Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 44 (1.11.1934)
- Date
- 1934-11-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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U-J ' . Novbr. . 1934 2. Beiblatt V \\ i; I:! ■ ■ Wir hatten uns vor einiger Zeit an dieser Stelle mit der Notwendigkeit einer gründlichen praktischen und theoretischen Ausbildung des jüdischen wirkschaftl;c!)en Nachwuchses in Deutschland beschäftigt („b.-B.-Zeitung" Nr. 29. „Bildungsprobleme in der Wirtschaft). Zahlreiche Zuschriften haben uns die Aktualität dieses Themas bewiesen. Fast alle aber, münden sie in die Frage: Wer soll schulen, und wie fall geschult lverden? An manchen Stellen und in manchen Gruppen der Jugend wird bereits recht erfolgreich gearbeitet: vielerorts scheinen aber doch die praktischen Möglichkeiten zu einer erfolgreichen wirtschaftlichen Arbeit noch nicht auf den richtigen Wegen gesucht ,;u werden. Al^ Endziel für jede wirtschaftliche Schulungsnrbeit must die Schaffung einer üderdurchs ch n i t t l i ch e n L e i st u n g s s ä h i g k e i t bei denen gelten, die in naher Zukunft die Wirtschaftlidtc Güte des deutschen Judentums darstellen sollen. Sie erreicht man aber nicht n u r dadurch, das; mail dem Nach'wuchs eine gewisse Fertigkeit in der Technik der Wirtschaftsführung bcibringt, so wichtig diese auch sind und immer sein lverden. Niemand nlöchte sie in einer folgerichtig ansgetauten wirtschaftlichen Erziehungsarbeit missen. 'Wie sehr sie bei vielen leider heute noch fehlen, geht aus den nwiter unten mitgeteilten Ergebnissen der erüen.ganfmanrlS-Pflichtprüfnng in einemHandelskammerbezirk l)ervor. Für unsere Jungen ist aber daneben die Kenntnis der Wirtschaftsbedingnngen. lmtcr denen wir leben und arbeiten, von gleich großer Wichtigkeit; vor alleni aber gehört die Stabilisierung einer Wirt» s ch a f L s g e s i n n u n g hierher, die inan nicht besser als mit dem alten Begriff des „ehrbaren Kaufmanns" bezeichnen kann. Das Wort vom „königlichen Kaufmann" nruß Allgemeingut unserer Jugend in der Wirtschaft werden. Gerade, weil in der U:n s ch i ch t u n g — so erfreulich und notwendig sie oft ist — nicht alles Heil liegt, sollten wir bedacht sein, in unseren jungen jüdischen Wirtschaftlern eine Elitegruppe zu schaffen, die überall ihren Mann — im besten Sinne des Wortes — stehen kann. Dazu gehören nicht etwa Kenntnisse in theoretischer Nationalökonomie, sondern neben einem gründlichen Fachwissen vor allem die Kenntnis um die Entwicklung und den Stand der deutschen Volkswirtschaft, ihrer wichtigsten Einrichtungen und Organisationen, ihrer sozialen und rechtlichen Grundlagen und schließlich ihrer Verbinüungen zur Weltwirtschaft. Das sind alles Tinge, die sich unsere Jungen — wenn sie wollten — früher an allgemeinen Bildungsstätten aneignen konnten. Heute ist es für die jüdische Jugend und vor allem für die jüdischen Organisationen eine wichtige Ausgabe, aus unserer Gemeinschaft heraus einen Ersatz für verlorengegangene Bildungsmöglichkeiten zu suchen. Es dürften leicht in den einzelnen Gemeinden einige Menschen gefunden werden können, die neben Sachkenntnis auch das notrvendige Einfühlungsvermögen besitzen, um den Jungen den wirtschaftlichen Fragenkreis in einer Form nahezubringe;;, die in ihnen die Erkenntnis weckt, wie notwendig die Beschäftigung mit diesen Dinger; ist. Den Lehrhäusern erwächst eine bedeutsame Aufgabe. (Nebenbei: ein wichtiges Thema, das zu vielem hinfnhrt. dessen Kenntnis erforderlich ist: „Wie lesen wir den Handelsteil einer Tageszeitung?") * Aber — wie bereits gesagt — auf gleicher Stufe muß gemeinsam mit dem Fachwissen eine g u: e technische A u s b i l d n n g unseres wirtschaftlichen Nachwuchses gestellt werden. Daß auf dieseiu Gebiet von seiten der Lehrherren mtd Bctriebssührer noch manches getan lverden foim, geht aus der schon kurz erwähnten ersten KaufmaunS-Pfliclsi. Prüfung hervor, die in einem Handelskammerbezirk (Rhein-Main) durchgeführt worden ist. Wir führen diesen Fall hier als Beispiel an, um auch jeden jüdischen Lehrherru auf die in der Lehrlingsausbildung noch vorhandenen Mängel hinzmveisen. Nach einem in einer Fachzeitschrift („Eberswaldcr Offertenblatt") über diese Prüfung erschienenen Artikel hat sich bei ihr unter anderen; durchgehend eine unzureichende Ausbildung sowie mangelhafte Kenntnisse in; Rechnen, in Fragen der Buchführung n. a. in. ergeben. Be; 40 Lehrlingen aus dem Einzelhandel mit Eisen, Stahl und Metallen seien 30 ohne Borkenntnisse in Kurzschrift und Maschinenschreiben gewesen. Es habe sich auch gezeigt, daß die Beschäftigung zu vieler Lehrlinge in einen; Betrieb der Ausbildung oft recht abträglich fei. Als ein entscheidender Mangel. habe sich auch die oft l>c-;nerkbare Teilausbildung ausgewirkt, wenn Lehrlinge seitens der Lehrhcrren mit Hilfsaröciten in einzelnen Abteilungen beschäftigt werden, ohne Gelegenheit zu haben, den ganze;; Betrieb kennenzulernen. soweit aus diesem Bericht. Gerade weil uuseren jungen jüdischen Kauflcnten und Handwerkern heute viele Möglichkeiten der Aus. und Weiterbildung nicht mehr offen stehen, muß die Schulung im Betrieb um so intensiver erfolgen. Die besten Kurse vermögen sie nicht zu ersetzen. Neben diesen praktischen Hinweisen zeigt uns die Umwelt aber auch einen neuen Weg. wid die Durchdringung der Fragen^ die in der prak-' tischen Wirtschaft für den zukünftigen Kaufmann einmal eine Nolle spielen, angefaßt werden kann. Die Hitler-Jugend hat, wie einem Bericht des „Berliner Tageblatt" zu entnehmen ist, für junge Angestellte im Rahmen einer „Deutschen Uebungswirtschaft" sogenannte Uebungsfirmen errichtet, die nicht nur mit dem Ziel einer beruflichen Leistungssteigerung arbeiten, sondern die - auch eine neue Arbeitsgesinnung herbeiführen sollen, die den Beruf nicht lediglich vom Gesichtspunkt des Broterwerbs aus ansieht. Bor allem soll auch der Blick für die volkswirtschaftlichen Zusammenhänge geschärft werden. Tie Uebungsfirmen sind genau wie wirklich arbeiteiwe Betriebe aufgebaut. Sie stehen untereinander in vollen; geschäftlichen Berkehr; sie erledigen die einzelnen Gcschäftsvorfälle genau so, wie sie sich in der Praxis abwickeln. Selbstverständlich sind Waren und Geld nur angenommene Werte in den Büchern der einzelnen Ucbungssirmen. Die Leitung dieser Firmen liegt in den Händen von Fachleute;;, die sich nebenbei dieser ivichtigeu Schulungs- und Erziehungsarbeit widmen. Wir führen auch dieses Beispiel an, um zu zeigen, wie durch die Zusammenarbeit der I u g e n d m; { praktischen Wirtschaftlern hier ein interessanter Weg zur beruflichen Weiterbildung bcschritten wird, der über die bisher vielfach üblichen Methoden hinausführt. Wir habe;; diese Beispiele nicht zur einfachen Nachahmung (das ist vielfach gar nicht möglich) gegeben, svndern vor allein, um zu zeigeil, wie überall die Notrvcndigkeit einer gründlichen bc-. ruflichen Durchbildung des wirtschaftlichen Nachwuchses erkannt lvird. Gleichzeitig inögen sie als Maßstab dafür dienen, ivic wichtig die Lösung dieser Aufgabe für die jüdische Jugend ist. der aus unseren Reihen ein Ausgleich für die verschiedenen ausgefallenen Fortbildimgsmöglichfeiten gegeben werden muß. Wahrlich ein 'Fragenkreis, der gründlicher Behandlung durch die jüdischen Z e n t r a l - Organisationen wert erscheint.!l. W—I. ÄWWWr« An; 16. Oktober hat die Hauptversammlung des Hnnsabund für Geiverbe. Handel und Industrie Beschluß über die Auflösung des Bundes gefaßt. Damit ' ist die Geschichte dieser Bereinrgung, die genau 25 Jahre währte, zu Ende. An chrer Wiege stand ein Mann. der auch sonst im geistigen, wirtschaftlichen und politischen Leben Deutschlands seinerzeit in vorderster Linie zu finden war: Jacob N i e ß e r. Jacob Nießer war der Abstammung nach Jude — ein Neffe Gabriel Nießers. wenn er sich auch vom Judentun; inuner mehr entfernt und schließlich alle Beziehungen zu ihm abgebrochen hat. Trotzdem und deshalb verlohnt es sich für uns in den; Augenblick, da wenig mehr als zwei Jahre nach den; Tode des Gründers auch der Hansavund seine Wirksamkeit beendet, einen Blick auf den Lebensweg dieses Mannes zu werfen, der zu seiner Zeit mit Ehren reich bedacht rvar. Jacob Rießer war von Hause aus Jurist, aber schon im Jahre 1SSS trat er in den Vorstand der Bank für Handel und Industrie, der späteren Tanatbank, ein. Dem Institut blieb er bis in sein hohes Alter, zuletzt als Aufstchtsratsvorsihender, eng.verbunden. Aus der aktiven Bankleituug lvar er jedoch schon 1906ausgeschicden. nachdem er eine ordentliche Honorarprosessur an der Berliner Universität erhalten hatte. Seine größte Wirksamkeit al>er entfaltete Jacob Rießer zunächst in der G» meinschaftsorganisätion ' des Bankgewerbes und später in; Hansabund. Der C e n t r a l v e r b a u d des deutschen Bank- und Bankierg e w e r b e s, der jetzt in die Fachgruppe „Privates Bankgewerbe" in; Rahmen der Gesamtocgainsativn der deutschen Wirtschaft ühergeleitet wurde, verdankt sein Entstehen in; Jahre 1900 vor allem der Initiative Jacob Rießers. Lange Jahre rvar er auch sein Borsitzender und präsidierte in dieser Eigenschaft einer ganzen Reihe deutscher Bankier- In die Arena des ivirtseliaftlichen und politischen Kampfes aber trat Jacob Rießer erst init der 1909 erfolgten Gründung des H a n s a b u n d c s . dessen Vorsitzender er bis 1920 blieb und der ihn dann zum Ehrenpräsidenten ernannte. Die Gesichtspunkte. ans denen heraus der .L>ansabnnd dainals entstand. sind uns heute nur noch schiver verständlich. In erster Linie sotlte er die Interessen des geioerbetätigen Bürgertunis gegenüber anderen Gruppen vertreten, und gleichzeitig woNtc er dieses Bürgertum zu selbstbewußter Mitwirkung am Staat und zu einer freien lvirtschaftspolitischen Entwicklung führen. Das Ziel, da-i sich Jacob Rießer gesetzt hatte, hat er in; Hansabnnd nur zun; Teil erreicht, und die Bedeutung des Bundes verblaßte schon in den letzten Jahren inuner mehr. Die Sätze, die der Bund seinein Gründer und ehewatigen Präsidenten zum 75. Geburtstag in; Jahre 1926 widlnete. verdienen ober hervorgehoben zu werden: ..Deutschlands Geiverbe. Handel und Industrie durften sich beglückwünschen tu Zeiten der Not. der Selbstbesinnung und des „Staatsbürger- Werdens" diesen Führer gehabt zn haben." Neben dieser Tätigkeit war Jacob Rießer auch auf vielen anderen Gebieten und in vielen anderen Greinien — vorwiegend juristischer und wirtschaftlicher Zielsetzung — tätig. In; Jahre 1916 trat er als Mitglied der nationallibcralen Fraktion und später der Deutschen Bolkspartei in den Reichstag ein. dessen Vizepräsident er nach 1921 einige Jahre war. Jacob Rießer war der Repräsentant einer vergangenen Epoche, aus der heraus nur auch seine Einstellung zun; Judentun; und zu jüdischen Dingen erklärt lverden kann. Er war aber ein Mann, der seine ganze Kraft und Arbeit cinsetzte für das Wohl Deutschlands und der deutschen Wirtschaft, wenn auch der Weg. den er ging, und die Gedanken. die er vertrat, von der Entwicklung überholt wurden. H. W—L M ZMschs MrMMt Ter Führer und Reichskanzler hat am 26. Oktober eine Verordnung über Wesen und Ziele der Deutschen Arbeitsfront erlassen, die in den Tageszeitungen veröffentlicht worden ist. Diese Verordnung regelt die Organisation, das Betätigungsgebiet und das Vermögen der Arbeitsfront. Der Stabsleiter der PO. Dr. Leh, hat in seiner Eigenschaft als Führer der Arbeitsfront in einem Ausruf vom 30. Oktober erklärt, daß er zu jedem Abschnitt der Verordnung alsbald genaue Ausführungsbestimmungen geben werde. Da sich erst ij'di iXFOlkDIDitPiTi (Bl ü(Di n 8iw i 9 LR h'-. I » 1 [ i y ] L lavlli J Inh. Emil u. Friedrich lang YJeingrosshandlisng Breslau 6 — Friedrich Wilhelmstr. 30 empfiehlt besigepilegto Weine aller Art. ©D GMBH Wcisenhaussfr.81 u.ll SsIdGOSlGffe Seiösntiöndsr Sammele Sfiav/is Puizart&el SteierEingang von Neuheiten m L lyrrassa Breslau — Karlstr. SO Schufearen - GrossiiandlsaaS! Ständig grosses Lager in allen Saisonartikeln lUbisSiiyiBl ü Frankfurt a/M Chemische und Seüsnfaörüi MÖffitiLtsw'Jy kwicjlbliüla BRESLAU I # Schlrtnraf^lbri Verlangen 5ie Offerte «» onMskererrLL.f Ctenssz StrumsüCjilL UmMIWLM Frankfurt a.M., Kaiserstr.53 Knöpfe und Besätze W' ®!©aa&3 V/sbvvarsn - GrossiiEnöIwr.g Wäsche- und SchOrzcnfabrlk Damen* und Kindergelder Stapelgenre CsGüeBe L?' ”• Chemnitz üelsrGl von Metts and CHEMNITZ tlecb. VMerei für MsWfe. BMeetea, feioeltes. Eerßteller Kö'SaS AG. 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