Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 46 (15.11.1934)
- Date
- 1934-11-15
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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'tragung. Lieft man in ihr. so hat man das beglückende Empfinden, daß nach jenem alten Wort des Midrasch nicht. nur;«b:e JEM& in. Ver.Sprache-. der Menschen' sprscht". sondern auch' diese ihre Uebersetzung. Die Gliederung auch im Druck, die Dichtung und Erzählung deutlich hervortreten läßt, erhöht durch das äußere Bild den Gesamteindruck. Die neue Uebersetzung erscheint zu einer Zeit, die. wie er ihre Autoren in den Anfängen ihrer Arbeit nicht ahnen konnten, eine seltene Empfänglichkeit ,sür die..Ausnahme jüdischer.Werte ge-- schaffen hat. Alle die, die dem Buch der Bücher uub damit dem Geiste des Judentums entfremdet waren, können durch sie wieder einen Zugang finden. Denn eS gibt keinen Weg z:un Judentum, ohne den Weg zu seinem.Suche*. Dr. Manfred Swarsensky, Lsn Arno ßerzberg i. Der Autobus rattert über die wellige Chaussee. lieber den Niederungen liegt em bläulicher Erdrauch. Ein Höhenzug ragt aus dem verfliegenden Tunst in den Himmel hinein. Er zieht sich über den weiten Horizont. An seinen Füßen, gerade vor uns. liegt eine kleine Stadt mit roten Schieferdächern, mit bunt getünchten Häusern, die in der Sonne leuchten. Zwei Mühlen flankieren auf dem Höhenzug diese Stätte der Menschen, die ebensogut am Zlühange des Thüringer Waldes liegen könnte. Aber ehe man noch diesen Gedanken zu Ende gedacht und den Vergleich ganz ausgeschöpft hat, taucht ein rotes Haus vor uns auf und dann eine Drücke. Es ist die Grenze, die nach Polen führt. Mitten durch einen kleinen Fluh, der sich durch fruchtbare Wiesen schlängelt, verläuft die Trennungslinie zwischen zwei Staaten. Mitten durch einen kleinen Fluß zieht der Strich, der äußerlich Ost. und Westjudentum voneinander scheidet. Was doch solch eine Grenze alles vermag! Sie hat das Land nicht nur in zwei Teile getrennt, die ursprünglich auf eine natürliche Art zusammengehörten. Sie hat die Derkehrsrichtungen nicht nur umgekehrt. Sie hat die Menschen hinüber und herüber ziehen lassen. Tenn setzt bin ich im Posener Lande . . . Im Posener Lande . . . Das ist die Wiege zahlreicher Geschlechter des deutschen Judentums. Nicht die schlechtesten Namen sind darunter. Das ist die Heimat einer eigenen Jüdischleit, eines besonderendeutschen und jüdischen Schaffens und Wirkens, wie kaum sonst in anderen Bezirken des Reiches. Hier hat einmal die Syrnbiose zwischen Deutschtum und Judentum ein besonderes Stadium erreicht. Ohne Schaden an seinen jüdischen Werten zu nehmen, konnte das Judentum der Provinz Posen Pioniersester, deutscher Kultur- und Geistträger sein. Inmitten einer aus ihre kolonisatorische Aufgabe gegenüber dem Polentum hingewiesene deutsche Umwelt haben die Juden des Posener Landes einen in sich geschlossenen Begriff gebildet. Tie Geistigkeit, die diesen Menschen hier einmal angehastet hat. ist auch heute noch in gesühls- und erinuerungsuläßigeu Nestdeständen und oft genug auch als ein lebendiges Erleben in all denen wirksam, die über bic Grenze nach Deutschland gegangen find, als dieses Land polnisch wurde. Es gab für den überwiegenden Dell der Juden keine andere Entscheidung. Und diejenigen, die zurückblieben, weil sie es durch irgendwelche Umstände mußten, fühlten den Zwiespalt, der in ihr Inneres durch dieses Bleiben getragen wurde. Ich gehe über die kleine Brücke. Und zum ungezählten Male in all diesen Jahren, die seit jenem Auszug vergangen sind, frage ich mich: Hätte die Geschichte der deutschen Juden nicht eine andere Wendung genommen, wenn dieses Land deutsch geblieben wäre? Denn auch diese kleine Stadt, die da vor mir liegt, hat zwei Drittel ihrer deutschjüdischen Bevölkerung bei dieser Wanderung verloren. Und das ist noch em geringer Prozentsatz gegenüber den anderen ehemals deutschen Städten der Provinz. Ter Nest, der aus diesen Mauern nicht hinausging, und die wenigen, die aus dem Innern Polens hinzukameu, bilden zahlenmäßig kaum die Hälfte der Gemeindemitglieder zur deutschen Zeit. Diese Menschen haben allesamt ihr eigenes Gefühls¬ und Tätigkeitsreich, das ihr Haus als Mittelpunkt hat. Darin sind sie immer noch die alten Bewohner der Provinz Posen, wie! sie ja auch in ihrem Innern die Erinnerung jener Tage mit dem Nimbus der „guten alten Zeit* umkleiden. Ihr Denken ist mit Geschäfts- und Gemcindeangelegenheiten voll beschäftigt. Aber man lebt auch hier zu nahe der Grenze, als daß man nicht vom deutschjüdischen Geschehen bewegt würde. Tie Versuchung, in eine Gleichgewichtslage zu kommen, in der die Vergangenheit sich verwischen ließe und nur die Gegenwart Gewalt über die Seelen haben könnte, tritt an diese Menschen nicht heran. Ihr. Blick geht durch die Zeiten hindurch. Ihr Sinn ersaßt das Geschehen auch jenseits der Strecke, bic . bic Krrchturmspitze erschaut. Es ist gerade polnischer Nationalfeiertag. Vor der Kirche aus dem Markte ist ein mit den polnischen Farben und mit viel 'Grün geschmücktes Podium ausgebaut. Eine bunt gekleidete Menge defiliert an den Rändern be§’ Platzes und durch die sahnengefüllten Straßen. Inmitten der Festesmenge stehen auch Juden, Einheimische und Zugcwanderte. Diese einheimischen Jrrden aus deutscher Zeit, werden von Polen und den „Kongressen* als Deutsche betrachtet. Sie sind es auch. Sie haben den größten Teil ihrer Verwandten, Freunde und Bekannten in Deutschland. Sie lesen deutsche Zeitungen und Bücher, weil sie anders als im tieferen Posenschen, hier nicht der polnischen Sprache vollkommen mächtig sind. Mit ihren polnischen Mitbürgern verbindet sie ein Verhältnis, das auf Loyalität und gegenseitiger Achtung^ausgebaut ist.. AID^?Juden haben., sie hier'nichts auszustehen. Sie - ernähren sich mehr oder weniger gut.. Das Leben fließt in Ruhe und Beschaulichkeit dahin. Es gibt keine Aufregungen. Es gibt nur. einen einzigen Willen, sich zu behaupten. Die Mittagssonne liegt auf den Straßen und aus dem verlassenen Marktplätze. Die Fahnen schwanken in einer leichten Brise, die über den Fluß von Deutschland herkommt. Da geht der gute Bürger au sein Mittagessen.'' und dann an sein Mittagschläfchen. das kaum durch ein Auto oder durch das Rattern eines Fuhrwerkes in der Feiertagsstille gestört wird. Die -Gastfreudigkeit der jüdischen Menschon ist hier herzlich und offen. Man fühlt sich bald zu.- Hause. Heute ist ein solches Willkommensein doppelt wertvoll für denjenigen, der in Deutschland noch nach der Väter Art lebt. Dann kann mau wohl ermessen, was all die Sorten Fleisch und Wurstwaren bedeuten, die cs hier für billiges Gold beim jüdischen Fleischer zu-kaufen gibt, oder die. auf'den Tellernin - gastlichen Häusern den Schwelgenden an lachen ... . Der Friedhof liegt auf einem Hügel außerhalb der Stadt. Seine landschaftliche Schönheit legt dem Beschauer Vergleiche nahe mit .manch einem reizvoll eingebetteten. Friedhof -Deutschlands.. Eine Steintreppe führt-auf den Hügel herauf. Kleine und große, wuchtige und bescheidene Denkmäler stehen an ihren Seiten. Es ist so. als. wollte man-die Toten über das Leben erhöhen, sie Gott näher-sein lassen als dem G'enwge. der Menschen, die dort in der Tiefe sich mühen. Tie jüdische Sitte, die die frommen - Toten so auf der Höhe bettet, wie auch Moses , zum Sterben den Berg hinanstieg, diese Sitte hat hier.einen „guten Ort* gesunden^ aus dem haushohe Kwserubäume und Tannen stehen. . Liest man die Jahreszahlen von den Ornamenten, ab. so wird man die Strecke des Weges gewahr, die Generationen deutscher Juden hier. gegangen sind. Aufstieg und Zerfall spiegelr sich in der Größe der Denkmäler und der Art'der'Anordnung der Gräber. Tie wohlgcpslegten. Wege und Grabhügel lassen aus eine gegenwärtige geregelte Fürsorge dieses Teils Mischer Gemeindeaufgaben schließen. Diese Gemeinde muß also noch innerlich und wirtschaftlich stark genug sein, um ihre Pflichten erfüllen zu können. Andere Gemeinden, wie wir sehen werden,, können das leider nicht von sich sagen. Weiter führt der Weg zwischen den. Gräbern; über den Kindersriedhos hinweg verliert , er sich in einem weiten leeren Platz, den die Gemeinde vor wenigen Jahren noch hinzugekauft und mit einer neuen Mauer umgeben Auch hier sieht man die Spiegelung! der wirtschaftlichen Verfassung der Gemeinde und ihrer Glieder. Tann erblickt man alte, zer- . sallcne Steine, deren Alter alle Inschriften -unkenntlich gemacht hat. An diesen verwitterten Grabmälern erkennt man die einstige Größe und das Alter dieser jüdischen Gemeinschaft. An diesen Steinen und den augenscheinlich noch älteren, die auf dem „Judenberge*, einem Hügel neben dem Tempel liegen. offenbart sich eine Geschichte. Da wirkt der Tempel eigentlich so unerhört jung, daß er ein wenig aus diesem Rahmen herausfällt. Er ist erst fcmttt flb«j 50 Jahre alt. und. in bgm Wald, und.Molen« .stit' erbaut.'^drv- :derfBarnatrgewöEpy,che -eigen war. In dein-Teile der Provinz Posen-und Westpreuhen, der deutsch geblieben ist, sieht, man genäu den gleicher: Baustil. Der Tempel ist .erst vor kurzem neu ge« strichen worden. Das geschah aber leider nun teilweise, weil das Geld nicht gereicht hat. Das Geld, das Geld, das ist auch gegenwärtig hier die große-Frage. Denn die jüdischen Steuern sind hoch/. Man'berechnet'sie-jetzt als Zuschlag zum reinen Einkommen und nicht wie bisher als Prozentsatz der Einkommensteuer. Tenn sonst würden die Gemeindemitglieded " allzu sehr ' erschrecken, würden sie gewahr werden, welch einen hohen Hundertsatz sie für Steuern zu zahlen haben! Die Opserfreudigkcit in puncto Steuerzahlen ist aus diesem Grunde und nicht zuletzt dadurch nicht erhöht worden, daß man seinen Teil zu den Lasten der Nackjbargemeindcn tragen muß. weil diese sich nicht aus eigenen Mitteln erhalten können. Tie verhältnismäßig gesicherte wirtschaftliche Position mrd der »vvhlausbalancierte Etat einzelner Gemeinden ist jetzt von Staats wegen durch ein sinnvolles System für andere Zuschußgemeinden nutzbar gemacht worden. Man.hat mehrere Gemeinde:: bezirksweise zusammengefaßt und unter einheitlicher Verwaltung-gestellt. .Alan hat dadurch cincit Ausgleich . geschaffen, der den finanziellen Unterbau der Zuschußgemeinden einigermaßen sichert und die vorhandene!: Institutionen notdürftig vor dein Verfall bewahrt. Es bröckelt ja so vieles ab. Vergangenes kommt nicht wieder. Einen Rabbiner gibt es in diesem ganzen Bezirk schm: seit fast eineinhalb Jahrzehnten nicht mehr. In der kleinen Stadt mit dein fünfzigjährigen Tempel betet ein Kantor. Er hat ein kleines Gehalt, aber er hat noch immer sein Minjcm Menschen beisammen, und der Gottesdienst ist noch nicht eine Ausnahmeangelegenheit geworden. ■ So verläuft das jüdische Leben in dieser kleinen Stadt. Es hat seine kleinen und großen Sorgen, seine Mühen und seine Arbeit ivie überall. Aber es ist doch noch ein iiiöisches Leben und eigentlich vermißt man nicht allzu viel von dem, was hier eimnal gewesen ist. Rur die.Menschen sind weniger an Zahl geworden. Ter Kreis des Wirkens ist enger geworden. Die Substanz des Ganzen blieb jedoch erhalten. Und das ist wichtig und'bedeutsam. Da kann das jüdische Leben'bestehen und -sich, wenn auch ohne große Zukunft.-konservieren, mag auch Neues nicht hinzukommen. Aber es ist ja schon gut. wenn das Alte bleibt und als Vermächtnis und als eine Ausgabe die Zeiten überdauert. n? Der Zug humpelt in das sanft ansteigendg Land hinein. Er besteht aus' zwei Personenwagen und der notwendigen Lokomotive, die, rückwärts fahrend, sich bemüht, ihren: Ziele entgegenzustampfen. Von Ze:t zu Zeit entringt sich ihrem keuchenden Atem ein heiserer Schrei. Dann sind wir vor einem unbewacht ton Bahnübergang angelaugt. Und Vorsicht ist immer besser als Nachsicht . . . Längs des Weges grünen die Wiesen des Bruches,.. heben sich die Kornfelder, sonnen- Konzerte mb Vorköge in Berlin und tm Reich Derlin Zwei Mannte Künstler, ein anregendes und vielseitiges Programm haben eine große Besucherzahl in das zweite Sonderkvnzert der K ü n st« 1 orhilfe gezogen. Georg Bertram gilt als einer unserer tciuften Anschlagskünstler. Chopin spielt er mit großer Sorgfalt und Liebe, namentlich die Berceuse, bei der er das Strengprofilierte, die Zeichnung in Klangkaskaden von wundersamem Reiz und glitzernder Brillanz auflösen darf. Beethovens „Appassionata" liegt diesem feinsinnigen Pianisten nicht recht: den zweiten Satz spielt er ohne klare Umrisse wie ein hochromantischcs Nocturne. Paula Lindberg sang deutsche und jüdische Lieder. Jhc warmer Ton und großer Atem läßt die Wiedergabe aller jener Lieder gelingen, deren melodische Linien ruhig und getragen verlausen; aus eine Programmauswähl in dieser Richtung sollte sich Frau Lindberg 'jedenfalls beschränken. Tie Stimme erwirbt sich eine Tiefe, die bereits den Bereichen der Männerstimme angehört. das tiefe „E* wird man selten zu hören bekommen. Schuberts .Dlüngting" und das Ständchen (bei dem ihr die Tamcn der Neuen Madrigalvereinigung mit Erfolg assistierten) waren wohl die schönstem Gaben. Bon jüdischen Liedern gab es unter anderen ein klangvolles von Goldschlag, ein einfaches von Rothsrein.' eins „frei nach - G. Mahler* von Jacobsvhn. ein sehr stiminungsstarkes von Artur Wolfs, und dann, als die einzigen wirklich „modernen", interessanten Stücke von Goldschmidt, der die Reihe der nwdernen Lieder begleitete, und die palästinensischen Lieder, die in der Bearbeitung von Jac. Schönberg eine eigenartige Note auch im Harmonischen erhalten und etwas Neues anzubahnen scheinen. Ter Liederabend von Alerander Kipnis — ein Konzert, bei dem die Kritik gern und vorbehaltlos in den unendlichen Jubel einstimmt, mit dem das begeisterte Publikum immer wieder und wieder nach dem Künstler, rief. Dieses Echo wird von einer bezwingenden T-arstellung deutscher Gesäuge und mehr noch von den. bezaubernden Bortrag russischer Volksliedkunst geweckt. Bei dem Sänger ergibt sich das Nachdenkliche. Verinnerlichte ohne Grübelei, die sinnliche Fülle des Organs, sein Glanz und seine Leuchtkraft wird nicht von Stareitelkeiten und Selbstgefälligkeit mißbraucht; Kipnis ist im Grunde der Meister der knappen, oft nur andeutenden Gesten, auch m der Mimik, und die Art, wie er die Lieder der Heimat in der Muttersprache vor sich hinsingt, ist unnachahmlich und unerreicht, und danach bringt selbst die süße Reinheit und Klarheit Berdischer Melodien keine Steigerung mehr Bei' solch sonneränet Beherrschung der Kunst, ihrer Mittel und ihrer Wirkungen, kann man nicht zergliedern -und vergleichen. An diesem Abend hört man naiv und hingegeben. Am Klavier saß Michael Taube; seine Begleitung war von dem Bereitsein getragen, auf den Sänger einzugehen und auch auf dem Instrument den Stimmungen der Lieder nachzuspüren Ein abwechslungsreiches Programm hat Susanne Landsberger-Holländer ausgestellt: klassische, romantische und zeitgenössische Lieder. Man merkt bei der Sängerin die gründliche technische und geistige Vorbereitung, mit der sie auf das Podium geht; die Stimme klingt, von der etwas tonlosen Tiefe abgesehen, kultiviert, der Vortrag ist dirrchdacht, mit pointierten Wirkungen bei heiteren Sachen. Weil aber die stimmlichen Ausdrncksmöglichkeiton die Sängerin vor allem auf die Nuancen des Feinen, Leisen beschränken, hätte Frau Holländer die ohnehin viel zu lauge Reihe ihrer Borträge wesentlich reduzieren müssen oder auch andere Mitwirkende heranziehen sollen; den feinfühligen Bcaleiler Herrmaun Ludwig hätte man auch sollstisch gern gehört. Bon den neuen Liedern sind die Stücke von Walter Hirschberg wirkungsvoll und sein gearbeitet. L. A. Wie sich der jüdische Geist aus kultureller Erstarrung allmählich löste: wie sich, speziell unter den Berliner Juden, die äußere und innere Befreiung des ganzen Menschen vollzog, um dann m einer Erneuerung und Durchgeistigung des gesamten jüdischon Daseins zu führen, zeigte Dr. Alax O s b o r n in einem weitschichtmen,' historisch sicher fundierten, ungemein fesselnden Bortrage über „Jüdisck)e Kultur im alten Berlin". Gestützt aus ein teidjeä SJlaterial und viele Lichtbilderreproduküonen breiteteder Vortragende eine Welt jüdischer Berliner Vergangenheit vor uns aus, 'in der eine Kulturarbeit vor! geschichtlicher Bedeutung beschlossen liegt. Ten ersten Zeiten kultureller Regsamkeit der Berliner Juden, wie sie sich in der Anlage des alten Friedhofs in der Großen 'Hamburger Straße sowie im Ban des Tempels in der Heidereutergasse bemerllxrr machte, folgte — in geraumer zeitlicher Entfernung — das große Erziehungswerk Moses Mendelssohns, der beherzt die geistige Reform der Juden in Angriff uahin, ohne ihre religiösen Fundamente irgendwie anzntasten. Als Mendelssohn. einer der besten deutschen Prosaisten, starb, ließ er die Juden in einer ganz anderen Verfassung zurück, wie er sie augetroffen hatte; ausgeschlossen aller geistigen und gesellschaftlichen Kultur, die sich luic eine geheiligte Tradition sortsetzte und in den Familien der Dämel Jtzig. Beitel Ephraim. David Friedländer, Abraham Mendelssohn, ebenso in den oft geschilderten Zirkeln jüdischer Frauen, einer Henriette Herz, einer Rahel Barnhagen-Levin. der Schwestern Sara und Mariaime Meyer, eine ausgedehnte Pflege fand. Der gesellschastlichen Kultur größten Stils, an der ein wesentlicher Teil der Geburts- und Eeistcsaristokratie Anteil nahm, entsprach auch, in der ersten Hälfte deü 19. Jahrhunderts, der wirtschastlu-he Aufstieg der Berliner Juden. Osborns Ausführungen fanden den lebhaftesten Beifall der angeregten Zuhörer. L. L. Samburg S'qS zweite der für diesen Winter vorgesehenen sechs Konzerte des Jüdischen Kammerorchesters (Leitung: Edvard M o r i tz) brachte u. a. als Neuhciten ein Ätück aus einer Suite von Flvrcnce Schmitt, der dem Kreise der modernen französischen Komponisten augehört, und ein Scherzo des Dirigenten, das auch schon anderwärts aufgeführt wurde. Das kleine Werk des Franzosen, genannt „Clhmöne'st hat romantischen Charakter, weist eine Reihe^ klangvoller Formen auf und bietet auch dem Solocellisten eine dankbare Aufgäbe. Es wurde von dem Orchester klangschön vorgetragen und brachte. dein 'Cellisten Jacob H o r n ft e i n einen berechtigten «rondererfolg. Ebenso erntete Moritz mit seinem Scherzo starken Beifall. Es ist ein lebhaftes, durch auffallende Rhythmen und ansprechende Klangfarben interessierendes Stück, dem die gute. scharf profilierte Aufführung besonders znm Erfolg verhalf. Solistin des Abends war Hertha K a h n mit denn Konzert in A-moII für Violine und Streichorchester von I. S. Bach. Sie fand durch ihr vornehmes, beseeltes Spiel außerordentlichen Anklang. Orchestenverke von Mozart und Schubert litten au einer gewissen Gleichförmigkeit. Das Konzert war die erste Veranstaltung im Rahmen der ncugegründeien „I ü d i s ch e n Gesellschaft für Kunst und Wissens ch n f-t in Ha m b urg E. B.". die mit einem Konzert des Orchesters des Kulturbundes Deutscher Inden, Berlin, unter Leitung von Generalmusikdirektor ^Joseph N o s e n ft o et demnächst an die Ocffentlichkeit tritt. Dr. Ist Dresden Es war eine ausgezeichnete und naheliegende Idee, aus dem reichen schätz der über hundert heiteren musikalischen Bühnenwerke Jacques Osfenbachs zwei wenig bekannte auszuwählen, um sie als Premieren in trefflicher Besetzung der wenigen Rollen dem Publikum der Kulturabende der Jüdischen K ü n st l e r h i l f e darzubieten. Es, ist eine Art Renaissance, die dadurch diese kleinen Operetten und Spielopern heute erleben, welche Offenbach von 1855 an für sein eigenes theater in Weimar wirkte, hatte als Regisseur und in der Inszenierung diesen komisch-naiven, aber doch graziösen Grundton sestgehalten. Er spielte das Faktotum. Vertigo „Ich bin ein Held in jedem Fache" überlegen charakterisierend; mit echtem Spielhunwr und vollen Vaßklängen. Den baskischen Liebhaber faßte leidenschaftlich-rhytyrnifch der Tenor Hans Horsten an, der mit seiner gewinnenden Stimme von Hamburg, Dresden, Prag her bekannt isN Bella ürdoes (früher Dresdner Centraltheater)erwies sich als reizende Soubrette, der auch sentimentale Romanzen not twvlicher stimme gelingen. Der junge Kapellmeister des Abends, Walter G o l d m a n n, der vom Flügel aus die von ihm musikalisch einstudierten Spielopern leitete, hatte für eine trefflich exakte Wiedergabe der schwierigen kleinen Ensembles, mit allen ihren - rhythmischen Feinheiten und melodiösen Linien, gesorgt. Auch in dem anderen Werkchen „Nummer 66" (ein Lotterrelos), schenkte uns die leichte Muse Osfenbachs köstlich heitere Szenen. Fischer schuf in der Figur des reisenden Krämers einen veritablen Typ der komischen Oper und hatte und seinem Auftrittslied „Ihr Leute schnell heran* in virtuosein Sprechgesang starken Sonderbeifall. Da-eapo-Beifall holten sich auch mit dem heiter trällernden Tanzlied Horsten als Dudelsackpfeifer und die Erdoes als Bäßleiu. Der Erfolg dieser netten ■ £fseubach-Aussi'iljntngen ans der h. x\ [u fr« 111 d. di S Tu Dr di. Ct: QC m G fr dc rl <V* fc fr d< r - ~ W* G iS'..