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Central-Verein-Zeitung · 1934-11-01 · 44 (1.11.1934) · page 13

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
44 (1.11.1934)
Date
1934-11-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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G-V^/H^nnnrn Nr*44 ö SjO Lj Li Lj v J Li Li “' U 2. BesbSaft [•m *Mm fss* suüsiu>'l WMUWk 1534—31.10.—1934 400 Jahre deutsche Luther-Bibel. Bon I). D r. B u ch w a l d. Herausgcgcbcn zum (Gedenkjahr der Bibelübersetzung I). Martin Luthers (1534—1934) vom Ausschuß der dcutscheu Bibelgesellschaften. Verlag I. L. Stcinkops, - Stuttgart, 1934. . In der Flut des Schrifttums über Luthers Bibelübersetzung steht die Arbeit von Franz Ros e n zw e i g aus dem Jahre 1926 „Tie Schrift und Luther" (jetzt im Schockeu-Berlag) unbestritten in der ersten Reihe. Tiefe acht Kapitel über die Kunst des Ueberfetzens und über Luthers Werk, ferner die zablreichen klassischen Vorreden Luthers selbst zu den einzelnen Büchern der Bibel, die leider in den Vibclansgabcn der letzten 200 Jahre fast immer rveggeblieben sind, vermitteln heute dem Nichtgelehrten den tiefsten Einblick in daS graste unvergleichliche sprachschöpferische Werk. Bon den Kanzeln unserer Synagogen und in unseren jüdischen Schulen hören wir noch heute, allerdings m der Revision des ausgehenden 19. Jahrhunderts, den lutherischen Text. Ans der Wartburg' war 1522 das „Neue Testament" fertiggeworden, das war die sogenannte „Septcnlberbibcl", die zum erstenmal am 21. September 1522 in Wittenberg im Truck erschien. Tas „A l t c T e st a m e n t" erschien in einzelnen Teilen. Auf der Wartburg fehlten Luther die nötigen Hilfsmittel und Mitarbeiter für die überaus schwere Aufgabe der Ucbersetzung aus dem Hebräischen. In Wittenberg hatte er in der Folgezeit auster der Bibliothek den sprachkundigen Melanchthon und den Professor der hebräischen Sprache Matthäus Aurogallus (Goldhahn) bei der Hand. 152:“. erschienen als erster Teil die fünf Bücher Moses, 1524 der zweite Teil mit den Geschichtsbüchern und der dritte Teil, der Hiob, Psalmen und die sogenannten salomonischen Schriften enthielt. Tie kaum zu bewältigende Leistung einer deutschen Uebersetzung der Propheten war erst 1532 abgeschlossen. Aus diesen Bausteinen konnte nun nach nochmaliger, gewissenhafter Durchsicht der imponierende Bau vollendet werden, die ganze, deutsche Bibel. 1534, vor 400 Jahren, erblickte die erste Ausgabe das Licht der Welt: LlbüchdasiftLiegantzküirÜlgrSchrMsrudsch JHart. Luch, äölittrnbrrg LrFnaÄrtmitLurfürstllchrr^uSachstnfrrlhklt Gedruckt durch Dans Lufft. MDXXXHII Bis 1541 hat Luther in immer wieder neuen Ausgaben bessernde und feilende Hand angelegt. Seit dem Tode Luthers ist die Frage nicht zur Ruhe gekommen: Wie ist die Treue gegen Luthers geniales Werk mit der Treue gegen den im Lause der Zeit inuncr besser hergestellten und immer richtiger mich seinen eigenen Grundgesetzen verstandenen hebräischen Urtext sowie mit dem religiösen und natürlichen Bedürfnis nach glatter Verständlichkeit, nach einem lebendigen Bibeldcutsch in Ausgleich zu bringen? An der Beantwortung dieser Frage waren deutsche Juden von jeher bis zu Bubcr- Nosenzweig und der neuen Bibelverdeutschung unter der Führung von Torczyncr, die uns noch dieses Jahr erwartet, beteiligt. Wie Luther in seinem klassischen „Sendbricf vom Dolmetschen" ans dein Jahr 1530, so hat Martin Buber in der Abhandlung „lieber die Wortwahl in einer Verdeutschung, der Schrift" die besonderen Ausgaben eines reinen Textverständnisses in deutscher Sprache überaus wendig beschrieben. Buber hat besonders eindring, lich und beredt - ausgesprochen, daß die Bibel nicht übersetzbar ist: Ter Grundstrom althebräischer Anfchaulichkcit noch in den geistigsten Begriffen, die althebräische Satz-Architektur, Gleichklang und Rhythmus können nicht „wiedergegeben" werden. Luthers „Verdeutschung" in der Nrausgabe erinnert .an Albrecht Dürer und Lukas Cranach, die die in Palästina sich abspielcnde Geschichte m eine deutsche Umgebung des Jahres 1500 hincinmalten. Außerdem hat Luther seine eigenen Grenzen sehr genau gekannt und es selbst ausgesprochen: „Ich bekenne frei, daß ich mich zu viel unterwunden habe, sonderlich das Alte Testament zu verdeutschen. Tenn die hebräische Sprache liegt leider gar zu sehr darnieder. daß auch die Juden selbst wenig genug davon wissen." Tie christlich-religiöse Praxis hat zudem in der Folgezeit so einschneidende Aenderungen des Luthertextes vorgenommen (unbestritten nicht immer mit Geist und Ehrfurcht), daß auch nicht der Schatten eines Grundes mehr vvrlicgt. das; man sich unter deutschen Juden (meist aus -reinen Bequernlichlcitsgründen) moderner Lutherbibeln für alttestamentli'che Texte bedient. Ganz anders ist cs mit dein ursprünglichen, echt lutherischen Wortlaut, den in der Regel bei uns ' nur der Germanist zur Hand nimmt; hier handelt es sich um unvergleichliche klassische deutsche Literaturdenkmäler. Es verrät keinen „Ehen", eine Vokabel, für deren richtige deutsche Uebersetzung aus dem Hebräischen Luther in einer seiner köstlichen Psalter-Vorreden allen „Meistern und Klüglingen" fünfzig Gulden auSgesetzt hat. wenn auf Kanzeln deutscher Synagogen, in jüdischen Schulet!, an und auf jüdischen Gräbern Luther-Sätze im Sprachstil des 19. Jahrhunderts gebraucht werden. Unsere Stellungnahme wird am deutlichsten aus Luthers eigenen grundsätzlichen Worten in seiner Schrift „S n m m n £ i c li übet d i e P s a l m e n u n d U r s a ch e n des Dolmetsche n s": „Alle Schulmeister lehren, das; nicht der Sinn den Worten, sondern die Worte dem Sinn dienen und folgen sollen. Was ist's, die Worte ohne Rot so steif und. strenge halten, daraus man doch nichts verstehen kann? Wer deutsch reden will, der muß nicht der hebräischen Wort Weise führen, sondern nmst darauf sehen, wenn er den hebräischen Mann versteht. Ter Rhein ist eine uralte Völkerstraste der europäischen Menschheit. Kelten, Germanen drängten au den majestätischen Strom; längs seiner Ufer hallte der Marschtritt römischer Legionen. Aus, ihren Standquartieren, zum Schutz der Reichsgrenze am Stromrand errichtet, wuchsen die Städte des R'Heines empor. Hier, im Herzraum der Frühgeschichte der Deutschen. entstanden die ersten jüdischen Niederlassungen auf deutscher Erde. Nach Worms, an dessen jüdischem Gotteshaus neun Jahrhunderte vorübcrzogen, dürfen wir nunmehr das 650jährige Bestehen der jüdischen Gemeinde zu Speyer feiern. Was bedeutet nun dieser Gedenktag für den deutschen Inden, der sich tu der seelischen und sozialen Situation von 1934 befindet? ° Tic Geschichte jener alten jüdischen Gemeinde am deutschen Rhein ist zunächst symbolhaft für die Geschichte der Juden in Tentschland. Tenn sic zeigt in verkleinertem Maßstabe die Aus- 5 / / Emil Pottner I'ot. Herbert Sonncnfcld!!I!lllllll!!][!II!!II!!lll!!l!l!ll!!!!!!llllll!IIII!IIHI!!II!!ilI!I!!l!IIIII!!lllll!l!ll das; er den Sinn fasse und denke also: Lieber, ivie redet der deutsche Alaun in solchenr Fall? Wenn er nun die deutschen Worte hat. die hierzu dienen, so lasse er die hebräischen Worte fahren und sprech frei den Sinn heraus aufs beste Deutsch so er kann!" W r r müssen dagegen wieder ganz an das hebräische Wort heran, so nahe wie möglich; die Verständlichmachnng ohne Trivialisierung und ohne einschläfernde Geläufigkeit, das bleibt eben die große, kaum erreichbare Kunst. W i r m ü s s e n d a 8 W o r t „steis" und streng halten. Tas Jubiläumsjahr 1934, in dem 400 Jahre feit der Vollendung der Bibelvcrdeutschung durch Luther vergangen sind, ist auch uns ein Anlaß, die Frage der richtigen deutschen Bibelübersetzung im jüdischen Geist zu überprüfen. Dr. Ludwig Fcuclitwanger (München). ernanderfolge der Zeiten des Auf- und Nieder, gangs. der unsere Vergangenheit auf dcntschein Boden kennzeichnet. Sie stellt ferner ein Sinnbild für die S e ß h a f t w e r düng deutscher Inden auf deutscher Erde dar. Sie beweist jedoch vor allem, daß sich, durch Blutopser geweiht, ein Gefühl der B o d e n p e r b u n d e n h e i t. herausbildet, durchaus irrational, unfaßbar dem klügelnden Verstände, ein Gefühl des H e i m a t a n r e ch t s, das ans dem Bewußtsein, ein geschichtliches Erbe zu verwalten, feine Lebenskraft empfängt. KriMemdLMt im Mliorbmrd , In der Zeit vom 28. November bis 2. Dezembcr wird eine K u n st h a n d w e r k - A u s st e l - l n n g vorbereitet. Künstlern und Künstlerinnen wird Gelegenheit gegelien werden, ihre Arbeiten zu zeigen, Aquarelle. Zeichnungen. Kleinplastiken. Gebrauchsgegenstände von künstlerischer Qualität. Anmeldungen unter Angabe der Arbeiten beim Büro des Kulturbundes. Abt. Kunsthandwerk. Berlin SW 68. Eharlotienstraße 90. Ablieferung der Arbeiten bis 12. November. Julius Peissachowitsch, Julius Peissachowitsch, Hermann Schey Phot. Herbert Sonncnfcld KZWM A MM lieber Haydns „Schöpfung" heute etwas sagen zu wollen, erscheint überflüssig, nicht einmal so sehr deshalb, weil das Oratorium als Meisterwerk in allen Weltteilen anerkannt ist, sondern mehr noch, weil man in der Kunst niemals da Betrachtungen und Reflcrjpnen anstellen sollte, wo das Kunstwerk selbst so ohne innere Hemmungen beim Schassenden ans der Feder geflosien zu sein scheint. Janot S. R o s k i n hat eine Ausführung der „Schöpfung" zustande gebracht, bei der ihm als Ensemble fein Gemischter Chor und sein eigenes verstärktes Kammerorchester Zur Verfügung standen. ■ Ter Chor ist schon früher hervorgetreten und erprobt; diesmal stand -er wohl vor seiner bisher größten Aufgabe. Tie nicht allzu große Zahl der Länger ergibt einen vollen, runden Zuf l'ammenklang. und nach der Seite des Weichen und Verhaltenen ist manche Nuance gegen früher gewonnen worden. Hierin zeigt sich die Erziehungsarbeit Roskins, hier liegen auch bie Ziele wetteren Etrebens, das besonders auf die Tämpfung des ^otto- Voce-Klanges („Und eine neue Welt") und auf das Hauchzarte („gcfeanct fei des Herren Macht") gerichtet werden möge. Ter leise schwebende allererste Ehorcinsatz geriet bemerkenswert schön, und die großen Ehorsätze, auch die von Hündelschem Geist erfüllten fugierten Teile, wurden klar und mit großer Kraft, namentlich in den Männerstimmen herausgebracht und löiten mehrmals spontanen Beifall ans. Das gute Resultat der Chorleistung wurde , von der des Orchesters nicht erreicht, weil die. Jnstrumentalgemeinschaft noch sehr jung ist, und Haydn, vor allem in den langen, begleiteten Rezitativen außerordentlich hohe Ansprüche an den Klangkörper stellt, denen mir ein völlig sattelfeste-,', routiniertes Orchester beikommen kann. Tie mühevolle Aufbauarbeit Roskins sei auch da nicht vorkannt, wo der Eriolg heute noch ausbleiben mutzte, weil die Sicherheit im Spielker einzelnen und un Zusammenspiel aller sür diese Partitur noch nicht ansreichte. Haydns Werk kommt Roskins Musikernatnr weit entgegen, und so konnte inan seiner Ausführung wohl zustimmen: das Tempo der ^rie -.Run beut die Flur" erschien allerdings zu gedehnt. Unter den Sängern hat die Prominenz Hermann Jadlowkers sicherlich einen großen Teil der Häver angelockt; der berühmte Kantor und Sänger hatte auch diesmal den großen Beifall des Piiblilums für sich wenn die Stimme auch nicht mehr die Biegsamkeit und Frische von früher hat. Hermann S ch e y s Bariton, voll und saftig aus einem gewaltigen stimmlichen Fundus mühelos hervorquellend, gibt jeder Phrase einen ungemein starken Nachdruck und erfüllt Haydns Musil mit einem Pathos, das mancher leicht fließenden Melodie erst das Gcivicht und die Bedeutung der Textwortc verleiht. «-eine Tarstellnng der beiden Arien des Raphael wird mit Recht als ein Glanzpunkt der Aufführung bejubelt. Julius Peissachowitsch setzt seinen kultivierten Bariton wie immer klug und vorsichtig ein und gibt der Partie des Adam viel Wärme; die Eva sang Toni Türk mit starker, kräftiger Stimme und mit sichtlichem Willen zu ausdrucksmüßiger Vertiefung; im Klange hätte das Metallische zugunsten des Weichen mehr znrücktreten müssen. Elsa K o ch - S r a b i n s k i konnte sich mit ihrer feinen Stimme in den Ensemble nicht immer behaupten, in den Solonummern dagegen kam viel zarter, leichter Ziergesang zur Geltung, der sich besonders in dem Girren und Kosen in den lustigen Koloraturen der Taubenarie zeigte. Ludwig Altmann. Tie KünstlerhiIfe der Jüdischen Gemeinde veranstaltete im Hause von Tr. A. Moses einen Kabarettabend „Eine Führung durch Castans Panoptikum". Mehr als zwei Tutzend Nummern erzeugten beste Stimmung. Egon Jacobsohn fungierte als umsichtiger Letter der mit einfachsten Mitteln aufgezogenen Veranstaltung und ivußte als sympathischer ..Erklärer" die imitierte Romantik des Panvptikums durch Vortrag lokal- und ' kulturhistorisch interesianter Anekdoten und Rcminiszenzen schmackhafter zu machen. Er hat mit Dr. A r o n, dem unentwegten vorzüglichen Helfer am Flügel, erheblichen Anteil am Erfolg des trotz mancher Bedenken recht beifällig arrfgenom. menen Abends. Man merkte, daß die Künstler, Leute vom Fach und Kabarettnachwuchs, mit Freude bei der Sache waren. Annemarie Hase erregte als Kartenhexe und Harsenjule „Furcht und Mitleid". Else Dublon gefiel wiederum durch ihre originellen Tänze und Kostüme, Irma I n s e l d gab der standhaften Berolina und einer stolzen Schönheitskönigin Leben durch ChanfonS.- und Else Loewen zeigte, u. a. als Pauline oukka vorgestellt, gepflegtes Stimmaterial. Ten berühmten Bellachini imitierte mit List und Tücke -^ieqbcrt Jaks und machte dem zahlreichen Publikum einiges Kopfzerbrechen. Als Straßennni'ikanten von Rang bewährten sich D u n i o und ein Sohn. Heinz Ro gland brachte seinen vollen Tenor zu bester Geltung, und Gerda Koeppler war als Berliner Mädel wie als Pariser „Dame" keck und scharmant. Viel Applaus hatte auch Erik Elken mit - seinen Acusikerpvrtäts. Dipl.-Jng. Bruno Woyda überbrachte Tank und Gruß des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Berlin. E. G. L. Ter Pianist Stephan A u t a l zeigte in seinem Hanökonzert sein beachtliches. Können. Er spielte Werke von Bach-Bnsoni. Beethoven, Dohnünyi, die „.Jeux d'eau“ von Ravel, die ihm ganz besonders ° gut gelangen, in einem zweiten Teil Liszt>Bearbettnngcn älterer Meister. Der junge Pianist verfügt über geläufige Technik und ausgeprägtes musikalisches Empfinden. Es wäre zu wünschen, daß er zu häufigen Pedalgebräuch einschränkt. Le. Ter Verein Synagoge Lindenstraße gab das erste einer Reihe von Konzerten. die, wie einleitend gesagt wurde, Freude und Schönheit in den grauen Alltag tragen sollen. Tie Hauptleistung des ersten Abends schon rein quautitav, vollbrachte der Organist und Chordirigertt der Synagoge Alexander Weinbau m, der das Konzert mit drei Sätzen-' ans Mendelssohn? Orgelsonate 0-moII erössnete. deren zweitem er reizvolle Klangfarben gab; außerdem begleitete er dezent und geschmackvoll alle Gesangsnummern und Jnstrumcntalsoli. die durchweg sür Orgel erst eingerichtet iverden mußten. Ober-, kantor ^Manfred L e w a u d v w s k i steuerte einige Proben seiner Eangeskunst bei die ihn stimmlich und ausdrucksmüßig auf gleicher Höhe zeigten. Lea Koppe! hat einen Alt, der schon durch den bloßen Klang Wärme nutzstrahlt: aber die Höhe ist von der Gefahr des Kippcns bedroht (das letzte Es bei Schubert!), hierauf muß sorgfältig geachtet werden. Ter üppig ausladende Eellvton Gottfried Zeelanders konnte in dem schönen Raum weit ausschivingen; eine eigene Kolnidrei-Vearbeitung ist geschickt gesetzt. In einer längeren Ansprache behandelte Rabbiner Dr. Blumenthal religiöse und künstlerische Probleme. . L. A. Osincn vielversprechenden Auftakt nahmen die Veranstaltungen dieses Winters im Hause Weil, die sich bereits im Vorjahr einen festen Platz im jüdischen Musikleben Berlins sichern konnten. Grete Sultan spielte Beethovens Sonate .,Les Adieux" mit feinstem Gefühl sür Pie leidensckiastliche Sprache dieser innigsten und einer der tiesstcv von Beethovens Klavicrsvnaten; die Pianistin verfügt über den klangvollen Ton. den besonders die Duett-Harmonie des ersten S-atzes erfordert, und sie vermag den nnermeßlichen Inhalt im Vortrag nachzufühlen. Tie innere Bewegtheit des Andante expressive kam herb und wunderbar verhalten znm Ausdruck, während für den stürmischen Schlußsatz die technische Virtuosität noch nicht so durchgebildet ist. um ihn völlig zu beherrschen. Ten beseelten Ton des Kantabile hörte man auch in der Begleitung zu Schuberts ..Winterreise", aus der Professor Ernst Possvny 20 (warum nicht auch die übrigen vier?) Lieder sang. Ter Sänger gestaltete den Zyklus mit starker Betonung des dramatischen Akzents, der der etwas spröden, aber mächtigen und in der Tieflage sehr schönen Stimme am meisten Zusagen muß. So wurden die Kontraste in den ..Gefrornen Tränen", „Rast" oder der wilde Trotz des „Mnt" am wirksamsten, und insgesamt war es gelungen, einen starken einheitlichen Eindruck zu vermitteln, was bei dem verschiedenartigsten Empfindung-:-:- reichtnm der Lieder dem künstlerischen Vermögen des Sängers ein hervorragendes Zeugnis ausstellt. Lai. fci OytjkM» Der Berliner Kulturbund veranstaltete am Sonntag, 28. Oktober, eine Führung im Atelier des Keramikers und Malers Emil Pottner. Ans einem Erdenkloß machte Gott der Herr den Menschen und blies ihm "seinen Atem ein und der Mensch wurde eine lebendige Seele, 2ldam wurde aus Erde und wir alle werden rvieder zur Erde. Und wenn die Erde, Stimme hätte, dann wäre der Ton die Stimme der Erde. Irden ist der Tou. Die irdene Stimme der. Erde, den Ton zu formen geziemt nur denen, die die Stimme der Erde hören können, die mitsnmmen. wenn sie an der Töpferscheibe sitzen. Emil Pottner hört sie. Emil Pottner summt mit. Seine Hände sehen scheu und fromm aus. wenn sie sich um den Ton legen, beinahe, als falteten sie sich zu einem Gebet in der Mitte der Töpferscheibe. Ton ist ein heiliges Material. Gott schuf ans ihm den Bleu scheu. Die Töpferscheibe. Emil Pottner. der Brennofen, die Hansen Ton. die Schüsseln mit Glasuren. Brennholz. Glasgefüße. Näpfe. Tüten, chemische Nchstosfe. halbsertige und fertige Keramiken und das Hand-

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