Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 47 (22.11.1934)
- Date
- 1934-11-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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,77 TYff^ C-V.-Ztg. Nr. 47 2. Beiblatt \\)\J M l UJ i 1 vv iiü\j, ii 22. Novbr. W 1934 ///;■ Die JJrau in der Wirtschaft — das ist eine * Frage, die in den letzten Jahren häufig untersucht? worden ist. und die auch ihren Niederschlag in v einer bereits recht beachtlichen Literatur gefunden hat. Tie Betrachtungsweise wechselt dabei, je h nachdem ob versucht wird, die Bedeutung der Frau int Wirtschaftsablauf als Verbraucherin h oder ihre Stellung im Erwerbsleben als aktiv I Tätige, d. h. als Verdiencrin, darzustellen. Tiefe F doppelte Bedeutung des Fragenkreises ist den :{ deutschen Juden heute vielfach aus persönlichem j Erleben heraus nahegebracht worden. - Es ist bekannt, wie ausschlaggebend die Ein- 7 kauis- und Dcrbrauchsmcthoden der Frau für die A Gestaltung weiter Gebiete des Wirtschaftslebens F und. Angefangen vom Einzelhandel zieht ihr ■\ Wirtnngsradius lang'am abflachend sich über den st Großhat'.del bis zum Fabrikanten hin, und es ist st lein Zu'all. das; sich aus der großen Zahl von 7 Anktindignugen und Anzeigen ein sehr erheblicher H Brozentsat; an die Frau als Verbraucherin weitst de!. In vielen jüdischen Familien — in weit st mehr als jemals zuvor — kommt dieser Tätig- 1 teit der Frau heute erheblich größere Beachtung £ zu als in früheren Jahren. Tie Umstellung der st Ztebensgeivohnheiten — oder sagen 'wir nur ehrst lich die L>eruntcrschraubung des Lebensstandards st — bei sehr vielen deutschen Juden, hat an die j? Fratk besondere Anforderungen gestellt. Wo lf gestern für die Tinge des Haushalts noch aus dem. Vollen geschöpft werden konnte, muß heute st mit deut einzelnen Pfennig gerechnet werden, tvo Haushaltsgehilsinnen gehalten wurden, muß G die Frau heute allein arbeiten. Tie Erziehung | j und die Kleidung der Kinder stellt unter den verjs änderten Verhältnissen die Frau vor ganz neue Aufgaben, die ebenfalls aus ihre Stellung als bl Verbraucherin nicht ohne Einfluß bleiben konnten, sti Tie Umstellung, die der jüdischen Frau aus allen ]-i diesen Gebieten zugemutet wurde, ist keineswegs flj derjenigen minderzuachten, die viele Männer in H beruflicher Hinsicht vornehmen mußten. Die Stellung der Frau in der Wirtschaft hat aber im deutschen Judentum durch die Ereignisse der letzten Jahre eine neue beachtliche Erweiterung erfahren. Selbstverständlich gab es schon immer auch berufstätige jüdische Frauen. Diese Tätigkeit hörte aber — von besonders gelagerten Füllen abgesehen — im allgemeinen mit der Heirat. auf. Hier vollzog sich gewöhnlich der Wechsel in den wirtschaftlichen Funktionen der Frau, sofern sie vorher als Verdicnerin tätig war. Tie Gegenwart hat einen Typus der verheirateten jüdischen Frau geschaffen, den die Vergangenheit noch wenig kannte, weil der Mann diese Stellung allein auszusüllen vermochte: Tic Frau als Mitverdiencrin oder gar als einzige Verdienerin in der Familie. Und dabei hat sich wieder eine Eigenschaft der Frau gezeigt/ die sich schon oft in kritischen Zeiten bewährt hat: ihre schnelle Umstellungssühigkeit und vielfach auch ihre leichtere Umstellungsmöglichkeit. Es gibt leider keine Statistiken, die zahlenmäßig erkennen ließen, in wieviel tausend jüdischen Familien die Frau heute nebeit ihren häuslichen Ausgaben Miksorgerin für das tägliche Brot ist. Wie viele es sein müssen, mag aber die Tatsache zeigen, das; wohl jeder in seinen: Kreise Menschen kennt, bei denen die Frau dem Manne helfend und mitverdienend zur Seite steht. Ter Ämvalt, der sich kein Personal im Büro mehr leisten kann, der Arzt, dessen Praxis keine bezahlte Sprechstundenhilfe mehr trägt, der Vertreter, dessen Frau die Bücher führt, der Einzelhändler, dessen Frau hinter dem Ladentisch steht, weil das Geschäft zurückgegangcn ist — alles das sind Beispiele für viele, viele hundert Fälle, in denen die Frau oft einen erheblichen Teil der bisher von Fremden ansgeführtcn Funktionen übernommen hat. Daneben könnten zahlreiche Beispiele angeführt werden, wo die Frau versucht, durch eigene Arbeit dem gesunkenen oder ausgefallenen Verdienst des Mannes wenigstens einen teilweisen Ersatz zu bieten. Anlagen und Fähigkeiten, die früher zu Spielereien dienten oder unbeachtet geblieben waren, wurden nutzbar gemacht. Und so finden wir heute eine ungemein größere Zahl verheirateter jüdischer Frauen als früher, die durch kmtstgewerblichc oder andere frauliche Arbeiten einen Teil des Lebensunterhalts der Familie mitznverdicnen suchen. Es ist erfreulich, daß die Jrtstitutivnen des deutschen Judentums gerade diesem Streben der jüdischen Frau besonderes Verständnis entgegenbringcn und ihr durch Veranstaltungen und Ausstellungen Gelegenheit geben, ihre Arbeiten einem größerei: Kreis bekanrttzumachen. Denn es ist wahrlich kein leichtes Brot, das die Frau aus diese Weise zu verdienen sucht, da zu der stärkeren Konkurreitz eilte immer ntehr fühlbar werdende Verengerung der Absatzmöglichkeiten getreten ist. Wir betrachtet: diese Dinge hier mit Absicht von einer ganz sachlichen, wirtschaftlichen Seite. Es soll ein weitig dei: „Verntedüchungstendenzen" entgegengearbeitet werdet:, die derartigen fraulichen Arbeiten auch heute twch oft angchängt werden. So sehr tvir daraits achten müssen, daß gerade auf diesem Gebiet die Qualität der Arbeit aus einer getvissen Höhe bleibt, so sehr muß aber attch daraus lsingewiesen werden, daß viele jüdische Frauen hetttc ditreh den harten Zwang der Verhältnisse ans dieser: Weg gedrängt wurdet:, uttd daß Psetungverdienstet: vielfach stuttdettlange schwierige Arbeit neben den sonstigen häuslichen Pflichten gegetnibersteht. Wir haben an wenigen Beispielen zu zeigen versucht, wie sehr sich die Stelluitg und die Aufgabe der verheirateten jüdischen Frau in der Wirtschaft in: Verlaus tvcniger Monate geändert hat. Wir sind uns bewußt, das Thema damit nicht erschöpft zu haben, aber wir ertvarten, daß die wirtschaftliche Arbeit der jüdischen Frau der Gegenwart auch in Kreisen, in denen es bisher noch nicht der Fall war, ein wenig überdacht und anerkaimt wird. Und daß diese Zeilen von einem Manne stammen, möge ihnen vielleicht noch ein wenig mehr Nachdruck verleihen. 8. W—1. MsMOWN MM W WOEEMM Der Neichswirtschaftsnunister hat, wie die Togespresse berichtet, in einem Schreiben an die Landesregierungen und die beteiligten Stellen der Wirtschaft mitgeteilt, daß die gleichen Gründe, die ihn im vorigen Jahr im Interesse der Arbeitsbeschaffung vcranlaßten, sich für eilte ungestörte A b w i ck l u n g des W e i h nachtsgeschäfts einzusetzen, auch in diesem Jahre vorlicgcn. Mit Bücksicht auf die wirtschaftliche Lage Deutschlands, insbesondere im Interesse der Erhaltung und Schaffung von Arbeitsgelegenheiten für deutsche Volksgenossen hält der Ncichswirtschaftsmiuistcr einen völlig reibungslosen Ablauf des Weihnachtsgeschäfts für erforderlich. Er hat daher sein Nundschrcibcn an die Landesregierungen voin 10. Dczentbcr 1933 erneuert und genaueste Beobachtung der in dem Rundschreiben enthaltenen Gruttdsätze den in Frage kommenden Stellen zur Pflicht gemacht. Die Landesregierungen haben somit auch in diesem Jahr jeder Störung des Weihnachtsgeschäfts nachdrücklich entgcgcnzutreten. Es soll sowohl der unbeeinträchtigte Verkauf von Weihnachtsgeschenken und Christbaumschmuck, wie eine ungehinderte Werbung in den Formen und in dein Nahmen, wie sie auch für Waren- und Kaufhäuser, Einheitspreis- und Filialgefchäfte sowie für nichtarische Betriebe für den Wcihnochtsverlauf seit langem üblich sind — z. B. durch Ausschmückung der Verkaufsräume, Schaufenster, und Waren tnit Tanncnbäumcn, Tannengrün und Lametta — sichcrgcstellt werden. Eine Beiwchkmg vor Lhavukko In wettigen Tagen feiern wir das Fest der Lichter. Wünsche steigen auf — heiße, sehnsuchtsvolle Kinderwünsche, stille, ruhigere — aber nicht minder aus Erfüllung wartende Wünsche der Er- PtBl&ZFClIWOJdwrj OOOjdJ WtKß3®3SSÜ(M) tjOJj b n Besagen ©.-S« j] r] Likorfabrik [’ j 0 WeingrosshandEung i\ -. ij-pi “H n Uiiülji ii /<j{iMi i mb MÜÜÜL rr> r~ UJ\\ü i! Inh. ca. 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