Berufen und allen Lagern: es ist wahrscheinlich, daß die Artikel über die einzelnen Richtungen innerhalb des Judentums von den eigenen Vertretern geschrieben sind und dadurch die Unparteilichkeit des Buches verbürgen. Tie technische Anordnung, die der Redaktion zu danken ist, darf als außerordentlich ^geschickt bezeichnet werden: sie dient der höchsten Raumersparnis und vermindert nicht die Ucbernchtlichkeit: der Leser muß freilich die Anleitungen „znm Gebrauch des Philo-Lerikons" (Seite V bis VII) dnrchlesen, sie werden ihm bei ihrer Einfachheit und Klarheit rasch zu eigen werden. Ihre höchste Vollendung findet" die Oekonomie der Anlage in den großen „Gruppcn"artikcln. Ta sind z. B. die Leistungen der Juden in bestimmten Gebieten der Wissenschaft (Anthropologen. Juristen, Orientalisten), der Kunst (Architekten. Bildhauer, Graphiker, Komponisten, Artisten, Film), des Sports (Fliegen, Schach).^ der Wirtschaft (Finanzwesen. Handel. Industrie) usiv. in je einem. Sammelartikel vereinigt, so das; häufige Wiederholung des gleichen Stoffes erspart ivird und der Leser ein imposamtes Bild von der Gesamtleistung erhält. Was man von einem Nachschlagebuch verlangen muß, ist Uebersichtlichkeik, Vollständigkeit, Zuverlässigkeit, und alle drei Vorzüge kann man, soweit das bei der ersten Prüfung möglich ist, dem kleinen Lexikon nachrühmen. Für die U e b e r s i ch t l i d) feit bürgt nicht nur die erwähnte geschickte technische Anordnung, sondern auch der ausgezeichnete, deutliche Truck. Tie Buchstaben mußten klein, - die Zeilen eng sein: aber das Satzbild ist klar und einladend. Es wird belebt durch die vielen, vorzüglich gelungenen Illustrationen: 2K) Abbildungen, zahlreiche Pläne. Tabellen und Uebersichten sowie 40, znm Teil mehrfarbige Tafeln und Karten zieren das Buch: ein großer Teil von ihnen ist neu und hier zum erstenmal in einem Werk dieser Art ^LU UKLLvJjß U'<bJ Ü/ diSüjJ/ <F Berliner Bauten: Palais Ephraim, erbaut 1765, und Jüdisches Altersheim (Schmargendorf), erbaut 1931 Aus dem Philo-LeJ-ikua, Veröffentlicht. Auch die Zuverlässigkeit hält der Prüfung unbedingt stand, das Lerikon ist zwar schnell, doch nicht flüchtig bearbeitet. Bei aller Sorgsamkeit sind Irrtümer nicht zu vermeiden, und jedes Buch enthält eine Postkarte, auf der für die Zukunft Anregungen und Verbesserungen erberen werden --- um das Buch immer vollkommener 311 gestalten. Wenn wir von Vollständigkeit reden, denken wir nicht in erster Reihe an die Personalien. Darüber wird man immer verschiedener Meinung sein können, ob der eine oder andere, zumal von Lebenden, in ein solches Werk gehört oder nicht: die Grenze wird immer fließend sein, ob einer sich zu Unrecht ausgeschlossen sieht oder von anderen vermißt sieht. So ist eben des Lebens ewig grüner Baum, daß er da Blätter abwirst, dort neue sprossen läßt. Hier ist die Ausnahme unter dem Gesichtspunkt der heutigen Rassenlehre erfolgt, daher zwischen Juden und Getauften nicht geschieden. Wichtiger ist die Menge der sachlichen Artikel. Auch da ist. wie bereits bemerkt, in erster Reihe das Bedürfnis der Gegenwart berücksichtigt und das Stichwort so gewählt, wie mau es heute braucht und nachschlägt: Verweisungen sorgen für inertere Orientierung. Vor allem aber ist die unendlich große Zahl der Artikel da, die über jüdische Religion in Ideen und Institutionen, in Geschichte und .Literatur, über jüdische Menschen in ihren Gemeinden und Organisationen, in ihren Richtungen und Kämpfen, über jüdische Bestrebungen in charitativer und sozialer Beziehung, insbesondere über das neue Palästina, nnterrichteu. Auch hier hat das Lerikon eine sehr rühmenswerte Neuerung, die auf kurzem Raum viel Licht verbreitet. Tie Einführung von graphischen Uebersichten und Tabellen. Tie graphische Tarstellnng des Altersausbans der indischen Bevölternng oder von Abrahams Geschlechtern in Deutschland. Tabellen wie „die Bücher der Bibel" und ihr Inhalt, berühmte Stücke der Bibel, Erfinder und Entdecker, Tabelle der jüdischen Presse nach dem Stand von 100-!. Uebersichten und Statistiken für Palästina, die sehr interessante Tafel „Schrüttmu" mit Angabe der Autoren, der Lebenszeit und des Faches, so praltischeTinge wie eine „Adressentafel indischer Organisationen" sind überaus ansklärend lnid werden von allen Benutzern dankbar begrüßt tverden. Erschöpfend kann und will ein Werk von diesem Ilmsucig nicht sein, es null nur für die erste Orientierung dienen, es gibt daher auch bei allen wichtigen Artikeln die hauptsächlichste Literatur an, die den Leser weiter führt. Aber es iü so beguem zu handhaben, so leicht auszustelleu und überallhin zu transportieren, daß es sehr rasch beliebt und ein echtes Hausbuch tverden tvird. Wir hoffen auch, stärkster Anreger zur Aneignung des heute so gierig gcsiicbstrn jüdischen Wissens. DJiiin wäre versuchst, unter Uebertragung des berühmten Wortes von Hillel zu sagen: Hier, ist die Oniuteyeuz alles jüdischen Wissens: alles Sonstige ist Anssührnng. Geb hin und lerne! Deutsche/ Reich w 622 Juden Hamburg . j£97X^Lü&eck i^j^rvn Ai? Pteußen Bayern Baden Sachsen Uebriqe Länder 5 61 US > ßrern Äiiüll'! I Hannovers. ' ’U iacii\ j ]! 1 %ilUp:^\ßrcuni \is7'. cIPtyfcbvth w m I ßfdrHsnbur. 7 Vie. 1 °$rlrn 10 C17 20 SS*;'p> i m.;. , , Westfalen 73 319 Pr OY. Aach 11! I hfddmcmeste h i j M'.'.iipi'.rs.fsjiij'.i-! jijl! || ifächsofi l IV.! Thüringen Rhein- Pror, sz «fi 301 HohenzolfernLdi frffM derM**tiM*nS Die Juden in Deuffehlend Mitte sm. 7t heller die .Schraffierungdtsft geringer der An feit der Juden in dem betreff enden Gebetste/t faichrdurchrthnitf:Unter tee iirmartludef^ Beides aus■ dem Philo-lexikon * VM Deutsche Kolorite Stadtplan von Tel-Aviv Was war noch vor kurzem die Wissenschaft vom Judentum sür eine feierliche Angelegenheit, wenigen Fachleuten innerhalb ihrer besondercrl Arbeitshezir.ke vertratet und anvertratlt. In dicken Folianten reihten sich Handbücher tmd Euzhtlopädien, schon durch Umfang und Preis verkündend, daß sie nickst sür die große Masse bestimmt seien — trotzdeni und gerade deshalb Zeugeil der glänzendsten Epoche, die die Wissenschaft' des- Judentums erlebt hat. Jahrzehntelange Arbeit und hohes Mäzenatentum schufen die. geistige und materielle Grundlage für diese Standardwerke, die den Ruhm des deutschen Judentums in alle Lande trugen. Was ist heute Wissenschaft vom Judentum sür eine vertraute, im 'Alltag wirkende Angelegenheit gervvrdcn! Nicht mehr die Gelehrtenwissenschast mit ihren emsigen und vcrztvergten Wegen, wohl aber' die Ergebnisse ihrer Forschungen nimmt der ungelehrte Wissensdurstige, t uns Judentum Bemüh ko. dankbar aus. Enger ist der Raum geworden, geringer die Mittel. Zeit fehlt. Mäzene fehlen. Ans der Wissenschaft für weinige mußte eine Wissenschaft für viele werden. Ter Gehalt vielbändiger Werke ist allgemeinverständlich zu konzentrieren. Wissensbereitschast ohne langes Suchen muß vermittelt. Ausreichendes vhne letzte Vollständigkeit dargebvten werden. Anregung znm Weiterlernen über das Angedentete hinaus quellen. Tas führte zu der E r * w ä g u n 3 : ein einbäubrges jüdisches Lexikon wird vom jüdischen Publikum dieser Zeit gebraucht. Und das Ergebnis: das Philo- Lexikon ist da. Alan muß sich einmal in Ruhe klarmachen, was das bedeutet. In einer Zeit, da manche Kreise nur an Liquidation des , beut*