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Central-Verein-Zeitung · 1934-11-08 · 45 (8.11.1934) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
45 (8.11.1934)
Date
1934-11-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Vsn Fritz Engel Am 10. Novellier 1759 ist Friedrich Schiller geboren. Einhundertfünfundsiebzig Jahre: kein Gedenktag erster Ordnung. Dennoch bleibt es auch uns erlaubt, an jedem Tage der sich irgendwie bietet, des großer: Dichters, Sehers, Träumers, Forschers zu gedenken, ohne' den sein Jahrhundert und das Jahrhundert nach ihm ein Torso geblieben wäre. Wir wollen als Juden von ihm sprechen. Wbcr nur als Juden? Wir sind ja auch Menschen, und wir sind Deutsche. Wann immer wir zweifeln — nein, wenn der Zweifel, ob wir Deutsche seien, uns aufgedrängt wird, schlägt diese Feuersäule Schiller aus der Erde und bestrahlt uns gleich allen anderen cnrsnahmslos. * Aber dieses große Leben und große Wirken will nicht nur aus der Gesühlssphäre betrachtet sein. Wenn wir das Thema Schiller . in den nur jüdischen Bezirk verpflanzen, in die Ebene des Wissens, was bietet sich dar? Wir durchblättern die Bände: mit den Juden seiner Zeit hat er sich kaum beschäftigt; sie lebten ja auch fast alle noch im Verborge-' neu. Aber an: Judentum als solchem, an dieser nicht nuszumerzenden Welterschcinuug konnte und wollte auch er nicht vorübergcheu. Wie wir aus dem „Geisterseher" wissen, war ihm nicht einmal die Kabbala fremd. Wie erst hnt sich der Historiker Schiller, der Menschheitserforscher, in das Wesen der Gruppe verliest/ die im Tempel des Erdeuvolkes das Allerheiligste der Bibel aufgerichtet hat. Friedrich Schiller, Professor der Geschichte au der Universität Jena, hat am Ausgang des achtzehnten Jahrhunderts im Rahmen seiner nniversalhiftorischen Vorlesungen u. a. zwei Bortrüge gehalten. Bei aller eindringlichen Gelehrtheit bezeugen sie ihn wieder und zuerst als den Mann, den wir als den Dichter des Glaubens an den Aufstieg der Menschheit lieben. Er spricht vor den Studenten „Heber die erste Menschheitsgesellschaft nach den: Leitfaden der mosaischen Urkunde". In der Legende des Sündenfalles sieht er nichts, was die Menschheit entv ürdigt. Ter Mensch hat das Hausgesetz des Gartens Eden verletzt und ist damit auf seine eigene Berantwortung gestellt worden. Gerade dadurch wurde er „aus einem Sklaven des Naturtriebes ein freihandelndes Geschöpf, aus einem Automat ein sittliches Wesen, und mit diesen: Schritt trat er zuerst auf die Leiter, die ihm nach Verlauf von vielen Jahrtausenden zur Selbstherrschaft führen wird". Dieser Denker rechnet 'aus weite Sicht, mit Jahrtausenden. Das tun die Juden auch. Das Paradies also ist ihn: eigentlich ein Nichtparadies. Es ist eine Prüfling, ein Vorstadium, eine Brücke. Er spricht von dem damit gewonnenen „Uebergang des Menschen zur Freiheit und Humanität". Tann freilich sieht er auch die mit einem mißverstnndenen Freiheitsbegriff verbundene Gefahr der Ctaudcsunterschiede, der falschen Eüterverteiluug, des Dünkels. Er nennt das „Verfeinerung". Diesen Zustand lehnt er ab, aber er bleibt der Hoffnung, daß die Verfeinerung. sich von selber regulieren und!zu einer erste!:. Staatsführung entwickeln werde. Dann wird der kühle Beobachter, der aus späteren Mensch-- ■ cheitsformungen rückläufige Schlüsse zieht, doch wieder gläubig: „Das Wesen, das die Schick- ' sale der Welt lenkt", will d:ese Verfeinerung noch nicht. Es schickt die Sintflut, „eine fürchterliche Nnturbegebenheit". „Die Sendung Moses" ist ein Thema, das in primitiv-kindlicher Form schon den Knaben Schiller beschäftigt hat. Die Handschrift ist verlorengegangen. Aber wir wissen durch' ander Zeugnisse aus der Jugendzeit Schillers, daß er damals, von Klopstock ganz eingefan-.. gen und in pietistische Vorstellungen verbohrt, voll ahnungsreicher Sehnsucht nach großen Vorbildern war. Seltsam ergreifendes Bild: wie der Knabe dem Gewaltigen ein Epos weiht und es seiner Umgebung vordeklamiert. In echtesten: Schwäbisch, in der Marbacher Weltentlegenheit, rezitiert er den Hymnus aus den Erlöser der vortestamentlichcn Judenheit. Der fertige Mann holt den Stoff ans dem Dunkel der Jugenderinnerung, er studiert ihn au der Quelle, an der Bibel. Bei aller Sachlichkeit mm auch hier der Glaube an den tuustssiuu und den Wert dessen, was der Wirkung des großen Führers gemäß ist. Was wäre Moses gewesen, nur einer von den vieler: Weltverbesserern, die da kommen und verschwinden, hätte sich nicht Göttlich-Menschliches in ihm vereinigt! Nur so, das begriff Schiller, war es denkbar, daß in feiner Spur eine unermeßliche Schar von Nachfahren den Weg zu ihren eigener: religiösen Zielen gesunden hat. Die unendlich weit, auch über die Grenzen der Judenheit hinausgreifende Bedeutung der von Moses geschaffenen Staatsgründung ist dem historischen Verstand Schillers völlig klar. Es ist „eine der denkwürdigsten Begebenheiten, welche die Geschichte ausbewahrt hat". Er sagt: „Tie Nation der Hebräer muß uns als ein wichtiges universalhistorisches Volk erscheinen, und alles Böse, das man diesen: Volke nachzusagen gewohnt ist, alle Bemühungen witziger Köpfe, es zu verkleinern, werden uns nicht hinderrr, gerecht gegen dasselbe zu sein." Das ist der Kernsatz der Betrachtung. Es bleibt erstaunlich, daß man von dieser und jener jüdischen Seite mit Schiller gehadert hat, weil er auch aus mißliche Einzelzüge des ägyptisch geplagten Judenvolkes hinweist. Sehr deutlich und mit dem geschärften Blick des soziologisch eingestellten Beobachters gibt er die Ursache an. Eine zusammengepserchte, schlecht ernährte, mißhandelte Klasse kann nicht anders, als entarten: „Kein Wunder, daß die.Barbarei gegen sie in eben dem Grade stieg, als die Folgen dieser barbarischen Behandlung sichtbarer wurden, und daß mau sie immer härter für das Elend strafte, das man ihnen doch selbst zugezogen hatte." _ Das ist vor anderthalb Jahrhunderten geschrieben, in einer Zeit, in der die Juden von neuem und wie seit Moses Tagen so häufig den Pferch und die Mißhandlung kennengelernt haben und des Retters harrten. Was Schiller in diesem Vortrag sonst'äußert, wie er die Gestalt Moses ans. den Besonder-* .heiLen der Gebstrt, Entwicklung, theologischen - . Schulung und der individuellen Artung herausmeißelt, ist immer großartig, aber'es steht im' Nahmen der wissenschaftlichen Hypothese. ■ die überholt werden kann. Die Grundeinstellung jedoch hat unvergänglichen Wert., Sie entströmt der Natur eines großen Menschen, eines Gerechten.- ... * . ' Trotz jenen gelegentlichen Einwändenk die breite jüdische Masse ahnte in Schiller sehr bald den Freund der Menschenrechte, den eigenen Freund. Sie erkannte den Poet-Befreier- und stürmte ihn: mit ausgebreitetew . Armen entgegen. War er nicht ihren eigenen' alten Propheten ähnlich? Sprach nicht auch . er von einem messianischen.Zeitalter,- das da kommen werde, von einem Frieden, der alle Kreaturen Gottes mit Nosenketten aneinander bindet? War nicht -sein erhabenes Opferwort „Das' Leben - ist der Güter Höchstes nicht" zugleich eine Bestätigung und' Lobpreisung der jüdischen Märtyrer? "Viele' seiner Gedichte, „Die Räuber", „Wilhelm Teil", waren sie nur ein Geschehen oder ein Erfundensein in den böhmischen Wäldern und in der Schweiz? War der Marquis Posa, der dem Ketzerverbrenner Philipp -ins .Gewisse;: drang, nichts als der Fürsprech der Niederlande? Sie alle waren Sinnbilder des jüdischen Erlebens und Ersehueus. Man . konnte, man durfte, mau mußte sie. auslegen. Dann waren sie Borgesang für den Tag'der eigenen Freiheit. Dann waren sie Frühling in der Vereistheit des Daseins und Schlüssel . für das Tor des Ghettos. „Ein großer Kopf, dieser Schiller!" — „Nur ein großer Kops? Ein Kopf wie ein Rathaus!" ... So sprach , man in der Gasse. Es ist oft erzählt worden, wie Schiller hinter diesen Mauern gewirkt hat, mit seiner eigenen Sprache, mit ungezählten Uebersetznngen ins Hebräische, mit Uebertragungen :ns Jiddische, ins Milieu. Wie S. Meisels in einer Schrift „Deutsche Klassiker im Ghetto" berichtet, ist das „Lied von der Glocke" nicht; weniger als sechsmal ins Hebräische übersetzt .worden. Bon den Dramen fehlt wohl nur t „Wallenftcin". Auch „Die philosophischen Briefe" haben den' Weg ins Hebräische ge- ’ fanden. Und wie groß muß die Popularität ' eines Dichters sein, wie fest eiugegraben und zum Besitz geworden das, was er geschrieben, wenn nun schon die Parodien Gemeingut . werden,' wenn sich die Wortkarikatur seiner . pathosreichen Dikta bemächtigt! Auch der .Witz ist eine Forn: der Hinneigung und Ver-; ehrnng. Erst der ist der unsere, den wir auch ' necken. Schiller gehörte zum jüdischen Hanse, 'zur Farnilie. Als sieh die Juden deutschbürgerliche Namen zulegten.'war es oft der Name Schiller, der gleich einen: Bekenntnis und Lebcnsprogramm gewählt wurde. * Auch gegen den Schiller-Kultus der Juden -hat es Einspruch aus den eigenen Reihen gegeben. Die rebellenwilde Riesenkraft der Schillerschen Erstwerke zersprengte manches, was heilig war oder heilig schien. Es gab Anschauungen, die nicht standhielten. Es gab Autoritäten, die sich bedroht fühlten. In der 'Tat, so'war eK aber es Kar auch der tzchM .und Stoß.einer unaufhaltsamen Entwlckluna. - Das Judentum, erwachtezur Welt des -Schönen. Es erwachte, wenn auch noch nicht zur Natur, so doch zur Kunst.' Welch ein Lehrmeister, dieser Sch:ller, der so viel Edles und es so edel sagte! Wie wurde da nun auch schillerisch gedichtet, m:t Inbrunst und qe. ..wattigem.Wortverbrauch! Das war wieder, 'um eine Ehrung, nur daß sie den Nachpoeteu selbst nichtviel Ehre eintrug. Michael Beer Giacomo Meyerbeers Bruder, der erste Jude! der m deutscher Sprache Dramen schrieb, war auch einer der Epigonen Schillers. Ihre Zahl ist endlos bis auf den heutigen Tag. bis zu einer Gegenwart, die sich jetzt von neuem um -deu Heroismus auf der Bühne bemüht. ' -Es wäre ein besonderes Kapitel, die Prak« tiker der Schaubühne aufzuzählen, die sich \üt Schillers dramatisches Werk eingesetzt haben, die jüdischen Theaterleiter, Regisseure. Schauspieler in Deutschland und in aller Welt bis in die jiddischen Kunststätten Amerikas und - Palästinas. Kein wesentlicher. Theatermann jüdischen Ursprungs, der sich nicht irgendwie an Schiller liebevoll versucht hätte. Schiller war Tradition von den Vorfahre;: her. Er befriedigte und reizte die Phantasie. Er entzündete alle Kräfte, die sich der sinnlichen Wiedergabe eines Kunstwerks widmen wollen. Es gab und gibt keinen gewaltigeren Redner auf der Theaterkanzel, keinen'Dramatiker, der mehr Farbe über die Szene ausgebreitet hätte; keinen, der so bequem, aber auch — sg schwer zu spielen ist und deshalb die Spielfreu de so belebt. Zeiten, in denen die Theaterleutc, auch die jüdische;:, ihr; vernachlässigt haben, bedeuteten 'immer einen Niedergang der Bühne. Aber er kommt stets wieder. Er wird, weil unsterblich, immer von neuem modern.-Wieviel reiche Schiller-Abende haben wir genossen, aus der Hand Reinhardts und Jeßners! Und gewiß ist bedeutsam, daß es sogar den großen Naturalisten Otto Brahm gereizt hat, eine Schiller-Biographie zu schreiben. *• Noch einmal, gibt es „in Sachen Schiller* einen Unterschied zwischen deutschen Juden und anderen Deutschen? Es gibt ihn nicht. Für uns alle ist Schiller einer von den Seltensten, einer von denen, die Lehre und Leben zur Einheit gestaltet haben. Ein Genie, das der tiefsten Sehnsuchtdes Menschengeschlechtes den herrlichsten Ausdruck gegeben hat.' Ihm nachschreiben/ wäre Pfuscherei; ihm nachleben, ist Pflicht. . - MM Azarus;!. M die CkMEUlW " " Die am hundertsten Geburtstage Schillers <* richtete Schiller-Stiftung feiert an: 10. Novembetz ihr 75jähriges Bestehen. Die erste Anregung-zur -Begründung der Stiftung'ging, wie die Heraus geber von „Moritz Lazarus' LebenserinnerungelO berichten, von diesem aus. Der Plan wurde im Dresdener Schriftstellerkreise, in dem Lazarus im Sommer 1853 oft weilte, vielfach erörtert, aber erst im April 1855 von Julius Hammer an dik Lessentlichkeit gebracht. Er fand in ganz Deutsch« land lebhaften Anklang. Die. endgültige Errichtung der Stiftung ist aber erst der großen Werbetätigkeit von Karl Gutzkow. Major Serre, dem Veran- Der drille MmluMMnö des Drrllmc Kulturbundes Ter Berliner Kulturbund trat am Sonnabend zum drittenmal mit einem Kleinkunstabend vor seine Mitglieder. Das Programm zerfiel in zwei Teile: erstens „Berliner Bilderbogen". zweitens >Oestlicher Bilderbogen". Dieser zweite Teil war der erste geglückte Versuch. etwas für den besoitderen Nahmen besonders Geeignetes - in künstlerischer Durcharbeitung zu bieten. Nicolai E l j a s ch o f f und Heinz C o n - dell stellten sechs jüdische Volkslieder als lebende Bilder ans die Bühne. Gleich das erste. „Das Packele", schlug den richtigen Ton an. Holzschnittartig m Schwarz-Weiß-Manier. sehr geschickt beleuchtet, so daß-die Schatten mitspielteu, standen vier „östliche" Juden nebeneinander und sangen und spielten das Lied von dem kleinen Juden der ein Geigerle. ein Tuderle usw. hat, musiziert und lustig ist. und den doch das Packele säst zu Boden drückt. Bezaubernd das zweite Bild, ein Wiegenlied „Es;var eininal ein König": im Hintergrund vor schioarz.wciß gezeichneten Kartons wie Marionetten auftaull)elw, der König und die Königin und der Baun: mit deu: goldenen Vögelckien unb — nur seitlich an der Bühne — die Gestatt des „Sängers". Edgar Alexander, dessen weicher Bariton die wehmütigen Melodien in einfacher Volksliedweise vortrug. Als lustigeS Schattenspiel die schildbürgerhafte Anekdote „Ter Diebstahl", von tiefster Melancholie zu toller Lustigkeit sich entwickelnd eine Schadchen-Szcnc „Joini, Jomi", sehr blaucrvogelhaft, aber sehr reizvoll „Sag' mir, schönes Mädele" und übersprudelnd an Fröhlichkeit das Schlußbild „Als der Rebbe Eli-Melech". Zwischen den Bildern Tänze von Else Jeanette Tublon, die schon neulich durch ihre feine Charakteristik, den Witz ihrer Bewegungen uuö ihrer Mimik und die ausgezeichnete tänzerische Durchbildung ihres schlauken Körpers auffiel. Zuerst ganz gebunden in der Bewegung ein Wiegenlied, dann sehr klug und sehr sein „Wenn der Rebbe" und sehr übermütig der Tinz vom Schadchen, dessen lustige Musik von Erwin Jospe stammt. Au diesem „Lestlichen Bilderbogen" wirkten neben Edgar Alexander Berthold Bernd. Mar K o n i n s k i, Werner Her m 01111, Rolf R o y , Nelly H i r l h , Ruth A n s e l m, Gina Petruschka, Lieselotte I a - c o b y, Ernst L e n n a r t, Hannelore I e ß n e r von: Kulturbuiid-Eiisemble mit. Ter geradezu tobende Beifall wird der Leitung des Kulturbundes gezeigt liaben, daß dieser Weg, der; er hier beschritten hat, gut ist. Erwin Jospe und Wilhelm A l t m a n n begleiteten nach gewohnter Einsühlungskunst und Musikalität. Was vorher geboten wurde, roar berlinisches Kabarett. Statt des Conferenciers wirkte der Berliner Litfaß-Säulen-Junge (Ruth Anselm) mit, der, ein neues Fräulein Nummer, an eine Litfaß- Säule Nummer und Namen der Tärbietungeu klebte. Unter den Mitwirkenden an diesem Teil seien Werner S e e l i g - B a ß und Heinz F e n - st e r, die Jazz an zwei Flügeln spielten, Annemarie Hase, die, wie iuuuer, humorvoll und drastisch berlinerte, urw Gerda Köppler mit guten Berliner Vorträgen genannt. Tie übrigen Namen verschweigen wir aus Liebenswürdigkeit. Im übrigen ivar dieser Teil zu lang, und sein Vorteil bestand nur darin, daß er wohl auch den: Publikum zeigte, wie , überflüssig diese Art Kabarett ist und es um so dankbarer für den zweiten Teil stinunte. Ten aber hätte rnan gern in jeder Nummer zloeimal gesehen, vr. III. L. Sottrüge md KvWrte ' in -MM M im MO - Berlin In einer Anzahl von Hauskonzerten, die über den ganzen Winter verteilt werden, will Hans Baer von den oft kunterbunten Zusammenstellungen des Üblichen Durchschnittsprogramms loskommen und seine Abende unter einem musikalischen oder auch historischen Motto einen. Der erste galt der Familie Bach, dem großen Johann Sebastian, seinen Söhnen und einem der Onkel. Eine anregende Einleitung gab Dr. Oskar G u t tmann, mit knappen Strichen das Bild jedes einzelnen Meisters umreißend. Dann spielte Baer; der Romantiker in ihm kann sich nirgends verleugnen, und so bringt er die alten Meister im Grunde mit derselben Technik und mit demselben Anschlag, mit der er auch neuere und neueste Musik spielt. Er hätte aber danach streben müssend auch aus einem modernen^ Instrument deu Stil der Barockineister (also Sebastian und seinen Oheiui) - treffender und charakteristischer zu geben, ihn reiner, strenger, pedallvser, dafür mit der Terrassendynamik jener Zeit darzusteller;. Der Eindruck eines sehr guten technischen Könnens ergibt sich bei Baer immer, aber seine unleugbare Musikalität weist ihn aus andere Gebiete der Programmgestaltung. Die Empfindsamkeit der Nachkommen Bachs liegt ihm schon eher. Der Bariton. Dr. Fritz S a l o m o n s k i. müßte danach streben, sein Material noch modu° latwnsfähiger. biegsamer zu gestalten; er brachte u. a. deu 93. Psalm in der Vertonung von Philipp Emanuel Bach, ein großartiges Stück, für dessen Hervorholen wir Salomonski danken müssen. In einem Kulturbundvortrag über Bachs und Handels Kammermusik las Dr. Anneliese Landau einem großen Publikum von Laien ein gar artiges Kolleg über allerlei historische Dinge, und sie konnte viel akademische Weisheit ihren Hörern mundgerecht machen.' In großen Zügen zeichnete sie die Lebcnskurven beider Meister nach, zeigte den Gegensatz im Werk deutlich, wenn auch allzu summarisch, aus und sprach von der Entwicklung der frühen kammcrmnsikalischen Formen: auch hier kann man in einzelnen: anderer Meinung sein. Dieser Abend wollte vor allen: eine erste Einführung geben, und in dieser Hinsicht ist er durchaus gelungen. Boris Schwarz spielte, von Dr. Liebenthal nicht immer sorgsam genug begleitet, eine Händelsonate, die berühmte Ehaconc von Ditali, die noch berühmtere von Bach. Namentlich die Bach. Wiedergabe legt Zeugnis von einer großen Tech- ' nik und einer strengen Kunstausfassung ab. ' L. A. Frankfurt a.M. Den: neuerwachten - Interesse für Fragen derjüdischen Musik kam die Gesellschaft für jüdische Volksbildung entgegen, indem sie Artur Holde . für einen Bortrag über das jüdische Volkslied ge- Wonnen hatte. . Der Redner begründete die späte Entwicklung des weltlichen Gesanges bei den Juden mit dem Vorherrschen deZ Kultischen im Altertum und mit dem Musikverbot der mittelalterlichen Rabbiner. Besonders spärlich sind die Zeugnisse profanen Gesanges in; deutschen Judentum erhalten. Im l7. und 19. Jahrhundert sind Ansätze einer häuslichen Liedpflege nachzuweisen, die aber unt Beginn der Emanzipation wieder schwinden. Stärker entfaltete sich der 'außersyuagogale Gesang bei den orientalischen Juden. Charakteristisch auch für den Orient ist die Anlehnung an die eigene .. religiöse Melodik und an die Weisen der nicht- D jüdischen llnnvelt. Ten fruchtbarsten Nährboden s/ für das jüdische Volkslied bildete Osteuropa, wo W der Typ des Jargonliedes ausgeprägt wurde. ||| Holde umriß das weite und vielfältige Gebiet esst licher Volkskunst nach seiner tertlicheu und inusitali« scheu oeite. Er gab Aufschluß über die verinutliche Entstehung der Lieder (Spielleute und Vorderer als Verfasser), die musikalische Slrullur (Strvphensorm, Vorherrschen der phrygischen Tonart) und den Stoffkreis. Hier wurde als bezeichnende Tatsache vermerkt, daß es gemäß der Eigenart östlichen Lebens keine Wauder- und Jagdlieder, ferner weniger Liebeslieder als Gesänge für Hochzeit und Ehe gibt. Mit einem Ausblick ans die neuen Möglichkeiten eines bodenständigen jüdischen Liedes in Palästina (wo bis jetzt zumeist nur die aus Europa eingeführten Melodien erklingen), schloß Holde seine kenntnisreichen und doch Volke» tümlich gehaltenen Ansführungei: Oberkairtor N a u m o w - F l e i sch m a u n vermittette öie treffend gewählten Beispiele mit gewohntem Können. >'. E. Elrßrn In einem Liedernnd Aricnabend (Händel. Schmnann, Halevy, Dteyerbeer u. a.) konzertierten in harmonischem Zusammenwirken Opernsänger Emil Fischer (Bag). Wcunar, Sophie Schiffmann (Sopran) Gotha, Milli Löwenthal (Klavier) Gießen. Ter Sänger, in jeder Beziehung „großes Format", ergreift durch die Verei>üg">P hochdramatischer,. verinnerlichter/ vornehmkulnvierter Darstellung mit tief religiösem, und jüdischwarmem Empfinden, die ihn das Werk restlos erschließen und auch deu hebräischen Tert herrlich erklingen läßt. Die kluge und feinsinnige Prograuungcftaltung läßt Emil Fischer als eine — schon p längerem — im jüdischen Leben veru'urzelte Persönlchkcit erkennen, die spürt, was südische Hörer heilte als Trost und Hoffnung euipfindeu. Ebenfalls Prächtig chie Stimme der. Sopranistin, verständnisvoll diszipliniert und erfüllend int Zuuegelang. Auch die einheimische Pianistin wußte ih(e sichere Musikalität und lebensvolle GestaltuugKrafl entsprechend einzusetzen. vr. Lauäer. >. .. \V. Ä i't;

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