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Central-Verein-Zeitung · 1934-11-15 · 46 (15.11.1934) · page 15

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
46 (15.11.1934)
Date
1934-11-15
Page
– (sequence 15)
Language
German
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rerbranitt, gegen den Himmel. Tie regenlose 3eii liegt schwer über dem Land. Tie Dürre hat nuf den Getreidefeldern manche Drache ^schassen. Zuweilen mußte alles umgepflügt md neu bearbeitet werden. Und dabei ist das Ergeben der Landwirtschaft non hervorragender Bedeutung in einem Staate, dessen Bewohner zu 67 Prozent in der Agrarwirt» sci^st tätig sind. Polen und besonders dieser -zipscl seines Landes, durch den ich fahre, sind durch diese eigenartige Struktur der Wirtiiiiafr gekennzeichnet/ Die Wirtschaftskrise hat nim die Preisschere zwischen Agrar- und Indilstriecrzettgnisseu fühlbar zum Nachteil der laudwirtschastlicheu Produkte geöffnet. Mau sicht die Ausmaße dieser Probleme, wenn imtu die Armut des flachen Landes sieht. Ein solcher Zustand kann aus die Stadtbe.vi.sikeruttg und ans den Handel nicht ohne Folgen blciben. Und rvenn dann noch die Grenz, ziehung Isinzukommt, die die Stadt, die sich dort im Tale dehnt, von ihrem zugehörigen Hiliterlande abgeschnitten und die Verkehrswege völlig geändert hat. wenn man das alles überblickt und an seinen wirklichen Ge-- sialtnngen an sich vorübergleiten läßt, dann kann man manche Lehre daraus ziehen. Aber man muh dabei ein hartes Herz haben. Denn diese Stadt hier wird die tote Stadt genannt. In ihr sind Handel und Wandel ansgestorben. In ihr ist nichts geblieben als leere Häuser und verlassene Straßen. Hat noch das Städtchen, das sich lustig und lustig am Pergeshange entlangzieht und von den zwei Mühlen bewacht wird, versucht, den Anschluß au die neuen Gegebenheiten zu finden imd ist ihm dies auch dis auf einen geringen Rest gelungen, so ist das hier in der toten Stadt ganz anders. Hier verkümmert ein Leben abseits der großen Straßen und Der. iehrswcge, abseits des Handelsstromes. Abteils und vergessen fast vergehen hier die Tage. Früher hatte diese Stadt fünftausend Ein» wohtzcr. Jetzt sind es nur noch fünfzehnhundert. Früher hatte diese Stadt ein reiches Leben. Jetzt ist in ihr Totenstille. Diese tote Stadt: das ist eine Häufung und ein Ansturm nch widersprechender Erlebnisse. ES ist eine steingewordene Tragödie, ein jämmerliches Derlafsensein und eure erschütternde Wandlung. Der Tempel sieht schon mehrere hundert Jahre. Nicht weit davon ist das Vethems, das Dethamidrafch, wo die Jahrhunderte jüdische Beter und Lernende gesehen haben. Tie Schulbänke, ans denen wir als Kinder saßen, sind aber nicht mehr vorhanden. Man hat sie. als die deutsche Schule hier zu polnischer Zeit eingerichtet wurde, diesem dcutsch-kulturcllcu Zweck gespendet, wie denn überhaupt damals von ^den deutschjüdischen Menschen dieses Werk eisrigst unterstützt wurde. Tie Wände des Bcthamidrasch sind in einem geschmacklosen Grün frisch vor kurzem gestrichen worden. Das Geld hierfür stammt aus einer Spende. Im fernen Amerika hat sich ein ehemaliger Sohn dieser Gemeinde an sie erinnert. So weit und so stark reicht das Gedenken an alles das. was hier gewesen ist. Erinnerungen werden auch beim Betrachten einer Tafel mit goldenen Lettern wach. Sie ist an der Front eines Hauses befestigt und besagt, daß hier M o r i tz L a z a r u s, der Vorkämpfer der deutschjüdischen Idee, einer der unvergänglichen Persönlichkeiten einer vergangenen Zeit geboren worden ist. Diese Tafel, die Jahrzehnte hier schon hängt, - üt geblieben, selbst als diese Stadt polnisch wurde. Hatte man sie auch zuerst abgenornmen, weildeutsche Aufschriften nicht an den Häusern sein sollten, so hat man sie jedoch bald wieder an ihren alten Ort zurückgebracht. Tie Pietät hat eine Macht, auch in dieser kleinen toten Stadt. Aber wer kennt heute noch von den hier Wohnenden mehr als den Namen Moritz Lazarus? Es zogen ja alle deutschjüdischen Menschen von hier heraus, als die Stadt polnisch wurde. Nur noch drei oder vier Familien sind geblieben. Zusammen kaum zehn Menschen. Alles andere ist fvrtacgangen: nach Teutschland oder in jene Wclr, von der kein Wanderer wiederkehrt . . . Die Lücken, die durch den Fortgang der jüdischen Menschen gerissen worden sind, sind so unerhört groß, das; die jüdische Gemeinde der Form nach wohl bestehen geblieben ist. wie ja juristische Personen vom Bestand ihrer Mitglie» der ein unabhängiges Dasein führen. Aber der Inhalt dieser Gemeinde ist so vollkommen geändert worden, hat sich so gewandelt, wie es mir eine ganz radikale Umkehr der Verhältnisse bewirken kann. Es zogen die deutschsüdischeu Menschen hinaus. Und es zogen Juden aus dem tiefen Polen hinein . . . Zwischen den Bleibenden und den Kommenden bildete sich bald jene Spannung heraus, die sich immer daun bemerkbar macht, wenn Zugezogene und Einheimische in Berührung miteinander kommen, und beide Arten Menschen verschiedene Temperamente und eine verschiedene Vorgeschichte haben. Tie Denkweise der Einheimischen, ob und wie sie den „Ton" angebcn, ist aber so unbeachtlich geworden, weil sie in der Minderheit und die Zugczogenen in der überwältigenden Mehrheit sind. Auf diese Weise mischt sich bei den wenigen deutsch-jüdischen Menschen, nicht viel anders als in anderen Städtchen der Provinz Posen, ein resignierendes Verzichtleisten und ein nur in der Verpflichtung gegenüber der Vergangenheit lebendiges Verantwortungsbewusstsein, das sie am Gemcindelcbcn noch führend teilnehmen läßt; sofern man überhaupt noch von Gemeindeleben und Führung sprechen kann. Und doch kommen die Menschen dabei ganz gut miteinander aus. Das Verstehen ist hier ans eine besondere Ebene dadurch gehoben, daß die Zugewanderten meist allesamt ein schweres Leben in diesem toten Winkel Polens haben. Es ist schwer, seine Familie zu ernähren und allen Pflichten nachzukommen. Es ist schwer, der Armut, die hier herrscht, zu entrinnen. Man quält sich sehr, und doch kommt so wenig bei allem heraus, daß es ein großer Jammer ist. Ans dem grasbewachsenen Marktplatz spielen die Kinder. Sie sind so zahlreich, wie ich es selten in einer solchen kleinen Stadt ohne Leben gesehen habe. Auch bei den Inden hier kennt man nicht das Einkinderstzstem ... Und doch wird es diese Jugend einmal schwer haben. Für alle Jugendlichen in der ehemaligen Provinz Posen, ob sie aus deutschjüdischen Familien stammen oder nicht, hat der Uebergäng in das polnische Staatswesen und haben die gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnisse in Polen die Frage nach dem Le-benSraum akirt-werden lassen. Auch hier ist diese Frage drindend. wenn auch nicht entfernt so wie bei uns in Deutschland. In Polen hat der Numerus cJunsus das Studium jüdischer Jugendlicher stark cingedämmt, wenn nicht zur Ausnahme gemacht.' Man kann nur selten die akademische Laufbahn eiuschlagen.. Es bleibt das Handwerk, eine kaufmännische Tätigkeit, zürn Teil auch die Landwirtschaft übrig.?lber in der Landwirtschaft wird meist nur zu Hachscharahzwecken vor einer Alijah gearbeitet. Im großen ganzen sind zudem die Auswandernngsvcntile für die polnische Iudenhcit gesperrt. Die Jugend kann nicht mehr wie früher in der werten Welt Nahrung und Erwerb suchen. Die Palästina-Wanderung ist bei der beschränkten Zuteilung von Zertifikaten völlig ungenügend im Verhältnis zu der wandernngswilligeu und -bedürftigen Jugend. Und Aurcrika hat seine Pforten säst ganz verschlossen. In diesen Bezirken hat es ein großer Teil der Jugend vorgezogen, in dem väterlichen Geschäft zu bleiben, es zu halten und. ivenn möglich, ansznbaucn. Die Töchter des Hauses haben den vernünftigen Ehrgeiz gehabt, statt mit dem Füllfederhalter zu hantieren und die Bänke der Universitäten zu drücken, lieber im Haushalt und Geschäft sachkundig und gewandt zu sein. Das bedeutet nun allerdings nicht, daß die Jugend an der wirtschaftlichen Substanz der Eltern zehrt oder sie gar verzehrt, wie es bei uns der Fall ist. Hier werden die Bedürfnisse von Eltern und Kindern in Einklang miteinander gebracht. An die Stelle fremden Personals treten weitgehend die eigenen Kinder. Schließlich wird auch bei uns in Deutschland. soweit cs geht, versucht, ans diese Weise einen kleinen Notiveg zu finden. Leider stehen bei uns die Verhältnisse dem oft entgegen, da die Eltern selbst allzu schwer zu kämpfen haben. So hat sich denn eine Jugend herangcbildet. die nüchtern und sachlich die Möglichkeiten der Zukunft wägt und. sofern sie nach Ercz Israel gehen will, sich gründlich darauf vorbereitet. "Eine Jugendbewegung im deutschen Sinne ist meist nur in zionistischen Kreisen vorhanden. Alles andere rechnet nickst mit. weil cs im Stile von Kaffeekränzchen gehalten ist. Auch die Jugend dieses Landstriches wird das Bemühen "um Jüdischkeit haben und haben müssen. Die innerpolitische Lage Polens und feine Wirtschaftskrise mit der Tendenz zur Proletari'sierung: das alles wird ihr manche Fragen schaffen und Ausgaben stellen. Vergessen und geschenkt bleibt'auch dieser Jugend nichts. Uns allen wird nichts geschenkt. Uns allen wird nichts vergessen. Aber auch wir wollen nichts vergessen. Auch nicht die kleine tote Stadt wollen wir vergehen. Auch nicht, woher wir kamen . . . Mrrstr in Holland. Fm Amsterdamer Kon-. zerthauL erzielte die Uraufführung eines rreuen Werkes von Kurt W e i l l. „Symphonische Fantasie", einen außerordentlichen Erfolg. D'.e Ausführung wurde in Vertretung des ersten Dirigenten des Konzerthauses. Professor Dr. Willem M c n g e l b e r g, von B r u rr o Walter geleitet. ü. (o){ü >! i:o; : .. j *\VA'/ IWD SMRR GÄsren vsr 123 Mr-a LM 19. NSL-mStt IS09 Was «nS heute noch an David Einhorn, btrfctt bidumWmpftcn, aber allmählich vom Flugsand der Vergessenheit verschütteten Geist der Reformepoche interessieren mag. ist nicht allein der be-- spiellose, tragisch'grvteske, fast anekdotenhaft .m* mutende Streit, den der Rvstocker Thcolvgicwrosessor Franz Delitzsch um den unglücklichen Schwerincr Rabbiner heraufheschivor, sondern noch mehr die Tatsache. daß David Einhorn es geivesen» in. der das Postulat eines der markantesten deutschen Philosophen zwischen den schwarzen Teckeln der von ihm verfaßten Gebetbücher ins Jüdische moduliert und nach Amerika getragen hat, wo es nicht nur in der Judenheit, sondern in weitem Umkreis fruchtbar geivorden ist. Geboren am 10. November 1809 in dem Flocken Dispeck bei Fürth, besucht er die berühmte Feschst bah dieser Stadt, mit 17 Jahren Rabbiuatsanwärter. Jetzt sprengte der junge Einhorn den Ring, den die damalige Orthodoxie um die geistige Ausbildung der jungen jüdischen Theologen legte. Unter den temperamentvollen Verwünschungen seiner Thvralehrer nahm er als einer der ersten Rabbiner in Deutschland profane Studien auf. hörte in München und Würzburg Philosophie. Hier las der damals noch nicht gerade viel beachtete Philosoph der Nomantik (oder Romantikcr der Philosophie?) Fr. W. von S ch e l l i n g und zog den abtrünnigen Jeschilxchschüler so in seinen Bann, daß er ihm nicht nur von München nach Würzburg, sondern um die halbe Welt nachgereist wäre. Vorübergehend war er Rabbiner in einigen kleinen Gemeinden Bayerns. Dem jungen Revolutionär ans der Kanzel machte die bayerische Negierung das Leben nicht leicht und verweigert ihm die staatliche Bestätigung. Geiger wird auf ihn aw merksam, und ans den historischen drei Resoemkongressen wird er neben Holdheim der aktivste Geist des NeformgremiumS. 187-1 folgt er Holdhcirn als Lbcrrabbiner von Mecklenburg-Schwerin auf der Kanzel, und hier erreicht ihn das be--- rühmt gewordene Pamphlet Delitzsch', das ihn der Häresie beschuldigt, weil er einem Knaben den Segen erteilt hat. der nach der Auffassung des Rvstocker Professors gar kein richtiger Iudenknabe ist. weil ein kleiner anatomischer Tatbestand ritueller Art an ihm vermißt wird. Einhorn trat dieser Auffassung mit schweren Geschützen entgegen: er führte rabbinatliche Entscheidungen aller Länder und Jahrhunderte an. die ihm Recht zu geben schienen. Aber nun mischten sich die Behörden in diesen mittelalterlich anmutenden Präputialstreit. Einhorn mußte seinen Posten ver--- lassen und nach Budapest ttbersiedeln, wo jedoch die von ihm geleitete Ncsormsynagoge durch Erlaß der k. u. k. Negierung polizeilich geschloffen wurde. Einhorn wandte Europa den Rücken und ging nach den Vereinigten Staaten, wo er der führende kleinen Sofsittcnbühnc des Dresdener Kaufmannichaftssaales in der Fischerschen Regie dürfte auch die Jüdischen Kulturgcmeindcn anderer Städte anregen. dieses unter dem Protektorat der Dresdener Jüdischen Künstlerhilsc entstandene Künstlercnjeinblc zu gewinnen. E. B. MißcnfelS ,'ticlv. GvUlieb (Klavier). ÜHuSia Gott, lieb (Violine) und Leo S ch ö n b a ch (Violoncello) hatten mit einem Syuagogenkonzert vollen b'riolg. Die beiden Ecksätze des Klavier-Trios uw. l' C-moll) von Beethoven gelangen trotz einiger rhythmischen Unebenheiten besonders gut. Ter große, schöne Ton des Geigers kam im Mendelsiohn-Trio noch besser zur Geltung, das alle drei Künstler aus eurer ungewohnten Höhe des tammcrmnnlalischcn Zusammcnspiels zeigte. Dazwischen brachte Santo S o n i n i mit kraftvoller, leuchtender Stimme und eindringlicher Vortragsart ein ..öaschtiweino- und die beiden berühmten Bariton- Arien aus dem „Elias^ Zu Gehör, wobei Frau GoNlieb sich als feinsinnige Begleiterin erwies. ZceZlmr ..Kinder feiern blauen Montag": diese Anindigung lockte ganze Scharen von Kleinen und reinsten zum ersten Kindernachmütag, des ulturkreifes, und in derselben Erwartung gmgen cle würdige Große mit. Lotte Rosen bäum üte die Leitung, sprach einen Prolog, fand aber is Ansagerin nicht den rechten ^vn für. ihre mgen Zuhörer. Diel Bcisall hatte -otA ch w a r z - R o s e n b a u m mit lustigen Kmder. Wichten und Versen und Bildern von Wilhelm gisch. Ton Löwenanteil an dem Erfolg des agcs holten sich aber die Kinder selbst. : rnderwettbewerb gab eS kleine Pianisten ich Violinvirtuosen. Rezitatoren, Tänzerinnen i'd Länger. Unter Leitung von Werner Lander bildete eine Kinder,infonie Höhepunkt nd Abschluß. Tie Breslauer Schriftstellerin Seifte ©o$S etzt in ihren Räumen am Blucherplay ihre statt' nqe Veranstaltungen „Das zwanglose Rachmttagsqesvrach' fort. Vor einer geistig rnter- ‘inerten großen Hörerschar werden «gelmafng fragen nu-3 vielen Gebieten des -oben», behandelt, fort ersten Dortrag bc-3 Winters behandelte Le e 2ad)3 das Thema „Mutter und Krnd und schilderte in fesselnder Weise die ersten Empfindungen der jungen Mutter gegenüber dem Kind. Tie Theatergrulsix: des Künstlerkreises (Intereffeugcmeinschast Breslauer jüdischer Künstler) hat sich des Lustspiels „Der junge Heine^ von A. At e l s erinnert, das jahrzehntelang ein beliebtes Repertoirestück aller deutschen Bühnen luar. A. Mels (Pseudonym für Martin Lohn), einer der interessantesten Journalisten des vorigen Jahrhunderts, hat neben vielen Skizzen, Erinneruiigeii und Romanen auch einige Aüchncnwerke hinterlassen. Das vor überfülltem c-aal aufgeführte Stück schildert bühnenwirksam, aber anspruchslos den Kampf des jungen Heine zwischen dem ihm aufgezwuiigenen Kaufmännischen Beruf und seiner dichterischen Neigung. Bemerkenswert die von Arthur Schw arz ans dem kleinen Saal- Podium stilvoll hergcrichtete Bühne, ausgezeichnet die Spielleitung Siegfried Brucks, der auch als Hühneraugenopcratcur und Unter-Lvtterie°Kol. lekteur Hirsch die beste Leistung des Abends, eine prächtige lebensvolle Type, bot. Ten Onkel Salomon Heine gab James E l s n e r als reichen Hamburger Sonderling, als seine Gattin war Hertha Arno schlicht und angemessen, Alfred B a l t hoff als Harry (Heinrich) Heine glaubhaft. Seine Cousine Ottilie spielte Ruth A r d e n einfach und liebenswürdig, Lotte Rosenbaum- Schwarz fand sich dank ihres rezitatorischen Geschickes mit der ihr wenig liegenden Rolle der Cousine Mathilde ab. T-er Beifall war so stark, daß die Aufführung wiederholt werden muß. Schw. Der Jüdische Mnsikvercin kam dem Verlangen d? jüdischer Musik in einem Chorkonzert enticn dessen ersten Toi! einen kurzen Uebcrblick er die Entwicklung der synagogalen Musik vom Jahrhundert bis zur Neuzeit vermittelte, ihrend der zweite Teil in den „Liedern des tens" Proben jüdischer weltlichen Musik bot. rß der nicht durchweg mit edelstem Stimmenrterial besetzte Chor die an ihn gestellten Ancüch» erfüllte, gab den Beweis für die ausgezera,- te ^lrbeit des Dirigenten Werner Sander, nn Können und Kunstversteben ermöglichte eine nhevolle Wiedergabe der kultt,chen Gesänge. Ms Kist wirkte der Berliner Oberkantor Leo G o l - n i n der dank seiner Tongestaltung und Ausuckskrast — trotz kleiner Ermüdungserscheinunn — bei der synagogalen Musik den Konzertal vergessen ließ. Im Rahmen einer Hausveranstaltung lud der Pianist Josef Wagner zu einem Konzert, in dem die Berlcner Ccinbalistin Gertrud Wertheim Musik des 17. und 18. Jahrhunderts Zu Gehör brachte. Aus dem geschmackvoll zusammongestoll. ten Programm sei die mit besonderem Beifall ausgenommene ^uite „Ein großes Jahrmarktsfest" von Eouperin le Grand genannt, die durch ihre programmatischen Schilderungen einzelner Jahrmarktszenen starke Wirkung ausübte. Ter eindrucksvolle Dortrag und dre meisterhafte Beherrfchung de8 Cembalos, verhalfen dem Abend zu einem vollen Erfolg. In einem durch interessante Programmgestaltung ausgezeichneten Klavierabend zeigte Michael Wittels sein pianistisches Können. Der „Chromatischen Phantasie und Fuge" I. S. Bachs ermöglichte fein durchaus in' gutem Sinne zu wertendes „akademisches" Spiel eine klare und überzeugende Aufführung. Dagegen hätte Beethovens „Appassionata" etivas mehr „Appassionamento" vertragen können. Seine technische Fähigkeit und sein nuancenreicher Anschlag kam erst bei dem Imprcssionistcn Debussy zu voller Entfaltung. Höhe. Punkt und Abschluß bildete der virtuose Vortrag Chvpinscher Werke, mit denen sich Wittels beim Publikum einen nachhaltigen Erfolg sicherte. g. r. VMea Ter Jüdische Frauenverein hatte für ein Wohltatigkeitskonzert Joseph und Boris Schwarz gewonnen, die einen gelungenen Klavier-Biolin-Abend gaben. Man hörte die G-moll-'Orgelpaffacaglia von Bach, in gelungener Eigenbearbcituna des Pianisten, eine Drolinsonate von Handel, die Viondfchoinsonate, in deren schwierigem Ecksntz die vollendete Wiedergabe zur Bewunderung zwang, und eine Chaconne für Violine allein-, hier konnte der Geiger alle Register anSgeroister Technik spielen lassen? Von den drei „Ehassidischen Stimmungen" von Ernest Bloch überragt das Mittelstück, Niyun, die beiden anderen an Gehalt und Schönheit. Die Jüdische Kunstgemeinschaft veranstaltete ein Konzert nnt Wice Krieger-Jsaac (Klavier) und Ruth Kisch-Arndt (AM. Die Pianistin spielte eine Sarabande von Rameau und ein Capriccio von Scarlatti, außerdem die Variation^ p(r*riem=ies op. 54 von Mendelssohn duftig und wohlklingend. Ruth Kisch-Arndt de. wie8 in Gesängen von Strattner. Johann Sebastian und Friedemann Bach ihr sicheres Stilempfinden und brachte in einigen Liedern des genialen russischen Lyrikers Mufforgsly die Größe ihres warmen Alts zu voller Eircsaltimg. An Alice Krieger-Jsaac hatte die Sängerin eine sein söhlige, zurückhaltende Begleiterin. Beiden Künnlermnen wurden vom Publikum herzlich gedankt. Nhsin-Ru-ir Das Zusammenspiel der Trio-Vereinigung Bruno Elsner (Klavier), Stefan Frenkes (Geige) und Ewcl S t e c, m a n (Violoncello) bereitet einen so hohen musikalischen Genuß, daß mm', ibr wiederholtes Auftreten innerhalb eines Jahres im jüdische Kulturbund Rhein-Ruhr nur freudig begrüßen konnte. Der Abend wurde eingeleitet" mit Mendelssohns ziveitern Klavier-Trio 0-Aioll. op. 6*'>, von dem der Komponist seiner Schwester Fanny u. a. berichtet: „Das Trio ist ein bißchen eklig zu spielen, aber schver ist es mchtD Und wenn Meister F-clir jene vollendete Wiedergabe seines Wertes hätte anhören können, so wäre er sicherlich mit dem imugeu Vortrag des Andante ospressivo — eine Spur Sentimentalität nicht entbehrend —, mit der Wirkung der, elfeuleicht dahinhnschc-nden Capriccio durchaus zufrieden gewesen. Der spärliche Eindruck einer „orientalisch parfümierten^ Serenade deS zeitgenössischen, in Pari? lebenden Polen TanSman wurde glücklichenveife sehr schnell durch das darauffolgcicde männlich-dramatische llZ-Tur-Trio op. 100 von Schubert verwischt.' Trotz deS lebendigen iNnsistereus der drei Künstler erschienen die Streicher gegenüber der berauschenden Klangfülle des Klavierparts manchmal ein wenig matt. ' Das Konzert, das in sämtlichen Städten des Rhein- Ruhr-Bczirkes gegeben wurde, hatte überall großen Erfolg. _ -vo— Unter dem Protektorat der KUnstlerhilse der Jüdischen Gemeinde Berlin findet am Donnerstag, dem 29. November. 20'A Uhr, im Haufe von Frau Toni Fraukfurther, Dahlem. Königsmarckstraße 4 (nahe Rofeneck). ein D i ch t e r a b e n d statt. Johanna Meyer liest aus Werken von Artur Silber gl eit. Einleitende Worte spricht Fritz Engel. Eintrittskarten zum Preise von 1 RM sind durch die Künstlechilfe. Kantstraße 1Ü8. Bismarck 1066, zu beziehen.

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