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Central-Verein-Zeitung · 1934-11-01 · 44 (1.11.1934) · page 11

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
44 (1.11.1934)
Date
1934-11-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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SSSWMHttt M Bern, 30. Oktober. (I. T. A.) Obergutachter Schriftsteller C. A. Loosli in Bern-Bümplitz, hat daS von ihm verfaßte Gutachten über die „Protofeile' dem Gericht vorgefegt. Aus rund 200 Seiten werden die dem Experten gestellten Fragen, nnd zwar: 1. Sind die sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion' echt, unecht oder gefälscht? 2. Stellen sie ein Plagiat, einen literarischen Diebstahl dar? 3. Fallen sie unter den Begriff der Schundliteratur. d. h. sind sie geeignet, durch Form oder Inhalt oder durch beides zur Begehung von Verbrechen anzureizen, eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung herbeiznführen. das Schamgefühl zu ' verletzen oder eine verrohende Wirkung auszuanssührlich beantwortet. Loosli gelangt zu der Feststellung, daß feine einzige Behauptung derjenigen, die die „Protokolle" als echt bezeichnen, ernster Prüfung ftandhält. Des MWßWWKMS Ter Berner Prozeß um die „Protokolle der Weisen von Zion' hat am Montag. 29. Oktober, s liiir früh im Assisen-Saal des Amtshauses in Bern begonnen. Trotz der Bemühungen des Gerichtspräsibenten konnte für die Angeklagten von Anus wegen kein Experte gefunden werden. Im Prozeß sollen folgende Zeugen austreten: Tr. Chaim Weizmann, Graf A. M. du Chayla, der 1909 mit S. A. Nilus, der in der Geschichte der Fälschung der ..Protokolle der Weisen von Zion' eine große Nolle spielt, im Lptina-Kloster znsammenlebte, Professor Swat i k o w. der 72jährige. in Paris lebende russische Publizist Wladimir Burzew. der seinerzeit in Nußland die historische Zeitschrift „Diloje' (Vergangenheit) redigierte, der Historiker und Schrift- Die Berichte von den Berner Verhandlungen über die Echtheit der „Protokolle der Weisen von Zion"' oder den Nachweis ihrer Fälschung lassen erkennen, daß hier erstmalig und von Grund auf vor einem Gerichtshof zum Kern dieser seit 14 Jahren umstrittenen Frage vorgedrungcn wird. Bei Schluß der Drucklegung stehen wir erst im Beginn der Verhandlung. Aber schon die bisher vorliegenden Meldungen zeigen die Umrisse des Problems, mit dem viel Leid und Bedrückung, viel Ehre und Würde von Juden verknüpft ist. Wir können nichts andere? als die Hoffnung aussprechen, daß in Bern die ungetrübte historische Wahrheit gesunden wird. t In der * nächsten Nummer hoffen wir das Urteil verössentlichen zu können. Wir werden hierbei Hergang und Zusammenhänge des gesamten Weiscn-von-Zion- Koinpleres darstellen. Heute bringen wir die Telegramme der ITA, wie sic am 31. Oktober hier eingingen. l!!M!I!iriI!I!II!l!!IIIII!IlII!!III!II!III>II!I!IIIIIIII!IIIIII,!II!!III!I!IIIIIII!!I!1!!II!!II!II!l!,III!!III!!II! fteßer Nikolasewsky, Dr. Henri S l i o s - berg. der 71jährige ehemalige "Vorsitzende des Verbandes der Petersburger Juristen und juristische Beirat im Ministerium des Innern während der Zarenzeit, der ehemalige Außenminister der Kerensky-Negierung. Professor Paul Miljukow. drei Schweizer, und zwar Franz Sieber und Hermann Dietrich, die beim ersten Zionisteu-Kongreß in Basel im Jahre 1897 als Stenographen fungierten, und ein Züricher Rechtsanwalt Dr. Zoller, der als Zuhörer den: Zionisten-Kougreß beiwohnte, der Stockholmer Oberrabbiner Tr. Markus Ehrenpreis, der einer der engsten Mitarbeiter Hcrzls war, Dr. - Farbstein und Justizrat Dw Max Bodenh e i m e r, die gleichfalls Teilnehmer des ersten Zionisten-Kongresses waren. Schließlich Dr. E. W e l t i und der bekannte Schweizer Schokoladensabrikant Tobler als Vertreter der Freimaurer. Ter gerichtlich gestellte Experte. Schriftsteller E. A. Loosli, und der von den Klägern namhaft gemachte Sachverständige. Professor Baum garten. werden Gutachten abgeben. Dann sollen die Ptaidoyers der Ankläger und der Angeklagten nnd schließlich die Verkündung des Urteils folgen. Es ist möglich und sogar wahrscheinlich, daß das Gericht vor der Urteilsverkündung eine kurzfristige Vertagung anordnen wird. AM MWDMNN Unter starkem Andrang des Publikums sowie zahlreicher in- und ausländischer Pressevertreter erösfnete am 29. Oktober der Gerichtspräsident Für« sprech W. Meyer um 8.00 Uhr morgens die Prozeßverhandlungen. Von der Seite der Kläger waren erschienen: die Israelitische Kultusgemeinde Bern, als Vertreter Herr Emil B e r n h e i m, und der Schweizerisch Israelitische Gemcindebund, ols Vertreter Herr Marcel Bloch. Tie jeweiligen Vertreter sind die Anwälte Georges Brunschvig und Professor Dr. Matti, beide in Bern. Von den Angeklagten waren anwesend: der ehemalige Gauleiter einer schweizerischen antisemitischen Vereinigung. Theodor Fischer und die Herren Aebersold, Haller und Silvio Schnell. Für mehrere von ihnen hatte Rechtsanwalt R u e f in Bern die Verteidigung übernonnnen. Als Sachverständige der klägerischen Seite war Professor Dr. Baun: garten von der juristischen Fakultät in Lasel erschienen. Die Vorladung des Gerichts an den von den Beklagten genannten Sachverständigen, Pastor a. D. M ü n ch m e y e r (Oldenburg in Deutschland) ist als unbestellbar zurückgekommen. Ter Orientalist der Züricher Universität, Professor Hausheer, hat es abgelehnt, an Stelle des Herrn Pastor Münchmeyer die Expertise zu übernehmen. Der vom Gerichtspräsidenten bestellte Oberg u t a ch t e r ist der Schriftsteller E. A. Loosli. Dis ZssM Tie Aussage Tr. Werzmanns: Als erster Zeuge wird der Führer der Zionistischen Weltorganisation Pros. Dr. Ehaim Weizmann, ausgcrufcn. Professor Chaim Weizmann erklärte, das Ziel der zionistischen Bewegung sei einzig und allein die Schaffung einer öfsentlichtrechtlich gesicherten .Heimstätte für die Juden in Palästina. Er selbst, der seit seiner Jugend der zionistischen Idee mit ganzem Herzen angehöre, habe 1897 nicht die nötigen Geldmittel besessen, um an dem ersten Zionistenkongreß in Lasel teilzunchmen. Er habe aber die Protokolle dieses Kongresses anfs genaueste studiert, und er könne aus dem Studium der Protokolle wie aller beteiligten Personen auf das' Sicherste hier erklären, daß neben den Vorhandlangen des Kongreßes und den erforderlichen Kom- Missionssitzungen keinerlei Gchcimsihungcn stattgesunden haben, in denen die angeblichen Pläne Kw Errichtung einer jüdischen Weltherrschaft besprochen worden seien. Er erklärte, die Behauptung, daß solche Pläne bestanden oder auch nur diskutiert worden seien, für eine Ungeheuerlichkeit. Aber auch ihre Durchführung oder Aufstellung sei z. Ldeshalb schon unmöglich, weil am ersten Kongreß Angehörige der Hochfinanz vder der Industrie nicht nur nicht teilgenommen. sondern sich schon vorher den zionistischen Bestrebungen äußerst feindlich gegenübergestellt hättew Auch sonst seien auf dem Kongreß nur Teile -der Judcnschast. vertreten gewesen, so daß diese weder ein N c ch t n o ch überhaupt' die Möglichkeit gehabt hätten. irgendwelche politischen Pläne, verbindlich Zur das ganze Judentum, a ufz u stellen. Er selbst habe erst im Jahre 1918 von den -„Protokollen' Kenntnis erhalten, als sie ihm von einem englischen General, der sie von einem russischen Offizier erhalten habe, zur Einsicht übergeben worden seien. Es heiße die in der jüdischen Religion ruhenden sittlichen Gebote und Anforderungen völlig auf den Kopf stellen, wenn man glaube, das; das Judentum und seine Religion fähig seien, derartige unmoralische und niederträchtige Pläne durchzusührcn, wie sie in den antisemitischen „Protokollen" den Juden zugcschricben werden. Niemals habe die zionistische Idee derartiges hcrvorbringcn können. Die zionistische Bewegung wollte den unterdrückten jüdischen Minderheiten ein leuchtendes, in die Zukunft weisendes Ideal aufstellen, schon damit sie nicht in negative revolutionäre Bewegung sich Hineintreiben lasse. Er selbst sei stets ein Anhänger eines a n t i - r c v v l n t i o n ä r e n Standpunktes gewesen. Wenn Juden sich hier nnd da revolutionären Bewegungen angeschlosscn hätten, so sei dies im wesentlichen ans die in manchen Staaten gegen sic gerichtete Unterdrückungspolitik Zurückzuführen. Tort, wo die Juden gerccht und human behandelt worden seien, hätten sic sich st e t s st a a t s e r h a l t e n d. oft auch konservativ, gezeigt. Auf eine Frage antwortete Weizmann, man könne keineswegs von Einigkeit des Judentums iu manchen Fragen, wie den den Zionismus betreffenden, sprechen. Ter Angeschnldigte Fischer bittet hier mns Wort. Er sei selbst „Zionist' in dem Sinne, daß er die Auswanderung aller Juden nach Palästina wünsche. Tr. Weizmann antwortet darauf, auf Zionisten solcher Art verzichte er gern. Aus die Frage eines Experten erklärt Dr. Weizmann, der Bolschewismus in Rußland habe die dortigen Juden nur in ungeheures Elend gestürzt und sie um Hab und Gut gebracht. Unter den führenden Zionisten befinde sich lein einziger Bolschewist. Ter nächste Zeuge Graf 2l. M. du Chayla, der mit Nilus. dem angeblichen Verfasser der russischen Ausgabe der „Protokolle der Weisen von Zion' im Jahre 1909 längere Zeit zusammcnlebte, hält diesen für keinen Betrüger, aber für einen Fanatiker, der vor allem in der Ueberzengung lebte, daß der A n t i ch r i ft bald kommen werde. Nilus zeigte du Chayla eines Tages ein Manu-, Skript, das angeblich die „Protokolle' enthalten sollte. Es war von verschiedenen Verfassern geschrieben und wies auf der ersten Seite einen hellblauen Tintenfleck auf. Nilus, so betonte du Chayla, habe ihm mitgetcilt. er habe diese Protokolle von dem in der russischen Geschichte als Fälscher und Spitzel bekannten N a t s ch o w s k y erhalten. Sogar Nilus, der doch die „Protokolle' angeblich registriert habe, habe oft an der Echtheit der ihm übergebenen Schriftstücke gezweifelt. Nach Graf Chayla sagt der russische Geschichtsforscher und Schriftsteller Sergius Swatikow aus, der im Jahre 1917 von der damaligen russischen Negierung den Auftrag erhalten hatte, die zaristische russische Geheimpolizei im Anslande zu liquidieren. Auch er erklärte, die „Protokolle' feien zweifellos eine Fälschung. Er bestätigte Dr. Weizmanns Aussage, daß die Lage der jüdischert Masserr unter der bolschewistis ch e n Regierung sehr schlecht sei. Ebenso wie du Chayla bezeichnet er R a t s ch k o w s k y als einen berüchtigten Fälscher. In Paris habe er 1917 den nächsten Mitarbeiter von Ratschkowsky, Henri B i n t, kcnnengclernt, der eingestand. Ratschkowsky sei der mittelbare oder unmittelbare Urheber einer ganzen Reihe von Fälschungen. Die sogenannten „Protokolle" hätten zwei Literaten, Mitarbeiter von Ratschkowsky, verfasst. Einer von ihnen, Golvwinsky. habe zu diesem Zweck längere Zeit Studien iu der Pariser Nationnlbibliothek getrieben. Mit von ehrlicher Empörung erregter Stimme betonte Swatikow zum Schluß, er habe als russischer Bürger und als Mitglied der früheren demokratischen russischen Negierung ein Interesse daran, daß diese „Protokolle' als Fälschung öffentlich entlarvt werden. Der Zeuge Wladimir Burzcw ist ein genaner Kenner der russisch-revolutionären Bewegung. Als er in den Vorkriegsjahren den berüchtigten russischen Spitzel Asew nnd verschiedene andere, im Dienste der russischen Geheimpolizei stehende Agenten entlarvte, war sein Name in allen Zeitungen 31t lesen. In Paris, wo er jetzt lebt, widmet er sich vor allem der literarischen Bekämpfung des Bolschewismus. Der Zeugs teilt mit, daß ihm der russische General Globotschow die Mitarbeiter Natschkowskys als Fälscher der „Protokolle' bezeichnet habe. Die Fälscher arbeiteten aus Befehl Natschkowskys. Durch die Hetze mit den ..Protokollen' hätten ihre Verbreiter in Rußland schwere Blutschuld auf sich geladen; denn nach seiner Ueberzengung wurden sie als Arzneimittel für die schrecklichen Pogrome 1919 absichtlich verwendet. Doris Nikolajcwsky, bekannt als russische- Historiker, der ein viel gelesenes Buch über die Äsew-Entlarvnng geschrieben hat. war der nächste Zeuge. Als politischer Gegner wurde er von den Bolschewisten ins Gefängnis geworfen und schließlich a u s g e w i e s e n. Er lebte dann in Berlin und jetzt in Paris. Bon größter Bedeutung ist der Teil seiner Aussage, iu dem er daraus hiuweist, daß das in London befindliche Exemplar der „Protokolle', das angeblich von Nilus verfaßt sein soll, und bisher stets als die erste Ausgabe der Fälschung angesehen wurde, nicht das erste ist. Tie ..Protokolle' wurden nach Nikolajewsly schon im Jahre 19 03. also zwei Jahre vor der Nilus-Ansgabe. in der russischen antisemitischen Zeitung ..Snamja' veröffentlicht. Ihr Herausgeber sei der berüchtigte K i s ch i n e w e r Pogrom Held Kr u s ch e w a u gewesen, einer der Führer der antisemitisch-m „Schwarzen Hundert', einer der gesä!>rlichsten Antisemiten, den zweifellos ein großer Teil der Schuld an den Judenpogromen treffe. Taß Nilus in keiner Auflage seiner Schrift die Tatsache ifrS Vorabdrucks durch Kruschewau erwähnt, sei äußerst ausfallend. Der Zeuge besprach dann eingehend das B c r - hältnis der Juden zum B 0 l s ch e m i s - m u s. Unwahr fei es, daß alle russischen Juden Bolsckjewisten sind. Es habe sogar einige jüdische Organisationen, wie den „Bund' gegeben, die erklärte Feinde des Bolschewismus waren. Ein fr« liebtes Mittel der Antiseiniten sei cS auch, nicht jüdische Bolschewisten für Juden zu erklären. Ebenfalls unwahr sei die Behauptung, die jetzige bolschewistische Negierung sei vollkommen jüdisch. In Wirklichkeit gehören ihr nur ganz wenige von Juden abstammeude Personen au. WMsr SßfcDioiiü® Am 30. Oktober wurde der jetzt in Paris lebende berühmte russische Jurist Henri Sliosberg als Zeuge vernonunen. Sliosberg, der im alten Rußland die offizielle Zeitschrift der Juristen redigierte und Vorsitzender der Petersburger Anwaltskammer war. gehörte politisch der Kadetteupartei au und ist als erbitterter Gegner des Bolschewismus bekannt. 1901, so berichtete der Zeuge, habe ihm der dainalige Finanzminister Witte den Auftrag erteilt, ein Gutachten über die ..Protokolle' zu verfassen. Auch er. wie Nikolajewsky es bereits iu der Montagsverhandlirng bezeugt hat. kennt den Druck der „Protokolle", der vor der Nilus-AuSgabe in der antisemitischen Zeitung ..Snamja' erschienen ist.- Bei seiner genauen Kenntnis der russischen Literatur und Politik war er sich sofort darüber klar, daß cs sich hier um eine böswillige Fälschung handelte. Mit dieser Fälschung sollte ein Schlag nicht nur gegen die Juden, sondern gegen die Demokratie und den Minister Witte geführt werden. Wittes Plan, die Goldwährung 1899 einznsühren. wurde als jüdische Mache dargestellt. lieber die Juden sollten der Liberalismus und Witte getroffen werden. Beweiskräftig sei, so führte Sliosberg aus. daß er. als genauer Kenner der Methoden der russischen Geheimpolizei. der Fälschung sofort ihre Herkunft, nämlich ans der FälscherwerkstäLte der Geheimpolizei angesehen habe. Jeder Eingeweihte in Rußland habe wohl N i l n s als hemmungslosen Fanatiker gekannt. Ten Agenten der Geheimpolizei, Ratschkowsky, kannte Sliosberg persönlich. Er war als berüchtigter Agent-Provokateur, wie jeder Politiker wußte, tätig. Als Sliosberg nach Paris übcrsiedeln mußte, gründete er dort die Liga zur Bekämpfung des russischen Antisemitisinus, der viele Mitglieder aus den christlichen konservativen Kreisen Rußlands, die nach Paris flüchten mußten, angehörten. Die Liga ließ eine Denkschrift über die „Protokolle' erscheinen. Damals überbrachte ihm ein Russe ein Dokument, das einem cuntlichen Archive entstammte. Es war „Geheimnis der Juden' betitelt. Dieser Russe, .ein gewisser Prosorowsky, hatte Archive im Aufträge der Ochrana zu bearbeiten, und dabei war ihm dieses Dokument in die Hände gesellen. Es ist deshalb wichtig, weil darin damals schon (1895!) in diesem Dokumente klare Hinweise enthalten sind, wie sie in den „Protokollen' wicderkehren. — Sliosberg schloß damit, daß er mit der ganzen Autorität seiner Persönlichkeit die „Protokolle' als eine Fälschung brandmarkte. die selbst in russischen Negierungskreisen als solche erkannt worden sei. Der nächste Zeuge ist der heute in Czernowitz lebende ehemalige Präsident des jüdischen Pariamentsklubs in Rumänien. Dr. Mayer Ebner. Er ist Teilnehmer des ersten Zionntentongresses in Lasel 1897. Tr. Mayer Ebner sagt aus. er-habe dem ersten Kongreß 1897 in Lasel in allen Sitzungen bciaewohnt. Niemals habe dabei eine Geheimsitzung im Sinne der ..Protokolle' statt-gesunden, lieber den Unsinnder jüdischen Weltherrschaft sei weder innerhalb noch außerhalb auch nur ein Wort gesprochen worden. Gegenstand der Verhandlungen sei einzig und allein die Schaffung einer jüdischen Heimstätte in Palästina gewesen. Besonderen Eindruck machte es. als der ergraute Politiker feierlich und erregt ausrief: „Ich hätte gerne einen heiligen-Eid geleistet, daß über die sogenannte jüdische Weltherrschaft m Basel damals kein Wort gesprochen worden ist.' Ten Inhalt der „Protokolle' bezeichncte der Zeuge als Wahnsinn. Der Gerichtspräsident legt bei dieser Gelegenheit die inzwischen herbeigeschasften Original- Protokolle, also die echten Protokolle - des ersten Zionistenkongresses in Lasel vor. Tr. Mayer- Ebner erklärte dazu-, andere ..Protokolle' als diese gäbe es nicht. Ein Unding sei es. wie das von antisemitischer Seite wiederholt geschehen sei, den zionistischen Kulturpolitiker Achad -Haam (A. Ginzberg) als Verfasser jener gefälschten ..Protokolle' hinzustellen. Achad Haam, den Tr. Mayer Ebner genau gekannt habe, sei ein viel zu edler und vornehmer Mensch gewesen, um jemals so blutrünstige Pläne einer jüdischen sogenannten Weltherrschaft ausgestellt zu haben. Hier erklärte der angeschuldigte Fischr unter Heiterkeit der Verhandlungsteilnehmer. auch die hier vorgelegten amtlichen Protokolle des Zionisten« kongresses könnten ja eine Fälschung sein. Der frühere Außenminister Miljukow als Zeuge Ter alte Führer der Kadettenpartek. der heute, allgemein hochgeachtet, in Paris lebt, erklärt, er sei nicht Jude und stamme aus altem Adel. Die alte kaiserlich russische Regierung war antiseiuitisch. Unter der Negierung des Zaren Alexander II. herrschte ein humaneres Regiment. Der Anteil der Juden an der bolschewistischen Revolution entspräche lediglich ihrem Z a h l e n v e c - h ä l t n i s. Tie „Protokolle' seien ein Plagiat des Buches von Maurice Joly, das 1864 zuerst erschienen sei und den Titel „Oes Oialo§ues aux Enfers entre Macchiavel et Montesquieu“ führe. Allerdings bewege sich die Schrift Iolys auf einem weit höheren Niveau als die gefälschten „Protokolle". Nilus, dem man die Verfasserschaft der falschen „Protokolle" zuschrcibe, sei als Fanatiker allgemein bekannt gewesen. Zum Schluß seiner Vernehmung werden an Exminister Miljukow von den Sachverständigen und den die Klageparteien vertretenden Anwälten einige Fragen gestellt. Miljukow stellt fest, daß Weber ein Historiker noch irgendein Gebildeter an die Echtheit der „Protokolle" jemals geglaubt habe. Ter Stockholmer Obcrrabbincr Ehrenpreis Ehrenpreis gehörte zum engeren Mitarfritcrkreis Theodor Herzls und hatte bereits aut frm ersten Basler Kongreß 1897 das Referat über

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