Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 44 (1.11.1934)
- Date
- 1934-11-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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©fll illllfilfili® / Don Leo Slrsch ,Jch habe jetzt einen Kilimandscharo von Büchern gelesen, von Juden, über Juden, gegen Juden, für Juden, und —" Und? - „Ütichts. Man erstickt im Papierstaub, der aus. gewirbelt wird. Es ist wie verhext. Es ist eine Zeit für Riesen, und eS gibt nur Zwerge!" Sie verlangen zu viel. . „Ich verlange zu wenige Wenn ich nur einen Furien fände —" Kennen Sie die „Maria Nunnez"?*) „Nur Kritiken darüber." Auf die Tie sich verlassen können? - „Ich glaube, ein Kritiker schrieb, das wäre so ein Buch sür die Jugend —" Und für sie paßt nur Mummelgreis-Literatur? Und was schrieben die anderen? „Tie lobten. Die übliche Portion Lob. Tie wissen ja. das Lob, das aufgestrichen wird wie die Butler aufs Brot im Automatcnbuffett. Und als Belag darüber etwas, nicht viel gebackenes Hirn mit Kopfzerbrechen, ob diese Form oder jene Form und welches Quantum Psychologie erlaubt gewesen wäre. wenn —" Hören Sic auf! Ich bin hier nicht objektiv und verstehe nicht, wie man es sein kann. Wahrhaftig, wer heute objektiv sein kann, kühl bis ans Herz hinan, der mag zum Nordpol gehen. Eis essen! Ich habe die „Maria Nunnez" in einem Zug gelesen, weiter weiß ich nichts. Es ist mir gleichgültig, mit wieviel Kilo Psychologie sie geschrieben ist, denn schon, daß sie überhaupt geschrieben ist, darf, kann, soll, muß man für etwas Besonderes halten! Tenkeu Sie einmal nach, wieviel Jal)rhunderte dieser Stoff auf einen Bearbeiter gewartet hat. Wie iit es denn zu verstehen, daß von all den jüdischen Autoren auch nur der'letzten hundert Jahre, von den Schreibern aus einein Dutzend verschiedener abendländischer Judenheiten" keiner noch an diesen Stoff heraiigegangen ist? Und es ist doch der einfachste, schönste, beispielmäßigste Stoff, der für uns denkbar ist! Wie kann mau das den,, verstehen, wenn nicht so, als ob der Stoff für uns. für unsere Zeit, sür unser Golus hier ausgespart bleiben mußte! „Erzählen Sic mir den Inhalt —* Ich denke nicht daran. Er steht im Buch. Er wird Sie gefangen nehmen. Ich verstehe nicht, daß Sie es noch nicht kennen, es ist doch Ihr, Ihr, Ihr, — unser Inhalt, unser Traum. . . „Schön, ich will's lesen. Aber'waS gibt es sonst — Beispielsweise drei neue Bibeln, zwei wissenschaftliche. eine Kinderbibel — „Gem^g! Mir reicht das Original aus. Ich fürchte, je mehr, je bessere und schönere Bibelausgaben, desto weniger Leben nach der Bibel gibt eS, aber ich bin vielleicht ein Ketzer." Sind Sie auch gegen eine Kinderbibel? „Gegen? Wissen Sie, zu meiner Zeit hat man den Säuglingen nicht genug hinunelblaue und rosa Schleischen umbandeln können, und jetzt läßt man sie möglichst nackt gymnastische Uebungen machen. Im Cheder hat man den Kindern die ganze Bibel und noch ein paar tausend Seiten Beiwerk eingetrichtert, heute die kleine, desinfizierte unb hygienisch eingepackte Kinderbibel. Die Moden wechseln, jede Zeit hat die Bibeln, die sie braucht. •) Sermann Einshkimer. Maria Nunnez, eine jüdische Aeberlicfcrung. Photoverlag, Berlin. -und nur, ob sie sie gebraucht, nur daß sie Gebrauch davon macht, darauf kommt es an! Aber wenn sie Gebrauch davon macht, dann merkt man's auch sonst, und bei unS hier spürt man kaum einen Hauch." Was wollen Eie denn eigentlich? „Ich will an den Schreibern merken, daß sie „rechtschaffen entslammt" sind." Tie Schreiber können das geschichtliche Beispiel eines erfüllten Traumes einer ähnlichen Lage zeichnen, wie die „Maria Nunnez". - „Sie sollen sagen, was wir erleben. Dafür sind sie geboren. Sie sollen uns trösten. Dafür hat Gott sie hergestellt. Sie sollen uns aufmuntern, wenn wir verzagen, und ausrütteln, wenn wir träge werden. Vorher, als das Schreiben noch ein Luxus war, da summten die Federn, da schwärmten die Schreiber lute die Bienen über Wald und. Feld, durch die Geschichte und die Gesellschaft, und heute, da das Schreiben not tut, da die Menschen, die Juden das Wort brauchen, da sie am Wort hängen müssen, sonst sind sie verloren, wo sind heute die Schreiber? Früher war eine Kluft zwischen Autor und Publikum, heute gibts keinen Autor und kein Publikum mehr, nur Menschen, einer kann den andern etwas geben, etwas sein, — kann? Muß. wir müssen ja zusammen leben, wir sind ja Juden, wir sind ja aufeinander angewiesen, wir brauchen ja ein rechtes Wort mehr als Brot — und die Dichter reden, schreiben, sagen — ja, was eigentlich?" Eben ist ein Bändchen Gedichte von Wolsskehl erschienen. — „Karl Wolfskehl? So einen meine ich nicht. Das ist ein Stefan-George-Manne. Gewiß ein braver Manne mit einem sehr gepflegten Stil und polierten Reimen und den aristokratischsten,, exklu- .sivsten dichterischen Manieren. Aber was wir brauchen, ist einfach ein Arensch, ein Jude, einer von uns. mit einer Stimme, die ins Herz geht —" Das Bändchen heißt „Dw Stimme spricht" ••). „Gewiß, so könnten alle Bändchen von und um George heißen. Was ist damit gesagt?" Es ist Gottes Stimme! „Auch das noch? Aber die Stimme hat ja im Faust-Prolog das letzte Wort gesprochen. Was soll das? Und überhaupt — ein Bändchen — Gedichte — wissen Sie —" Tas geht ins Auge, und zwar in Ihr eigenes? Wie können Sie auch nur ein Wort gegen Gedichte wagen! Was haben wir denn geleistet, wenn nicht Gedichte? Was sind wir denn künstlerisch, wenn nicht das Volk der Lyrik? Und Wolsskehl zeigt wieder einmal, wie ganz und gar wir sind, mit Haut und Haar, von ganzem Herzen und mit unserem ganzen seelischen Vermögen! Alles, was er bis zu seinem 60. Jahr gemacht hat, mag Kunst gewesen sein — und ob es Kunst war! Aber da>3 ist hier Leben. Leben. Leben, das nackte Leben — und darum dreifach Kunst. Mann Gottes, ich Hab' ein so knappes Buch, worin so viel, ach alles, einfach alles drinsteht, noch nicht gesehen! Alles, was uns drückt, quält, angeht! Unsere Frage und die einzig mögliche Antwort. Mit einer Deutlichkeit, die Sie nicht einmal sich selbst gegenüber wagen würden. Mir einer Knappheit, wie sie die deutsche Sprache lange nicht mehr erlebt hat, seit sie Goethe aus der Schule entlaufen ist ••) Bücherei des Schocken-Vcrlags, 1SL4. „Ja. er ist wohl ein deutscher Künstler —‘* Unser Mann ist er. Er betet unser Gebet. Ihn hat's „rechtschaffen entflammt". Er singtunser .Lied.'Ich bin nicht jung mehr, aber als ich da8 las. war mir beinah' zumut wie vor Jahren, als ich zum erstenmal Hölderlins Schicksalslied las. Beinah', denn es hat mich nicht bloß in der Seele, er hat mich wie an der Kehle gefaßt, gepackt, ge- 'würgt. Aua ro8 axitur! Ich möchte Ihnen ein paar Zeilen daraus neunen, aber ich müßte gleich das ganze Buch zitieren. Also fangen wir an, mit der „Stimme zum Menschen": Wo bist du? „Ich verstecke mich ... Sieh'-, ich fürchte mich sehr!" Ich fasse dich, ich recke dich. Sei wach! Lieh', heiliges Heer! Aus unterstem Angstgrund fisch Ich dich. . Winde dich nicht so im Hamen! In stahlenem Flutenbad frisch Ich dich, , Du bleibst, in meinem Namem! Ich fahr' dir durchs Herz, wie einer durch seine Aehren glitt. Wenn sie schwer sind und ausfallen müßten. Und spricht: getrost seid, bereit seid, morgen ist , ■ Schnitt! Euch Ernte will Ich mir rüsten. AuS deiner Seele schäl' Ich dich, AuS taubem Geröll und Moder. Wider dich selber wähl' Ich dich, Läut're dich im Geloder! Mein Wort ist Schild, mein Wort ist Geschoß, Führ's gut! Zur Schlacht bestimm' Ich Dich Meinen Knecht und Bundesgenosi — „Hier bin ich. Herr! Herr! nimm mich!" M EMKtM ösr -AM erzählt von Joachim Prinz, mit vielen Bildern von Hano Wallenberg, erschienen im Verlag Erich Reitz (Berlin). Joachim Prinz hat sich eine dankbare Aufgabe gestellt: er erzählt die Geschichten der Bibel für die Jugend. Tie Bibel, phantasievoller als alle Märchen, weiser als alle Fabeln, moralischer als alles, was Kinder lehren will, Gut und Böse zu unterscheiden, und reiner und klarer in ihrer Philosophie, als jedes reine und klare Kindergemüt, wird bis in alle Ewigkeit das heilige Buch für Kinder bleiben. Tie Kinderseele erschüttert sie, auch wenn der Kops grau und alt ist. Das Hauptverdienst von Joachim Prinz ist, daß er sehr diszipliniert seine eigene Phantasie in Grenzen hält und die Ausschmückung seiner Er- Zählweise den Ausschmückungen des Midrasch anpaßt. - Es gelingt ihm, in einer schlichten Sprache die übermenschlichen Erscheinungen in ein menschliches Maß zu übertragen, ohne daß sie an Würde und ün Gewalt verlieren, es gelingt ihm die Fülle der Ereignisse. Kriege. Wanderungen, Plagen. Freundsck)aftcn und Feindschaften in einer spannenden Folge zu ordnen, und es gelingt ihm, die höchsten Geschehnisse, die Erscheinungen Gottes und seine Zwiesprachen mit den Propheten in eine so einfache Form zu bringen, daß sie heilig und fromm bleiben. Wunderschön sind die Strichzeichnungen von Hano Wallenberg. Mit ganz wenigen, knappen Strichen ist die Betrübnis des Königs Saul oder der Schreck von Rüben getroffen, der Josef aus der tiefen Grube retten wollte und merkte, daß Josef schon fort war. Oder der freudige und doch so unglückselige Empfang Jephtas durch seine Tochter, oder der Tanz um das goldene Kalb, oder JosefS Verneigung vor Pharao. Diese Bilder unterstützen mit ihrer kindlichen, naiven und doch graziösen und ausdrucksreichen Art wesentlich den Zweck und den Sinn des Buches, ein Buch für Kinder zu sein. G. H. Üov. 1934 Marcheschwan 5695 3. Sonnabend 25.. Wochenabschnitt: Chaii* Ssoro, 1. B. M. 23 - 25,18 Hartara: 1. B. Kön. l,i_31 Neumondsweihe 7. Mittwoch 29. Jaum Kippur Koton Kisslew 5695 8. Donnerstag 1. Rausch Chaudesch 10. Sonnabend 3. Wochenabschnitt ‘.TauWaus, 1. ö. M. 25,19-28,9 Haftara: Maleachi 1,1-2,7 17. Sonnabend 10. Wochenabschnitt: Wajjeze, 1. B. M. 28 10-32.3 Mattara: Hosea I2,is_14:io 24. Sonnabend 17. Wochenabschnitt: Wajjl. schlach, 1. B. M. 32,4-36.48 Haftara: Obadjaunü Hosea 11,712,12 , Säusle in Lyrik Je größer eine Zeit, desto lebhafter ist bekannt, lich die lyrische Tätigteit. Kein Wunder also, daß wir schon wieder zw>ei Versbücher anzupreisen haben :„Dom Wege" von Frieda M e h l e r und „Stille Stunde" von Fritz N a u e n b e r g. beide im Berthvld Levy - Verlag. Berlin C 2, erschienen. „Vom Wege" ist „allen jüdrsckien Frauen und Mit. tern gewidmet", und mit Recht, denn hier spricht selbst ein Mutterherz. ES spricht von den fleinett und großen Kindersorgen, von den kleinen Kindern, die Sonne, und von den großen, die Glück wallen, von und zu den großen jüdischen Sorgenkindern, die „die Kette wie eine Krone" tragen sollen, von dem „jüdisch Kind in diese Welt von Neid und haß hineingeboren" und doch ein Gotteskind, es rust zur Einigkeit auf. zur Gottesfurcht, es versichert un? Ungeduldigen: „Wir haben Zeit!", cü sieht uns wandern, es wird philosophisch und stellt fest, wie man vom Ich nicht loskommt, es wird nachdenklich und stöbert m alten Briefen, es konstatiert: „Tief innerlich bejahen wir das Leben!" und kann darum nicht umhin, dem Dasein auch heitere Seiten abzu« gewinnen, es sagt den Weibverächtern die Mei. nung: es gäbe auch männliche Idioten, wählend die Genies daß Genie meist von Muttern haben, es wird neckisch morgensternlich und schließt L I* Heine: „. . . geht, die Seete still nach Haus. Echt zur Ruhe. Schluß! Das ^tück ist aus!" Fritz Nauenbergs „Stille Stunde" beginnt mit dem lyrischsten aller Worte, mit „Oh*. und wendet sich aus unserer Not an Gott. Tann folgen Asc> neser Bilder, dann bedauerliche' Feststellungen, wie, „In einer Stunde wie in dieser Stunde könnte ich weinen", dann ist eine Blume Gebet, „denn sie singt", vor der nächsten Blume kniet der Verfasser, während die Blume gewissermaßen vor der Madonna kniet, aber schon auf der übernächsten Seite wendet er sich einer Eskimofrau zu. und zwar in Sätzen, in denen Subjekt, Prädikat. Objekt und was sonst noch mitschwimmt, jedes in einer Zeile für sich prangt, in Anbetracht dessen, daß es nämlich lyrische Prädikate und poetische Subjekte sind und daß der Poet au jedem „fremden" Tage „au3 einem Glase" trinkt, und zwar trinkt er aus demselben seine Sehnsucht. Am Ende dieses Bändchens steht ein Gedicht. baS „Im Anfang" heißt und, wenn nicht alles trügt, von jenen besseren Zeiten handelt, in denen es noch keine Menschen, mindestens noch keine Dichter gab.. Aber gesinnungsmäßig ist dieses Bändchen ebenso wie jenes obige zu loben. . — rli. lverkzeug. zwei kleine Modellicrhölzchen und ein altes verbogenes Taschenmesser vereinen sich zu einem, in philosophischer und in räumlicher Hinsicht, sehr engen Zusammenleben in einein Raunu den man Atelier oder Werkstatt oder Vogelnest oder Alchimistenküche nennen kann. Alle vier Bezeichnungen haben chre Berechtigung, und will jemand Emil Pottner. aus der anderen Seite ist eine farbige die Kennzeichen von allen zusammen zu denken, nie fände er sich sonst in der Schulstraße zurecht. Schul'traße 10. An dem Eisendrücker des Eingangs^ces hängt an einer Schnur angebunden ein Papp».irtvn. Auf der einen Seite steht: Töpferei Emil Pottner, aus der anderen Seite ist eine farbige Zeichnung eines Prunksales. Das ganze ist eine zerschnittene Skizze eines Entwurfes, die dem nützlichen Zweck des Türschildes zugeführt wurde. An der Ausführung des Entwurfes aber hat Emil Pottner fünf Jahre lang gearbeitet; es entstanden Wandreliefs. Halbplastiken, Beleuchtungskörper und Ofen eines keramischen Festraumes, der. der Idee, dem Material und der künstlerischen Turckjarbeitung und Ausführung nach, einzigartig ist. Als er vor Jahren in der Sezession ausgestellt wurde, erregte er ungeteilte Bewunderung und Begeisterung. Mit dieser Erinnerung, — der Erinnerung an die heitersten, klarsten und buntesten Farben und der Borstellung von.festlichem Glanz — öffnet man die Tür, geht durch eine schmale Einfahrt, kommt in einen engen Hof, und ist — vollends ratlos. Rechts führen Türen zu Treppenhäusern, links führen Türen zu Treppenhäusern, dazwischen steht ein mächtiger Transportwagen, ein Schuppen. Kleine Fenster schauen auf einen herunter, eine Katze liegt in der Sonne und aus einem Schornstein raucht es. Rechts führt es nicht zu Emil Pottner. links führt es nicht zu Emil Pottner, und man hat die steile, fast offene Hühnertreppe aus Holz beinahe übersehen. Die aber ist es gerade, die führt einem zu Emil Pottner. Es blieb ihr wohl nichts anderes übrig, als trotz ihres hohen Alters diese Mission zu übernehmen', denn selbst sie wird eingesehen baben müssen, daß niemand besser als sie den ^Aufstieg" zu dem Töpser-Pottner vermitteln kann. Eine marmorne breite Freitreppe müßte ja bis in die Läufer erröten, stiege sie hinauf in die Gefilde der Kunst, wo die Enten schnattern und die Hühner gackern. G. H. Ausstellung <M!0 Wells Ter Modesalon „Grete" am Berliner Kurfürstendamm hat zurzeit eine Ausstellung von Arbeiten der bekannten Bildhauerin Elisabeth Wolfs. Sie stammen sämtlich aus ihrer letzten Sckxrffcns- Periode und zeigen, daß die Künstlerin die Zeit des Dersuchens in expressionistischer oder kubrstischer Art überwunden hat und nunmehr zu reifen, ausgeglichenen Arbeiten fortfchreitct. Eine besondere Stärke ihrer Kunst ist die Porträtbegabung; hier gibt sie nicht nur den äußeren Habitus und den inneren Seelenzustand des Dargestellten, sondern bleibt zugleich den plastischen Gesetzen treu und baut aus Mund, Nase, Augen, Wangen und Stirn ein tektonisch sick)ere8 Gefüge. Ter Kopf der Schauspielerin Agnes Straub und zwei charakteristische Märmerköpfe sind ausgezeichnete Proben dieser Kunst. Tie Beherrschung des nackten Körpers erweist ein reizvoller Frauciüorso. der erst vor lurzent in der Londoner Akademie-Ausstellung Anklang gefunden hat. Die interessanteste Leistung ist hier ein „Adam und Eva" genanntes Paar. Tabei wird dem Charakter des Mannes eine heroische Note gegeben, betont noch durch den aufwärtsgerichteten Kopf, während das Weib, an seinen Körper gcdränat, ganz in Liebeöbereitschaft und Hingabe gedeutet ist. Auch das Mädchen mit dem Kopftuch, erst kürzlich im Kalender der jüdischen Künstlerhilfe publiziert, ist in dem Gegensatz des glatten Gesichtes zu dem rauh behandelten Tuch ein ausgewogenes Werk. Bei der Jugend der Künstlerin wird man das weitere Schaffen dieser besonderen Begabung ausmerk, sam zu verfolgen haben. Landaberger. Vor fünf Jahren „Jeremias" in Düffel. darf. Die Aufführung des „Jeremias" von Stefan Zwerg int Kulturbund hat zu der Annahme Veranlassung gegeben, daß dieses vor fast 20 Jahren geschaffene dramatische Gedicht zum ersten Male . rm Kulturbund-Theater auf der Bühne erschienen ist. Tas ist meines Wissens nicht richtig. Vor fünf Jahren hat der Sprechchor des Jüdischen Jugendbundes Düsseldorf eine' dramatische Bearbeitung des „Jeremias" von Herbert F e l s e n t h a l, die die ausdrückliche Genehmigung von Stefan Zweig gefunden hat, in einer ausgezeichneten Aufführung in der Gemeinde Düsseldorf geboten. Aus Anlaß der Münchener Tagung des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands. Pfingsten 1930, fand eine zweite Ausführung vor fast 1000 Personen in Anwesenheit von Stefan Zweig statt. Ter Erschütterung, die diese Aufführung auslöste, gab der stürmisch gefeierte Dichter in einigen Dankworten für diese außerordentliche Leistung der begeisterten Spielschar Ausdruck. In einer Zusammenkunft im kleinen Kreise mit den Darstellern nach der Aufführung erzählte Stefan Zweig ut persönlichster Form ausführlich über die Entstehung seines Werkes, das er an jenem Abend zum erstenmal ausgefüh.rt gesehen hat. kritr Schwarrschild. Der 3. Kleinkunst-Abend des Berliner Kulturbundes findet am 3. November. 20'.4 Uhr, statt. Dieser Abend bietet einen „Berliner Bilderbogen" und einen „Oestlichen Bilderbogen". Die Jüdische Chor, und Orchestervereinigung, Berlin, führt am 11. Dezember anläßlich des 2-50. Geburtstages von Georg Friedrich Händel das Oratorium „Samson" in der Neuen Synagoge auf. Dirigent: Leo Kops. Solisten; Israel Alter. Hannover (Tenor). Paula Lindberg (Alt). .Fritz Lcchner (Daß), Julius Peissachowitz (Bariton), Alice Hannes (Sopran). Hilda Lindt (Sopran), Cembalo: Gertrud Marcus; Orgel: Ludwig Alt- - mann. Das Jüdische Museum, Berlin N 24, Oranienburger Straße 31, ist ab 1. November täglich von 10 bis 14 Uhr, außerdem Donnerstag von 15 bis 18 Uhr zur Besichtigung geöffnet. ~Qm Sonntag. 4. November. 20.15 Uhr. Großen ^saal der Lessing-Logc mit einer Aufsühri erstmalig an die Oeffentlichkeit. Zur Aufsühri gelangt daS Lustspiel: „Ter junge Heinrich Hei ^on. c *Tie Mitwirkenden sind: R Arden, Herta Arno. Lotte Rot-nbau ‘£?J*<?;?'* 9lIfte?» ®althoff. Siegfried Brr Max Drucker, James E l s n e r, Georg F e I mann und- Hans Kutner-Iensen. Junges Sonett Einmal werden wir die Alten sein mit den gütig sanften weisseil Haaren, mit den Händen, die so weich und rein Schätze tragen aus den vielen Jahren. Uhs’re Schritte werden still und klein, die so stürmend einst, so trotzig waren. Lächeln werden wir, versteh’n, verzeih'n — müde Schiffe, die zum Hafen fahren. Weise werden wir — wie jene sind, die den Weg mit ihrem Blick uns bahnen —*• durch den weiten*Dämmerabend gehn — aber heute noch im rauhen Wind lassen wir die stolzen bunten Fahnen v unsrer Jugend über Meere weh’n. Hilde Marx. Ausstellung bei 91 Zscael Wäre ich ein Arzt, und sollte ich meine Patienten Von Magenleiden aller Art und von einer Appetitlosigkeit kurieren, ich verschriebe ihnen u. aden, „Gedeckten Tisch" und schickte sie zu N. Israel in die Ausstellung. Tann hätte ich wahrscheinlich einen großen Teil des Hebels schon behoben. Wir finden hier nicht den Raum, um alle Gründe aufzuzählen, die die Wichtigkeit deS gedeckten Tisches immer wieder jeder Hausfrau nahe- - legen. Deshalb feien nur kurz die Anregungen erwähnt, dre man bei N. Israel findet. Zuerst mal der Grund eines gut gedeckten Tisches ist das Tischtuch aus Leinen. Kunstseide. Einfarbig oder bunt bedruckt. sind sie der Untergrund des Kaffee- und Mittagstisches. Das blendende Weiß, die neuen Töne in Lind und Silbergrau, sind die Farben für den festlich gedeckten Tisch. Ein Bowlen-Service miS ©wS, das schwarze Holzqriffe hat, steht auf einer roten, aus Chinchilla handgewebten Decke, darauf sehr reizvoll schwarze Vogelbeeren verstreut sind. Für einen Kinderkokao ist das Tischtuch aus blauwerß gepunkteter Wachsleinwand, die sich geduldig leden Kakaofleck mit etwas Wasser wegwaschen laßt. selbstverständlich'sind auch nicht an die Cocktarl» und an die Cognak-Minuten vergessen. . - >!. 1ent> Gäste bei sich empfängt, und was wichtiger ist, selbst auch ohne Gäste an eurem I^Eundlrchen Tisch essen will, sei es empfohlen, her 9h Israel sich Anregungen dafür zu holen. —cht—